Wussten Die Us-Geheimdienste Bereits 1988 Mehr Als Sie Zugaben?
Wer tatsächlich hinter dem für die USA zweitschlimmsten Terroranschlag nach dem WTC-Attentat vom 11. September 2001 steckt? Interessanterweise gingen laut einer CIA-Analyse vom 22. Dezember 1988 nach dem Attentat gleich mehrere Bekenneranrufe ein. Da war etwa ein männlicher Anrufer, der sagte, dass die Gruppe »Beschützer der islamischen Revolution« das Flugzeug als Vergeltung für den Abschuss eines iranischen Flugzeugs durch die US-Marine zerstört hätte. Ein anderer Anrufer behauptete, das Flugzeug sei vom israelischen Geheimdienst Mossad zerstört worden. Stutzig macht nicht zuletzt, dass zahlreiche Prominente ihre Plätze im Flugzeug kurz vor dem AbÁug storniert hatten. Darunter eine afro-amerikanische Soul-Gesangsband aus Detroit (»The Four Tops«), Ex-Sex-Pistol John Lydon und seine Frau Nora, Roelof »Pik« Botha, damaliger Aussenminister von Südafrika, John McKarthy, US-Botschafter im Libanon, aber auch Chris Revell, damaliger Vize-Direktor des FBI. Waren sie von US-Geheimdiensten kurzfristig gewarnt worden?
unterstützte, sondern sinngemäss aussagte, die Firma habe solche Teile tatsächlich nach Libyen geliefert. »Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Zeuge Lumpert von unbekannt angestiftet wurde, gezielte Falschaussagen zu machen«, polterte Bollier denn auch am 14. September 2003 im Internet.
Der Verdacht wurde im Sommer 2007 deÀnitive Gewissheit, als Ulrich Lumpert eine Bombe platzen liess: Er widerrief seine ofÀzielle Erklärung! Dazu gab er den Hinweis, jener Zeitschalter, aus dem dann ein Beweisstück wurde, sei einer von drei von ihm selbst hergestellten Prototypen gewesen, die er »aus den Labors der Mebo entwendet« und am 22. Juni 1989 »unerlaubterweise an eine ofÀzielle Ermittlungsperson im Lockerbie-Fall übergeben« habe.
Er habe, so Lumpert wörtlich, zu jenem Zeitpunkt nicht gewusst, dass dieser Schalter als Beweismittel eine zentrale Bedeutung erhalten werde. Als ihm das bei weiteren polizeilichen Vernehmungen 1991 klar geworden sei, habe er »unbeschreibliche Depressions- und Angstzustände« bekommen. »Als ich geder Pan Am an die Mebo in der Höhe von rund 40 Milliarden Dollar. Bolliers Firma aber hatte das Attentat von Lockerbie das Genick gebrochen. Sie musste Rüstungsaufträge stornieren und verlor zahlreiche Kunden – darunter auch die deutsche Spezialeinheit GSG 9. Das Unternehmen ging pleite.
Doch Edwin Bollier liess sich nicht unterkriegen. Bereits in den 1990er-Jahren hatte der Mann auf eigene Faust zu recherchieren begonnen. Seither sammelt er wie ein Besessener Dokumente und verfasst Untersuchungsberichte.
Jedes Papier stellt er auf seiner Internetseite www.lockerbie.ch online.
Sein Ziel: Die Wahrheit muss endlich ans Licht! Grund: Bollier weiss, dass die Anklage das Gericht mit manipulierten Beweisstücken absichtlich in die Irre geführt hat. »Es musste ein Libyer verurteilt werden, damit Libyen zur Rechenschaft gezogen und zur Kasse gebeten werden konnte«, sagt der Mann, gegen den in der Schweiz vier Jahre lang eine Untersuchung wegen Verdachts der Gehilfenschaft zu Mord im Fall Lockerbie geführt wurde. Das Verfahren wurde 2004 eingestellt. Begründung: Bollier könne»nicht mit der Verwendung (…) des Timers zum Anschlag auf den Pan-Am-Jet in Zusammenhang gebracht werden«.
Wer hatte die Beweisstücke manipuliert?
Dass das Gericht in Holland nicht zum selben Schluss kam, erstaunt deshalb umso mehr. Verzweifelt hatte der als Zeuge vorgeladene Schweizer darzulegen versucht, dass die als Beweisstücke aufgeführten Schalterteile nicht aus jenen Lieferungen stammen konnten, die er einst nach Libyen geschickt hatte. Die dorthin gelieferten Schalttafeln seien grün gewesen, betonte er. Eines der ihm während der Untersuchungsphase gezeigten Beweisstücke aber habe zunächst eine braune Farbe gehabt.
