von Crista Aldea & Alex Chionetti
ABENTEURER ALEX CHIONETTI AUF DEN SPUREN VON STANLEY HALL UND ERICH VON DÄNIKEN
Sie gelten als «verbotene Zone»: Bis heute umrankt Ecuadors Tayos-Höhlen ein streng gehütetes Geheimnis aus uralter Zeit. Doch Abenteurer Alex Chionetti liess sich vom vermeintlichen «Fluch» nicht abschrecken – und zog los. Beinahe hätte er seine Filmexpedition durch den Dschungel mit dem Leben bezahlt!
Obwohl es ihn fast sein Leben gekostet hätte, beschloss der argentinische Journalist und Dokumentarfilmer Alex Chionetti 2006/2007 dem vermeintlichen Fluch zu trotzen, der über allen schwebt, die es wagen in die Tayos-Höhlen von Morona Santiago in Ecuador hinabzusteigen.
Sein Traum: Die dort angeblich verborgene Metallbibliothek einer längst vergessenen Kultur aufzuspüren.
Das sagenumwobene Tayos-Höhlensystem erstreckt sich über etliche Kilometer und wird als eines der grössten und phantastischsten in Südamerika, ja gar der ganzen Welt angesehen. Es liegen diverse Informationen zu drei Toren oder Zugängen vor, die jedoch sehr weit voneinander entfernt liegen sollen.
Bekannt wurde die mystische Unterwelt in den 70er-Jahren nicht zuletzt durch Forscher wie Juan Moricz, Stanley Hall oder Erich von Däniken. Alle bemühten sie sich vor Ort darum, den fantastischen Legenden auf den Grund zu gehen, die diesen Ort umranken. Von einer geheimnisvollen Metallbibliothek war damals die Rede und von reichlich fantastisch anmutenden Kristallsarkophagen, die bis heute dort unten ruhen sollen.
Auch Alex Chionetti unternahm mehrere Expeditionen in den Dschungel von Ecuador, die ihn im März 2007 mit Unterstützung der Rettungselitegruppe der Nationalen Polizei in Quito an den Rande seiner Kräfte führten – schliesslich aber auch endlich an den Ort seiner Träume. Hier exklusiv sein Erlebnisbericht.
Unterwegs im verbotenen Areal «Wenn Sie versuchen zum Rio Coangos zu gelangen, werden Sie sterben», mahnte mich eine Shuara-Indianerin. «Tun Sie es, wenn Sie wollen, aber bereiten Sie sich auf die Folgen vor…»
Unmittelbar vor den Tayos-Höhlen waren wir von einer Gruppe Jíbaros aufgehalten worden. Das sind Kopfjäger der Shuara-Indianer. Sie wollten uns zum Umkehren zwingen. Nicht schon wieder!
Im November 2006, vier Monate zuvor, war mir Ähnliches passiert, als ein Major der GITFA, einer Sondereinheit der ecuadorianischen Luftwaffe sich weigerte, die Reise mit mir fortzusetzen. Männer dieser Einheit sollten mich zu den mysteriösen Tayos-Höhlen begleiten, hielten jedoch im letzten Augenblick ihr Versprechen nicht ein.
Im März 2007 befand ich mich nun erneut an der Brücke, die über den Rio Namangoza führt, vor dem letzten grossen Schritt, den man tun muss, um zur mythischen Unterwelt zu gelangen. Erschöpft setzte ich mich ans Ufer des Flusses und weinte.
Ich hatte diesen Moment 28 Jahre lang herbeigesehnt – doch die Mutlosigkeit meiner eingeschüchterten Begleiter hätte auch diese Expedition fast zum Scheitern gebracht. Ich wollte auf keinen Fall aufgeben. Eine unbekannte heftige Kraft lenkte meine Schritte…
Ich weiss nicht, welche Kraft mich dazu bewog, fast genau dreissig Jahre nach der letzten grossen «offiziellen» Expedition zu den Höhlen nach Ecuador zu reisen – selbst wenn es ein Fiasko werden sollte. Immerhin besteht der bekannte schottische Forscher Stanley Hall bis heute fest darauf, dass es dort eine verlorene Bibliothek voller faszinierendem Wissen geben soll. Seine Forschungsergebnisse hat er kürzlich in einem Buch festgehalten (siehe Seite 51).
Vor meiner Abreise wurde ich darauf hingewiesen, dass in der Gegend Unruhen «Der Krieg an der Grenze hat die Gegend in gefährliches Minen-Terrain verwandelt.»
herrschten. Die von multinationalen Gesellschaften und lokalen Behörden unterstützten kanadischen Bergbauunternehmen haben dem östlichen Teil Ecuadors einen miserablen Ruf eingehandelt, vor allem dem Gebiet Morona Santiago. Die Nähe zu der peruanischen Grenze, wo 1995 der Krieg der Cordillera del Cóndor wütete, hat die Gegend in gefährliches, mit Minen gespicktes Terrain verwandelt.
