Klaus Dona wagt es erneut: Der Initiant der kontroversen archäologischen Ausstellung «Unsolved Mysteries» lanciert in Japan eine Neuauflage seiner Kuriositätenschau – mit zusätzlichen, sensationellen Fundstücken. Darunter Skelettreste von «Riesen». Ausserdem ist er in Ecuador einer geheimnisvollen Flüssigkeit auf der Spur, mit der einst Steine «weich gemacht» worden sein sollen. Mittlerweile beginnen sich immer mehr Fachleute für die seltsamen Fundstücke zu interessieren.
von Reinhard Habeck
Werden Sie manchmal auch mit Dingen konfrontiert, die Sie sich beim besten Willen nicht erklären können?
Mir ist es in den letzten Jahren ständig so ergangen. Auslöser war die vom Kulturmanager Klaus Dona initiierte spektakuläre Ausstellung «Unsolved Mysteries – Die Welt des Unerklärlichen» in Wien. Nach vielen mühsamen Recherchen und mehreren Reisen rund um den halben Globus war es ihm und unserem kleinen Team gelungen, 487 mysteriöse archäologische Objekte aus aller Welt zusammenzutragen. Rund 100 000 Besucher zog die Ausstellung im Vienna Art Center 2001 in ihren Bann.
Jedes einzelne Stück fordert zur Diskussion heraus – vom winzigen Knochenfragment einer unbekannten Kultur bis hin zu Jahrtausende alten Dinosaurierskulpturen. Ein buntes Panoptikum von Merkwürdigkeiten breitet sich vor uns aus. Durchwegs archäologische Rätsel, die eine alternative Betrachtungsweise fordern.
Viele Objekte stammen aus Privatsammlungen, doch haben sich auch renommierte Museen bereit erklärt, Exponate zur Verfügung zu stellen.Vor allem das Museo Weilbauer der katholischpäpstlichen Universität in Quito (Ecuador). Es steuerte eindeutig präkolumbisch datierte Keramikköpfe bei, deren negroides Aussehen unbestreitbar ist. Wie aber gelangten Schwarzafrikaner lange vor Kolumbus nach Südamerika? Und weshalb bekommt man solche Exponate nicht öfter zu Gesicht?

Recherchen vor Ort. Ausstellungsmacher Klaus Dona (r.) und Reinhard Habeck (M.) in Südamerika.
Die Kontakte zu Prof. Dr. Masaaki Kimura wiederum eröffneten die Möglichkeit, weltweit neue Funde aus den unterseeischen Gesteinsstrukturen vor der japanischen Insel Okinawa zu präsentieren. Das felsige Gebilde mit Steinsäulen, Treppen und Plateaus erinnert an ein gewaltiges, von Menschenhand errichtetes Bauwerk.Am Meeresgrund aufgefundene Steingebilde mit Bearbeitungsspuren und Gravierungen untermauern diese Behauptung.
Nachweislich 500 Jahre alt
Nicht zu vergessen auch Joky Van Dieten. Die ehemalige Rennfahrerin und Hüterin weltweit bekannter Kristallköpfe, liess sich erweichen, ihre sechs Quarz-und Edelsteinschädel zur Verfügung zu stellen. Unter den ungewöhnlichen Schätzen wird das Prunkstück der Sammlung «E.T.» genannt.
Der berühmte Rauchquarzkopf aus Guatemala wurde im Naturhistorischen Museum in Wien analysiert und für authentisch befunden – und hat nachweislich ein Alter von mindestens 500 Jahren. Wie er damals hergestellt wurde, bleibt rätselhaft.
Die Beispiele liessen sich beliebig erweitern.
Die «Unsolved Mysteries» sorgten für ein gewaltiges Medienecho und eine lebhafte Diskussion, die bis heute unvermindert anhält. Aus allen Kontinenten meldeten sich Besitzer von «unerklärlichen» Artefakten, Fernsehstationen kündigten TV-Sendungen zum Thema an, und hochrangige Wissenschaftler nahmen einige der zweifelhaften Objekte kritisch unter die Lupe.
Mehr noch: Inzwischen ist es Klaus Dona gelungen, weitere kuriose und unbekannte Schätze aufzustöbern: Menschliche Knochen eines Riesen aus Ecuador etwa, die zu Lebzeiten einem Zweibeiner gehörten, der unfassbare 7,50 Meter gross gewesen sein muss!
‹‹ Skelettreste eines 7,50 Meter grossen Wesens aufgestöbert?
«Einer der Skelettreste wurde mittlerweile von einem Anatomen untersucht und als menschlicher Knochen identifiziert», berichtet Dona. «Weiter laufen Versuche, um DNA-Analysen durchführen zu können.»
