Impressum ISSN 1660-4377 AuÁage 27’000 Exemplare Erscheinungsweise Zweimonatlich, 6 Ausgaben pro Jahr Herausgeber/Chefredaktion Luc Bürgin Redaktion Mysteries, Postfach, CH 4002 Basel Tel. +41 – 61 – 681 62 61 Fax +41 – 61 – 681 85 62 Internet www.mysteries-magazin.com E-Mail: mysteries@bluewin.ch Redaktionelle Mitarbeit Jan Fischer Lektorat Ruth Gremaud Druck PVA, Landau/Pfalz Kiosk-Vertrieb VU Verlagsunion KG (D/A/CH) Jahresabonnement EUR 47.40/SFr. 69.– Anzeigenschluss Ausgabe Nr. 1/2017: 5. Dezember 2016 Bankverbindungen Deutschland BW Bank, Stuttgart Konto-Nr.: 14 1899 0 BLZ: 600 501 01 BIC: SOLADEST IBAN: DE96 6005 0101 0001 4189 90 Schweiz Basler Kantonalbank, Basel Konto-Nr.: 165.414.141.84 BIC: BKBBCHBB, Clearing-Nr.: 770 IBAN: CH25 0077 0016 5414 1418 4 Postcheckkonto, Basel: 40-93969-1 Copyright Alle Rechte vorbehalten. Wiedergabe nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen per Post wird keine Haftung übernommen. Foto-Rechte: www.
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»»Weder die Bibel noch andere alte Schriften gehen wirklich auf die Hölle ein, sondern umschreiben sie bloss – bis Dante sie für uns in Worte fasste und bis heute unser Bild von ihr prägt. Ich glaube nicht an die Hölle und auch nicht an den Himmel. Ich glaube, wir haben den Himmel auf Erden. Wir alle haben die Möglichkeit, ihn hier zu finden.« Dan Brown, Schriftsteller
»Die Amerikaner wären heute nicht mehr in der Lage, eine Saturn-5-Rakete zu bauen. Die Pläne mag es noch geben, aber es ist keiner mehr da, der es kann. Das heisst, wir verlieren über eine relativ kurze Zeit relativ viel handwerkliche Fähigkeiten. Wir wären heute auch nicht mehr in der Lage, den Kölner Dom zu bauen. Unsere Architekten sind nicht dazu in der Lage, diese statischen Berechnungen anzustellen.« Harald Lesch, Physiker»Ich gucke Anne Will, Maybrit Illner oder Markus Lanz nur noch in Ausnahmefällen. Die Moderatoren sind dort wie Schauspieler. Und ein Schauspieler ist ans Drehbuch gebunden, sonst ist er seinen Job los. Die Moderatoren wissen, dass sie ihren Sendeplatz nur behalten, wenn sie eine systemkompatible Berichterstattung machen. Das behaupte nicht nur ich, das sagt sogar Wolfgang Herles vom ZDF.« Ken Jebsen, Journalist»An den Maya kann man sehen, wie sich Wissenschaftler immer wieder geirrt haben und Bilder einer Zivilisation entwarfen, die völlig unrealistisch – und dennoch vorherrschende Lehrmeinung waren. Wir müssen auch bereit sein, unsere sicher geglaubten Erkenntnisse mal über Bord zu werfen. Eines Tages wird man vielleicht auch über das lachen, was wir glauben über die Dinosaurier zu wissen.« Nikolai Grube, Maya-Forscher»Die Leute kochen heute kaum noch, sondern nehmen vor dem TV Junkfood zu sich. Möbelgeschäfte verkaufen mittlerweile viel weniger Esstische, da die Leute nur noch auf dem Sofa essen. Die Menschen merken gar nicht mehr, worauf sie Lust haben, sondern essen nach Plan. Ich bin keine Ärztin, aber wenn bereits Zehnjährige sagen, dass sie nicht zu viele Kohlenhydrate essen dürfen, ist das verrückt.« Tanja Grandits, Spitzenköchin
um 2550 vor Christus. 3. Altersuntersuchungen der Geochron Laboratories in Massachusetts vom 14. September 1995: Die Wissenschaftler bezifferten das Alter der Materialprobe auf rund 4000 Jahre.
oder anderen Wesen. Anthropomorphe Gestalten, aber auch Pfeifen, Gefässe oder verzierte Scheiben harren hier seit Jahren Zu sehen sind nicht zuletzt Wesen, die auf Dinosauriern sitzen, auf diesen reiten, sie umarmen oder sogar mit ihnen kämpfen. Manche Darstellungen lassen einen tödlichen Ausgang erahnen: So beisst oder frisst die eine oder andere Riesenechse am Boden liegende menschliche Kreaturen. Ein Panoptikum wie aus einem Alptraum – Objekte einer bis heute unbekannten Kultur, um die sich ofÀzielle Stellen keinen Deut scheren, wie uns die Direktorin mit Bedauern bestätigte. Sie stelle zwar immer wieder entsprechende Gesuche, erzählte Juana Ruiz. Diese aber würden von den mexikanischen Behörden bis heute ignoriert. Dinosaurier und Menschen gemeinsam abgebildet? Das widerspricht jeder geschichtlichen Logik, wie sie auch in Mexiko gelehrt wird.
Mit grossen Augen inspizierten wir eine Vitrine nach der anderen. Unter den 1227 Objekten waren keine zwei identischen Stücke zu sehen! Wie war das möglich? Gab es kein Vorbild? Keine bekannte Vorlage, die dutzendmal kopiert wurde? Señora Ruiz schüttelte den Kopf. »Das stimmt, es gibt keine zwei gleichen Figuren. Alle sind offenbar aus der Fantasie oder aber – und das ist eine gewagte Behauptung – aus dem Gedächtnis der unbekannten Künstler seinerzeit jedes Mal neu aus Ton modelliert und gebrannt worden.« Reste von Bemalung und auffällige Details Bald stellten wir fest, dass manche Figuren aussehen, als ob sie einst aus Plastilin hergestellt worden waren, gerade so wie Kinder sie formen würden. Andererseits waren Details wie Zähne, Klauen oder Rückenpanzer auffallend detailliert ausgearbeitet, weiterer Analysen.
Abseits der berühmten Pyramidenstätten
Nach Julsruds Tod wurde seine Sammlung von der Regierung in Lagerhäusern weggeschlossen. Bis auf ein, zwei Ausnahmen konnte kein unabhängiger Forscher die Relikte seither persönlich unter die Lupe nehmen – schon gar nicht in ihrer ganzen Fülle. Entsprechend neugierig machten wir – die Autorin dieses Artikels und ihr Mann – uns im August 2016 auf den Weg nach Mexico City.
unsere Erwartungen. Von dort aus ging es mit mehrmaligem Umsteigen per Bus nach Acambaro, jener quirligen Kleinstadt im Bundesstaat Guanajuato. Normalerweise verirrt sich kein Tourist dorthin, Acambaro liegt abseits der berühmten Pyramidenstätten.
Unmittelbar nach unserer Ankunft brachen wir direkt zum Museo Waldemar Julsrud auf, um die seltsame Sammlung in Augenschein zu nehmen. Die ebenso sympathische wie engagierte Direktorin, Juana Ruiz, erwartete uns bereits, da wir unser Kommen vorsorglich angekündigt hatten. Als studierte Museumspädagogin ist sie seit 2003 dort beschäftigt. Finanziert wird ihre Stelle von einer Stiftung.
Was uns Señora Ruiz in der Folge zeigte, übertraf alle Erwartungen: In sieben separaten Räumen präsentiert ein grosses Gebäude heute eine übersichtlich gestaltete Auswahl der Ton-Àguren. Wir waren überwältigt von der aussergewöhnlichen Fülle an grossen und kleinen kuriosen Objekten, die uns aus den dortigen Vitrinen anstarrten: Exakt 1227 Julsrud-Figuren sind im Erdgeschoss aufgestellt. Dinosaurier aller Art, mit Menschen Relikte einer vergessenen Kultur? Was wollten uns die Künstler damit überliefern?
