lich leben, können Ihnen eher die LKAs und das BKA anhand der statistischen Daten sagen.»
Drei Wochen nach den Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft weiss das Büro der grünen Parteivorsitzenden also von Nichts. Und man mag sich auch nicht dazu äussern, ob Islamkritiker in Deutschland irgendwie gefährlich leben.
12. Juli 2008, Nachtrag: Der Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, wurden auf der Internetpage «abgeordnetenwatch.de» von einer nicht näher bekannten Frau einige Fragen zu den gegen die Ulfkottes gerichteten Mordaufrufen gestellt. Unter anderem wurde Frau Roth gefragt: «Was denken Sie über das Schweigen der meisten Medien zum Fall Doris Ulfkotte?». Und: «Lebt man in Deutschland als islamkritischer Bürger gefährlich?»
Die Antwort aus dem Büro der bekannten Parteipolitikerin vom 11. Juli 2008: «Das Thema Frau Ulfkotte ist uns nicht bekannt. (…) Es passiert in diesem Bereich viel zu viel, um alles mitbekommen und kommentieren zu können. Ob ‹Islamkritiker› in Deutschland gefähr- Grandt ist fassungslos: «Als ich von der Sache gehört habe, versuchte ich, dem Journalisten Ulfkotte, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als einer Woche mit seiner Familie an einem unbekannten Ort versteckte, zu helfen. Ich wollte die Geschichte bei Printmedien und im Fernsehen unterbringen, aber die meinten, es passt nicht rein, schon gar nicht vor dem EM-Spiel gegen die Türkei.»
Nur gerade ein paar kleinere Zeitungen wie etwa der «Schwarzwälder Bote» hatten den Mut, die Story zu bringen. Der «Spiegel» schwieg. Der «Stern» schwieg.
«Focus» schwieg.
Und viele andere ebenfalls.
Soll man in Deckung bleiben?
3. Juli 2008. Endlich ist es so weit: Mehrere politische Abgeordnete signalisieren meiner bedrohten Familie Sympathie und bieten Hilfe an. Doch sie sind zugleich ratlos: Fordern sie öffentlich die Einstellung der von türkischen Mitbürgern ausgehenden Mordaufrufe, dann machen sie nur noch weiter darauf aufmerksam, dass zwei junge Deutsche aus Gelsenkirchen öffentlich und über Tage hinweg die «Vergasung aller Türken» gefordert hatten. Die tagelange Untätigkeit gegenüber dem volksverhetzenden «Vergasungs-Video», so fürchtete man, würde wahrscheinlich vor allem im Ausland grosses Aufsehen erregen.
Im Video war zudem der Religionsstifter Mohammed auf das Schlimmste verunglimpft worden. Bleiben aber nun die Politiker weiter in Deckung und unternehmen nichts, dann dürften sich die Mordaufrufe in der islamischen Welt weiter verbreiten. Auch das kommt nicht wirklich gut an. Wie verhält man sich also am besten?
Der in Wetzlar ansässige CDU-Abgeordnete Hans-Jürgen Irmer (CDU) hat die Mordaufrufe in seinem Wahlkreis ebenfalls Udo Ulfkotte. Von 1986 bis 2003 arbeitete er als Politikredakteur bei der FAZ.
zu spüren bekommen. Ulfkotte, so Irmer in einer Pressemitteilung, sei ohne jeden Zweifel dafür bekannt, dass er eine sehr kritische Einstellung zum Islam habe, die er persönlich teile.
Dies rechtfertige aber unter keinen Umständen Mordaufrufe, Anschlagsaufforderungen oder Bedrohungen jeder Art.
Die Mehrzahl der Muslime, davon sei er überzeugt, billige dieses Verhalten nicht. Gleichwohl wäre es eine Hilfestellung und konkrete Unterstützung, wenn heimische, hessische, aber auch bundesweit agierende moslimische Verbände sich klar und unmissverständlich von diesen Mordaufrufen distanzieren würden. «Wehret den Anfängen», so der CDU-Abgeordnete.
«Würde irgendwo in dieser Republik der Vorsitzende eines islamischen Verbandes von Rechtsradikalen über das Internet mit dem Tod bedroht, würde es republikweit Lichterketten, Solidaritätsadressen und lautstark bekundete Empörung geben – all dies zu Recht. Allerdings muss umgekehrt das Gleiche gelten.»
Warum erliess der Richter keinen Haftbefehl?
Unterdessen hat uns auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Bosbach, angerufen und seine Hilfe angeboten. Aus den Reihen der SPD und der FDP gibt es ebenfalls erste Signale, wonach die Abgeordneten nach einer Lösung suchen, die auch die Interessen der Bundesrepublik Deutschland berücksichtigt.
In den meisten aktuellen Medienberichten äussert sich die zuständige Staatsanwaltschaft Koblenz nun nicht mehr zum Inhalt des Videos. So erfuhr die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» auch auf Nachfrage nicht mehr, dass darin die «Vergasung aller Türken» gefordert worden war. Das aber hatte verhängnisvolle Folgen, denn wie ein Fernsehsender mittlerweile recherchierte, sind die Mordaufrufe gegen uns inzwischen auch in die arabische Welt vorgedrungen. Unterdessen spazieren die beiden Urheber des volksverhetzenden Videos weiterhin munter durch ihre Heimatstadt Gelsenkirchen. Denn der zuständige Richter hatte es abgelehnt, einen Haftbefehl gegen die Beiden zu unterschreiben.
In den Reihen der Polizei ist man entsetzt: Da rufen zwei junge Deutsche zur Vergasung aller türkischen Mitbürger auf und lassen ungeniert Tausende Mordaufrufe gleich unter ihrem volksverhetzenden Video stehen, und die Folgen davon hat nun eine daran völlig unbeteiligte Familie zu tragen, die seither nicht mehr in ihrem Haus wohnen und vor aufgebrachten türkischen Mitbürgern, die sie lynchen wollen, fliehen muss. Zeitgleich haben die tatsächlichen Täter Anspruch auf Polizeischutz. Denn sie haben ihre Identität zwar zu verschleiern versucht, aber haben in dem Video auch ihr wahres Gesicht gezeigt – und viele türkische Mitbürger suchen sie nun in Gelsenkirchen. Die Polizei muss also auch sie schützen, weil der Richter sie nicht inhaftieren wollte …

























