hende Antenne höchstwahrscheinlich nur der Ablenkung diente.
In den Anfangsjahren hatte ich ein bemerkenswertes Erlebnis: Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und kletterte in der – was im Klartext für den Fiskus unweigerlich weniger Einnahmen aus der Mineralöl-und Mehrwertsteuer bedeutet. Was aber hat der nämliche Staat seinen umweltverschmutzenden, weil autofahrenden Nähe des Instituts neugierig auf einen Jägerstand. Dort blieb ich eine Weile und fuhr dann wieder nach Hause. In der Nähe unseres Schützenhauses landete darauf plötzlich ein Militärhubschrauber neben mir im Feld. Vermutlich hatte man mich auf dem Hochsitz gesehen (Ich hingegen niemanden!) und rief besagten Hubschrauber. Ich glaube, das sagt vieles.
Der Hubschrauber hob nach rund zehn Minuten übrigens wieder ab. Ohne dass die beiden Piloten ausstiegen. Sie unterhielten sich lediglich in meine Richtung blickend…
Bernhard Villringer (D) Untertanen während Jahren um die Ohren gehauen? Genau: Spart um Himmels-und der Umwelt willen endlich Benzin.
Weil deswegen die Àskalischen Honigtöpfe – staatlich gelenkt – immer höher hängen, brauchts dann halt doch bald eine Fettsteuer.
Edi Borer (CH)
FolgtbaldWhiskySodaohneWhisky?
«Eine brandneue ErÀndung aus Österreich dürfte den europäischen Food-Markt revolutionieren: Eine vegetarische Wurst, die zu 100 Prozent wie herkömmliche Wurst schmeckt, aber kein Prozent Fleisch enthält. Angesichts des potenziellen Millionengeschäfts gibt sich der Hersteller derzeit auffällig zurückhaltend.» («mysteries» Nr. 5/2013)
SpukimKrankenhaus
«In einem Pfarrhaus der Diözese Rottenburg/ Stuttgart geschehen merkwürdige Dinge. Gespenstische Gestalten wandeln nächtens durch die Räume, unsichtbare Frauen und ein schwarz gekleideter Kapuzenmönch treiben ihr Unwesen. Zeuge dieser Ereignisse ist der Pfarrer höchstpersönlich. Und er nimmt sie ernst – schliesslich berichten auch Heilige über spukartige Erscheinungen verlorener Seelen.» («mysteries» Nr. 3/2013) NeuesausAbsurdistan «Staatliche Gesundheitsapostel sind ihm ein Dorn im Auge. Gutgläubige Nachbeter ebenso. Mit seiner bissigen Gesellschaftskritik löst der Immunologie-Professor Beda Stadler (63) seit Jahren Kontroversen aus. Wir plauderten mit dem humorvollen Atheisten und Freidenker in seinem raucherfreundlichen Büro im Berner Unispital über den weltweiten Verbots- und Gesundheitswahn, aber auch über Drogen, Hormone, Menschenaffen und Gott.» («mysteries» Nr. 5/2013)
Nachdem es schon eine Weile Käse gibt, der gar kein Käse ist, kommt jetzt also auch Wurst auf den Markt, die gar keine Wurst ist. Sie sollten vorsichtig sein, dieses Produkt mit Häme und Spott zu bedenken.
Die Schweizer könnens nämlich auch. Ich sage nur: «RICOLA: Kräuterzucker ohne zucker»! Jetzt warte ich nur noch auf «Whisky Soda ohne Whisky».
Hartmut Schoenawa (D) Meine Cousine aus München erzählte mir folgende Geschichte: Als ihre Kinder klein waren, musste sie für fünf Wochen ins Krankenhaus. Ihr Mann, der mit zwei Kindern überfordert war, sagte zu ihr: «Wenn du nicht bald gesund wirst, stecke ich die Kinder ins Heim.» Meine Cousine war darüber sehr besorgt und verzweifelt.
Da trat eines Tages eine grau gekleidete Dame an ihr Bett und sagte beruhigend: «Machen Sie sich keine Sorgen, Sie werden bald wieder gesund sein, und ihre Kinder brauchen nicht ins Heim.» Mit diesen Worten verabschiedete sie sich. Meine Cousine wunderte sich und dachte darüber nach. Aber so sehr sie grübelte, wurde ihr bewusst, dass sie niemandem von ihrem Kummer erzählt hatte.
Als sie entlassen wurde, fragte sie die Schwestern, wo die Dame im grauen Kleid sei, sie wolle sich noch bedanken. Die Schwestern sahen sie erstaunt an und meinten, dass nur sie auf dieser Station seien und nie eine Dame im grauen Kleid gesehen hätten.
Christa Fluege (D) Ausgabe 6/2013 9
MerkwürdigesErlebnis
Ich habe schon lange nicht mehr so geschmunzelt beziehungsweise laut herausgelacht bei den erfrischenden Fragen von Luc Bürgin und den noch erfrischenderen Antworten von Beda Stadler. Dabei sind mir als Schweizer selber einige Gedanken durch den Kopf geschossen – zum Beispiel die Absurditäten der staatlichen Lenkungsabgaben-Manie.
So hat kürzlich ein Chefbeamter der Bundesverwaltung öffentlich posaunt, der Bund müsse unbedingt die Mineralölsteuern in der Schweiz anheben, um die steigenden Strassenkosten zu Ànanzieren, denn «Autos werden immer sparsamer. Für die gleiche zurückgelegte Strecke wird also immer weniger Treibstoff gebraucht»
«Welch scheinheiliger Aufschrei: Lauter denn je empören sich unsere Politiker über illegale Spitzelaktivitäten von Grossbritannien und den USA. Ein geheimer Lauschposten, den deutsche und amerikanische Spione vermutlich gemeinsam betreiben, wird in der aktuellen Berichterstattung gerne vergessen: Eine dubiose Anlage direkt neben dem Europa-Park in Rust.» («mysteries» Nr. 5/2013)
Donnerwetter! Dass «unser Ionosphäreninstitut» in Eurer zeitschrift erscheint, hat mich Rheinhauser doch sehr überrascht!
Dass besagtes «Institut» etwas Militärisches ist, wussten wir schon früh. Und auch, dass die nun im Europa-Park ste-
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/60-seherin-medium-elisabeth-feher-page59-1.jpg18171304Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2013-06-01 12:00:002025-12-15 15:53:29Seherin – Medium Elisabeth FehéR
KleinÁugkörper auf biologischer Basis mit fest programmierter automatischer Rückkehr aus beliebigen Richtungen und Distanzen». Darauf muss man erst mal kommen!
Lieber Gott, wie wärs mit einer neuen Brille von Fielmann?
«Die wirkliche Macht auf dieser Erde haben nicht die Lebenden, sondern die Toten!» raunte in der Kneipe kürzlich ein alter Mann.
Ich guckte ihn misstrauisch an. «Du glaubst mir nicht, oder?»
blaffte der Greis und zeigte mir grinsend seine letzten Zähne.
Dann zog er mich am Arm zu sich herab und Áüsterte: «Die Toten bestimmen mit ihren Gesetzen unser Leben, zwingen uns mit Milliarden von Büchern ihre Gedanken auf und erschweren uns mit verwandtschaftlichen Altlasten, ihnen zu entkommen. Sie beherrschen und lenken unser Denken, füllen mit ihren Werken unsere Museen, besetzen mit ihren Denkmälern unsere Städte und erobern mit ihren Gräbern unsere Erde. Weisst Du nun, warum Du Dich vor ihnen in Acht nehmen musst?» Ich klopfte ihm stumm auf die Schulter und stapfte in der Eiseskälte nach Hause.
Absurdistan liegt überall. Während die USA faktisch wieder mal pleite sind, drucken Obamas Geldmaschinen im Rekordtakt 100-Dollar-Scheine mit brandneuen Sicherheitsmerkmalen. Das mutet in etwa so schizophren an, wie wenn man Blinden das Tragen von Schusswaffen gesetzlich erlauben würde. Doch selbst dies ist im Land der grenzenlosen Beschränktheit erlaubt. Zumindest im US-Bundesstaat Iowa. Querschläger produzieren derweil auch die Paragraphen-Polierer der EU, die neuerdings über «Entschädigungsverbesserungen» für Fluggäste brüten. Ergebnis, so Kritiker: «Passagiere eines um knapp zwölf Stunden verspäteten Flugs Frankfurt–New York (Distanz 6210 Kilometer) gingen in Zukunft leer aus, während ihnen heute schon ab drei Stunden Verspätung 600 Euro zustehen.» Wie kulant!
