Warum musste Prinzessin Diana vor rund 20 Jahren die Welt verlassen?

Oswald LeWinter glaubte die Wahrheit zu kennen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist der wohl umstrittenste Whistleblower der Neuzeit mittlerweile ebenfalls gestorben, wie erst kürzlich bekannt wurde. Der »mutigste CIA-Insider«, wie ihn seine Anhänger priesen? Oder der »grösste Hochstapler aller Zeiten«, wie ihn amerikanische Politiker verteufelten?

von Luc Bürgin r könnte als Vorlage für Steven Spielbergs Hochstapler-Klassiker »Catch me if you can« mit Leonardo di Caprio Egedient haben. Wäre da nicht sein geheimdienstlicher Hintergrund gewesen. »Dieser verdammte Kerl ist ein gerissenes Chamäleon!«, Áuchte der frühere Antiterror-Chef der CIA, Vince Cannistraro, bereits vor vielen Jahren. Und die »Washington Post« gab am 15. Februar 2001 zu bedenken: »Er mag vielleicht kein Spion sein, aber er ist mit Sicherheit einer der dreistesten Schwindler auf diesem Planeten.« Anders schätzte ihn Mohamed Al-Fayed ein, der Vater des 1997 ums Leben gekommenen Diana-Liebhabers Dodi: »Der Mann ist zwar ein Gangster«, polterte er.»Dennoch scheinen viele seiner Enth üllungen seltsamerweise der Wahrheit zu entsprechen.« Jedenfalls sei es mehr als verwunderlich, dass die Vereinigten Staaten ihn und seine Hintermänner in der Lady-Di-Affäre juristisch unbehelligt liessen – obwohl er laut der Wiener Justiz Ende der 1990er-Jahre US-Geheimdokumente in dieser Angelegenheit gefälscht haben soll. Al-Fayed: »In Amerika gilt das als schweres Verbrechen!« Wer vermochte Behörden und Geheimdienstexperten derart in Rage zu bringen? Wer war dieser Mann, der behauptete, jahrzehntelang lang im Dienste der CIA gewesen zu sein – ehe er seine Geheimnisse auszuplaudern begann? Welche Identität verbirgt sich hinter jenem Phantom, das unter Pseudonymen wie »George Mearah« oder »Ibrahim Razin« auf dem politischen Parkett jahrzehntelang von sich reden machte?

Viele seiner Enthüllungen zu entsprechen.

scheinen der Wahrheit»Oswald LeWinter? Dieser Mann war kein gewöhnlicher Hochstapler. Da steckte viel mehr dahinter.« Mohamed Al-Fayed, Vater des verstorbenen Liebhabers von Prinzessin Diana.

2006 machte sich »mysteries« erstmals auf die Suche nach Oswald LeWinter, um seine Konturen auszuleuchten. Jenem Mann, der weltweit immer wieder für Schlagzeilen sorgte, wenn es um die Offenlegung mieser Machenschaften des US-Regimes ging. Jenem schillernden Whistleblower, den sich jeder Thrillerautor aus den Fingern saugen müsste, hätte es ihn nicht gegeben – und dessen umstrittenes Tun die deutsche Mainstreampresse zeitlebens so gut wie gar nicht unter die Lupe nahm.

Der 75-Jährige hauste damals in Heiligenstadt, einem Vorort von Frankfurt. Wenige Jahre zuvor hatte er sich dorthin zurückgezogen. Gebeutelt von einer schweren Krankheit. »Diese Medizin hält mich am Leben«, seufzte er mit leichtem amerikanischen Akzent und deutete auf einen kleinen Küchentisch voller Medikamente. Am Gehstock bat er durch seine Wohnung. Jeder Schritt schien ihm Schmerzen zu bereiten. Am Boden: Bücher, Artikel und jede Menge Papiere. An den Wänden Erinnerungen an früher. Darunter ein altes Foto, das ihn in jüngeren Jahren als hochdekorierten Militär zeigte.

»Daneben das Generalspatent – und hier…« – LeWinter deutete auf einen weiteren Bilderrahmen – »die zweithöchste US-Auszeichnung für Tapferkeit, 1953. Das war der Koreakrieg.« Dieser gebrechlich wirkende Mann sollte Ende der 1990er- Jahre über zwei Jahre in einem Wiener Gefängnis verbracht haben, weil er Mohamed Al-Fayed für eine Millionensumme gefälschte US-Geheimdokumente über Dianas Tod unterjubeln wollte? Und zuvor bereits etliche Jahre im US-Knast? Schwer zu Ausgabe 6/2017 45 Pflegte Beziehungen zu Top-Insidern aus aller Welt. Oswald LeWinter (rechts), hier 1989 zusammen mit dem US-Dokumentarfilmer Emile de Antonio und dem ebenso legendären US-Politjournalisten Warren Hinckle (ganz links). Foto: Ron Gallela (gettyimages) glauben und dennoch wahr. »Davon später«, winkte LeWinter in 1965 rekrutierte ihn die CIA. »Die boten mir dreimal so viel aller Seelenruhe ab. Unser Gespräch dauerte knapp fünf Stun-Geld, wie ich damals als Hochschullehrer verdiente«, erzählte er den. Wer mit Oswald LeWinter sprach, brauchte Zeit. Zu gebildet fast schon entschuldigend. »Da konnte ich schlecht Nein sagen. der Mann, der ein gutes Dutzend Sprachen sprach, um ihn vor – Immerhin galt es, meine Familie zu ernähren. So begann ich schnell als Schwindler abzutun – auch wenn seine Lebensgemeine Laufbahn bei der CIA als Textanalytiker.« schichte wie eine Mischung aus einem John-le-Carré-Roman und Bald ging es in gefährlichere GeÀlde. Jahrzehntelang will Os-Münchhausens Fantastereien anmutete.

wald LeWinter in der Folge an etlichen Geboren wurde er als Sohn jüdischer dubiosen Aktionen in aller Welt beteiligt Die CIA bot mir dreimal Eltern 1931 in Wien. Nach Hitlers Eingewesen sein. 1971 wurde er für kurze marsch Áüchteten Mutter und Vater, der Zeit verhaftet – in London. Auf sich trug so viel Geld wie ich damals Kleine blieb in der Obhut der Grossmuter einen Badge der New Yorker Polizei als Lehrer verdiente.

ter, die nach Mauthausen deportiert wurund Papiere, die ihn als Diplomaten ausde. Der Bub wurde bei Dachau untergewiesen, wie die »Washington Post« 2001 bracht. Als eines von 1000 jüdischen Kindern wurde er 1939 festhielt. Man liess ihn wieder laufen.

von den Amerikanern in die USA gebracht, wo er aufwuchs. All In Vietnam besorgte LeWinter Saboteuren am Ho-Chi-Minhdies ist historisch gesichert und belegbar.

Pfad Kalashnikow-Gewehre, deren Kauf er durch Drogenver-Nach dem Abitur studierte Oswald LeWinter Literatur und Psykäufe aus dem goldenen Dreieck Ànanzierte. »Wir verstauten chologie und zog dann als junger amerikanischer Leutnant in das Heroin in den Körpern toter GI's, deren Leichen nicht mehr den Koreakrieg. 1953 kehrte er verwundet aus der chinesischen identiÀziert werden konnten und versahen diese mit Àktiven Ty-Gefangenschaft zur ück, nahm sein Studium wieder auf, das er phus-Warnungen. Die Leichen wurden in die USA ausgeÁogen, in Berkeley mit Höchstnote bestand.

in bestimmte italienische Bestattungsinstitute, wo die Drogen 46 Ausgabe 6/2017 von unseren Vertrauten heimlich wieder entnommen wurden.« Irgendwann sei diese Geschichte dann Enthüllungsautor David Yallop zu Ohren gekommen, erzählte er beiläuÀg. »Der hat später ein Buch dar über geschrieben mit dem Titel ›Unholy Alliance‹«, schmunzelte LeWinter und strich sich dabei über seinen fülligen Bauch. »Er nennt mich darin Oscar Benjamin und beschreibt mich als dicken Buddha…« Zwei Jahre Knast wegen Chemikalien-Schmuggel 1984 wurde LeWinter erneut verhaftet, diesmal auf deutschem Boden – und in die USA ausgeliefert. Eine Story, die sich ebenfalls nachweisen lässt. Vorwurf: Ein Deal über hunderte Millionen US-Dollar, in dessen Rahmen er tonnenweise Chemikalien zur illegalen Herstellung von Amphetaminen in die USA schmuggeln wollte. »Die Presse überbot sich damals mit unsinnigen Schlagzeilen«, erinnerte er sich. »Ganz nach dem Motto: ›Amerikanischer General – Chef eines Drogenrings?‹ So ein Blödsinn.

Das geschah ja alles im Rahmen meiner CIA-Tätigkeit. Aber das durfte ofÀziell niemand wissen.« Zwei Jahre habe er darauf als Gefangener verbracht – in einem amerikanischen»Country-Club«, wie er verschmitzt anmerkte. Doch das Lächeln verÁog schnell:»Nach der Verbüssung meiner Strafe, so versprach mir mein CIA-Anwalt, würde ich ofÀziell reingewaschen. Ich habe gewartet und gewartet. Doch nichts dergleichen geschah. Das hat mich zornig gemacht – nach zwanzig Jahren loyalen Dienstes!« LeWinter ballte die Faust. »›Ihr wollt Krieg?‹, dachte ich mir. ›Gut, ihr bekommt den Krieg!‹ Ich war damals arrogant. Ich habe mich masslos überschätzt. Ich habe gedacht, ich kann mit diesen Ärschen fertig werden. Mir war damals nicht bewusst, dass ich gegen eine ganze Regierung Krieg führen würde.« Sagte es und machte eine kurze Pause.

Dann zückte er ein vergilbtes Fotoalbum.

Darin: Erinnerungen an früher. An seine vier Kinder. Und seine Frauen. Der soeben noch verbittert wirkende alte Mann lebte plötzlich wieder auf. »Wissen Sie, dass ich kürzlich wieder geheiratet habe?«, fragte er. Zum wievielten Mal denn? »Zum fünften Mal – die vierte Frau«, schmunzelte er.

