Impressum ISSN 1660-4377 AuÁage 26’000 Exemplare Erscheinungsweise Zweimonatlich, 6 Ausgaben pro Jahr Herausgeber/Chefredaktion Luc Bürgin Redaktion Mysteries, Postfach, CH 4002 Basel Tel. +41 – 61 – 681 62 61 Fax +41 – 61 – 681 85 62 Internet www.mysteries-magazin.com E-Mail: mysteries@bluewin.ch Redaktionelle Mitarbeit Jan Fischer Lektorat Ruth Gremaud Druck PVA, Landau/Pfalz Kiosk-Vertrieb VU Verlagsunion KG (D/A/CH) Jahresabonnement EUR 47.40/SFr. 69.– Anzeigenschluss

»»Die Wirklichkeit war immer komplex. Eine vermeintliche Verschwörungstheorie muss nicht hundertprozentig falsch sein. Es gibt zum Beispiel gute Gründe, anzunehmen, dass Lee Harvey Oswald bei der Ermordung von Präsident Kennedy nicht alleine gehandelt hat. Vermutlich gab es Hintermänner, wenn auch nicht sehr viele.« Michael Butter, Professor für Amerikanistik»Was mich an der Zukunft interessiert? Vor allem, was man über uns denkt. Die Sicht etwa, welche die Menschen des Viktorianischen Zeitalters im 19. Jahrhundert auf sich selbst hatten, hat überhaupt nichts mit unserem heutigen Blick auf sie zu tun. Die Viktorianer wären darüber erschrocken und am Boden zerstört. Alles, was wir heute über uns denken, dürfte in der Zukunft wohl ähnlich bizarr erscheinen.« William Gibson, Science-Fiction-Autor»Ich finde, dass man Tiere in Ruhe lassen sollte. Ich habe mit Tieren zusammen gearbeitet, hatte auf einer irischen Insel zum Beispiel mal drei Monate viel mit Tintenfischen zu tun. Man erkennt dann, dass solche Tiere Charakter haben und versteht irgendwann nicht mehr, warum Menschen zwar ihre Katze lieb haben, aber trotzdem Tierprodukte essen. Das ergibt für mich Mark Benecke,Kriminalbiologe und Autor

einfach keinen Sinn.«

Ausgabe Nr. 3/2017: 5. April 2017 Bankverbindungen BW Bank, Stuttgart Konto-Nr.: 14 1899 0 BLZ: 600 501 01 BIC: SOLADEST IBAN: DE96 6005 0101 0001 4189 90 Schweiz Basler Kantonalbank, Basel Konto-Nr.: 165.414.141.84 BIC: BKBBCHBB, Clearing-Nr.: 770 IBAN: CH25 0077 0016 5414 1418 4 Postcheckkonto, Basel: 40-93969-1 Copyright Alle Rechte vorbehalten. Wiedergabe nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen per Post wird keine Haftung übernommen. Foto-Rechte: www.

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»Ich wünschte, die Afrikaner könnten sich selber aus ihrer Misere herausholen. Aber das können sie nicht, solange Europa ihre Diktatoren stützt. Europas Länder brauchen Afrika zur Deckung ihres Bedarfs an Rohstoffen. Sie arbeiten mit den Diktatoren zusammen. Tatsächlich gewinnt man den Eindruck, dass man immer mehr tut, um die Afrikaner von Hilfsorganisationen ab-

Deutschland

Asfa-Wossen Asserate,Unternehmensberater

hängig zu machen.«

»Ich glaube, dass Jesus Christus grundsätzlich ein sehr intelligenter und moralischer Mensch war. Heute wäre er vermutlich Atheist. Ich würde ihm liebend gern von Charles Darwin erzählen und ihn davon überzeugen, dass alles, woran er glaubte, falsch ist. Aber ich würde auch wissen wollen, was damals wirklich geschehen ist. Denn es war sicher nicht das, was heu- Richard Dawkins,Evolutionsbiologe

te in der Bibel steht.«

Ein Computerbildschirm mit blauem Hintergrund.
ein leerer Bildschirm mit weißem Rand
nicht beantworten
ein schwarzer Hintergrund mit dem Wort zitiert in der Mitte
Ein Mann mit einem kahlen Kopf und einer Kostümjacke.
Ein Mann mit Brillen schaut auf die Kamera.
Ein Mann mit Brillen schaut auf die Kamera.
Ein Mann mit Brillen und einem Bart und einem Anzug.
Ein Mann mit Brillen schaut auf die Kamera.
Eine Zeichnung eines Raumschiffs, das im Weltraum schwimmt.

Gleich zwei uralte Prunkstücke aus purem Bergkristall geben Experten Rätsel auf: Österreichische Wissenschaftler präsentierten kürzlich eine rund 6000 Jahre alte, künstlich gefertigte Beil-Klinge, die 2006 in den Zillertaler Alpen zum Vorschein gekommen war. In Spanien stellten Archäologen einen ähnlich alten Bergkristall-Dolch aus der Kupferzeit vor: zauberhafte Ausnahmefunde.

Im Bereich des Alpenhauptkamms entdecken Archäologen oft kleine steinzeitliche Quarz-Werkzeuge wie Bohrer, Kratzer oder Pfeilspitzen. Doch das rund 6000 Jahre alte Beil aus Bergkristall sei »weltweit wohl einzigartig«, betont Thomas Bachnetzer von der Universität Innsbruck, der das Tiroler Objekt untersucht hat (Foto unten). »Um aus Bergkristall ein solch prächtiges Teil herzustellen, brauchte es höhere handwerkliche Fertigkeiten und Techniken«, so der Archäologe gegenüber »mysteries«. Vermutlich sei die Axt in der späten Jungsteinzeit oder der fr ühen Bronzezeit entstanden.

Seine spanischen Kollegen von der Universität Granada sind sich sicher, dass »ihr« Bergkristalldolch ebenfalls kein alltägliches Objekt ist (Foto rechts). Das über 21 Zentimeter lange Prunkobjekt lag in der Hauptkammer eines steinzeitlichen Gräberfeldes in der Region Valencia – inmitten einer »Sammlung von äusserst beeindruckenden und technisch hochentwickelten Bergkristall-Artefakten«, so die Forscher um den Archäologen Antonio Morgado im Fachblatt »Quaternary International«. Neben Dutzenden von kristallenen Geschoss-Spitzen und Bruchst ücken stach der auf rund 5000 Jahre geschätzte Dolch auffällig hervor.

Unvergleichliche Prachtstücke Besagtes »Spezialmesser« aus Bergkristall sei ebenfalls ein »unvergleichliches Prachtst ück und unglaublich gut gefertigt«, bestätigt Experte Bachnetzer. Doch ob Dolch oder Beil-Klinge: Sowohl die österreichischen wie auch die spanischen Forscher gehen davon aus, dass besagte Bergkristall-Objekte unseren Urahnen einst eher zu kultischen oder magischen Zwecken dienten: Als Grabbeigabe, Machtsymbol oder Prestigeobjekt bei Zeremonien und Kulthandlungen. Ebenso wie in älteren und jüngerern Zeiten wohl auch so mancher künstlich gefertigte Totenschädel aus Bergkristall.

fi. ■

Ausgabe 2/2017 15

Eine große Menge an Felsen im Wasser.
Ein Eisstück auf schwarzem Hintergrund.
Ein Eisstück, das sehr dünn ist.
Ein schwarzer Hintergrund mit einem Text in einer Fremdsprache.

Wer tatsächlich hinter dem für die USA zweitschlimmsten Terroranschlag nach dem WTC-Attentat vom 11. September 2001 steckt? Interessanterweise gingen laut einer CIA-Analyse vom 22. Dezember 1988 nach dem Attentat gleich mehrere Bekenneranrufe ein. Da war etwa ein männlicher Anrufer, der sagte, dass die Gruppe »Beschützer der islamischen Revolution« das Flugzeug als Vergeltung für den Abschuss eines iranischen Flugzeugs durch die US-Marine zerstört hätte. Ein anderer Anrufer behauptete, das Flugzeug sei vom israelischen Geheimdienst Mossad zerstört worden. Stutzig macht nicht zuletzt, dass zahlreiche Prominente ihre Plätze im Flugzeug kurz vor dem AbÁug storniert hatten. Darunter eine afro-amerikanische Soul-Gesangsband aus Detroit (»The Four Tops«), Ex-Sex-Pistol John Lydon und seine Frau Nora, Roelof »Pik« Botha, damaliger Aussenminister von Südafrika, John McKarthy, US-Botschafter im Libanon, aber auch Chris Revell, damaliger Vize-Direktor des FBI. Waren sie von US-Geheimdiensten kurzfristig gewarnt worden?

unterstützte, sondern sinngemäss aussagte, die Firma habe solche Teile tatsächlich nach Libyen geliefert. »Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Zeuge Lumpert von unbekannt angestiftet wurde, gezielte Falschaussagen zu machen«, polterte Bollier denn auch am 14. September 2003 im Internet.

Der Verdacht wurde im Sommer 2007 deÀnitive Gewissheit, als Ulrich Lumpert eine Bombe platzen liess: Er widerrief seine ofÀzielle Erklärung! Dazu gab er den Hinweis, jener Zeitschalter, aus dem dann ein Beweisstück wurde, sei einer von drei von ihm selbst hergestellten Prototypen gewesen, die er »aus den Labors der Mebo entwendet« und am 22. Juni 1989 »unerlaubterweise an eine ofÀzielle Ermittlungsperson im Lockerbie-Fall übergeben« habe.

Er habe, so Lumpert wörtlich, zu jenem Zeitpunkt nicht gewusst, dass dieser Schalter als Beweismittel eine zentrale Bedeutung erhalten werde. Als ihm das bei weiteren polizeilichen Vernehmungen 1991 klar geworden sei, habe er »unbeschreibliche Depressions- und Angstzustände« bekommen. »Als ich geder Pan Am an die Mebo in der Höhe von rund 40 Milliarden Dollar. Bolliers Firma aber hatte das Attentat von Lockerbie das Genick gebrochen. Sie musste Rüstungsaufträge stornieren und verlor zahlreiche Kunden – darunter auch die deutsche Spezialeinheit GSG 9. Das Unternehmen ging pleite.

Doch Edwin Bollier liess sich nicht unterkriegen. Bereits in den 1990er-Jahren hatte der Mann auf eigene Faust zu recherchieren begonnen. Seither sammelt er wie ein Besessener Dokumente und verfasst Untersuchungsberichte.

Jedes Papier stellt er auf seiner Internetseite www.lockerbie.ch online.

Sein Ziel: Die Wahrheit muss endlich ans Licht! Grund: Bollier weiss, dass die Anklage das Gericht mit manipulierten Beweisstücken absichtlich in die Irre geführt hat. »Es musste ein Libyer verurteilt werden, damit Libyen zur Rechenschaft gezogen und zur Kasse gebeten werden konnte«, sagt der Mann, gegen den in der Schweiz vier Jahre lang eine Untersuchung wegen Verdachts der Gehilfenschaft zu Mord im Fall Lockerbie geführt wurde. Das Verfahren wurde 2004 eingestellt. Begründung: Bollier könne»nicht mit der Verwendung (…) des Timers zum Anschlag auf den Pan-Am-Jet in Zusammenhang gebracht werden«.

