Warum musste Prinzessin Diana vor rund 20 Jahren die Welt verlassen?

Oswald LeWinter glaubte die Wahrheit zu kennen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist der wohl umstrittenste Whistleblower der Neuzeit mittlerweile ebenfalls gestorben, wie erst kürzlich bekannt wurde. Der »mutigste CIA-Insider«, wie ihn seine Anhänger priesen? Oder der »grösste Hochstapler aller Zeiten«, wie ihn amerikanische Politiker verteufelten?

von Luc Bürgin r könnte als Vorlage für Steven Spielbergs Hochstapler-Klassiker »Catch me if you can« mit Leonardo di Caprio Egedient haben. Wäre da nicht sein geheimdienstlicher Hintergrund gewesen. »Dieser verdammte Kerl ist ein gerissenes Chamäleon!«, Áuchte der frühere Antiterror-Chef der CIA, Vince Cannistraro, bereits vor vielen Jahren. Und die »Washington Post« gab am 15. Februar 2001 zu bedenken: »Er mag vielleicht kein Spion sein, aber er ist mit Sicherheit einer der dreistesten Schwindler auf diesem Planeten.« Anders schätzte ihn Mohamed Al-Fayed ein, der Vater des 1997 ums Leben gekommenen Diana-Liebhabers Dodi: »Der Mann ist zwar ein Gangster«, polterte er.»Dennoch scheinen viele seiner Enth üllungen seltsamerweise der Wahrheit zu entsprechen.« Jedenfalls sei es mehr als verwunderlich, dass die Vereinigten Staaten ihn und seine Hintermänner in der Lady-Di-Affäre juristisch unbehelligt liessen – obwohl er laut der Wiener Justiz Ende der 1990er-Jahre US-Geheimdokumente in dieser Angelegenheit gefälscht haben soll. Al-Fayed: »In Amerika gilt das als schweres Verbrechen!« Wer vermochte Behörden und Geheimdienstexperten derart in Rage zu bringen? Wer war dieser Mann, der behauptete, jahrzehntelang lang im Dienste der CIA gewesen zu sein – ehe er seine Geheimnisse auszuplaudern begann? Welche Identität verbirgt sich hinter jenem Phantom, das unter Pseudonymen wie »George Mearah« oder »Ibrahim Razin« auf dem politischen Parkett jahrzehntelang von sich reden machte?

Viele seiner Enthüllungen zu entsprechen.

scheinen der Wahrheit»Oswald LeWinter? Dieser Mann war kein gewöhnlicher Hochstapler. Da steckte viel mehr dahinter.« Mohamed Al-Fayed, Vater des verstorbenen Liebhabers von Prinzessin Diana.

2006 machte sich »mysteries« erstmals auf die Suche nach Oswald LeWinter, um seine Konturen auszuleuchten. Jenem Mann, der weltweit immer wieder für Schlagzeilen sorgte, wenn es um die Offenlegung mieser Machenschaften des US-Regimes ging. Jenem schillernden Whistleblower, den sich jeder Thrillerautor aus den Fingern saugen müsste, hätte es ihn nicht gegeben – und dessen umstrittenes Tun die deutsche Mainstreampresse zeitlebens so gut wie gar nicht unter die Lupe nahm.

Der 75-Jährige hauste damals in Heiligenstadt, einem Vorort von Frankfurt. Wenige Jahre zuvor hatte er sich dorthin zurückgezogen. Gebeutelt von einer schweren Krankheit. »Diese Medizin hält mich am Leben«, seufzte er mit leichtem amerikanischen Akzent und deutete auf einen kleinen Küchentisch voller Medikamente. Am Gehstock bat er durch seine Wohnung. Jeder Schritt schien ihm Schmerzen zu bereiten. Am Boden: Bücher, Artikel und jede Menge Papiere. An den Wänden Erinnerungen an früher. Darunter ein altes Foto, das ihn in jüngeren Jahren als hochdekorierten Militär zeigte.

»Daneben das Generalspatent – und hier…« – LeWinter deutete auf einen weiteren Bilderrahmen – »die zweithöchste US-Auszeichnung für Tapferkeit, 1953. Das war der Koreakrieg.« Dieser gebrechlich wirkende Mann sollte Ende der 1990er- Jahre über zwei Jahre in einem Wiener Gefängnis verbracht haben, weil er Mohamed Al-Fayed für eine Millionensumme gefälschte US-Geheimdokumente über Dianas Tod unterjubeln wollte? Und zuvor bereits etliche Jahre im US-Knast? Schwer zu Ausgabe 6/2017 45 Pflegte Beziehungen zu Top-Insidern aus aller Welt. Oswald LeWinter (rechts), hier 1989 zusammen mit dem US-Dokumentarfilmer Emile de Antonio und dem ebenso legendären US-Politjournalisten Warren Hinckle (ganz links). Foto: Ron Gallela (gettyimages) glauben und dennoch wahr. »Davon später«, winkte LeWinter in 1965 rekrutierte ihn die CIA. »Die boten mir dreimal so viel aller Seelenruhe ab. Unser Gespräch dauerte knapp fünf Stun-Geld, wie ich damals als Hochschullehrer verdiente«, erzählte er den. Wer mit Oswald LeWinter sprach, brauchte Zeit. Zu gebildet fast schon entschuldigend. »Da konnte ich schlecht Nein sagen. der Mann, der ein gutes Dutzend Sprachen sprach, um ihn vor – Immerhin galt es, meine Familie zu ernähren. So begann ich schnell als Schwindler abzutun – auch wenn seine Lebensgemeine Laufbahn bei der CIA als Textanalytiker.« schichte wie eine Mischung aus einem John-le-Carré-Roman und Bald ging es in gefährlichere GeÀlde. Jahrzehntelang will Os-Münchhausens Fantastereien anmutete.