Auffällig schräge »Schlitzaugen«. Manche der Skulpturen verblüffen durch ihre künstlerische Anmut, andere durch ihre Schlichtheit.
◄ Weitere Objekte der Sammlung.
Auch Schalen oder Krüge kamen im matschigen Erdreich zum Vorschein.
Blick in die Vergangenheit.
Julsruds persönliche Schreibmaschine, die ihm half, die Geschichte seiner Entdeckung zu dokumentieren. ► 40 Ausgabe 6/2016»Bitte keine Fotos!« Nur zögerlich gewährte die Museumsdirektorin der Autorin und ihrem Mann Zutritt in das für Besucher verschlossene Kellerarchiv des Museums.
Überwältigender Anblick. Bis an die Decke der Kellerräume türmen sich Aberhunderte von blauen Kisten voller weiterer Figuren aus Julsruds lange Zeit verschollen geglaubter Sammlung.
Unverstandene Relikte der Vergangenheit. Kein Archäologe hat diese Stücke bislang genauer unter die Lupe genommen.
so wie es Kinder kaum täten. Was ebenfalls aufÀel: Einige der Objekte zeigen bis heute Reste von Bemalung. Die meisten aber sind sauber, so als ob sie nie in der Erde gelegen hätten. Keine Patina, kein Schmutz, keine Abschürfungen, kaum Bruchstücke.
Señora Ruiz begründet dies damit, dass Sammler Julsrud die Figuren gesäubert hatte, um sie Besuchern ab 1950 in seinem Haus stolz zu präsentieren. Die Frage nach den im Museum vermeintlich nicht vorhandenen Bruchstücken, die von Skeptikern gerne als Argument gegen die Echtheit ins Feld geführt wird, konnte vor Ort ebenfalls geklärt werden: Besagte Reste liegen im verschlossenen Keller, während im Museum nur die schönsten und vollständigen Stücke gezeigt werden.
Mit diplomatischem Geschick runter in den Keller Das war das Stichwort für uns! Nachdem wir einige Stunden im Gespräch mit der Direktorin und dem FotograÀeren der Objekte zugebracht hatten, baten wir trotz telefonischer Absage darum, das Kellerarchiv doch noch betreten zu dürfen. Frau Ruiz verneinte einmal mehr und bedauerte ausdrücklich, sie dürfe niemanden hinunterlassen. Dies sei streng verboten und nur mit ofÀzieller Genehmigung möglich. Es stünde ausserhalb ihrer Kompetenz, uns eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen.
Glück braucht der Mensch. Und so Àel Frau Ruiz nach einiger Überzeugungsarbeit von uns – nicht zuletzt dank dem Argument, dass wir im Auftrag eines grossen deutschsprachigen Mystery-Magazins extra hierher gekommen waren – doch noch eine Alternativlösung ein. Sie würde ganz einfach in den Keller hinunter gehen, um Prospektmaterial für uns zu holen. Da sie uns nicht unbeobachtet im Museum zurücklassen dürfe, sollten wir sie notgedrungen begleiten. Aber: FotograÀeren wäre nicht erlaubt, betonte sie erneut, ausser auf der Treppe … Noch mehr Glück braucht der Mensch, und so sollte es die Zehntausende von Fälschungen innerhalb weniger Jahre? Auch dieses Stück verstaubt heute vergessen im Museumskeller.
42 Ausgabe 6/2016 gute Frau mit den ofÀziellen Bestimmungen kurze Zeit später nicht mehr ganz so genau nehmen. Im Keller angekommen eröffnete sich uns eine weitere fantastische Welt an höchst seltsamen Kreaturen, die bisher nur ganz wenige Menschen zu Gesicht bekommen haben: Der Rest der Julsrud-Sammlung von rund 24’000 Figuren! Von staatlichen Bediensteten einst lieblos in Kisten, Kartons und Nylontüten verpackt – auf meterlangen Regalen in etlichen Etagen und Reihen eingelagert. Daneben haufenweise Kartons mit Scherben, zerbrochenen Figuren und weiteren Bruchstücken. Kaum auszudenken, wie viele Objekte dies wären, sollten all die Teile von fachkundiger Hand je wieder zusammengesetzt werden.
Staunend blickten wir uns im Keller um. Und erspähten dabei erneut anthropomorphe und zoomorphe Monster in Hülle und Fülle. Besonders auffällig: Viele Figuren haben Spitzschädel, auffällig grosse Schlitzaugen und vier Finger. Götter, Dämonen, Fabelwesen, ja gar Ausserirdische? Direktorin Ruiz zuckte ratlos mit den Schultern und zeigte uns stattdessen einen deformierten Totenkopf in der Sammlung, der ähnlich kuriose Merkmale aufwies. Ebenso machte sie uns auf Wachsspuren an manchen Abbruchstellen aufmerksam – »bereits von Julsrud notdürftig zusammengeklebte Stücke«.
Unzählige Kisten voller Kreaturen aus der Anderswelt Die Kisten im Keller waren zwar beschriftet – samt genauen Stückangaben aller rund 24’000 Artefakte. Ob ihr Inhalt aber je professionell katalogisiert oder fotograÀert wurde, wagten wir als westliche Besucher gar nicht erst zu fragen. Zumindest versicherte Señora Ruiz, alle ausgestellten Figuren persönlich zu kennen. Nun wollten wir ihre Meinung zur Fälscherthese hören. Die Direktorin erzählte uns die Geschichte über den wohlhabenden, deutschen Unternehmer Waldemar Julsrud, der um die Jahrhundertwende nach Mexiko kam. »Ein ehrenwerter Mann«, wie seine Zeitgenossen unisono versicherten.
Ausdrücklich verneinte Señora Ruiz die Möglichkeit von Fälschungen. Weshalb? Julsruds Ausgräber Odilon Tinajero, so betonte sie, war Analphabet, konnte also keine Fachbücher lesen, aus denen er sein Wissen über Dinosaurier bezogen haben könnte. Ausserdem gab es Mitte der 1940er-Jahre in diesem abgelegenen Teil von Mexiko weder Zeitungen noch TV-Geräte.
Zudem besass Odilon keinen Ofen, wo er die unzähligen Figuren hätte brennen können. Nie wurde Rauch bei seiner Hütte gesehen, wie seine Nachbarn übereinstimmend aussagten.
Könnte Odilon Tinajero auswärts eine Geheimwerkstatt betrieben haben? Unwahrscheinlich, er hatte ja nie von prähistorischen Funden gesprochen. Für ihn waren das Figuren, die durch das PÁügen der Felder zufällig hervorkamen und Julsrud einen kümmerlichen Cent pro Stück wert waren. Und nun kam Frau Ruiz’ überzeugendstes Argument: Tatsächlich, so bestätigte sie, würden derlei Figuren noch heute unter abgerissenen Häusern von Acambaro gefunden. Sogar Archäologen der staatlichen Behörde fanden sie bei Ausgrabungen in uralten Schichten … Die Julsrud-Kollektion ist in einem eigenen Gebäude wenige Blocks vom Hauptplatz des Städtchens untergebracht. Mittlerweile ist es der dritte Aufbewahrungsort der Sammlung, was insofern bedeutsam ist, weil bei jeder Übersiedlung der ursprünglich 32’000 Objekte eine nicht unerhebliche Anzahl auf unerklärliche Weise abhanden kam. So dass heute insgesamt nur mehr 25’000 Objekte vorhanden sind – sofern all die Bruchstücke fachgerecht restauriert und zusammengesetzt würden.