Wer hatte die Beweisstücke manipuliert?

Dass das Gericht in Holland nicht zum selben Schluss kam, erstaunt deshalb umso mehr. Verzweifelt hatte der als Zeuge vorgeladene Schweizer darzulegen versucht, dass die als Beweisstücke aufgeführten Schalterteile nicht aus jenen Lieferungen stammen konnten, die er einst nach Libyen geschickt hatte. Die dorthin gelieferten Schalttafeln seien grün gewesen, betonte er. Eines der ihm während der Untersuchungsphase gezeigten Beweisstücke aber habe zunächst eine braune Farbe gehabt.

Bei einer späteren Vorlage sei es dann derart verkohlt gewesen, dass man die Färbung nicht mehr erkennen konnte. Bollier: »Die Fragmente des Timers wurden verbrannt, damit man nicht mehr erkennen konnte, ob sie braun oder grün waren.« Mit anderen Worten: Jemand hatte die Beweisstücke offensichtlich manipuliert. Wieso machte sich die Verteidigung im Gericht nicht für ihn stark? »Libyen musste schottische Anwälte nehmen. Die interessierte nur das Geld. Sie arbeiteten für das Gericht.« Kam dazu, dass der einst bei Bollier angestellte Ingenieur Ulrich Lumpert vor Gericht die Vorwürfe seines Chefs nicht Corpus delicti. Einer von Bolliers Mebo-Timern, mit denen Libyen die Schuld am Unglück in die Schuhe geschoben werden sollte.

merkt habe, dass das Schalterbrett nach meiner unerlaubten Aushändigung für eine vorsätzliche politisch kriminelle Machenschaft missbraucht wurde, war für mich klar, dass ich mitten drin steckte, und ich entschied, den Mund zu halten, denn ansonsten konnte es für mich als ungewollten Geheimnisträger lebensgefährlich werden«, wird der damals 65-Jährige in der eidesstattlichen Erklärung zitiert.

Lumperts Geständnis kam für den verurteilten Libyer zu einem günstigen Zeitpunkt. Denn die schottische Revisionskommission war Ende Juni 2007 in einem 800-seitigen, unveröffentlichten Bericht zum Schluss gekommen, dass das Gericht in Kamp van Zeist vermutlich ein Fehlurteil gefällt hatte. Ein Berufungsverfahren sei deshalb zulässig. Ausgelöst hatte die Wende ein pensionierter schottischer Polizeibeamter. Er beschuldigte seine Kollegen, Beweismaterial im ersten Lockerbie-Prozess manipuliert zu haben.

Bollier wiederum hatte ursprünglich erwogen, gegen Lumpert wegen dessen Aussage im Prozess Strafanzeige zu stellen.

Schliesslich war der Mebo deswegen ein massiver Ànanzieller Schaden entstanden. Doch die Erfolgsaussichten wären mangels Beweisen gering gewesen. Also einigte er sich mit seinem früheren Angestellten darauf, dass dieser seine Mitwirkung an einer Beweismanipulation öffentlich eingestehen sollte. »Wenn es zu einer NeuauÁage des Prozesses kommt, ist die Chance sehr gross, dass das Urteil revidiert wird«, gab er sich überzeugt.

»In maximal fünf Minuten wäre geklärt, dass das Beweismaterial der Anklage gefälscht wurde.« Bis heute geht es ihm um Gerechtigkeit – aber auch um seine Finanzen: »Die Schadenersatzforderung hat die Mebo ruiniert.

Ich kämpfe für mein Geld und dafür, dass Libyen aus der Ge schichte rauskommt.« Den grossen Reibach hätte er übrigens machen können, wenn er ein unmoralisches Angebot der USA angenommen Dollar sowie eine neue Existenz habe ihm das FBI seinerzeit versprochen, falls er bestätige, dass der Timer von der Mebo an Libyen geliefert worden sei. Dies hatte Bollier bereits vor Jahren nicht nur gegenüber »mysteries« enthüllt – sondern auch dem von KoÀ Annan zum UNO-Prozessbeobachter ernannten österreichischen Professor Hans Köchler bestätigt!

Vier Millionen Schweigegeld? Bollier lehnte ab. »Für mich war dieses Angebot die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin!«, zeigte er sich 2008 überzeugt. »Wir werden gewinnen – und das vor Gericht!« Doch das Verfahren wurde nicht wieder aufgerollt. Denn Abdel Basit Ali al-Megrahi kam 2009 überra- Das FBI bot mir vier Millionen Dollar an, damit ich den Mund halte.

hätte: Vier Millionen 32 Ausgabe 2/2017»Warum ich gelogen habe …« Ulrich Lumperts Schuldeingeständnis von 2007.

schend frei – aus humanitären Gründen. »Er litt an Prostata-Krebs, hatte laut Prognose nur noch drei Monate zu leben. Er verschwand in Libyen, wo er am 20. Mai 2012 starb – fast drei vorenthalten werden. Erst auf Druck der Schweizer Zeitschrift Jahre später«, wunderte sich selbst die »Zeit« 2013. Tatsächlich»Beobachter« mussten die Behörden die geheim gehaltene Einhatte die britische Justiz vor der Begnadigung eine Bedingung stellungsverfügung 2012 herausrücken. Und so kämpft Edwin gestellt: Megrahi musste zuvor seine aussichtsreiche Berufung Bollier bis auf den heutigen Tag weiter für die Wahrheit – und zurückziehen – was er auch tat.

darum, dass die Angelegenheit nochmals vor die Richter kommt.

Edwin Bollier hält das Ganze für ein abgekartetes Spiel. Und Vor wenigen Monaten erst hat er auf seiner Internetseite ein er ist mit dieser Meinung nicht alleine. Der ehemalige CIA-Agent neues Videointerview hochgeladen, in dem Ingenieur Ulrich Robert Baer, der den Fall in seiner Dienstzeit bearbeitet hatte, Lumpert seine Falschaussage erneut zugibt und die Manipulaerklärte dazu öffentlich: »Megrahi bekam nie einen fairen Protionsvorwürfe betreffend des fragwürdigen Beweisstückes mit zess. Und jetzt wird er freigelassen, damit die Manipulationen neuen Details untermauert.

und Fälschungen in einem neuen Verfahren nicht aufgedeckt werden.« Laut Baer hatte es bei der CIA nie Zweifel gegeben, Kampf für die Wahrheit – bis zum bitteren Ende? dass der Iran sowie die syrisch-palästinensische Terrorgruppe Bolliers jüngste Klage gegen einen Mitarbeiter des eidgenössi- Popular Front for the Liberation of Palestine hinter dem Anschlag schen Nachrichtendienstes wurde dagegen vor dem Schweizeristeckten – und nicht GaddaÀ. Libyen sei nur ein strategisch schen Bundesstrafgericht am 7. Juni 2016 abgewiesen. Er hatte günstiger Sündenbock gewesen.

dem Bundespolizisten Anstiftung zu Diebstahl, falsche Anschul-Auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ist nach jahrelangen digung, falsche Bezeugung und Kreditschädigung vorgeworfen.

Ermittlungen bereits seit 2004 überzeugt, »dass Edwin Bollier Bereits 2014 war er vor den eidgenössischen Richtern mit einer nicht mit der Verwendung des von ihm bzw. der Mebo herge- Schadenersatzklage über sechs Millionen Franken abgeblitzt – stellten und gelieferten MST-13-Timers zum Anschlag auf den wegen Verjährung.

Jumbo-Jet Boeing 747 der Pan Am in Zusammenhang gebracht Hoffnungen setzt der Zürcher nun nicht zuletzt auf die schotwerden kann«. Der Öffentlichkeit sollte diese Schlussfolgerung tische Polizei, die den Lockerbie-Fall vor wenigen Jahren neu Ausgabe 2/2017 33»Gefälschtes Beweismaterial«.

Screenshot aus den neuesten Videoaufnahmen, in denen Ingenieur Lumpert seine frühere Falschaussage vor laufender Kamera samt neuen Fakten widerruft.

aufgerollt hat – aufgrund parlamentarischen und öffentlichen Drucks. »Operation Sandwood« heisst besagte Ermittlungsgruppe, die ihre Ergebnisse in Kürze zu präsentieren gedenkt. Sollte es anschliessend zu einem Berufungsverfahren im Lockerbie-Fall kommen, möchte Bollier dieses dazu nutzen, in seinem Heimatland neuerlich Druck zu machen: Über ein internationales Rechtshilfegesuch will er erreichen, dass die eidgenössischen Behörden den Fall nochmals aufnehmen müssen.

Neuen Auftrieb verlieh der Angelegenheit 2013/2014 zudem auch ein brisanter Arte-DokumentarÀlm von Jean-Christoph Caron und Carl-Ludwig Paeschke: »TodesÁug – Pan Am 103«. Darin enthalten: Das letzte Interview mit dem angeblichen libyschen Attentäter. »Aufgenommen am Krankenbett, wenige Tage vor seinem Tod. Kaum noch fähig zu sprechen, beschwört er ein letztes Mal seine Unschuld.« Einmal mehr verdichteten sich damit die Hinweise, dass iranische Attentäter den schlimmsten Terroranschlag vor dem 11. September 2001 zu verantworten haben. »Demnach war ein ›Joint-Venture des Terrors‹ verschiedener islamischer Geheimdienste für den Anschlag verantwortlich«, wie selbst die»Welt« am 18. Februar 2014 trotz Vorbehalten gegen Verschwörungstheorien fast schon widerwillig konstatieren musste.

Ursprünglich angeordnet haben dürfte den Bomben-Terror, so die Quintessenz der Arte-Dokumentation, mit syrischer Mithilfe »Irans geistlicher Führer Ajatollah Khomeini, als Rache für den tragischen Abschuss eines iranischen Airbus’ durch ein US-Kampfschiff im Persischen Golf einige Monate zuvor.«»Lockerbie ist die grösste Fälschung in der Geschichte von Schottland!«, kritisiert auch Edwin Bollier. Die ganze Wahrheit»in dieser hochkomplexen Angelegenheit« werde wohl nie mehr ans Tageslicht kommen, befürchtet der mitterweile 78-Jährige gegenüber »mysteries«. Dennoch hofft er, dass zumindest »die Verschwörung gegen Libyen« bald hieb- und stichfest belegt werden kann – dies spätestens in einem schonungslosen und ausführlichen Buchreport, an dem er bereits seit Jahren unermüdlich arbeitet. Doch die Zeit arbeitet derzeit leider für die USA – und gegen ihn.

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Ein Bild von einem weißen Hintergrund mit schwarzem Rauch.
Ein Bild von elektrischen Teilen.
Ein blauer Himmel mit weißen Wolken.
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Eine Liste von Wörtern in verschiedenen Sprachen.
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Ein Text, der auf Deutsch geschrieben ist, ist in einem Dokument gezeigt.
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Ein Bild eines blauen Himmels mit Wolken.
Ein blauer Himmel mit weißen Wolken.
Ein Text, der auf Deutsch geschrieben ist, wird in einer Fremdsprache gezeigt.
Ein leeres Bild in einem schwarzen Rahmen.
Ein Dokument in deutscher Sprache hat einen Briefmarken darauf.
Ein schwarz-weißes Bild eines Balls im Dunkeln.
Eine Zeichnung eines Gesichts einer Frau auf einem weißen Hintergrund.
Ein Mann malt ein Bild auf einem Brett.
Ein leeres Bild eines schwarz-weißen Bildschirms.
Ein Dokument mit einem Stempel, auf dem steht: Zum Verdacht der Geilfenschaft zu Mord.

