Teilen zusammengefügt – knapp vier Meter zum Himmel ragt: Das wohl grösste und älteste Bronzekunstwerk der Welt!

Im einen oder anderen Fall erinnern Verzierungen auf den Bronzestücken den Betrachter zudem an südamerikanische Ornamentik. Reiner Zufall?

Oder ein Hinweis auf transozeanische Kontakte lange vor Kolumbus?

Interessanterweise Àndet sich im Museum von Guanghan auch das wohl älteste bronzene Speichenrad der Welt, wenngleich dessen einstiger Zweck bis heute umstritten bleibt.

Fast schon ausserirdisch muten die schier unzähligen Bronzemasken der Sanxingdui-Kultur an: Allesamt besitzen die fremdartigen Gesichter facettenartige Riesenaugen oder auffällig hervorstechende Augäpfel. Merkmale, wie man sie ebenfalls von keiner anderen chinesischen Kultur kennt. Als ob manche der Figuren Hightech-Lupen getragen hätten – modernen Uhrmachern gleich … Fachleute datieren ihren kulturellen Ursprung zurück ins Zeitalter des alten Staates Shu der Shang-Dynastie (um 1700 bis 1100 v. Chr.). Also ungefähr in die berühmte Amarna-Epoche, als im weit entfernten Ägypten Echnaton, Semen-Einige der riesigen Masken (links).

Rechts: Darstellung der merkwürdigen Ornamentik, wie sie manche der Bronzestücke ziert.

Grösste Bronzefigur der Welt?

Diese Skulptur ist 2,6 Meter gross und 180 Kilo schwer!

Bronzenes Speichenrad aus dem 12. Jahrhundert v.Chr. Über seinen Sinn und Zweck wird bis heute spekuliert.

Diente es womöglich als ritueller Gegenstand oder dekorativer Aufsatz?

»Congmu-Augen«: Besonderes Merkmal des »Urahnen und Schöpfers der Menschheit«.

chare oder Tutanchamun auf dem Pharaonenthron sassen.

Weshalb die auffällig grossen Facettenaugen, wie sie Roland Emmerich & Co. heute in ihren Science-Fiction-Filmen zur Schau stellen? Welchem göttlichen Herrscher wurde damals gehuldigt? Welchen überirdischen Merkmalen wurde hier Rechnung getragen?

Laut uralten Überlieferungen hiess der erste König von Shu »Cancong«. Spätere Geschlechter und Generationen verehrten ihn als »gemeinsamen Urahnen und Schöpfer der Menschheit«. Besonderes Merkmal von Cancong sollen seine »Congmu«-Augen gewesen sein, wie im historischen Atlas»Huayang guozhi« von Chang Qu aus dem 4. Jahrhundert n.Chr. überliefert wird. Nach seinem Tod sei der andersartige Urahn in einem Steinsarg bestattet worden, »und die Menschen von Shu führten diesen Brauch weiter«. Deswegen wurden ihre Särge auch als Grabstätten »von Menschen mit Congmu« bezeichnet.

»Früher konnte man sich unter der mit ›Congmu‹ umschriebenen Augenform nichts vorstellen«, notierte dazu Zhao Dianzeng vom Institut für Archäologie und Kulturgüter der Provinz Sichuan im Museumsbildband»Das alte China« (München 1995). Erst die seltsam hervorstechenden oder anderweitig stilisierten Riesenaugen der mysteriösen Sanxingdui-Kultur böten uns nun den Schlüssel, um dieses uralte Worträtsel zu lösen. »Denn die expressiven Menschenmasken geben ›Cancong‹, den vergöttlichten Urahn des Volkes von Shu, wieder.« Der bizarre Augenkult der Bevölkerung von Shu sei in Erinnerung an ihre Schöpfer vermutlich über lange Zeit tradiert worden.

Eine Statue eines Mannes mit einer Krone auf dem Kopf.
Ein schwarz-weißes Bild eines Kreises mit gelbem Hintergrund.
Eine Skulptur eines Gesichts auf einem Stützpunkt.
Ein großes Metallobjekt in einem Glasbehälter.
Eine Skulptur eines Gesichts auf einem Stützpunkt.
Eine grüne Statue eines Gesichts auf einem Holzstange.

Über 3000 von Menschenhand geschaffene Höhlen sind in der ostchinesischen Unterwelt von Zhejiang in den letzten Jahrzehnten kartogra- Àert worden. Viele davon weitaus grösser und meisterhafter gestaltet als erwartet. »mysteries« begab sich vor Ort erneut auf Erkundungstour, diesmal unter Führung von Professor Zhifa Yang (73). Dank ihm konnten wir in Longyou begutachten, was westliche Touristen sonst nicht zu Gesicht bekommen: Weitere Pforten zur Unterwelt, deren älteste selbst Fachleuten Rätsel aufgeben.

von Luc Bürgin (Fotos: C. Trenk, G. Spörri, T. Hrico)

Eine Höhle mit Treppen, die bis zur Spitze führen.
Ein schwarzer Hintergrund mit dem Wort Unterwelt in weißen Buchstaben.
nicht beantworten
Ein schwarzer Hintergrund mit dem Wort "Chinas" in weißen Buchstaben.
nicht beantworten
nicht beantworten
Eine braune Felsoberfläche mit schwarzer Grenze.
Ein Bild eines Baumes mit Blättern darauf.
Ein Mann, der ein Fluss fotografiert.
Eine große Felsfläche mit einem Fluss, der durch sie fließt.
Ein schwarz-weißes Bild eines Quadrats.
ein schwarz-weißes Bild eines Balls

TOP-15 der aktuellen Verkaufsschlager

Lückenpresse – Das Ende des Journalismus Ulrich Teusch

Die etablierten Medien stecken in einer massiven Glaubwürdigkeitskrise. Teile des Publikums proben den Aufstand, öffentliche und veröffentlichte Meinung driften auseinander. Nicht nur hierzulande, auch in vielen anderen Ländern geraten die angeblichen Leitmedien unter Beschuss. Stein des Anstosses sind die Inhalte – Stichwort »Lügenpresse«. Doch sind Lügen wirklich das Problem? Ulrich Teusch stellt zwei weitere, seiner Meinung nach weitaus gravierendere Faktoren ins Zentrum seiner Analyse: Die Unterdrückung wesentlicher Informationen und das Messen mit zweierlei Mass. Beide DeÀzite seien in unserem Mediensystem strukturell verankert: »Wenn sich daran nichts ändert, wird sich das Siechtum der Mainstreammedien fortsetzen.«