wald LeWinter in der Folge an etlichen Geboren wurde er als Sohn jüdischer dubiosen Aktionen in aller Welt beteiligt Die CIA bot mir dreimal Eltern 1931 in Wien. Nach Hitlers Eingewesen sein. 1971 wurde er für kurze marsch Áüchteten Mutter und Vater, der Zeit verhaftet – in London. Auf sich trug so viel Geld wie ich damals Kleine blieb in der Obhut der Grossmuter einen Badge der New Yorker Polizei als Lehrer verdiente.

ter, die nach Mauthausen deportiert wurund Papiere, die ihn als Diplomaten ausde. Der Bub wurde bei Dachau untergewiesen, wie die »Washington Post« 2001 bracht. Als eines von 1000 jüdischen Kindern wurde er 1939 festhielt. Man liess ihn wieder laufen.

von den Amerikanern in die USA gebracht, wo er aufwuchs. All In Vietnam besorgte LeWinter Saboteuren am Ho-Chi-Minhdies ist historisch gesichert und belegbar.

Pfad Kalashnikow-Gewehre, deren Kauf er durch Drogenver-Nach dem Abitur studierte Oswald LeWinter Literatur und Psykäufe aus dem goldenen Dreieck Ànanzierte. »Wir verstauten chologie und zog dann als junger amerikanischer Leutnant in das Heroin in den Körpern toter GI's, deren Leichen nicht mehr den Koreakrieg. 1953 kehrte er verwundet aus der chinesischen identiÀziert werden konnten und versahen diese mit Àktiven Ty-Gefangenschaft zur ück, nahm sein Studium wieder auf, das er phus-Warnungen. Die Leichen wurden in die USA ausgeÁogen, in Berkeley mit Höchstnote bestand.

in bestimmte italienische Bestattungsinstitute, wo die Drogen 46 Ausgabe 6/2017 von unseren Vertrauten heimlich wieder entnommen wurden.« Irgendwann sei diese Geschichte dann Enthüllungsautor David Yallop zu Ohren gekommen, erzählte er beiläuÀg. »Der hat später ein Buch dar über geschrieben mit dem Titel ›Unholy Alliance‹«, schmunzelte LeWinter und strich sich dabei über seinen fülligen Bauch. »Er nennt mich darin Oscar Benjamin und beschreibt mich als dicken Buddha…« Zwei Jahre Knast wegen Chemikalien-Schmuggel 1984 wurde LeWinter erneut verhaftet, diesmal auf deutschem Boden – und in die USA ausgeliefert. Eine Story, die sich ebenfalls nachweisen lässt. Vorwurf: Ein Deal über hunderte Millionen US-Dollar, in dessen Rahmen er tonnenweise Chemikalien zur illegalen Herstellung von Amphetaminen in die USA schmuggeln wollte. »Die Presse überbot sich damals mit unsinnigen Schlagzeilen«, erinnerte er sich. »Ganz nach dem Motto: ›Amerikanischer General – Chef eines Drogenrings?‹ So ein Blödsinn.

Das geschah ja alles im Rahmen meiner CIA-Tätigkeit. Aber das durfte ofÀziell niemand wissen.« Zwei Jahre habe er darauf als Gefangener verbracht – in einem amerikanischen»Country-Club«, wie er verschmitzt anmerkte. Doch das Lächeln verÁog schnell:»Nach der Verbüssung meiner Strafe, so versprach mir mein CIA-Anwalt, würde ich ofÀziell reingewaschen. Ich habe gewartet und gewartet. Doch nichts dergleichen geschah. Das hat mich zornig gemacht – nach zwanzig Jahren loyalen Dienstes!« LeWinter ballte die Faust. »›Ihr wollt Krieg?‹, dachte ich mir. ›Gut, ihr bekommt den Krieg!‹ Ich war damals arrogant. Ich habe mich masslos überschätzt. Ich habe gedacht, ich kann mit diesen Ärschen fertig werden. Mir war damals nicht bewusst, dass ich gegen eine ganze Regierung Krieg führen würde.« Sagte es und machte eine kurze Pause.

Dann zückte er ein vergilbtes Fotoalbum.

Darin: Erinnerungen an früher. An seine vier Kinder. Und seine Frauen. Der soeben noch verbittert wirkende alte Mann lebte plötzlich wieder auf. »Wissen Sie, dass ich kürzlich wieder geheiratet habe?«, fragte er. Zum wievielten Mal denn? »Zum fünften Mal – die vierte Frau«, schmunzelte er.

Zur ück in die dunkle Zeit. In die späten 1980er-Jahre, als ihn die CIA wie eine heisse Kartoffel fallengelassen habe und ihm der Staat die Rente strich. »Tja, dann begann ich eben Journalisten anzurufen.

Und Geheimnisse über politische Attentate der USA auszuplaudern. Etwa über die Hintergründe der Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme.

Die USA veranlassten Palmes Ermordung, um seine Pläne zu stoppen, Skandinavien in eine atomkraftfreie Zone zu verwandeln.« Klar, habe er sich für geheime Informationen öfters bezahlen lassen, räumte er ein. »Aber ich brauchte ja auch Geld. Es gab Zeiten, da bin ich nachts herumgelaufen und habe Mülltonnen abgeklappert. Auf der Suche nach etwas Essbarem.« Oswald LeWinters Tonfall wurde plötzlich sehr leise.

Nachdenklich schwieg er ein paar Sekunden und verzog dann verächtlich den Mund. »Eine Konkurrenz für die Katzen.« Dass die US-Behörden über seine Enthüllungen alles andere als erfreut waren, versteht sich von selbst. »Also begann man systematisch meinen Ruf zu ruinieren. Sehen Sie: Vor vielen Jahren habe ich in der CIA-Akademie in Williamsburg unterrichtet.