All dies besorgte mich ebenso wie meine Begleiter, die – obwohl Soldaten! – nicht über ausreichende Informationen über die Minen-Gefahr verfügten. Das Gebiet, in das wir marschieren wollten, galt noch dazu als «verbotenes Areal». Dennoch wollte ich es unbedingt versuchen.
Begonnen hatte meine Geschichte vor 28 Jahren, als mich der baskisch-argentinische Höhlenforscher Julio Goyen Aguado einlud, die Tayos-Höhlen zu besuchen. Er hatte gerade mein Buch «Parallele Welten» gelesen, in dem ich über die Entdeckung einer mysteriösen Bibliothek erzählte, welche das gesamte vorsintflutliche Wissen der Menschheit enthalten soll.
Im Jahr 1981 versuchte ich seiner Einladung zu folgen. Wegen des Kriegs in Peru wurden wir aber bereits an der Grenze aufgehalten. Eine weitere mit Goyen Aguado geplante Expedition konnte leider wegen dessen plötzlichen Todes nicht mehr stattfinden. Im Dezember 1999 verunglückte er in den Anden. Angeblich soll er die «Metallbibliothek» 1968 zusammen mit dem selbsternannten Entdecker Juan Moricz gesehen und 1976 mit dem NASA-Astronauten Neil Armstrong und dem Schotten Stanley Hall an der letzten internationalen Expedition teilgenommen haben.
Ding der Unmöglichkeit?
Ich dachte: Jetzt oder nie! Was mir aber die grösste Sorge bereitete, war der anstehende senkrechte Abstieg in eine Tiefe von mehr als 80 Metern. Dafür hatte ich extra drei Männer der Rettungselitegruppe (G.I.R.) aus Quito mitgenommen.
Doch nach der eingangs erwähnten Am Ende seiner Kräfte. Alex Chionetti auf der Brücke über den Rio Coangos.
Exklusives Farbfoto von Chionetti: «Torbogen» der Cueva de los Tayos. Rechts: Foto von der Moricz-Expedition (1969).
Drohung der Shuara-Indianerin gingen mir meine bisherigen Expeditionen in dieses Gebiet durch den Kopf. Die letzte fand im November 2006 statt. Nun durfte einfach nichts mehr schief gehen! Und dies, obwohl mein letzter Besuch eigentlich kein Fiasko war, da ich den von Stanley Hall erhaltenen Koordinaten gefolgt war und Spuren entdeckt hatte, die bewiesen, dass es in einer anderen Höhle – in der Nähe des Rio Pastaza – tatsächlich Spuren einer fortgeschrittene Zivilisation gibt.
Dennoch waren diese Höhlen am Rio Pastaza nur winzige «Kirchen» im Vergleich zur mächtigen «Kathedrale», der sixtinischen Kapelle der Shuaras, der grossen Tayos-Höhle beim Rio Zamora – welche laut Juan Moricz in uralten Zeiten von einer von den Sternen gekommenen Rasse erschaffen worden sein soll.
Doch dorthin zu gelangen, so sagen viele, sei heute fast ein Ding der Unmöglichkeit. So sprechen etwa die Bewohner von La Esperanza, La Unión und Coangos von einer ominösen Stiftung namens «Fundación Sangay», die als einzige Zugang zu dem Ort habe und sich als selbsternannte Eigentümerin des Gebietes und der Höhlen aufspiele. Demnach dürfen weder Fremde noch Ecuadorianer sich auch nur bis auf 500 Meter der Höhle nähern.
Meine Recherchen aber zeigten, dass es diese Stiftung gar nicht gibt…
Probleme ohne Ende Die Mitglieder der Rettungselitegruppe brachten mir die fürs Überleben wichtigsten Grundregeln bei. Deshalb bat ich sie mich zu begleiten. Iván Jacome, ein Liebhaber archäologischer Themen, Cleber Rodríguez, in dessen Adern Quechua-Blut fliesst, ein ausgesprochen guter Kenner des östlichen Teils des Landes und Jorge Caicedo, Unterwasser-Experte, dessen Kenntnisse uns für den Fall nützlich gewesen wären, dass der unterirdische Fluss nach einem Regen in der Höhle einen See gebildet hätte.
