«PSI-WUNDER» AUS BREMEN MELDET SICH ZURÜCK
«Dreh Dich – bieg Dich!»: Er liess Aschenbecher rotieren und Löffel schweben – ohne sie anzufassen. «Sensationell!», urteilten Wissenschaftler um 1976 verblüfft. Dann wurde es um Claus Rahn still. Nun plant der Bremer sein Comeback, wie er «mysteries» verrät – und wartet mit neuen Filmaufnahmen auf.
den, auf denen der bald 60-Jährige schier Unglaubliches vollbringt: Metallund Plastiklöffel verkrümmen sich auf sein Kommando wie von Geisterhand – und biegen sich wieder zurück. Einige davon gar eingeschlossen im Glaskasten.
«Und das ist nur der Anfang», wie Rahn gegenüber «mysteries» verrät. «Ich habe da noch einige Überraschungen in der Hinterhand. In Kürze werden wir weitere Filme aufschalten – etwa von einer von Luc Bürgin Claus Rahn ist zurück – und wie! Dreissig Jahre lang war es um das deutsche Psi-Ausnahmetalent («Dreh Dich!», «Bieg Dich!») stillgeworden. Nun ist der Bremer daran, eine eigene Homepage aufzubauen: www.claus-rahn.de.
Bereits jetzt können dort sieben kleinformatige Amateurvideos bestaunt wer- Münze, die ich mit Gedankenkraft verkrümme – oder von einem Löffel, den ich schweben lasse.»
Alles Humbug? Billige Film-oder Zaubertricks? Im Gegenteil, wie selbst skeptische deutsche Wissenschaftler bereits Mitte der 70er-Jahre verdutzt eingestehen mussten. Angefangen hatte alles nämlich bereits vor 32 Jahren – mit einem Brief von Rahn an den Chefredakteur der grenzwissenschaftlichen Zeitschrift «esotera», Gert Geisler. Der damals 27-jährige Psychokinet bat darin, seine paranormalen Kräfte untersuchen zu lassen.
«Tanzende» Löffel In Geislers Familienkreis kam es zu ersten kleinen «Wundern»: Ohne ihn dabei zu berühren, liess Rahn etwa einen Teelöffel auf der Hand von Geislers Frau «tanzen». Der «esotera»-Chef war beeindruckt – und vermittelte den Psychokinet an das Parapsychologische Institut in Freiburg weiter, zum berühmten deutschen Psi-Professor Hans Bender.
Der führte in der Folge allerlei Tests durch. Prompt sorgte Claus Rahn erneut für Aufsehen, indem er etwa einen Teelöffel über Benders Hand hüpfen liess – ebenfalls ohne dabei seine eigenen Hände zu Hilfe zu nehmen.
Bis zu diesem Zeitpunkt war Rahn nur wenigen Lokaljournalisten ein Begriff. Doch nachdem der gelernte Sanitärkaufmann seine Gabe im wissenschaftlichen Rahmen unter Beweis gestellt hatte, nahm auch das Medieninteressen rapid zu. Ob «Bild» oder «Spiegel»: Plötzlich gaben sich die Journalisten bei ihm die Türklinke in die Hand.
Einhelliger Tenor in der deutschen Presse: Der Psychokinet sei besser als sein Vorbild Uri Geller. Vorbild deshalb, weil Rahn erst durch eine «Geller-Show» auf seine eigenen Kräfte aufmerksam wurde.
Besonders beeindruckt davon zeigten sich die Beobachter, dass Rahn sein Repertoire an Phänomenen stetig auszudehnen vermochte. Wohl, weil er seine Fähigkeiten immer wieder trainierte, wie «esotera» im August 1976 festhielt: «Claus Rahn, der ungern darüber spricht, lässt immerhin erkennen, dass er oft stundenlang übt, jene selbst von ihm nur gefühlsmässig abschätzbare psychische und physiologische Situation herbeizuzwingen, ‹in der etwas geht›.»
Auch den Physiker Dr. Hans-Dieter Betz von der Universität München konnte Rahn seinerzeit überzeugen. Zwei Monate lang hatte sich der Psychokinet den Forschern aus München für Tests zur Verfügung gestellt. Nicht jedes Experiment verlief erfolgreich. Dennoch musste Betz am Ende zugeben: «Er hat echte Effekte produziert, das steht ganz ausser Zweifel.»
«Er hat echte Effekte produziert – das steht ganz ausser Zweifel.»
Die Bandbreite der von Rahn erzeugten Phänomene war in der Tat beachtlich: Das Psi-Talent bewegte Metallgegenstände, ohne sie zu berühren. Er verbog Besteckteile und Schlüssel oder liess sie wie durch Geisteskraft schweben. Besonders interessant: Er versetzte auch Aschenbecher oder Schalen in schnelle Rotation – ebenfalls ohne sie dabei auch nur mit dem Finger zu berühren. «Wunder», wie sie bis heute kein anderer Psi-Begabter produzieren konnte.
Und «Wunder», die auch Jürgen Fritsch mitverfolgen konnte. Der Hamburger Journalist besuchte Rahn 1976 gemeinsam mit einer Psychologin. Gleich zu Beginn legte Rahn seinem Besucher einen Löffel auf den Handrücken. Seine eigene Hand hielt er anschliessend 15 Zentimeter darüber.
«Als Claus mit seiner Hand in Richtung meines Ellenbogens fuhr, hob der Löffel ab, schwebte zwischen seiner und meiner Hand und bewegte sich dann, wie von seiner Hand geführt, in Richtung auf meinen Ellenbogen zu. Nach etwa 30 Zentimetern Luftweg fiel er neben meinem Arm herunter», erinnerte sich der Journalist.