In Hannover wiederum dürfen städtische Kantinen nach Protesten ethnischer Minderheiten ab sofort keine «Zigeunerschnitzel» mehr auftischen, weil derlei Bezeichnungen diskriminierend seien. Muss nun auch Johann Strauss’ Operette «Der Zigeuner-Baron» politisch korrekt umbenannt werden? Wie wärs mit «Sinti- Roma-Freiherr»? Oder noch galanter: «Adelsprotz mit Migrationshintergrund»? Und was tun, wenn radikale Christen plötzlich die Umbenennung des Ortsteils Kreuzberg fordern? Wie umgehen mit indischen Sikhs, denen der medizinische Fachbegriff «Turban-Tumor» sauer aufstösst? Oder mit orthodoxen Juden, die für die Abschaffung des deutschen «Führerscheins» plädieren?
Die Zeiten ändern sich. Wissen Sie, wie Fleischkonserven in der Schweizer Armee noch in den späten 90er-Jahren gemeinhin genannt wurden? «Gschtampfte Jud» («Gestampfter Jude»)! Dagegen nimmt sich «Züricher Geschnetzeltes» geradezu koscher aus.
Nebenbei musterten die Eidgenossen damals auch ihre militärischen Brieftauben aus – laut Reglement «selbstreproduzierende Auch Ampelmännchen gibts nicht mehr: Seit April gilt in Deutschland die neue Strassenverkehrsordnung, angepasst an das «Erfordernis der sprachlichen Gleichbehandlung von Männern und Frauen». «Radfahrer» und «Fussgänger» wurden im Gesetzestext sprachlich kastriert. Dafür zelebriert man nun geschlechtsneutral «Rad Fahrende» oder «Zu Fuss Gehende». Bald wohl auch «Rollend zu Stossende». Ein bisschen Tradition darf dennoch sein.
Und so bleibt in Hessens Verfassung (Art. 21) bis heute die Todesstrafe verankert, netterweise nur bei «schweren Verbrechen».
Konservativer treibens die Araber. So soll in Golfstaaten wie Oman oder Katar bald ein «Gay-Detector» über Gut und Böse urteilen: Ein «medizinischer Checkpoint Charlie», um Schwule und Lesben an der Einreise zu hindern. Verbrochen hat diesen geistigen Murks das ölvernebelte Gehirn des kuwaitischen Gesundheitsministers.
Welch ein Spass, wenn ausgerechnet Russlands ho mophober Diktator Putin als erster Staatsgast in der neuen Airport-Kontrolle hängen bliebe. Oder Bungabunga-Häuptling Berlusconi…
Wer sich nach so viel Irr- und Wirrsinn Trost aus der Bibel erhofft, ist selber schuld. Das Alte Testament fordert für Homosexuelle nämlich die Todesstrafe (3. Mose, 20). Auch Hellsichtige, so der Allmächtige, seien zu steinigen («Ihr Blut sei auf ihnen!»). Ebenso Ehebrecher oder «störrische Söhne». Pech haben auch vergewaltigte Jungfrauen: Sofern ihre Schreie beim Sex nicht durch die halbe Stadt hallen, seien sie ebenfalls auszurotten – weil sie den unfreiwilligen Akt genossen hätten (5. Mose, 22). Lieber Gott: Wie wärs zu Weihnachten mit einer neuen Brille von Fielmann?
Apropos Adventsrummel: Schon mitbekommen, dass jeder Klingelton unserer Handys nachweisbar Stresszustände in unserem Gehirn produziert? Mein Tipp: Schalten Sie in diesen scheinheiligen Tagen öfter wieder mal ab. Das Telefon. Das Internet. Den Computer. Den Fernseher. Das Radio. Stille Nacht, heilige Nacht.
Dass die bosnische «Sonnenpyramide» und ihr Umfeld noch allerlei Überraschungen bergen, scheint seit 2011 klar. Damals gelang es einem deutschen Team um den Berliner Physiker «Timomathiks» auf Initiative des Wiener Globetrotters Klaus Dona mittels einer neuartigen Methode der Bodenerkundung («Geo- Scan») etliche Gänge und Hohlräume zu orten, wie folgende, hier erstmals veröffentlichte Diagramme zeigen. Wann, wie und vom wem die Tunnel einst angelegt wurden, ist derzeit nur schwer überprüfbar. Dazu Sam Osmanagich: «Der Pyramidenberg ist mit einer äusserst harten Schicht überzogen, doppelt so hart wie heutiger Beton, die sich nur mit Dynamit öffnen liesse. Insofern verfolgen wir derzeit andere, weniger zerstörerische Wege.»
Die unterschiedlichen Farben markieren die unterschiedlichen Tiefen der rund um die Sonnenpyramide aufgespürten Gänge und Hohlräume.
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/60-sonnenpyramide-deutsche-geo-scans-zeigen-weitere-anomalien-page25-1.jpg5241299Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2013-06-01 12:00:002025-12-15 15:53:53Sonnenpyramide: Deutsche Geo-Scans Zeigen Weitere Anomalien
Fasziniert schwärmen italienische, serbische und bosnische Forscher von einem geheimnisvollen Energiestrahl, den ein pyramidenförmiger Berg in Visoko ausstrahle. Ein technologisches Phänomen aus uralter Zeit? Oder purer Humbug?
Ein aufgeschlossener «mysteries»-Leser machte sich im Sommer zur so genannten «Sonnenpyramide» nach Bosnien auf, um dem Rätsel mit physikalischem Equipment auf eigene Faust nachzuspüren. Hier sein Erlebnisbericht.
Wer hat nicht schon versucht, seine Finger wie «Enterprise»-Spitzohr Spock zu spreizen? Zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen war der berühmte Vulkaniergruss 1967. Die komplizierte Fingerhaltung gibt es aber schon weitaus länger: Sie gehört zum altjüdischen Brauchtum.
«Lebe lang und in Frieden.» So begrüssen sich Vulkanier in der TV-Serie «Stark Trek» (Raumschiff Enterprise) seit 1967 mit erhobener Hand. Selbstverständlich auch im neusten KinoÀlm, der im April dieses Jahres Premiere feierte. Eingeführt wurde die nur mit viel Fingergeschick nachahmbare Geste seinerzeit in der TV-Folge «Amok Time» («WeltraumÀeber»). Doch: Wer hat den «Vulkanier-Gruss» eigentlich erfunden?
Spock-Darsteller Leonard Nimoy (82) weiss es am besten. Bereits 1975 in Buchform und 1983 in der TV-Dokumentation «Star Trek Memories» klärte er seine Fans auf: «In besagter Serienfolge begegneten Kapitän Kirk, Doktor McCoy und ich selbst auf Spocks Heimatplaneten Vulkan der Hohepriesterin T’Pau. Sie wurde in einer Sänfte getragen, und wir sollten gemäss Drehbuch einige Worte mit ihr wechseln. Da kam mir die Idee, dass hier etwas Besonderes passieren müsste. Dass wir eine spezielle rituelle Begrüssung erÀnden sollten.»
Der Regisseur schloss sich Nimoys Vorschlag an. Den speziellen Handgruss mit den ungewöhnlich gespreizten Finger musste der Spock-Darsteller aber nicht neu erÀnden. Vielmehr erinnerte er sich an ein Erlebnis aus seiner Kindheit: «Wir waren orthodoxe Juden und gingen regelmässig in die Synagoge. Ich sass zwischen meinem Vater und meinem Bruder, und an einer be- Ältester Segensspruch der Bibel. Mosaik des Aaronitischen Segens in der Synagoge von Enschede (Niederlande).
So grüssen Vulkanier. Spock-Darsteller Leonard Nimoy (links: 1967, rechts: 2010) stimmten Stelle des Gottesdienstes segneten uns die Kohanim, die Priestervertreter. Dabei musste die Gemeinde sich umdrehen und durfte nicht hinsehen. Als etwa neunjähriger Knabe schielte ich trotzdem zurück – und sah, wie die Kohanim zur Segnung ihre Finger entsprechend spreizten.» Der kleine Leonard war beeindruckt. «Ich übte diese Geste von da an jeden Tag.»
«Noch heute werden die Finger bei uns so gespreizt» Tatsächlich richten die jüdischen Priestervertreter ihre Finger auch heute noch V-förmig aus, wenn sie ihre Gemeinde segnen. Der so genannte «Aaronitische Segen» ist der älteste in der Bibel überlieferte Segen, den Gott Moses offenbarte. «Er wird an bestimmten Feiertagen gesprochen», bestätigt Yves Kugelmann, Herausgeber der jüdischen zeitschrift «Tachles» und in seinen jüngeren Jahren ebenfalls «Enterprise»-Fan. «Auch heute noch werden die Finger bei uns derart gespreizt und noch heute wendet sich die Gemeinde dabei von den Kohanim ab.» Das zeichen, das die Priestervertreter dabei mit ihrer Hand andeuten, so Kugelmann, symbolisiere «Shin», den Anfangsbuchstaben von «Shaddai», dem Allmächtigen.