Zur ück in die dunkle Zeit. In die späten 1980er-Jahre, als ihn die CIA wie eine heisse Kartoffel fallengelassen habe und ihm der Staat die Rente strich. »Tja, dann begann ich eben Journalisten anzurufen.

Und Geheimnisse über politische Attentate der USA auszuplaudern. Etwa über die Hintergründe der Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme.

Die USA veranlassten Palmes Ermordung, um seine Pläne zu stoppen, Skandinavien in eine atomkraftfreie Zone zu verwandeln.« Klar, habe er sich für geheime Informationen öfters bezahlen lassen, räumte er ein. »Aber ich brauchte ja auch Geld. Es gab Zeiten, da bin ich nachts herumgelaufen und habe Mülltonnen abgeklappert. Auf der Suche nach etwas Essbarem.« Oswald LeWinters Tonfall wurde plötzlich sehr leise.

Nachdenklich schwieg er ein paar Sekunden und verzog dann verächtlich den Mund. »Eine Konkurrenz für die Katzen.« Dass die US-Behörden über seine Enthüllungen alles andere als erfreut waren, versteht sich von selbst. »Also begann man systematisch meinen Ruf zu ruinieren. Sehen Sie: Vor vielen Jahren habe ich in der CIA-Akademie in Williamsburg unterrichtet.

Wenn einer die CIA anklagt, so dozierte ich dort, ist es Blödsinn, ihn deswegen umzubringen. Das würde die Öffentlichkeit nur als Bestätigung ansehen, dass er die Wahrheit sagt. Besser ist es zu sagen: Wer ist das? Der war nie bei uns. Das ist ein pathologischer Lügner. Ein Hochstapler. Schliesslich lassen sich viele Spuren im Nachhinein aus der Geschichte tilgen.« Genau so sei man dann auch mit ihm verfahren.

Momentaufnahme von 2006: LeWinter in seinem damaligen Domizil in Heiligenstadt.

Ausgabe 6/2017 47 Oswald LeWinter schlug zur ück: Im Jahr 2001 veröffentlichte der Mann weltweit das allererste Enth üllungsbuch über die Attacken vom 11. September. Sein US-kritisches Werk »Desmantelar a América« erschien gerade mal zwei Monate nach dem WTC-Anschlag. Als erster formulierte er darin Zweifel an der ofÀziellen Version der Terroranschläge.

Wie kam der Mann unmittelbar nach dem Drama zu derlei bri santen Informationen, die sich in den letzten Jahren zusehends zu verdichten scheinen und Thema mehrerer Untersuchungen waren? Warum verf ügte er – wie auch im Mordfall Diana – über Insiderwissen, wenn nicht aus geheimen Quellen? »Als ich 1997 die Bilder von Dianas Auto-Unfall in Paris am TV sah, hatte ich gleich ein seltsames Gef ühl«, zuckte er mit den Achseln.»Irgendetwas schien hier einfach nicht zu stimmen.« LeWinter griff zum Telefon und rief einen Freund beim französischen Geheimdienst an. Ab dann war für ihn deÀnitiv klar: »Die CIA hat Diana umgebracht – im Auftrag des britischen Geheimdienstes. Sie war eine Bedrohung für die Monarchie. Also musste sie von der BildÁäche verschwinden. Eine Heirat mit einem Araber? Unvorstellbar!« Dass sich die Amerikaner tatsächlich für die Prinzessin interessierten, zeigen die Recherchen von Dodis Vater Mohamed Al-Fayed. Demnach verf ügen die US-Geheimdienste über Nach meiner Verhaftung traktierte man mich mit Elektroschock-Stäben.

Mann der 1000 Gesichter. LeWinter in den 1990er-Jahren.

1000 Seiten Geheimakten in dieser Sache. Deren Herausgabe aber wurde jahrelang verweigert – wegen der Möglichkeit »aussergewöhnlich schweren Schadens« für die nationale Sicherheit.

Ähnliche Papiere, so räumte LeWinter ohne mit der Wimper zu zucken ein, habe er Ende April 1998 unter falschem Namen an Al-Fayed verkaufen wollen. Kurz nach Dianas Tod. »Schliesslich hatte Al-Fayed 15 Millionen Dollar für konkrete Hinweise geboten. Ich wollte das Geld meiner Familie zukommen lassen. Leider war ich damals ziemlich blauäugig und nicht mehr auf dem Höhepunkt meiner Kräfte. Man hat mich missbraucht. Und auch ich habe Fehler gemacht. Fehler, für die ich büssen sollte.« In der Tat: Als der heimliche Aktendeal mit Fayeds Sicherheitschef John Macnamara in einem Wiener Hotelüber die Bühne gehen sollte, klickten die Handschellen.

Grund: Der misstrauische Macnamara hatte FBI, CIA und die ös terreichischen Behörden heimlich über das Treffen informiert.

LeWinter wurde an Ort und Stelle als Hochstapler verhaftet.»Nach meiner Festnahme wurde ich auf österreichischem Boden von US-Agenten verhört und mit Elektroschock-Stäben traktiert. Eine bodenlose Schweinerei. Sehen Sie…« Ungefragt zog der alte Mann sein T-Shirt auf Brusthöhe herunter und deutete auf Narben und verbrannte Hautstellen.

»Schliesslich knallte man mir die fraglichen Dokumente auf den Tisch. Sie waren mir am Tag zuvor von meinem Mittelsmann übergeben worden. Ich hatte sie vor meiner Verhaftung ungeöffnet im Hotelzimmer liegen.« Erst später sei ihm klar geworden, dass die Dokumente gefälscht worden sein mussten. »Man hat mir gesagt, dass sie Al-Fayed – ob seiner Aufsässigkeit gegenüber den amerikanischen Behörden – lächerlich machen sollten. Später wurde mir klar, dass man vielmehr mich damit aus dem Verkehr ziehen wollte.« Dichtung oder Wahrheit? Die Hintergründe blieben verworren, der Knastaufenthalt Realität. Über zwei Jahre lang sass LeWinter hinter Gittern. »Al-Fayed hat in der Folge die ganze US-Regierung eingeklagt. Jedes einzelne Departement. Nur um zu erfahren, wer dieser LeWinter ist…« Bestens informiert über Geheimdienst-Aktivitäten Abenteuerliche Geschichten ohne Ende, explosive Aussagen, seltsame Andeutungen – und manchmal auch Schweigen: Wer LeWinters Erzählungen damals nachging, fand sich schnell in einem unübersichtlichen Informationssumpf, in dem sich vieles nur schwer überprüfen liess. Das Internet befand sich damals noch in den Kinderschuhen. Kein Vergleich mit heute. Umso verwirrender sein enormes Wissen. Oder wie es Reporter Peter Koenig für den »Independent« am 2. Mai 1998 stellvertretend formulierte: »LeWinter war die bestinformierte Person über geheimdienstliche Aktivitäten, die ich je traf. Seine Ansichtenüber alles – von Geopolitik bis zur Literatur waren hoch durchdacht.« Und dann war da noch eine gänzlich andere Seite, die man dem Mann ob seiner wilden Abenteuerstories kaum zubilligen mochte – obwohl sie sich von allen damals wohl am leichtesten dokumentieren liess: Seit Jahrzehnten veröffentlichte Oswald LeWinter in literarischen Zeitschriften nämlich englischsprachi- Ausgabe 6/2017»In Verwahrung genommene Beweisgegenstände«.

Internes Behördendokument nach der Verhaftung in Wien (1998).

ge Gedichte. 2005 erschien sein Buch »Ages of Chaos and Fury – Selected Poems, 1949–2005«. Und seine Dichtung hatte es durchaus in sich, wie etwa eine Rezension in der kanadischen Literaturzeitschrift »The Modern Review« (Dezember 2005) zeigt, wo seiner literarischen Kunst hohe Anerkennung gezollt wird.

Abgesehen von seiner Geheimdienst-Rolle scheinen viele seiner Lebensstationen zudem selbst für seine Kritiker gesichert, wie auch die »Washington Post« 2001 einräumte: »Als New Yorker College-Student und aufstrebender Poet in den 1950er-Jahren freundete er sich mit dem berühmten US-Schriftsteller Saul Bellow an – gemäss jemandem, der ihn früher gut kannte, aber nicht genannt werden möchte.« Damals, so die Journalisten weiter, sei LeWinter nach Kalifornien übersiedelt, wo er seinen Hochschulabschluss an der Universität in Berkeley absolvierte. »Er arbeitete an einer Doktorarbeit, gab ein Buch mit dem Titel ›Shakespeare in Europe‹ heraus, wofür er auch Literaturpreise gewann.« Ebenso wurden ihm von den Reportern enge Kontakte zum Welche dubiose Rolle in der Diana-Affäre?

spielte Doppelagent Koecher bekannten tschechischen Spion Karel Koecher bescheinigt, den er Mitte der 1980er-Jahre im US-Gefängnis kennengelernt hatte.

Einem Doppelagenten, der im Kalten Krieg nachweislich für den KGB als auch für die CIA tätig war. Koecher seinerseits räumt ofÀziell ein, LeWinter 1998 am Tag seiner Verhaftung in Wien im Hotel-Frühstücksraum getroffen zu haben. In einem Brief, der in der »Central Europe Review« vom 2. August 1999 wiedergegeben wurde, schreibt er: »Ich sagte LeWinter, dass ich abreisen würde. Aber er bat mich, mich noch kurz zu ihm und einen Mann neben ihm zu gesellen. Er stellte mir diesen als ›Pat‹ vor, einen alten CIA-Freund. Wir sprachen rund zwanzig Minuten miteinander, wobei dieser ›Pat‹ auf mich den Eindruck eines ›echten‹ CIA-Insiders machte. Dar über hinaus wusste dieser Mann überraschend viel über mich.« Dass es ausgerechnet Koecher war, der LeWinter damals seinen Hotelaufenthalt in Wien bezahlt hatte, macht die »Diana- Affäre« nicht eben durchsichtiger. Umso mehr, als Koecher von den Justizbehörden deswegen nie belangt wurde.

