Kontroverse um das Fingersymbol der »Teufelshörner« (»Pommes-Gabel«), wie es Hardrock-Fans bei Konzerten heute millionenfach in die Höhe recken: Wurde es tatsächlich von KISS-Gitarrist Gene Simmons erfunden, der den symbolträchtigen Fingerzeig kürzlich sogar patentieren lassen wollte?
Der Dalai Lama nahm es mit Humor. Im Juni 2017 posierte er mit KISS-Bassist Gene Simmons samt gespreizten Fingern spontan für einen Twitter-Schnappschuss. Was das tibetische Oberhaupt damit symbolisieren wollte? So fragte »mysteries« in Heft Nr. 5/2017. Die Antwort liegt auf der Hand, wie unser Leser Stefan Simon aus Mainz-Kastel weiss: »Dass dem Dalai Lama besagte Geste von Simmons bekannt ist, ist leicht zu erklären.
Denn sie erinnert an eine Schutzmudra aus dem Buddhismus.
Über das Alter dieser Bannungsgeste kann man wenig sagen, vielleicht stammt sie noch aus vorbuddhistischer Zeit.« Verdeutlicht wird besagter Fingerzeig – ohne abgespreizten Daumen – von Statuen des Buddha Padmasambhava (Rinpoche), der als Gründer des tibetischen Buddhismus aus dem 8.
Jahrhundert angesehen wird (Foto oben). Monumente zeigen dessen Mudra oft in Kombination mit dem Vajra-Zepter, das als Symbol des Mitgefühls gilt. Dazu Stefan Simon augenzwinkernd:»Eine Patentierung der Geste erscheint mir eher schwierig, weil Guru Rinpoche ›etwas‹ früher da war als der KISS-Gitarrist und nach Auffassung der Tibeter zudem niemals gestorben ist.« Kleiner, aber feiner Unterschied: Im Gegensatz zur Mudra spreizen Simmons und Co. den Daumen an ihrer Hand zusätzlich ab.
Dies aber ebenfalls nicht als erste, denn bereits in den 1960er- Jahren liess sich Beatles-Ikone John Lennon entsprechend ablichten – auf einer Single-Version von »Yellow Submarine«. Ein Umstand, der Beatles-Fan Simmons eigentlich bekannt sein müsste. Ebenso wie der Comic-Nerd wissen sollte, dass bereits Spiderman oder Dr. Who ihre Finger in frühen Zeichnungen ihres Mitschöpfers Steve Ditko ab 1962 entsprechend formierten.
Und was bedeutet das Zeichen in Gebärdensprache?
Doch damit immer noch nicht genug. Denn in der Gebärdensprache der »American Sign Language« und mittlerweile längst auch von vielen Gehörlosen in Europa verwendet, bedeutet besagtes Fingerzeichen: »I love you!«, »In Ordnung!« oder schlicht: »Passt!« – in Anlehnung an die drei Gebärdenbuchstaben I, L und Y. In Amerika eingeführt worden sein soll die nonverbale Positivbekundung angeblich bereits 1905. Nachweislich dokumentierbar ist sie allerdings erst seit den 1970er-Jahren.
Wie vielfältig die Gründe sein können, UFO-Begegnungen im Luftraum geheim zu halten, zeigt ein weiterer Zwischenfall, der sich am 19. Oktober 1982 über dem östlichen Mittelmeer ereignete. Nie zuvor war öffentlich etwas darüber bekannt geworden. Gegen 16 Uhr Ortszeit war dort ein SpionageÁugzeug der US-Luftwaffe unterwegs. Die Maschine hatte den Auftrag, militärische Aktivitäten der Sowjets zu überwachen. Da bemerkten die Piloten plötzlich ein seltsames Objekt, »grösser als unsere RC-135, mit vielen blitzenden Lichtern, 20 gleichzeitig«. Eine genaue Form können die Männer an Bord trotz direkter Sicht und Radarkontakt nicht ausmachen. Die Erscheinung taucht etwa zwei Meilen entfernt auf, nähert sich jedoch, als der Pilot ein Hilfesignal an den Boden absetzt. Dann kreist sie um das Flugzeug herum (siehe Dokument auf Seite 28).
Wo befinden sich die erwähnten Radarfotos und Tonaufnahmen heute?
Wussten Sie, dass ein Brigadegeneral der Schweizer Luftwaffe an einem vertraulichen Treffen bereits 1996 vor außerirdischen Flugkörpern warnte – und dies sogar vor ranghohen europäischen Militärvertretern? Wussten Sie, dass ein Ex-Chef der militärischen Luftraumüberwachung vom Saulus zum Paulus mutierte, als er Zeuge eines UFO-Vorfalls wurde – dies aber um keinen Preis öffentlich machen wollte? Warum drohte ein namhafter Armeevertreter dem Verfasser dieses Buches mit rechtlichen Schritten? Und wieso hält man bis heute einen Film unter Verschluss, in dem Erich von Däniken in offizieller Fliegerkluft aus der Kanzel eines eidgenössischen Kampfjets über Götter aus dem Weltall referiert?
Jahrelang trug ein Mitarbeiter der Schweizer Über 140 Originaldokumente und Radarakten Luftwaffe heimlich Beweise für das UFO-Phäuntermauern, was nie publik werden sollte: nomen zusammen. Im Hochsicherheitstrakt Auch über dem Alpenland tummeln sich under militärischen Einsatzzentrale sammelte identifizierbare Eindringlinge! Rätselhafte der Whistleblower uneigennützig vertrauliche Flugobjekte, die sich allen Erklärungsver-Informationen zum Thema, um sie im Interessuchen entziehen und sich mit Geschwindigse der Forschung der Nachwelt zu erhalten – keiten jenseits unserer Vorstellungskraft bis ihm seine Chefs und die Gesundheit einen fortbewegen. Außerirdische? Zeitreisende? Strich durch die Rechnung machten. Dieses Geheimprojekte einer fremden Macht? Dossier präsentiert sein explosives Vermächtnis. Unzensiert, ohne Rücksicht auf militäri- Luc Bürgin: Geheimdossier UFOs gebunden • 224 Seiten • zahlreiche Abbildungen • Best.-Nr. 943 500 • 9.95 € sche Geheimnisse.
nisterium stets mit einem Standardschreiben abbügelte, in dem darauf hingewiesen wurde, dass eingehende UFO-Meldungen nur in Hinblick auf die nationale Verteidigung untersucht und erst nach Ablauf von 30 Jahren veröffentlicht würden.
Ab 2005 wurde es für die Beamten noch schwieriger, ihre Akten zurückzuhalten. Denn in diesem Jahr trat das britische Informationsfreiheitsgesetz in Kraft, das jedem Bürger das Recht auf Einsicht in behördliche Unterlagen gestattete. »Inzwischen erhält das Ministry of Defence (MoD) jedes Jahr eine grosse Anzahl von oftmals komplexen Informationsfreiheitsgesetz-Anfragen über UFOs«, heisst es in einem internen Papier von 2007, »und es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Anzahl dieser UFO-Anfragen mit der Zeit abnehmen wird«.