»Man ist hier nicht nur Juden, Kommunisten und Freimaurern gegenüber feindlich eingestellt, das versteht sich von selbst.« So beschrieb einst »Le XXe Siècle«-Chefredakteur Norbert Wallez, Remis erster Arbeitgeber, die Philosophie seiner Zeitung. Unter dieser Vorgabe schuf Hergé die ersten und umstrittensten Abenteuer seiner Erfolgsserie:»Tim im Lande der Sowjets« (1929) und»Tim im Kongo« (1930). Beide gelten als politisch einseitig gefärbt.

Im ersten Band werden die Menschen der damaligen Sowjetunion als im Müll lebend, korrupt, unterjocht und böse dargestellt. Dem damaligen Zeitgeist verhaftet zeigte sich Remi auch beim Kongo-Abenteuer seines Protagonisten. Belgien war zu jener Zeit Kolonialmacht und führte dort ein brutales Ausbeutungsregime. Der junge Hergé präsentierte Tim als eine Art christlicher Missionar und die europäischen Besatzer als Wohltat für die »afrikanischen Wilden«. Die betonte Überlegenheit der Europäer zieht sich bis in den dritten Band »Tim in Amerika« (1931) weiter, wo auch die Indianer als reichlich tumb dargestellt werden – wenn auch nicht so drastisch wie in den vorherigen Folgen.

Hergé räumte später ein, in jenen Jahren fehlgeleitet gewesen zu sein – und zeichnete etliche Szenen seiner ersten Werke in der Folge um (siehe Bilder unten). Aus dem jüdischen Antagonisten Blumenstein (»Der geheimnisvolle Stern«, 1942) wurde so der »Bankier Blohwinkel«:»Man muss wissen, dass ›Le XXe Siècle‹ eine katholische Tageszeitung war. Und wer katholisch sagte, meinte damals antikommunistisch.« Er sei zu stark von jener Atmosphäre beeinÁusst gewesen und habe seine frühen Erzählungen zu sehr auf einseitige Quellen gestützt, bekannte der Zeichner selbstkritisch. Die Sowjet-Folge ist denn auch die einzige Episode, die er nie graÀsch aufpeppen wollte. Nur widerwillig stimmte er einer NeuauÁage zu. Erst kürzlich kam eine Farbversion auf den Markt – obwohl sich Hergé zeitlebens dagegen gewehrt hatte (Cover oben).

Seine immer stärker werdende liberale und freiheitsliebende Grundhaltung bewies der Belgier spätestens 1934 mit den Folgen»Der Blaue – Lo tos« und 1938»König Ottokars Zepter«, in denen er explizit vor Imperialismus und Besatzungspolitik warnte – kurz vor dem endgültigen Erstarken der späteren Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan und deren faschistischer Diktaturen. Der Starzeichner sei anfangs»politisch naiv« gewesen, habe jedoch»niemals rassistische Theorien vertreten«, resümiert denn auch Hergé-Kenner Michael Farr.

Im Grunde sei er»ein unermüdlicher Verteidiger der Schwachen und der Minderheiten« gewesen. Und so habe sich Tim schlussendlich in einen »entschiedenen Gegner jeder Form des Totalitarismus« gewandelt.

Ausgabe 2/2017 Mit Heuvelmans diskutierte er zudem auch das Thema Wasser auf dem Erdtrabanten und erfuhr von dessen Theorien »über eine Art Dampferuption oder allenfalls Eis«. Und so liess er Tim während seiner Mondexpedition 1954 unter der lunaren Ober-Áäche im Astronautenanzug eine EisÁäche hinunterschlittern.

Science-Fiction? Keineswegs, wie diverse Mondsonden seit den 1990er-Jahren vermuten lassen, die – entgegen der jahrzehntelangen Lehrmeinung – zunehmend mehr Hinweise auf Wasser und Eis auf dem Erdnachbarn aufstöbern. Vieles deutet darauf hin, dass die Zukunft Hergé auch in diesem Punkt irgendwann recht geben wird.

Waren die Götter Astronauten?

Visionär war der Publizist bereits in »König Ottokars Zepter« (1938). Deutlich warnte er darin vor den Expansionsgelüsten faschistischer Diktaturen. Den Chef der Konspirateure nannte er Müsstler – ein Wortspiel aus Mussolini und Hitler. In der deutschen Ausgabe wurde daraus vorsichtshalber Rawczik. Damals noch seiner Fantasie entsprungen war indes das Zepter des Königs. Kurioserweise fanden Archäologen bei Arbeiten am Grab des historischen Namensvetters, des böhmischen Königs Ottokar II. (1232–1278) im Prager Veitsdom 1976 tatsächlich dessen kostbare Insignien.

Die wohl kontroverseste Folge in der Tintin-Reihe bleibt »Flug 714 nach Sydney« (1968), an dessen Ende die auf einer einsamen Insel festgehaltenen Protagonisten von einem UFO gerettet werden. In diesem Spätwerk wird mehr denn je deutlich, dass sich Remi auch intensiv mit Präastronautik-Theorien und mög- Da staunt selbst Kapitän Haddock. Mystery-Autor Jacques Bergier alias Mik Ezdanitoff im Comicband »Flug 714 nach Sydney«.

nicht festlegen wollen, ob es »Leben auf dem Mond« gibt, erklärte er. »Man weiss ja nie…« Seine Offenheit setzte der Künstler mit einem bildhaften Schmunzler um: Tims stete Begleiter, die tapsigen Detektive Schulze und Schultze, entdecken im Mondstaub menschlich anmutende Fusspuren und wundern sich darüber. Ob die Abdrücke von ihnen selbst, von Tim oder von unbekannten Dritten stammen, habe er ganz bewusst offen gelassen, betonte Hergé.

Fast wie bei Indiana Jones. Um die kippbare Tempel-Statue 1968 im »Flug 714 nach Sydney«-Band möglichst realistisch in Szene zu setzen, schuf Hergé ein kleineres Modell (unten). Dessen Design empfand er den rätselhaften Olmeken-Statuen an der südlichen Golfküste Mexikos nach.

Áiegenden Untertassen. Zudem hatte der Zeichner auch die Werke des französisch-polnischen Grenzwissenschaftlers, Spions und Mystery-Kultautors Jacques Bergier ausführlich studiert, den er in besagtem Comic unter dem Namen »Mik Ezdanitoff« höchstpersönlich als kosmischen Vermittler auftreten lässt (siehe Bild auf der linken Heftseite oben).

In Insiderkreisen bleibt die Sydney-Folge dennoch umstritten, vielen gilt sie als eine der schwächeren Episoden: »Das Vorhandensein einer Áiegenden Untertasse in einem ›Tim und Struppi‹-Album verstösst gegen eines der Hauptprinzipien des Ausgabe 2/2017 61 lichen vorzeitlichen, extraterrestrischen Besuchen auf der Erde auseinandergesetzt hatte. Er wollte in besagter Geschichte zwei zentrale Fragen aufwerfen, erklärte der Zeichner später: »Gibt es weitere bewohnte Welten? Und gibt es eingeweihte Insider, die dieses Wissen besitzen?« Selbstverständlich habe er die Sachbuchbestseller von Robert Charroux gelesen – dem französischen Präastronautik-Pionier, bekannte Hergé in Interviews. Er sei ein regelrechter Anhänger jenes Autors gewesen. Forscher fanden in seinem Archiv später denn auch etliche Berichte über UFO-Sichtungen und Fotos von Hergé beim Zeichnen (1975). Links das Beispiel eines schurkischen Kommandanten, für das ihm das Foto eines deutschen U-Boot-Kapitäns als Inspiration diente.

Werkes: seine Ver-PaziÀkinsel (»Diego Garcia«?) mit improvisierter Landepiste, die ankerung in der später eilends wieder abgebaut wird. Selbst den ins Ausland ge- Realität«, kritisiert Áüchteten KZ-Arzt Josef Mengele lässt der Zeichner dort auftreetwa Michael Farr.

ten, alias »Doktor Krollspell«. Dass Hergé wegen eines Rechen-»Das Auftauchen fehlers zudem kurzfristig zwei volle A4-Seiten Seiten aus dem ausserirdischer In-Comic-Finale eliminieren musste, elektrisiert nicht nur UFO-Fans telligenzen, selbst bis heute. Welche Szenen dem Druck zum Opfer Àelen? Niewenn sich dies auf mand weiss es genau eine Áiegende Un- 24 Comic-Bände von »Tim und Struppi« schuf Hergé insgetertasse und merksamt. Die 25. Episode (»Tim und die Alphakunst«), in der sein würdige, in Stein Protagonist von einem abgedrehten Künstler als »lebende Skulpgehauene Skulptur« verewigt werden sollte, konnte er nicht mehr vollenden. Leturen beschränkt, diglich Skizzen davon blieben der Nachwelt erhalten. Georges führt ein Moment Remi starb am 3. März 1983 an Organversagen. Vor seinem Tod des Esoterischen hatte er verfügt, dass nach seinem Ableben keine Fortsetzungen und Spekulativen der Erfolgsserie erscheinen dürfen. Dennoch leben Tim, Struppi ein, das die geund Whisky-Liebhaber Kapitän Haddock bis heute weiter. Aller schwächt.«»hunderttausend heulender Höllenhunde« zum Trotz.

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Der verschollene Arumbaya-Fetisch Wie Fiktion zu Realität werden kann, musste Hergé 1979 erleben. Unbekannte entwendeten damals aus dem Brüsseler Museum der Schönen Künste die Holzkopie eines Artefakts, die eigens für ihn angefertigt worden war und als Vorlage für seinen»Arumbaya-Fetisch«-Comic (1937/1943) diente. Bei den LangÀngern schien es sich um Kenner zu handeln, denn sie kopierten einen Teil der besagten Geschichte. Darin wird ebenfalls eine Statuette entwendet.

Sowohl der Cartoonist als auch das Ausstellungshaus erhielten »Erpresserbriefe«, die jenen der Erzählung ähnelten, wie Benoît Peeters in seinem Buch»Hergé: Ein Leben für die Comics« berichtet. Die Gauner forderten, der Zeichner solle sich an einem bestimmten Tag mit dem Arumbaya-Band unter dem rechten Arm im Museum einÀnden. Ein Foto, das am 7. August 1979 in »Le Soir« erschien, so Peeters, zeigte Hergé dann tatsächlich wie gefordert mit einer Ausgabe seiner Erzählung unter seinem linken Arm in der Ausstellung: »Vielleicht ist diese minimale Abweichung der Grund, dass sich der Dieb nicht offenbarte und der Fetisch nie zurückgegeben wurde.« Hergés Statuetten-Kopie blieb verschwunden. Das Original steht bis heute im Museum von Brüssel.