Botschaften aus dem Jahr 2118 Erich von Däniken, 19.95 EUR Diabetes 2 für immer besiegen Uwe Karstädt, 22.95 EUR Deutschland in Gefahr Rainer Wendt, 19.99 EUR Visionen 2050 Eberhard Hamer, 19.95 EUR Sie wollten den Krieg Effenberger & Macgregor, 22.95 EUR Die magische Knochenbrühe C. von Eschbach, 12.95 EUR Beuteland Bruno Bandulet, 19.95 EUR Der Staat in der Flüchtlingskrise Depenheuer, Grabenwarter, 26.90 EUR Die geheime Migrationsagenda Friederike Beck, 19.95 EUR Reichtum ohne Gier Sahra Wagenknecht, 19.95 EUR Geheime Reise zum Planet Serpo Len Kasten, 18.90 EUR Magnesiumöl Brigitte Hamann, 12.95 EUR Eisen: Das Lebenselement Eberhard J. Wormer, 19.95 EUR Selbstversorgung Alan & Gill Bridgewater, 9.95 EUR Vitamin K2 und das Calcium- … Kate Rhéaume-Bleue, 16.95 EUR

1 2 3 4 Westend, ISBN 978-3864891458, EUR 18.00 5 Im Labyrinth des Kolosseums Klaus Stefan Freyberger & Christian Zitzl 6 Wussten Sie, dass Kaiser Vespasian (69–79 n. Chr.) das grösste Amphitheater der Antike mit einem Fassungsvermögen von rund 50'000 Zuschauern auf dem Gelände eines trockengelegten Sees errichten liess? In dem für 7 Massenunterhaltung bestimmten Zweckbau fanden Gladiatorenkämpfe, Seeschlachten und Tierhatzen statt. Die letzten Spiele sind für das 6. Jahrhundert 8 bezeugt, ehe das Kolosseum dem Niedergang anheimÀel. In der vorliegenden Arbeit setzten sich die beiden Autoren das Ziel, das herkömmliche Bild über die Bau- und Nutzungsgeschichte des Kolosseums kritisch zu überprüfen. Aus 9 der Gesamtschau aller Fakten ergaben sich Ergebnisse, die das herkömmliche Wissen über das Kolosseum erheblich modiÀzieren und erweitern.

10 Nünnerich-Asmus, ISBN 978-3945751459, EUR 24.90 11 Sagenhaftes Deutschland Kilian Schönberger 12 Auf der Suche nach einem hübschen Weihnachtsgeschenk? Ein aussergewöhnlicher Bildband über Deutschland könnte Abhilfe schaffen. ProÀfotograf Kilian Schönberger hat sich ein Jahr lang auf eine Reise quer durch Deutsch- 13 land begeben. Rund 70'000 Kilometer legte er dabei zurück. Herausgekommen ist ein prächtiges Buch mit faszinierenden FotograÀen geheimnisvoller 14 Burgen und Schlösser, verwunschener Winkel und magischer Berge. Sie bilden einen Brückenschlag in die längst vergangenen Zeiten der Sagen, Legenden und Märchen: Vom Dornröschenschloss im Habichtswald in Hessen, bis 15 hin zum Brocken im Harz und dem Gespensterwald bei Nienhagen an der Ostsee – ein sagenhaftes Deutschland eben.

Frederking & Thaler, ISBN 978-3954161690,EUR 49.99 Bestsellerliste basiert auf den Verkaufszahlen des Kopp Fachbuchversands – www.kopp-verlag.de

Ein Blau-Weiß-Hintergrundbild mit einem Metallstab in der Mitte.
Ein Plakat für eine Zeitschrift namens OSIRIS-VERLAG mit blauem Hintergrund.
Ein schwarz-weißes Bild eines Quadrats.
Ein Plakat mit den Worten lu c ken pre sse darauf
nicht beantworten
Ein Buchcover mit Bäumen und der Titel Deutschland.
ein schwarzer Rahmen mit einem weißen Quadrat in der Mitte
Ein Plakat eines Kolosseums mit den Worten "Im Labyrinth des Kolosseums" darauf.
nicht beantworten
Ein Computerbildschirm mit blauem Hintergrund.
Ein Computerbildschirm mit blauem Hintergrund.
ein leerer Bildschirm mit weißem Rand
nicht beantworten
ein schwarzer Hintergrund mit dem Wort zitiert in der Mitte
Ein Mann in einem Anzug lächelt der Kamera.
Ein Mann mit Brillen lächelt und hat seine Hand auf dem Kinn.
Ein Mann in Anzug und Krawatte schaut auf die Kamera.
Ein Mann mit einem roten Hemd und einem Schnurrbart.
Eine Frau mit Brillen lächelt vor der Kamera.
Ein Comic-Stick mit einem Karikatur eines grünen Aliens im Weltraum.

Ian Fleming (l.) und Sean Connery.

Schnappschuss während der Dreharbeiten zum zweiten Bond-Film»Liebesgrüsse aus Moskau« (1963).

ihn aufmerksam werden lassen.

Denn wenig später, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, wirbt ihn die Naval Intelligence Division (NID), der Nachrichtendienst der Königlichen Marine, als festen Mitarbeiter an. Bald steigt er dort zum Leutnant und persönlichen Assistenten des Direktors John Godfrey auf.

Bis heute wird darüber gemutmasst, welche Ausmasse Flemings Agentenleben hatte.

Er selbst erging sich darüber nur in Andeutungen: 90 Prozent seiner Bond-Geschichten beruhten auf wahren Begebenheiten, lächelte der Schotte zeitlebens vielsagend – ohne jemals konkreter zu werden.

Viele Fleming-Kenner wiederum vertreten die Meinung, dass der Schriftsteller eher Strippenzieher, Planer und Denker im Hintergrund war. Er habe sich zwar immer wieder um Fronteinsätze beworben und wie sein Superheld stets eine Waffe getragen, wurde aber regelmässig zurückgepÀffen. »Er war zu wichtig und wusste zu viel, als dass man dieses Risiko hätte eingehen können«, resümiert sein Biograph Nigel Cawthorne.

Autos, Alkohol, Zigaretten und schöne Frauen»Fleming war ein Bewunderer von Heldentaten – aber ihn faszinierte weniger die Tat an sich als die Idee dahinter«, hielten 1989 auch die US-Literaturwissenschaftler Bruce A. Rosenberg und Ann Harlem Stewart in ihrem Buch über den Bond-ErÀnder fest. »Er nahm freiwillig an einem Agententraining für gezielte Eliminierungen teil, scheiterte aber im entscheidenden Moment des Abdrückens, weil er ›Menschen so nicht töten könne‹.« Dennoch ist keinesfalls alles Fantasterei, was Fleming in seinen späteren Romanen schildert. Bis heute Ànden Historiker immer wieder Parallelen und Übereinstimmungen zwischen 007 und seinem geistigen Vater: Sowohl Bond als auch Fleming sind Schotten, beide lieben schnelle Autos, Alkohol, Zigaretten und schöne Frauen. Der Autor gab Bond viel von seinem eigenen Aussehen.