So sah sich das Verteidigungsministerium gezwungen, sämtliche UFO-Dokumente freizugeben. Die Kosten für das Einscannen der Unterlagen und das Schwärzen vertraulicher Daten schätzte man auf mindestens 15'000 britische Pfund, drei Jahre sollte die Bearbeitung dauern.
Über 50'000 Aktenseiten in 223 Dossiers Im Mai 2008 veröffentlichte das britische Nationalarchiv den ersten Stapel an UFO-Akten – noch vor Ablauf der gesetzlichen 30-Jahre-Frist. Von da an kamen jedes Jahr ein bis zwei Veröffentlichungen hinzu. Bald schon stellte sich heraus, dass die UFO-Unterlagen derart umfangreich waren, dass weder das Budget noch der geplante Zeitrahmen ausreichen würden. Im Juni 2017 veröffentlichte das Nationalarchiv nun die vorläuÀg letzten verbliebenen Geheimakten.
Resultat: Das UFO-Interesse Grossbritanniens ist mittlerweile in 223 Dossiers auf weit mehr als 50'000 Seiten dokumentiert! VorläuÀg. Denn man munkelt, dass noch weitere geheime UFO-Papiere in den Archiven des Verteidigungsministeriums lagern könnten. Grund: Das britische Informationsfreiheitsgesetz enthält eine Reihe von Ausnahmefällen, in denen gewisse Informationen nicht öffentlich gemacht werden müssen. Darunter auch solche, die von Sicherheitsbehörden, Sondereinsatzkräften, dem Geheimdienst oder damit verbundenen Behörden stammen. Also alle Informationen, welche die nationale Sicherheit, internationale Beziehungen oder öffentliche Angelegenheiten schädigen könnten.
Ob es in den soeben freigegebenen Dossiers Hinweise darauf gibt, dass britische Behörden mehr über UFOs wissen, als sie ofÀziell einräumen?
Ich lehne mich zurück und mustere nachdenklich die Überwachungskamera an der Decke.
Beim Sichten der Dokumente, die noch vor mir liegen, werde ich mir vornehmen, speziell auf solche Hinweise zu achten.
Von 1997 an erfasste der Militärnachrichtendienst DIS nur noch jene Sichtungsberichte, die von glaubhaften Zeugen stammten: Piloten, Polizisten, Militärangehörige oder Akademiker hohen Ranges. Damit sank die Anzahl der gemeldeten Sichtungen, dafür stieg die Qualität der Berichte. Ging eine Meldung bei der Polizei oder beim Militär ein, wurde diese mit einem Standardfragebogen erfasst: Datum, Zeit und Dauer der Sichtung, Beschreibung des Objekts, Anzahl, Standort, Art der Beob-Besonders interessant: In den Akten Ànden sich etliche Augenzeugenberichte von Polizisten, wie etwa jener vom 10.
März 2005, bei dem ein Beamter um 20:05 Uhr während eines Fussballspiels im Londoner Chelsea-Stadion Seltsames am Himmel beobachtete: »Vier gelbe Lichter, quadratisch bis diamantförmig, ziemlich hell«, heisst es in seinem Report. 10 bis 15 Sekunden lang habe er die Erscheinung beobachtet, die von Osten nach Westen über den Himmel zog. Der Bericht vermerkt:»Anders als alles, was er jemals gesehen hat«. Über den Ausgang der Untersuchungen ist in den Akten nichts vermerkt.
Genauso wenig wie im Fall der Beamten, die in der Nacht des 1. März 2000 gegen 3:45 Uhr vom Hinterhof ihrer Polizeistation in Whitechapel aus ein UFO beobachteten: »Ein kleines, rotes Licht bewegte sich langsam südlich, vollführte eine enge Wendung und Áog dann mit hoher Geschwindigkeit nach Norden davon. Dann 15 Minuten lang beobachtet, wie es sich mal langsam, mal schnell vor und zurück bewegte und dabei enge Kreise Áog«, heisst es in dem Fax an das MoD.
achtung etc.
Forschung unter strenger Aufsicht. Blick in den Lesesaal der »National Archives«.
fasst und von der Polizei geÀlmt wurde:»Ich Ànde es unglaublich, dass keine Flugzeuge gestartet wurden, als ein unkontrolliertes Radarziel so nahe vor der Küste erfasst wurde. Dies weckt in mir erhebliche Zweifel an der Art und Weise, wie der britische Luftverteidigungsbereich überwacht wird.« Verteidigungsminister Michael Portillo sieht sich gezwungen zu handeln und veranlasst eine Untersuchung des Vorfalls.
Das MoD kontaktiert sämtliche Radarstationen, Militärstützpunkte und sonstige Einrichtungen. Bald stellt sich heraus, dass der Parlamentarier offenbar falschen Informationen aufgesessen ist. Die visuelle Beobachtung der Lichter steht in keinem Zusammenhang mit dem Radarecho. Experten des Observatoriums in Greenwich bringen die Lichter alsbald mit der Venus in Verbindung.
Doch was ist dann mit dem permanenten Radarecho?
Auch hier Àndet sich bald eine »Erklärung«: Der 273 Fuss hohe Kirchturm der St. Botolph’s Church in Boston. »Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass die Turmspitze die Ursache für das permanente Radarecho war, ohne eine weitere technische Untersuchung durchzuführen«, heisst es im Abschlussbericht des Verteidigungsministeriums.
»Da es sich jedoch um die höchste Erhebung in dieser Gegend Brisanter Zwischenfall über dem Mittelmeer. Am 19. Oktober 1982 wurde ein RC-135- Spionageflugzeug (Foto) von einem UFO umkreist. Laut den Akten (linke Seite) wurden RAF-Radarfilme und Funksprüche über den Vorfall nach Washington und London übermittelt.
Doch in der Nacht zum 5. Oktober 1996 kam es zu einem Zwischenfall, an dem mehrere Polizisten, die Küstenwache sowie militärische Radarstationen beteiligt waren. Zwei Polizisten auf Patrouille entdeckten plötzlich ein helles Objekt am Himmel über »The Wash«, einer Bucht an der Ostküste Englands. »Das Objekt schien stillzustehen, viel tiefer als ein Stern«, vermerkt einer der Beamten. »Es war weiss, möglicherweise dreiecksförmig. Ein rotes, ein grünes und ein gelbes Licht schienen sich ringsherum zu drehen.« Er setzt eine Meldung ans Kontrollzentrum ab. Die Sichtung wird unverzüglich an die Küstenwache weitergeleitet, um auszuschliessen, dass es sich um einen Unfall auf See handelt. Diese informiert das Luftrettungskoordinationszentrum und fragt nach, ob etwas über einen Unfall in diesem Gebiet bekannt ist. Auch das Militär wird um Auskunft nach Flugbewegungen über der Bucht gebeten. Auf dem Radar der Luftüberwachung zeigt sich ein stationäres Objekt in dieser Gegend.
