Hochintelligente Dinos: Warum Eigentlich Nicht?
blitzlicht
Kontroverse um reptiloide Skulptur im Museum Tatunca Nara meldet sich offiziell zurück – auf Facebook!
Was wäre, wenn sich besonders clevere Dinosaurier im Lauf der Evolution zu intelligenten Zweibeinern entwickelt hätten? Jahrzehntelang sorgte eine entsprechende «Alien-Skulptur» im kanadischen Nationalmuseum für Aufregung. Mittlerweile ist sie spurlos verschwunden. Weshalb?
Tatunca Nara bei Facebook? Das lässt aufhorchen: In den 70er-Jahren hatte der umstrittene «Indianer- Häuptling» vorgegeben, Anführer eines Volkes zu sein, mit dem er in einer geheimen «Stadt der Götter» im brasilianischen Regenwald lebe.
Uralte technologische Relikte sollen dort lagern, behauptete Tatunca.
In der Folge verschwanden mehrere Touristen spurlos, die er in den Dschungel geführt hatte. 1990 wurde er zudem als deutscher Auswanderer namens «Günther Hauck» entlarvt. Ebenfalls aktiv wurde damals das Bundeskriminalamt (BKA).
Seither ist es um Tatunca still geworden, obwohl er in Barcelos am Rio Negro bei Manaus noch heute als Touristenführer unterwegs ist!
Seit 2011 taucht der Gesuchte nun überraschend im Internetportal Facebook auf, wo er am 19. Januar mitteilte, dass er «jetzt lecker Bohnen esse». Gleichzeitig verriet er dabei auch seine E-Mail-Adresse: tatuncanara1941@googlemail.com.
Beim BKA druckst man auf Anfrage von «mysteries» derweil herum: Ob einst tatsächlich gegen Tatunca ermittelt worden sei, könne heute nicht mehr mit Sicherheit gesagt werden, so Sprecherin Sandra Clemens. «Generell kann ich aus Sicht des BKA alle Ihre Fragen über Herrn Hauck deshalb nur mit einem klaren Jein beantworten.»
Warum sind die Dinosaurier vor knapp 66 Millionen Jahren endgültig von der Erde verschwunden? Darüber rätseln Wissenschaftler bis heute. Was also, wenn einige wenige Arten im Laufe der Evolution womöglich doch überlebt und sich analog dem Menschen aufgerichtet und zu Intelligenzbestien weiterentwickelt hätten? Wie würden sie heute aussehen?
Fragen, die bereits Dale A. Russell, Paläontologe und Kurator im National Museum of Natural Sciences in Ottawa (Kanada), beschäftigten. Besonders viel Potenzial für eine Weiterentwicklung zum «Dinosauroiden» – einem dem Homo Sapiens ähnlichen Zweibeiner – ordnete Russell dem Stenonychosaurus («Trodoon») zu, der vor rund 75 Millionen Jahren in Kanada gelebt hatte. Nachdem er als erster einen Schädel des zweibeinigen Raubtieres ausgegraben hatte, begann er speziell dessen Gehirngrösse zu vermessen. Resultat: Im Vergleich zu seiner Körpergrösse war das Volumen ungewöhnlich gross für einen Dinosaurier. Schlussfolgerung: Der Intelligenzquotient des «Trodoon» dürfte im Vergleich zum heutigen Menschen zwar relativ klein gewesen sein – war dem Intelligenzgrad anderer Dinosaurier seinerzeit aber sechsmal überlegen.
Im Rahmen eines «Gedankenexperiments» versuchte Dale A. Russell aus dem fossilen Material anschliessend das vollständige Skelett der Urzeitkreatur zu rekonstruieren. Danach unterwarf er «seinen» Dinosaurier der Evolution, wie die Erde sie später durchlebte. Ein kniffliges Unterfangen…
Humanoides Echsenwesen Seine Forschungen führten Russell in den 80er-Jahren zu mehreren plastischen Modellen – bis hin zu einem komplett modellierten, aufrecht gehenden, humanoiden «Echsenwesen» – ohne jegliche Geschlechtsmerkmale, dafür mit grossen, reptilienartigen Augen und dreifingrigen Händen.