Sogar dieselben Kosmetikartikel liess er ihn nutzen.

Eine weitere Gemeinsamkeit von Fleming und seinem Romanhelden: Beide hatten grosse Freude an Geheimwaffen und getarnten, technischen »Gadgets«. So entwickelte Fleming beim icht nur Geheimagent James Bond hatte im Laufe seiner Geschichte viele Gesichter – sondern auch sein Schöpfer NIan Fleming. Tatsächlich führte der Schotte ein nebulöses Doppelleben, das dem seiner KunstÀgur verdächtig ähnelt.

1908 in London als Sohn eines wohlsituierten Ehepaars geboren, spielte er lange die zweite Geige hinter seinem strebsameren älteren Bruder. Obwohl ihn seine Mutter behütete, hatte der junge Ian jede Menge Flausen im Kopf. Er feierte lieber mit Mädchen und Alkohol als sich um Bildung und Karriere zu kümmern.

Immer wieder muss der junge Playboy die Schulen wechseln.

Dabei besuchte er die besten Bildungshäuser: Das Eton College, die königliche Militärakademie in Sandhurst und ab 1927 eine Privatschule in Kitzbühel. Geleitet wurde besagtes Haus in Österreich von Alban Ernan Forbes-Dennis – einem ehemaligen Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes.

Dank der Beziehungen seiner Familie kann Ian Fleming schliesslich Sprachen und Psychologie studieren. Mit 23 Jahren heuert er als Journalist bei Reuters an und arbeitet in London, Berlin und Moskau. Seine nachrichtendienstliche Karriere startet er 1939 – noch ohne Zugehörigkeit zum Geheimdienst: Er begleitet eine britische Handelsgruppe als Journalist auf einer Russlandreise. Nach der Rückkehr verfasst er für die »Times« einen Bericht über Moral und Bewaffnung der Sowjetarmee. Als die Zeitung kein Interesse zeigt, sendet er den Text ans Britische Aussenministerium – zur freien Verfügung.

Vermutlich ist es jener Schritt plus Flemings Mehrsprachigkeit und Abstammung, welche die britischen Schlapphüte auf Ausgabe 6/2016 NID gemeinsam mit den geheimdienstlichen Waffenschmieden Ian Fleming in seinem Areine als Füllfeder getarnte Gaspistole. Sie konnte mit tödlicher beitszimmer. und nichttödlicher Munition geladen werden.

90 Prozent Zudem sollen der spätere Romancier und seine damaligen seiner Bond-Spezialeinheiten vom britischen Geheimdienst mit allerlei Spe-Geschichten zialwerkzeug ausgerüstet worden sein: Etwa Schnürsenkeln, die sollen auf auch als Säge genutzt werden konnten, einem Rasierpinsel mit wahren Be-Geheimfach oder ausgehöhlten Golfbällen. Letztere tauchten gebenheiten denn auch als Schmugglerversteck im Bond-Film »Diamantenberuhen, wie Àeber« auf.

er zeitlebens Es sei »zweifellos richtig, dass vieles von dem, was Ian beim versicherte. NID sah und lernte, Einzug in seine James-Bond-Abenteuer hielt«, bestätigt die ofÀzielle Fleming-Internetseite, welche von den Erben des Erfolgsautors betrieben wird. So habe sich auch dessen Vorgesetzter beim Geheimdienst, Admiral Godfrey, bis zuletzt als reales Vorbild für Bond-Chef »M« betrachtet.

In etliche Täuschungsmanöver verwickelt Einer der wichtigsten Geheimdiensteinsätze, die Fleming beim NID geleitet hatte, war die Überwachung von Gibraltar und Südspanien ab 1940. Die Briten wollten frühzeitig über eine etwaige deutsche Invasion informiert sein. Für den Angriffsfall bereiteten sie damals unter Flemings Federführung gezielte Anschläge vor.

Codename: »Operation Goldeneye«!

verfasst hatte.

Über die Jahre initiierte er zudem immer wieder Sabotageakte gegen Hitler-Deutschland. Er gründete deutschsprachige Sender, die aus der Nordsee bis ans Festland sendeten. Ausserdem liess er Reichsmarkmünzen fälschen, die auf der Rückseite antifaschistische Propaganda verbreiteten. »Gerüchte als Waffe« lautete ein internes Konzept, das der eloquente Autor seinerzeit Auch am Konzept der »Operation Mincemeat« soll Ian Fleming leitend mitgearbeitet haben. Das erfolgreiche Täuschungsmanöver der Briten im Frühjahr 1943 versetzte das Deutsche Oberkommando in den Irrglauben, die Alliierten planten ihre Invasion auf dem Peloponnes und auf Sardinien statt auf Sizilien, dem wahren Ziel. Die Irreführung gelang durch Pseudo-Geheimdokumente, die man den Nazis zuspielte. Die täuschend echten Papiere befanden sich in einer Aktentasche, die an eine Leiche gekettet war, welche die Briten an einen spanischen Strand treiben liessen. So gaukelten Fleming und Co. den Absturz eines Im gleichen Jahr gründete der Schotte das »No. 30 Commando« beziehungsweise die »No. 30 Assault Unit« – eine geheime Spezialeinheit, die im Vorfeld der kämpfenden Truppen feindliches Gebiet inÀltrieren sollte. Fleming nannte sie auch die »Red Indians«. Massgeblich mitgearbeitet zu haben scheint er auch an der Gründung und Führung der »T-Force«, einer Truppe britischer und amerikanischer Agenten, die darauf spezialisiert war, noch während der Gefechte beim Feind wichtige technologische und wissenschaftliche Errungenschaften sowie Personen zu sichern – bevor diese abgezogen oder vernichtet werden konnten. Unter anderem schaffte es besagte Gruppe, Unterlagen zur deutschen V-Waffenforschung vor der Zerstörung zu bewahren, das gesamte deutsche Marinearchiv zu klauen sowie den Nuklearforscher Werner Heisenberg festzusetzen.

Die Jagd auf die deutsche Verschlüsselungsmaschine »Enigma« bildete ein weiteres Hauptaktionsfeld des Geheimdienstlers. Beteiligt war der spätere Bestsellerautor überdies an den Vorbereitungen der »Operation Overlord«, der Invasion der Alliier-Fleming habe massig Ideen gehabt, wie der Krieg zu gewinnen sei, analysierte Biograph Rosenberg. »Gute und schlechte, aber Ausgabe 6/2016 27 Kuriers vor.

ten in der Normandie.

Foto mit Seltenheitswert. Diese Aufnahme aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt Commander Fleming in seiner Marineuniform.

allesamt sehr fantasievoll.« Als gesichert gilt, dass als Vorbild für Bond gleich mehrere Agenten gedient haben, die Fleming beim britischen Geheimdienst persönlich kennengelernt hatte.