Wenn einer die CIA anklagt, so dozierte ich dort, ist es Blödsinn, ihn deswegen umzubringen. Das würde die Öffentlichkeit nur als Bestätigung ansehen, dass er die Wahrheit sagt. Besser ist es zu sagen: Wer ist das? Der war nie bei uns. Das ist ein pathologischer Lügner. Ein Hochstapler. Schliesslich lassen sich viele Spuren im Nachhinein aus der Geschichte tilgen.« Genau so sei man dann auch mit ihm verfahren.

Momentaufnahme von 2006: LeWinter in seinem damaligen Domizil in Heiligenstadt.

Ausgabe 6/2017 47 Oswald LeWinter schlug zur ück: Im Jahr 2001 veröffentlichte der Mann weltweit das allererste Enth üllungsbuch über die Attacken vom 11. September. Sein US-kritisches Werk »Desmantelar a América« erschien gerade mal zwei Monate nach dem WTC-Anschlag. Als erster formulierte er darin Zweifel an der ofÀziellen Version der Terroranschläge.

Wie kam der Mann unmittelbar nach dem Drama zu derlei bri santen Informationen, die sich in den letzten Jahren zusehends zu verdichten scheinen und Thema mehrerer Untersuchungen waren? Warum verf ügte er – wie auch im Mordfall Diana – über Insiderwissen, wenn nicht aus geheimen Quellen? »Als ich 1997 die Bilder von Dianas Auto-Unfall in Paris am TV sah, hatte ich gleich ein seltsames Gef ühl«, zuckte er mit den Achseln.»Irgendetwas schien hier einfach nicht zu stimmen.« LeWinter griff zum Telefon und rief einen Freund beim französischen Geheimdienst an. Ab dann war für ihn deÀnitiv klar: »Die CIA hat Diana umgebracht – im Auftrag des britischen Geheimdienstes. Sie war eine Bedrohung für die Monarchie. Also musste sie von der BildÁäche verschwinden. Eine Heirat mit einem Araber? Unvorstellbar!« Dass sich die Amerikaner tatsächlich für die Prinzessin interessierten, zeigen die Recherchen von Dodis Vater Mohamed Al-Fayed. Demnach verf ügen die US-Geheimdienste über Nach meiner Verhaftung traktierte man mich mit Elektroschock-Stäben.

Mann der 1000 Gesichter. LeWinter in den 1990er-Jahren.

1000 Seiten Geheimakten in dieser Sache. Deren Herausgabe aber wurde jahrelang verweigert – wegen der Möglichkeit »aussergewöhnlich schweren Schadens« für die nationale Sicherheit.

Ähnliche Papiere, so räumte LeWinter ohne mit der Wimper zu zucken ein, habe er Ende April 1998 unter falschem Namen an Al-Fayed verkaufen wollen. Kurz nach Dianas Tod. »Schliesslich hatte Al-Fayed 15 Millionen Dollar für konkrete Hinweise geboten. Ich wollte das Geld meiner Familie zukommen lassen. Leider war ich damals ziemlich blauäugig und nicht mehr auf dem Höhepunkt meiner Kräfte. Man hat mich missbraucht. Und auch ich habe Fehler gemacht. Fehler, für die ich büssen sollte.« In der Tat: Als der heimliche Aktendeal mit Fayeds Sicherheitschef John Macnamara in einem Wiener Hotelüber die Bühne gehen sollte, klickten die Handschellen.

Grund: Der misstrauische Macnamara hatte FBI, CIA und die ös terreichischen Behörden heimlich über das Treffen informiert.

LeWinter wurde an Ort und Stelle als Hochstapler verhaftet.»Nach meiner Festnahme wurde ich auf österreichischem Boden von US-Agenten verhört und mit Elektroschock-Stäben traktiert. Eine bodenlose Schweinerei. Sehen Sie…« Ungefragt zog der alte Mann sein T-Shirt auf Brusthöhe herunter und deutete auf Narben und verbrannte Hautstellen.

»Schliesslich knallte man mir die fraglichen Dokumente auf den Tisch. Sie waren mir am Tag zuvor von meinem Mittelsmann übergeben worden. Ich hatte sie vor meiner Verhaftung ungeöffnet im Hotelzimmer liegen.« Erst später sei ihm klar geworden, dass die Dokumente gefälscht worden sein mussten. »Man hat mir gesagt, dass sie Al-Fayed – ob seiner Aufsässigkeit gegenüber den amerikanischen Behörden – lächerlich machen sollten. Später wurde mir klar, dass man vielmehr mich damit aus dem Verkehr ziehen wollte.« Dichtung oder Wahrheit? Die Hintergründe blieben verworren, der Knastaufenthalt Realität. Über zwei Jahre lang sass LeWinter hinter Gittern. »Al-Fayed hat in der Folge die ganze US-Regierung eingeklagt. Jedes einzelne Departement. Nur um zu erfahren, wer dieser LeWinter ist…« Bestens informiert über Geheimdienst-Aktivitäten Abenteuerliche Geschichten ohne Ende, explosive Aussagen, seltsame Andeutungen – und manchmal auch Schweigen: Wer LeWinters Erzählungen damals nachging, fand sich schnell in einem unübersichtlichen Informationssumpf, in dem sich vieles nur schwer überprüfen liess. Das Internet befand sich damals noch in den Kinderschuhen. Kein Vergleich mit heute. Umso verwirrender sein enormes Wissen. Oder wie es Reporter Peter Koenig für den »Independent« am 2. Mai 1998 stellvertretend formulierte: »LeWinter war die bestinformierte Person über geheimdienstliche Aktivitäten, die ich je traf. Seine Ansichtenüber alles – von Geopolitik bis zur Literatur waren hoch durchdacht.« Und dann war da noch eine gänzlich andere Seite, die man dem Mann ob seiner wilden Abenteuerstories kaum zubilligen mochte – obwohl sie sich von allen damals wohl am leichtesten dokumentieren liess: Seit Jahrzehnten veröffentlichte Oswald LeWinter in literarischen Zeitschriften nämlich englischsprachi- Ausgabe 6/2017»In Verwahrung genommene Beweisgegenstände«.