Fast wäre auch dieser Fall in der Versenkung verschwunden.
Doch bald schon bekommen die Medien Wind davon. Nur zwei Tage später veröffentlicht die »Eastern Daily Press« einen Artikel unter der Überschrift »Nicht von dieser Welt« und zitiert darin aus Funkgesprächen zwischen der Küstenwache, der Polizei, den Militärstützpunkten und einem Nordseetanker, der ebenfalls in der Nähe war. Nun werden auch Politiker darauf aufmerksam.
Der Abgeordnete Martin Redmond vom House of Commons schreibt einen entrüsteten Brief an den Verteidigungsminister.
Er sei sehr besorgt über diesen Vorfall, bei dem ein visuell unidentiÀziertes Fluggerät von verschiedenen Radaranlagen er-
ein dreieckiges Flugobjekt
handelt, halte ich diese Theorie für höchst wahrscheinlich.« Auch wenn die Ursache dieser Sichtung nicht mit abschliessender Sicherheit ermittelt werden konnte, zeigen die umfangreichen Akten zum Vorfall zumindest, welchen Aufwand das Verteidigungsministerium zuweilen betrieb, um eine Gefährdung der Luftsicherheit durch UFOs auszuschliessen.
Besonders interessant sind denn auch UFO-Meldungen von Piloten. Sie gelten als geschulte Augenzeugen, kennen alle möglichen Himmelsphänomene und Flugzeugtypen, sind kritische Beobachter. Beim Durchblättern der Akten stosse ich auf etliche solcher Fälle. Nicht alle sind schwerwiegend. Am Nachmittag des 15. Juli 2001 etwa beobachtet ein ziviler Pilot in East Sussex von seinem Garten aus etwas wie einen »grossen Adler, drei damit verbundene Kreise, dunkelbraun/ schwarz«. Das Objekt habe sich »recht schnell und geradlinig« von West nach Ost bewegt.
Fast-Zusammenstoss beim SinkÁug Zu einem ernsthaften Zwischenfall dagegen kommt es am 21.
April 1991 gegen 20 Uhr über der Ortschaft Lydd in Kent – ein Beinahezusammenstoss einer Alitalia-Maschine mit einem UFO (siehe Dokument auf Seite 27). Pilot Achille Zaghetti und sein Copilot sind bereits im SinkÁug zur Landung auf dem Heathrow Airport. Es beÀnden sich 57 Passagiere an Bord, die Sichtver-Ausgabe 6/2017 29 nicht eine grosse Gefahr, dass eines dieser unidentiÀzierten Objekte eine feindliche Antwort mit möglicherweise verheerenden Konsequenzen auslösen könnte?« Das Schreiben des Parlamentariers sorgt für einigen Wirbel hinter den behördlichen Kulissen. Wie die Akten zeigen, beraten sich Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, wie man dem Abgeordneten eine Antwort geben kann, ohne dabei geheime Informationen preiszugeben. Schliesslich schreiben sie ihm: »Es ist möglich, dass das Objekt gar keine Rakete war. Es könnte sich somit um ein anderes Flugzeug gehandelt haben, das keine Erlaubnis der Luftüberwachung benötigt hätte, um in einer Höhe zu Áiegen, in der es keinen kontrollier ten Flugverkehr gibt.« Das Radarsystem der Luftverteidigung verfolge zudem vor allem solche Flugobjekte, die sich dem Vereinigten Königreich von ausserhalb nähern. »Sie werden verstehen, dass wir keine Luftbedrohung von der Landmasse selbst erwarten.« Und so bleibt auch dieser durchaus bedrohliche Vorfall ungeklärt, obwohl der fragliche Flugkörper sogar vom Radar erfasst wurde. Ein entsprechender Verweis auf Geheiminformationen lässt jedoch vermuten, dass das Verteidigungsministerium mehr darüber weiss, als in den Akten veröffentlicht ist.
»Beinahezusammenstösse« besagter Art Ànden sich öfter in den kürzlich freigegebenen Unterlagen: Am frühen Abend des 6.
Januar 1995 überÁiegt eine Boeing 737 im LandeanÁug auf den Flughafen Manchester das Mittelgebirge Pennines an der schottischen Grenze, als der Pilot und sein erster OfÀzier plötzlich ein beleuchtetes Objekt sehen, das auf sie zu rast. Instinktiv duckt sich der OfÀzier weg – doch das Objekt verfehlt die Maschine und schiesst rechts daran vorbei.
Nur zwei Sekunden hat der Vorfall gedauert – die Piloten hältnisse sind aussergewöhnlich gut. Was dann geschieht, wird Zaghetti später in dramatischen Worten wie folgt beschreiben:»Während des SinkÁugs sah ich etwa drei bis vier Sekunden lang ein Áiegendes Objekt, das einer Rakete sehr ähnlich war, in hellbrauner Farbe, das in entgegengesetzter Richtung auf uns zukam. Es Áog etwa 1000 Fuss höher als wir. Ich sagte ›Pass auf, pass auf!‹ zu meinem Copiloten, der nach vorn schaute und das sah, was ich gesehen hatte. Als das Objekt schliesslich an uns vorbeigeÁogen war, fragte ich den Kontrollturm, ob er etwas auf seinem Bildschirm sieht, und er antwortete: ›Ich sehe ein unbekanntes Ziel zehn nautische Meilen hinter Ihnen.‹« Der Pilot schätzte das raketenähnliche Objekt auf drei Meter Länge. Sowohl er als auch der Radarlotse gaben einen Bericht über den Vorfall ab, es wurde umgehend eine Untersuchung eingeleitet. Doch die Nachforschungen ergaben nichts. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums versuchte den Vorfall später gegenüber der Zeitung »The Independent« herunterzuspielen: »Was immer er gesehen haben mag, ist wohl geÁogen, aber es wurde ganz sicher nicht abgefeuert.
Schliesslich war es ein Sonntag…« Empörter Abgeordneter stellt unbequeme Fragen Erneut wird ein Parlamentarier aus dem House of Commons aufmerksam und beginnt, dem Verteidigungsministerium unangenehme Fragen zu stellen: »Können Sie mit Sicherheit sagen, dass diese ›Rakete‹ nicht von einem Flugzeug oder einem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Grossbritannien stammt?«, fragt der Abge ordnete Paul Murphy, »Wenn Sie, wie behauptet, keine Ahnung haben, was die Objekte waren, welche Kriterien gelten dann bei der Beurteilung einer Bedrohung?« Und: »Hat der Alitalia-Vorfall zu irgendeiner Reaktion in den Abwehrsystemen geführt? Ist es Weiss das Verteidigungsministerium mehr als aus den Akten hervorgeht?