Einige Bond-Biographen, wie John Pearson, sind sich denn auch sicher, dass der spätere Autor entgegen der allgemeinen Meinung auch gefährliche Fronteinsätze absolviert hatte. Fleming habe ihm persönlich erzählt, dass es ihm beim Einmarsch der Deutschen in Frankreich gelungen sei, seinen Chef zu überreden, ihn an die Front zu lassen, schreibt Pearson in »The Life of Ian Fleming«. Der »Bürohengst« habe in vorderster Linie bei der Evakuierung britischer Staatsbürger geholfen.

Nach Kriegsende fungierte Fleming vor allem als Autor, Journalist und Verleger. In seinem Haus auf Jamaika schrieb er 1952 den ersten Bond-Roman: »Casino Royale«. 1957 erschien »Liebesgrüsse aus Moskau«, das dank John F. Kennedy zum Bestseller avancierte: In der Presse hatte der US-Präsident den Titel als eine seiner Lieblingslektüren angegeben.

Nahm er sein grösstes Geheimnis mit ins Grab?

Insgesamt verfasste Ian Fleming zwölf Bond-Romane und neun Bond-Kurzgeschichten. Den späteren Mega-Erfolg seiner Kunst-Àgur auf der grossen Leinwand sollte der Schotte nicht mehr erleben. Er starb am 12. August 1964 an einem Herzinfarkt, nicht zuletzt wegen seines ausschweifenden Lebenswandels.

»Das letzte grosse Geheimnis des Zweiten Weltkriegs nahm er mit ins Grab.« Dies behauptete 1996 zumindest der Buchautor Christopher Creighton. Dieser will in jungen Jahren ebenfalls als Agent beim Britischen Geheimdienst gedient haben. Mit Fleming habe er damals eine der spektakulärsten verdeckten Operationen der Neuzeit durchgeführt: Die heimliche Ausschleusung von Hitlers Privatsekretär und Reichsminister Martin Bormann aus dem zerbombten Berlin der letzten Kriegstage nach England. Codename des ultrageheimen Himmelfahrtskommandos: »Operation James Bond«.

Bis Mitte der 1940er-Jahre habe Fleming an Plänen zur Entführung von Bormann gearbeitet, wie Creighton in seinem Buch Reichsminister Martin Bormann. Entgegen allgemeiner Auffassung soll er Anfang Mai 1945 von britischen Agenten heimlich nach England verbracht worden sein und später unter falschem Namen in Paraguay gelebt haben.

»Operation James Bond« enthüllt. Darin beschreibt der Engländer, der in Wirklichkeit John Ainsworth-Davis hiess, wie er um 1940 als knapp 16-Jähriger zum britischen Marinegeheimdienst kam und im Laufe der Jahre zur Spezialabteilung »Sektion M« wechselte.

Laut ofÀzieller Geschichtsschreibung hatte sich der Hitler-Vertraute nach seiner Flucht aus dem Berliner Führerbunker im Mai 1945 beim Lehrter Stadtbahnhof das Leben genommen. »Stimmt nicht«, behauptet Creighton.

Vielmehr hätten Fleming, er und weitere Agenten Martin Bormann Anfang Mai 1945 in Kanus heimlich über die Spree aus der deutschen Reichshauptstadt geschleust und schlussendlich auf das briti- Englands Geheimdienstchef Desmond Morton soll Bormann zuvor ein Leben in Freiheit mit neuer Identität angeboten haben.

Als Gegenleistung habe dieser die Codes von Nummernkonten bei Schweizer Banken verraten, unter denen Hitlers Schergen ein Milliardenvermögen geraubter Schätze und Devisen gebunkert hatten. Englands Premier Winston Churchill höchstpersönlich habe damals den Befehl dazu erteilt.

Creightons Buch wurde vom renommierten Verlagshaus Simon & Schuster 1996 als Tatsachenroman veröffentlicht und beworben, liest sich aber wie ein Agententhriller aus Flemings Hand. Er könne 90 Prozent des Inhalts dokumentieren, betonte der Autor bei Presseterminen. Dennoch wurde sein äusserst detaillierter Report mehrheitlich kritisch rezensiert. ZweiÁer verwiesen auf historische Fehler, Ungereimtheiten und vermeintliche Widersprüche.

Tatsächlich mutet vieles auf den rund 300 Buchseiten unglaublich an. Creighton selbst räumt denn auch ein, bis auf seine Familiengeschichte (sein Vater war Goldmedaillen-Sprinter an der Olympiade von 1920), viele Beweise schuldig bleiben zu müssen. »Da die ›Operation James Bond‹ absolut geheim war, 1945 schleusten wir Martin Bormann heimlich nach England aus!

sche Eiland verbracht.

Auch bei der CIA-Gründung hatte Fleming seine Finger im Spiel Kaum bekannt ist, dass Ian Fleming auch am Aufbau der CIA beteiligt war. 1941 begleitete er US-Geheimdienstkoordinator William Donovan in die USA. Er riet der US-Regierung damals, neben dem FBI einen eigenen Auslandsnachrichtendienst zu installieren.

Nach erfolgreicher Überzeugungsarbeit erarbeitete er mit Donovan das Konzept für diese Behörde, die kurz darauf gegründet wurde: das OfÀce of Strategic Services (OSS), direkter Vorläufer der CIA. Die Amis wussten die Tipps ihres britischen Partners offenbar zu schätzen. So schickte Donovan Fleming später als Dank einen Revolver mit der Aufschrift »For Special Services« (»Für besondere Dienste«).

nie jemandem anvertraut.« Und in einem Post Scriptum fügt Fleming an: »Falls Du wirklich ein Buch über das Thema schreibst, kannst Du diese Notiz auf jede Dir richtig erscheinende Weise verwenden. Veröffentliche sie, wenn es Dir hilft.« Authentizität des Schreibens bleibt bis heute ungeprüft, doch Creighton veröffentlichte in seinem Werk noch einen weiteren angeblichen Originalbrief an ihn – von Englands Premier Winston Churchill! Spätestens mit dem Abdruck dieses Dokuments hätte sich der Autor massiven juristischen Ärger einhandeln müssen, sollte es sich um eine Fälschung handeln.

Dennoch überführte ihn bis heute keiner seiner Kritiker der Urgibt es nur sehr wenige Quellen, welche ihre Authentizität belegen«, erklärt er bereits im Vorwort. Er habe lediglich seine »persönliche Geschichte zu Papier gebracht und nicht etwa ein wissenschaftliches Geschichtsbuch«.

Vom Tisch fegen lässt sich seine Publikation dennoch nicht: So veröffentlichte Creighton in seinem Report mehrere Dokumente und Fotos, die tatsächlich auf eine Geheimdienstvergangenheit und eine enge Zusammenarbeit mit Ian Fleming hinweisen.