Internes Behördendokument nach der Verhaftung in Wien (1998).

ge Gedichte. 2005 erschien sein Buch »Ages of Chaos and Fury – Selected Poems, 1949–2005«. Und seine Dichtung hatte es durchaus in sich, wie etwa eine Rezension in der kanadischen Literaturzeitschrift »The Modern Review« (Dezember 2005) zeigt, wo seiner literarischen Kunst hohe Anerkennung gezollt wird.

Abgesehen von seiner Geheimdienst-Rolle scheinen viele seiner Lebensstationen zudem selbst für seine Kritiker gesichert, wie auch die »Washington Post« 2001 einräumte: »Als New Yorker College-Student und aufstrebender Poet in den 1950er-Jahren freundete er sich mit dem berühmten US-Schriftsteller Saul Bellow an – gemäss jemandem, der ihn früher gut kannte, aber nicht genannt werden möchte.« Damals, so die Journalisten weiter, sei LeWinter nach Kalifornien übersiedelt, wo er seinen Hochschulabschluss an der Universität in Berkeley absolvierte. »Er arbeitete an einer Doktorarbeit, gab ein Buch mit dem Titel ›Shakespeare in Europe‹ heraus, wofür er auch Literaturpreise gewann.« Ebenso wurden ihm von den Reportern enge Kontakte zum Welche dubiose Rolle in der Diana-Affäre?

spielte Doppelagent Koecher bekannten tschechischen Spion Karel Koecher bescheinigt, den er Mitte der 1980er-Jahre im US-Gefängnis kennengelernt hatte.

Einem Doppelagenten, der im Kalten Krieg nachweislich für den KGB als auch für die CIA tätig war. Koecher seinerseits räumt ofÀziell ein, LeWinter 1998 am Tag seiner Verhaftung in Wien im Hotel-Frühstücksraum getroffen zu haben. In einem Brief, der in der »Central Europe Review« vom 2. August 1999 wiedergegeben wurde, schreibt er: »Ich sagte LeWinter, dass ich abreisen würde. Aber er bat mich, mich noch kurz zu ihm und einen Mann neben ihm zu gesellen. Er stellte mir diesen als ›Pat‹ vor, einen alten CIA-Freund. Wir sprachen rund zwanzig Minuten miteinander, wobei dieser ›Pat‹ auf mich den Eindruck eines ›echten‹ CIA-Insiders machte. Dar über hinaus wusste dieser Mann überraschend viel über mich.« Dass es ausgerechnet Koecher war, der LeWinter damals seinen Hotelaufenthalt in Wien bezahlt hatte, macht die »Diana- Affäre« nicht eben durchsichtiger. Umso mehr, als Koecher von den Justizbehörden deswegen nie belangt wurde.

Ausgabe 6/2017 49 Wer die internationalen Bibliotheken heute nach Oswald LeWinter durchforstet, stösst auf weitere Spuren, die sich ebenfalls nicht in Abrede stellen lassen. So Ànden sich im Archiv der Library of Congress etwa Tonband-Aufzeichnungen seiner Gedicht-Lesungen in der Universität von Berkeley (24. Oktober 1960). Ab 1989 wirkte und textete er unter Verleger Abraham (Abi) Melzer als 58-Jähriger zudem mehrere Jahre als Chefredakteur der antizionistischen, israelkritischen jüdischen Zeitschrift »Semit«.

Und wie verhält es sich mit seiner Dissertation unter dem bekannten deutschen Psychotherapeuten Professor Revenstorf zur Erlangung der Doktorwürde in Sozialwissenschaften von 1989, von der »mysteries« ein Originaltyposkript vorliegt? Wider Erwarten keine Fälschung, wie die Universität Tübingen auf Anfrage bestätigt. Eine Dissertation überdies, deren Anhang auch etliche seiner umstrittenen militärischen Tätigkeiten und Lebensstationen zu belegen scheint.

Desinformation im US-Wahlkampf?

Dennoch bleibt Vorsicht angebracht. Schliesslich betitelten manche den Hochintellektuellen als »Meister der Desinformation«, wie etwa die österreichische Journalistin Alexandra Bader, nach dem sie ihn vor einigen Jahren an seinem damaligen Wohnort im portugiesischen Lissabon besucht hatte. Bader: »Immerhin war es LeWinter, der die US-Autorin Barbara Honegger erfolgreich desinformiert hat. Sie gehörte ursprünglich zu Reagans Wahlkampfteam, begann aber dann, die ›Oktober-Überraschung‹ zu recherchieren. Bekanntlich wurde die Freilassung der Geiseln in der Teheraner US-Botschaft von Reagan-Leuten als Deal mit den Mullahs verzögert – damit Reagan Carter als Präsident ablösen konnte, welcher bei manchen schmutzigeren CIA-Operationen Skrupel hatte. LeWinter sorgte mit unter Informationen gemischten Desinformationen leider dafür, dass die gesamte Rekonstruktion Honeggers unglaubwürdig wirkte.« Nach rund zwölfjähriger Untersuchungen schlossen beide Häuser des US-Kongresses 1993 ihre diesbez üglichen Dossiers.

Doppelagent Koecher. Weiss er mehr als er zu Protokoll gab?

Oswald LeWinter als junger Vater mit einem seiner fünf Kinder. Undatiertes Foto aus Familienbesitz.