Ausgabe 6/2017 49 Wer die internationalen Bibliotheken heute nach Oswald LeWinter durchforstet, stösst auf weitere Spuren, die sich ebenfalls nicht in Abrede stellen lassen. So Ànden sich im Archiv der Library of Congress etwa Tonband-Aufzeichnungen seiner Gedicht-Lesungen in der Universität von Berkeley (24. Oktober 1960). Ab 1989 wirkte und textete er unter Verleger Abraham (Abi) Melzer als 58-Jähriger zudem mehrere Jahre als Chefredakteur der antizionistischen, israelkritischen jüdischen Zeitschrift »Semit«.

Und wie verhält es sich mit seiner Dissertation unter dem bekannten deutschen Psychotherapeuten Professor Revenstorf zur Erlangung der Doktorwürde in Sozialwissenschaften von 1989, von der »mysteries« ein Originaltyposkript vorliegt? Wider Erwarten keine Fälschung, wie die Universität Tübingen auf Anfrage bestätigt. Eine Dissertation überdies, deren Anhang auch etliche seiner umstrittenen militärischen Tätigkeiten und Lebensstationen zu belegen scheint.

Desinformation im US-Wahlkampf?

Dennoch bleibt Vorsicht angebracht. Schliesslich betitelten manche den Hochintellektuellen als »Meister der Desinformation«, wie etwa die österreichische Journalistin Alexandra Bader, nach dem sie ihn vor einigen Jahren an seinem damaligen Wohnort im portugiesischen Lissabon besucht hatte. Bader: »Immerhin war es LeWinter, der die US-Autorin Barbara Honegger erfolgreich desinformiert hat. Sie gehörte ursprünglich zu Reagans Wahlkampfteam, begann aber dann, die ›Oktober-Überraschung‹ zu recherchieren. Bekanntlich wurde die Freilassung der Geiseln in der Teheraner US-Botschaft von Reagan-Leuten als Deal mit den Mullahs verzögert – damit Reagan Carter als Präsident ablösen konnte, welcher bei manchen schmutzigeren CIA-Operationen Skrupel hatte. LeWinter sorgte mit unter Informationen gemischten Desinformationen leider dafür, dass die gesamte Rekonstruktion Honeggers unglaubwürdig wirkte.« Nach rund zwölfjähriger Untersuchungen schlossen beide Häuser des US-Kongresses 1993 ihre diesbez üglichen Dossiers.

Doppelagent Koecher. Weiss er mehr als er zu Protokoll gab?

Oswald LeWinter als junger Vater mit einem seiner fünf Kinder. Undatiertes Foto aus Familienbesitz.

Mit dem Ergebnis, dass die Story nicht zu beweisen sei. Dies, obwohl selbst der erste gewählte Präsident des Irans, Abolhassan Banisadr (1980–1981) darauf beharrte, dass es damals tatsächlich einen Geheimdeal mit dem Reagan-Lager gegeben habe, wie von LeWinter behauptet. Ähnlich sah dies seinerzeit auch US-Korrespondent Martin Kilian, der LeWinters Insiderwissen ebenfalls Glauben schenkte und es am 5. September 1988 nach ausführlichen Gesprächen in seinen »Spiegel«-Artikel über»October Surpise« einÁiessen liess – allerdings ohne seinen Informanten beim Namen zu nennen (Titel: »Alles vergessen«). Tenor: »Selbst Ex-Präsident Carter schliesst nicht mehr aus, dass er seine Wahlniederlage 1980 einem ungewöhnlichen Handel zwischen Reagan-Leuten und dem Iran verdankt.« Gemäss der Internetseite »leopoldreport.com«, die LeWinters umstrittenen Geheimdienstverwicklungen bis heute wohl am detailliertesten auf den Grund ging, soll Kilian dabei im Herbst 1988 von deutschen Polizeibehörden ausdrücklich bestätigt worden sein, dass LeWinter tatsächlich als so genannter »Contract Agent« für die CIA tätig war. Also nicht ofÀziell angestellt, sondern jeweils für Spezialeinsätze bezahlt, wie John Anderson, Tony Widing und Anders Leopold in ihrem »Leopold Report 100505« ausführen. Zudem habe der Mann vermutlich auch für den Mossad gearbeitet, wie Journalist Robert Parry 1993 festhielt, der mit LeWinter für sein Enthüllungsbuch »Trick or Treason« in den frühen 1990er-Jahren ebenfalls in Kontakt stand.

Wie brisant die Sache wirklich war, dokumentiert auch ein Report in der »TAZ« vom 15. Juli 1989. Unter dem Titel »Mit Chomeinis Geiseln an die Macht – Wie Ronald Reagan die Wahlen gewann« wird die Affäre darin detailliert aufgerollt: »Die Gruppe hatte den Namen ›October Surprise‹. Sie sollte verhindern, so Ibrahim Razin, ein ehemaliger hoher CIA-Funktionär, dass ›Carter die Geiseln frei bekommt und die Wahlen gewinnt‹.« Was damals kaum einer realisierte: Ibrahim Razin war – Oswald LeWinter!

Ausgabe 6/2017 Ebenfalls nicht zu vergessen: Bereits 1994 hatte der umstrittene Whistleblower im TV-DokumentarÀlm »The Maltese Double Cross« behauptet, dass »die Lockerbie-Katastrophe auf das Konto der CIA geht«. Ein Umstand, der sich heute mehr denn je zu bewahrheiten scheint (»mysteries« Nr. 2/2017).

Ähnlich brisant, was der Mann bereits am 5. Januar 2005 (!)

gegenüber der portugiesischen Zeitung »o Diabo« zu Protokoll gab: »Die US-Geheimdienste waren auch die Direktverantwortlichen des Mordes an Olof Palme. Der schwedische Premier wurde ermordet, als er eine atomwaffenfreie Zone aushandelte. Falls es dazu gekommen wäre, hätte dies den Zusammenbruch der NATO bedeutet. Die als russisch bezeichneten U-Boote in schwedischen Gewässern waren reine Lüge; in Wirklichkeit waren es US-U-Boote, welche die aus Kaliningrad auslaufenden russischen U-Boote ausspionieren wollten.« Selbst Osama Bin Laden habe er heimlich getroffen, versicherte LeWinter 2006 allen Ernstes gegenüber »mysteries«. Man mochte es ihm abnehmen. Oder auch nicht mehr. Denn Dichtung und Wahrheit rückten bei ihm in jenen Monaten leider zunehmend enger zusammen. Seine gefälschten Reisepässe wollte er trotz Nachfrage nicht abgebildet sehen. Ebenso wenig wie Fotos aus seiner CIA-Zeit, die in seinem Wohnzimmer hingen. Ein Indiz, dass er zunehmend Áunkerte? Oder, dass er bereits seine neuerliche Flucht vorbereitete?

Überstürzte Flucht aus Deutschland Tatsache bleibt: Noch im Januar 2007 wohnte der Mann in Heiligenstadt, wo ihn »mysteries« zum letzten Mal traf. Gesundheitlich angeschlagen, seine Erinnerungen offenbar bereits leicht getrübt, Ànanziell in Not und offensichtlich nicht mehr im Vollbesitz seiner intellektuellen Kräfte. Wenige Monate zuvor war er – im Rollstuhl sitzend – zusammen mit dem türkischen Dichter Ilhan Berk zu einer Lesung auf einen Literaturkongress nach Istanbul eingeladen worden, wo er sich augenzwinkernd »als Einsteins Enkel« bezeichnet hatte.

2008 war er dann plötzlich spurlos verschwunden.

Überstürzt abgereist.»Aus Furcht, dass man ihn umbringen wollte«, wie Vertraute munkelten? »Auf dem Weg in ein US-Militärkrankenhaus«, wie andere kolportierten? Oder vielleicht auch nur, weil er seine Schulden nicht mehr bezahlen konnte?

OfÀziell wurde es still um den Tausendsassa. Bis Ende 2012: In einer herzzerreissenden News berichtete eine Frau namens Wendie ihren Facebook-Freunden, dass der Mann, der ihr in den letzten Jahren »wie ein Vater« beigestanden sei, in Amerika um Weihnachten einen Hirnschlag erlitten hatte und mit Frakturen sowie Verdacht auf Demenz gelähmt im Krankenhaus lag. »Nach schwerer Krankheit«, so seine Verwandten später in ihrer Todesanzeige, segnete Oswald LeWinter am 13. Februar 2013 in Holly Ill (San Francisco) im Alter von 81 Jahren das Zeitliche.

Warum ging Doppelagent Koecher straffrei aus?

Ich begann bereits zu zweifeln, ob es mich jemals gegeben hat.

Kaum ein Journalist nahm von seinem Ableben bis heute Notiz. Lediglich der britische Enth üllungsjournalist Philip Willan (»Puppetmasters«) widmete ihm am 8. Juni 2015 in der italienischen Presse ein paar letzte Gedanken.

»Zum letzten Mal von Oswald hörte ich um 2008, als mich eine deutsche EntsorgungsÀrma per E-Mail kontaktierte und fragte, ob ich wisse, wo er heute wohnt.« Willan hatte Oswald LeWinter im Jahr 2000 nach dem Diana-Skandal im Gefängnis von Wien zum ersten Mal besucht. Die damalige Affäre stimmt ihn bis heute nachdenklich: »John Macnamara, der fr ühere Scotland-Yard-Chefdetektiv und Leiter von Al-Fayeds Ermittlerteam erzählte mir, dass er sicher sei, dass LeWinter sowie dessen damalige Komplizen, Pat McMillan und der tschechische Doppelagent Karel Koecher, in der Vergangenheit tatsächlich für die CIA tätig gewesen waren. Macnamara wörtlich: ›Wir bewegen uns hier zunehmend in realen SpionagegeÀlden. LeWinter war weitaus mehr als nur ein Hochstapler. Warum etwa weigerten sich die US-Justizbehörden beharrlich, seine Komplizen strafrechtlich zu belangen?‹« Zurück bleiben verwirrende Erinnerungen an eine schillernde Persönlichkeit, die dem US-Staatsapparat in jedem Fall ein Dorn im Auge war. Sollte auch nur ein kleiner Teil seiner Enthüllungen der Wahrheit entsprechen, wären Regierungsstellen und Geheimdienste gut beraten, ihn posthum weiterhin als Hochstapler zu desavouieren. Wie gab er doch in seinem zweitletzten Mail an»mysteries« zu bedenken: »Danke für euer Vertrauen! Ich hatte bereits begonnen zu zweifeln, ob es mich je gegeben hat.«

Der Spion, der kein Agent sein durfte – Abbildung 2
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als Ghostwriter?