«Der schwere Kopf mit dem grossen «Trodoon»-Dino (Hintergrund). Vorne: Gehirn», so folgerte der Paläontologe, Sein fiktiver, moderner Nachfolger.
«muss von einem starken Schultergürtel Ausgabe 3/11 Diverses getragen werden. Dies ist die Voraussetzung für den aufrechten Gang.»
Ausführlich dokumentiert hat Dale A. Russell seine Gedanken erstmals in der Museumspublikation «Syllogeus» (Nr. 37/ 1982). Als Co-Autor fungierte sein Wissenschaftskollege Ron Seguin, der den rund 1.30 Meter kleinen echsenartigen «Trodoon Sapiens» nach Russells Theorien massstabgetreu modellierte. So wie er heute, im 21. Jahrhundert, auf der Erde herumstolzieren würde.
Jahrzehntelang sorgte das «Dinosauroid»-Modell der beiden Forscher im Nationalmuseum von Ottawa bei Besuchern aus aller Welt für neugierige Blicke und engagierte Diskussionen. Im Museumsbüro glühten derweil die Telefondrähte. Journalisten und andere Interessierte aus aller Welt bestürmten die Verantwortlichen mit Fragen. Und so wurde der ganze Rummel selbst Dale A. Russell irgendwann zu bunt– so dass er zeitweise kein einziges Telefongespräch mehr persönlich entgegennahm.
Doch warum die ganze Aufregung? Weil Russell und Seguin «zufälligerweise» ein fiktives Wesen ersonnen hatten, das UFO-Beobachter in aller Welt markant an ihre Begegnungen mit offensichtlich ausserirdischen Kreaturen erinnerte! War sich Dale A. Russell dieser Ähnlichkeit von Anfang an bewusst?
Und: Was meint er heute dazu?
Museum verbannt Skulptur in den Keller Höchste Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen, dachte sich «mysteries» und bat die Museumsverantwortlichen in Kanada um aktuelle Pressebilder des skurrilen «Dinosauroiden», der gemäss vielen Internetquellen bis heute besichtigt werden kann. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuss: «Die fragliche Skulptur ist bei uns leider nicht mehr ausgestellt», antwortete Museumssprecher Richard Martin auf Anfrage. «Wir haben sie bereits 2004 entfernt, als wir in unserer Fossilien-Ausstellung grössere Renovationen durchführten.»
Warum? Weil die Skulptur, wie Richard Martin bestätigt, «in vielen sensationsheischenden Presseartikeln leider mit UFOs und Aliens in Verbindung gebracht» wurde, was den kanadischen Museumsvertretern ganz offensichtlich gar nicht in den Kram passte. «Ausserdem hat Herr Russell seinen wissenschaftlichen Standpunkt im Laufe der Jahre geändert. Insofern kann und will Ihnen unser Museum auch keine Pressefotos mehr aushändigen.»
Dale A. Russell wechselte anfangs der 90er-Jahre an die North Carolina State University (Raleigh, USA). Auf deren Homepage wird er heute als «Senior Curator of Paleontology» und «Research Professor Emeritus, NCSU» gewürdigt. Trotz mehrfacher Anfrage von «mysteries» wollte sich der Mann leider nicht dazu äussern, aus welchen Gründen sein «Dinosauroid» 2004 aus dem Museum verbannt wurde.
Bleibt die Hoffnung, dass das «plastische Gedankenexperiment» nicht vernichtet wurde und heute zumindest noch im kanadischen Museumskeller lagert. Auf dass die von Russell und Seguin erschaffene originelle Skulptur dereinst wieder das Licht der Öffentlichkeit erblickt – und unsere trägen Gehirnzellen weiterhin zum Denken anregt.