In einem Brief an den »Befehlshaber ›James Bond‹« schrieb ihm der Thriller-Autor 1963 höchstpersönlich: »Der beiliegende Beitrag kommt mit grossem Dank und der lebhaften Erinnerung an unsere Operation ›James Bond‹, bei der ›Ferkel‹ Bormann im April/Mai 1945 über die deutschen Wasserwege heimlich aus Kriegsberlin nach England geschafft wurde. Dies führte zur Wiederinbesitznahme von rund 95 Prozent der Werte, welche die Nazis im besetzten Europa zusammengeraubt und in neutralen Ländern, vor allem in der Schweiz, deponiert hatten.« Weiter heisst es in diesem handsigniertem Schreiben: »Ohne jeden Zweifel warst Du und Dein Unternehmen meine heimliche Inspiration für alles weitere; dieses Geheimnis habe ich Die Flemings Residenz »Goldeneye« auf Jamaika, wo er auch seine Romane schrieb. Heute fungiert sie als Hotelressort.

kundenfälschung.

»Bitte warten Sie damit, bis ich tot bin …« Das britische Staatsoberhaupt antwortet in besagtem Papier vom Oktober 1954 mit Wappen und Signatur auf eine Anfrage von Creighton: »Lord Ismay hat mir Ihren Wunsch vorgetragen, aber ich fürchte, es ist immer noch unmöglich, etwas zu unternehmen. Sie dürfen über diese Dinge jetzt noch nicht sprechen.

Wenn ich tot bin, dann erzählen Sie Ihre Geschichte – wenn es Ihnen Ihr Gewissen erlaubt – denn Sie haben für England viel gegeben und gelitten. Wenn Sie dann reden, erzählen Sie den Menschen die reine Wahrheit, wobei Sie selbstverständlich die Dinge auslassen, von denen Sie wissen, dass sie nie enthüllt werden dürfen.

(…) Ihr sehr ergebener Winston S. Churchill« Gemäss Creighton war Bormann nach der geglückten Flucht »zwischen 1945 und 1956 in England beheimatet«. Er habe mehrere Gesichtsoperationen und einen Vorliebe für schöne Frauen.

Der Ex-Agent, hier mit Schauspielerin Ursula Andress am Filmset von »James Bond jagt Dr. No« (1962).

Ausgabe 6/2016 29 neuen Namen erhalten. Die ganze Zeit über sei »Ferkel« (Codename) damals von englischen und später auch amerikanischen Geheimdiensten betreut und beaufsichtigt worden. 1956 habe ihn die britische Regierung schliesslich heimlich ausser Land bringen lassen – nach Paraguay, wo Bormann als »Martin Schuler« 1959 gestorben sein soll.

»Martin Schuler« – oder »Agustin von Lembach«?

Dass etliche hohe Nazifunktionäre nach dem Krieg unter neuem Namen in Südamerika untertauchten, ist ein historischer Fakt. Auch bei Bormann hielt sich dieses Gerücht hartnäckig. Immer wieder berichteten Augenzeugen und Reporter ähnliches. Unter ihnen auch der ebenso bekannte wie umstrittene deutsche Publizist Jan van Helsing. Bei Recherchen für das 2011 von ihm verlegte Buch »Hitler überlebte in Argentinien« stiess er auf weitere Augenzeugen und Indizien, die ebenfalls auf ein Weiterleben Bormanns in Paraguay deuten.

Nicht zuletzt publizierte Helsing einen falschen Personalausweis, der Bormann gehört haben soll. Laut den von ihm interviewten Zeugen lebte Hitlers Vertrauter bis Beweisstück Nr. 1: Das Schreiben von Englands Premier Winston Churchill an John Ainsworth-Davis alias Christopher Creighton (Oktober 1954).

Beweisstück Nr. 2: Dankesbrief von Fleming an Creighton bezüglich der geheimen Ausschleusung von»Ferkel« Martin Bormann (14. Oktober 1963).

30 Ausgabe 6/2016 1971 in Südamerika, unter dem neuen Namen Agustin von Lembach – im Gegensatz zu Creightons Darstellung, wonach Bormann dort bereits 1959 verstarb.

Was in Creightons Veröffentlichung Fakt und was Fiktion ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Am fragwürdigsten lässt seine These eine Entdeckung aus dem Jahre 1972 erscheinen, die er selber erwähnt.

Damals fanden Bauarbeiter in Berlin im Kriegsschutt zwei Skelette. Eines davon konnte 1998 mittels DNA-Analyse Martin Bormann zugeordnet werden.

Creighton, ebenso wie van Helsing, versichern, dass Bormanns sterbliche Überreste bereits anfangs der 1970er-Jahre in einem geheimen Täuschungsmanöver zurück nach Deutschland gebracht und dort heimlich verbuddelt worden seien. Kriminalisten dagegen betrachten den Fall seither als geklärt.

Und Ian Fleming? Er selbst hat sich ofÀziell nie zur »Operation James Bond« geäussert.

Vielmehr habe er sich an sein militärisches Schweigegelübde gehalten und seine Agententätigkeit bewusst verschleiert, wie Ainsworth-Davis alias Creighton in seinem Buch betont. Jeder Leser müsse seine Geschichte insofern so »nehmen, wie sie ist, oder beiseite legen – ganz wie er will«.

John Ainsworth-Davis verstarb am 25. November 2013 im Alter von 89 Jahren. Die teils heftigen Vorwürfe seiner Kritiker wollte er nicht stehen lassen – und so arbeitete er bis zu seinem Tod mit letzter Kraft an einem weiteren Enthüllungsbuch (»The Mountbatten Report«), das die biographische Vorgeschichte seiner geheimen Agententätigkeit untermauern sollte. 2012 Mann mit vielen Gesichtern. 1964 im Alter von 56 Jahren einem Herzinfarkt erlegen, nahm Fleming viele Geheimnis mit ins Grab.

sowie im Mai 2015 erschien sein knapp 500-seitiges Werk nach Intervention dubioser und weniger dubioser Bearbeiter in zwei unterschiedlichen Versionen, wobei letztere Fassung von TV-Journalistin Laurence de Mello als unverfälscht im Geiste des Autors gilt. Bis heute ist die britisch-argentinische Reporterin davon überzeugt, dass uns Ainsworth-Davis die Wahrheit über Ian Fleming und Martin Bormann erzählte.