Man kann der engagierten Frau nur wünschen, dass der mexikanische Staat ihren Appellen künftig mehr Gehör schenkt und die von ihr verwaltete »Monster-Sammlung« endlich mit modernsten Methoden untersuchen, durchleuchten, restaurieren und katalogisieren lässt. Ehe all den historisch umstrittenen Figuren und Relikten mangels Finanzen das Schicksal droht, endgültig in alle Welt verscherbelt zu werden.
Noch immer hält der »Stern« Hitlers Tagebücher unter Verschluss. Dennoch können Neugierige bald Dubletten der Kladden unter die Lupe nehmen. Ebenso wie Aberdutzende weiterer Meisterfälschungen von Konrad Kujau. Möglich macht dies ein Schwabe, der bei Stuttgart in diesen Wochen ein eigenes Museum eröffnet.
An der Wand lehnen ein Miro, ein van Gogh und etliche weitere Meisterwerke berühmter Maler. Auf einem Tisch daneben: ein gutes Dutzend Autografen – unter anderem von Goethe, Beethoven, Voltaire, Marx und Luther. Marc-Oliver Boger lächelt, während er die Gründungsurkunde der DDR in seiner Hand hält.
Hinter ihm prangen Skizzen auf altem Papier. »Entwürfe von Friedrich II. für Sanssouci«, erklärt der Schwabe. Doch nichts von alledem ist echt. Der 39-Jährige ist vielmehr umgeben von meisterhaften Dubletten und Plagiaten – und er freut sich darüber: Boger besitzt die grösste Werksammlung des berühmten deutschen Fälschers Konrad Kujau (1938–2000).
Als Junge habe er den später verurteilten Betrüger erstmals angesprochen. Wie dieser habe er damals in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart gelebt. Um Schatzkarten zum Spielen herzustellen, wollte Boger wissen, wie man Papier vergilben und auf alt trimmen könne. »›Nimm dazu gebrauchte, nasse Teebeutel‹, hat mir Kujau seinerzeit geraten«, erinnert er sich. »Ein echt netter Kerl – wirklich sympathisch, mit einem grossen Herzen.« Seit 15 Jahren sammelt der Antiquitätenhändler alles, was mit dem gebürtigen Sachsen zu tun hat. Unter anderem besitzt er dessen Privatbibliothek und Originalstaffelei, Kujaus berühmten blauen Arbeitskittel sowie diverse Werkzeuge. Alles echt. Ausnahmsweise. Die unzähligen Kunstwerke und angeblichen historischen Sammlerstücke, die ihn sonst umgeben, eint dagegen vor allem eines: Sie täuschen ihre Historizität nur vor – meisterlich fabriziert vom Mann, der 1983 durch die »Stern«-Affäre um»Hitlers Tagebücher« weltweit Berühmtheit erlangte. Für etliche Millionen D-Mark hatte Konrad Kujau seine Fälschungen damals dem Magazin angedreht. Historiker jedoch merkten bald, dass die Hamburger Nachrichtenmacher über den Tisch gezogen worden waren. Ein Riesenskandal!
Tagebuch-Dubletten von »Stern«-Reporter Heidemann Bis heute hält das »Stern«-Verlagshaus Gruner & Jahr die Skandalwerke unter Verschluss. Kaum ein unabhängiger Forscher konnte die Tagebücher je komplett einsehen geschweige denn inhaltlich auswerten. Die seit Jahren angekündigte und immer wieder versprochene Übergabe der über 60 Kladden an das Bundesarchiv in Koblenz wurde jüngst auffallend hektisch abgeblasen – ohne Begründung (»mysteries« Nr. 5/2016).
Marc-Oliver Boger kümmert das wenig. Denn er besitzt die vollständigen Kopien von Kujaus Machwerken. Anfertigen lassen hatte die Tagebuch-Dubletten einst »Stern«-Reporter Gerd Prägnanter Eintrag aus den gefälschten Hitler-Tagebüchern, Ende Februar 1933:»Besprechungen mit Göring. Gebe die letzten geheimen Richtlinien für die Wahl am 5. März heraus. Am Abend bin ich bei Goebbels eingeladen, auch Hoffmann ist da. Meine Unterhaltung mit Frau Goebbels wird durch einen Telefonanruf gestört, am Apparat ist Hanfstaengel, er verlangt mich zu sprechen. Was er mir zu sagen hat, kann ich einfach nicht glauben. Er schreit auf meine Frage nochmals in den Apparat: Das Reichstagsgebäude brennt!« Endlich für jedermann einsehbar: Einige der über 60 Tagebuch-Kladden in Bogers Besitz.
Handschriftliche Notiz von Luther? Fälschungen wie diese fertigte Kujau in nächtelanger Fleissarbeit an.
Kujaus Biographie – nur Wikipedia fälscht dreister Kujaus Schaumschlägerei wirkt bis heute nach. Selbst die Online-Enzyklopädie Wikipedia strotzt nur so vor Fehlinformationen über ihn. »Es ist zum Beispiel deÀnitiv falsch, dass er – wie es dort heisst – nach dem Abitur an der Kunstakademie Dresden eingeschrieben war und nach seiner Flucht in den Westen an der Kunstakademie Stuttgart weiterstudiert hat. Diese Version hat Kujau selbst verbreitet«, stellt Marc-Oliver Boger klar. »Richtig ist vielmehr, dass er kein Abitur hatte und in der DDR eine Lehre zum Bauschlosser begonnen, aber nicht beendet hat. Wegen eines ihm angelasteten Diebstahls – er war unschuldig – und Angst vor Strafverfolgung hat er sich in den Westen abgesetzt und dort zunächst bei einem Verwandten ZuÁucht gefunden …« Boger mit Kujaus Arbeitskutte und allerlei gefälschten Werken berühmter Meister.
Heidemann. Die Existenz besagter Ablichtungen ist selbst in Expertenkreisen weitgehend unbekannt.
Jahreszahlen und Namen von NS-Organisationen sind darin oft falsch wiedergegeben. »Auch der Inhalt ist ziemlich grotesk«, sagt Boger. Am 20. September 1939 etwa mokierte sich Hitler laut Kujau über seinen Reichsführer-SS: »Himmler faselte etwas von einer Entführung meiner Person, aber es ist bestimmt wieder eine seiner Spinnereien.« Eine untypische Ausdrucksweise für den »Führer«. »Aber ein echter Kujau«, schmunzelt Boger.
Einen Teil seiner Objekte konnte der Sammler von Kujaus Nachfahren ergattern, anderes erstand er auf Auktionen und von früheren Kunden des Fälschers, reichen Militariasammlern oder Altnazis. »Diese hatte er mit allem beliefert, was sie sich wünschten«, berichtet Boger. So schleppte Kujau je nach Bedarf Hitlers Ausweis an, Gemälde aus dessen Künstlerzeit oder persönlich unterzeichnete Führerbefehle. Echt waren die vermeintlichen Kostbarkeiten freilich nie. »Kujau hat schnell gemerkt, dass seine Kunden bereit waren, viel Geld dafür zu zahlen.« Gegen tausend Exponate aus Kujaus Leben und Schaffen besitzt der »Schatzsucher« mittlerweile.
Noch liegen die meisten provisorisch in einem Lagerraum. Doch bereits in wenigen Wochen soll die Sammlung in einer Dauerausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Boger eröffnet dafür eigens ein Museum. In Bietigheim-Bissingen an der Bahnhofstrasse 55 – nur wenige Meter von Kujaus früheren Wohnort entfernt. Und noch einen weiteren Coup plant der Geschäftsmann: »Ich möchte Kujaus Hitler-Tagebücher in Buchform veröffentlichen.« ➤ Infos: www.kujau-kabinett.de
Schweizer Arzt auf Konfrontationskurs mit der Schulmedizin
Beat Schaub. Der Schweizer Arzt verabreicht erschöpften Frauen seit Jahren Eiseninfusionen.