Unerwartete Probleme bereitete der Vulkanier-Gruss übrigens Nimoys Nachfolger zachary Quinto, der den jungen Spock kürzlich zum zweiten Mal auf der Leinwand verkörperte. Weil es ihm trotz aller Verrenkungen nicht gelang, seine Finger entsprechend zu positionieren, klebte sie ihm Regisseur J. J. Abrams für die Filmaufnahmen kurzerhand zusammen.
Noch ist es ein gut gehütetes Geheimnis. Doch schon bald dürfte sich die Kunde wie ein Lauffeuer um die Welt verbreiten. In aller Stille bereiten Gläubige in Äthiopien derzeit einen der gewagtesten Coups in der Geschichte ihres Landes vor: Die heimliche Verlagerung der jahrtausendealten israelitischen Bundeslade – eines der grössten biblischen Heiligtümer überhaupt. «mysteries» präsentiert brandneue Fotos aus Axum.
Sie gilt als heiligstes aller biblischen Relikte. Nicht nur jüdische Kreise würden für ihren Besitz kaltblütig morden. Im fernen Afrika spielen sich hinter den Kulissen nun hektische Aktivitäten rund um die israelitische Bundeslade ab, die selbst gestandenen Schatzjägern den Schweiss auf die Stirn treiben: Ist es wirklich möglich, dass «Gottes Schatztruhe» nach wie vor existiert?
Im Gegensatz zu anderen historisch umstrittenen Passagen werden dem heiligen Behältnis im Alten Testament der Bibel auffällig detaillierte Abschnitte gewidmet. Moses höchstpersönlich soll in ihrem Innern nach dem Auszug aus Ägypten vor Jahrtausenden die von Gott empfangenen Steintafeln mit den zehn Geboten verstaut haben: «Der Herr sprach zu Mose: (…) Macht mir ein Heiligtum! (…) Macht eine Lade aus Akazienholz, zweieinhalb Ellen lang, anderthalb Ellen breit und anderthalb Ellen hoch! Überzieh sie innen und aussen mit purem Gold! (…) Fertige Stangen aus Akazienholz an und überzieh sie mit Gold!
(…) Dort werde ich mich dir zu erkennen geben und alles sagen, was ich dir für die Israeliten auftrage.» (2. Mose, 25, 1ff.)
Warum Indiana Jones falsch lag Wie durch eine Art vorzeitlichen Lautsprecher unterhielten sich der Allmächtige und sein Prophet dank der Bundeslade auf dem langen Weg ins heilige Land. Doch wo beÀndet sich das Heiligtum heute? Weder in Ägypten noch in einem geheimen Hangar der CIA, wie uns die Indiana-Jones-Filme glauben machen – sondern aller Wahrscheinlichkeit nach im äthiopischen Axum. Dort werden an oberster Stelle derzeit geheime Pläne geschmiedet, um die Lade an einen sichereren Ort zu bringen.
Gemäss einer äthiopischen Schrift aus dem 13. Jahrhundert, dem Kebra Negest, soll die altjüdische, vergoldete Riesenschatulle persönlich von Menelik, dem Sohn König Salomons und der Königin von Saba, ins Land geholt worden sein. Zahlreiche historische Indizien untermauern ihren Weg. Heute ruht die Bundeslade glaubwürdigen Augenzeugen zufolge in der mit mannshohen Eisengittern umzäunten «Chapel of Tablet» – einem kleinen, unscheinbaren Kuppelbau neben dem Gotteshaus der Heiligen Maria von Zion («Ri’ise Adbarat Qidist Maryam Debre Tsiyon»). So betont es auch die altchristliche Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche.
Bewacht wird die heilige Lade in Axum von einem bewaffneten Mönch – Abba Tesfa Mariam – bis ans Ende seiner Tage. Als Einzigem ist ihm der Blick auf Gottes Truhe erlaubt. Ein «Häftling des Heiligen», der das winzige Kapellengelände Zeit seines Lebens nie mehr verlassen und seinen Nachfolger traditionsgemäss erst auf dem Sterbebett benennen darf. Wer als Tourist den Wächter durch die Gitterstäbe zu sehen kriegt, darf sich glücklich schätzen. Denn er lässt sich nur selten blicken.
Eine fast schon unglaubliche Geschichte, wäre da nicht das am 16. August 2012 verstorbene Oberhaupt der äthiopisch-orthodoxen Christen, Abune Paulos, gewesen: Am 19. Juni 2009 liess der afrikanische Patriarch bei seinem Besuch am «G8-Treffen der Religionen» in Rom aufhorchen. Bezugnehmend auf eine von der Medienagentur «Adnkronos» verbreitete Vorabmeldung bestätigte der Kirchenfürst erstmals ofÀziell: «Ja, die Bundeslade beÀndet sich bei uns in Axum!»
Er sei nicht in Rom, um Beweise vorzulegen, betonte Abune Paulos. «Aber ich bin hier, um zu sagen, was ich selber gesehen
Wer den Wächter zu Gesicht bekommt, darf sich glücklich schätzen.
itten im Herzen von Bosnien-Herzegowina, etwa 30 Kilometer von der Hauptstadt Sarajevo entfernt, liegt in ei- Mnem malerischen grünen Tal die Kleinstadt Visoko. Ein Ort, von dem noch vor zehn Jahren kaum jemand auf der Welt je gehört hat. Seit der bosnische Geschäftsmann Semir «Sam» Osmanagich 2005 bemerkte, dass der «Hausberg» von Visoko eine erstaunlich regelmässige Pyramidenform aufweist, ist das Städtchen zum Brennpunkt einer hitzigen internationalen Debatte geworden. Kernfrage: Kann es wirklich sein, dass es sich bei diesem von dicken Erdschichten und Vegetation bedeckten Berg samt seinen in einem perfekten gleichschenkligen Dreieck angeordneten Nachbarhügeln um künstlich geschaffene «Pyramiden» handelt? Und, wenn ja: Wie alt könnten diese sein, wenn keine Überlieferung aus der griechisch-römischen Antike von ihnen zu berichten weiss?
Acht Jahre sind seit Osmanagichs Entdeckung vergangen.
Acht Jahre, in denen er zusammen mit vielen Helfern das Tal von Visoko zu einer der heute grössten archäologischen Ausgrabungsstätten Europas samt Áorierendem Tourismus gemacht hat. Eine Internetsuche nach «Bosnian Pyramids» offenbart mittlerweile über 30’000 Treffer und damit eine bunt schillernde Vielfalt an Informationen, von denen nicht wenige umstritten sind und allerlei Fragen aufwerfen.
Wurden die Pyramiden von Ausserirdischen oder Atlantern erbaut oder entspringen sie einer reinen Laune der Natur? Gibt es tatsächlich geheime Eingänge und Tunnelsysteme in ihrer unmittelbaren Nähe? Wird aus der Pyramidenspitze wirklich ein rätselhafter Energiestrahl nach oben gesendet, wie behauptet? Oder ist das ganze Ausgrabungsprojekt von A bis Z ein ausgemachter Schwindel, um Geld in die Kassen des maroden Landes zu spülen? Ich entschloss mich, mir ein eigenes Bild zu machen und meldete mich für zwei Wochen als freiwilliger Helfer für die Ausgrabungen.
Wenn man Freunden davon erzählt, seinen Urlaub mit unbezahlter Arbeit verbringen zu wollen, mit Wühlen im Dreck, muss man mit erstaunten Reaktionen rechnen. Noch dazu, wenn die Reise ausgerechnet nach Bosnien führt. Herrschte da nicht erst vor kurzem noch Krieg? Liegen da nicht noch überall Minen? In der Tat: Bosnien-Herzegowina gilt noch immer als eines der am stärksten verminten Länder der Welt. Kein typisches Urlaubsland also, aber dennoch faszinierend.
«Archäologisches Basislager». Das örtliche Motel von Visoko.
Nach einer langen, anstrengenden Autofahrt erreichte ich im Juni 2013 das Motel «Piramida Sunca», eines der grössten Gebäude von Visoko. Das Check-in verlief unkompliziert, herzlich und in privater Atmosphäre, nicht wirklich wie in einem Hotel. Im Wesentlichen fungiert das Haus wohl als archäologisches «Basislager», der sonstige Hotelbetrieb läuft eher nebenher. Ich machte mich mit den rund 30 anderen Freiwilligen bekannt, von denen einige nicht zum ersten Mal da waren, und erfuhr schnell allerlei Erstaunliches…
Bosnien-Herzegowina ist kein reiches Land, die Arbeitslosigkeit liegt bei über 40 Prozent und Kriegsschäden sind noch immer allgegenwärtig. An eine staatliche Finanzierung archäologischer Ausgrabungen ist hier nicht zu denken. Deshalb handelt es sich bei der «Bosnian Pyramid of the Sun Foundation» von Sam Osmanagich um eine vollständig privat Ànanzierte Organisation mit wenigen Festangestellten. Einnahmen Áiessen hauptsächlich aus Spenden und inzwischen auch von Touristen. Ein grosser Teil der Arbeit wird von den freiwilligen Helfern erledigt, Blick auf die Sonnenpyramide von Visoko. Tief in ihrem Innern soll sich ein geheimnisvolles technologisches Relikt verbergen.