Ein dunkles Bild eines Mannes in einem Helm.
Ein Comic-Stick mit einem Mann im Hut, der mit einem anderen Mann spricht.
Ein Plakat eines Autos mit einem Flugzeug, das über ihm fliegt.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
Ein Mannes Kopf ist in einem dunklen Tunnel gezeigt.
Ein Karikatur von zwei Männern, die sich eine Karte ansehen.
Eine Statue eines Mannes mit Hut und Handschuh.
Ein schwarz-weißes Bild eines Quadrats.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
Eine Karikatur eines Jungen, der eine Statue ansieht.
Ein Bild eines braunen Hintergrunds mit schwarzer Grenze.
Eine Statue eines Gesichts mit einem Helm.
Eine Skulptur eines Kopfes mit Sonne und Mond.
Eine Stein-Fass-Skulptur eines Mannes Gesicht.
Ein Cartoon von einer Gruppe von Menschen mit Waffen.
Ein orangefarbener Hintergrund mit einem Kreis in der Mitte.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit einem Kreis in der Mitte.
Ein schwarz-weißes Bild eines Fensters.
Ein Mann in Krawatte schreibt auf ein Stück Papier.
Ein Mann schaut sich ein Gemälde von einem Mann und einem Hund an.
Eine Karikatur eines Mannes, der durch ein Teleskop schaut.
Ein Mann in einem schwarz-weißen Foto, der durch ein Teleskop schaut.

(Prof. Petia Genkova)»Ob wir für eine Kontaktaufnahme mit Ausserirdischen reif wären?

Aus Sicht der Psychologie muss ich leider sagen: Nein! Wir sind noch bei weitem nicht bereit, um damit vernünftig umzugehen.

Die gesamte Psychologieforschung, die sich mit Fremd- und Andersartigkeit, mit Gruppendynamik, Kontaktaufnahme usw. beschäftigt, hat sich eigentlich immer auf die Unterschiedlichkeit zwischen den Menschen fokussiert, seit den 1950er-Jahren. In diesem Kontext wurden auch Migranten oder Ausländer als ›Aliens‹ bezeichnet.

Die Kernfrage liegt auf der Hand: Führt der Kontakt mit fremden Menschen oder Kulturen zu einer produktiven und erfolgreichen Kommunikation und schlussendlich zu einer Bereicherung für die menschliche Gesellschaft – oder hat man Angst vor einem derartigen Zusammentreffen und empÀndet es als Bedrohung?

Aus Forschungssicht empÀnden wir so ziemlich alles, was handelt es sich bei einem solchen Kontakt um eine Art ›Wild Card-Ereignis‹, dessen Eintreten in der Fachwelt zwar als unwahrscheinlich gilt – im Falle des Falles jedoch extrem starke Auswirkungen auf die Entwicklung der gesamten Menschheit zeitigen dürfte.« Aus diesem Grund hat der Soziologe zusammen mit anderen namhaften Denkern das »Forschungsnetzwerk Extraterrestrische Intelligenz« ins Leben gerufen, das sich mit der Möglichkeit ausserirdischer Präsenzen, denkbaren Kommunikationsoptionen und den kulturellen Folgen verschiedener Kontaktszenarien auseinandersetzt.

Ausserirdische Relikte auf dem Mond?

Zu dessen aktiven Mitstreitern zählt unter anderem der Diplomingenieur Axel H. Kopsch, langjähriger leitender Mitarbeiter der Europäischen Raumfahrtagentur ESA: »Seit den 1960er-Jahren verfolge ich Debatten um die Frage, ob die Erde Besuch von Ausserirdischen gehabt haben könnte, mit nüchternem raumfahrttechnischen Hintergrund«, räumt er offen ein. »Ich halte die Existenz ausserirdischen Lebens sowie ausserirdischer Artefakte sowohl auf der Erde als auch im erdnahen Weltraum, dem Mond oder unserem Sonnensystem für möglich und wäre nicht überrascht, wenn sich bald entsprechende Beweise dafür fänden.« Kopschs Kollege, der Berliner Physik-Professor Dieter B.

Herrmann, bläst ins gleiche Horn, wenn er hinsichtlich eines direkten Kontakts anmerkt: »Ein weltweiter kollektiver Schock wäre wohl die unausweichliche Folge!« Professor Schetsche wiederum macht gegenüber Journalisten kein Hehl daraus, dass auch ihm ein Erstkontakt in der heutigen Zeit mehr Kummer als Freude bereiten würde. Er skizziert drei mögliche Szenarien: »Harmlos wäre, wenn es sich um ein Signal aus 10’000 Lichtjahren Entfernung handelt. Die Religionen würde das beeinÁussen, für den Alltag aber wäre es irrelevant. Denn das Signal ist dann ja auch 10’000 Jahre alt, wer weiss, ob es die Zivilisation noch gibt. Da wird es nie einen Dialog geben, nur Monologe.« Brisanter wäre es für ihn, »wenn im Asteroidengürtel eine fremde Sonde auftauchen würde. Das würde sowohl auf die Wissenschaft als auch auf die Politik Auswirkungen haben.« Dann stellten sich Fragen wie: »Was ist Demokratie noch wert, wenn es eine Zivilisation gibt, die uns weit überlegen ist?« Wahrlich riskant würde es gemäss Schetsche beim »Auftauchen einer Spezies direkt im Sonnensystem in der Nähe der Erde«: »Dann gibt es Entdecker – und Entdeckte. Also uns! Eine technisch hochentwickelte Zivilisation, die auf eine weitaus primitivere trifft.

Vermutlich wird auf der Erde nichts mehr so sein, wie es mal war.

unbekannt ist, anfänglich als Bedrohung. Kontakt mit dem Fremden ist immer mit Stress verbunden. Dies führt zu einer stärkeren Abgrenzung zur Fremdgruppe, seien es nun Aliens aus dem Weltall oder andere Menschenarten – aber auch zu einer stärkeren Identitätsstiftung innerhalb der eigenen Gruppe, die Aussenstehende als weitaus differenzierter und bedrohlicher betrachtet als sie in Wahrheit vermutlich sind.

Manche fragen sich, ob es nicht hilfreich wäre, eine neue, globale Identität zu bilden. Wenn sich etwa die einzelnen Länder Europas einander zugehöriger fühlen würden, wäre dies einerseits etwas Positives, doch würden sie sich gleichzeitig von den Fremden, die nicht zu dieser Gemeinschaft zählen, noch stärker abgrenzen und diese wohl auch stärker diskriminieren. Will heissen: Wenn plötzlich Aliens auftauchten, könnte es zwar sein, dass die Menschheit einige KonÁikte vergisst, doch könnte sie stattdessen der fremden Gruppe aus dem Weltall umso feindseliger begegnen. Für uns wären derlei Wesen damit plötzlich nicht mehr nur eine hypothetische, sondern eine reale Bedrohung. Das könnte in uns allerlei archaische Instinkte sowie unseren primären Selbsterhaltungstrieb auÁeben lassen.

Ob ich generell an Ausserirdische glaube?

Nun, ich stamme aus einer Generation, die mit ›Star Trek‹ aufgewachsen ist und jede neue TV-Folge mit Wonne aufgesogen und reÁektiert hat. Ich persönlich bin von ihrer Existenz überzeugt. Vielleicht sind wir für sie ja eine Art Experiment und sie beobachten uns. Das wäre eine selbstironische ReÁexion unserer eigenen Entwicklung. Schliesslich experimentieren wir ja auch mit unserer Selbstbestimmung…« Interview: thr. ■ (Petia Genkova, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Hochschule Osnabrück) Was dann passiert, kennen wir aus der Geschichte der Menschheit: Für die weniger entwickelte Zivilisation ist das in aller Regel sehr, sehr schlecht ausgegangen. Gefühlt können die Ankömmlinge also mit uns machen, was sie wollen – auch unseren Planeten in die Luft sprengen.« Käme es zu einem solchen Kontakt, »wird auf der Erde nichts mehr sein, wie es mal war«, warnt der südbadische Forscher. All dies brächte eine enorme »psychische Belastung mit Folgen« mit sich. (Siehe dazu auch sein Statement gegenüber »mysteries« auf Seite 24).

Bleibt die Frage, ob sich ausserirdische Intelligenzen nicht schon längst in unserer Nähe aufhalten – und im Rahmen eines universellen Experiments mit Argusaugen beobachten, wie sich unsere primitiven Kulturen zunehmend entfremden und gegenseitig in die Luft sprengen. Psychologie-Professorin Petia Genkova von der Hochschule Osnabrück jedenfalls hält dies auf Anfrage durchaus für denkbar (Statement oben). Insofern scheint womöglich tatsächlich universale Funkstille angebracht. Um da draussen im Kosmos nicht noch mehr schlafende Geister zu wecken…

Ein leeres Bild mit schwarzer Grenze.
Eine Frau in einem weißen Hemd, die für ein Foto aufstellt.
ein Bild der Erde mit drei Lichtern am Himmel
Ein seltsames aussehendes fremdes Gesicht mit einem Planeten in den Augen.

Ausgabe 2/2017

uns die USA hinters Licht

Wenn unzählige Unschuldige bei einem Flugzeugunglück ihr Leben verlieren, bleibt die Wahrheit oft auf der Strecke. »Das FBI hat mir vier Millionen Dollar angeboten, falls ich lüge«, enthüllte ein der Mittäterschaft bezichtigter Schweizer Unternehmer in der »Lockerbie-Affäre« bereits vor Jahren. Obwohl juristisch nie belangt, kämpft er bis heute mit allen Mitteln um seine internationale Rehabilitation und betont: »Das Beweismaterial gegen Libyen wurde von Amerika zwecks Kriegspropaganda nachweislich manipuliert.« swar einer der schrecklichsten Anschläge des 20.

Jahrhunderts. EKnapp ein halbes Kilo Plastiksprengstoff riss am 21.

Dezember 1988 über 259 Menschen in den Tod.

Und so ranken sich um den Boeing-Absturz über dem schottischen Lockerbie bis heute allerlei Verschwörungstheorien. Kernfrage: Wurde das Massaker absichtlich den Libyern in die Schuhe geschoben?

Ja, betont der über 78-jährige Schweizer Edwin Bollier bis heute. Seit 2007 hält er den Beweis in Händen, dass bei den Ermittlungen zünftig geschummelt wurde – und dass die USA und Grossbritannien dies bis heute mit allen Mitteln zu verschleiern versuchen. Doch kaum ein Jurist, Historiker oder Politiker hat in diesen turbulenten politischen Zeiten Lust und Laune, ihm Gehör zu schenken.

Als der Zürcher Techniker 1969 beschloss, Radiopirat zu werden, ahnte er noch nicht, dass dies der Beginn eines Politthrillers werden würde, dessen Ausgang selbst heute noch nicht absehbar scheint. Zusammen mit seinem Kumpel Erwin Meister hatte Bollier damals ein altes norwegisches Küstenwachschiff und einen 300 Meter langen, ausgedienten Frachter erworben.

Die Männer tauften die beiden Schiffe auf die Namen »Mebo 1« und »Mebo 2«, bauten turmhohe Sendeantennen auf die Decks und richteten Radiostudios ein.