Ausgabe 6/2016 Ob Blutwurst, Leber oder Weizenkleie: Auch eine gezielte Ernährung kann Eisenmangel vorbeugen.
iele Frauen, welche die Praxis von Beat Schaub (59) aufsuchen, wer- Vden von denselben Symptomen geplagt: Erschöpfung, Depressionen, Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Schwindel und Haarausfall, Nackenoder Kopfschmerzen. Manche haben eine regelrechte Odyssee bei Medizinern hinter sich. Und nicht wenige landen letztlich bei dem Schweizer Arzt, weil sie von anderen Betroffenen von ihm gehört haben.
Der Internist und Komplementärmediziner, der seine Praxis im Dreiländereck von Frankreich, Deutschland und der Schweiz betreibt, verabreicht seinen erschöpften Patientinnen nach eingehenden Abklärungen und Untersuchungen Eiseninfusionen.
Im Durchschnitt zwei- bis dreimal pro Jahr – und er bringt viele der müden Damen damit wieder auf die Beine.
In Schaubs Behandlungsräumen über den Dächern der Gemeinde Binningen reiht sich eine dunkel gepolsterte Liege an die nächste. Insgesamt zehn Patienten kann er hier gleichzeitig mit Eisen »füttern«. Sich selbst sieht er als Mediziner lieber mit einem Gärtner verglichen,»der die trockene Erde vergilbter PÁanzen giesst und diese dadurch von selbst ergrünen lässt. Die PÁanze braucht Wasser, der Mensch braucht Eisen.« Zu jenen Personengruppen, die häuÀger als andere unter Eisenmangel leiden, gehören neben menstruierenden Frauen auch Kinder, Jugendliche und Sportler. Bei älteren Menschen ist Eisenmangel ebenfalls nicht selten. So erinnert sich Schaub an eine über 80-jährige Patientin, die in schlechtem Zustand ins Spital eingeliefert worden war und nach wenigen Wochen heimgeschickt wurde, obwohl es ihr kein bisschen besser ging. Die Seniorin fand dank einer Freundin den Weg in seine Praxis. »Inzwischen geht es ihr so gut, dass sie weiterhin ihren Haushalt allein führen kann.« Eisen ist eines der wichtigsten Spurenelemente in unserem Körper. Es hilft den roten Blutkörperchen, Sauerstoff von der Lunge ins Gewebe zu transportieren, indem es den Sauerstoff direkt an sich bindet. Rund 70 Prozent des Körpereisens beÀndet sich als so genanntes Hämeisen in Knochenmark und Blut, rund 10 Prozent als »Funktionseisen« in allen anderen Organen und im Gewebe.
Die restlichen 20 Prozent bilden das so genannte Speichereisen beziehungsweise Ferritin. Es wird in Leber, Milz und Knochenmark abgelegt und als Erstes angezapft, wenn es dem Körper an Eisen fehlt. »Und den meisten Frauen fehlt es allein schon oft durch die Menstruation an Eisen«, weiss Mediziner Schaub.
Ob Immunsystem, Stoffwechsel, Atmung, Konzentration oder Muskelarbeit: Sämtliche Körperfunktionen sind von einer guten Eisenversorgung abhängig, um reibungslos zu arbeiten. Doch gerade damit hapert es nicht selten. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO zählt der Eisenmangel weltweit zu den häu- Àgsten NährstoffdeÀziten. Über die Hälfte der Betroffenen weist eine Blutarmut, eine so genannte Anämie, auf. Die restlichen beÀnden sich im Frühstadium eines Eisenmangels (»Eisenmangelsyndrom«) mit den mehr oder weniger eingangs erwähnten Symptomen oder Krankheitsbildern.
Neu ist das Phänomen des Eisenmangels nicht. »Forscher der Universität Innsbruck beschrieben es bereits im Jahr 1957«, weiss Beat Schaub. Noch ausführlicher setzten sich Anfang der 1970er-Jahre zwei Mediziner der renommierten Berliner Charité Ausgabe 6/2016 45 Eisenmangel gehört zu den häuÀgsten NährstoffdeÀziten mit der Thematik auseinander: Professor Gerhard Brüschke und spielte die Behandlung von Anämien durch Blut-Trinkkuren eine seine Kollegin Erika Mehls. Ihre Forschungsergebnisse fassten wesentliche Rolle. Patienten mit Eisenmangel wurden deswegen sie in einem Buch zusammen. Titel: »Das Eisenmangelsyndrom reihenweise in die Schlachthäuser geführt.
– Berliner Lehrbuch der Charité Universitätsmedizin« (1971). Das Wer heute seinem Körper Eisen zuführen will, hat es einfacher.
Werk war als Leitfaden für Ärzte aller Fachrichtungen gedacht, Es reicht, wenn man darauf achtet, was im Einkaufskorb oder ging jedoch schon lange vor dem Zusammenbruch der DDR verauf dem eigenen Teller landet. Zu den Spitzen-Eisenlieferanten gessen. Beat Schaub stiess im Zuge seiner Recherchen darauf, zählen neben Blutwurst und Schweineleber auch vegetarische er versteht sich von daher »nur als Wiederentdecker des Eisen-Produkte wie Weizenkleie, HirseÁocken, Linsen, Kichererbsen, mangelsyndroms«, wie er selbst bescheiden anmerkt.
getrocknete Aprikosen, Mandeln, Schwarzwurzel oder Spinat.
Allerdings kann der menschliche Körper das Eisen nicht aus Eisenspäne im Wein und Trinkkuren im Schlachthaus jedem Lebensmittel gleich gut absorbieren. Vitamin C, Zitronen-Wie wichtig Eisen für den menschlichen Organismus ist, wussten säure, Fleisch, Fisch und GeÁügel begünstigen die Aufnahme.
bereits die alten Ägypter, die Griechen und Hindus, ebenso wie Hemmend wirken Tannine, Phytate, Lignine sowie die Oxalsäure die Ärzte des Mittelalters. So berichteten sowohl der römische und Kalziumverbindungen, die in Rotwein und Schwarztee, aber Medizinschriftsteller Aulus Cornelius Celsus (25 v. Chr. bis 50 auch in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Cola, Rhabarber n. Chr.) als auch der griechische Arzt und oder Milch vorhanden sind. Medikamen-Anatom Galenos von Pergamon (129 bis te wie Aspirin wirken der Eisenaufnahme Auch Medikamente wie 200 n. Chr), dass zu ihrer Zeit das Kühlebenfalls entgegen.
wasser von Schmiedewerkstätten in der Beat Schaub, der nach seinem Medi-Aspirin wirken der Aufnahme Krankenbehandlung zur Anwendung kam zinstudium zusätzlich ein Homöopathievon Eisen entgegen.
– etwa bei Milzvergrösserungen.
Studium an der Universität im deutschen»Eisenspäne in Wein« verordnete im Freiburg im Breisgau absolvierte, hatte 16. Jahrhundert der englische Arzt Thomas Sydenham, der als 1994 in Binningen eine Hausarztpraxis übernommen.
»Nach»englischer Hippokrates« einen hervorragenden Ruf genoss. Ab meiner Krankenhauskarriere war ich dem Alltag dort kaum gedem 17. Jahrhundert setzten sich Trinkkuren mit eisenhaltigem wachsen«, erinnert er sich rückblickend. Zu ihm als Hausarzt Quellwasser in Europa durch. Eine besondere Form der Eisenankamen Patienten mit den unterschiedlichsten Beschwerden und wendung stellt teilweise bis in die heutige Zeit die bei vielen Völ-Krankheitssymptomen. Was ihm jedoch bald aufÀel: Sehr häuÀg kern verbreitete Sitte des Bluttrinkens dar. Schon die Spartaner klagten seine Patienten über massive Erschöpfung.
versuchten sich damit zu stärken. Und noch im 19. Jahrhundert Mit Hilfe eines IT-Experten begann Schaub in der Folge eine Massive Erschöpfung als Warnsignal. Viele Frauen leiden allein schon wegen ihrer Menstruation an chronischem Eisenmangel.