Ausgabe 6/2017 können das, was sie beobachtet haben, nur vage beschreiben:»Keilförmig, mit so etwas wie einem schwarzen Streifen an der Seite«. Die zivile Flugbehörde leitet eine Untersuchung ein, doch sie führt zu keinem Ergebnis. »Die Möglichkeit, dass das Objekt ein Flugdrachen war, ein Gleitdrachen oder ein UltraleichtÁugzeug, halten sämtliche beteiligten Behörden für extrem unwahrscheinlich, da solche Aktivitäten nicht bei Nacht durchgeführt werden«, heisst es im Untersuchungsbericht. Auch dieser Fall bleibt ungeklärt.
Britische Soldaten von RAF Troodos, einem Militärstützpunkt der Royal Air Force auf Zypern, hören die Funksprüche der Crew mit. Es werden drei Abfangjäger mobilisiert. Zwei F-14-Kampfjets der US-Marine starten von einem nahegelegenen Flugzeugträger und Grossbritannien schickt ein Phantom-Flugzeug, das sich gerade auf einem ÜbungsÁug beÀndet. Als die drei Abfangjäger näherkommen, beobachtet die Besatzung des US-SpionageÁugzeugs, wie sich das UFO in Richtung afrikanischer Küste entfernt. Die Kampfjetpiloten sehen nichts.
Der Vorfall zieht eine umfangreiche Untersuchung durch britische und amerikanische Behörden nach sich. Der Stützpunkt RAF Troodos auf Zypern schickt Aufnahmen vom Radar und den Funksprüchen nach London. »Wir lassen nun ein Transkript der Tonaufnahme erstellen und werden Ihnen dieses sobald als möglich zusenden«, heisst es in einem internen Vermerk. Handschriftlich ist hinzugefügt: »Film wurde am 1. November 1982 erhalten. Arbeit bis 12. November 1982 abschliessen. Es werden von jedem Einzelbild zwei 10 x 10 grosse Ausdrucke gefertigt.« Wo sind diese Beweismittel abgeblieben? In den freigegebenen britischen Akten Àndet sich keinerlei Hinweis darauf. Es liegt insofern nahe, dass auch dieser Vorfall in militärische Geheimdienstkanäle geleitet und dort weiter untersucht wurde – in den endlosen Weiten der Ausnahmebereiche des britischen Informationsfreiheitsgesetzes, für immer geschützt vor den neugierigen Augen der Öffentlichkeit.
Mit seinem Gewicht von 75 Kilo gilt es als grösstes mittelalterliches Manuskript der Welt. Im 13. Jahrhundert soll der »Codex Gigas« der Legende nach von einem Mönch in einer einzigen Nacht verfasst worden sein. Neuere Analysen belegen: Das handschriftliche Unikat wurde tatsächlich von einem einzelnen Genie verfasst – in der Rekordzeit von 30 Jahren.
Dank einem Pakt mit dem Teufel?
enediktinerkloster Podlaschitz in Ostböhmen im Jahr 1229. Ein Einsiedlermönch namens Hermanus sitzt Babends auf dem Boden seiner kargen Zelle. Um ihn herum stapeln sich Hunderte von Pergamentblättern. Im Schein flackernder Kerzen schreibt der Mann buchstäblich um sein Leben. In seiner Abtei ist er in Ungnade gefallen. Welcher Sünden er bezichtigt wird, erfahren wir nicht. Doch dem Benediktiner droht ein grausames Schicksal: Er soll hinter Klostermauern lebendig begraben werden.
Einziger Ausweg, um dem Todesurteil zu entkommen: Der Kleriker muss zur Strafe ein Manuskript verfassen, in dem das gesamte Wissen der damaligen europäischen Gelehrtenwelt enthalten ist. Eine unmögliche Aufgabe. Erst recht, wenn man weiss, dass die Schuldigkeit in einer einzigen Nacht vollendet werden muss. Der Verurteilte versucht das Unmögliche und schreibt sich die Finger wund. In seinem Elend beschwört er nächtens den Teufel. Die Schreckgestalt bietet ihre Hilfe an, fordert jedoch als Lohn seine Seele. Der Mönch willigt ein – und der Teufelspakt ist besiegelt.
Es geschieht wie besprochen: Der teuflische »Ghostwriter« vervollständigt das Buch fristgemäss bis zum Sonnenaufgang.
Zum Dank fügt der Mönch ein Seitenporträt des Beelzebubs hinzu. Seine Strafe wird ihm erlassen. Danach verlässt er das Kloster und betet verzweifelt zur Jungfrau Maria, auf dass sie ihn vom diabolischen Fluch erlöse. Vergeblich. Der Kampf zwischen Gut und Böse mündet im Tod des Geistlichen. Und damit endet auch die bruchstückhafte Legende zum Codex Gi gas. Sie Àndet sich in einem Katalogeintrag zum Inven tar der Prager Kunstsammlung anno 1635.
Bis heute bleibt besagte»Teufelsbibel« eines der rätselhaftesten Manuskripte der Welt. Niemand weiss, wer den 624 Seiten dicken Koloss geschaffen hat.
Stattliche 75 Kilogramm bringt der Wälzer auf die Waage. Mit 89,5 Zentimetern Höhe, 49 Zentimetern Breite und 22 Zentimetern Dicke ist er das grösste erhaltene Manuskript aus dem Mittelalter – im religiösen Klostergebrauch nicht gerade handlich.
Auf über 300 doppelseitigen Pergamentblättern und zwei Papierblättern wurde darin versucht, das gesamte geistliche und weltliche Wissen des Mittelalters bis circa 1229 niederzuschreiben. Von der ErÀndung des Buchdrucks und der Druckerpresse war man dazumal noch Jahrhunderte entfernt. Als Vorgänger des Schreibpapiers dienten den Glaubensmännern Tierhäute, die aufwendig getrocknet und bearbeitet wurden. Vorgerechnet wird, dass geschätzte 160 Esel oder Kälber für das Jahrtausendwerk ihr Leben lassen mussten.
Die Überlieferung nennt das ostböhmische Benediktinerkloster Podlaschitz nahe der Königsstadt Chrudim als ersten Besitzer. Den Hinweis dazu liefert der Codex Gigas selber auf der Innenseite seines vorderen Buchdeckels. Die Notiz aus dem 13. Jahrhundert berichtet von Ànanziellen Nöten der Abtei, weshalb das Manuskript ans Zisterzienserkloster von Sedletz verpfändet werden musste. Ausserdem erfahren wir, dass das Opus im Jahre 1295 durch Bischof Gregor von Prag erworben und später ins wohlhabende Stift Breunau gebracht wurde.
Acht Seiten bleiben verschwunden Die Hälfte des Codex Gigas enthält die Bücher des Alten und Neuen Testaments in altlateinischer Textform. Die beiden Bibeltexte folgen nicht der üblichen Reihung, sondern sind durch weitere Schriften voneinander getrennt. Dazu gehören nicht zuletzt die bedeutenden Werke des römisch-jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus (um 37–100 n. Chr.).