Mit dem Ergebnis, dass die Story nicht zu beweisen sei. Dies, obwohl selbst der erste gewählte Präsident des Irans, Abolhassan Banisadr (1980–1981) darauf beharrte, dass es damals tatsächlich einen Geheimdeal mit dem Reagan-Lager gegeben habe, wie von LeWinter behauptet. Ähnlich sah dies seinerzeit auch US-Korrespondent Martin Kilian, der LeWinters Insiderwissen ebenfalls Glauben schenkte und es am 5. September 1988 nach ausführlichen Gesprächen in seinen »Spiegel«-Artikel über»October Surpise« einÁiessen liess – allerdings ohne seinen Informanten beim Namen zu nennen (Titel: »Alles vergessen«). Tenor: »Selbst Ex-Präsident Carter schliesst nicht mehr aus, dass er seine Wahlniederlage 1980 einem ungewöhnlichen Handel zwischen Reagan-Leuten und dem Iran verdankt.« Gemäss der Internetseite »leopoldreport.com«, die LeWinters umstrittenen Geheimdienstverwicklungen bis heute wohl am detailliertesten auf den Grund ging, soll Kilian dabei im Herbst 1988 von deutschen Polizeibehörden ausdrücklich bestätigt worden sein, dass LeWinter tatsächlich als so genannter »Contract Agent« für die CIA tätig war. Also nicht ofÀziell angestellt, sondern jeweils für Spezialeinsätze bezahlt, wie John Anderson, Tony Widing und Anders Leopold in ihrem »Leopold Report 100505« ausführen. Zudem habe der Mann vermutlich auch für den Mossad gearbeitet, wie Journalist Robert Parry 1993 festhielt, der mit LeWinter für sein Enthüllungsbuch »Trick or Treason« in den frühen 1990er-Jahren ebenfalls in Kontakt stand.

Wie brisant die Sache wirklich war, dokumentiert auch ein Report in der »TAZ« vom 15. Juli 1989. Unter dem Titel »Mit Chomeinis Geiseln an die Macht – Wie Ronald Reagan die Wahlen gewann« wird die Affäre darin detailliert aufgerollt: »Die Gruppe hatte den Namen ›October Surprise‹. Sie sollte verhindern, so Ibrahim Razin, ein ehemaliger hoher CIA-Funktionär, dass ›Carter die Geiseln frei bekommt und die Wahlen gewinnt‹.« Was damals kaum einer realisierte: Ibrahim Razin war – Oswald LeWinter!

Ausgabe 6/2017 Ebenfalls nicht zu vergessen: Bereits 1994 hatte der umstrittene Whistleblower im TV-DokumentarÀlm »The Maltese Double Cross« behauptet, dass »die Lockerbie-Katastrophe auf das Konto der CIA geht«. Ein Umstand, der sich heute mehr denn je zu bewahrheiten scheint (»mysteries« Nr. 2/2017).

Ähnlich brisant, was der Mann bereits am 5. Januar 2005 (!)

gegenüber der portugiesischen Zeitung »o Diabo« zu Protokoll gab: »Die US-Geheimdienste waren auch die Direktverantwortlichen des Mordes an Olof Palme. Der schwedische Premier wurde ermordet, als er eine atomwaffenfreie Zone aushandelte. Falls es dazu gekommen wäre, hätte dies den Zusammenbruch der NATO bedeutet. Die als russisch bezeichneten U-Boote in schwedischen Gewässern waren reine Lüge; in Wirklichkeit waren es US-U-Boote, welche die aus Kaliningrad auslaufenden russischen U-Boote ausspionieren wollten.« Selbst Osama Bin Laden habe er heimlich getroffen, versicherte LeWinter 2006 allen Ernstes gegenüber »mysteries«. Man mochte es ihm abnehmen. Oder auch nicht mehr. Denn Dichtung und Wahrheit rückten bei ihm in jenen Monaten leider zunehmend enger zusammen. Seine gefälschten Reisepässe wollte er trotz Nachfrage nicht abgebildet sehen. Ebenso wenig wie Fotos aus seiner CIA-Zeit, die in seinem Wohnzimmer hingen. Ein Indiz, dass er zunehmend Áunkerte? Oder, dass er bereits seine neuerliche Flucht vorbereitete?

Überstürzte Flucht aus Deutschland Tatsache bleibt: Noch im Januar 2007 wohnte der Mann in Heiligenstadt, wo ihn »mysteries« zum letzten Mal traf. Gesundheitlich angeschlagen, seine Erinnerungen offenbar bereits leicht getrübt, Ànanziell in Not und offensichtlich nicht mehr im Vollbesitz seiner intellektuellen Kräfte. Wenige Monate zuvor war er – im Rollstuhl sitzend – zusammen mit dem türkischen Dichter Ilhan Berk zu einer Lesung auf einen Literaturkongress nach Istanbul eingeladen worden, wo er sich augenzwinkernd »als Einsteins Enkel« bezeichnet hatte.

2008 war er dann plötzlich spurlos verschwunden.

Überstürzt abgereist.»Aus Furcht, dass man ihn umbringen wollte«, wie Vertraute munkelten? »Auf dem Weg in ein US-Militärkrankenhaus«, wie andere kolportierten? Oder vielleicht auch nur, weil er seine Schulden nicht mehr bezahlen konnte?

OfÀziell wurde es still um den Tausendsassa. Bis Ende 2012: In einer herzzerreissenden News berichtete eine Frau namens Wendie ihren Facebook-Freunden, dass der Mann, der ihr in den letzten Jahren »wie ein Vater« beigestanden sei, in Amerika um Weihnachten einen Hirnschlag erlitten hatte und mit Frakturen sowie Verdacht auf Demenz gelähmt im Krankenhaus lag. »Nach schwerer Krankheit«, so seine Verwandten später in ihrer Todesanzeige, segnete Oswald LeWinter am 13. Februar 2013 in Holly Ill (San Francisco) im Alter von 81 Jahren das Zeitliche.

Warum ging Doppelagent Koecher straffrei aus?

Ich begann bereits zu zweifeln, ob es mich jemals gegeben hat.