Ausgabe 6/2013 Eindrücklicher Fortschritt. Unzählige künstlich anmutende Wege und Terrassen wurden auf dem Bauwerk freigelegt.
die Jahr für Jahr in verblüffend hoher Anzahl aus der ganzen Welt anreisen. Leiter der Ausgrabungen ist der neuseeländische Archäologe Timothy Moon.
Das Gesamtareal beinhaltet eine ganze Reihe von tatsächlichen oder vermuteten archaischen Bauten: Der pyramidenförmige Hauptberg Visocica, den Osmanagich in «Sonnenpyramide» umtaufte. Daneben die «Mondpyramide», die «Pyramide des bosnischen Drachen», die «Pyramide der Liebe», der «Tempel der Mutter Erde» sowie die verzweigten «KTK-Tunnel» und «Ravne- Tunnel». Erforscht werden zudem noch weitere Objekte, die mit dem Tal der Pyramiden aber nicht unmittelbar zu tun haben.
Steinharte Betonschichten und kuriose Hohlräume Was die Sonnen- und die Mondpyramide angeht, scheint es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit tatsächlich um teilweise künstliche Bauten zu handeln. An der Sonnenpyramide wurden bereits grössere Bereiche einer Aussenhaut aus Betonblöcken freigelegt und geophysikalische Untersuchungen ergaben deutliche Hinweise auf innere Hohlräume.
Der verbaute Beton wurde von mehreren Instituten untersucht und ist in Härte und Wasserundurchlässigkeit heute üblichem Standardbeton deutlich überlegen. Nachdem Überreste von Laubblättern, also organisches Material, zwischen verbauten Betonblöcken gefunden wurden, gibt es auch einen Hinweis auf die mögliche Entstehungszeit der Pyramiden: Eine Radiokarbonanalyse ergab ein Alter von 25’000 Jahren. Osmanagich geht nach weiteren Messungen mittlerweile von einem noch höheren Alter aus. Die Sedimentablagerungen auf der Pyramide werden auf mindestens 12’000 Jahre geschätzt.
Auf der etwas kleineren Mondpyramide wurden Terrassen aus übereinandergeschichteten Blöcken freigelegt, eine Schichtung, die mindestens einige Meter weit in die Tiefe reicht.
Freigelegte Wege aus Steinblöcken an den Seiten der Pyramide könnten jedoch auch jüngeren Datums sein. Hier gibt es bisher keine Möglichkeit zur Altersbestimmung.
Der «Tempel der Mutter Erde» scheint ein natürlicher Berg zu sein, ist in archäologischer Hinsicht aber dennoch interessant, da auf ihm Überreste neolithischer und römischer Besiedlung zu Ànden sind. Bei den beiden übrigen Pyramiden dürfte es sich ebenfalls um natürliche Berge handeln.
Die Eingänge der beiden Tunnelsysteme sind ein gutes Stück von den Bergen entfernt – die «Ravne-Tunnel» etwa rund zwei Kilometer Luftlinie.
Mehr als eine Laune der Natur? Freigelegte Strukturen lassen auf menschliche Bearbeitung schliessen.
Osmanagich geht jedoch davon aus, dass sie bis in die Sonnenpyramide hineinführen. Die «KTK-Tunnel» (benannt nach einer neben dem Eingang beÀndlichen Firma) mussten leider wegen eindringenden Wassers aufgegeben werden, das nach Abpumpversuchen immer wieder nachÁoss. Die Arbeit an den «Ravne- Tunneln» dagegen – benannt nach der Gegend, in der sich ihr Eingang beÀndet – macht stetige Fortschritte.
Ein regelrechter Irrgarten voller unterirdischer Gänge Bisher wurden Tunnel von rund einem Kilometer Gesamtlänge freigelegt. Es handelt sich dabei um einen weit verzweigten Irrgarten von unterirdischen Gängen. Die Schwierigkeit bei der Erkundung besteht darin, dass das Tunnelsystem einst fast vollständig wieder mit Erde und Geröll zugeschüttet worden ist. Nur wenige freie Abschnitte wurden bisher entdeckt. Wo nötig, sorgen Bergbaufachleute für die Abstützung der freigelegten Gänge. Geplant ist ein Vorarbeiten in Richtung der Sonnenpyramide – aus Sicherheitsgründen mit zwei parallelen Tunneln, zwischen denen immer wieder Verbindungen geschaffen werden.
Das Gangsystem ist verwinkelt. Es gibt Sternpunkte, von denen bis zu neun Tunnel abzweigen, und Abschnitte, die im Meterabstand in Seitentunnel münden. In den Tunneln beÀnden sich zudem mehrere Megalithen mit einem Gewicht von bis zu sieben Tonnen. Sie scheinen Spuren von oberÁächlicher Bearbeitung oder Ritzungen aufzuweisen, allerdings erodiert und nur schwer auszumachen. Ein weiterer, weniger grosser Stein ist dagegen mit deutlich erkennbaren, eingeritzten Runen beschriftet, von denen einige aus den überlieferten «gemeingermanischen Futhark-Reihen» der Runenkunde bekannt sind. Bei einem weite- Ausgabe 6/2013 21 Natürlich entstanden oder künstlich geschaffen?
Steinerne Artefakte, die während der Ausgrabungen zu Tage gefördert wurden.
ren, komplizierteren Ritzzeichen könnte es sich meiner Ansicht nach um eine Binde-Rune handeln.
Wozu das offenbar künstlich geschaffene Labyrinth einst diente und wieso es mit grossem Aufwand nicht nur verschlossen, sondern nachträglich wieder aufgefüllt wurde, ist bisher rätselhaft. Ein Bergwerk scheint es jedenfalls nicht gewesen zu sein, da es dort nichts abzubauen gibt. Auffällig sind die angenehme Atmosphäre und die gute Luft in den Tunneln, obwohl das verzweigte System nur einen einzigen Eingang hat. Jeden Tag arbeiten dauerhaft mindestens zehn Leute darin, und im- Runenartige Zeichen. Ein weiteres Indiz, dass in den Tunneln früher Menschen am Werk gewesen sein müssen.
mer wieder werden Touristengruppen hindurchgeführt. Also sollte man eigentlich eine schwer atembare, stickige Luft darin erwarten – umso mehr, als keinerlei Ventilationseinrichtungen installiert sind. Stattdessen jedoch ist die Luft selbst tief unter der Erde derart angenehm und frisch, feucht, aber nicht modrig, dass man so manchen der Gänge kaum verlassen möchte.
Natürlich wurde dieser Effekt untersucht. Dabei stellte man fest, dass zum einen die immer wieder wechselnde Höhe der Gänge für eine Luftzirkulation durch unterschiedliche Druckverhältnisse sorgt. Zum anderen enthält die Luft in den Tunneln eiteries» bestätigt: «Leider mussten wir unsere Untersuchungen mittlerweile beenden – wegen Anfeindungen lokaler Archäologen und Institutionen. Zudem hat uns Osmanagichs Foundation keinen Cent für unsere aufwändigen Forschungen bezahlt.
Immerhin konnten wir vor Ort drei Jahre lang intensiv forschen, insofern sind wir uns mittlerweile ziemlich sicher.»
Projektabbruch nach Zoff mit Osmanagich Debertolis macht keinen Hehl daraus, dass er ziemlich enttäuscht ist. Umso mehr, als man auch in Bezug auf die Ravne-Tunnel spannende Messresultate erhalten hätte. Wie andere Forscher kritisiert er, dass die originale gothische Form der Gänge von Osmanagichs Ausgräbern an diversen Stellen erweitert und bearbeitet worden sei: «Mittlerweile scheint es mir unmöglich, mit einer Foundation zu kooperieren, die sich – im Interesse der Touristen – nicht um die ursprüngliche Form der Tunnel kümmert, so dass deren Originalität für alle Zeit verloren geht.»
Kurios bleiben die Messungen von Debertolis’ Teams allemal.
Umso mehr, als im August 2013 ähnliche Ergebnisse auf dem serbischen Berg Rtank erzielt worden seien.
«Auch dort konnten wir Radiosignale (VLF) derselben Frequenz (28.300 HZ) registrieren, allerdings nur während 40 Minuten in einer Periode von 48 Stunden. Insofern ist der Radiowellenstrahl auf der bosnischen Sonnenpyramide nach wie vor der einzige, der sich in der Balkanregion regelmässig messen lässt.»
Laut Sam Osmanagich konnte der Energiestrahl von Visoko inzwischen von einem weiteren Forscher gemessen werden.