Herzstück der»Teufelsbibel« bilden zwei ganzseitige Illustrationen. Eine zeigt das »Himmlische Jerusalem«. Die andere präsentiert ein Abbild des Teufels. Die Blätter davor enthalten ein Bekenntnis von Sünden, wobei der Schriftzug doppelt so gross ist als jener auf anderen Manuskriptseiten.
Gleiches gilt für zwei Folgeseiten zum Teufelsbild: Beschwörungen und magische Formeln, die vor der Macht dämonischer Eingriffe schützen sollen. Und dann stand da einst offenbar noch weitaus Wertvolleres oder Ketzerisches im Codex: Acht Seiten im Manuskript fehlen nämlich komplett! Irgendwer hatte sie irgendwann herausgetrennt.
Welchen Inhalt enthielten die gestohlenen Seiten, und wo sind sie geblieben?
Gesichert ist, dass der Codex Gigas in karolingischen Minuskeln verfasst wurde, Vier Finger und vier Zehen mit roten Krallen. Die ganzseitige Teufelsdarstellung im Codex.
Ausgabe 6/2017 wie sie Mitte des 8. Jahrhunderts im Merowinger-Kloster Corbie entstanden sind. Das Opus wurde Seite für Seite kunstvoll mit Malereien in Rot, Gelb, Grün, Blau und Gold illustriert. Jeder Buchstabe, manche davon nur wenige Millimeter hoch, ist aufwendig mit Federkiel und Tinte gestaltet. Fast jede der 624 Seiten, alle im Überformat, wurde zweispaltig mit über 100 Zeilenlinien eingeteilt. Nicht weniger aufwendig die vielen GraÀken und Verzierungen. Sie mussten ebenfalls von Hand vorab an bestimmten Plätzen im Manuskript eingeteilt und entworfen werden. Erst dann konnte mit der Schreibarbeit begonnen werden.
Das Werk eines einzelnen Mönches?
Unglaublich, aber wahr: Vieles deutet darauf hin, dass die Teufelsbibel in der Tat von einer einzigen Person verfasst worden sein muss! Dafür spricht nicht zuletzt das homogene Schriftbild, das sich gleichbleibend – wie ein roter Faden – durch das ganze Manuskript zieht. Eifrige Rechner folgern daraus, dass die Fertigstellung des gesamten Werkes, bei täglicher Schreibleistung, realistisch geschätzt bis zu dreissig Jahre gedauert haben dürfte.
Die Knacknuss: Aufgrund des Alters, der Stimmung, nachlassender Sehkraft oder einer Krankheit des Autors, müssten über diesen langen Zeitraum kleinere Abweichungen im Schriftbild erkennbar sein. Doch nichts davon ist im Codex zu bemerken.
Ähnlich einer gestochen scharfen und immer gleichbleibenden Computerschrift, ist die Teufelsbibel wie aus einem Guss niedergeschrieben worden. Man könnte meinen, das Riesenbuch sei tatsächlich in sehr kurzer Zeit entstanden.
Wissenschaftlich untermauert werden konnten derlei Vermutungen 2008 durch ein Team von »National Geographic«. Wenige Tage lang durfte die kleine Expertentruppe den Codex mit technischen Hilfsmitteln unter die Lupe nehmen. Ergebnis der Fachleute um den Paläographen Michael Gullick und Anna Wolodarski von der Schwedischen Nationalbibliothek: Der Codex ist so gut wie fehlerfrei abgefasst, durchgehend mit derselben Tinte geschrieben. Graphologische Vergleiche lassen ausserdem darauf schliessen, dass es sich »mit grösster Wahrscheinlichkeit tatsächlich von A bis Z um das Werk eines einzigen autodidaktischen Mönches gehandelt haben dürfte, der es unseren Analysen zufolge in rund zwanzig- bis dreissigjähriger Arbeit im Alleingang fertigte.« Einzigartig für ein damaliges Bibelwerk und nicht minder mysteriös ist die Darstellung des Teufels. Nicht nur wegen ihrer erstaunlichen Grösse von einem halben Meter. Die Ikonographie unterscheidet sich auffällig von bekannten Wiedergaben in der gesamten Kunst- und Kirchengeschichte. Das beginnt schon damit, dass der Antichrist eine ganze Seite besetzt und alleine im Mittelpunkt steht. Nichts deutet auf ein tierköpÀges Ungeheuer mit struppigem Bart hin.
Beliebte Attribute wie FledermausÁügel oder Pferdefuss, die im 12. Jahrhundert auftauchten, fehlen ebenso.
Vielmehr sehen wir den Teufel im Codex Gigas in Hockestellung. Die Arme sind himmelwärts gestreckt. Hände und Füsse des Kryptowesens haben jeweils nur vier Finger und vier Zehen mit roten Vogelkrallen. Der gehörnte Schädel ist vergrössert dar- Merlin lässt grüssen. Weitere seltsame Darstellung im Codex.
gestellt. In der Welt des Mittelalters muss das diabolische Riesenbild beängstigend gewirkt haben. Im reizüberÁuteten High-Tech-Zeitalter schleimiger Hollywood-Aliens und durchgeknallter Comic-Mutanten der Neuzeit dagegen wirkt die PersoniÀzierung des Bösen eher wie ihre eigene Karikatur. Umso mehr, als der Intimbereich des Teufels von einem windelartigen Tuch mit roten Punkten bedeckt wird.
Vermutlich sollte es einen Hermelin-Lendenschurz darstellen. Kurios ist es allemal. Das weisse Fell des Hermelins galt in weiten Teilen des mittelalterlichen Europas als Symbol moralischer Reinheit und Unschuld. Würdenträger der Königshäuser schmückten sich damit. Zum Teufel passt das nun wirklich nicht.
Dagegen wirken die Farbbilder auf Seite 118 eher bescheiden, werfen aber dennoch Fragen auf. Zu sehen sind zwei kreisförmige Bilder am linken Seitenrand zum Auftakt des Buches Genesis von Flavius Josephus. Sie sollen offenbar den Beginn Ausgabe 6/2017 17 Warum wurde der Teufel anders als damals üblich dargestellt?
der Schöpfungsgeschichte veranschaulichen. Das untere Kreisbild zeigt die Erde vor ihrer Entstehung als eine Art grüne Ursuppe. Das Rundbild darüber stellt den blauen Kosmos mit Sonne, Mond und Sternen dar. Es erinnert an die Himmelsscheibe von Nebra im Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle.
Besagte, etwa 4000 Jahre alte kreisrunde Bronzeplatte zeigt verblüffende astronomische Kenntnisse unserer Urahnen.