Kein Magnet im Ärmel Umso erstaunlicher, dass sich Fritsch den Löffel zuvor selber aussuchen durfte und Claus Rahn (2007). In seinen Händen die «esotera» von 1976 mit ihm auf dem Cover.
1976: Teillevitation eines Teelöffels durch Rahn. (Fotos: Jürgen Fritsch) Rahn beim Experiment ein kurzärmliges T-Shirt trug, «indem auch der beste Illusionist keinen Magneten oder ähnliche Hilfsmittel im Ärmel verstecken kann».
Ausserdem hätte bei einem Magneten der Löffel sofort reagieren müssen, «aber zuerst passierte nichts», so Fritsch. Die Levitation selber dauerte dann knapp fünf Sekunden und wurde auch von der anwesenden Psychologin erstaunt zur Kenntnis genommen.
Später liess Rahn für seine Besucher gar noch einen Suppenlöffel auf dem Tisch rotieren. Um ihn nochmals auf die Probe zu stellen, fuhr der Journalist mit dem Psychokineten schliesslich in ein Restaurant.
Dort verbog Claus Rahn den Schlüssel der Psychologin.
Dazu Jürgen Fritsch: «Claus hatte den starken Schlüssel verbogen. Etwa zwei bis drei Millimeter. Wir legten den Schlüssel auf den Tisch, um ihn zu fotografieren. Danach meinte Claus, die Drehung wäre noch nicht eindrucksvoll genug, nahm den Schlüssel wieder in die Hand und rieb ihn.
Dann sagte er zu mir: ‹Schnell anfassen und biegen!› Ich langte hin und hatte einen winzigen Moment lang den Eindruck, dass der Schlüssel ziemlich weich war. Claus hielt den Schlüssel an der einen Seite fest und ich an der anderen. Anschliessend stellten wir fest, dass wir ihn noch mehr verbogen hatten. Auch diese zweite Phase hielten wir fotographisch fest.»
«Im Restaurant gelang es ihm, einen Metallaschenbecher rotieren zu lassen.»
Schliesslich folgte der eigentliche Clou: Ebenfalls im Restaurant nämlich gelang es dem Bremer noch, einen Metallaschenbecher auf dem Tisch rotieren zu lassen.
«Ich wagte es, den Teller mit meinem Finger anzuhalten. Als ich wieder losliess, sauste er wieder wie aufgezogen um seine eigene Achse», gab Journalist Fritsch verwundert zu Protokoll.
Offen für alle Untersuchungen Dass derart viele Versuche an einem einzigen Tag gelangen, überraschte sogar Rahn selber. Seine Kritiker brachte er damit dennoch nicht zum Verstummen – er wäre auch der erste Psychokinet gewesen, dem das gelungen wäre.
Eigentlich unverständlich, denn allein schon die Vielfalt seiner Kunststücke liess den Einsatz von Hilfsmitteln sehr unwahrscheinlich erscheinen. Kam dazu, dass sich Claus Rahn immer gerne wissenschaftlichen Untersuchungen stellte – und so ziemlich jedes Experiment ohne Murren über sich ergehen liess.
Damit soll nun aber Schluss sein, wie der Mann heute gegenüber «mysteries» betont. «Sie können sich nicht vorstellen, was ich damals alles mitmachen musste! Ob ins Fernsehen oder zu Wissenschaftlern: Ich wurde von einem Termin zum anderen geschleppt. Das ging auf die Seele, hat extrem viel Kraft gekostet…»
Aus diesem Grund sei er nach dem Rummel in den 70er-Jahren dann auch abgetaucht. Folge: Der «Wundermann» geriet in Vergessenheit. Nur noch wenige Insider können sich heute an ihn erinnern.
Selbst die grösste Internet-Suchmaschine «Google» findet seinen Namen nicht.
«Auch heilerische Kräfte» Das dürfte sich nun bald ändern. Allerdings seien der eigentliche Grund, warum er wieder Publizität suche, weniger seine psychokinetischen Fähigkeiten, betont Claus Rahn.
Offenbar besitze er nämlich auch heilerische Kräfte, wie er vorsichtig anmerkt. «Das fing eigentlich in der Familie an», erzählt er. «Leg doch mal die Hand auf, hiess es da. Mach doch mal, das kann ja nie schaden…»
Der «irrsinnige» Erfolg seiner Heilungen habe ihn selber überwältigt, gesteht der Bremer. «Da war etwa die Wunde meiner Tochter, die sich nicht schliessen wollte, bis ich es halt versuchte. Bereits nach zwei Tagen war dann alles wieder gut.» Auch anderen habe er geholfen.
Geld nehme er für seine Heilungen aber keines, betont Claus Rahn in aller Deutlichkeit. Und fügt bescheiden an: «Schliesslich bin ich es ja gar nicht selbst, der heilt. Offenbar löse ich bei den Betroffenen irgendwelche Selbstheilungskräfte aus. Es klappt denn auch nur, wenn die Person sympathisch ist und an den Erfolg glaubt.»
Einem öffentlich organisierten Experiment wäre er grundsätzlich nicht abgeneigt – wenngleich er sogleich anfügt, dass er grundsätzlich keinerlei Garantie auf Heilerfolge gebe. «Aber wenn ich zumindest einigen damit helfen kann, ist das doch schon eine schöne Sache.»

