Modernes Ambiente. Blick in Schaubs Behandlungsraum.
elektronische Patientendatenbank aufzubauen. Bald zeigte sich, dass seine über Erschöpfung klagenden Patienten eine Gemeinsamkeit aufwiesen: »Zu 90 Prozent handelte es sich um Frauen, die meisten davon im Menstruations-Alter«, erinnert sich der Internist. Bald stellte er fest, dass bei diesen Patientinnen im Vergleich zu den Männern eine Lücke in den Ferritin-Werten klaffte.
Welcher Ferritin-Wert ist optimal?
OfÀziell galt bis vor kurzem: Die Konzentration für das gebundene Eisen im Blut, das Ferritin, soll mindestens 30 Nanogramm pro Milliliter Blut betragen. Vor wenigen Wochen dagegen korrigierte ein Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Empfehlungswerte nach unten. Erst ein Ferritin-Wert unter 15 Nanogramm pro Milliliter deute bei Erwachsenen auf ausgelaugte Eisenspeicher hin. Nur bei Menschen mit einer chronischen Entzündung im Körper, wozu laut WHO auch Übergewichtige gehören, sei dieser Grenzwert höher anzusetzen.
Für Schaubs 2007 gegründete Swiss Iron Health Organisation (SIHO) ist diese Herabstufung des Ferritin-Normwerts unverständlich, ja sogar ein Fehler, wie er betont. In der Schweiz hat sich nämlich im Gegensatz dazu eine Heraufstufung durchgesetzt – mit durchschlagendem Erfolg vor allem für Frauen. Insofern fordert Schaub eine höhere Norm von mindestens 50 Nanogramm pro Milliliter, hält aber aufgrund der wissenschaftlichen Statistiken einen Wert von über 100 Nanogramm für »optimal«. Sein persönlicher Ferritin-Wert liege durchschnittlich zwischen 180 und 200 Nanogramm.
Anfangs verordnete der Arzt seinen vom Eisenmangel betroffenen Patienten Eisen-Tabletten. »Bereits nach einem Jahr musste ich allerdings feststellen, dass das überhaupt nichts taugte.« Die verschriebenen Präparate waren mehrheitlich unwirksam. Schaub liess sich dadurch jedoch nicht entmutigen und suchte nach einer alternativen Behandlungsform. Und er fand sie auch. In seiner Praxis setzt er seither auf modernste Technologie: auf Infusionen. Er nennt seine Behandlungsmethode »Swiss Iron System«.
Eine Behandlung bei ihm kostet 700 bis 1200 Franken. Die Kosten übernehmen in der Schweiz die Krankenkassen. Bisher noch. Nun aber regt sich Widerstand. Denn inzwischen lassen sich derart viele Frauen, aber auch Kinder mit angeblichem ADHS oder Zappelphillip-Syndrom mit Eiseninfusionen behandeln, dass das Bundesamt für Gesundheit angesichts der steigenden Kosten Alarm schlägt. Allein in der Eidgenossenschaft belief sich das Volumen der über die Krankenkassen abgerechneten Eiseninfusionen im Jahr 2012 auf 36 Millionen Franken, 2013 auf 39 Millionen und 2014 bereits auf 42 Millionen. Tendenz steigend.
Dieser Kostenaufwand lohnt sich aus Sicht des Internisten auf doppelte Weise. »Erstens werden die meisten der Eisenmangel-Patienten dadurch gesund, und zweitens können sie in der Folge Kosten für unnötige Abklärungen und falsche Behandlungen einsparen.« Schaubs Therapiemethode spricht sich unter Fachkollegen herum. Die Behandlung mit Eiseninfusionen boomt. Doch auch die Kritik wird lauter. Eiseninfusionen seien meist unnötig und dazu noch gefährlich, warnte kürzlich etwa Erika Ziltener vom Dachverband der Schweizerischen Patientenstellen. Viele Frauen wüssten nicht, welches Risiko sie eingingen, mahnte sie und verweist auf Fälle, in denen Patienten weder über Risiken noch über Alternativen aufgeklärt worden seien. Und auch der Krankenversicherungs-Verband Santésuisse kritisiert: Es sei nicht wissenschaftlich belegt, dass Eiseninfusionen bei Frauen ohne Blutarmut, aber niedrigem Eisenspiegel bei einer Behandlung von Depressionen tatsächlich helfen. Gewarnt wird nicht zuletzt vor Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schüttelfrost, Kopfschmerzen oder allergischen Reaktionen.
Schelte wie diese ist Beat Schaub gewohnt. Ausdrücklich dis- Ausgabe 6/2016 47 Eisen-Tabletten taugen meiner Erfahrung nach überhaupt nichts.
tanziert er sich von Kurpfuschern. Selbstverständlich, so räumt senmangel dar. Insgesamt 2168 Teilnehmer nahmen an dieser er ein, gebe es unter seinen Berufskollegen schwarze Schafe, Umfrage teil.
»die einfach wild drauÁos spritzen«. Er verurteilt dies klar: »Eine In der Zusammenfassung heisst es: »Bei 85 Prozent der Pati-Eiseninfusion zu verabreichen, ohne zuvor die notwendigen Abentinnen lag der Ausgangswert von Ferritin unter 50 Nanogramm klärungen und Analysen durchzuführen, kann ich als Mediziner pro Milliliter und bei 15 Prozent zwischen 51 und 75 Nanogramm.
in keiner Weise empfehlen.« Bei 12 Prozent der Frauen lag eine Anämie vor, das heisst ihr Vor allem seit einem Todesfall, der sich Ferritin-Wert lag unter 22 Nanogramm.« 2013 nach einer Eiseninfusion in der Nach erfolgter Behandlung mit Eisen-Infusionen sollten nur Schweiz ereignete, verweist er Patienten infusionen hätten sich 65 Prozent der ausdrücklich darauf, die Infusion»nur Teilnehmer bei einem durchschnittlimit Eisensaccharose bei spezialisierten und erfahrenen Ärzten chen Ferritin-Wert von 222 Nanogramm vorgenommen werden.
durchführen zu lassen«.
»beschwerdefrei oder deutlich besser« In seiner Praxis verwendet Schaub fast gefühlt. 21 Prozent gaben an »ein wenig ausschliesslich das sicherste aller erhältlichen InfusionspräparaproÀtiert« zu haben. Und nur 14 Prozent fühlten sich unveränte: Eisensaccharose – in der Schweiz »Venofer«, in Deutschland dert. Bei einer Nachkontrolle drei Monate später sei der Erfolg auch »Fermed«. Nur auf ausdrücklichen Wunsch benutze er an-»praktisch unverändert« gewesen.
dere Arzneimittel, was jedoch äusserst selten vorkomme. Erst ein Warum Schaubs eigene Statistiken wissenschaftlich umstritten einziges Mal habe bei ihm eine Patientin – mit einem anderen bleiben? Weil er nicht, wie bei universitären Studien üblich, eine Präparat als Venofer – in all den Jahren eine schwere allergische so genannte Placebo-Kontrollgruppe parallel laufen liess. »Das Reaktion erlitten, betont der Arzt.
kann ich meinen Patienten als Hausarzt nicht zumuten«, verteidigt er sich. »Sie kommen zu mir, weil sie mich oft als letzte Hilfe Vielen Betroffenen scheint die Behandlung zu helfen sehen.« Dennoch wittern Eisen-Spezialisten wie er Morgenluft: Beat Schaubs Behandlungserfolg bei mittlerweile rund 8000 Pa-Wie »mysteries« aus gut informierter Quelle weiss, werden nach tientinnen und Patienten scheint ihm Recht zu geben. Vor zwei der Schweiz nun auch in Deutschland universitäre Studien zum Jahren veröffentlichte er im Journal der Swiss Iron Health Or-Thema Eisenmangel und Infusionen mit Placebo-Kontrollgruppen ganisation zudem die »Praxisstudie Eurofer IV«. Zusammen mit angedacht – um endlich mehr Klarheit zu schaffen.