Besonders brisant: Der «Riese» lag in einem Holzsarg, dessen Überreste demnächst datiert werden sollen. Bei ihm befand sich zudem eine kleine Flasche, die eine seltsame Flüssigkeit enthält. Dona: «Laut der Familie des Padres, der die Fundstücke aufbewahrte, konnte man mit dieser Flüssigkeit ‹Steine weich machen›. Man sagte mir zu, davon eine Probe nehmen zu dürfen. Leider fehlten mir bei meinem ersten Besuch luftdichte Gefässe.
Sobald ich Zeit finde, werden wir den Hals der Flasche unter notarieller Aufsicht absägen und die Flüssigkeit umfüllen – um sie anschliessend wissenschaftlich analysieren zu lassen.»
«Unbekannte Menschenrasse»
Da sind aber auch kuriose Skelette aus Bolivien mit Langschädeln, die Dona auf seinen Forschungsreisen rund um den Globus zusammentrug. «Die betreffenden Personen müssen 2,70 bis 2,90 Meter gross gewesen sein. Eine komplett unbekannte Menschenrasse!»
Ausserdem liegen dem Ausstellungsmacher weitere Hinweise auf Riesenwesen aus anderen Erdteilen vor, denen er derzeit nachgeht.
Im Frühjahr 2004 werden diese und die wichtigsten Schaustücke der in Wien gezeigten Funde nun auch in Japan präsentiert – nebst einem Begleitbuch, das die spannende Entstehungsgeschichte der «Unsolved Mysteries» dokumentiert.
Starten wird die neue Ausstellung in Tokyo, um anschliessend nach Osaka zu wechseln. Über einen dritten Ort wird noch verhandelt. Parallel plant eine grosse skandinavische Produktionsfirma zusammen mit Dona ein zwölfteiliges TV-Special.
Zudem dürfen Mystery-Freunde aus Europa, welche die einzigartige Schau verpasst haben, hoffen: Nach Japan soll die Ausstellung in Deutschland oder Österreich eine Wiederholung erleben.
Viele Besucher fragten sich, wie derartige Ausstellungen überhaupt realisiert werden können. Ihr Zustandekommen ist in der Tat ebenso unglaublich wie die zur Schau gestellten Objekte. Viele Glücksritter, die zuvor ähnliches versuchten, scheiterten kläglich an Bürokratie, Finanzen und Logistik.
«Das schaffen Sie nie!»
Klaus Dona erinnert sich: «Der Startschuss zum Projekt erfolgte vor einigen Jahren in Japan. Während der Aufbauarbeit zu einer Ausstellung diskutierte ich mit Museumskuratoren mein Vorhaben. ‹Die grossen Rätsel der Wissenschaft an einem Ort zusammenzutragen›, bekam ich immer wieder aufmunternd zu hören, ‹ist eine wirklich tolle Idee, Herr Dona.›
Doch egal mit welchen Fachexperten, Kollegen und Freunden ich das strittige Thema diskutierte, es folgte im gleichen Atemzug stets der ernüchternde Nachsatz: ‹Aber das werden Sie nie schaffen, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.›» Die Skepsis war verständlich: Welche mysteriösen Funde gibt es überhaupt, die für eine solche Ausstellung in Frage kämen? In einschlägigen Büchern werden archäologische Seltsamkeiten und Kuriositäten zwar beschrieben – aber wo werden diese Mysterien aufbewahrt? Wie findet man den Schlüssel zu den versiegelten Türen der Museumsdepots? Welche Privatsammler sind im Besitz ungewöhnlicher Artefakte?
Und selbst, wenn es gelingen sollte, in Geheimarchive vorzudringen: Welcher Museumsdirektor wäre bereit, zweifelhafte Stücke aus dem Haus zu geben, die er selbst nicht befriedigend erklären kann, weil das Alter oder die kulturelle Zugehörigkeit unbekannt sind? Würde man angesehene Spezialisten für das Projekt gewinnen können, die bereit wären, mysteriöse Relikte unvoreingenommen einer wissenschaftlichen Untersuchung zuzuführen?
All diese Probleme konnte der gebürtige Tiroler Klaus Dona letztlich meistern. Mit Hartnäckigkeit, Geduld, Mut, dem richtigen Verhandlungsgeschick sowie einem Quentchen Glück gelang ihm das scheinbar Unmögliche.
Entscheidung nie bereut
«Gerade deshalb, weil alle gesagt hatten: ‹Das schaffst du nie!› reizte es mich besonders, die grosse Herausforderung anzunehmen, wohlwissend, dass es nicht einfach werden würde», lacht Dona und ergänzt:
«Obwohl ich später von Neidern herbe Kritik einstecken musste, habe ich diese Entscheidung niemals bereut. Egal, wie viel Anstrengung die Organisation der Ausstellung auch gekostet haben mag, es war das spannendste und aufregendste Projekt, das alle meine bisherigen Events in den Schatten stellte. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Fast täglich werde ich mit neuen Informationen und Kontaktenkonfrontiert, die nach Brauchbarkeit und Glaubwürdigkeit zu überprüfen sind.»