Gewiss ist die Ähnlichkeit im Codex Gigas nur Zufall. Dennoch bleibt sie ein weiteres Kuriosum. Ebenso wie die Gestalt auf der Seite davor: Das Porträt eines weissbärtigen Mannes mit Spitzhut und grünem Umhang. Weshalb auch immer»Merlin« oder »Gandalf« hier in fast schon modern anmutender Weise porträtiert wurde, wissen wir ebenfalls nicht.
Gegen Ende des Dreissigjährigen Krieges hatte die siegreiche schwedische Armee das Prunkstück böhmischer Nationalkultur beschlagnahmt. Im Jahre 1648 erfolgte die Überführung des Codex Gigas nach Stockholm in die Burg der Königin Seit Jahrhunderten gibt das faszinierende Schriftwerk Gelehrten Rätsel auf. Etliche schauerliche Ereignisse wurden damit bereits in Zusammenhang gebracht.
Christina von Schweden.
Heute hütet Kosmos-Darstellung (links). Rechts der handschriftliche Text, der sich in einheitlichem Schreibstil durch den gesamten Codex zieht.
Ausgabe 6 /2017»Plötzlich war auf meinem PC-Monitor der Teufel los …«»Intensiv grübelte ich als Autor darüber nach, wie ich diesen Artikel über den Codex Gigas am besten beenden könnte. Doch so lange ich auch darüber brütete: Geistreiches wollte mir nicht in den Sinn kommen. In der Not entschied ich mich für ein etwas abgedroschenes Abschlusszitat – der bekannten Weisheit, dass der Teufel niemals schläft. Just als ich diesen Spruch auf meinem PC entsprechend einfügen wollte, begannen meine Computertasten ohne ersichtlichen Grund verrückt zu spielen.
Buchstaben zeigten sich am Bildschirm anders als von der Tastatur vorgegeben. Schliesslich blockierten sie, und danach gaben auch alle anderen Funktionen auf dem Monitor ihren Geist auf. Eingetippte Texte konnten nicht mehr gespeichert werden. Es war mir unmöglich, meinen Text über die Teufelsbibel geistreich zu beenden.
Hatte ich mir einen Computer-Virus eingefangen? Meine Anti-Virus-Software hatte keine Cyberattacke festgestellt. Sämtliche Programme waren auf dem aktuellen Stand. Alle Versuche, den PC durch Aus- und Einschalten des Stromnetzes wieder in Gang zu bringen, halfen nichts.
Es war wie verhext. In meiner Verzweiflung kontaktierte ich befreundete PC-Doktoren, die sich bereit erklärten, den »Patienten« in den kommenden Tagen zu untersu chen. Der Rettungseinsatz erübrigte sich. Nach einigen Stunden hörte der Computer-Spuk ebenso plötzlich auf wie er begonnen hatte. Was war die Triebfeder für das technische Wirrwarr, das sich seither nicht mehr wiederholte? Ich habe keine Ahnung. Teufel noch mal, aber genau so ist es wirklich geschehen!« Reinhard Habeck ■
Mysteriöses Meisterwerk Der Teufel als Ghostwriter Welcher diabolische Fluch liegt auf dem Codex Gigas? 75 Kilo schwer ist die »Teufelsbibel«, die im 13. Jahrhundert von einem Mönch in lebenslanger Fronarbeit geschaffen wurde. Dies in einer geradezu unheimlichen Perfektion, für die selbst heutige Forscher keine Erklärung haben.
Seite 14 Fragwürdige Geheimniskrämerei NASA-Schätze im Panzerschrank Die ultimativen Beweise für die Mond-Landungen lagern in einem Tresor der Universität Bern. Bis heute aber durfte sie kein Journalist dort je in Augenschein nehmen, geschweige denn fotograÀeren.
Seite 40 Kreaturen, die es nicht mehr geben dürfte Urzeit-Panther im Regenwald entdeckt?
Hat ein niederländischer Naturforscher im Dschungel eine bislang unbekannte Raubkatzen-Art aufgespürt? Vieles spricht dafür – doch Brasilien liess seine Fundstücke kurzerhand vernichten.
Der vermeintliche »Cheops-Skandal« nimmt kein Ende. Seit über drei Monaten sitzt der deutsche Hobby-Forscher und Sachbuchautor Stefan Erdmann mittlerweile in Kroatien fest, weil gegen ihn offenbar nach wie vor ein internationaler Haftbefehl aus Ägypten besteht. Ein Justizskandal?
Stefan Erdmann versteht die Welt nicht mehr. »Am 20. Juli 2017 wollte ich aus Split ausreisen – dann folgte im Flughafen-Transit die böse Überraschung«, erzählt er am Telefon. »Ich musste zwar nicht ins Gefängnis, aber vor den dortigen Untersuchungsrichter und darf das Land seither nicht mehr verlassen. Zudem muss ich mich regelmässig bei der Polizei melden.« Ähnliches hatte er via Skype kurz zuvor bereits auf einem Kongress des Hesper Verlags in Saarbrücken berichtet.
Hintergrund: Stefan Erdmann und sein Forscherkollege Dominique Görlitz waren 2014 von der ägyptischen Justiz fälschlicherweise der »Schändung« der Pharaonenkartusche in den obersten Entlastungskammern der Cheopspyramide bezichtigt worden – obwohl die dortigen Hieroglyphen von unbekannter Seite nachweislich bereits Jahre zuvor beschädigt worden waren, wie sich in der Folge herausstellte (»mysteries« Nr. 2/2014).
Vor seiner Reise hatte Erdmann sicherheitshalber das kroatische Konsulat in Hamburg konsultiert, um zu prüfen, ob Einund Ausreise in Split gewährleistet seien. Antwort: »Das können wir nicht, wenden Sie sich diesbezüglich an die deutsche Polizei.
Diese wiederum teilte mir mit, dass man dies per Computerabfrage nicht abklären könne, da das EU-Land Kroatien nicht zum Schengenraum gehöre.« Was er erst später erfuhr: Ein einfaches Telefonat der Behörden nach Zagreb hätte bereits genügt, um zu bestätigen, dass dort nach wie vor ein längst veralteter Interpol-Haftbefehl aus Kairo gegen ihn vorliegt.
Doch damit nicht genug, wie der Deutsche weiter ausführt:»Ägyptens Justiz hatte nach meiner Arrestierung 40 Tage Zeit, den Fahndungsbefehl zu begründen – auf Englisch und Kroatisch. Resultat: Nach 38 Tagen wurde Interpol Kroatien aus Kairo lediglich das handschriftliche Prozessurteil von 2014 in arabischen Lettern zugestellt. Ein Urteil, das gemäss meinem Anwalt von der ägyptischen Justiz seit 2015 aufgehoben ist.«
Unfassbar, wie man als im Stich gelassen wird!