Am 28. Februar 1970 ging die »Mebo 2« vor Holland auf Sendung. Unter dem Namen »Radio Nordsee International« (RNI) räumten die Radiopiraten mit einer bunten Mischung aus Hitparadensongs und Werbespots ordentlich ab. Firmen standen Schlange, um bei ihnen Werbung zu buchen.

Gleichzeitig kam es auf hoher See zu einem scheinbar endlosen Katz-und- Maus-Spiel mit den Behörden, aber auch mit der aggressiven Konkurrenz. Denn fast auf dem gleichen Breitengrad sendete auch der eingesessene Piratensender »Radio Veronica«. Zeitweise bekämpften sich die beiden Konkurrenten mit Entermanövern und regelrechten Seeschlachten.

Als Bolliers RNI seinen Standort vor die englische Küste verlegte, begann die britische Post, den Piratensender zu stören.

Bollier und Co. unterstützten daraufhin die Konservativen im Wahlkampf. Störmanöver, Ankerbrüche und Sturmschäden an der 52 Meter hohen Antenne führten ab 1973 zu immer häuÀgeren Sendeausfällen. Schliesslich verkauften Bollier und Meister ihre Schiffe für fünf Millionen Franken an Libyen. Dort dienten die schwimmenden Radiostationen dem Revolutionsführer Muammar GaddaÀ zu Propagandazwecken. 1984 versenkte die libysche Marine die Boote schliesslich im Golf von Sidra.

Bollier schwamm mit seiner Mebo Ltd. Telecommunications fortan obenauf. Die Firma entwickelte Impulscodierer, Funkgeräte und sonstige elektronische Apparate. Zu ihren Kunden zählten Geheimdienste aus aller Herren Länder. Auch mit dem GaddaÀ-Regime machte man Geschäfte.

»Der libyschen Armee lieferte die Mebo in den 1980er-Jahren insgesamt zwanzig Timer«, bestätigt Bollier im Gespräch mit »mysteries«. Die sanddichten Apparate seien im Grenzkrieg mit dem Tschad eingesetzt worden, um Camps zu sichern, versichert der Schweizer. Falls Libyen seine Stellungen an den Feind verloren hätte, hätte man diese ferngesteuert in die Luft jagen können.

»Unser Timer galt damals nicht als Kriegsmaterial«, betont Bollier, »man hätte auch einen Eierkocher daran anschliessen können.« Nicht im entferntesten hatte er damit gerechnet, dass ihm just diese Timer später fast den Kopf kosten sollten … Die Mebo, so lässt es sich zumindest in verschiedenen Zeitungsartikeln nachlesen, machte damals nicht nur mit Libyen Geschäfte. Sondern auch mit der DDR und der CIA. Sogar von Verbindungen zur IRA und zur ETA ist die Rede. Die »Zeit« behauptete, zum Angebot der Mebo hätten auch ferngesteuerte Bomben in Aktentaschen gehört sowie radiogesteuerte Spreng-Riskante Geschäfte mit den Mächtigsten Vom jungen Radiopiraten zum Hauptverdächtigen im Lockerbie-Drama.

28 Ausgabe 2/2017 Bilder des Grauens. Wrackteile der Boeing 747-121, die am 21. Dezember 1988 über dem schottischen Dorf Lockerbie explodierte und insgesamt 270 Menschen in den Tod riss.

mischen Pilgern durch ein Kriegsschiff der USA im Jahr 1988 interpretiert.

Es werde»Blut vom Himmel regnen«, hatte Ajatollah Khomeini damals gedroht. Doch daran wollte sich Anfang der 1990er- Jahre plötzlich niemand mehr erinnern.

Inzwischen hatte der Irak nämlich Kuwait überfallen, und die USA bemühten sich, den Iran in die Koalition gegen Saddam Hussein einzubinden.

Genau in jener Phase konzentrierten sich die Ermittlungen im Fall Lockerbie plötzlich auf Libyen – ganz so, als habe man einen anderen»Schurkenstaat« als den Iran gebraucht und in Libyen den idealen Vertreter gefunden, auf den sich der Verdacht lenken liess.

Tatsächlich lagen die USA und Grossbritannien damals im Clinch mit Revolutionsführer GaddaÀ. Und so waren die Schuldigen rasch gefunden: Am 13. November 1991 erliessen die beiden Länder Haftbefehle gegen zwei hochrangige Agenten des libyschen Geheimdienstes: Abdel Basit Ali al-Megrahi und Lamen Chalif Fahima. Ihnen wurde vorgeworfen, die Semtex-H- Bombe in einem Koffer versteckt und in Malta als Fluggepäck aufgegeben zu haben, worauf diese in Frankfurt in die Unglücksmaschine umgeladen worden sei.

Zentrale Beweisstücke bildeten die Reste eines Timers, die nach Polizeiangaben unter den Trümmern gefunden worden kapseln in Pagern. Der »Spiegel« wiederum lästerte, Bollier sei»ein Diener vieler Herren, weder einem Land noch einer Überzeugung verpÁichtet«.

Den Schweizer, der von der Stasi ohne sein Wissen als Mitarbeiter geführt wurde, lassen derlei Vorwürfe kalt. Er verweist auf seinen Strafregisterauszug, der »absolut sauber« sei, räumt aber ein, dass Libyen und die DDR »lange Zeit unsere besten Kunden waren«. Bis es beim schottischen Dorf Lockerbie knallte: Am 21.

Dezember 1988 explodierte dort eine Boeing der US-Fluggesellschaft Pan Am. Alle 259 Menschen an Bord kamen um. Dazu weitere elf Personen, auf deren Häuser die Maschine stürzte.

Die Explosion verteilte die Flugzeugteile auf rund 2000 Quadratkilometern. Über 10’000 Trümmerteile wurden gezählt. Zu den dreijährigen Ermittlungen trugen auch die CIA und der britische Geheimdienst bei. 14’000 Zeugen in 50 Ländern wurden verhört, über 100’000 Beweisstücke unter die Lupe genommen.

Anfänglich vermutete man die Drahtzieher des Attentats in Teheran.

Der Anschlag wurde als Vergeltung für den versehentlichen Abschuss einer Passagiermaschine aus dem Iran mit musli- Bauernopfer in einem abgekarteten Spiel. Der 2012 verstorbene libysche Geheimdienstoffizier Abdel Basit Ali al-Megrahi (Mitte).

Ausgabe 2/2017 waren. Zündvorrichtungen dieses Typs seien von Bolliers Firma Eines der wichtigsten Beweisstücke stellten die Teile der Me-Mebo an Libyen geliefert worden, behaupteten die Ermittler.

bo-Zeitschaltuhr dar. Doch Bollier versuchte die Richter vergeb- Die Konsequenzen waren drastisch: Libyen, das sich im Golflich zu überzeugen, dass die Schalterteile nicht aus jenen Liekrieg auf die Seite des Irak gestellt hatte, wurde für den Lockerferungen stammen konnten, die er einst nach Libyen geschickt bie-Anschlag politisch in die Verantwortung genommen. 1992 hatte. »Die Wahrheit über das Verbrechen scheint sich immer verhängte die UNO ein Luftverkehrs- und Handelsembargo. Jahreweiter zu verÁüchtigen, je länger der Prozess dauert«, stellte die lang blieb der nordafrikanische Staat isoliert. Erst Ende der»Zeit« damals fest.

1990er-Jahre gab die libysche Führung dem internationalen Es kam, wie es kommen musste: Fahima erhielt zwar einen Druck nach. Sie übernahm zwar nicht die Verantwortung für das Freispruch, doch Megrahi wurde am 31. Januar 2001 zu einer Attentat, aber für allfällige kriminelle Handlungen ihrer staatlimindestens 27 Jahre langen Haftstrafe verurteilt. Die Regierunchen Bediensteten. Im April 1999 lieferte man die beiden Angen Grossbritanniens und der USA feierten den Schuldspruch geklagten an die schottische Justiz aus. Bedingung dafür war, als »grossen Etappensieg im globalen Antiterrorkrieg« und klopfdass der Prozess auf neutralem Boden ten sich gegenseitig auf die Schultern.

stattÀnden würde. Man einigte sich auf Bollier hingegen schäumte:»Die Verur-Die Verurteilung von einen ehemaligen Stützpunkt der US Air teilung von Megrahi war eine im Voraus Force in Holland.

gefällte politische Entscheidung gegen Megrahi war ein»Durch die bereits in Libyen durchgedas GaddaÀ-Regime«, ärgert sich er sich abgekartetes Spiel.

führte Untersuchung und das Gerichtsrückblickend.

»Mit Gerechtigkeit hatte verfahren gegen Fahima und Megrahi das nichts zu tun!« waren sich die Angeklagten und der Staat Libyen absolut sicher, Die in Genf domizilierte GaddaÀ-Stiftung GIFCA (GaddaÀ – In im Lockerbie-Fall einen Freispruch zu bekommen«, erinnert sich ternational Foundation for Charity Associations) erklärte sich in Edwin Bollier. Tatsächlich schienen die Libyer gute Karten zu hader Folge bereit, die Familien der Opfer von Lockerbie mit insge ben. Der ursprünglich für den Prozess vorgesehene Richter liess samt 2,7 Milliarden Dollar zu entschädigen – 10 Millionen Dollar sich suspendieren, weil ihm die Anklage zu dünn erschien.

pro Todesopfer.

Dazu übernahm sie auch noch die Forderungen Das Lockerbie-Drama ruinierte sein Leben. Bis heute kämpft Edwin Bollier darum, dass die Wahrheit ans Licht kommt. (Foto: Keystone) 30 Ausgabe 2/2017

Ein Flugzeug fliegt durch einen bewölkten Himmel.
Ein Flugzeug, das durch einen bewölkten Himmel fliegt.
Ein blauer Himmel mit Wolken.
Ein Flugzeug, das in der Mitte eines Feldes ist.
nicht beantworten
Ein blauer Himmel mit Wolken.
Ein blauer Himmel mit Wolken.
Ein Mann in Uniform, der vor einem Flugzeug vorbeigeht, das im Boden ist.
Drei Männer in Uniform stehen zusammen in einem Raum.
Ein schwarz-weißes Bild eines Balls.
Ein schwarz-weißes Bild von Rauch auf einem weißen Hintergrund.
Ein schwarz-weißes Bild eines Spiegels.
Ein Mann in Anzug und Krawatte steht vor einem roten Telefon.
S_26-34_Lockerbie_mysteries0217_RZ.indd 30 20.02.2017 15:41:53
Ein Bild eines blau-weißen abstrakten Gemäldes.
Ein Bild von einem weißen Hintergrund mit schwarzem Rauch.
Ein Bild von elektrischen Teilen.

Mit dem neuen Berliner »Willy Brandt«-Flughafen wird es auch dieses Jahr nichts, trotz anderslautenden Versprechen. Laut aktuellen Meldungen verzögert sich die Eröffnung bis mindestens 2018 – nach unzähligen Verschiebungen seit 2011. Die unrühmliche Fortsetzung einer unheimlichen Pannenserie. So viel Pech lässt Ungutes ahnen. Umso mehr, als am Standort des neuen deutschen Verkehrsknotenpunktes bereits im Mittelalter vieles nicht mit rechten Dingen zugegangen zu sein scheint.