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Ein quadratisches Stück Leder mit weißem Hintergrund.
Ein schwarz-weißes Bild von Licht.
Ein Stück Papier mit einem Riss drin.
nicht beantworten
Eine weiße Wand mit Rissen darin.
Ein Quadrat mit einer schwarzen Grenze auf einem weißen Hintergrund.
Eine Gruppe von Männern, die nebeneinander stehen.
nicht beantworten
Ein Bild einer Steinwand mit weißem Hintergrund.
Ein schwarz-weißes Bild von Licht.
Eine weiße Leder-Textur mit einem genähtem Rand.
Ein Mann in Uniform, der vor einem Schild steht.
Ein Mann in einem Anzug sitzt an einem Schreibtisch mit einer Lampe und einer Schreibmaschine.
ein schwarz-weißes Foto eines Lichts
Ein Stück Papier mit einem Riss drin.
Ein schwarz-weißes Bild eines hellen Lichts.
Ein Nahen Aufblick auf eine weiße und graue Oberfläche.
Ein Quadrat mit einer schwarzen Grenze auf einem weißen Hintergrund.
Ein schwarz-weißes Foto einer Vase.
Ein Mann in einer Militäruniform stellt sich für ein Foto.
ein schwarz-weißes Foto eines Lichts
Ein Stück Papier mit einem Riss drin.
Ein schwarz-weißes Bild eines hellen Lichts.
Ein Bild einer Wand mit viel Schmutz.
Ein schwarz-weißes Bild eines weißen Bildschirms.
Ein Stück Papier mit einem Riss drin.
Ein weißes Haus mit einem schwarzen Dach und einem grünen Rasen.
Ein Quadrat mit einer schwarzen Grenze auf einem weißen Hintergrund.
S_24-31_Fleming_mysteries0616_RZ.indd 29 21.10.2016 14:46:41
ein schwarz-weißes Foto eines Lichts
Ein Bild einer Ledertextur auf einem weißen Hintergrund.
nicht beantworten
Eine Ledertonatur auf einem weißen Hintergrund.
nicht beantworten
Eine weiße Wand mit einem Riss drin.
nicht beantworten
Ein Bild einer zerrissenen Oberfläche mit schwarzer Grenze.
Ein schwarz-weißes Bild eines Quadrats.
Ein geschriebener Brief, der mit schwarzer Tinte auf einem weißen Blatt Papier geschrieben wurde.
Ein leeres Bild mit einem schwarzen Rahmen.
Ein Brief, der in kursivem Schrifttext aus dem Jahr 1954 geschrieben wurde.
ein schwarz-weißes Foto eines Lichts
Ein Stück Papier mit weißem Hintergrund.
nicht beantworten
Ein Nahen Aufblick einer weißen Oberfläche mit einem weißen Hintergrund.
nicht beantworten
Ein Stück Papier mit einem Riss drin.
Ein leeres Bild wird in einem schwarzen Rahmen gezeigt.
Ein Mann in einem Smoking geht in Richtung eines Flugzeugs.
Ein schwarz-weißes Bild eines Quadrats.
Ein Mann mit einem Hut auf dem Kopf und den Händen vor dem Gesicht.

Eindrückliches Panorama: Eine der vielen eingestürzten Riesenhöhlen im Umkreis von Longyou. Ihre mittlerweile bis oben im Wasser stehenden Pfeiler reichen tief in den Grund.

Bereits 2014 hatte ich in den ofÀziell fünf zugänglichen Höhlen von Longyou das Staunen gelernt: Riesige unverstandene Felsenhallen, tief im Innern der dortigen Berghügel. In grauer Vorzeit von Menschenhand aus dem Felsen gemeisselt, geben sie Ex perten bis heute Rätsel auf (»mysteries« Nr. 6/2014).

Ihre Erbauer? Unbekannt. Ihr Zweck? Unbekannt. Im weiteren Umkreis der Anlage beÀnden sich Dutzende von weiteren künstlichen Höhlen.

Manche davon weitaus älter und grösser als vergleichbare Stätten in unseren Ge-Àlden. »Viele liegen auf privatem Grund, für touristische Besucher sind sie aus Sicherheitsgründen grundsätzlich unzugänglich«, wurde mir 2014 vor Ort bedauernd versichert.

Zwei Jahre später packte mich das ReiseÀeber erneut. Über Beziehungen, Umwege und etwas Glück gelang es meiner Reisekollegin Cornelia Spangler Kontakt mit Professor Zhifa Yang aufzunehmen. Monatelang verhandelte sie mit den Verantwortlichen. Nach anfänglicher Zurückhaltung gaben die chinesischen Behörden doch noch grünes Licht: Als erste private Forschungsreisende aus dem Westen sollten wir weitere Höhlen zu Gesicht bekommen – unter fachkundiger Führung des Professors.

Stundenlang fahren wir an jenem Morgen durch spärlich besiedelte, bambusgrüne GeÀlde, während die Sonne ihre ersten Strahlen durch die Wolken schickt.

Eingestürzter Eingang der »Bambusgrünen Höhle«. Die monumentale Grösse des Portals erschliesst sich dem Betrachter leider nur vor Ort.

Fachkundige Führung vor Ort.

Professor Zhifa Yang, lokale Experten (links von ihm) sowie unser Dolmetscher Xu Junrong (im blauen Shirt).

In Longyou angekommen, gerät mein Blut in Wallung: Nicht nur Professor Zhifa Yang erwartet uns, sondern auch der Chef der örtlichen Stätte, samt Vizeboss, fünf Stu denten und weiterem Gefolge. HöÁich lächelnd verneigt sich das chinesische Empfangskomitee vor uns.

HöÁich lächelnd verneigen wir uns ebenfalls. »Eine grosse Ehre«, raunt mir unser Guide und Dolmetscher Xu Junrong auf Deutsch zu – und grinst verschmitzt: »Grosse Schlitzaugen-Delegation für westliche Langnasen mit Kartoffelaugen!« Per Bus fahren wir weiter, eskortiert von einer behördlichen Limousine mit Dauerblinklicht.

Wenige Minuten später winkt man uns bereits wieder ins Freie. Im Gänsemarsch gehts im Nieselregen zu Fuss weiter, vorbei an ärmlichen Bauernhöfen und Scheunen, quer durch verlotterte Hintergärtchen, weiter durch grüne Felder, über Stock und Stein, ehe sich uns ein grandioses Panorama eröffnet: Der Eingang einer riesigen künstlichen Höhle, deren Inneres heute nicht mehr zugänglich ist. Drei chinesische Schriftzeichen zieren ihre Aussenseite – in grauer und Vorzeit angebracht, als die Kavernen bereits unter Wasser standen. Übersetzt bedeuten sie: »Glänzende, bambusgrüne Höhle«.

Oder nach anderer Lesart: »Smaragdgrüne Höhle«.