Bürger im Notfall vom Staat
Und die Deutsche Botschaft in Kroatien? »Die tut gar nichts für mich!«, ärgert sich Stefan Erdmann. »Ich habe mehrfach versucht, den Botschafter persönlich zu erreichen, wurde aber jedes Mal abgewimmelt. Wie ich erfuhr, will man dort erst aktiv werden, wenn mir eine Auslieferung nach Kairo droht. Ein Witz: Gemäss aktueller Rechtslage darf kein EU-Land gegenwärtig nach Ägypten oder in die Türkei ausliefern. Unfassbar, wie Deutschland seine Bürger im Notfall im Stich lässt. Ich will endlich meinen Pass zurück!« Was unternimmt das Auswärtige Amt?
Beim Auswärtigen Amt in Berlin gibt man sich auf Anfrage von»mysteries« auffallend zurückhaltend. »Der Fall ist uns bekannt«, erklärte Susanne Beger-Blum am 16. Oktober 2017. »Die Botschaft in Zagreb steht mit dem Betroffenen in Kontakt.« Wie aber beurteilt man den Fall in Berlin aus juristischer Sicht?
Ist es üblich, dass ein EU-Staat einen Bürger eines anderen EU-Staates festhält aufgrund eines Auslieferungsgesuchs eines Nicht-EU-Landes? Und: Kann oder darf ein EU-Staat einen Bürger eines anderen EU-Staates an ein Nicht-EU-Land ausliefern?
Ausweichende Nullantwort von Beger-Blum: »Was das ägyptische Auslieferungsverfahren vor dem kroatischen Gericht betrifft, so ist eine mögliche EinÁussnahme durch die Botschaft oder das Auswärtige Amt grundsätzlich wegen der unabhängigen Gerichtsbarkeit nicht möglich. Die Botschaft beobachtet das Auslieferungsverfahren jedoch aufmerksam.« Ausgabe 6/2017 13
»Yello«-Sänger: »Unser Schokoladen-Patent wäre um ein Haar im Tresor verschwunden«
Fürchtet sich die Schokoladen-Industrie vor einer globalen Geschmacksexplosion? Vielen ist Dieter Meier (72) als Sänger des legendären Elektropop-Duos »Yello« bekannt (»Oh Yeah!«). Nur wenige wissen, dass Meier auch ein innovativer Investor ist. Derzeit setzt der kreative Kopf auf ein neuartiges Herstellungsverfahren für Schokolade, das Forscher um den Lebensmitteltechnologie-Professor Tilo Hühn von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entwickelt haben. Mittels eines exklusiven »Kaltextraktionsverfahrens«, bei dem die Aromen der Kakao-Bohnen anders als bei der Erhitzung in bislang ungeahnter Intensität erhalten bleiben, bekomme »der Genuss eine neue Dimension«. Ähnlich wie es bereits die Azteken dank Zermahlung und Zusetzung von Wasser erreicht hatten.
»Die Kakao-Butter, das Kakao-Pulver, die Polyphenole und andere Bitterstoffe sowie die reinen Aromastoffe werden einzeln ausgefällt und ermöglichen so unbeschränkte Rezeptur-Varianten«, schwärmt Meier als Investor der neuen Firma Oro de Cacao. »Dank unserem revolutionären Verfahren ist es erstmals möglich, Schokolade mit hochprozentigem Kakao-Anteil ohne Bitterkeit herzustellen.« Die Industrie habe daran ursprünglich gar keine Freude gehabt, wie er ausführt. Noch vor wenigen Jahren hätten viele Grosskonzerne den Professor aus Zürich belächelt, ja sogar ignoriert.
Meier: »Als er seine Innovation führenden Konzernen präsentierte, lehnten alle Firmen sein Verfahren ab.« Erst als es ernst wurde, wollten zwei Grossunternehmen dem Entwickler das Patent doch noch abkaufen. »Und dies nur, um es in einen Tresor zu sperren, damit es nicht auf den Markt kommt!«, so Meier. Schliesslich sei er als Investor eingestiegen, um das klassische Erfinderschicksal in diesem Fall zu verhindern. Bereits in diesen Wochen soll in Zürich einer erster Shop eröffnet werden, in dem die neuartigen Schokoladen-Kreationen feilgeboten werden. »Oh Yeah!«
Ob »The Boston Tribune«, »ABC News« oder das »Kölner Abendblatt«: Dem Internet ist nicht mehr zu trauen. Immer mehr seriös wirkende, aber gefälschte Nachrichtenportale sorgen in der virtuellen Welt mit abstrusen Falschmeldungen für Verwirrung – und in der realen Welt mitunter für heftige politische Kontroversen. Eine Minderheit Àndet dies lustig, der Mehrheit sträuben sich die Nackenhaare.
»Top Scientist Tells CBS: HAARP Responsible for Recent Hurricanes!«, posaunten die US-Nachrichtenmacher von www.
yournewswire.com am 9. September 2017 in professioneller Aufmachung durchs Internet. Ausgerechnet der weltbekannte Physikprofessor Michio Kaku, so das Nachrichtenportal, orte die Ursachen der neuesten Hurrikan-Katastrophen in umstrittenen Wetter-Experimenten der Air Force in Alaska (HAARP).
Wer das Originalinterview mit Kaku auf CBS in der Folge studierte, erfuhr dort zwar Erstaunliches – aber kein Wort über HAARP. Ein Versehen? Mitnichten. Denn »yournewswire.com« ist nur eines von etlichen, täuschend echt gestalteten News-Portalen, die im Internet und damit auch auf Facebook absichtlich Falschmeldungen verbreiten. Volle sieben Minuten benötigte»mysteries«, um nachzuprüfen, dass wir auf besagter Seite in der Tat vergackeiert werden. Kostbare Zeit, die kaum ein News-Konsument in der heutigen Hektik aufwenden kann oder will.
Geschäftstüchtiger Hallodri Wer hinter »yournewswire.com« steckt? Ein gewisser Sean Adl-Tabatabai, früher TV-Produzent bei BBC und MTV und später Mitarbeiter des Verschwörungsgurus David Icke. Heute angeblich von Russland instrumentalisiert. Vermutlich ist dies ebenfalls eine Falschnachricht. Dennoch erfährt man im Internet kaum Verlässlicheres über ihn, da weitere Fake-News-Seiten zusätzliche Fake News über ihn verbreiteten.
Umso suspekter wirkt Adl-Tabatabais Tun, weil er und seine Spezis echte und gefälschte Meldungen derart rafÀniert miteinander verweben, dass diese zwar wahr sein könnten – es aber nicht sind.
Ein politisch Radikaler ist Adl-Tabatabai wohl nicht, umso mehr aber ein geschäftstüchtiger Hallodri, der das Internet als das entlarvt, zu dem es verkommen ist: Ein Schmelztiegel wahrer, halbwahrer und falscher Nachrichten, mit denen sich Geld verdienen lässt. Frei nach dem Motto: Je abstruser und falscher ein Newstitel, desto höher die Klickraten und damit auch die Werbeeinnahmen.
Längst führen uns denn auch weitere Medienportale im englischspra- Hurrikane wegen Wetterexperimenten? Mit Falschmeldungen wie dieser lässt sich im Internet viel Geld verdienen.