»Auf dem Gelände des SkandalÁughafens BER International wimmelt es geradezu von Untoten«, konstatieren die Archäologen Angelika Franz und David Nösler in ihrem neuen Buch »Geköpft und gepfählt«. Denn, wo in den nächsten Jahren Flugzeuge aus aller Welt landen sollen, existierte seit dem Mittelalter ein Ort namens Diepensee (»Dypensey«). Das Dörfchen wurde für die neue Verkehrsdrehscheibe komplett plattgemacht, die Bevölkerung umgesiedelt.

Bei den Abriss- und Grabungsarbeiten stiessen Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesamts für DenkmalpÁege auf Unheimliches: Vampirgräber aus dem 13. und 14. Jahrhundert!»Die Archäologen fanden 422 Tote – und 25 davon, also fast sechs Prozent, standen unter dem dringenden Verdacht, nicht für wirklich tot gehalten worden zu sein«, berichten Franz und Nösler.

Eine solch hohe Anzahl von vermeintlich Untoten sei ungewöhnlich.

Bereits die Entdeckung des Gräberfeldes war eine Überraschung, denn bis dahin war nicht einmal bekannt gewesen, dass in Diepensee einst eine Kirche mit Friedhof gestanden hatte. Es gibt keine Chroniken oder andere Quellen, die ein Gotteshaus erwähnen, und auch der moderne Ort Diepensee besass keine alte Kirche.

ber mit 422 Individuen erfasst« worden, so die Anthropologin Bettina Jungklaus, welche die Forschungsarbeiten von 2004 bis 2006 begleitet und dokumentiert hat. 29 Gräber wichen dabei »bezüglich der Lage der Toten oder bestimmter Massnahmen und Handlungen, die am Leichnam durchgeführt wurden, von der üblichen Bestattungspraxis ab«.

Makabere Sonderbestattungen Die damaligen Einwohner schienen bei einigen der Leichen absolut sichergehen zu wollen, dass die Verstorbenen nicht aus ihren Gräbern zurückkehren.

»Die Dorfbewohner hatten sich grosse Mühe gegeben, diese Toten auf ewig ans Grab zu binden: sie mit grossen Steinen beschwert oder auf den Bauch gedreht, die Beine abgeschlagen und zusätzlich noch mit einem verkohlten Holzbrett bedeckt, in einem Fall sogar nachträglich den Kopf abgehackt«, beschreiben es Franz und Nösler.

Europäische Archäologen stossen bei mittelalterlichen Gottesäckern immer wieder auf ähnlich Toter mit Felsbrocken auf dem Schädel: Einer von etlichen makabren Funden unter dem Flughafen. (Fotos: BLDAM) Insgesamt seien damals »418 Gräschauerlich Bestattete. Es handelt sich um so genannte Bannriten im Kampf gegen Untote. »Derartige Verstümmelungen und auch das Beschweren der Verstorbenen mit Steinen resultieren aus dem Aberglauben an Wiedergänger und Vampire«, erklärt das Brandenburgische Landesamt für DenkmalpÁege, welches die Ausgrabungen am neuen Berliner Flughafen geleitet hat. Die schweren Grabbeigaben sollten eine Rückkehr der Gefürchteten in die Welt der Lebenden verhindern.

Wiedergänger und Nachzehrer Der mittelalterliche Glaube an Wiedergänger habe stets zwei Wurzeln gehabt, erläutern die Geschichtsforscher weiter. Einerseits Angst vor plötzlich oder unheilvoll Verstorbenen, andererseits »den Schrecken, den jeder unnatürliche Tod hervorruft«.

Bei einigen der Untoten in Diepensee konnten die Ausgräber zudem nachweisen, dass jene Menschen zeitlebens durch Behinderungen oder Verstümmelungen beeinträchtigt gewesen sein müssen. Einer der Verstorbenen hatte ein steifes Bein, eine Frau einen »Stummelarm«, ein weiteres weibliches Skelett auffällige Deformationen am Kopf. Vermutlich waren sie bereits zu Lebzeiten Ausgestossene – und wurden als solche auch unter die Erde gebracht.

Dreien der Verstorbenen in den Gräbern unter dem neuen Flughafengelände wurden vor der Beerdigung zudem Steine in den Mund gestopft. Dies deute auf die Abwehr einer ganz»speziellen Klasse der Wiedergänger hin, den so genannten Nachzehrer«, weiss Archäologin Jungklaus zu berichten. In der Volksüberlieferung gelte ein solcher »in seiner Gier nach Leben als besonders bösartig«: »Er verzehrt seine Kleider und Glieder, weshalb bei der Bestattung nichts an den Mund des Verstorbenen geraten darf. Denn sind diese aufgezehrt, saugt er auf geheimnisvolle Weise per Fernzauber den Lebenden die Lebenskraft aus und holt sie ins Grab nach.« Um eben dies zu verhindern »verbarrikadierten« die mittelalterlichen Menschen gefürchteten Toten den Mund mit Steinen oder Metallteilen.

Warum allerdings ausgerechnet im alten Diepensee auffallend viele »Untote« begraben wurden, können die Wissenschaftler nicht beantworten. Die Spuren zeugten zumindest von einem »ausgeprägten Aberglauben« im Dorf, heisst es in aktuellen Fachberichten vorsichtig. Doch vielleicht hatte jener Ort schlicht schon immer ungewöhnlich viel Unbill zu ertragen.

VerÁucht – bis heute?

Jan Fischer ■

Ein Stein im Sand mit einer weißen Substanz.
Ein Bild einer Landebahn mit einem Gebäude im Hintergrund.
Ein Bild einer Gruppe von Steinen im Schmutz.

Als sich »mysteries«-Reporter Reinhard Habeck auf Spurensuche nach Fatima begab, erlebte er sein eigenes Wunder – dank eines struppigen Gefährten. Der unverhofft aufgetauchte Vierbeiner erschien ihm und seiner Partnerin auf dem Pilgerpfad wie ein Geschenk des Himmels.

Die Wunder von Fatima locken jährlich Millionen von Pilgern ins Zentrum Portugals. Im Mai konnten wir uns vor einigen Jahren ebenfalls von der Anziehungskraft des katholischen Wallfahrtsortes überzeugen. Wir betraten die Erscheinungskapelle mit der Marienstatue, wo 1917 fünf von sechs Erscheinungen der »weissen Dame im Licht« stattgefunden haben sollen. Wir besichtigten die Basilika mit den Gräbern der drei Hirtenkinder, ebenso die neuzeitliche Dreifaltigkeits-Kirche und marschierten über den grossen Pilgerplatz, wo fromme Christen auf Knien rutschen und dabei den Rosenkranz beten.

Ein Erlebnis bleibt uns wohl ein Leben lang in Erinnerung: Die Tour zu wundersamen Schauplätzen ausserhalb des heiligen Bezirks. Ohne sachkundige Führung können Gläubige und Touristen Besonderheiten leicht übersehen. Wir aber hatten Glück, denn wir trafen dort den besten einheimischen Guide – und der erschien uns erst noch aus heiterem Himmel.

»Die Freude ist ihm anzumerken« Als wir uns vom Platz der Basilika entfernen und an der Rotunda do Sul eine grüne Oase mit Olivenhainen betreten, springt unvermutet ein struppiger Hund mit schwarzweissem Fell aus dem Dickicht. Er scheint verwahrlost und ohne Herrchen zu sein. Die Freude ist ihm anzumerken – als hätte er im Gebüsch nur darauf gewartet, dass zwei Greenhorns seinen Weg kreuzen.

Tatsächlich sind weit und breit keine Pilger zu erblicken. Also wandern wir auf der »Via Sacra« fortan zu dritt. Einige Meter vor uns gibt der »Fatima-Streuner« Zielrichtung und Tempo vor. Er wedelt fröhlich mit dem Schwanz, blickt sich immer wieder nach uns um. Seiner Körpersprache nach will er uns sagen: »Kommt endlich mit, ihr Schlafmützen, ich habe euch Interessantes zu»Struppi«. Der »Fatima-Hund« erwies sich als treuer Begleiter.

zeigen!« Wir folgen ihm brav. Nach einigen hundert Metern bleibt unser Struppi plötzlich stehen, macht »Sitz« und blickt hinauf zu einem kleinen Tempel mit einer Muttergottes-Statue.

Eine Hinweistafel klärt auf. Besagter Platz nennt sich Valinhos – der Ort, an dem Maria 1917 den drei portugiesischen Seherkindern zum vierten Mal erschienen war. In der Folge lotst uns Struppi zu einem felsigen Hügel, der Loca do Cabeço genannt wird. Hier kriechen wir in einen etwa drei Meter langen Stollen, der in den Fels führt. Ähnlich einem »Erdstall« ist eine Begehung nur in gebückter Haltung möglich. Es riecht nach Hund. Die Woh-Gemäss den Quellen aus Fatima, sollen die Hirtenkinder hier an einem regnerischen Tag Schutz gefunden haben. Als sie wieder ins Freie krochen, bemerkten sie im Osten ein eigenartiges Licht, dass sich ihnen näherte. Als es stillstand, erkannten sie die Gestalt eines Jünglings »weisser als der Schnee und durchsichtig wie Kristall, vom Sonnenstrahl durchÁutet«. So beschrieb Augenzeugin Lucia das überirdische Wesen.

Die Lichtgestalt sprach zu den Kindern: »Fürchtet euch nicht, ich bin der Engel des Friedens.« Er forderte zum Gebet auf und löste sich danach in Luft auf. Das war im Frühjahr 1917. Die Ausgabe 2/2017 13 nung von Struppi?

Stets eine Pfotenlänge voraus. »Einem Profi-Guide gleich lotste uns der Vierbeiner von einer Attraktion zur nächsten.« Gemeinsames Nickerchen. Ebenso wie sein vierbeiniger Begleiter legte der Autor vor einer Statuengruppe eine kurze Pause ein.

erste unheimliche Begegnung. Die dritte folgte ebenfalls an dieseiner Schnauze jedes einzelne liebevoll »küsst«. Danach folgen sem Ort im Herbst desselben Jahres, noch bevor die eigentliche wir dem Vierbeiner in den Garten der Familie Santos zu einem»Kontakt-Serie« mit der Muttergottes begann.

Brunnen. Laut Fatima-Chronik jener Platz, wo im Sommer 1917 Nicht weit von dem »Steinloch« entfernt, erinnert eine lebensder »Friedensengel« das zweite Mal den Kindern erschienen war.

grosse Statuengruppe aus Marmor an das übersinnliche Rendezvous. Davor liegt ein Felsbrocken mit einer Mulde, die exakt die Aufruhr am Souvenirstand Körpergrösse von Struppi hat. Unser vierbeiniger Guide legt sich Inzwischen bricht die Dämmerung herein. Wir werden Zeugen eiermattet hinein. Zum Gebet, zur Meditation? Wir wissen es nicht, nes aussergewöhnlichen Sonnenuntergangs. Wolken bedecken tun es ihm gleich und legen uns zu ihm auf die Felsen.

teilweise das Zentralgestirn, so dass nur ein leuchtender Diskus Nach wenigen Minuten springt Struppi wieder auf, und wir am Horizont zu sehen ist. Begleitet von Struppi und unserem schlendern weiter zum Geburtshaus der persönlichen Sonnenwunder spazieren Geschwister Jacinta und Francisco Marto.

wir zurück Richtung Pilgerzentrum und Liebend gerne hätten wir Ein paar Schritte weiter, und wir stehen Basilika.

vor dem Haus der Familie Santos, wo Lu-Als wir bei einem Souvenirstand mit die findige Spürnase nach cia geboren wurde. In den 1940er-Jahren Fatima-Devotionalien vorbeikommen, wird Hause mitgenommen…

schrieb sie die drei Botschaften von Faties brenzlig. Struppi hebt elegant sein Hinma nieder, welche die Gottesmutter den terbeinchen und verrichtet sein Geschäft.