Mit seinem Gewicht von 75 Kilo gilt es als grösstes mittelalterliches Manuskript der Welt. Im 13. Jahrhundert soll der »Codex Gigas« der Legende nach von einem Mönch in einer einzigen Nacht verfasst worden sein. Neuere Analysen belegen: Das handschriftliche Unikat wurde tatsächlich von einem einzelnen Genie verfasst – in der Rekordzeit von 30 Jahren.

Dank einem Pakt mit dem Teufel?

enediktinerkloster Podlaschitz in Ostböhmen im Jahr 1229. Ein Einsiedlermönch namens Hermanus sitzt Babends auf dem Boden seiner kargen Zelle. Um ihn herum stapeln sich Hunderte von Pergamentblättern. Im Schein flackernder Kerzen schreibt der Mann buchstäblich um sein Leben. In seiner Abtei ist er in Ungnade gefallen. Welcher Sünden er bezichtigt wird, erfahren wir nicht. Doch dem Benediktiner droht ein grausames Schicksal: Er soll hinter Klostermauern lebendig begraben werden.

Einziger Ausweg, um dem Todesurteil zu entkommen: Der Kleriker muss zur Strafe ein Manuskript verfassen, in dem das gesamte Wissen der damaligen europäischen Gelehrtenwelt enthalten ist. Eine unmögliche Aufgabe. Erst recht, wenn man weiss, dass die Schuldigkeit in einer einzigen Nacht vollendet werden muss. Der Verurteilte versucht das Unmögliche und schreibt sich die Finger wund. In seinem Elend beschwört er nächtens den Teufel. Die Schreckgestalt bietet ihre Hilfe an, fordert jedoch als Lohn seine Seele. Der Mönch willigt ein – und der Teufelspakt ist besiegelt.

Es geschieht wie besprochen: Der teuflische »Ghostwriter« vervollständigt das Buch fristgemäss bis zum Sonnenaufgang.

Zum Dank fügt der Mönch ein Seitenporträt des Beelzebubs hinzu. Seine Strafe wird ihm erlassen. Danach verlässt er das Kloster und betet verzweifelt zur Jungfrau Maria, auf dass sie ihn vom diabolischen Fluch erlöse. Vergeblich. Der Kampf zwischen Gut und Böse mündet im Tod des Geistlichen. Und damit endet auch die bruchstückhafte Legende zum Codex Gi gas. Sie Àndet sich in einem Katalogeintrag zum Inven tar der Prager Kunstsammlung anno 1635.

Bis heute bleibt besagte»Teufelsbibel« eines der rätselhaftesten Manuskripte der Welt. Niemand weiss, wer den 624 Seiten dicken Koloss geschaffen hat.

Stattliche 75 Kilogramm bringt der Wälzer auf die Waage. Mit 89,5 Zentimetern Höhe, 49 Zentimetern Breite und 22 Zentimetern Dicke ist er das grösste erhaltene Manuskript aus dem Mittelalter – im religiösen Klostergebrauch nicht gerade handlich.

Auf über 300 doppelseitigen Pergamentblättern und zwei Papierblättern wurde darin versucht, das gesamte geistliche und weltliche Wissen des Mittelalters bis circa 1229 niederzuschreiben. Von der ErÀndung des Buchdrucks und der Druckerpresse war man dazumal noch Jahrhunderte entfernt. Als Vorgänger des Schreibpapiers dienten den Glaubensmännern Tierhäute, die aufwendig getrocknet und bearbeitet wurden. Vorgerechnet wird, dass geschätzte 160 Esel oder Kälber für das Jahrtausendwerk ihr Leben lassen mussten.

Die Überlieferung nennt das ostböhmische Benediktinerkloster Podlaschitz nahe der Königsstadt Chrudim als ersten Besitzer. Den Hinweis dazu liefert der Codex Gigas selber auf der Innenseite seines vorderen Buchdeckels. Die Notiz aus dem 13. Jahrhundert berichtet von Ànanziellen Nöten der Abtei, weshalb das Manuskript ans Zisterzienserkloster von Sedletz verpfändet werden musste. Ausserdem erfahren wir, dass das Opus im Jahre 1295 durch Bischof Gregor von Prag erworben und später ins wohlhabende Stift Breunau gebracht wurde.

Acht Seiten bleiben verschwunden Die Hälfte des Codex Gigas enthält die Bücher des Alten und Neuen Testaments in altlateinischer Textform. Die beiden Bibeltexte folgen nicht der üblichen Reihung, sondern sind durch weitere Schriften voneinander getrennt. Dazu gehören nicht zuletzt die bedeutenden Werke des römisch-jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus (um 37–100 n. Chr.).

Herzstück der»Teufelsbibel« bilden zwei ganzseitige Illustrationen. Eine zeigt das »Himmlische Jerusalem«. Die andere präsentiert ein Abbild des Teufels. Die Blätter davor enthalten ein Bekenntnis von Sünden, wobei der Schriftzug doppelt so gross ist als jener auf anderen Manuskriptseiten.

Gleiches gilt für zwei Folgeseiten zum Teufelsbild: Beschwörungen und magische Formeln, die vor der Macht dämonischer Eingriffe schützen sollen. Und dann stand da einst offenbar noch weitaus Wertvolleres oder Ketzerisches im Codex: Acht Seiten im Manuskript fehlen nämlich komplett! Irgendwer hatte sie irgendwann herausgetrennt.

Welchen Inhalt enthielten die gestohlenen Seiten, und wo sind sie geblieben?

Gesichert ist, dass der Codex Gigas in karolingischen Minuskeln verfasst wurde, Vier Finger und vier Zehen mit roten Krallen. Die ganzseitige Teufelsdarstellung im Codex.

Ausgabe 6/2017 wie sie Mitte des 8. Jahrhunderts im Merowinger-Kloster Corbie entstanden sind. Das Opus wurde Seite für Seite kunstvoll mit Malereien in Rot, Gelb, Grün, Blau und Gold illustriert. Jeder Buchstabe, manche davon nur wenige Millimeter hoch, ist aufwendig mit Federkiel und Tinte gestaltet. Fast jede der 624 Seiten, alle im Überformat, wurde zweispaltig mit über 100 Zeilenlinien eingeteilt. Nicht weniger aufwendig die vielen GraÀken und Verzierungen. Sie mussten ebenfalls von Hand vorab an bestimmten Plätzen im Manuskript eingeteilt und entworfen werden. Erst dann konnte mit der Schreibarbeit begonnen werden.

Das Werk eines einzelnen Mönches?

Unglaublich, aber wahr: Vieles deutet darauf hin, dass die Teufelsbibel in der Tat von einer einzigen Person verfasst worden sein muss! Dafür spricht nicht zuletzt das homogene Schriftbild, das sich gleichbleibend – wie ein roter Faden – durch das ganze Manuskript zieht. Eifrige Rechner folgern daraus, dass die Fertigstellung des gesamten Werkes, bei täglicher Schreibleistung, realistisch geschätzt bis zu dreissig Jahre gedauert haben dürfte.

Die Knacknuss: Aufgrund des Alters, der Stimmung, nachlassender Sehkraft oder einer Krankheit des Autors, müssten über diesen langen Zeitraum kleinere Abweichungen im Schriftbild erkennbar sein. Doch nichts davon ist im Codex zu bemerken.

Ähnlich einer gestochen scharfen und immer gleichbleibenden Computerschrift, ist die Teufelsbibel wie aus einem Guss niedergeschrieben worden. Man könnte meinen, das Riesenbuch sei tatsächlich in sehr kurzer Zeit entstanden.

Wissenschaftlich untermauert werden konnten derlei Vermutungen 2008 durch ein Team von »National Geographic«. Wenige Tage lang durfte die kleine Expertentruppe den Codex mit technischen Hilfsmitteln unter die Lupe nehmen. Ergebnis der Fachleute um den Paläographen Michael Gullick und Anna Wolodarski von der Schwedischen Nationalbibliothek: Der Codex ist so gut wie fehlerfrei abgefasst, durchgehend mit derselben Tinte geschrieben. Graphologische Vergleiche lassen ausserdem darauf schliessen, dass es sich »mit grösster Wahrscheinlichkeit tatsächlich von A bis Z um das Werk eines einzigen autodidaktischen Mönches gehandelt haben dürfte, der es unseren Analysen zufolge in rund zwanzig- bis dreissigjähriger Arbeit im Alleingang fertigte.« Einzigartig für ein damaliges Bibelwerk und nicht minder mysteriös ist die Darstellung des Teufels. Nicht nur wegen ihrer erstaunlichen Grösse von einem halben Meter. Die Ikonographie unterscheidet sich auffällig von bekannten Wiedergaben in der gesamten Kunst- und Kirchengeschichte. Das beginnt schon damit, dass der Antichrist eine ganze Seite besetzt und alleine im Mittelpunkt steht. Nichts deutet auf ein tierköpÀges Ungeheuer mit struppigem Bart hin.

Beliebte Attribute wie FledermausÁügel oder Pferdefuss, die im 12. Jahrhundert auftauchten, fehlen ebenso.