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Mediziner-Kollegen legte er darin die Auswirkungen von indivi- ➤ Infos:www.eisenzentrum.org duell dosierten intravenösen Eisengaben bei Patienten mit Ei-Distanziert sich ausdrücklich von Kurpfuschern: Beat Schaub mit dem von ihm empfohlenen und bevorzugten Infusionspräparat.
Mit seinen Eiseninfusionen bringt Beat Schaub seit vielen Jahren chronisch erschöpfte Frauen wieder auf die Beine. Der Schweizer Internist und Komplementärmediziner gilt als Wiederentdecker des »Eisenmangelsyndroms«, das erstmals 1971 in einem Lehrbuch der Berliner Charité beschrieben wurde.
Schaubs Behandlungserfolg fordert kritische behördliche Gesundheitsapostel heraus. Auf Kriegsfuss steht der Arzt zudem mit der WHO, die mit neuen Referenzwerten operiert, bei denen er nur noch den Kopf schütteln kann.
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/78-viele-frauen-leiden-an-eisenmangel-ohne-es-zu-wissen-page43-1.jpg5751305Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2016-06-01 12:00:002025-12-16 08:46:58»Viele Frauen Leiden An Eisenmangel Ohne Es Zu Wissen!«
Über 3000 Jahre vor unserer Zeit blühte in der chinesischen Provinz Sichuan eine vergessene Hochkultur, von der Historiker bis vor wenigen Jahrzehnten keinen blassen Schimmer hatten. Über Generationen war dort göttlichen Urahnen mit riesigen Facettenaugen gehuldigt worden, die man wegen ihres Aussehens wie Wesen von fremden Sternen verehrte. Zurück geblieben sind meisterhafte Bronzewerke, der damaligen Zeit weit voraus – ein Panoptikum für Mystery-Freunde.
1986 trauten chinesische Archäologen ihren Augen nicht: Tausende Relikte aus Gold, Jade, Bronze, Marmor, Elfenbein und Ton kamen aus zwei unscheinbaren Opfergruben nahe Chengdu (Sichuan) ans Tageslicht: »Blattgoldmasken, die an die Hollywood-Version von Aliens erinnern. Zudem Statuen, meterhohe Bronze-Bäume und andere Relikte«, jubelten einheimische Reporter. »Diese Artefakte einer bislang völlig unbekannten Kultur muten äusserst untypisch an und sind mit keiner anderen prähistorischen Zivilisation in China oder anderswo auf der Welt vergleichbar.« C14-Datierungen wiesen auf ein Alter von über 3000 Jahren hin.
Viele der prachtvollen Kostbarkeiten sind heute im Sanxingdui-Museum bei Guanghan ausgestellt. Manchen von ihnen wird aufgrund ihrer technologischen RafÀnesse mittlerweile grössere historische Bedeutung beigemessen als der berühmten Terrakotta-Armee von Xi’an.
Besonders die grossen Bronzeskulpturen jagten Experten bei der Begutachtung einen kalten Schauer über den Rücken: Mittels einer fast schon modern anmutenden Gusstechnik war etlichen Figuren und Masken vor über drei Jahrtausenden durch Zugabe von Zinn und Blei zusätzliche Festigkeit verliehen worden: Hightech-Tricks, mit denen Kunstwerke realisiert werden konnten, die ihrer Zeit weit voraus waren. Darunter eine 2,6 Meter hohe, 180 Kilo schwere Menschenskulptur, deren stilisierte Kleidung man von keiner anderen chinesischen Kultur her kennt.
Ebenso erstaunlich: Acht überdimensionale, mit »Vogelwesen« verzierte Bronzebäume, deren höchster – aus mehreren Bis zu vier Meter hoch: Dank spezieller Gusstechnik entstanden weltweit einzigartige Bronzebäume.
Wussten Sie, dass ein Brigadegeneral der Schweizer Luftwaffe an einem vertraulichen Treffen bereits 1996 vor außerirdischen Flugkörpern warnte – und dies sogar vor ranghohen europäischen Militärvertretern? Wussten Sie, dass ein Ex-Chef der militärischen Luftraumüberwachung vom Saulus zum Paulus mutierte, als er Zeuge eines UFO-Vorfalls wurde – dies aber um keinen Preis öffentlich machen wollte? Warum drohte ein namhafter Armeevertreter dem Verfasser dieses Buches mit rechtlichen Schritten? Und wieso hält man bis heute einen Film unter Verschluss, in dem Erich von Däniken in offizieller Fliegerkluft aus der Kanzel eines eidgenössischen Kampfjets über Götter aus dem Weltall referiert?
Jahrelang trug ein Mitarbeiter der Schweizer Über 140 Originaldokumente und Radarakten Luftwaffe heimlich Beweise für das UFO-Phäuntermauern, was nie publik werden sollte: nomen zusammen. Im Hochsicherheitstrakt Auch über dem Alpenland tummeln sich under militärischen Einsatzzentrale sammelte identifizierbare Eindringlinge! Rätselhafte der Whistleblower uneigennützig vertrauliche Flugobjekte, die sich allen Erklärungsver-Informationen zum Thema, um sie im Interessuchen entziehen und sich mit Geschwindigse der Forschung der Nachwelt zu erhalten – keiten jenseits unserer Vorstellungskraft bis ihm seine Chefs und die Gesundheit einen fortbewegen. Außerirdische? Zeitreisende? Strich durch die Rechnung machten. Dieses Geheimprojekte einer fremden Macht? Dossier präsentiert sein explosives Vermächtnis. Unzensiert, ohne Rücksicht auf militäri- Luc Bürgin: Geheimdossier UFOs gebunden • 224 Seiten • zahlreiche Abbildungen • Best.-Nr. 943 500 • 19.95 € sche Geheimnisse.
gesehen & Es staubt und knallt, als der in deutgestaunt schem Polizei-Look gestaltete Stahlkoloss im Werbevideo untermalt von heroischen Klängen durchs Gelände donnert.
Vom Fahrer ist dank Panzerplatten kaum etwas zu sehen. Dafür umso mehr von der Bewaffnung der bulligen »Kampfmaschine«: Drei Granatwerfer auf dem Dach ballern jede Menge Tränen- und Nebelgeschosse in die Umgebung.
Es sind martialische Bilder, mit denen der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall Defence seinen neuen »Survivor-R« bewirbt. In Deutschland soll das High-Nein, das ist kein Kuschelwesen techgefährt polizeilichen Spezialeinheiten zur Verfügung gestellt werden – mit einer aus der Disney-Welt. Sondern ein»Schutzbelüftungsanlage gegen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe wenige Zentimeter kleiner Stopausgestattet«. Obwohl gepanzert, ist das äussere Erscheinungsbild laut Hersteller »bepel-Kalmar (»Rossia PaciÀca«). Aufwusst zivil und optisch deeskalierend ausgelegt«. Auf Wunsch könne der 15-Tonnengespürt in 900 Metern Tiefe haben Koloss »mit umfangreicher Sonderausstattung« bestückt werden – inklusive Räumden putzigen Kopffüsser in diesem schild oder Áexiblen »Waffenstationen samt Doppelbewaffnung«, die aus dem Inneren Sommer US-Meeresbiologen vor nachgeladen werden können. Je nach Ausstattung soll das Monstrum gegen eine halbe der Küste von Kalifornien.
Million Euro kosten.