«Und zwar im Frühling 2013 vom serbischen Elektroingenieur Goran Samoukovic», wie er auf Anfrage von «mysteries» betont.
«Jeder ist herzlich eingeladen, das Phänomen selber zu veriÀzieren, solange er unsere Regeln akzeptiert.»
Bleibt zu hoffen, dass sich Debertolis' Messresultate nicht doch noch als heisse Luft entpuppen, wie so mancher Physiker derzeit im Internet unkt. Skeptikern zufolge wäre die Probe aufs Exempel selbst für Laien möglich. So sind Töne von 28.300 Hz für das menschliche Ohr zwar nicht mehr hörbar – für Hunde oder andere Tiere aber schon. Sie würden das hochfrequente Signal als extrem nervtötenden Laut wahrnehmen und vor ihm Reissaus nehmen…
lb. nOsmanagich (r.). Von manchen verehrt, von anderen kritisiert.
nen bemerkenswert hohen Anteil an negativen Ionen (Anionen), die als gesundheitsfördernd gelten.
In dem herausgeschafften Geröll und Füllmaterial sind gelegentlich steinerne Artefakte zu Ànden, ausserdem viele Steine mit bemerkenswert rechtwinkligen, dreieckigen oder sonstigen ungewöhnlichen Regelmässigkeiten. Jedes Objekt für sich genommen könnte zwar auch natürlich entstanden sein, aber ihre Menge macht zumindest nachdenklich. Artefakte oder nicht – das ist hier die Frage.
Jedermann darf vor Ort mitanpacken Vieles bleibt also umstritten. Kein Wunder, dass es speziell aus archäologischen Fachkreisen reichlich Anfeindungen gibt. Umso mehr, als die Foundation in ihrer Arbeitsweise unkonventionelle Wege geht und Pionierarbeit leistet. Bei der Forschung zu einem grossen Teil auf freiwillige, unbezahlte Helfer zu bauen, hat sich via Internet schon seit Jahren als erfolgreich erwiesen, beispielsweise bei den Projekten von www.zooniverse.org. Die «Bosnian Pyramid of the Sun Foundation» zeigt, dass das auch ganz unmittelbar vor Ort funktionieren kann.
Doch nicht nur Helfer zum Schaufeln, Schubkarrenschieben und Steineputzen sind gern gesehen: Jedermann, ob mit oder ohne akademischen Hintergrund, ist hier willkommen und darf freiwillig mitarbeiten, so lange er nichts zerstört. Die Offenheit geht sogar noch weiter, denn der Begriff «interdisziplinär» umfasst in Visoko nicht nur wissenschaftliche, sondern auch esoterische Disziplinen: Völlig selbstverständlich werden in den Tunneln neben dem Ionengehalt der Luft, Temperatur und Feuchtigkeit mittels Pendeln beispielsweise auch grenzwissenschaftliche «Bovis-Strahlungswerte» ermittelt, wird mit Georadar und Wünschelrute gearbeitet, wird gemessen, protokolliert und meditiert.
Was sind das überhaupt für Leute, die sich als «Volunteers» beim Pyramidenprojekt melden? Da war zum Beispiel ein deutsches Ehepaar, das sich zu einer zweijährigen Fahrradtour in den Nahen Osten aufgemacht und erst unterwegs von den bosnischen Pyramiden erfahren hatte. Oder ein dänischer Frührentner, der schon zum vierten Mal dabei war und diesmal so lange Überfluteter Tunnel. Im Vordergrund Trockenmauern.
Steinernes Rad. Funde wie diese geben Osmanagichs Theorien trotz aller wissenschaftlichen Kritik Auftrieb.
Blick ins Tunnelsystem. Gute Luft, angenehme Kühle und «positive Energie» sorgen für Wohlbefinden. (Foto: René Tobler) bleiben wollte, bis ein Eingang in die Sonnenpyramide gefunden würde. Oder zwei Freundinnen aus Kanada, die sich vor allem für die spirituellen Aspekte interessierten. Da waren Hobbyforscher und Abenteurer, Neugierige und Esoteriker, Frauen und Männer, Jugendliche und Rentner – allen gemeinsam war jene gewisse Offenheit von Menschen, die Dinge bewegen wollen.
Von Anfang an herrschte eine sehr gute Atmosphäre, und all die unterschiedlichen Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt wuchsen zu einer Gruppe zusammen, die nicht nur zusammen arbeitete, sondern abends auch gemeinsam feierte – auf der Dachterrasse des Motels oder draussen am Lagerfeuer. Einen wesentlichen Beitrag zur guten Atmosphäre leistete übrigens Tim Moon, der archäologische Leiter der Ausgrabungen, der mit seiner sympathischen, humorigen Art immer ein Teil der Gruppe und ein kompetenter Viele empfinden das Tunnelsystem als äusserst starken Kraftort.
Ansprechpartner war.
New-Age-Meditation auf der Bergspitze Zur Sommersonnenwende fanden sich meiner Schätzung nach 300 Menschen auf der Spitze der Sonnenpyramide ein, angereist aus den verschiedensten Ländern. Nach einer Ansprache von Osmanagich folgte eine magische Zeremonie, die stark New-Age-orientiert war und mit der Sonnenwende als solcher nichts zu tun hatte, bei den meisten Anwesenden aber gut ankam.
Dazu passt, dass in den Tunneln auch Infotafeln über die mittels Pendel-oder Wünschelrute ermittelte «Energiestrahlung» angebracht sind, mit beachtlichen Wertangaben von bis zu 40’000 Bovis.
Da ich mich selber mit Dingen dieser Art befasse, meditierte ich während meines Aufenthaltes hie und da und fühlte mich hinein.
Einfach so, ohne radiästhetische Hilfsmittel.
Deutliche Kraftorte, wie man sie in manchen alten Kirchen, Steinsetzungen oder auch natürlichen Strukturen Àndet, konnte ich dabei allerdings nicht wahrnehmen, weder auf der Sonnen- oder Mondpyramide noch in den Tunneln, auch nicht bei den Schildern mit den hohen Bovis-Werten.
Das Tunnelsystem insgesamt vermittelte allerdings ein bemerkenswert intensives Gefühl. Und das nicht nur der guten Luft und der angenehmen Kühle wegen. Praktisch jeder hielt sich gern darin auf, und die körperliche Arbeit in den Tunneln war allgemein beliebt – obwohl das Schieben von Schubkarren voller Geröll wahrlich keine besonders spannende Tätigkeit ist.
Ich würde das Tunnelsystem insgesamt als einen Kraftort bezeichnen. Auch das Städtchen Visoko und das ganze Tal hat eine besondere Atmosphäre, einen gewissen Touch, der an nichts Konkretem auszumachen ist, sich aber in vielen Kleinigkeiten ausdrückt. In der allgemein gelassenen Stimmung beispielsweise, dem südländischen, aber entspannten Strassenverkehr, den meist liebevollen, herumstreunenden Hunden, die sich über jede Streicheleinheit freuen. Oder den Gebetsrufen von den Minaretten der Moscheen, die hier kein aufdringliches Geschrei aus übersteuerten Lautsprechern sind, sondern ein angenehm klingender mystischer Singsang.
Die noch immer reichlich vorhandenen Kriegsschäden wirken bizarr – die Vorstellung, dass hier bis vor 15 Jahren noch Krieg herrschte, erscheint surreal. Ein anderer freiwilliger Helfer empfand ebenso: Keine konkreten Kraftplätze, aber irgendwie ist die ganze Gegend einer. «Das nächste Tal fühlt sich schon ganz anders an», sagte ein weiterer.
Ein Detail spezieller Art spaltet Befürworter und Kritiker der Ausgrabungsstätte derzeit besonders und sorgt nicht zuletzt Infoschild in den Ravne-Tunneln. Laut Pendlern und Wünschelrutengängern sollen hier starke Kräfte spürbar sein.
Ausgabe 6/2013 im Internet für allerlei fantastische Spekulationen: Nach Angaben der «Bosnian Pyramid of the Sun Foundation» wird aus der Spitze der Sonnenpyramide nämlich ein kontinuierlicher elektromagnetischer «Energiestrahl» mit einer Frequenz von 28,3 kHz senkrecht nach oben ausgestrahlt (siehe dazu Textbox auf Seite 22 und Seite 23). Auf Illustrationen der Stiftung wird dieses Mysterium mittlerweile sogar künstlerisch dargestellt.
Für mich stand fest: Diesen fantastischen, physikalisch messbaren Effekt wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! So stieg ich also mit einem Taschenoszilloskop und einer Rolle Kabel als Antenne auf den Berg, um zu messen. Leider gab es da nichts zu messen, auch nicht mit 15 Metern Kabel und schliesslich der ganzen aufgewickelten Rolle. Egal, ob als geschlossene Schleife oder offen: Nichts. Das kleine Oszilloskop hat immerhin eine EmpÀndlichkeit von 10 Millivolt und zeigte auch einiges an: Restwellen von irgendwelchen Signalen, Elektrosmog – aber de- Ànitiv kein 28,3-kHz-Signal.