Wir machten uns also auf den Weg und überliessen unser schweres Gepäck einem Träger, der es auf Eseln beförderte.Am Rio Namangoza in der Nähe von La Esperanza fanden wir schliesslich ein paar rätselhafte Steininschriften…
Leider mussten wir feststellen, dass wir den Fluss an dieser Stelle nicht überqueren konnten, da es die alte Brücke, die ans andere Ufer führen sollte, nicht mehr gab. Die Shuara-Indianer erklärten uns, dass der Durchgang ohne eine Genehmigung von Sucua, der Hauptstadt des Shuara-Reiches, nicht erlaubt sei.
Noch schlimmer: Das Oberhaupt der Shuara-Föderation, Miguel Tancamash, soll angeordnet haben, jeden, der versuche ohne Genehmigung weiterzugehen, festzunehmen und zu ermorden. Die Opfer sollten enthauptet und ihre Köpfe in den Fluss geworfen werden…
Es blieb uns also nichts anders übrig, als dort zu übernachten und auf die Gnade des Chefs zu hoffen. Am nächsten Morgen geschah – nichts. Die Shuaras hatten keine Lust uns durchzulassen. Erst die unerwartete Begegnung mit dem örtlichen Schamanen Lucho Chamin brachte uns Erlösung. Er erzählte, dass er einen seltsamen Traum gehabt hätte, in dem ihn ein Kind fragte, wie viele Vögel in den Tayos-Höhlen lebten. Aus welchem Grund auch immer verspürte er den Drang, uns bis an die Ufer des Rio Zamora zu begleiten. Nachdem wir den Fluss überquert hatten, übernachteten wir in La Unión.
In dieser Nacht tobte ein furchtbares Gewitter. Trotzdem machten wir uns um fünf Uhr morgens auf den Weg, da unsere «Aufenthaltsgenehmigung» zeitlich begrenzt war und wir unbedingt innerhalb von zwei Tagen in Yuquianza sein mussten. Dort sollte uns ein Polizeiauto erwarten.
Nicht innerhalb der vorgesehenen Zeit zu erscheinen, hätte katastrophale Folgen für uns haben können, die ich mir nicht ausmalen mochte.
Jedenfalls gelang es uns, den Rio Coangos zu erreichen. Auch hier mussten wir verhandeln, um unsere Reise fortsetzen zu können. Wir hatten keine andere Wahl, als meinen Stromgenerator zu «opfern». Mir wurde versprochen, dass er als Stromerzeuger für die kleine Schule eingesetzt werde. Meine unfreiwillige Spende trug dazu bei, die heiss ersehnte Genehmigung zu ergattern.
«Dänikens Torbogen» Dann waren wir endlich am Ziel: In Gedanken noch bei der unheimlichen Warnung der besagten Shuara-Indianerin, begannen wir endlich in die Tayos-Höhle abzusteigen. Nach etwa 50 Metern stiessen wir auf ein erstes Gefälle, das uns sehr lang und gewunden schien.
Und als ich endlich in der Höhle stand, konnte ich es kaum glauben: Dort sah ich «Dänikens Torbogen» und die Tunnels mit den verglasten Wänden, über die ich in seinem Buch «Aussaat und Kosmos» und anderen Schriften viel gelesen hatte.
Nach Verlassen des «Bogens» gelangten wir in die «Galerie Stanley Hall».
Obwohl der Schotte nur vier Stunden in der Höhle weilte, verdient er die Ehre dieser Bezeichnung, im Gegensatz zu Erich von Däniken, der viel darüber geschrieben, sie nach eigenen Aussagen jedoch nie persönlich gesehen hat.
Nach vorsichtigem Durchqueren der Höhle gelangten wir an eine der interessantesten Stellen – dorthin, wo die Monolithen stehen. Sie sehen aus wie Brotscheiben. Wer hat sie einst so zugeschnitten?
Dort befindet sich auch eine Kuppel aus vulkanischem Granit und schwarzem Basalt. Sie ist ein weiteres Rätsel der Höhle. Im Vergleich zu anderen megalithischen rechteckigen Formationen, besitzt sie eine «Wer hat die uralten Monolithen einst derart perfekt zugeschnitten?»
einzigartige wellige Struktur – als ob sie mit einem Präzisionswerkzeug bearbeitet worden wäre. Genau dort schlugen wir unser Lager auf.
Während die Shuara-Reisebegleiter Fleisch zubereiteten, ruhten sich die Männer von G.I.R. ein wenig aus. Ich verspürte den Drang, die Höhle zu inspizieren. Ich wollte die beiden in Fels gehauenen Skulpturen sehen, von denen mir während einer früheren Expedition erzählt worden war.
Die beiden Skulpturen, so hiess es, seien von einem Belgier entdeckt wurden, der versucht hatte, eine davon aus dem Fels zu brechen. Die eine soll eine Art Kelch oder Taufschale darstellen und die andere eine Taube oder den Heiligen Geist – was an diesem Ort sehr erstaunlich wäre, da es sich um Symbole des Christentums handelt.