»Asiatischer Grabhügel« auf dem Mars
Im asiatischen Internet gehts rund. Eine riesige künstlich anmutende Felsformation auf dem Mars (Foto links) lässt die Herzen vieler Japaner derzeit höher schlagen. Grund: Die ausserirdische Struktur erinnert verblüffend an historische »Kofun-Tumuli« – bis zu 700 Meter lange schlüssellochförmige Herrschergräber, wie man sie im Land der aufgehenden Sonne seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. Àndet (Bilder unten). Nur eine Laune der Natur, ein trügerisches Lichtspiel? Oder gab es auf dem Mars in früheren Zeiten vielleicht doch Leben, wie zunehmend vermutet wird? Interessierte Ànden die hochaufgelösten Originalfotos des Mars Reconnaissance Orbiter unter NASA-Bildnummer ESP-020794-1860.
Botschaften aus dem Jahr 2118 Erich von Däniken Ausserirdische waren bereits vor Jahrtausenden hier – und sie sind es auch heute wieder. Oder wie es Erich von Däniken formuliert: »Wir mögen schreien, Áuchen, jammern oder nach anderen Erklärungen suchen. Es nützt alles nichts. Wir sind nicht mehr allein!« Was wollten Aliens in grauer Vorzeit auf unserem Planeten? Weshalb beeinÁussten sie die junge Menschheit? Und weshalb sind sie mittlerweile wieder zurück? Der Götterforscher lässt namhafte UFO-Zeugen zu Wort kommen, die Kontakt hatten und durch ihre Erlebnisse von Saulus zu Paulus mutierten: »Durch das öffentliche Auftauchen von E.T.'swürden sämtliche Eliten ihre Macht verlieren. Das soll verhindert werden, solange es möglich ist. Doch der jüngste Tag der Erkenntnis rückt näher…« Kopp, ISBN 978-3864453281, EUR 19.95 Die Akte Moskau Willy Wimmer Ein Vierteljahrhundert nach Ende des Kalten Krieges scheint der Frieden in Europa brüchiger denn je. Die NATO lässt keine Gelegenheit aus, Putin eine aggressive Expansionspolitik vorzuwerfen, um im gleichen Atemzug die eigenen Kräfte aufzurüsten und heikle Manöver an den Grenzen zu Russland durchzuführen. In der jüngsten Fassung ihres Weissbuchs klassiÀziert die deutsche Bundesregierung Russland gar als »Rivalen« und setzt es von der Bedrohung her dem IS gleich. Willy Wimmer plädiert für einen anderen, partnerschaftlichen Umgang mit unserem östlichen Nachbarn. Er war 33 Jahre lang Abgeordneter der CDU im Bundestag, ausserdem wirkte er als Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium.
Zeitgeist, ISBN 978-3943007121, EUR 24.80 Überirdische Rätsel Reinhard Habeck Rätselhafte Phänomene, wundersame Begebenheiten und erstaunliche Entdeckungen werden seit altersher mit sakralen Stätten und mystischen Kraftorten verbunden. Alle Kulturen der Welt kennen solche geheimnisvollen Orte.
Einmal mehr besuchte und erforschte Reinhard Habeck legendäre Pilgerstätten, verborgene Schauplätze des Überirdischen und folgte ihren fantastischen Überlieferungen. Aus dem Inhalt: Sind Marienerscheinungen lediglich Hirngespinste oder Projektionen aus höheren Dimensionen? Existiert bei Neapel tatsächlich der Eingang in ein unterirdisches Höllenreich? Wie wurde die Kaaba in Mekka zum bedeutendsten Heiligtum der islamischen Welt? Und welche Kräfte lösen spontane Heilungen an Pilgerorten aus?
Styria, ISBN 978-3854317401, EUR 19.90 Schwarzbuch Syngenta Multiwatch (Hrsg.)
Bereits Ende dieses Jahres soll der Schweizer Agromulti Syngenta von Chem-China geschluckt werden. Als derzeit grösster Pestizid- und drittgrösster Saatguthersteller der Welt gilt Syngenta als Zwilling des US-Glyphosat-Verbrechers Monsanto, den sich soeben die Bayer AG einverleibt hat. Und danach? Bestimmt künftig ein einziger Weltkonzern, was auf unseren Feldern und damit auf unseren Tellern landet? In ihrem Schwarzbuch dokumentiert die Menschenrechtsgruppe Multiwatch das hässliche Gesicht des Schweizer Agromultis und seines Versuchs, die kapitalistische industrielle Landwirtschaft als alleiniges Zukunftsmodell und Absatzmarkt für die konzerneigene Agro-Gentechnik und Agrochemie zu fördern. Sie schildert, wie negativ sich Syngentas Produkte und Politik rund um die Welt auf Biodiversität und kleinbäuerliche Landwirtschaft auswirken.
Immer noch summt und brummt es in unseren GeÀlden, selbst in der Nacht. Und nach wie vor tappen Behörden und Forscher im Dunkeln, was die Ursache des verstörenden akustischen Phänomens betrifft – zum Frust vieler Betroffener, denen die tieffrequenten Schallwellen bereits seit Jahren den Schlaf rauben.
Derzeit sind in Deutschland neben dem Rheinland, dem Norden sowie Sachsen besonders südliche Regionen vom Brummton-Phänomen betroffen. Seit über zwei Jahren etwa bringt in Leinfelden-Echterdingen ein anhaltender, diffuser Geräuschteppich Dutzende von Stadtbewohnern um den Schlaf.
Bis heute konnten die Behörden keine Ursache für die nervigen Lärmimmissionen feststellen. Nun soll ein Spezialist der Sache auf den Grund gehen: Professor Detlef Krahé von der Universität Wuppertal. Der versierte Nachrichtentechniker hat dieser Tage mehrere Wohnungen von Betroffenen untersucht und will bald erste Messresultate präsentieren.
Das Problem der Brummton-Geplagten: Viele von ihnen werden nicht ernst genommen oder vom Hausarzt medizinisch vorschnell als Tinnitus-Patienten abgestempelt. Denn nur wenige Prozent der Bevölkerung können tieffrequente Schallwellen zwischen 16 und 60 Hertz überhaupt wahrnehmen.
Der nervtötende Dauerton lasse sich am ehesten mit den Geräuschen alter Kühlschränke oder Trafostationen vergleichen, erklären die Betreiber der Internet-Plattform »brummton.info«:»Ein aufdringliches, nicht zu ignorierendes Geräusch, das sich penetrant ausbreitet.« Industrieanlagen, Baustellen mit Tiefenbohrungen, Klimaanlagen, Windräder, Geothermie oder Hochspannungsleitungen könnten als Verursacher niederfrequenter Schallwellen in Frage kommen.
Gerade erst haben Experten in München-DaglÀng eine mobile Umspannstation als Brummtonproduzenten ausÀndig gemacht. Doch in vielen Fällen bleibt die behördliche Ursachenforschung erfolglos. Aktuell treten anhaltende und ungeklärte Brummtonphänomene unter anderem auch in der Kölner Südstadt auf, im sächsischen Aue, in der Lüneburger Heide und im oberbayrischen Steinhöring. Letztere Gemeinde hat ihre langjährige»Geräuschjagd« vorerst jedoch aufgegeben – wegen zu hoher Kosten und mangelnder Erfolgsaussichten.
Dennoch besteht für Lärmgeplagte Hoffnung: Im Auftrag des Deutschen Instituts für Normierung (DIN) und dem Verein Deutscher Ingenieure hat eine Gruppe von Akustikern soeben eine ausführlichen Studie verfasst. Sie rät dazu, bei künftigen Untersuchungen des Brummtonphänomens neue Methoden und Standards anzuwenden. Grund: In vielen Fällen widerspreche »die erlebte akustische Belästigung« der Betroffenen dem »empfohlenen Schutzniveau«. Die derzeitig gültigen Normen müssten deshalb überarbeitet und neu deÀniert werden. »Es existiert ein schalltechnischer Aufklärungsbedarf zur Messung, Bewertung und Beurteilung tieffrequenter Geräusche.« red. ■
Jubel im Morgengrauen. Die türkische Bevölkerung feiert die Niederlage der Putschisten.