Kaum ein Journalist nahm von seinem Ableben bis heute Notiz. Lediglich der britische Enth üllungsjournalist Philip Willan (»Puppetmasters«) widmete ihm am 8. Juni 2015 in der italienischen Presse ein paar letzte Gedanken.

»Zum letzten Mal von Oswald hörte ich um 2008, als mich eine deutsche EntsorgungsÀrma per E-Mail kontaktierte und fragte, ob ich wisse, wo er heute wohnt.« Willan hatte Oswald LeWinter im Jahr 2000 nach dem Diana-Skandal im Gefängnis von Wien zum ersten Mal besucht. Die damalige Affäre stimmt ihn bis heute nachdenklich: »John Macnamara, der fr ühere Scotland-Yard-Chefdetektiv und Leiter von Al-Fayeds Ermittlerteam erzählte mir, dass er sicher sei, dass LeWinter sowie dessen damalige Komplizen, Pat McMillan und der tschechische Doppelagent Karel Koecher, in der Vergangenheit tatsächlich für die CIA tätig gewesen waren. Macnamara wörtlich: ›Wir bewegen uns hier zunehmend in realen SpionagegeÀlden. LeWinter war weitaus mehr als nur ein Hochstapler. Warum etwa weigerten sich die US-Justizbehörden beharrlich, seine Komplizen strafrechtlich zu belangen?‹« Zurück bleiben verwirrende Erinnerungen an eine schillernde Persönlichkeit, die dem US-Staatsapparat in jedem Fall ein Dorn im Auge war. Sollte auch nur ein kleiner Teil seiner Enthüllungen der Wahrheit entsprechen, wären Regierungsstellen und Geheimdienste gut beraten, ihn posthum weiterhin als Hochstapler zu desavouieren. Wie gab er doch in seinem zweitletzten Mail an»mysteries« zu bedenken: »Danke für euer Vertrauen! Ich hatte bereits begonnen zu zweifeln, ob es mich je gegeben hat.«

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Die ultimativen Beweise für die Mond-Landungen der NASA schlummern in zwei Schweizer Panzerschränken im Keller der Universität Bern. Kein Journalist hat sie je zu Gesicht bekommen – geschweige denn fotograÀeren dürfen. Auch »mysteries« bekam einen Korb. Warum die fast schon militärisch anmutende Geheimhaltung? Und wieso wurde das dort verwahrte Mondgestein kürzlich in aller Stille »entsorgt«, ohne dies zu kommunizieren?

ubiläumsfeier in der Schweizer Hauptstadt: Im Herbst 2017 zelebrierte die Universität Bern 50 Jahre Weltraum-Jforschung. Dutzende von Messinstrumenten gehen auf das Konto der dortigen Wissenschaftler zurück. Viele der Apparaturen wurden in den letzten Jahrzehnten mit internationaler Hilfe ins All katapultiert, um die Entstehung des Sonnensystems und den Ursprung des Lebens zu ergründen.

Prunkstücke in der dortigen Sammlung sind und bleiben unbezahlbare Aluminium-Folien: Der ultimative Beweis dafür, dass die Amerikaner vor knapp 50 Jahren tatsächlich auf dem Mond gelandet sind. Entwickelt worden waren besagte»Sonnenwind-Segel« von eidgenössischen Forschern im Auftrag der NASA – um damit auf der lunaren Oberfläche Sonnenwind-Partikel einzufangen und diese später auf der Erde zu analysieren.

Mit Erfolg: Am 20. Juli 1969 hissten Neil Armstrong und Buzz Aldrin das Schweizer »Solar Wind Composition Experiment« vor aller Augen erstmals auf dem Mond. Und dies auf Druck des Berner Projektleiters Professor Johannes Geiss sogar noch vor der US-Flagge – wenngleich es dazu einiger Überzeugungskraft bedurft hatte. So wollte Präsident Nixon die amerikanische Fahne nach erfolgreicher Mission unbedingt als erstes am TV sehen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ein Unding. Denn die Zeit für die erste bemannte Landung war äusserst knapp bemessen. Kam dazu, dass die Berner Folie mindestens eine Stunde lang auf dem Trabanten stehen musste, um genügend Sonnenwind einsammeln zu können.

Geiss machte Druck. Buchstäblich in letzter Minute knickte Nixon auf Drängen seiner Berater schliesslich ein – und so schickte sich Astronaut Aldrin nach dem Ausstieg noch vor dem Hissen der Flagge an, das Sonnensegel zu installieren. 77 Minuten später wurde es wieder eingerollt und später zurück ins NASA-Hauptquartier geflogen, wo der Berner Professor der Rückkehr seines »Babys« höchstpersönlich entgegenÀeberte.

Welche Teile davon wann und wie in die Schweiz zurückkehrten? Welche Stückchen seither von der Originalfolie weggeschnippelt und wo untersucht wurden? Darüber herrscht heute trotz etlicher populärer und wissenschaftlicher Publikationen selbst unter Insidern Verwirrung. Klar scheint: Die Folie kam nach der Rückkehr in Quarantäne. »Ein winziges Stück dagegen wurde in den USA von Professor Geiss vorab aus der Mittelsektion herausgeschnitten und in einem Vakuumcontainer sterilisiert«, wie dem »Apollo 11 – Preliminary Science Report« der NASA zu entnehmen ist. »Dieses traf am 12. August 1969 in Bern ein.« Ein späteres Datum nannte der »Walliser Bote« am 22. September 1969: »Ein 500stel des Sonnenwind-Segels – zehn Quadratzentimeter – ist am Dienstag in einem Vakuumbehälter in der Uni Bern eingetroffen, wo Professor Geiss die von der Sonne abgeschossenen Partikel untersuchen wird.«»Die Tat« wiederum notierte am 29.