Ich lief mit dem Gerät auf der Pyramidenspitze umher, das Antennenkabel nachziehend und immer wieder neu auslegend, doch das Ergebnis blieb immer dasselbe. Ebenso in den Tunneln, wo einer der Megalithen ebenfalls ein 28,3-kHz-Signal emittieren soll. Die einzigen Signale, die ich dort empÀng, stammten von den Stromleitungen und den LeuchtstofÁampen.
War meine Ausrüstung zu schlecht? Oder war das Signal zu schwach? Konkrete Messdaten zu bekommen, ist schwierig: Auf der Seite der «Foundation» Àndet sich zwar ein angegebener Pegelwert von 3,9 V, aber woran gemessen? An einer Ferritantenne? Ich hatte im Vertrauen auf ein starkes Signal («Energiestrahl»!) keine Ferritantenne dabei, denn eigentlich hätte sich ein solch deutliches Signal im 10-mV-Bereich mit meiner Drahtantenne messen lassen müssen.
Fragwürdiger Mix aus Wissenschaft und Esoterik Der Effekt wäre nicht weniger interessant, wenn er nur schwach wäre – aber wieso muss man dann so dick auftragen und gleich einen Begriff wie «Energiestrahl» bemühen? Kleine Ungenauigkeiten, Übertreibungen und Verwirrungen gibt es bei diesem Forschungsprojekt leider einige. Und nicht alles, was als gesichertes Wissen dargestellt wird, steht tatsächlich auf festem Boden. Vielmehr werden in Visoko akademische und esoterische Erkenntnisse, solare und lunare Prinzipien derart unbekümmert Blick ins Tal: Rekonstruierte mittelalterliche Festungsmauern auf der Spitze der Sonnenpyramide.
Suche nach Artefakten. Der Autor beim Sichten des Tunnelschutts.
durcheinander gemischt, dass sie für einen Laien kaum zu unterscheiden sind.
Zudem besteht der Internetauftritt der «Foundation» aus einer verwirrenden Vielfalt von Seiten, die nicht erkennen lässt, welche nun gerade die ofÀziellste und im Moment aktuellste ist (www.bosnianpyramidofthesun.com). Das sind unglückliche Details, die für sich genommen alle nicht so schlimm sein mögen, in ihrer Gesamtheit aber unnötigerweise ein seltsames, schiefes Bild des Projektes vermitteln.
Von solchen Kritikpunkten abgesehen muss man anerkennen, dass die «Bosnian Pyramid of the Sun Foundation» für eine Privatinitiative in wenigen Jahren Unglaubliches geleistet hat.
Vielleicht Àndet sich unter den Lesern dieses Artikels ja jemand, der sich mit besserer Messtechnik, als ich sie dabei hatte, zur Sonnenpyramide aufmacht, um etwas mehr Klarheit in das Energiestrahl-Mysterium zu bringen?
n▼ Schacht in die Mondpyramide. Deutlich erkennbar sind die übereinander geschichteten Steinblöcke.
Kurioser Energiestrahl: Professor hält an seiner Entdeckung fest Bereits 2007 berichtete der belgische Globetrotter Philip Coppens in «mysteries» über seine Reise nach Visoko. Vieles wurde seither über den Berg Visocica, die bosnische «Sonnenpyramide», geschrieben. Und noch mehr spekuliert. Dennoch bleibt eine gesunde Portion Vorsicht angebracht, wie Coppens mahnte. Für ihn, so betonte der aufgeschlossene Experte erst kürzlich noch vor seinem unerwarteten Tod, sei die Pyramide kein komplett von Menschenhand errichtetes Bauwerk wie Sam Osmanagich glaubt – sondern viel eher ein natürlicher Hügel, der irgendwann in grauer Vorzeit bearbeitet wurde.
Neue Nahrung erhielt die Kontroverse 2012, als ein multidisziplinäres Projekt der italienischen Universität Triest und dem Politecnico Milano eine beinahe schon sensationell anmutende Entdeckung bekannt gab. Zwar glaubt auch das Team um Professor Paolo Debertolis und den kroatischen Physiker Slobodan Mizdrak, dass die Pyramide von Visoko natürlichen Ursprungs, im besten Fall also ein «ummodellierter Berg» ist.
Umso verblüffter war der Professor, als sein Team vor Ort mit physikalischen Mitteln einen mysteriösen Energiestrahl mass.
Debertolis bestätigte diese aufsehenerregende Entdeckung im November 2012 gegenüber dem Saarbrücker Journalisten Andreas Müller: «Der Strahl tritt in 2,44 Kilometern Tiefe un- Von ihrer Entdeckung überzeugt: Debertolis (l.) und sein Team.
terhalb des Pyramidenhügels aus einer sehr grossen metallischen parabolisch geformten Platte von 800 Metern Durchmesser aus. Diese Platte erzeugt elektromagnetische Wellen von 28.300 Hz und damit elektromagnetische Längswellen (VLF), die sich etwa 15 Meter über dem Gipfel der Pyramide konzentrieren. Wir können uns dieses Phänomen nicht erklären!»
Unterhalb des Berges Visocica gäbe es somit tatsächlich etwas wirklich Merkwürdiges, glaubt der Professor. «Es ist durchaus möglich, dass diese ‹Maschine› unter dem Berg das Produkt einer antiken Zivilisation ist.» Einen ausführlichen Bericht dazu wollen er und seine Teamkollegen noch in diesem Jahr veröffentlichen, wie Professor Debertolis auf Anfrage von «mys-
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/60-staatliche-mittel-fuer-die-ausgrabungen-sind-in-bosnien-unden-page19-1.jpg403525Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2013-06-01 12:00:002025-12-15 15:54:25Staatliche Mittel FüR Die Ausgrabungen Sind In Bosnien Undenkbar.
Historische Spukstätte soll für alle geöffnet werden
Hauseingang von Nr. 54. Welcher Behördenschelm hat dieses niedliche Gespenstchen von innen (!) ans Fenster geklebt?
Humbug abtaten und deshalb selber in den Räumlichkeiten übernachteten, am nächsten Morgen völlig verstört und mit schlohweissen Haaren aus der Tür getaumelt seien. Selbst Gerüchte über einen unterirdischen Geheimgang, der zum Fluss Aare führt, wollen bis heute nicht verstummen.
Unvermietbar und vermutlich nie bewohnt Errichtet wurde das «Gespensterhaus» in der Berner Altstadt bereits im Jahr 1450. Vermutlich nie bewohnt, diente es in all den Jahrhunderten hauptsächlich als Lagerraum oder Pferdestallung. Höchstens der eine oder andere Kutscher übernachtete gelegentlich darin. 1942 baute die Eidgenossenschaft erstmals die Innenräume um. Fortan lagerte man dort Büromöbel, Luftschutz-Utensilien und Sanitätsmaterial.
Der ehemalige Pferdestall diente den Bundesbehörden nun als Autogarage.
In den 1950er-Jahren meldete sich dann die Schweizer Naturforscherin und Parapsychologin Dr. Fanny Moser in ihrem Buch «Spuk – Irrglaube oder Wahrglaube?» zu Wort: «Jedes Berner Kind kennt das ‹Spukhaus› an der Junkerngasse, wo es seit Jahren schauerlich zugehe, weshalb es unvermietbar und verwahrlost dasteht.»
Über 60 Jahre sind seither vergangen. Und noch immer steht das Haus an bester und teuerster Wohnlage trotz blühender Geranien leer. Fast leer. «Vereinzelt wird die Liegenschaft heute für Geisterfigur im Dachstock des Hauses. Wer sie hier einst platzierte, will heute niemand mehr wissen. (Foto: Andreas Blatter) Wettbewerbs-Jurierungen genutzt», heisst es auf Anfrage von «mysteries» bei der Direktion des Bundesamts für Bauten und Logistik im Eidgenössischen Finanzdepartement in Bern. Deren Sprecher, Jonas Spirig, verweist in diesem Zusammenhang «auf den sehr tiefen Ausbaustandart». Nähere Auskünfte dazu gibts von ihm nicht. Begründung: «Das so genannte Geisterhaus gehört zum Von-Wattenwyl-Haus (Nr. 59), welches vom Bundesrat für repräsentative Zwecke genutzt wird und deshalb besonderen Bestimmungen unterliegt.»
Aus diesem Grund gewähre man Journalisten derzeit auch keinen Zutritt ins Spukhaus.