Bei einer späteren Vorlage sei es dann derart verkohlt gewesen, dass man die Färbung nicht mehr erkennen konnte. Bollier: »Die Fragmente des Timers wurden verbrannt, damit man nicht mehr erkennen konnte, ob sie braun oder grün waren.« Mit anderen Worten: Jemand hatte die Beweisstücke offensichtlich manipuliert. Wieso machte sich die Verteidigung im Gericht nicht für ihn stark? »Libyen musste schottische Anwälte nehmen. Die interessierte nur das Geld. Sie arbeiteten für das Gericht.« Kam dazu, dass der einst bei Bollier angestellte Ingenieur Ulrich Lumpert vor Gericht die Vorwürfe seines Chefs nicht Corpus delicti. Einer von Bolliers Mebo-Timern, mit denen Libyen die Schuld am Unglück in die Schuhe geschoben werden sollte.
merkt habe, dass das Schalterbrett nach meiner unerlaubten Aushändigung für eine vorsätzliche politisch kriminelle Machenschaft missbraucht wurde, war für mich klar, dass ich mitten drin steckte, und ich entschied, den Mund zu halten, denn ansonsten konnte es für mich als ungewollten Geheimnisträger lebensgefährlich werden«, wird der damals 65-Jährige in der eidesstattlichen Erklärung zitiert.
Lumperts Geständnis kam für den verurteilten Libyer zu einem günstigen Zeitpunkt. Denn die schottische Revisionskommission war Ende Juni 2007 in einem 800-seitigen, unveröffentlichten Bericht zum Schluss gekommen, dass das Gericht in Kamp van Zeist vermutlich ein Fehlurteil gefällt hatte. Ein Berufungsverfahren sei deshalb zulässig. Ausgelöst hatte die Wende ein pensionierter schottischer Polizeibeamter. Er beschuldigte seine Kollegen, Beweismaterial im ersten Lockerbie-Prozess manipuliert zu haben.
Bollier wiederum hatte ursprünglich erwogen, gegen Lumpert wegen dessen Aussage im Prozess Strafanzeige zu stellen.
Schliesslich war der Mebo deswegen ein massiver Ànanzieller Schaden entstanden. Doch die Erfolgsaussichten wären mangels Beweisen gering gewesen. Also einigte er sich mit seinem früheren Angestellten darauf, dass dieser seine Mitwirkung an einer Beweismanipulation öffentlich eingestehen sollte. »Wenn es zu einer NeuauÁage des Prozesses kommt, ist die Chance sehr gross, dass das Urteil revidiert wird«, gab er sich überzeugt.
»In maximal fünf Minuten wäre geklärt, dass das Beweismaterial der Anklage gefälscht wurde.« Bis heute geht es ihm um Gerechtigkeit – aber auch um seine Finanzen: »Die Schadenersatzforderung hat die Mebo ruiniert.
Ich kämpfe für mein Geld und dafür, dass Libyen aus der Ge schichte rauskommt.« Den grossen Reibach hätte er übrigens machen können, wenn er ein unmoralisches Angebot der USA angenommen Dollar sowie eine neue Existenz habe ihm das FBI seinerzeit versprochen, falls er bestätige, dass der Timer von der Mebo an Libyen geliefert worden sei. Dies hatte Bollier bereits vor Jahren nicht nur gegenüber »mysteries« enthüllt – sondern auch dem von KoÀ Annan zum UNO-Prozessbeobachter ernannten österreichischen Professor Hans Köchler bestätigt!
Vier Millionen Schweigegeld? Bollier lehnte ab. »Für mich war dieses Angebot die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin!«, zeigte er sich 2008 überzeugt. »Wir werden gewinnen – und das vor Gericht!« Doch das Verfahren wurde nicht wieder aufgerollt. Denn Abdel Basit Ali al-Megrahi kam 2009 überra- Das FBI bot mir vier Millionen Dollar an, damit ich den Mund halte.
hätte: Vier Millionen 32 Ausgabe 2/2017»Warum ich gelogen habe …« Ulrich Lumperts Schuldeingeständnis von 2007.
schend frei – aus humanitären Gründen. »Er litt an Prostata-Krebs, hatte laut Prognose nur noch drei Monate zu leben. Er verschwand in Libyen, wo er am 20. Mai 2012 starb – fast drei vorenthalten werden. Erst auf Druck der Schweizer Zeitschrift Jahre später«, wunderte sich selbst die »Zeit« 2013. Tatsächlich»Beobachter« mussten die Behörden die geheim gehaltene Einhatte die britische Justiz vor der Begnadigung eine Bedingung stellungsverfügung 2012 herausrücken. Und so kämpft Edwin gestellt: Megrahi musste zuvor seine aussichtsreiche Berufung Bollier bis auf den heutigen Tag weiter für die Wahrheit – und zurückziehen – was er auch tat.
darum, dass die Angelegenheit nochmals vor die Richter kommt.