September 1969: »Professor Peter Eberhardt aus der Schweiz hat im Raumfahrtzentrum der NASA nicht nur Mondgestein abgeholt, sondern erhielt auch noch die restlichen zwei Drittel des Sonnenwindsegels. Mit dem ersten Teil des Segels wurden bereits seit etwa einem Monat Untersuchungen durchgeführt.« Und am 19. Juli 2009 wiederum fasste das Schweizer Fernsehen noch verwirrender zusammen: »Erst nach drei Wochen Quarantäne durfte Professor Geiss mit dem Sonnenwindsegel von Apollo 11 in die Schweiz zurückkehren.« Alles klar?

Comeback nach 40 Jahren im Schweizer TV In der Öffentlichkeit geriet das Berner Segel trotz anfänglicher Euphorie bald in Vergessenheit. Erst 2009 tauchte das kostbare St ück wieder auf. »Das ist das untere Ende der Apollo-11-Folie«, verk ündete Professor Geiss zum 40-Jahr-Jubiläum im Schweizer Fernsehen und hielt das eingerahmte Fragment stolz in die Kamera: »Diese Folie war tatsächlich auf dem Mond. Untermauert wurde dies durch Analysen in unserem Labor. Wenn gewisse

Das Sonnenwindsegel wurde noch vor der US-Flagge gehisst.

Der unterste Teil des Sonnenwindsegels von Apollo 11, mit den Spuren der Probenentnahmen. (Foto: Adrian Moser) Leute glauben, dass die Landung eine Fälschung gewesen sei, Bereits 2011 aber hatte sich der Wind in Bern zu drehen bedann müssen sie von uns ein Stück Folie kaufen – da ist der gonnen. Zwar durfte »mysteries« den untersten Teil des Sonnen-Sonnenwind tatsächlich drin!« segels von Apollo 11 im Physikalischen Institut damals noch 2010 überliessen Geiss und Konsorten dem Schweizer Plapersönlich fotograÀeren. »Dennoch glaube ich nicht, dass wir netarium in Kreuzlingen ein winziges Fragment der Sonnenentsprechende St ücke davon – im Gegensatz zu den Aussagen windfolie von Apollo 15 als Dauerleihgabe. Ein weiteres fünf von Herrn Geiss – heute noch verkaufen würden«, meinte die mal fünf Zentimeter kleines Originalfolienstück der Apollo-11dortige Astrophysikerin Kathrin Altwegg. Besagte Mondfolie sei Mission beÀndet sich seit wenigen Jahren zudem im Verkehrsmittlerweile derart verunreinigt, dass nur noch Spezialisten etmuseum Luzern. Bis heute die beiden einzigen ofÀziell ausgewas damit anfangen könnten. Speziell ihr unterer Teil sei bereits stellten Originalstücke der damaligen Experimente.

nach der Rückkehr mit Mondstaub kontaminiert gewesen und tauge heute somit nicht mehr zur Analyse. »Zudem gäbe es wohl juristische Probleme, da die Folie auch Eigentum der NASA ist.« Weitere sechs Jahre vergingen, während denen der »Schatz« einmal mehr in Vergessenheit geriet. Bis zum 16. September Panoramaaufnah- 2017 – dem ofÀziellen 50-Jahr-Jubiläum der Universität Bern me von Apollo 12 in Sachen Weltraumforschung, das mit einer gut besuchten (1969). Auch bei Sonderausstellung gewürdigt wurde. Eigentlich der perfekte dieser Mission Zeitpunkt, um ein für alle Mal sämtliche Zweifel am damaliwurde ein Sonnensegel aufgestellt.

gen Tun der NASA auszuräumen. Doch wer das wertvolle Originalteil in besagter »Nacht der Forschung« zu erspähen hoffte, wurde enttäuscht. Präsentiert wurde nur ein Prototyp des damaligen Sonnensegels. Also lediglich ein Hauch aus dem eigentlichen Archivhort. Wenige Sekunden lang hielt ein Professor während seines öffentlichen Referats das eingerahmte Apollo-11-Reststück an jenem Abend in die Höhe, ehe es aus Sicherheitsgründen eilig wieder weggeschlossen wurde.

Zwei unterirdische Panzerschränke Tatsächlich lagern alle Sonnensegel-Originale der NASA-Missionen Apollo 11 und 12 sowie 14 bis 16 gemäss Insideraussagen seit Jahrzehnten in zwei unterirdischen Tresoren der Universität Bern: »Die grössere der beiden Panzerschranktüren ist schätzungsweise 1,90 Meter hoch und etwas weniger als einen Meter breit.« Nur ein paar wenige Koryphäen, so heisst es weiter, haben heute Zugang in jenes »Heiligtum« im Untergrund der Schweizer Hauptstadt.

Konkrete Informationen über die Panzerschränke sind entsprechend dünn gesät. Nur vereinzelte Experten äusserten sich darüber je öffentlich. Darunter der bekannte Radiochemiker Professor Hans-Rudolf von Gunten, den die »Neue Zürcher Zei-Historische Momentaufnahme. Astronaut Buzz Aldrin nach der Installation und Ausrichtung des Schweizer Sonnensegels tung« am 28. Dezember 1994 wie folgt zitierte: »Als Principal Investigator der NASA war ich auch verantwortlich für die sichere Aufbewahrung und eine milligrammweise Abrechnung über die Verwendung des wertvollen Materials. In unseren Labors an der Uni Bern mussten speziell für die Mondproben ein grosser Tresor und ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem mit Alarm ein- Und am 20. Juli 2009 bestätigte auch Professor Johannes Geiss gegenüber der Zeitung »Der Bund«: »Bis heute verfügt die Universität Bern über viele Mondsteine und Staub« – aufbewahrt in einem Tresor. »Der Tresor war mit einer Zahlenkombination und der Raum durch eine mit der Polizei verbundene Ultraschall-Anlage gesichert. Mondgestein durfte man zwar verbrauchen, musste aber ganz genau Buch führen, was man damit gemacht hatte.« Kaum zu glauben: Kein einziger Pressefotograf durfte besagte Panzerräume seit 1969 je von innen ablichten, wie Guido Schwarz, Kommunikationsverantwortlicher von »NCCR PlanetS« der Uni Bern, gegenüber »mysteries« bestätigt. »Selbst ich habe besagte Originalstücke – im Gegensatz zu weiteren Apparaturen und Originalmodellen im Uni-Lager – noch nie mit eigenen Augen gesehen«, räumt der Raumfahrtexperte ein. »Ich weiss nur, dass die Sonnenwindsegel-Folien in Plastik eingeschweisst im dortigen Tresor lagern, um nicht kontaminiert zu werden.« Mondproben an die NASA retourniert Und das dort gelagerte Mondgestein?»Das beÀndet sich nicht mehr bei uns«, präzisiert Guido Schwarz gegenüber»mysteries«.