Vielmehr sehen wir den Teufel im Codex Gigas in Hockestellung. Die Arme sind himmelwärts gestreckt. Hände und Füsse des Kryptowesens haben jeweils nur vier Finger und vier Zehen mit roten Vogelkrallen. Der gehörnte Schädel ist vergrössert dar- Merlin lässt grüssen. Weitere seltsame Darstellung im Codex.

gestellt. In der Welt des Mittelalters muss das diabolische Riesenbild beängstigend gewirkt haben. Im reizüberÁuteten High-Tech-Zeitalter schleimiger Hollywood-Aliens und durchgeknallter Comic-Mutanten der Neuzeit dagegen wirkt die PersoniÀzierung des Bösen eher wie ihre eigene Karikatur. Umso mehr, als der Intimbereich des Teufels von einem windelartigen Tuch mit roten Punkten bedeckt wird.

Vermutlich sollte es einen Hermelin-Lendenschurz darstellen. Kurios ist es allemal. Das weisse Fell des Hermelins galt in weiten Teilen des mittelalterlichen Europas als Symbol moralischer Reinheit und Unschuld. Würdenträger der Königshäuser schmückten sich damit. Zum Teufel passt das nun wirklich nicht.

Dagegen wirken die Farbbilder auf Seite 118 eher bescheiden, werfen aber dennoch Fragen auf. Zu sehen sind zwei kreisförmige Bilder am linken Seitenrand zum Auftakt des Buches Genesis von Flavius Josephus. Sie sollen offenbar den Beginn Ausgabe 6/2017 17 Warum wurde der Teufel anders als damals üblich dargestellt?

der Schöpfungsgeschichte veranschaulichen. Das untere Kreisbild zeigt die Erde vor ihrer Entstehung als eine Art grüne Ursuppe. Das Rundbild darüber stellt den blauen Kosmos mit Sonne, Mond und Sternen dar. Es erinnert an die Himmelsscheibe von Nebra im Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle.

Besagte, etwa 4000 Jahre alte kreisrunde Bronzeplatte zeigt verblüffende astronomische Kenntnisse unserer Urahnen.

Gewiss ist die Ähnlichkeit im Codex Gigas nur Zufall. Dennoch bleibt sie ein weiteres Kuriosum. Ebenso wie die Gestalt auf der Seite davor: Das Porträt eines weissbärtigen Mannes mit Spitzhut und grünem Umhang. Weshalb auch immer»Merlin« oder »Gandalf« hier in fast schon modern anmutender Weise porträtiert wurde, wissen wir ebenfalls nicht.

Gegen Ende des Dreissigjährigen Krieges hatte die siegreiche schwedische Armee das Prunkstück böhmischer Nationalkultur beschlagnahmt. Im Jahre 1648 erfolgte die Überführung des Codex Gigas nach Stockholm in die Burg der Königin Seit Jahrhunderten gibt das faszinierende Schriftwerk Gelehrten Rätsel auf. Etliche schauerliche Ereignisse wurden damit bereits in Zusammenhang gebracht.

Christina von Schweden.

Heute hütet Kosmos-Darstellung (links). Rechts der handschriftliche Text, der sich in einheitlichem Schreibstil durch den gesamten Codex zieht.

Ausgabe 6 /2017»Plötzlich war auf meinem PC-Monitor der Teufel los …«»Intensiv grübelte ich als Autor darüber nach, wie ich diesen Artikel über den Codex Gigas am besten beenden könnte. Doch so lange ich auch darüber brütete: Geistreiches wollte mir nicht in den Sinn kommen. In der Not entschied ich mich für ein etwas abgedroschenes Abschlusszitat – der bekannten Weisheit, dass der Teufel niemals schläft. Just als ich diesen Spruch auf meinem PC entsprechend einfügen wollte, begannen meine Computertasten ohne ersichtlichen Grund verrückt zu spielen.

Buchstaben zeigten sich am Bildschirm anders als von der Tastatur vorgegeben. Schliesslich blockierten sie, und danach gaben auch alle anderen Funktionen auf dem Monitor ihren Geist auf. Eingetippte Texte konnten nicht mehr gespeichert werden. Es war mir unmöglich, meinen Text über die Teufelsbibel geistreich zu beenden.

Hatte ich mir einen Computer-Virus eingefangen? Meine Anti-Virus-Software hatte keine Cyberattacke festgestellt. Sämtliche Programme waren auf dem aktuellen Stand. Alle Versuche, den PC durch Aus- und Einschalten des Stromnetzes wieder in Gang zu bringen, halfen nichts.

Es war wie verhext. In meiner Verzweiflung kontaktierte ich befreundete PC-Doktoren, die sich bereit erklärten, den »Patienten« in den kommenden Tagen zu untersu chen. Der Rettungseinsatz erübrigte sich. Nach einigen Stunden hörte der Computer-Spuk ebenso plötzlich auf wie er begonnen hatte. Was war die Triebfeder für das technische Wirrwarr, das sich seither nicht mehr wiederholte? Ich habe keine Ahnung. Teufel noch mal, aber genau so ist es wirklich geschehen!« Reinhard Habeck ■

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Nr. 6/Nov.

Dezember 2017 Urwald-Mysterium Phantom-Panther im Regenwald?

Mond-Landung Der Schatz im Tresor von Bern

Top Secre TVerheimlichte Phänomene im Luftraum

Was niemand je zu Gesicht bekam!

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fasst und von der Polizei geÀlmt wurde:»Ich Ànde es unglaublich, dass keine Flugzeuge gestartet wurden, als ein unkontrolliertes Radarziel so nahe vor der Küste erfasst wurde. Dies weckt in mir erhebliche Zweifel an der Art und Weise, wie der britische Luftverteidigungsbereich überwacht wird.« Verteidigungsminister Michael Portillo sieht sich gezwungen zu handeln und veranlasst eine Untersuchung des Vorfalls.

Das MoD kontaktiert sämtliche Radarstationen, Militärstützpunkte und sonstige Einrichtungen. Bald stellt sich heraus, dass der Parlamentarier offenbar falschen Informationen aufgesessen ist. Die visuelle Beobachtung der Lichter steht in keinem Zusammenhang mit dem Radarecho. Experten des Observatoriums in Greenwich bringen die Lichter alsbald mit der Venus in Verbindung.

Doch was ist dann mit dem permanenten Radarecho?

Auch hier Àndet sich bald eine »Erklärung«: Der 273 Fuss hohe Kirchturm der St. Botolph’s Church in Boston. »Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass die Turmspitze die Ursache für das permanente Radarecho war, ohne eine weitere technische Untersuchung durchzuführen«, heisst es im Abschlussbericht des Verteidigungsministeriums.

»Da es sich jedoch um die höchste Erhebung in dieser Gegend Brisanter Zwischenfall über dem Mittelmeer. Am 19. Oktober 1982 wurde ein RC-135- Spionageflugzeug (Foto) von einem UFO umkreist. Laut den Akten (linke Seite) wurden RAF-Radarfilme und Funksprüche über den Vorfall nach Washington und London übermittelt.

Doch in der Nacht zum 5. Oktober 1996 kam es zu einem Zwischenfall, an dem mehrere Polizisten, die Küstenwache sowie militärische Radarstationen beteiligt waren. Zwei Polizisten auf Patrouille entdeckten plötzlich ein helles Objekt am Himmel über »The Wash«, einer Bucht an der Ostküste Englands. »Das Objekt schien stillzustehen, viel tiefer als ein Stern«, vermerkt einer der Beamten. »Es war weiss, möglicherweise dreiecksförmig. Ein rotes, ein grünes und ein gelbes Licht schienen sich ringsherum zu drehen.« Er setzt eine Meldung ans Kontrollzentrum ab. Die Sichtung wird unverzüglich an die Küstenwache weitergeleitet, um auszuschliessen, dass es sich um einen Unfall auf See handelt. Diese informiert das Luftrettungskoordinationszentrum und fragt nach, ob etwas über einen Unfall in diesem Gebiet bekannt ist. Auch das Militär wird um Auskunft nach Flugbewegungen über der Bucht gebeten. Auf dem Radar der Luftüberwachung zeigt sich ein stationäres Objekt in dieser Gegend.

Fast wäre auch dieser Fall in der Versenkung verschwunden.

Doch bald schon bekommen die Medien Wind davon. Nur zwei Tage später veröffentlicht die »Eastern Daily Press« einen Artikel unter der Überschrift »Nicht von dieser Welt« und zitiert darin aus Funkgesprächen zwischen der Küstenwache, der Polizei, den Militärstützpunkten und einem Nordseetanker, der ebenfalls in der Nähe war. Nun werden auch Politiker darauf aufmerksam.

Der Abgeordnete Martin Redmond vom House of Commons schreibt einen entrüsteten Brief an den Verteidigungsminister.

Er sei sehr besorgt über diesen Vorfall, bei dem ein visuell unidentiÀziertes Fluggerät von verschiedenen Radaranlagen er-

ein dreieckiges Flugobjekt

handelt, halte ich diese Theorie für höchst wahrscheinlich.« Auch wenn die Ursache dieser Sichtung nicht mit abschliessender Sicherheit ermittelt werden konnte, zeigen die umfangreichen Akten zum Vorfall zumindest, welchen Aufwand das Verteidigungsministerium zuweilen betrieb, um eine Gefährdung der Luftsicherheit durch UFOs auszuschliessen.

Besonders interessant sind denn auch UFO-Meldungen von Piloten. Sie gelten als geschulte Augenzeugen, kennen alle möglichen Himmelsphänomene und Flugzeugtypen, sind kritische Beobachter. Beim Durchblättern der Akten stosse ich auf etliche solcher Fälle. Nicht alle sind schwerwiegend. Am Nachmittag des 15. Juli 2001 etwa beobachtet ein ziviler Pilot in East Sussex von seinem Garten aus etwas wie einen »grossen Adler, drei damit verbundene Kreise, dunkelbraun/ schwarz«. Das Objekt habe sich »recht schnell und geradlinig« von West nach Ost bewegt.

Fast-Zusammenstoss beim SinkÁug Zu einem ernsthaften Zwischenfall dagegen kommt es am 21.

