
Kornkreisformation in Südengland (2003). Irdisch – oder nicht? Darüber streiten die Experten bis heute.
Medienwirbel lockt immer mehr Nachahmer an
Wer oder was steckt hinter den kuriosen Kreisen im Korn? Auch 2003 tauchten über Nacht zahlreiche neue Varianten auf. Viele entpuppten sich bei näherem Hinschauen indes als irdisch, besonders in Deutschland. Ein kritischer Rückblick des Kornkreis-Experten Harald Hoos.
Es war ein Sommer in Südenglands Feldern, wie man ihn schon seit Jahren kennen. Auch wenn es in diesem Jahr nicht so viele Kornkreise gab wie sonst: Rund 80 Formationen wurden gezählt, gegenüber rund 150 noch vor drei oder vier Jahren. Dennoch waren wieder unzählige Kornkreisinteressierte vor Ort.
Die Kornkreismuster und ihre Beobachter blicken inzwischen auf eine 25jährige Geschichte zurück. Die ersten Meldungen von einfachen Kornkreisen stammen aus dem Jahr 1978. Doch mit diesen ursprünglichen, einfachen Kreisen haben die heutigen Formationen recht wenig gemeinsam. Vielmehr waren auch im Sommer 2003 wieder komplexe Gebilde mit Ausdehnungen von mehreren hundert Quadratmetern und filigranen Mustern in den Feldern zu finden.
Insgesamt jedoch weniger spektakuläre wie in den vergangenen Jahren. Auch ein «Grande Finale», wie wir es beispielsweise aus dem Jahr 2001 kennen, blieb aus. Damals gab vor allem die spektakuläre «Milk-Hill-Formation» zu reden: 409 Einzelkreise, die in sechs Spiralarmen angeordnet eine Fläche von rund 50 000 Quadratmetern bedeckten.
Boom in Deutschland
Deutschland erlebte dieses Jahr einen gigantischen Kornkreissommer: Mit rund 60 Meldungen wurden fast genauso viele Kornkreisereignisse wie im Mutterland England gezählt. Doch waren die deutschen Kornkreise, bis auf wenige Ausnahmen, erheblich kleiner und weniger komplex als ihre englischen Vorbilder.
Eine Vielzahl der Formationen, speziell jene gegen 20 Formationen, die von der Insel Rügen gemeldet wurden, bestanden aus wenigen Quadratmetern plattgelegtem Korn.
Entsprechend hoch war in Deutschland das Medieninteresse. Der Norddeutsche Rundfunk und PRO 7 produzierten aufwändige Reportagen zum Thema, viele regionale Zeitungen berichteten über die Spuren in den heimischen Feldern, und auch in Zeitschriften und Magazinen waren Berichte zu finden.
Ständige Entwicklung
In den vergangenen 25 Jahren war das Kornkreisgeschehen immer wieder starken Schwankungen unterworfen, sowohl was die Anzahl der gemeldeten Formationen, als auch das Interesse der Kornkreisenthusiasten und der Öffentlichkeit angeht. Seit ihrer ersten Entdeckung sind die Getreidemuster zudem einer ständigen Entwicklung und Veränderung ausgesetzt.
Um diesen Entwicklungsprozess zu verstehen, muss auch ein kritischer Blick hinter die Kulissen des Geschehens in den Feldern erlaubt sein. Eben diese Gegend in Südengland, in der sich Anfang der 80er-Jahre einfache Kreise in den Feldern zu komplexen Piktogrammen entwickelten, war wenige Jahre zuvor Schauplatz einiger UFO-Sichtungen. Und so war es wohl unvermeidlich, dass diese mysteriösen Spuren im Korn, mit UFOs und Ausserirdischen in Verbindung gebracht wurden.
Sie wurden zunächst als UFO-Landeplätze, später als Zeichen und Mitteilungen uns fremder Intelligenzen interpretiert. Die Kornkreisforschung begann. Interessierte Personen schlossen sich zu ersten Forschungsgruppen zusammen. Man hielt Nachtwachen, untersuchte die plattgedrückten Getreideflächen, analysierte Getreide- und Bodenproben.