Grund:»Die Auflagen der NASA bezüglich der Lagerung sind etwa gleich aufwendig wie wenn man dort direkt Gestein für Forschung beantragt – also immens. Man hat die bei uns ab 1969 gelagerten Mondproben mangels aktuellem Forschungsbedarf deshalb vor wenigen Jahren wieder an die NASA nach Amerika zurückgegeben.« Eine ofÀzielle Anfrage von »mysteries«, ob die ominösen Panzerschranktüren zumindest von aussen abgelichtet werden dürften, musste Schwarz nach interner Rücksprache mit den Uni-Verantwortlichen leider abschlägig beantworten: »Wir haben bereits Anfragen anderer Journalisten abgelehnt. Tresore sind dazu gemacht, um Objekte und Dokumente sicher zu verwahren. Das ist auch bei den Mondfolien so. Um diese Sicherheit gänzlich zu gewährleisten, wollen wir nicht nur die Folien selbst, sondern auch deren gerichtet werden.« Nur ein paar wenigen Koryphäen ist der Zugang zum Tresor vergönnt.

am 20. Juli 1969.

Standort schützen.« 42 Ausgabe 6/2017 Die Geheimniskrämerei der Universität erscheint aus heutiger Sicht ziemlich fragwürdig, mag aus sicherheitstechnischer Sicht jedoch Sinn machen. Was aber wäre, wenn die NASA mit falschen Karten gespielt und das Apollo-11-Segel tatsächlich manipuliert hätte, wie Mondlandungs-Skeptiker bis heute unken? »Grundsätzlich wäre das nat ürlich möglich gewesen – wenn auch nicht gerade einfach«, räumte Professorin Kathrin Altwegg gegenüber »mysteries« bereits 2011 ein. Allerdings konnte die NASA seinerzeit nicht wissen, wie der Sonnenwind zusammengesetzt ist. »Das war der Wissenschaft vor Apollo 11 völlig unbekannt. Hätte man die Folie irgendwie präpariert, wäre deren Zusammensetzung von späteren Resultaten – wie etwa In-situ-Messungen mit Massenspektrometern – abgewichen, was aber nicht der Fall war.« Quintessenz: Das Berner Sonnensegel muss 1969 deÀnitiv auf dem Mond gewesen sein!

Zwei Apollo-11-Folienstücke in Privatbesitz!

Umso überraschender und selbst so manchem Experten unbekannt, dass sich zwei weitere Schnipsel der Apollo-11-Folie bis heute offenbar in Privatbesitz beÀnden! Wie es dazu kam? Am 13. und 14. Dezember 1969 hatte das Physikalische Institut im Rahmen eines öffentlichen Sonderevents neben Teilen der ersten Sonnensegel-Folie auch Mondgestein zur Schau gestellt.

Dabei kam es zu einem schier unglaublichen Vorfall.

»Fasziniert fragte damals ein Mann, ob es sich tatsächlich um die Originalfolie von Apollo 11 handelt – und ob er ein Stück davon als Erinnerung behalten könne«, weiss der Thurgauer Autographen-Händler Rolf Ramseier zu berichten. »Erstaunlicherweise riss ihm darauf ein über die Anfrage wohl verdutzter Mitarbeiter des Berner Instituts spontan ein Folienteilchen aus dem Segel heraus und überreichte es ihm.« Damals augenscheinlich eine Selbstverständlichkeit – aus heutiger Sicht ein Sakrileg.

Die Hälfte jenes Fragments beÀndet sich mittlerweile im Besitz von Ramseier, wie er gegenüber »mysteries« bestätigt:»Ich habe es vor rund 15 Jahren direkt von besagtem Mann, der heute noch lebt, erhalten. Im Rahmen eines Tausches halbierte dieser sein einzigartiges Kleinod und schenkte mir die andere Folienhälfte – rund 1 x 1,8 Zentimer gross.« Ein unbezahlbares Stück, wie er überzeugt ist. »Es beÀndet sich in meinem Archiv, und ich habe keinerlei Absicht, es zu veräussern.« Bleibt nur Rund 1,40 Meter hoch. Kompletter Sonnensegel-Prototyp, wie er in Bern kürzlich öffentlich zu sehen war. (Foto: A. Moser) noch zu hoffen, dass man neugierige Journalisten und Fotografen in der Berner Uni irgendwann vielleicht doch noch ins Allerheiligste äugen und fotograÀeren lässt. Vielleicht ja bereits im Jahr 2019 – dann, wenn die Vereinigten Staaten das 50-Jahr-Jubiläum ihrer ersten Apollo-Landung mit Pauken und Trompeten zelebrieren werden.

Luc Bürgin ■

Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 2
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 3
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 4
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 5
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 6
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 7
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 8
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 9
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 10
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 11
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 12
Der geheime Mond-Schatz in den Tresoren von Bern – Abbildung 13