April 1991 gegen 20 Uhr über der Ortschaft Lydd in Kent – ein Beinahezusammenstoss einer Alitalia-Maschine mit einem UFO (siehe Dokument auf Seite 27). Pilot Achille Zaghetti und sein Copilot sind bereits im SinkÁug zur Landung auf dem Heathrow Airport. Es beÀnden sich 57 Passagiere an Bord, die Sichtver-Ausgabe 6/2017 29 nicht eine grosse Gefahr, dass eines dieser unidentiÀzierten Objekte eine feindliche Antwort mit möglicherweise verheerenden Konsequenzen auslösen könnte?« Das Schreiben des Parlamentariers sorgt für einigen Wirbel hinter den behördlichen Kulissen. Wie die Akten zeigen, beraten sich Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, wie man dem Abgeordneten eine Antwort geben kann, ohne dabei geheime Informationen preiszugeben. Schliesslich schreiben sie ihm: »Es ist möglich, dass das Objekt gar keine Rakete war. Es könnte sich somit um ein anderes Flugzeug gehandelt haben, das keine Erlaubnis der Luftüberwachung benötigt hätte, um in einer Höhe zu Áiegen, in der es keinen kontrollier ten Flugverkehr gibt.« Das Radarsystem der Luftverteidigung verfolge zudem vor allem solche Flugobjekte, die sich dem Vereinigten Königreich von ausserhalb nähern. »Sie werden verstehen, dass wir keine Luftbedrohung von der Landmasse selbst erwarten.« Und so bleibt auch dieser durchaus bedrohliche Vorfall ungeklärt, obwohl der fragliche Flugkörper sogar vom Radar erfasst wurde. Ein entsprechender Verweis auf Geheiminformationen lässt jedoch vermuten, dass das Verteidigungsministerium mehr darüber weiss, als in den Akten veröffentlicht ist.

»Beinahezusammenstösse« besagter Art Ànden sich öfter in den kürzlich freigegebenen Unterlagen: Am frühen Abend des 6.

Januar 1995 überÁiegt eine Boeing 737 im LandeanÁug auf den Flughafen Manchester das Mittelgebirge Pennines an der schottischen Grenze, als der Pilot und sein erster OfÀzier plötzlich ein beleuchtetes Objekt sehen, das auf sie zu rast. Instinktiv duckt sich der OfÀzier weg – doch das Objekt verfehlt die Maschine und schiesst rechts daran vorbei.

Nur zwei Sekunden hat der Vorfall gedauert – die Piloten hältnisse sind aussergewöhnlich gut. Was dann geschieht, wird Zaghetti später in dramatischen Worten wie folgt beschreiben:»Während des SinkÁugs sah ich etwa drei bis vier Sekunden lang ein Áiegendes Objekt, das einer Rakete sehr ähnlich war, in hellbrauner Farbe, das in entgegengesetzter Richtung auf uns zukam. Es Áog etwa 1000 Fuss höher als wir. Ich sagte ›Pass auf, pass auf!‹ zu meinem Copiloten, der nach vorn schaute und das sah, was ich gesehen hatte. Als das Objekt schliesslich an uns vorbeigeÁogen war, fragte ich den Kontrollturm, ob er etwas auf seinem Bildschirm sieht, und er antwortete: ›Ich sehe ein unbekanntes Ziel zehn nautische Meilen hinter Ihnen.‹« Der Pilot schätzte das raketenähnliche Objekt auf drei Meter Länge. Sowohl er als auch der Radarlotse gaben einen Bericht über den Vorfall ab, es wurde umgehend eine Untersuchung eingeleitet. Doch die Nachforschungen ergaben nichts. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums versuchte den Vorfall später gegenüber der Zeitung »The Independent« herunterzuspielen: »Was immer er gesehen haben mag, ist wohl geÁogen, aber es wurde ganz sicher nicht abgefeuert.

Schliesslich war es ein Sonntag…« Empörter Abgeordneter stellt unbequeme Fragen Erneut wird ein Parlamentarier aus dem House of Commons aufmerksam und beginnt, dem Verteidigungsministerium unangenehme Fragen zu stellen: »Können Sie mit Sicherheit sagen, dass diese ›Rakete‹ nicht von einem Flugzeug oder einem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Grossbritannien stammt?«, fragt der Abge ordnete Paul Murphy, »Wenn Sie, wie behauptet, keine Ahnung haben, was die Objekte waren, welche Kriterien gelten dann bei der Beurteilung einer Bedrohung?« Und: »Hat der Alitalia-Vorfall zu irgendeiner Reaktion in den Abwehrsystemen geführt? Ist es Weiss das Verteidigungsministerium mehr als aus den Akten hervorgeht?

Ausgabe 6/2017 können das, was sie beobachtet haben, nur vage beschreiben:»Keilförmig, mit so etwas wie einem schwarzen Streifen an der Seite«. Die zivile Flugbehörde leitet eine Untersuchung ein, doch sie führt zu keinem Ergebnis. »Die Möglichkeit, dass das Objekt ein Flugdrachen war, ein Gleitdrachen oder ein UltraleichtÁugzeug, halten sämtliche beteiligten Behörden für extrem unwahrscheinlich, da solche Aktivitäten nicht bei Nacht durchgeführt werden«, heisst es im Untersuchungsbericht. Auch dieser Fall bleibt ungeklärt.

Britische Soldaten von RAF Troodos, einem Militärstützpunkt der Royal Air Force auf Zypern, hören die Funksprüche der Crew mit. Es werden drei Abfangjäger mobilisiert. Zwei F-14-Kampfjets der US-Marine starten von einem nahegelegenen Flugzeugträger und Grossbritannien schickt ein Phantom-Flugzeug, das sich gerade auf einem ÜbungsÁug beÀndet. Als die drei Abfangjäger näherkommen, beobachtet die Besatzung des US-SpionageÁugzeugs, wie sich das UFO in Richtung afrikanischer Küste entfernt. Die Kampfjetpiloten sehen nichts.

Der Vorfall zieht eine umfangreiche Untersuchung durch britische und amerikanische Behörden nach sich. Der Stützpunkt RAF Troodos auf Zypern schickt Aufnahmen vom Radar und den Funksprüchen nach London. »Wir lassen nun ein Transkript der Tonaufnahme erstellen und werden Ihnen dieses sobald als möglich zusenden«, heisst es in einem internen Vermerk. Handschriftlich ist hinzugefügt: »Film wurde am 1. November 1982 erhalten. Arbeit bis 12. November 1982 abschliessen. Es werden von jedem Einzelbild zwei 10 x 10 grosse Ausdrucke gefertigt.« Wo sind diese Beweismittel abgeblieben? In den freigegebenen britischen Akten Àndet sich keinerlei Hinweis darauf. Es liegt insofern nahe, dass auch dieser Vorfall in militärische Geheimdienstkanäle geleitet und dort weiter untersucht wurde – in den endlosen Weiten der Ausnahmebereiche des britischen Informationsfreiheitsgesetzes, für immer geschützt vor den neugierigen Augen der Öffentlichkeit.

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Eine wiederaufgetauchte Haarsträhne von Friedrich Schiller sorgt unter Experten für Aufsehen: 1805 nach dem umstrittenen Tod des Dichters abgeschnitten, lagerte sie vergessen in einem Schweizer Museumsdepot – samt glaubhaft scheinender Herkunftsbeschreibung. Auf Vermittlung von »mysteries« wollen sich deutsche Schiller-Experten der ihnen bislang unbekannten »Reliquie« nun erstmals wissenschaftlich annehmen.

Viele Fragen um Schillers Tod bleiben bis heute unbeantwortet: Wo ist sein Schädel geblieben, der sich in Goethes Besitz befunden haben soll? Wieso offenbarte die Untersuchung der sterblichen Reste in der Weimarer Fürstengruft keine Spur seiner Gebeine? War der 1805 verstorbene Dichterfürst womöglich mit Eisenhut vergiftet worden, weil er der Illuminaten-Loge von Weimar einen Korb gegeben hatte und diese aufÁiegen lassen wollte? Und: Wusste Logenbruder Goethe von der Ermordung seines Freundes? Letzteres vermutet der Autor Armin Risi. Ihm zufolge dürfte Goethe sein Wissen über Schillers Ermordung im »Faust II« in codierter Form versteckt haben (»mysteries« Nr. 1/2011).

Ein wichtiges Beweisstück wurde bei den forensischen Untersuchungen rund um Schillers vermeintlichen Schädel vor rund zehn Jahren leider übersehen: Eine vergessene Haarlocke des Dichters, von der selbst Experten in Deutschland bislang keinerlei Ahnung hatten. Die Strähne im Depot des Rätischen Museums in Chur mit der Inventarnummer »H1969.749« wird seit Jahrzehnten kaum noch ausgestellt, wie Museumsdirektorin Andrea Kauer gegenüber »mysteries« bestätigt. »Sie passt schlicht nicht mehr in die heutige Konzeption unseres Hauses.« Die Locke des Dichters gelangte noch in der Anfangszeit des Museums in dessen Besitz. Gründer Peter Conradin von Planta (1815–1902) habe damals immer wieder um Geld- und Sachspenden gebeten, erklärt Kauer. Seinerzeit hätte man noch einen »generellen Bildungsanspruch« gehabt, weshalb neben Mumien oder altgriechischen Vasen eben auch Haare eines Poeten für das Ausstellungshaus relevant gewesen seien.

Die Herkunft des Stückes wurde im Museum seinerzeit detailliert notiert (siehe die beiden Dokumente auf Seite 11 und 12).

Die Schwägerin Schillers soll sie nach dessen Tod 1805 höchstpersönlich abgeschnitten haben. Über sie sei das Haarbüschel in den Besitz der Gattin des Museumsgr ünders Peter Conradin von Planta gelangt – seinerseits ein einÁussreicher Schweizer Politiker und Jurist. Von Planta hatte die »kostbare Reliquie« 1889 schliesslich dem Rätischen Museum in Chur als Schenkung übergeben, um mit gutem Beispiel voranzugehen.