Bereits vor Jahren sei ihr Inneres leider eingestürzt, berichtet uns Professor Yang, der hier jeden Winkel kennt. Wo sich in den Höhlen heute Fische tummeln, gings einst tief ins Erdinnere, wie die Oberteile monumentaler, von Wasser umspülter Pfeiler erahnen lassen. Bereits in der Song-Dynastie, um 1100 n.Chr., hatte ein Dichter von der unterirdischen Anlage und ihren menschlichen Bearbeitungsspuren geschwärmt. Bis zu 20 Meter weit erstreckt sich ihr vom Wasser geÁutetes Innere, dessen oberer Teil bereits damals nur noch per Boot erreicht werden konnte, wie der Poet in seinen Versen andeutete.

Je grösser die Höhlen, desto älter scheinen sie zu sein In jahrelanger Fleissarbeit hätten seine Mitarbeiter diesen und etliche weitere örtliche Höhleneingänge akribisch vermessen erforscht, erklärt Zhifa Yang.

Ebenso wie das von Menschenhand geschaffene Innere weiterer künstlicher Kavernen.

»Mancher Höhleneingang in Longyou wurde in späterer Zeit von Bauern bearbeitet oder verändert, das überÁutete Innere aber blieb zumeist originalgetreu intakt.« Gemeinsam erkunden wir weitere geÁutete Höhlenportale im näheren Umkreis. Eines fas- Weitere eingestürzte Höhle im Umkreis von Longyou. Viele der eindrücklichen Stätten nahmen in den letzten Jahrzehnten Schaden, weil Bauern das Wasser zu schnell abpumpten.

Ausgabe 6/2016 Relikte aus längst vergessener Zeit. Von vielen Anlagen ragen nur noch Reste aus der Erde. Wie viele archäologische Schätze hier wohl noch schlummern?

zinierender als das andere. Manche kleiner, manche grösser.

Wie alt diese künstlich aus dem Stein gehauenen Anlagen seien, will ich unterwegs vom Gelehrten wissen. »Manche der kleineren sind nur wenige Jahrhunderte alt«, entgegnet er. »Die rätselhaf testen und grössten aber – darunter auch die fünf begehbaren Riesenhöhlen, die wir später aufsuchen – dürften gegen 2000 Jahre alt sein. Vielleicht sogar noch etwas älter …«»Steinabbau können wir in dieser Region ausschliessen« Wozu die älteren Kavernen einst dienten? »Das wissen wir trotz jahrelanger Forschung nicht – wenngleich es darüber natürlich verschiedene Theorien gibt. Klassischen Steinabbau können wir in dieser Region jedenfalls ausschliessen. Der örtliche Sandstein ist nicht sehr hart, er eignet sich überhaupt nicht als Baumaterial. Damit errichtete Häuser würden bereits nach wenigen Jahren einstürzen.« Auch Vorratslager oder militärische Kasernen scheiden nach Meinung des Professors als Erklärungsmöglichkeiten für die ältesten und grössten Höhlen aus. »Zu feucht ihr Inneres, zu klein die Eingänge an ihrem oberen Ende.« Während der Himmel aufklart, marschieren wir bei subtropischen Temperaturen im matschigen Schlamm einen kleinen Trampelpfad hinunter. Links und rechts türmt sich büschelweise gejätetes Unkraut. »Extra für euch haben die Verantwortlichen gestern den gesamten Weg zugänglich gemacht«, Áüstert mir Guide Xu zu. Mit einem derart ofÀziellen Aufmarsch in diesem eher ärmlichen Landbezirk hatte nicht einmal er gerechnet.

Unten angekommen blicken wir erneut auf bearbeitete Pfeiler und steinerne Brücken – Überreste einer weiteren unterirdischen Anlage, die das Wasser mittlerweile in Besitz genommen hat. Grandiose Kulissen, wie geschaffen für einen Indiana-Jones- Film, denke ich mir. Mindestens vier wuchtige Pfeiler trugen die weiträumige Höhle einst, ehe sie – von Bauern zu schnell aus- Welche fleissigen Meistermeissler höhlten diese Kavernen einst aus?

Wann? Und zu welchem Zweck? Eine weitere überflutete Höhle in Longyou, deren Inneres heute leider nicht mehr zugänglich ist.

Kennt jeden Winkel der Höhlen wie seine Westentasche. Professor Zhifa Yang, hier mit dem Autor und weiteren Reiseteilnehmern.

gepumpt – vor wenigen Jahrzehnten in sich zusammenÀel. Doch wer hat die ältesten dieser Anlagen einst errichtet? »Selbst unsere Experten tappen diesbezüglich immer noch im Dunkeln«, gibt mir der Professor auf Chinesisch zu verstehen, stapft rüstig eine Anhöhe hoch, ruft unserem Guide ein paar Sätze zu und lächelt mir aufmunternd zu: »Vielleicht Herr Luc, vielleicht Ànden ja Sie eine Antwort auf alle unsere ungelösten Fragen? Wir wären Ihnen für eine Zusammenarbeit sehr dankbar. Fühlen Sie sich herzlich willkommen in unserem Forschungsteam!« Je länger wir unterwegs sind, desto mehr imponiert mir die Bescheidenheit des sympathischen Geologen. Wenn er hier alleine unterwegs ist, bezahlt Zhifa Yang den Bauern fürs Betreten der Felder Eintrittsgeld, wie ich später erfahre. Bei jedem Schritt sorgt sich der 73-Jährige um unsere Sicherheit und mahnt höÁich, das ungelösten Fragen? angebaute Gemüse zu umgehen. Nach seinem Studium an der Tongji-Universität in Shanghai hatte er sich zwei Jahre in der Schweiz weitergebildet, an der Eidgenössischen Technischen Hochschule. Später war er in China für unterirdische Grossprojekte verantwortlich.

Abstieg in die Unterwelt Staunend erkunden wir weitere verschüttete Höhleneingänge und betreten dann touristisch erschlossenes Gelände. Die grössten der dortigen Kavernen erstrecken sich auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern. Ehrfürchtig steigen wir mit dem Professor über unzählige Treppenstufen in die fünf ofÀziell zugänglichen steinernen Hallen hinunter. Über 25 Meter hohe, statisch perfekt geformte und platzierte Pfeiler stützen ihre schrägen Decken.

Fein säuberlich »polierte« Wände und ebener Grund laden zum Verweilen ein.Unterirdische Kathedralen der Extraklasse.

In mühevoller Arbeit waren die imposanten Höhlen ab 1992 von Schlamm und Wasser befreit worden. Die ursprünglichen»Treppenstufen« scheinen wie für Riesen konzipiert, wie mir bereits 2014 aufgefallen war. Vereinzelte Russspuren waren leider bereits weggekratzt, ehe die Archäologen ans Werk gehen konnten. Lediglich ein paar Vasenfragmente aus der Westlichen Han-Dynastie vor über 2000 Jahren konnten tief unten im Höhleninnern geborgen und wissenschaftlich datiert werden.