Edwin Bollier hält das Ganze für ein abgekartetes Spiel. Und Vor wenigen Monaten erst hat er auf seiner Internetseite ein er ist mit dieser Meinung nicht alleine. Der ehemalige CIA-Agent neues Videointerview hochgeladen, in dem Ingenieur Ulrich Robert Baer, der den Fall in seiner Dienstzeit bearbeitet hatte, Lumpert seine Falschaussage erneut zugibt und die Manipulaerklärte dazu öffentlich: »Megrahi bekam nie einen fairen Protionsvorwürfe betreffend des fragwürdigen Beweisstückes mit zess. Und jetzt wird er freigelassen, damit die Manipulationen neuen Details untermauert.
und Fälschungen in einem neuen Verfahren nicht aufgedeckt werden.« Laut Baer hatte es bei der CIA nie Zweifel gegeben, Kampf für die Wahrheit – bis zum bitteren Ende? dass der Iran sowie die syrisch-palästinensische Terrorgruppe Bolliers jüngste Klage gegen einen Mitarbeiter des eidgenössi- Popular Front for the Liberation of Palestine hinter dem Anschlag schen Nachrichtendienstes wurde dagegen vor dem Schweizeristeckten – und nicht GaddaÀ. Libyen sei nur ein strategisch schen Bundesstrafgericht am 7. Juni 2016 abgewiesen. Er hatte günstiger Sündenbock gewesen.
dem Bundespolizisten Anstiftung zu Diebstahl, falsche Anschul-Auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ist nach jahrelangen digung, falsche Bezeugung und Kreditschädigung vorgeworfen.
Ermittlungen bereits seit 2004 überzeugt, »dass Edwin Bollier Bereits 2014 war er vor den eidgenössischen Richtern mit einer nicht mit der Verwendung des von ihm bzw. der Mebo herge- Schadenersatzklage über sechs Millionen Franken abgeblitzt – stellten und gelieferten MST-13-Timers zum Anschlag auf den wegen Verjährung.
Jumbo-Jet Boeing 747 der Pan Am in Zusammenhang gebracht Hoffnungen setzt der Zürcher nun nicht zuletzt auf die schotwerden kann«. Der Öffentlichkeit sollte diese Schlussfolgerung tische Polizei, die den Lockerbie-Fall vor wenigen Jahren neu Ausgabe 2/2017 33»Gefälschtes Beweismaterial«.
Screenshot aus den neuesten Videoaufnahmen, in denen Ingenieur Lumpert seine frühere Falschaussage vor laufender Kamera samt neuen Fakten widerruft.
aufgerollt hat – aufgrund parlamentarischen und öffentlichen Drucks. »Operation Sandwood« heisst besagte Ermittlungsgruppe, die ihre Ergebnisse in Kürze zu präsentieren gedenkt. Sollte es anschliessend zu einem Berufungsverfahren im Lockerbie-Fall kommen, möchte Bollier dieses dazu nutzen, in seinem Heimatland neuerlich Druck zu machen: Über ein internationales Rechtshilfegesuch will er erreichen, dass die eidgenössischen Behörden den Fall nochmals aufnehmen müssen.
Neuen Auftrieb verlieh der Angelegenheit 2013/2014 zudem auch ein brisanter Arte-DokumentarÀlm von Jean-Christoph Caron und Carl-Ludwig Paeschke: »TodesÁug – Pan Am 103«. Darin enthalten: Das letzte Interview mit dem angeblichen libyschen Attentäter. »Aufgenommen am Krankenbett, wenige Tage vor seinem Tod. Kaum noch fähig zu sprechen, beschwört er ein letztes Mal seine Unschuld.« Einmal mehr verdichteten sich damit die Hinweise, dass iranische Attentäter den schlimmsten Terroranschlag vor dem 11. September 2001 zu verantworten haben. »Demnach war ein ›Joint-Venture des Terrors‹ verschiedener islamischer Geheimdienste für den Anschlag verantwortlich«, wie selbst die»Welt« am 18. Februar 2014 trotz Vorbehalten gegen Verschwörungstheorien fast schon widerwillig konstatieren musste.
Ursprünglich angeordnet haben dürfte den Bomben-Terror, so die Quintessenz der Arte-Dokumentation, mit syrischer Mithilfe »Irans geistlicher Führer Ajatollah Khomeini, als Rache für den tragischen Abschuss eines iranischen Airbus’ durch ein US-Kampfschiff im Persischen Golf einige Monate zuvor.«»Lockerbie ist die grösste Fälschung in der Geschichte von Schottland!«, kritisiert auch Edwin Bollier. Die ganze Wahrheit»in dieser hochkomplexen Angelegenheit« werde wohl nie mehr ans Tageslicht kommen, befürchtet der mitterweile 78-Jährige gegenüber »mysteries«. Dennoch hofft er, dass zumindest »die Verschwörung gegen Libyen« bald hieb- und stichfest belegt werden kann – dies spätestens in einem schonungslosen und ausführlichen Buchreport, an dem er bereits seit Jahren unermüdlich arbeitet. Doch die Zeit arbeitet derzeit leider für die USA – und gegen ihn.
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