Dominique Görlitz bricht sein Schweigen
auf juristischen Druck hin mittlerweile den Behörden in Kairo ausgehändigt worden seien.
Eine Falschmeldung. Die Proben beÀnden sich nach wie vor in Winzige Partikel: Die entnommenen Proben im Labor.
dass es hier nicht um Pharaonenklau, sondern um Milligrammstaub geht. Zudem hatte Stefan Erdmann als Initiator unseres Pyramidenbesuchs ja eine ofÀzielle Genehmigung vorliegen, ohne jegliche Einschränkungen oder juristische Rechtsmittelbelehrung. Insofern agierten wir damals unter ofÀzieller Aufsicht eines einheimischen Inspektors und hantierten dabei auch nicht mit Bestechungsgeldern.
Bekanntlich hattest Du im April 2013 erst vor Ort entschieden, in die Entlastungskammern zu klettern, um dort nach Eurer Probenentnahme in der Königskammer ebenfalls ein paar Krümel abzukratzen. Warum dieser spontane Entscheid?
Aus reiner wissenschaftlicher Neugier! Wir dürfen eines nicht vergessen: Wir sprechen hier über ein gigantisches Weltwunder und UNESCO-Welterbe aus Granit und Kalkstein, das zu einer Zeit entstand, als am Ort des heutigen Kölner Doms noch Lehmhütten standen. Will heissen: Wir sprechen über eine bis heute teilweise unverstandene kulturelle Hochkultur im alten Ägypten zu einer Zeit, als Europa von Ackerbauern und Viehzüchtern kolonisiert wurde.
Es ist ungeheuer wichtig zu klären, weshalb man in Gizeh vor 4600 Jahren innerhalb eines einzigen Menschenlebens einen industriellen Quantensprung erlebte – intellektuell, architektonisch, material- und werkzeugtechnisch – um solch ein imposantes Monument zu schaffen. Wie kommt es, dass damals Granitblöcke mit derart millimeterdünnen, präzisen Schnitten voneinander getrennt wurden, wie wir es heute selbst mit modernsten Gerätschaften nicht fertigbringen? Woher stammte dieses quasi aus dem Nichts aufgetauchte intellektuelle Knowhow? Und warum verlor es sich kurz darauf ebenso schnell wieder? Diese Fragen sind bis heute unbeantwortet.
Nach wie vor ranken sich allerlei Gerüchte um Eure Proben, speziell im Internet. Anfang Januar las man sogar, dass diese Woher stammte dieses quasi aus dem Nichts aufgetauchte Wissen?
Deutschland, ebenso unsere Laborresultate. Nebenbei bemerkt: Alle derzeit im Internet oder sonstwo kursierenden Äusserungen über unsere Analyseergebnisse sind völlig haltlos und spekulativ. Viel spannender als das Ergebnis der Proben ist letztendlich sowieso die Frage, was sich daraus ableiten lässt. Hier lauert wohl die eigentliche Überraschung.
Zum jetzigen Zeitpunkt geht es vor allem darum, zu verhindern, dass sich der Staub der Ewigkeit über die ganze Angelegenheit legt. Deshalb haben wir den Ägyptern angeboten, unsere materialkundlichen Ergebnisse anhand der Originalproben als Erste zu veriÀzieren oder zu falsiÀzieren. Die höchsten Behörden in Kairo wissen also Bescheid und haben unser schriftliches Angebot vorliegen, Teil der weiteren Untersuchungen zu sein.
Gerne überlassen wir ihnen bei Interesse auch die Erstveröffentlichung aller Daten. Hauptsache, wir können die Politik ad acta legen und endlich wieder Wissenschaft betreiben.
Viele unserer Leser fragen sich, wann denn nun die von Euch bereits im Juli 2013 angekündigte DVD-Dokumentation endlich erscheint…
Hoffentlich noch in diesem Jahr. Zuvor brauchen wir aber eine schriftlich vorliegende Einigung mit der Antikenbehörde in Kairo.
Denn, wie ich auch schon mit unserem ägyptischen Mediator im Hintergrund diskutiert habe: Es kann hier nicht darum gehen, gegeneinander zu arbeiten. Wir haben beiderseits sowohl schriftlich als auch mündlich ausgetauscht, dass wir uns gegenseitig achten und respektieren, und soweit es geht, kooperieren möchten. Insofern geht es nun darum, wie man in einer gemeinsamen, freundschaftlichen und offenen Art dieses Projekt, wie auch immer, zu einem für alle Seiten fruchtbaren Ende bringt.