Kindern übermittelt hatte.

Was für ein Sakrileg! Fromme Andachtsbildchen werden vor aller Als wir vor der »Casa de Lúcia dos Santos« verweilen, beob- Augen unheilig besudelt. Struppi stolziert weiter als wäre nichts achten wir ein erstaunliches Liebesritual. Hinter dem Haus steht gewesen. Der Händler Áucht fuchsteufelswild. Er ballt die Fäuste ein kleiner gemauerter Stall, der von vier Schafen bewohnt wird.

und will wissen, ob das unser »Köter« sei. Wir schütteln schein- Struppi springt Áink auf die Mauer und äugt hinunter zu den Lämheilig die Köpfe. Sicherheitshalber erhöhen wir alle drei unser mern. Diese strecken ihm ihre Häupter entgegen, worauf er mit Schritttempo.

Als wir den grossen Platz vor der Basilika erreichen und der Abschied von unserem tierischen Freund bevorsteht, wird es Ein Kuss für jedes Schaf.

noch einmal wunderlich. Struppi macht keine Anstalten sich von Tierisches Begrüssungszeuns verabschieden zu wollen. Im heiligen Bezirk, der zwei Mal so remonial im kleinen Stall.

gross ist wie der Petersplatz in Rom, ist der Aufenthalt von Vierbeinern strengstens untersagt. Struppi ist das einerlei. Er wähnt sich offenbar sicher. Uns etliche Meter voraus, stolziert er wie ein Hollywoodstar alleine und würdevoll über den grossen Platz vor der Basilika. Vor dem Herzstück Fatimas, der berühmten Erscheinungskapelle, folgt ein Abschied mit Wehmut.

Heilige Maria Muttergottes, wie liebend gerne hätten wir den himmlischen Vierbeiner, die Àndigste Spürnase Portugals, nach Hause mitgenommen. Die Vernunft sprach leider dagegen. Eines aber hat unser PilgerausÁug bestätigt: »Der Hund ist der sechste Sinn des Menschen.« (Christian Friedrich Hebbel) Reinhard Habeck/Elvira Schwarz ■

Ein Hund, der auf einem Steinweg im Park läuft.
nicht beantworten
Ein schwarz-weißer Hund sitzt an einer Steinwand.
Ein rosa-weißer Hintergrund mit viel Licht, das aus ihm springt.
Ein Bild eines bewölkten Himmels mit der Sonne, die durch ihn scheint.
Ein schwarz-weißer Hund, der auf einem Felsen sitzt.
Ein schwarz-weißes Bild eines schwarz-grauen Textes.
Ein rosa-weißer Hintergrund mit viel Licht.
Ein Bild eines bewölkten Himmels mit der Sonne, die durch ihn scheint.
Ein Hund leckt den Kopf eines anderen Hundes auf eine Steinwand.
Ein Mann liegt neben einem Hund auf einem Felsen.
Ein schwarz-weißes Bild einer Tastatur.

nWussten Sie, dass ein Brigadegeneral der Schweizer Luftwaffe an einem vertraulichen Treffen bereits 1996 vor außerirdischen Flugkörpern warnte – und dies sogar vor ranghohen europäischen Militärvertretern? Wussten Sie, dass ein Ex-Chef der militärischen Luftraumüberwachung vom Saulus zum Paulus mutierte, als er Zeuge eines UFO-Vorfalls wurde – dies aber um keinen Preis öffentlich machen wollte? Warum drohte ein namhafter Armeevertreter dem Verfasser dieses Buches mit rechtlichen Schritten? Und wieso hält man bis heute einen Film unter Verschluss, in dem Erich von Däniken in offizieller Fliegerkluft aus der Kanzel eines eidgenössischen Kampfjets über Götter aus dem Weltall referiert?

Jahrelang trug ein Mitarbeiter der Schweizer Luftwaffe heimlich Beweise für das UFO-Phänomen zusammen. Im Hochsicherheitstrakt der militärischen Einsatzzentrale sammelte der Whistleblower uneigennützig vertrauliche Informationen zum Thema, um sie im Interesse der Forschung der Nachwelt zu erhalten – bis ihm seine Chefs und die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machten. Dieses Dossier präsentiert sein explosives Vermächtnis. Unzensiert, ohne Rücksicht auf militärische Geheimnisse.

Über 140 Original-Dokumente und Radarakten untermauern, was nie publik werden sollte: Auch über dem Alpenland tummeln sich unidentifizierbare Eindringlinge! Rätselhafte Flugobjekte, die sich allen Erklärungsversuchen entziehen und sich mit Geschwindigkeiten jenseits unserer Vorstellungskraft fortbewegen. Außerirdische? Zeitreisende? Geheimprojekte einer fremden Macht?

Kürzlich entdeckte militärische UFO-Akten aus dem Bundesarchiv untermauern ergänzend, was öffentlich immer wieder abgestritten wurde: Jahrzehntelang beschäftigte der Nachrichtendienst der Schweizer Luftwaffe heimlich UFO-Sachbearbeiter, ließ sogar als vertraulich klassifizierte Meldeformulare für Piloten und Beamte in allen drei Amtssprachen erstellen. Namhafte Militärvertreter wussten davon und hielten gehorsam dicht.

Erfahren Sie, w ie eine ganze Kom panie eidgenössischer Soldaten am helllichten Tag Zeuge eines UFO-Schauspiels wurde. Oder wie KampfÀugzeuge »von Geisterhand« über enorme Distanzen katapultiert wurden. Selbst mobile Lenkw affensy stem e erfassen auf freiem Feld im m er w ieder Him m elsphantom e. Beunruhigendes Fazit: Irgendw er oder irgendw as gefährdet seit Jahrzehnten die Sicherheit im Luc Bürgin: Geheimdossier UFOs Schweizer Luftraum – doch die zuständigen Behörden halten gebunden • 224 Seiten • zahlreiche Abbildungen sich Augen, Ohren und Mund zu.

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Ein Blick auf eine in Wolken bedeckte Bergkette.
Ein Bild eines Bergketten mit einem Sonnenuntergang im Hintergrund.
ein verschwommenes Bild von einem schwarz-weißen Hintergrund
Ein helles Licht scheint durch die Wolken am Himmel.
Ein weißer Kreis auf schwarzem Hintergrund.
ein schwarz-weißes Bild einer Hand im Dunkeln
nicht beantworten
Ein schwarz-weißes Bild einer Reihe von Regalen.
Ein großer Bildschirm mit einer deutschen Botschaft darauf.
Ein leeres Bild auf einem schwarzen Hintergrund.
Ein Plakat eines Kampfflugzeugs, das über einen Berg fliegt.
ein schwarz-weißes Foto eines schwarzen Lochs
Ein schwarz-weißes Foto einer Felsformation.
Ein Mann in Anzug und Krawatte, der einen Daumen hochschüttet.
Ein Mann, der einen Daumen nach oben zeigt, mit einem schwarzen Hintergrund.

Kennen Sie Hergé (1907–1983), den Zeichner von Tim und Struppi (»Tintin«)? Kaum einer weiss, dass der visionäre belgische Illustrator ein bestens informierter Mystery-Fan war. Ob Yetis, UFOs oder Götter aus dem All: Der Mann war seiner Zeit voraus. Er liess sich von parawissenschaftlichen Forschern wie dem »französischen Däniken« Robert Charroux oder von Querdenker Jacques Bergier inspirieren und beraten. Auch Kryptozoologe Bernard Heuvelmans gehörte zu Hergés engstem Freundeskreis. Steckt in seinen Verschwörungsabenteuern mehr Wahrheit als mancher ahnt?

eorges Prosper Remi alias Hergé kam 1907 in der Nähe von Brüssel auf die Welt. Er wuchs in kleinbürgerlichen GVerhältnissen auf. Seine Eltern erzogen ihn erzkonservativ und streng katholisch. Eine Gesinnung, die ihn zeitlebens begleiten sollte. So betonte der Künstler in Interviews gerne, er sei an sich wenig politisch interessiert, aber am ehesten noch ein Konservativer.

Obwohl er in den Wirren des Ersten Weltkriegs aufwuchs, im Zuge dessen auch sein Heimatort Brüssel von den Deutschen besetzt wurde, bezeichnete Remi seine Kindheit rückblickend als »ereignislos«, »grau« und »unbedeutend«. Erst mit dem Beitritt zu den PfadÀndern sei etwas Farbe und Spannung reingekommen. Dort und in der Schule begann der Heranwachsende mit dem Zeichnen. Bereits als Jugendlicher illustrierte er die in Belgien erscheinende PfadÀnderzeitung. Über seine dortige Aktivität und in verschiedenen weiteren katholischen Jugendorganisationen kam der junge Mann schliesslich zur rechtsbürgerlichen Tageszeitung »Le XXe Siècle«. Ab 1928 leitete und gestaltete Hergé die Jugendbeilage des Blattes, »Le Petit Vingtième«. Hier erschienen ab 1929 die ersten »Tim und Struppi«- Folgen. Anfänglich noch eher ungelenk skizziert, ausnahmslos in Schwarzweiss.

1940, im Zweiten Weltkrieg und unter Nazi-Besatzung, wurde »Le XXe Siècle« eingestellt. Remi wechselte zum belgischen Printorgan »Le Soir« und liess seine Comics vorübergehend dort publizieren. Dieses Engagement brachte ihm später viel Kritik ein, da die Zeitung mit den Nationalsozialisten kooperierte, welche sie als Sprachrohr nutzten. Hergé musste sich deshalb zeitlebens mit dem Vorwurf auseinandersetzen, damals politisch zu weit rechts verhaftet gewesen zu sein.

54 Ausgabe 2/2017 für das Geheimnisvolle und Überirdische durch die Serie: Mysteriöse Kristallkugeln, afrikanische Leopardenmenschen, Sonnentore, Kugelblitze, der Fluch des Tutenchamuns, vorzeitliche Artefakte oder vergessene Kulturen – die Welt des Unerklärlichen war auch die Welt von Tim und Struppi.

»Verschwörungsabenteuer«, nennt deshalb der renommierte Kulturwissenschaftler Georg Seesslen in seinem Buch »Tintin, und wie er die Welt sah« die Geschichten aus der Feder Hergés. Die Comics seien voller »Fingerzeige, Vorahnungen und Beweise eines übermenschlichen Wirkens in der Welt«: »Was die Cha-Ausgabe 2/2017 55 Aller Widrigkeiten zum Trotz entwickelten sich Tim und Struppi schnell zum Publikumsmagneten. »Der Erfolg stellte sich beinahe unmittelbar ein«, konstatiert der führende »Tintinologe« Michael Farr in seinem Buch»Auf den Spuren von Tim und Struppi«. »Donnerstags, wenn Tim und Struppi erschienen, verdoppelte sich die verkaufte AuÁage der Tageszeitung. Bald verdreifachte, schliesslich vervierfachte sie sich sogar!« 1946 erschien erstmals das Magazin »Tintin«, publiziert von einem früheren Résistance-Kämpfer.