Ich hätte mir nie vorstellen können, dass mich dieser kleine Ausflug so viel Kraft kosten würde. Mein Körper verlangte eine Ruhepause, ich aber wollte nicht auf ihn hören. Die Zeit war viel zu kostbar, um sie mit Schlafen zu vergeuden, und bis zum Verlassen der Höhle blieb uns nicht mehr viel Zeit. Nach kurzer Zeit spürte ich meine Füsse nicht mehr und lenkte meine Schritte aus einer unerklärlichen Intuition heraus zu einer Art Seitenkammer. Sollte sich die mysteriöse «verlorene» Metall-Bibliothek vielleicht genau dort befinden?
«Plötzlich wurde mir schlecht» Ich nahm meine letzte Kraft zusammen und näherte mich der Kammer. Doch zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass sich vor mir ein etwa zehn Meter tiefer Abgrund auftat, den ich nur zusammen mit den G.I.R-Spezialisten hätte bewältigen können. Plötzlich wurde mir furchtbar schlecht und ich setzte mich auf einen Quaderstein…
Treue Weggefährten. Alex Chionetti und die beiden Shuaras Saan und Luis.
Bis heute weiss ich nicht, ob ich eingeschlafen war oder ohnmächtig wurde. Ich weiss nicht einmal, wie lange ich dort gesessen hatte, ich weiss nur, dass ich wieder zu mir kam, als ich die Rufe meiner Shuara-Begleiter hörte, die mich verzweifelt suchten.
Als ich den Shuaras von der kuriosen Seitenkammer berichtete und sie bat, mich dorthin zu begleiten, sahen sie sich mit merkwürdigen Blicken an und weigerten sich, das zu tun. Ihre Blicke verrieten mir, dass sie etwas darüber wussten, es ihnen jedoch verboten war, darüber zu sprechen.
Wettlauf gegen die Zeit Ich quälte mich zum Lagerplatz zurück, um die Männer von G.I.R. um Hilfe zu bitten. Doch sie hatten keine grosse Lust, sich irgendwo abseilen zu lassen. Die Zeit drängte, und wir mussten uns beeilen, nach Yuquianza zurückzukehren. Unser Passierschein wäre sonst ungültig geworden – ich mochte mir die Folgen nicht ausdenken.
Verzweifelt bat ich die Männer, mich noch schnell dorthin zu begleiten, doch sie drohten mir, mich in der Höhle allein zu lassen, was ich auf keinen Fall riskieren konnte. Wir begannen den Aufstieg aus der Höhle, der fast acht Stunden dauerte.
Als wir an der Oberfläche waren, bemerkte ich, dass einige Shuaras zusammen «Meine Begleiter drohten, mich allein in der Höhle zurückzulassen.»
mit dem angeblichen «Herrscher» der Tayos-Höhlen den Höhleneingang bewachten.
Die Sorge meiner Begleiter, nicht rechtzeitig oben zu sein, war auf die Angst zurückzuführen, dass uns die Bewacher in der Nacht die Sicherungsseile hätten durchschneiden können – was bei anderen Expeditionen schon vorgekommen sein soll.
Mit der Angst, dass wir nicht rechtzeitig an dem mit der Polizeipatrouille ausgemachten Treffpunkt ankommen würden, zogen wir los. Wir kehrten nach Coangos zurück. Von dort sollten wir nach La Union und am nächsten Tag über den Rio Zamora. Bevor wir La Union erreichten, kam uns eine Einheimische entgegen und berichtete, dass unser Kontaktmann Cleber von einer Bande Shuaras überfallen und nur ganz knapp dem Tode entronnen war. Es gelang ihm schliesslich, Unterschlupf in einer Hütte zu finden. Zehn Shuaras suchten ihn angeblich und suchten auch nach uns, um uns alle umzubringen.
In diesem Augenblick glaubte ich, dass meine letzte Stunde geschlagen hatte und ich musste an meine Vorgänger denken: an Juan Moricz beispielsweise und an ein paar andere, die das Geheimnis der Höhle mit eigenen Augen erblickt haben wollten.Alle waren sie tot.
Der «Fluch der Tayos-Höhlen» kam mir wieder in den Sinn. Zum Glück war die einheimische Shuara-Frau, die Clebers Leben gerettet hatte, gewillt, auch uns zu helfen Der nach Süden fliessende Rio Coangos. «Wenn Sie versuchen dorthin zu gelangen, werden Sie sterben», warnte eine Indianerin.














