Bis auf einige Ausnahmen oben am Höhleneingang ist der gesamte Aushub spurlos verschwunden, im näheren Umkreis nicht mehr aufÀndbar. Keine historische Überlieferung weiss von den Anlagen zu berichten, obwohl ihre mühselige Erstellung viele Jahrzehnte gedauert haben dürfte. Kein Knochen wurde in ihrem Innern gefunden. Kein antikes Schriftzeichen ziert ihre Wände – bis auf eine unscheinbare Darstellung am oberen Ende. Sie zeigt einen Vogel oder Wasserdrachen, ein Pferd und einen Fisch. »Nach ausführlicher Untersuchung und übereinstimmender Meinung unserer Archäologen, Historiker und Geologen stammt diese Ritzzeichnung aus der Westlichen Han-Dynastie, also aus der Zeit um 200 v.Chr. bis 9. n.Chr.«, kommentiert Zhifa Yang.

Nachdem ich mit ihm und Dolmetscher Xu alleine bin, winkt mich der Professor zu sich. »Erscheint es Ihnen nicht auch seltsam, Herr Luc, dass diese uralten Insignien ganz oben in der Nähe des Eingangs eingraviert wurden und nicht viel tiefer unten in der Anlage? Ästhetisch gesehen macht das wenig Sinn.« Sagt es, während sein Blick nach oben schweift. Nachdenklich fügt er an: »Möglicherweise wurde diese Darstellung zu einer Zeit verewigt, als das bereits überÁutete Höhleninnere nur noch per Boot erreicht werden konnte. Ein weiterer Hinweis, dass diese meisterhaften künstlichen Höhlen vielleicht aus weitaus älteren Zeiten stammen könnten, als wir vermuten. Zu einer Zeit, als der Wasserspiegel noch tiefer lag. Interessant, oder?« Stundenlang schlendern wir gemeinsam durch die atemberaubende Unterwelt. Wo vor zwei Jahren noch störende blau-rote Scheinwerfer strahlten, leuchtet nun angenehm gelbes Licht die Ausgabe 6/2016 17 Vielleicht finden ja Sie eine Antwort auf unsere me. Es dürfte aber noch mehr davon geben, da wir ständig auf weitere Eingänge stossen.« Noch während wir uns überraschte Blicke zuwerfen, blättert der Gelehrte in seinen Unterlagen und deutet auf einen aktuellen Fachartikel von ihm, weiteren Kollegen der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking sowie namhaften Neben etlichen Karten und Messdiagrammen steht darin schwarz auf weiss zu lesen: »44 weitere Kavernenkomplexe mit unterschiedlich vielen Grotten beÀnden sich in den lokalen Kreisen Tiantai, Wenling, Sanmen und Xianju. Insgesamt konnten in der Provinz Zhejiang somit über 3000 künstlich geschaffene Höhlen kartographiert und vermessen werden. Viele der oft in Flussnähe gelegenen Stätten dienten wohl der Steingewinnung. Die imposantesten davon sind bis zu 99 Meter hoch und 1000 bis 1500 Jahre alt. Sie stehen damit in direkter Konkurrenz zu vergleichbaren Untergrundstätten in Israel, Bis heute völlig unverstanden dagegen bleiben laut Professor Yang Sinn und Zweck der von uns besuchten Longyou-Höhlen im so genannten Fenghuangshan-Komplex, »die aller Wahrscheinlichkeit nach vor über 2000 Jahren geschaffen worden sind«. Zu einer Zeit, als der Wasserspiegel weitaus tiefer gelegen haben muss als vor über 1000 Jahren. Weltrekordverdächtige Meisterwerke einer vergessenen chinesischen Hochkultur, deren Namen die Geschichte leider vergessen hat.

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September 2016. In aller Herrgottsfrühe hatte sich unser Reisetrupp mit dem Bus von Huangshan in die Provinz Zhejiang aufgemacht. Tief im Südosten von China. Um 10 Uhr sollte uns im Bezirk Longyou Professor Zhifa Yang (73) erwarten. Trotz Taifun-Warnung und Mondfest war der Geologe extra für uns von Peking ins ländliche Niemandsland geÁogen. Dorthin, wohin sich kaum ein westlicher Tourist verirrt.

Professor Yang gilt in China als grösster Fachmann für die bis heute rätselhaften Höhlensysteme in Longyou. Seit 1998 hat er sich ihrer Erforschung verschrieben, etliche wissenschaftliche Artikel darüber verfasst. Dank Stiftungsgeldern dirigiert und koordiniert er zusammen mit dem Institut für Geologie und Geophysik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking mittlerweile ein ganzes Expertenteam, das sich der Erkundung und Analyse des »Achten Weltwunders« widmet, wie Einheimische die dortige Unterwelt ehrfürchtig nennen.

Nach monatelanger Korrespondenz erhielten wir endlich grünes Licht!

14 Ausgabe 6/2016

Ein Bild eines Baumes mit Blättern darauf.
Ein Mann, der ein Fluss fotografiert.
Eine große Felsfläche mit einem Fluss, der durch sie fließt.
Ein schwarz-weißes Bild eines Quadrats.
ein schwarz-weißes Bild eines Balls
Eine enge Aufnahme einer braunen und schwarzen Oberfläche.
Ein Nahepunkt eines Baumes mit grünen Blättern.
Ein Gemälde eines Baumes im Wasser.
Eine Höhle mit Moss und Wasser unter sich.
Eine Gruppe von Menschen, die in einer Reihe vor einem Berg laufen.
Ein Fluss mit Bäumen und Buschen am Ufer.
Eine braune und weiße Oberfläche mit schwarzer Grenze.
Ein Nahen Anblick einer Bambuspflanze mit grünem Blatt.
Eine Felsformation mit einem Wasserbecken am Boden.
Eine große Säule unter einer Brücke mit Moss.
Eine Gruppe von Menschen, die durch eine Höhle gehen.
eine braune Felsfläche mit schwarzer Grenze
Ein Bild eines Baumzweiges mit einem grünen Farbton.
Ein Nahebild von einem Baum mit Blättern.
Eine Gruppe von Männern, die auf einem Feld stehen.
Eine Höhle mit einem Wasserbecken unter sich.
nicht beantworten
Ein Nahen Anblick eines Bambusbaums mit einem Hintergrund.
Eine braune und braune Steinschicht mit schwarzer Kante.
Eine braune und schwarze Steinoberfläche mit einer schwarzen Grenze.
Eine braune und weiße Felsoberfläche mit schwarzer Grenze.
Ein Nahen Aufblick von einem Felsblick mit vielen Felsen.
Ein Mann steht in einer Höhle und schaut auf den Boden.
Ein Bild eines Gebäudes mit einem Treppenfall.
nicht beantworten