Interview:
Wie hat Dominique Görlitz als vermeintlicher »Pyramidenschänder« den medialen Empörungssturm der letzten Monate erlebt? »mysteries« traf sich mit dem umtriebigen Biologen und Experimentalarchäologen in Basel. Nach intensiven diplomatischen Bemühungen blickt der Chemnitzer nun wieder guten Mutes in die Zukunft.
Ende 2013 schrieben sich namhafte deutsche Medien die Finger wund über Dich und Deinen Forscherkollegen Stefan Erdmann, verbreiteten rufschädigende Gerüchte, Lügen und Nonsens. Dein Telefon klingelte ununterbrochen. Dennoch hast Du damals auf Interviews verzichtet. Warum?
Görlitz: Als einigermassen vernünftiger Mensch weiss man durch ähnliche Presseaffären geschult, dass es in einer derartigen Situation kaum Sinn macht, auch nur einen Pieps zu sagen, weil sowieso alles gegen einen verwendet wird. Es war einfach der falsche Zeitpunkt, um diesem Empörungs-Tsunami eloquent entgegen zu halten. Deswegen war es notwendig, den kalten Schauer so stumm wie möglich über uns ergehen zu lassen, bis sich die Gemüter wieder beruhigten. Ausserdem hatten Stefan Erdmann und ich uns mit den ägyptischen Antikenvertretern darauf geeinigt, vorläuÀg auf öffentliche Gegendarstellungen zu verzichten, um damit wieder Vertrauen aufzubauen.
Wie geht es Dir nach dem monatelangen medialen und politischen Rummel um Deine Person?
Es ist natürlich ein Schock, wenn man in der Zeitung lesen muss, dass man von Interpol gesucht werden soll und der Grabräuberei bezichtigt wird. Nach der ofÀziellen Klarstellung Ägyptens, dass wir die Cheops-Kartusche nicht berührt hatten, gehts mir mittlerweile wieder recht gut. Das ist nicht zuletzt der diplomatischen Vermittlung von Dir, Luc Bürgin, und in der Folge besonders dem intensiven Engagement von Robert Bauval und dem Team der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA zu verdanken: Kollegen, die uns mit ihren Kontakten in Kairo halfen, die dortigen Behördenvertreter und Journalisten direkt darüber zu informieren, was damals im April 2013 tatsächlich stattgefunden hatte – und was nicht. Entsprechend kann ich nun grundsätzlich wieder mit einem positiven Leuchten in den Augen in die Zukunft blicken.
Förderlich war dabei sicherlich, dass Ihr klärende Entschuldigungsbriefe an Kairos höchste Behördenstellen versandt und Euch dabei kooperativ und einsichtig verhalten habt.
Es ging uns ja nie darum, der ägyptischen Nation auch nur den geringsten Schaden zuzufügen oder ihr etwas zu stehlen, wie uns Ex-Antikenminister Hawass vorgeworfen hat. Im Gegenteil: Unsere Aktion hatte von Anfang an nur einen Geist – den Geist der Wissenschaft, um den Ägyptern sogar wieder etwas zurückzubringen: Wissen über ihre grossartige Kultur. Insofern hoffe ich nach unseren Klarstellungen, dass wir nicht mehr als Feinde dieses faszinierenden Landes angesehen werden.
Dennoch wird in Chemnitz seit Dezember gegen Euch ermittelt. Ohne dass man Euch bis Redaktionsschluss dieses Heftes darüber informierte. Wie hast Du davon erfahren?
Das war Mitte Januar. Ich war damals gerade in Oslo zur Vorbereitung einer Ausstellung im »Kon Tiki Museum«. Mein Professor von der Technischen Universität Dresden rief mich ganz aufgelöst an, dass man ihn nun schon zweimal wegen mir verhört habe. Sehr bemerkenswert fand ich, dass er mich als freien Uni-Mitarbeiter vehement verteidigte. Leider bewegte sich das Wissen der ermittelnden Justiziarin offenbar auf niedrigem Niveau, so dass er ihr erst mal ausführlich klarmachen musste, Ausgabe 2/2014













































































































































































































