Schlüssige Erklärungen zu all diesen Mysterien könnten nur die Fachexperten finden, ergänzt er: «Sollte sich durch Untersuchungen eindeutig herausstellen,
dass ein umstrittener Gegenstand bloss eine neuzeitlich Fälschung ist, darf das nicht verschwiegen werden. Das gilt umgekehrt allerdings genauso. Es sollte für
einen Wissenschaftler keine Schande sein, freimütig einzugestehen, dass man vor einer echten ‹Knacknuss› steht.»
Donas erklärtes Ziel war und ist es, qualifizierte Fachexperten in das Projekt einzubinden, um mit wissenschaftlichen Analysen im einen oder anderen Fall doch
einer Lösung näher zu kommen. Kein leichtes Unterfangen, wenn man weiss, dass sich selbst die Gelehrtenwelt in vielen Fragen uneins ist.
Doch es gibt sie, die wagemutigen Wissenschaftler, die trotz hämischer Vorbehalte aus dem Kollegenkreis, eine Konfrontation mit dem «Unerklärlichen»
nicht scheuen. Bereits in der ersten Projektphase gelang es, namhafte Akademiker für Untersuchungen und wissenschaftlichen Beirat zu gewinnen. Einer

Kritischer Blick. Klaus Dona (r.) begutachtet ungewöhnliche Fundstücke.
von ihnen heisst Dr. Willibald Katzinger, Direktor des Museums Nordico in Linz (Österreich).
Katzinger bringt die Problematik auf den Punkt, wenn er aufrichtig eingesteht: «Natürlich muss man nicht alles glauben, was Sammler erzählen. Auf der anderen Seite kann gerade das Unwahrscheinliche wahr sein. Ausserdem gilt in der Wissenschaft auch der Umkehrschluss. Ich habe jede Behauptung, auch eine negative, zu begründen. Wenn ich also sage, dass Atlantis ein reines Hirngespinst ist oder dass es keine Ausserirdischen gibt, dann habe ich dies ebenso zu beweisen. Wenn mir das nicht gelingt, bleibt die Frage offen.»
Nicht alle seine Kollegen teilen diese tolerante Einstellung gegenüber dem Geheimnisvollen und Mysteriösen. Hunderte ausgesuchter Leihansuchen an
Museen in aller Welt wurden verschickt.
‹‹Warum bleiben viele umstrittene Funde unter Verschluss? ‹‹
Niederschmetterndes Ergebnis: Nahezu alle Museen haben teils mit fadenscheinigen Ausreden abgelehnt, ihre kontroversen Schätze zur Verfügung zu stellen.
Für Dr. Katzinger nicht ganz überraschend: «Die Kuratoren der Museen nehmen – offensichtlich stellvertretend für die wissenschaftliche Welt – für sich in
Anspruch, darüber zu entscheiden, in welchem Zusammenhang die von ihnen in öffentlichem Auftrag verwahrten Objekte gezeigt werden dürfen.» Das Thema
Mystery gehört nicht dazu. Aus diesem Grund bleiben viele interessante Stücke weiterhin unter Verschluss.
Platz für Spekulationen
Ein erhebliches Problem war und ist die strittige Thematik selbst. Da die aufgestöberten Stücke meist im Widerspruch zum bisher vertrauten Weltbild stehen,
liefern sie jede Menge Raum für aufregende Spekulationen. Spekulationen aber sind in der strengen Wissenschaft ein Tabu.
Dennoch wurden einige Exponate im staatlichen Edelsteininstitut des Naturhistorischen Museums in Wien mit modernsten Untersuchungsmethoden geprüft. Ein Verdacht auf Betrug oder Irrtum konnte bei diesen Gegenständen ausgeschlossen werden.
Ein Grossteil der Relikte aber muss als noch unerforscht eingestuft werden. Hier sind Experten der unterschiedlichsten Fachrichtungen gefordert, entsprechende Analysen vorzunehmen. Die meisten Leihgeber haben ihr Einverständnis für solche Überprüfungen gegeben. Nur: Wo aber sind die Spezialisten, die unvoreingenommen diese Herausforderung annehmen?
Einer von ihnen ist Dr. Rudolf Distelberger, Direktor der renommierten Wiener Schatzkammer und international anerkannter Edelsteinexperte. Er hat persönlich einige zweifelhafte Stücke untersucht, bei denen der Vorwurf der Fälschung oder einer neuzeitlichen Herkunft im Raum stand.
Dazu Distelberger: «Das Fälscherargument ist zu billig. Bei keinem Stück, das ich selbst untersucht habe, konnte ich einen Hinweis auf eine Fälscherabsicht finden. Bei manchen Stücken könnte man sogar sagen, dass der mutmassliche Fälscher Dinge hätte wissen müssen, die erst nach der Entstehung des Stückes Gegenstand der Forschung wurden.»