»Hinter dem Putsch gegen mich steckt der emigrierte Prediger Gülen«, schäumt der türkische »Sultan« Erdogan. Sein nicht minder dubioser Kontrahent feuert aus den USA zurück: »Erdogan hat den Aufstand selbst inszeniert, um mir die Schuld in die Schuhe zu schieben!« Politanalyst F. William Engdahl kommt nach Recherchen zu differenzierteren Schlüssen. Er glaubt: Hinter der gescheiterten Machtübernahme in der Türkei steckt die CIA.
Bis heute ranken sich um den Putschversuch vom 15./16. Juli 2016 in der Türkei etliche Fragen. War alles nur inszeniert, damit Präsident Erdogan sich zum totalitären Sultan aufschwingen konnte? Sein von langer Hand geplanter Rundumschlag gegen Opposition, Justiz und Medien in den folgenden Tagen spräche dafür. Oder hat tatsächlich die gut vernetzte und schwerreiche Gülen-Bewegung den Aufstand aus dem Ausland angezettelt, wie Erdogan behauptet?
Der US-Wirtschaftsexperte F. William Engdahl berurteilt das Szenario differenzierter: Zwar sei Imam Gülen tatsächlich in die Revolte involviert gewesen, aber die eigentlichen Strippenzieher sitzen in Washington, gibt sich der Szenekenner gegenüber »mysteries« überzeugt: »Ich war überrascht, wie stark der Coup Szenarien glich, die ich bereits Monate zuvor in meinem Buch ›Amerikas heiliger Krieg‹ angekündigt und besprochen hatte.« Der angebliche Militäraufstand sei demnach nichts anderes als ein »vom amerikanischen Geheimdienst CIA initiierter Putschversuch, bei dem sich die CIA ihres wichtigsten Aktivpostens in der Türkei, des Netzwerks von Gülen bediente – eine der ausgedehntesten und ausgeklügeltsten Strukturen zur Ersatzkriegsführung, die jemals von der US-Geheimdienstgemeinschaft ge-
Dank Unterstützung der CIA baute Gülen ein dubioses Netzwerk auf.
schaffen wurden«. Sinn und Zweck? »Eine bessere Kontrolle der islamischen Welt durch Amerika.« Namensgeber und Kopf jener islamischen Bewegung ist der langjährige Imam und Politiker Fethullah Gülen, der die Abwendung vom Islam als Hochverrat erachtet. 1999 Áüchtete er in die USA. Seither leitet er seine Organisation von Saylorsburg in Pennsylvania aus. Dank »Greencard« geniesst Gülen heute eine unbefristete Aufenthaltsbewilligung. Einen Status, den er nur dank des Einsatzes mehrerer CIA-Mitarbeiter erhalten hatte – gegen die Widerstände des FBI, des Aussenministeriums sowie des Heimatschutzministeriums, wie amtlich dokumentiert ist. Federführend dabei war der langjährige US-Geheimdienstmann Graham E. Fuller, der dies bei parlamentarischen Befragungen auch gar nicht abstritt. Er habe diesbezüglich aber als Privatmann gehandelt, beteuerte Fuller später in Anhörungen. Selbstverständlich.
»Von Saylorsburg aus baute der zurückgezogen lebende Gülen ein weltweites Netzwerk von Islamschulen, Wirtschaftsunternehmen und Stiftungen mit Geldern auf, deren Herkunft nicht zurückverfolgt werden kann«, weiss Engdahl. Früher war der Geistliche sogar ein langjähriger politischer Weggefährte Erdogans.
Heute jedoch verbindet beide eine abgrundtiefe Feindschaft.
Ausgabe 6/2016 Bereits 2008 hatte die US-Regierung den weltweiten Finanzwert des Gülen-Imperiums auf sagenhafte 25 bis 50 Milliarden Dollar geschätzt. »Ich vergleiche Gülen und sein Netzwerk gerne mit Scientology«, betont Engdahl. Die Bewegung verfüge»weder über eine Adresse, noch ein Postfach, noch einen ofÀziellen Eintrag als Organisation oder Verein, kein Hauptkonto, einfach nichts«, erklärt er. »Gülens Anhänger haben niemals für die Scharia oder den Dschihad demonstriert – ihre Aktivitäten erfolgten und erfolgen samt und sonders im Verborgenen.« Immer deutlicher zeichne sich derzeit ab, dass es sich bei dem gescheiterten Putschversuch offensichtlich um einen Testballon von Gülen-FührungsofÀzieren aus Langley handle, um zu sehen, wie Erdogan auf eine solche Situation reagieren würde, so der Deutsch-Amerikaner weiter. »Washington war mit der aussenpolitischen Wende Erdogans, der eine Wiederannäherung an Russland und möglicherweise sogar an den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ins Auge fasste, überhaupt nicht einverstanden.« Konspiratives Treffen im Luxushotel Der scharfsinnige Beobachter verweist auf türkische Berichte, wonach sich zum Zeitpunkt des Aufstands ausgerechnet Gülens CIA-Mentor und Islam-Experte Graham E. Fuller in der Türkei aufhielt – zusammen mit anderen Geheimdienstleuten. In einem Luxushotel auf einer der Prinzessinnen-Inseln im Marmarameer, etwa 20 Minuten von Istanbul entfernt.
Anwesend gewesen sei in jener Nacht auch der frühere Kommandeur der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe der NATO in Afghanistan (ISAF), General John F. Campbell. »Neue Enthüllungen nennen auch Henri J. Barkey beim Namen, einen ehemaligen einÁussreichen CIA-Mann, der nur bequeme 30 Fahrtminuten von Saylorsburg, dem Sitz von Gülen, entfernt lebt.« Gemäss eines Berichts der Erdogan-nahen Tageszeitung»Yeni Safak« hielten besagte Männer nach Angaben des Hotel-Managements in einem speziellen Raum eine Sitzung ab, die bis in den Morgen des 16. Juli 2016 hinein dauerte. »Sie verfolgten F. William Engdahl: »Gülens Netzwerk erinnert an Scientology.« den Putschversuch über Fernsehkanäle«, habe das Personal gegenüber der Polizei ausgesagt. Engdahl: »Da innerhalb der Türkei landesweit weiterhin umfangreiche Nachforschungen der Polizei und Sicherheitskräfte laufen, tauchen derzeit fast schon täglich neue vernichtende Einzelheiten auf, welche auf die Schlüsselrolle der CIA hinter ihrer Fethullah-Gülen-Bewegung und auf das US-Militär verweisen.« Dem Investigativautor ist indes bewusst, dass Informationen aus Erdogans »gesäubertem« Justizapparat und nahezu gleichgeschalteten Mediensystem heikel und nicht per se vertrauenswürdig sind. Er sei deshalb auch mit Informanten und Journalisten in der Türkei im Kontakt, die nicht zum Erdogan-Umfeld gehörten – und diese bestätigten seine Analysen ebenfalls. »Zitieren kann und darf ich diese jedoch nicht – aus Sicherheitsgründen.« Denn auch Engdahl weiss: »Erdogan ist unberechenbar!« Insofern beobachtet der Politexperte derzeit mit Spannung, wie es in der türkischen Aussenpolitik weiter geht. »Es ist derzeit noch nicht absehbar, wie eng die neue Kooperation zwischen Russland und der Türkei gehen wird, etwa in Syrien.« Wird sich Erdogan gegen die Interessen seiner westlichen Bündnispartner militärisch auf Putins Seite schlagen? »Die grossen Verlierer wären leider die Kurden – wie schon so oft.« Wütende Proteste gegen Gülen. Vielen Türken gilt der umstrittene Prediger als politischer Handlanger der USA.
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/78-militaerputsch-in-der-tuerkei-hatte-die-cia-ihre-finger-im-sp-page9-1.jpg6621275Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2016-06-01 12:00:002025-12-16 08:42:44MilitäRputsch In Der TüRkei: Hatte Die Cia Ihre Finger Im Spiel?