Wie ein roter Faden zieht sich Hergés Interesse und Offenheit raktere stets von neuem erfahren müssen, ist, dass es Kräfte gibt, die mächtiger sind als sie selbst.« Immer wieder liess der Zeichner Mystery-Forscher in seine Comics einÁiessen. So etwa den 1925 am Oberlauf des Rio Gran de verschollenen britischen Abenteurer Percy Fawcett (1867– 1925), der im brasilianischen Regenwald jahrelang nach der legendären Indio-Stadt »Z« gesucht hatte. Bis heute halten sich Gerüchte, wonach Fawcett überlebt haben soll. Und so begegnet Tim in Hergés Dschungel (»Arumbaya Fetisch«, 1937/1943) denn auch einem ergrauten langhaarigen Ethnologen namens Ridgewell – eine Hommage an Fawcett. Nur eine von vielen Reminiszenzen, die auch Hergé-Fan und Starregisseur Steven Spielberg später in seine Indiana-Jones-Filme einbauen sollte.

Indy ohne Hergé? Undenkbar!

Vom Nessie bis zum Yeti im Tibet Bei aller Faszination für das Übersinnliche blieb Hergé ein sehr nüchterner Mensch, der spätestens ab der Nachkriegszeit penibel darauf bedacht war, dass seine Comics stets in der Realität verankert und detailgetreu waren. Bei Remi handelte es sich dabei weitgehend um einen »Schreibtischtäter«, der nur selten an die Orte seiner Geschichten reiste. Umso akribischer recherchierte er in Büchern und Zeitschriften.

Fasziniert von geheimnisvollen Phänomenen aller Art: Meister-Ob Prospekte, Notizen, Forschungsarbeiten, Fotos, Postkarzeichner Georges Prosper Remi alias Hergé (1907–1983).

ten oder Illustrierte – der Zeichner hob alles auf, von dem er annahm, dass es ihm später mal nutzen könnte. Er sei »ein schen angezogen – etwa von der Kryptozoologie und deren geborener Archivar gewesen«, bestätigt sein Biograf Farr: »Fast Suche nach vergessenen Lebensformen. So verfolgte er bereits zwanghaft« schnitt Hergé demnach »Unmengen von Materialien in den frühen 1930er-Jahren die Berichterstattung über das aus, sammelte und sortierte sie«. Nahezu alles, was er in seinen vermeintliche schottische Seemonster Nessie. »Hergé war fas- Zeichnungen darstellte, hatte denn auch ein reales Vorbild. Seiziniert davon – wie später auch vom Yeti, der genauso wenig en es die Autos und Flugzeuge, die Tim nutzte oder die Gebäude greifbar war – und sammelte so ziemlich alles, was er zum Theund Landschaften, die der junge Reporter aufsuchte.

ma Ànden konnte«, konstatiert Farr, der ihn mehrfach persönlich Hergé war beim Zusammentragen äusserst vielseitig. Einergetroffen hatte.

seits informierte er sich stets über Wissenschaft und Technik, Nessie Áoss bereits in den Band »Die Schwarze Insel« (1937) andererseits fühlte er sich auch vom Mysteriösen und Mystiein. Den Yeti liess Hergé 1959 auftauchen – in »Tim in Tibet«, einem seiner persönlichsten Bände: »Ich litt an einer Depression und suchte einen Psychoanalysten auf. ›Tim in Tibet‹ ist während dieser Krise entstanden.« Wie der Yeti sei er damals ein verzweifelt Suchender gewesen, offenbarte das Genie 1989 dem Autor Numa Sadoul (»Entretien avec Hergé«). So habe er damals gerade seine Ehefrau verlassen und sei zu seiner langjährigen Geliebten gezogen.»›Tim im Tibet‹ widerspiegelt diese moralische Krise.« Auch die monotone Schneewüste, durch die sich die Protagonisten kämpften, sei sinnbildlich zu verstehen. So habe er in jener Zeit »ständig völlig in Weiss getauchte Träume gehabt«.

»In dieser an autobiograÀschen Zitaten reichen Erzählung brachte Hergé zwei weitere seiner Leidenschaften zum Ausdruck, die er mit seiner neuen Partnerin Das Original und seine Kopie. Links Professor Bienlein – rechts der Schweizer Physiker und Erfinder Auguste Piccard (1884–1962), der Hergé als Vorlage gedient hatte.

teilte: übersinnliche Wahrnehmung und 56 Ausgabe 2/2017 Von der Fiktion zur Wirklichkeit: Moderne Haifisch-Tauchboote des US-Herstellers Seabreacher, wie sie Hergé bereits 1943 in ähnlicher Form zu Papier gebracht hatte. Als Inspiration diente ihm dabei unter anderem ein Presseausschnitt über ein ähnlich geartetes deutsches »Mini Sub«.

Hergé und die Elektro-Autos Auch ausserhalb seiner Comics bewies Hergé visionäres Talent. So sah er bereits in den 1980er-Jahren den Siegeszug des Elektroautos voraus, als er in einem Interview sagte: »Die Verschmutzung von Luft und Wasser, die Zerstörung der Umwelt, das sind schreckliche Dinge. Aber das wird sich ändern, davon bin ich überzeugt. In den USA, in Schweden, überall wird nach Lösungen gesucht.

Die Autos beispielsweise werden elektrisch betrieben werden, virtuell gibt es sie bereits, die Hersteller haben konkrete Pläne. Aber solange genug Erdöl vorhanden ist… Stellen Sie sich nur mal vor, Sie sind Besitzer solcher Quellen, verdienen unglaubliche Summen und werden plötzlich durch Elektrofahrzeuge bedroht!« Ausgabe 2/2017 57 den Mystizismus des tibetanischen Buddhismus«, analysiert Experte Farr. Besonders deutlich wird dies in der Darstellung eines schwebenden Mönches, der eine Erleuchtung hat. Tims Erschaffer hielt das Phänomen der Levitation für absolut real. Viele seriöse Autoren hätten das Thema ausgiebig beleuchtet, erläuterte Hergé in den späten Achtzigern bei Gesprächen. Hauptquelle dafür war für ihn die Forscherin Alexandra David-Néel mit ihren Büchern »Bei Mystikern und Zauberern in Tibet« sowie »Der Weg zur Erleuchtung«.

Beraten liess sich der Zeichner bei den Arbeiten für den Tibet-Band auch von einem langjährigen Freund – dem belgischen Mystery-Forscher Bernard Heuvelmans (1916–2001). Dank ihm sei er bestens dokumentiert gewesen, so Hergé. »Ich besass eine Liste aller glaubwürdigen Personen, die behaupteten, den Yeti gesichtet zu haben; ich hatte seine sehr genaue Beschreibung über seinen Lebensraum und seine Gewohnheiten, Fotos seiner Spuren etc.« All dies habe er in den Comic eingearbeitet – inklusive der präzisen Darstellung der Fussabdrücke des Schneemenschen, die sich »von Bären deutlich unterscheiden«, wie er betonte. Er habe es absolut vermeiden wollen,»aus dem Schneemenschen eine unwirkliche Legende zu machen«.

Tintinologe Farr resümierte schmunzelnd, dass der Yeti – sollte er tatsächlich mal auftau- Visionäres Design. Computeranimation der Mond-Rakete, wie sie Hergé bereits anfangs der 1950er-Jahre skizziert hatte.

Schwebender buddhistischer Mönch in »Tim in Tibet« (1959). Copyright: www.carlsen.de chen –»sehr wahrscheinlich dem Bild ähneln wird, das Hergé von ihm gezeichnet hat; so wie auch schon seine ›Reise auf den Mond‹ von visionärer Genauigkeit war«.

Für dieses zweibändige Weltraum-Abenteuer (1953/1954) hatte Hergé ebenfalls eng mit Heuvelmans kooperiert, der in diesem Fall sogar an der Ausarbeitung der Geschichte beteiligt war.

Zudem las er sich begeistert bei führenden Raketenforschern wie Willy Ley und Wernher von Braun in die Thematik ein. Resul tat war ein Comic von »gleichsam prophetischer Genauigkeit«, ist Farr begeistert. »Schon im März 1953, also 16 Jahre bevor US-Astronaut Neil Armstrong seine berühmten Worte sprach: ›Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein grosser Sprung für die Menschheit!‹, konnte Tim verkünden: ›Ich stehe auf dem Mond! Zum ersten Mal macht ein Mensch von der Erde Schritte auf dem Mond!‹« Waren wir nicht die Ersten auf dem Mond?

Neben der szenarischen Genauigkeit fasziniert auch die technische Präzision, mit der Hergé das Jahrhundertereignis Jahre zuvor vorweggenommen hatte: Ob die Innenausstattung der Rakete, die MondoberÁäche, der lunare Rover, die Astronautenanzüge oder die an die legendäre deutsche V2 angelehnte Trägerrakete – auffällig vieles stimmte fast bis ins Detail mit den späteren Bildern aus der Realität überein. Dies notabene in einer Zeit, in der die meisten Weltraumexperten ein derartiges Unternehmen für völlig unmöglich hielten.

Auch die Frage nach ausserirdischem Leben trieb Hergé sein Leben lang um. Er habe sich in seiner Bildergeschichte bewusst

Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
ein schwarzer Hintergrund mit vielen Worten darauf
Ein Karikatur von einem Mann und einem Hund, die vor einem Mond laufen.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
Ein dunkler Textur Hintergrund mit viel Schrift.
ein Pfirsichfarbener Hintergrund mit Linien darauf
nicht beantworten
Ein Mann mit einem Hut und einem grünen Anzug
Ein Mann, der neben einer Festnahme ein Buch liest.
Ein Mann mit einer Kamera um den Hals.
Ein Bild eines braunen Hintergrunds mit schwarzer Grenze.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit schwarzer Kante.
Ein Haiboot ist im Wasser und Wasser spritzt um ihn herum.
Ein schwarzer Rahmen mit einem weißen Quadrat in der Mitte.
Ein Plakat mit einem Hai und einem Fisch darauf
Ein Jetflugzeug, das über einem Wasserkörper schwimmt.
Eine gruselige Puppe steht in einem dunklen Kreis.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit schwarzer Kante.
Ein Karikatur von einem Mann und einem Jungen, die eine Wand hinaufgehen.
ein schwarzer Rahmen mit einem weißen Quadrat in der Mitte
Ein Plakat mit einer Gruppe von Menschen, die einen Berg bestiegen.
Eine große rote und weiße Rakete wird gebaut.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit schwarzer Kante.
Ein dunkles Bild eines Mannes in einem Helm.
Ein Comic-Stick mit einem Mann im Hut, der mit einem anderen Mann spricht.
Ein Plakat eines Autos mit einem Flugzeug, das über ihm fliegt.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.