Was «mysteries» verwehrt blieb, wurde dem Berner Andreas Blatter von den Behörden seltsamerweise erlaubt. Als einziger Fotograf überhaupt durfte Blatter 2010 das Innere des Gebäudes – vier mittels einer Treppe verbundene Stockwerke – auf Film bannen. Ganz zuoberst im Dachstock beäugte ihn dabei eine seltsame GeisterÀgur, wie er sich erinnert. Wer das merkwürdige «Gespenst» dort oben einst aufstellte, will heute nie- Nächtens soll sich eine schwarze Frau ohne Kopf am Fenster zeigen.
mand mehr wissen.
Behördensprecher auffällig wortkarg Hinter den Kulissen aber rumort es – zumindest bei den Bundesbehörden. «Die Nutzungsbedürfnisse und -möglichkeiten sind in Überprüfung», bestätigt Mediensprecher Spirig auffällig wortkarg. Dass der umtriebige Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät das mittelalterliche Haus öffentlich zugänglich machen will, erwähnt der Beamte seltsamerweise mit keinem Wort. Tatsache aber ist: Bereits Anfang dieses Jahres hatte Ausgabe 6/2013 65 Will das Spukhaus kaufen und der Öffentlichkeit zugänglich machen: Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät.
Alles andere als einladend: Dachbodenraum des Spukhauses an der Junkerngasse 54.
(Foto: Andreas Blatter) Tschäppät die Idee lanciert, das «Gespensterhaus» in der Junkerngasse endlich für die Bevölkerung zu öffnen, um die Altstadt damit zu beleben. Speziell Kinder und Touristen zeigten an dem alten Gemäuer Interesse.
Eine entsprechende Kaufanfrage der Stadt liege dem Bund seit längerer Zeit vor. Getan hat sich seither leider noch nichts, so Tschäppät gegenüber «mysteries»: «Dennoch bin ich optimistisch. Die bundesbehördlichen Mühlen mahlen eben etwas langsamer. Wir bleiben jedenfalls dran.»
Spukt es gar nicht in Nr. 54 – sondern in Haus Nr. 5?
Fraglich bleibt zudem, ob die Gruselgeschichten tatsächlich im Haus Nr. 54 ihren Ursprung nahmen. Denn Toilettenanlagen wurden dort frühestens 1920 eingebaut. Für die Berner Kunsthistorikerin Monica BilÀnger vom Bundesamt für Bauten und Logistik ein klarer Hinweis darauf, dass das Gebäude gar nie bewohnt war: «Es war auch nie an die mittelalterliche Kanalisation angeschlossen.»
Stammt die Gespenstermär womöglich aus der örtlichen Nachbarschaft? Gemäss F. A. Volmar, der sich dem «Gschpänsterhus» 1969 in seinem Buch «Berner Spuk» ebenso ausführlich wie kritisch annahm, könnte das durchaus möglich sein. Trotz intensiver Suche in alten Schriften und Befragungen von Nachbarn fand er so gut wie keine schriftlichen Aufzeichnungen über Geistererscheinungen in Haus Nr. 54.
Aufhorchen liessen Volmar dagegen dokumentierte Spukberichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die ausdrücklich das Haus Nr. 5 in der Junkerngasse erwähnen: «Ein Herr von Tscharner habe erzählt‚ in jeder Nacht um die gleiche Stunde fühle er etwas, das über ihn hinwegschwebe. Auch eine im gleichen Haus wohnende, sehr alte und ebenfalls patrizische Jungfer Kilchberger beklagte sich einst über nächtlichen Geisterspuk». Von Tscharners kauzige, stadtbekannte Tochter Louise Elisabeth de Meuron-von Tscharner (1882 bis 1980) soll sich in besagtem Haus in ihren späteren Jahren ebenso mit Hausgespenstern herumgeschlagen haben.
Verrutschte Bilderrahmen in der Nachbarschaft Kunsthistorikerin Monica BilÀnger – als Bundesbeamtin für die Junkerngasse 54 zuständig und ein paar Häuser weiter in der Gerechtigkeitsgasse wohnhaft – weiss ebenfalls von Spuk in der unmittelbaren Nachbarschaft des Gespensterhauses zu berichten, wie sie 2008 in einem Radiointerview bestätigte. «Es gibt solche Geschichten tatsächlich in der Gasse – sogar in dem Haus, in dem ich wohne. Geschichten von verrutschten Bilderrahmen oder von Leuten, die im weitesten Sinn ‹mitleben›.»
Mittlerweile wird BilÀnger die Geister, die sie rief, offenbar nicht mehr los – und zieht es deshalb vor, auf Tauchstation zu gehen. Mehrere Nachfragen von «mysteries» liess sie unbeantwortet.
Dazu Pressesprecher Spirig: «Frau BilÀnger hat mit dem Haus an der Junkerngasse im Rahmen ihrer beruÁichen Tätigkeit beim Bundesamt für Bauten und Logistik zu tun und zieht es vor, Ihre mehrheitlich an sie als Privatperson gerichteten Fragen nicht zu beantworten. Wir bitten Sie, dies zu respektieren.»
red. ■
Totenstille. Weiteres Foto mit Seltenheitswert aus dem leer stehenden Gespensterhaus.
Die Fassade trügt: Gruselige Geschichten sollen sich im berüchtigsten Schweizer Spukhaus in der Berner Junkerngasse 54 einst abgespielt haben. Seit Jahrzehnten wird der Bevölkerung der Zutritt verwehrt. Fotos aus dem Innern sind Mangelware. Nun will die Stadt das marode Gemäuer in der mittelalterlichen Altstadt kaufen – während die wahren Geister längst ein paar Häuser weiter hausen.
Die altertümliche Tür am Haus Nr. 54 ist verriegelt. Eine Klingel? Fehlanzeige. Ein Namensschild? Nicht vorhanden. Der einzige Hinweis darauf, wer hier haust, hängt innen am gläsernen Torbogen über der Türe: Ein Zettel mit einem aufgemalten Gespenst. Hin und wieder leuchtet hinter der Türe eine Lampe auf – wie von Geisterhand angeknipst. Ansonsten herrscht unspektakuläre Stille. Auch vonseiten der Schweizer Bundesverwaltung. Denn das legendäre Spukhaus in der Berner Junkerngasse gehört seit 1934 zusammen mit dem noblen Béatrice-von-Wattenwyl-Haus (Nr. 59) der Eidgenossenschaft.
Dieses prächtige Patrizierhaus wird von der Schweizer Regierung seither zum Empfang von Gästen, aber auch für politische Gespräche genutzt.
Nummer 54 dagegen modert – obwohl mitten in der malerischen Altstadt gelegen – vor sich hin. Seit über hundert Jahren ranken sich die schauerlichsten Geschichten um das Gemäuer.
So soll es dort nachts unheimlich poltern. Um Mitternacht treibe zudem eine Frau ihr Unwesen, ganz in schwarz, die durch die Räume irre und gelegentlich ohne Kopf am Fenster erscheine.
In den 1930er-Jahren, als unter dem Dachvorsprung noch ein kleines, eisernes Aufzugsrad zu sehen war, munkelte man, dass sich dieses zur Geisterstunde «rasend und sogar feurig drehen» würde. Noch heute erzählen sich die Berner zudem, dass zwei Studenten, welche die Geistergeschichten einst als Junkerngasse Nr. 54: Fensterläden, Gardinen und Geranien sollen über das schauerlich-marode Innere des Altstadthauses hinwegtäuschen.
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/60-gespensterhaus-in-der-junkerngasse-bern-will-seine-geister-page63-1.jpg1073949Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2013-06-01 12:00:002025-12-15 15:47:17Gespensterhaus In Der Junkerngasse: Bern Will Seine Geister Befreien
Haselnüsse: Ferrero, Nestlé & Co. beuten Minderjährige aus
Kinderarbeit? So etwa gibts nur in der Dritten Welt. Falsch! Auch in unseren GeÀlden müssen 9-Jährige für Hungerlöhne schuften. Vor allem in der Türkei – bei der Ernte von Haselnüssen, die für Nutella & Co. verarbeitet werden. «mysteries» konfrontierte die Schoko-Hersteller mit den Missständen und stiess auf nervöse Konzernsprecher, die allesamt Besserung gelobten, obwohl ihre Bosse die Ausbeuterei jahrelang stillschweigend in Kauf nahmen.
Abgekämpft zerrt der kleine Junge den langen Ast zu sich herunter. Die Blätter und zweige kratzen ihn über Gesicht und Unterarme. Von oben knallt die Sonne auf ihn herab. 30 Grad und mehr sind im Sommer keine Seltenheit. Unten krallen und stemmen sich seine kleinen Füsse in den Boden – versuchen Halt zu Ànden auf dem steilen, steinigen Waldabhang. Roboterhaft pÁückt der Bub die Haselnüsse von den Ästen und verstaut sie im Stoffsack an seiner Hüfte. Wie schon unzählige Nüsse zuvor.
Wie noch unzählige Nüsse danach. Und das jeden Tag rund elf Stunden lang.