Man fand mysteriöse Wachstumsveränderungen an den Halmen innerhalb von Kornkreisen. Die Halme schienen zu Boden gebogen und nicht geknickt, unheimliche Lichterscheinungen und Geräusche wurden beobachtet und gehört. Das legte den Verdacht nahe, dass sich hier etwas Unbekanntes, Fremdes und Mysteriöses nachts im Feld abspielte, also keine Menschen am Werk seien! Ein Mysterium war geboren.
Kontroverse ohne Ende
1991 wurden dann die ersten Kornkreise in Deutschland entdeckt – Holland, die Schweiz, Österreich, Polen und einige Länder mehr folgten in den nächsten Jahren. Interessens- und Forschungsgemeinschaften schlossen sich in England wie auch in anderen europäischen Ländern zusammen.
In der Hochzeit der Kornkreise Anfang und Mitte der 90er Jahre trafen sich in der südenglischen Grafschaft Wiltshire Tausende von Interessierten aus vielen Ländern der Welt zum gemeinsamen Forschen, Beobachten, Diskutieren, Dokumentieren. Konferenzen fanden statt, Internetseiten wurden betrieben, Bücher veröffentlicht. Wer macht diese Kornmuster? Warum werden diese angelegt, und was wollen sie uns mitteilen? Bleiben diese Fragen bis heute offen?
Einen Bruch gab es 1992, als sich zwei Rentner, Doug Bower und Dave Chorley als die Urväter der Kornkreise zu erkennen gaben. Sie berichteten in der Zeitung «Today», dass sie, inspiriert von vermeintlichen UFO-Landespuren in australischem Schilf, eben genau den Mythos der extraterrestrischen Besucher in ihrer Heimat aufbauen wollten. Das ist ihnen gelungen! Auch wenn ihr Bekenntnis von einigen Forschern umgehend angezweifelt wurde. Schon kurze Zeit nach ihrem Startschuss schienen jedenfalls weitere Landschaftskünstler die Idee aufgegriffen zu haben.
In den letzten beiden Jahren sind die Kornkreise zunehmend ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Nicht zuletzt durch den Hollywood-Film «Signs – Zeichen» entstand ein enormes Medieninteresse. In Deutschland zeigte dies Wirkung: In keinem Jahr zuvor gab es hierzulande so viele Kornkreise wie in diesem Sommer!
Trotz der Bekenntnisse der zwei Rentner und weiterer Kreismacher sowie der Tatsache, dass die bisherigen «Beweise» für einen nicht menschlichen Ursprung der Formationen keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten, haben es die Kornkreise geschafft, sich den Status des Mysteriums zu erhalten. Somit bleibt mit Spannung zu erwarten, welche Spuren sich 2004 zeigen.
Harald Hoos■

Weitere Formation (2003). Viele Strukturen verblüffen ob ihrer Grösse.
«Nicht alle erklärbar!»
Sind die Kornkreisformationen in England samt und sonders gefälscht? «Nein!» betont der Schweizer Kreisforscher Werner Anderhub. «Meine zehnjährige
Vorort-Erfahrung mit zum Teil ungewöhnlichen Erlebnissen spricht für eine differenzierte Lagebeurteilung.»
Rund 450 Formationen hat Anderhub persönlich unter die Lupe genommen und ausführlich studiert. Einige davon haben ihn besonders beeindruckt. So auch
die Formation auf Milk-Hill in Wiltshire, Südengland, vom 12. August 2001. Anderhub: «Diese aus 409 Einzelkreisen zusammengesetze Kornformation mit
einem Durchmesser von 246 Metern widerlegt die Behauptung, ein paar Menschen könnten zu nächtlicher Zeit in wenigen Stunden Hand oder Bretter anlegen,
um eine derartige Struktur zu schaffen. Erschwerend kommt hinzu, dass es in der betreffenden Nacht stundenlang
geregnet hat.»
Auch die ähnlich grosse Formation bei Stonehenge vom 4. Juli 2002 sei reichlich mysteriös: «Ich habe die Pflanzen über sechs Wochen verteilt rund einmal
pro Woche studiert. Dabei stellte ich fest, dass sie sich wieder aufzurichten begannen. Der Niederlegungsprozess muss also sanft und ohne Beschädigung der
Pflanzen vonstatten gegangen sein.» red