Noch nie wissenschaftlich untersucht Heutzutage würde man ein solches Objekt »wohl nicht mehr annehmen«, erklärt die Museums-CheÀn. Die historische Authentizität jener Schillerlocke könne sie trotz der durchaus glaubwürdigen Herkunftsgeschichte »nicht garantieren«. »Die Haare wurden auch nie wissenschaftlich untersucht.« Dass eine gesunde Portion Skepsis durchaus angebracht ist, bestätigt auch Alexa Hennemann, Direktorin des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, das von der Deutschen Schillergesellschaft getragen wird: »Es existiert eine Vielzahl angeblicher Schillerlocken.«»Je nachdem, wie man zähle«, komme man »insgesamt auf gut 20 Haarlocken beziehungsweise -objekte, die mit Schiller in Verbindung zu bringen sind«, präzisiert Sabine Fischer, Schiller-Expertin im Literaturarchiv Marbach. In Sachen Echtheit sei man unter anderem auf »Familienüberlieferung angewiesen«.

Inwieweit derlei Quellen zu trauen ist, müsse »für jeden Einzelfall geprüft werden«. Die Locken im Marbacher Archiv und auch im Schillerhaus in Weimar seien »teils in Medaillons oder Rähmchen gefasst, teils nur von einem Umschlag geschützt«.

10 Ausgabe 6/2017

Echte Haarlocke von Schiller aufgetaucht? – Abbildung 2
Echte Haarlocke von Schiller aufgetaucht? – Abbildung 3

nisterium stets mit einem Standardschreiben abbügelte, in dem darauf hingewiesen wurde, dass eingehende UFO-Meldungen nur in Hinblick auf die nationale Verteidigung untersucht und erst nach Ablauf von 30 Jahren veröffentlicht würden.

Ab 2005 wurde es für die Beamten noch schwieriger, ihre Akten zurückzuhalten. Denn in diesem Jahr trat das britische Informationsfreiheitsgesetz in Kraft, das jedem Bürger das Recht auf Einsicht in behördliche Unterlagen gestattete. »Inzwischen erhält das Ministry of Defence (MoD) jedes Jahr eine grosse Anzahl von oftmals komplexen Informationsfreiheitsgesetz-Anfragen über UFOs«, heisst es in einem internen Papier von 2007, »und es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Anzahl dieser UFO-Anfragen mit der Zeit abnehmen wird«.

So sah sich das Verteidigungsministerium gezwungen, sämtliche UFO-Dokumente freizugeben. Die Kosten für das Einscannen der Unterlagen und das Schwärzen vertraulicher Daten schätzte man auf mindestens 15'000 britische Pfund, drei Jahre sollte die Bearbeitung dauern.

Über 50'000 Aktenseiten in 223 Dossiers Im Mai 2008 veröffentlichte das britische Nationalarchiv den ersten Stapel an UFO-Akten – noch vor Ablauf der gesetzlichen 30-Jahre-Frist. Von da an kamen jedes Jahr ein bis zwei Veröffentlichungen hinzu. Bald schon stellte sich heraus, dass die UFO-Unterlagen derart umfangreich waren, dass weder das Budget noch der geplante Zeitrahmen ausreichen würden. Im Juni 2017 veröffentlichte das Nationalarchiv nun die vorläuÀg letzten verbliebenen Geheimakten.

Resultat: Das UFO-Interesse Grossbritanniens ist mittlerweile in 223 Dossiers auf weit mehr als 50'000 Seiten dokumentiert! VorläuÀg. Denn man munkelt, dass noch weitere geheime UFO-Papiere in den Archiven des Verteidigungsministeriums lagern könnten. Grund: Das britische Informationsfreiheitsgesetz enthält eine Reihe von Ausnahmefällen, in denen gewisse Informationen nicht öffentlich gemacht werden müssen. Darunter auch solche, die von Sicherheitsbehörden, Sondereinsatzkräften, dem Geheimdienst oder damit verbundenen Behörden stammen. Also alle Informationen, welche die nationale Sicherheit, internationale Beziehungen oder öffentliche Angelegenheiten schädigen könnten.

Ob es in den soeben freigegebenen Dossiers Hinweise darauf gibt, dass britische Behörden mehr über UFOs wissen, als sie ofÀziell einräumen?

Ich lehne mich zurück und mustere nachdenklich die Überwachungskamera an der Decke.

Beim Sichten der Dokumente, die noch vor mir liegen, werde ich mir vornehmen, speziell auf solche Hinweise zu achten.

Von 1997 an erfasste der Militärnachrichtendienst DIS nur noch jene Sichtungsberichte, die von glaubhaften Zeugen stammten: Piloten, Polizisten, Militärangehörige oder Akademiker hohen Ranges. Damit sank die Anzahl der gemeldeten Sichtungen, dafür stieg die Qualität der Berichte. Ging eine Meldung bei der Polizei oder beim Militär ein, wurde diese mit einem Standardfragebogen erfasst: Datum, Zeit und Dauer der Sichtung, Beschreibung des Objekts, Anzahl, Standort, Art der Beob-Besonders interessant: In den Akten Ànden sich etliche Augenzeugenberichte von Polizisten, wie etwa jener vom 10.

März 2005, bei dem ein Beamter um 20:05 Uhr während eines Fussballspiels im Londoner Chelsea-Stadion Seltsames am Himmel beobachtete: »Vier gelbe Lichter, quadratisch bis diamantförmig, ziemlich hell«, heisst es in seinem Report. 10 bis 15 Sekunden lang habe er die Erscheinung beobachtet, die von Osten nach Westen über den Himmel zog. Der Bericht vermerkt:»Anders als alles, was er jemals gesehen hat«. Über den Ausgang der Untersuchungen ist in den Akten nichts vermerkt.

Genauso wenig wie im Fall der Beamten, die in der Nacht des 1. März 2000 gegen 3:45 Uhr vom Hinterhof ihrer Polizeistation in Whitechapel aus ein UFO beobachteten: »Ein kleines, rotes Licht bewegte sich langsam südlich, vollführte eine enge Wendung und Áog dann mit hoher Geschwindigkeit nach Norden davon. Dann 15 Minuten lang beobachtet, wie es sich mal langsam, mal schnell vor und zurück bewegte und dabei enge Kreise Áog«, heisst es in dem Fax an das MoD.

achtung etc.

Forschung unter strenger Aufsicht. Blick in den Lesesaal der »National Archives«.

Ausgabe 6/2017

UFO-Berichte von Piloten, Polizisten, Akademikern und Militärangehörigen. – Abbildung 2
UFO-Berichte von Piloten, Polizisten, Akademikern und Militärangehörigen. – Abbildung 3

Jahre Knast. Heisst: Über den Stammesfürsten Balabala von Bingobongo oder hirnamputierte Schmalzdackel wie Trump dürfen wir ab 2018 ungestraft donnern und wettern, nicht aber über

Eine Kuh macht Muh – und viele Kühe machen Mühe

Was plant CDU-Innenminister Thomas de Maizière nach der grössten Wahlschlappe seiner Partei seit 1949? Er will in Deutschland staatliche Feiertage für Muslime einführen! Halleluja. Warum nicht gleich noch ofÀzielle Buss- und Bettage für alle hiesigen Buddhisten, Hindus, Konfuzianer, Taoisten, Scientologen oder Yoda-Anhänger? Weltfremder gehts immer: Rund neun Millionen Euro an Steuergeldern pumpt allein die Schweizer Regierung jährlich als »Entwicklungshilfe« nach Nordkorea, wie ihre Vertre ter stolz vorrechnen. Andere Nationen tun es ihr gleich, während Pyromane Kim Jong Bumm seine nagelneuen Atomwaffen im Gegenzug emsig auf Hochglanz polieren lässt.

Jeder Astronaut wird es Ihnen bestätigen:Unser Erdball wirkt umso idyllischer, je weiter man sich von ihm entfernt. Wussten Sie etwa, dass der Saatgut-Moloch Monsanto in den USA heimlich an »unabhängigen Studien« über sein krebserregendes Pestizid Glyphosat beteiligt war, wie die »New York Times« enthüllte? Ahn ten Sie, dass Pharmariesen wie Novartis laut dem »Institute for Health & Socio-Economic Policy« trotz gegenteiliger Behauptung mehr Milliarden ins Marketing investieren als in ihre Forschung?

Wie brachte es Zyniker Ephraim Kishon bereits vor Jahren treff lich auf den Punkt: »Es gibt vorzügliche Medikamente, für die man leider noch keine passende Krankheit gefunden hat.« Aufbruchstimmung herrscht derweil in Saudi-Arabien, wo König Salman allen weiblichen Untertanen ab sofort das Steuern von Autos erlaubt. Selber schuld, wer sich darüber lustig macht. Wer erinnert sich schon gern daran, dass deutsche Ehefrauen bis 1977 gesetzlich »zur Führung des Haushalts« verdonnert waren und ihnen ihre Ehemänner – ebenso gesetzeskonform – verbieten durften, einer bezahlten Arbeit nachzugehen? Und die 1946 in Hessen eingeführte »Todesstrafe bei besonders schweren Verbrechen« (Art. 21)? Die gibts noch immer – weil sich die dortigen Parteien nach wie vor über die Modernisierung ihrer Landesverfassung zanken. Zur Erinnerung: Es gibt Staubsaugervertreter, die verkaufen Staubsauger. Es gibt Versicherungsvertreter, die verkaufen Versicherungen. Und dann gibts noch Volksvertreter …

Meinungsfreiheit ist der begrenzte Spielraum, den die Justiz uns zugesteht. Und so wird in Deutschland ab 2018 – hurra! – zumindest Paragraf 103 des Strafgesetzbuches abgeschafft, gemäss dem die Verunglimpfung ausländischer Staatsoberhäupter mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden kann.

Nicht beleidigt werden darf selbstverständlich weiterhin Seine Majestät, der deutsche Bundespräsident. Wer es dennoch wagt, dem drohen laut dem altpreussischen Paragrafen 90 bis zu fünf politische Ergüsse von Frank-Walter Steinmeier. Potzblitz!