Aydin ist gerade mal neun Jahre alt. Eigentlich wäre er lieber in der Schule. Weil er später Polizist werden möchte. Aber er muss arbeiten. Als kurdische Wanderarbeiter kämen seine Eltern ohne sein zusätzliches Einkommen nicht über die Runden. zu Hause würden er und seine Familie verhungern – weil es dort so gut wie keine Arbeit gibt. Und so arbeitet Aydin ohne zu murren als einer von unzähligen minderjährigen Erntehelfern in den Bergen der türkischen Schwarzmeerregion Ordu, die sich bis auf 1500 Meter Höhe erstreckt.
Knochenarbeit für ein paar lumpige Euro Läppische 1.30 Euro verdienen Aydin und seine Kollegen pro Stunde, unabhängig von ihrem Alter. Ein echter Hungerlohn. Und das, obwohl ihre Ernte sehr begehrt ist: Die Türkei ist der mit Abstand wichtigste Haselnuss-Produzent. Die meisten Haselnüsse weltweit stammen von der Schwarzmeerküste. 600’000 Tonnen pro Jahr. Jede einzelne Frucht wird von Hand gepÁückt.
Sie landen in deutschem Nutella oder in österreichischem Weih-Ausgabe 6/2013 Ernte statt Schularbeit. Um nicht hungern zu müssen, arbeiten Kinder wie der 9-jährige Aydin monatelang als Helfer in der Landwirtschaft.
nachtsgebäck. In der Schweiz stammen sogar fast alle Schoggi-Haselnüsse aus der Türkei.
Grosskonzerne wie Ferrero, Nestlé und Mondelez verdienen sich damit seit Jahren eine goldene Nase – und zahlen dennoch immer weniger für die landwirtschaftlichen Produkte, um noch mehr ProÀt zu erwirtschaften. zu spüren bekommen das vor allem die zumeist illegal tätigen Arbeiter am Ende der Produktionskette: die Erntehelfer.
Der kleine Aydin ist nur einer von unzähligen weiteren kurdischen Jungen und Mädchen, die für einen Hungerlohn schuften müssen, um zu überleben. Verlässliche zahlen zur Kinderarbeit im Haselnussanbau gibt es nicht. Gemäss Studien aus dem Jahre 2006 arbeiten «in der Türkei mindestens 320’000 Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren im Landwirtschaftssektor in einem Umfang, der gesetzlich nicht mehr erlaubt ist», so Friedel Hütz-Adams gegenüber «mysteries». Der Wirtschaftswissenschaftler ist Verfasser der Analyse «Haselnüsse aus der Türkei. Ökologische und soziale Probleme beim Anbau» für das «Südwind»-Institut aus dem Jahr 2012.
Vor allem dank der aufrüttelnden WDR-Reportage «Die Haselnusskinder» der TV-Journalistinnen Rebecca Gudisch und Gönke Harms aus dem Jahre 2011 steht die weltweite Süsswarenund Nahrungsmittelindustrie mittlerweile jedoch unter Druck.
Die ausbeuterischen zustände bei der Herstellung eines ihrer wichtigsten Rohstoffe lässt sich nicht mehr so leicht verbergen und leugnen wie auch schon. In bewegenden Bildern zeigten die Reporterinnen schonungslos auf, wie Minderjährige im SchulpÁichtalter von morgens bis abends für das Überleben ihrer Familien schuften – obwohl Kinderarbeit auch in der Türkei ofÀziell streng verboten ist.
Die Erntehelferfamilien hausen unter erbärmlichsten Verhältnissen, teilweise fehlt jegliche Infrastruktur, für hunderte von Menschen gibt es kaum Toiletten.
zudem schrammte die Region Ordu erst vor wenigen Jahren nur knapp an einer Katastrophe vorbei, als nach heftigen Regenfällen eine Flutwelle das ärmliche Lager Hunderter Erntehelfer überrollte und wegschwemmte. Grund: Die türkischen Behörden hatten den ungeliebten Kurden ein Flussufer als Campingareal für ihre Slum-zelte zugewiesen, obwohl diese Region als akut hochwassergefährdet bekannt ist. Nur durch viel Glück gab es damals keine Todesopfer zu beklagen.
«Seit nun einige Kameras auf diese zustände gerichtet waren, tut sich etwas», sagt Experte Friedel Hütz-Adams. Bis jetzt seien jedoch lediglich «erste Schritte» in die richtige Richtung gemacht worden. «Es müssen viele weitere folgen, denn wirklich verändert hat sich noch nicht viel.» So seien auch im Sommer 2013 einmal mehr unzählige Kinder als Erntehelfer missbraucht worden.
zu lange haben Politik und Industrie der Kinderarbeit tatenlos zugesehen, kritisiert der Wissenschaftler: «Nun muss Áächendeckend und koordiniert etwas passieren.»
Anfang 2013 wollten die Lebensmittelmultis erste Lösungsvorschläge vorlegen. «Wir sind daran», hiess es etwa bei Nestlé («Nesquik», «Kitkat», «Cailler» etc.) gegenüber Journalisten. Auf Anfrage von «mysteries» erklärt der weltgrösste Nahrunsmittelkonzern aus der Schweiz nun vollmundig: «Wir sind davon überzeugt, dass in unserer Versorgungskette Kinderarbeit keinen Platz hat. Nestlé hat 2011 ein Pilotprojekt mit der Fair Labor Association (FLA) zur umfassenden Untersuchung der Arbeitsbedingungen im Haselnussanbau in der Türkei initiiert. Auf Grundlage des Reports der FLA, welcher Missstände wie Schwarzarbeit, Niedriglöhne und auch Kinderarbeit identiÀzierte, hat Nestlé im März 2012 einen Aktionsplan entwickelt und veröffentlicht.»
Konzerne geloben Besserung Man habe bereits «signiÀkante Fortschritte» erzielt, so Nestlé-Sprecher Philippe Aeschlimann, dessen Unternehmen 2012 knapp neun Milliarden Euro Reingewinn erwirtschaftete. Bereits 2012 habe Nestlé 50 Prozent seiner türkischen Haselnüsse aus einer «transparenten und verantwortungsbewussten Versorgungskette» bezogen. 4000 Haselnussfarmen arbeiteten mittlerweile unter den verschärften Bedingungen für die zulieferer des Food-Multis. ziel sei es, bis 2013 gegen 70 Prozent und bis 2014 sogar 100 Prozent der Haselnüsse nachvollziehbar von Plötzlich geben sich alle Grosskonzerne sozial – im Interesse ihres Profits.
kontrollierbaren Bauern und zulieferen zu beziehen, so Aeschlimann. Diese Vorgaben und zahlen würden «durch unabhängige Dritte» – etwa die amerikanische Hilfsorganisation FLA überprüft – und durch «ein adäquates Monitoring sowie Schulungsprogramme zur Sicherstellung der Einhaltung unserer Arbeitsrichtlinien» begleitet, verspricht der Nahrungsmittelkonzern.
Ähnlich klingt es bei Mitbewerber Ferrero («Nutella», «Duplo», «Hanuta», «Kinderschnitte» etc.), dem grössten Abnehmer von Haselnüssen weltweit. ziel des italienischen Konzerns sei es, «gruppenübergreifend ab 2020 bei 100 Prozent der verwendeten Haselnüsse die Rückverfolgbarkeit zu garantieren», versichert der Schokoladen-Riese gegenüber «mysteries». Selbstverständlich setze man sich grundsätzlich für die «Vermeidung jeglicher Form von Kinderarbeit, insbesondere missbräuchlicher Kinderarbeit sowie zwangsarbeit» ein: «Dazu arbeiten wir in der Türkei gemeinsam mit dem ScientiÀc CertiÀcation System (SCS), einem weltweit tätigen, unabhängigen zertiÀzierungsinstitut, an der Entwicklung von Standards für die verantwortungsvolle Beschaffung.»
Weitere «Säule des Engagements» von Ferrero sei «die Förderung privater Partnerschaftsprojekte, die zum ziel haben, den Haselnussbauern zugang zu Bildung zu verschaffen, Know-how und agrarwirtschaftliche Praktiken zur Verfügung zu stellen und die Infrastruktur zu verbessern. Der Ansatz ist hier, die Situation der Bauern insgesamt zu verbessern und sie in die Lage zu versetzen, produktiver und wirtschaftlicher zu arbeiten. Auch dies ist eine wichtige Voraussetzung, um Kinderarbeit zu bekämpfen.»
Alle kontaktierten Konzerne betonen, dass man in dieser Angelegenheit untereinander sowie mit Regierungsstellen und Menschenrechtsorganisationen zusammenarbeite.
Kurz und knapp heisst es denn auch beim US-Multi Mondelez («Milka», «Toblerone», «Nussini» etc.) auf Anfrage: Das Thema Kinderar-Bitterer Nachgeschmack. Auch für die beliebte Milka-Schokolade werden Minderjährige ausgebeutet.