Falschnachrichten, wie sie in den letzten Monaten im Netz kursierten. Gestreut wurden sie von der»Apotheken-Rundschau«, dem»Kölner Abendblatt« oder »ABC News« – Presseunternehmen, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.
chigen Internet unter seriös klingenden Namen ähnlich dreist in die Irre. Darunter: »The Boston Tribune«, »The Stately Harold«,»World News Daily Report«, »National Report«, »Empire News«,»News Examiner«, »Newswatch3«, »Empire Herald«, »Associated Media Coverage«, »70 News«, »ABC News« oder »American News«.
Manche der besagten Fake-News-Schleudern stammen vom US-Webdesigner Paul Horner, der die Öffentlichkeit in den letzten Jahren mit etlichen frei erfundenen Internet-Meldungen narrte. Je absurder seine Stories, desto häuÀger wurden sie im Internet verbreitet, von anderen abgeschrieben, von ihm an anderer Stelle unter falschem Namen erneut zitiert und von vierter Seite in der Folge deswegen unkritisch als echt bestätigt.
Bis zum 2. März 2017. Damals jubelte »Galileo« auf ProSieben: »Wir haben Paul Horner gefunden!« und berichtete, wie der»harmlos aussehende Mann die Weltpolitik« beeinÁusste, als er vor den US-Wahlen einmal mehr erfolgreich Falschnachrichten lancierte. Darunter auch eine Meldung, auf die selbst hochrangige Politiker hereinÀelen: »Anti-Trump-Demonstrant packt aus: Wir werden von Hillary Clinton bezahlt!« Horner bedauerte in der Folge, den von ihm gehassten Trump mit dieser und ähnlichen Falschmeldungen ins Amt gehievt zu haben.
Er tat dies nach eigener Aussage nicht etwa, weil er ein von Russland bezahlter Agent war, wie manche vermuteten. Sondern nur, weil er sich zugunsten seiner Brieftasche regelmässig »mediale Spässe« erlaubte, die ihm ebenso regelmässig ein sicheres Einkommen garantierten. Fast schon reumütig bekannte er: »Ich könnte heute eine Story schreiben, dass Paul McCartney von den Beatles letzte Nacht ermordet wurde. Sie würde sich im Internet wie verrückt ausbreiten. Und ich könnte damit dank Werbeclicks an einem einzigen Tag knapp 10'000 Dollar verdienen. Aber ich würde es nie machen. Weil es moralisch nicht in Ordnung wäre.« Am 27. September 2017 wurde besagter Beitrag von ProSieben auf Facebook erneut hochgeladen. Und dies makabererweise nur wenige Stunden, nachdem die – diesmal nicht gefälschte – Meldung längst die Runde machte: Paul Horner ist tot! Bereits am 18. September 2017 – etliche Tage vor dem erneuten Upload des erwähnten »Galileo«-Beitrags – hatte der Mann im Alter von 38 Jahren unsere Welt verlassen. Laut Polizei»vermutlich wegen einer unbeabsichtigten Überdosis Drogen«.
Fake-News-Schleudern gibts auch in Deutschland Und im deutschen Raum? Da erzählen uns neben der trügerischen Newsseite »www.24aktuelles.com« auch das »Kölner Abendblatt«, »Britta« oder die »Apotheken-Rundschau« seit 2016 das Blaue vom Himmel: Getarnte »Satire-Blogs«, unter deren Namen jedermann frei erfundenen Mist im Internet absondern kann, der sich erst auf den zweiten Blick als solcher entpuppt.
Betrieben von Mike Lieser (34) aus Koblenz. Von Paul Horner distanziert sich der Programmierer gegenüber »mysteries« ausdrücklich: »Während Horner echte Zeitungen namentlich kopierte und deren Schutzrechte missachtete, tun wir das nicht. Wir er- Ànden eigene Zeitungen.« Dass die echte »Apotheken-Umschau« seinetwegen bereits rechtliche Schritte erwog, verschweigt er.
Ziel und Anspruch seiner Fake-Portale sei es, so Lieser, Menschen damit zum Denken anzuregen »und mit Satire die Politik und Welt um uns herum zu kritisieren. Klassische Fake News wollen das nicht, sie wollen nur manipulieren beziehungsweise möglichst viel Geld durch Werbung generieren. Wir dagegen wollen die Menschen nicht in die Irre führen, sondern aufrütteln.« In die Irre geführt werden wir von ihm dennoch. Oder wie Mike Lieser in Sachen »mysteries« anmerkt: »UFO-Artikel habe ich soeben auf unsere To-do-Liste gesetzt.« Ach wie lustig.
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/84-news-fallen-im-internet-vorsicht-vor-zeitungen-die-es-nich-page31-1.jpg12832048Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2017-06-01 12:00:002025-12-16 10:17:35News-Fallen Im Internet: Vorsicht Vor Zeitungen, Die Es Nicht Gibt!
Nun ist es ofÀziell: Ägyptische Archäologen unter Ahmed Motawie und Islam Ezzat haben unter der im 14. Jahrhundert errichteten Sultan-Hassan-Moschee in Kairo Teile eines Palastes aus noch älterer Zeit entdeckt. Dies dank zweier Mini-Roboter, die ihnen vom deutschen Software-Entwickler Friedhelm Krämer geschenkt worden waren (»mysteries« Nr. 2/2016). In der Folge einer eingeleiteten Suchgrabung wurde inzwischen auch ein unterirdisches Gangsystem dokumentiert, über das die vergessene Anlage ausführlich erkundet werden konnte. Anbei exklusiv zwei Aufnahmen der Unterwelt, wie sie bislang noch niemand zu Gesicht bekam.
Pharaonen-Grab am Rheinknie
Ägypten-Freunde aufgepasst: Ab November 2017 kann im Basler Antikenmuseum ein massstabsgetreuer Teilnachbau des über 3000 Jahren alten Grabes von Pharao Sethos I. (Foto links) bewundert und erkundet werden – samt der zwei prächtigsten Kammern und einer perfekten Replik seines Sarkophags. In jahrelanger Fleissarbeit haben Experten die Stätte zu diesem Zweck bis auf den kleinsten Quadratmillimeter kopiert. Die Ausstellung »Scanning Sethos – Die Wiedergeburt eines Pharaonengrabes« dauert bis zum 7. Mai 2018.
Danach wird die im Original rund 137 Meter lange Anlage vollständig faksimiliert und von Ägypten im Tal der Könige als Kopie zugänglich gemacht. Die echte Grabstätte von Sethos I. war wegen zunehmenden Verfalls für Besucher zuletzt nur noch selten geöffnet.
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/84-monumentaler-palast-unter-der-moschee-von-kairo-entdeckt-di-page7-1.jpg2241275Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2017-06-01 12:00:002025-12-16 10:17:15Monumentaler Palast Unter Der Moschee Von Kairo Entdeckt: Die Ersten Fotos!