Stürmische Zeiten auch im Ami-Land. Dort erhöhten Air Lines ihre Flugpreise während der Hurrikan-Saison bis aufs Achtfache, um aus der Not ProÀt zu schlagen. Und in der Schweiz? Da wanderte ein rumänischer Einbrecher kürzlich zum wiederholten Mal freiwillig in den Knast – weil er dort laut eigener Aussage dank Putzen und Tütenkleben mehr verdient als mit ehrlicher Arbeit in seiner Heimat. Dies notabene im selben Wohlfahrtsstaat, in dem Reisenden im Züricher Flughafen nach KonÀszierung aller Flüssigkeiten am Zoll im AbÁug-Gate 6,50 Euro für ein PET-Fläschchen Wasser abgeknöpft werden. Zur Erinnerung: Täglich verdursten weltweit Tausende von Menschen. Nicht zuletzt in Afrika, wo Nestlé den Ärmsten das kostenlose Grundwasser abpumpt, um es ihnen in Flaschenform zu verkaufen. Merke: »Es kommt nicht drauf an, den Menschen der Dritten Welt mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen.« (Jean Ziegler) Die Moral von der Geschichte? Eine Kuh macht Muh. Viele Kühe machen Mühe. Und noch mehr Rindviecher bestimmen über unsere Zukunft. Nicht die Beherrschten müssen auf dieser Welt überwacht werden. Sondern die Herrschenden. Denn wie bereits Alt-Kanzler Helmut Schmidt altersweise mahnte: »Die Dummheit von Regierungen sollte nie unterschätzt werden!« Lassen Sie uns insofern darauf hoffen, dass der Ausdruck »Menschlichkeit« auf anderen Planeten nicht zum Schimpfwort verkommt. Vergessen Sie ausserdem nie: Bereits ein einziger Kuss, der von Herzen kommt, ist in diesen frostigen Zeiten mehr wert als das teuerste Geschenkpaket aus dem Kaufhaus.

Und ganz zuletzt – man möge es gnädigst verzeihen – brennt mir an dieser Stelle pünktlich zur Weihnachtszeit noch eine schelmische Frage auf der Zunge, die mir bis auf den heutigen Tag leider kein noch so gescheiter Theologe beantworten konnte: Woran glaubt eigentlich der liebe Gott? An sich selbst?

Luc Bürgin (Herausgeber)Luc Bürgin (Herausgeber)

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UFO umkreist SpionageÁugzeug über dem Meer

Wie vielfältig die Gründe sein können, UFO-Begegnungen im Luftraum geheim zu halten, zeigt ein weiterer Zwischenfall, der sich am 19. Oktober 1982 über dem östlichen Mittelmeer ereignete. Nie zuvor war öffentlich etwas darüber bekannt geworden. Gegen 16 Uhr Ortszeit war dort ein SpionageÁugzeug der US-Luftwaffe unterwegs. Die Maschine hatte den Auftrag, militärische Aktivitäten der Sowjets zu überwachen. Da bemerkten die Piloten plötzlich ein seltsames Objekt, »grösser als unsere RC-135, mit vielen blitzenden Lichtern, 20 gleichzeitig«. Eine genaue Form können die Männer an Bord trotz direkter Sicht und Radarkontakt nicht ausmachen. Die Erscheinung taucht etwa zwei Meilen entfernt auf, nähert sich jedoch, als der Pilot ein Hilfesignal an den Boden absetzt. Dann kreist sie um das Flugzeug herum (siehe Dokument auf Seite 28).

Wo befinden sich die erwähnten Radarfotos und Tonaufnahmen heute?

Wussten Sie, dass ein Brigadegeneral der Schweizer Luftwaffe an einem vertraulichen Treffen bereits 1996 vor außerirdischen Flugkörpern warnte – und dies sogar vor ranghohen europäischen Militärvertretern? Wussten Sie, dass ein Ex-Chef der militärischen Luftraumüberwachung vom Saulus zum Paulus mutierte, als er Zeuge eines UFO-Vorfalls wurde – dies aber um keinen Preis öffentlich machen wollte? Warum drohte ein namhafter Armeevertreter dem Verfasser dieses Buches mit rechtlichen Schritten? Und wieso hält man bis heute einen Film unter Verschluss, in dem Erich von Däniken in offizieller Fliegerkluft aus der Kanzel eines eidgenössischen Kampfjets über Götter aus dem Weltall referiert?

Jahrelang trug ein Mitarbeiter der Schweizer Über 140 Originaldokumente und Radarakten Luftwaffe heimlich Beweise für das UFO-Phäuntermauern, was nie publik werden sollte: nomen zusammen. Im Hochsicherheitstrakt Auch über dem Alpenland tummeln sich under militärischen Einsatzzentrale sammelte identifizierbare Eindringlinge! Rätselhafte der Whistleblower uneigennützig vertrauliche Flugobjekte, die sich allen Erklärungsver-Informationen zum Thema, um sie im Interessuchen entziehen und sich mit Geschwindigse der Forschung der Nachwelt zu erhalten – keiten jenseits unserer Vorstellungskraft bis ihm seine Chefs und die Gesundheit einen fortbewegen. Außerirdische? Zeitreisende? Strich durch die Rechnung machten. Dieses Geheimprojekte einer fremden Macht? Dossier präsentiert sein explosives Vermächtnis. Unzensiert, ohne Rücksicht auf militäri- Luc Bürgin: Geheimdossier UFOs gebunden • 224 Seiten • zahlreiche Abbildungen • Best.-Nr. 943 500 • 9.95 € sche Geheimnisse.

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UFO-Jagd im Alpenraum: Militärische Protokolle beweisen das Unfassbare – Abbildung 2
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Das haben selbst Reporter von »Terra X« oder »National Geographic« noch nie zu Gesicht bekommen: Farbige Felszeichnungen aus dem italienischen Val Camonica! Rund 350'000 farblose Petroglyphen sind dort zu bestaunen, die ältesten von ihnen rund 12'000 Jahre alt. Unverstandene Zeichen und Figuren aus längst vergangener Zeit. Was kaum jemand ahnt: Viele davon dürften einst farbig gewesen sein, wie fünf kleine Reiter-Motive vergegenwärtigen. 2008 waren diese vom Dänen Bjarne Stig Hansen bei Capo di Ponte in einer schwer zugänglichen, vor der Witterung geschützten Felsschlucht entdeckt worden. Entstanden vor über 2000 Jahren. Das schönste davon zeigt eine rötliche Gestalt mit Strahlenkranz auf einem Pferd – winzige 35 Zentimeter breit. Mit Erlaubnis des lokalen italienischen Experten Ausilio Priuli und unseres Reporters Reinhard Habeck präsentieren wir anbei bislang unveröffentlichte Exklusivfotos des Fundes.

red. ■

Exklusiv-Fotos: Farbige Reiter im italienischen Tal der Mysterien – Abbildung 2
Exklusiv-Fotos: Farbige Reiter im italienischen Tal der Mysterien – Abbildung 3
Exklusiv-Fotos: Farbige Reiter im italienischen Tal der Mysterien – Abbildung 4

Kontroverse um das Fingersymbol der »Teufelshörner« (»Pommes-Gabel«), wie es Hardrock-Fans bei Konzerten heute millionenfach in die Höhe recken: Wurde es tatsächlich von KISS-Gitarrist Gene Simmons erfunden, der den symbolträchtigen Fingerzeig kürzlich sogar patentieren lassen wollte?

Der Dalai Lama nahm es mit Humor. Im Juni 2017 posierte er mit KISS-Bassist Gene Simmons samt gespreizten Fingern spontan für einen Twitter-Schnappschuss. Was das tibetische Oberhaupt damit symbolisieren wollte? So fragte »mysteries« in Heft Nr. 5/2017. Die Antwort liegt auf der Hand, wie unser Leser Stefan Simon aus Mainz-Kastel weiss: »Dass dem Dalai Lama besagte Geste von Simmons bekannt ist, ist leicht zu erklären.

Denn sie erinnert an eine Schutzmudra aus dem Buddhismus.

Über das Alter dieser Bannungsgeste kann man wenig sagen, vielleicht stammt sie noch aus vorbuddhistischer Zeit.« Verdeutlicht wird besagter Fingerzeig – ohne abgespreizten Daumen – von Statuen des Buddha Padmasambhava (Rinpoche), der als Gründer des tibetischen Buddhismus aus dem 8.

Jahrhundert angesehen wird (Foto oben). Monumente zeigen dessen Mudra oft in Kombination mit dem Vajra-Zepter, das als Symbol des Mitgefühls gilt. Dazu Stefan Simon augenzwinkernd:»Eine Patentierung der Geste erscheint mir eher schwierig, weil Guru Rinpoche ›etwas‹ früher da war als der KISS-Gitarrist und nach Auffassung der Tibeter zudem niemals gestorben ist.« Kleiner, aber feiner Unterschied: Im Gegensatz zur Mudra spreizen Simmons und Co. den Daumen an ihrer Hand zusätzlich ab.

Dies aber ebenfalls nicht als erste, denn bereits in den 1960er- Jahren liess sich Beatles-Ikone John Lennon entsprechend ablichten – auf einer Single-Version von »Yellow Submarine«. Ein Umstand, der Beatles-Fan Simmons eigentlich bekannt sein müsste. Ebenso wie der Comic-Nerd wissen sollte, dass bereits Spiderman oder Dr. Who ihre Finger in frühen Zeichnungen ihres Mitschöpfers Steve Ditko ab 1962 entsprechend formierten.

Und was bedeutet das Zeichen in Gebärdensprache?

Doch damit immer noch nicht genug. Denn in der Gebärdensprache der »American Sign Language« und mittlerweile längst auch von vielen Gehörlosen in Europa verwendet, bedeutet besagtes Fingerzeichen: »I love you!«, »In Ordnung!« oder schlicht: »Passt!« – in Anlehnung an die drei Gebärdenbuchstaben I, L und Y. In Amerika eingeführt worden sein soll die nonverbale Positivbekundung angeblich bereits 1905. Nachweislich dokumentierbar ist sie allerdings erst seit den 1970er-Jahren.

Was bedeutet dieses Zeichen? – Abbildung 2
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