Avatar-Roboter: Gestern noch pure Fiktion, heute bereits erschreckende Realität

Vier Meter hoch, 1,5 Tonnen schwer und über acht Millionen Euro teuer. So lauten die rekordverdächtigen Daten eines neuen zweibeinigen Roboters, den die südkoreanische Hightechschmiede Hankook Mirae Technology Ende 2017 auf den Markt bringen will.

Als der monströse Koloss losstapfte, habe die Erde unter seinen Füssen gebebt, berichteten Journalisten, die der Präsentation von»Method-2« beiwohnten. Inspiriert wurde die Entwicklung des mechanischen Giganten von James Camerons Science-Fiction-Filmen »Aliens« (1986) und »Avatar« (2009), wo derlei menschengesteuerte Riesen ohne Rücksicht auf Verluste unliebsame Gegner plattwalzen.

Willkommen in der Zukunft?

Dänikens »Legacy Night«-Video: Ab sofort kostenlos im Internet

Und noch eine Ehrung für Alien-Forscher Erich von Däniken (82): Am 15.

Oktober 2016 wurde im Londoner Princess Anne Theatre das Erscheinen seines Jahrhundertbestsellers»Erinnerungen an die Zukunft« (1968) gefeiert. Nach einem englischsprachigen Vortrag folgten Videobotschaften von Freunden und namhaften Wissenschaftlern. Darunter persönliche Grussnachrichten seiner Enkel, aber auch von TV-Ikone Frank Elstner. Das über zwei Stunden lange Videomaterial ist ab sofort kostenlos auf Youtube abrufbar. Suchbegriff: »New Erich Von Daniken Chariots of the Gods«.

Ein großer Roboter steht in einem Raum mit Menschen.
Ein Mann sitzt in einem Stuhl in einem Raum mit Robotern.
Ein Mann in blauem Anzug steht hinter einem Podium.
Holzbretter auf einem Tisch
Ein blau-schwarzer Hintergrund mit vielen Punkten.
Eine Frau in einem roten Kleid und einer Tiara.
Ein schwarz-weißes Bild einer Nummer in einem dunklen Raum.
nicht beantworten
Ein Gebäude mit einem Haufen Fenstern und einem Balkon.
Eine Statue eines Helms an der Seite eines Gebäudes.
Ein weißes "S" auf einem schwarzen Hintergrund.
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ein weißes Quadrat auf schwarzem Hintergrund
Ein Felsen wird auf einer dunklen Oberfläche gezeigt.
Eine Silhouette eines Fußes auf einem schwarzen Hintergrund.
Eine Skulptur eines Mannes auf einem Tisch.
Eine Reihe von vier Bildern des Mondes am Nachthimmel.

»Malaysian Airline«-Maschine geortet?

mein Leben lang gelernt, dass man immer offen bleiben muss – offen für Neues.« Schlussendlich sei in unserem Kosmos alles Energie, erklärt Georg Feichter. Jeder von uns besitze ein Energiefeld – und über dieses sei letztlich alles auf dieser Welt miteinander verbunden. »Alles be- Àndet sich in ständiger Schwingung und gegenseitiger Resonanz – auch Gegenstände.« Dies hinterlasse »Abdrücke«, und geübte Geomanten könnten derlei Spuren mittels Pendel und Rute orten, so der Mediziner, stark vereinfacht zusammengefasst. Mittels der einst auch von der CIA eingesetzten Remote-Viewing-Technik tauche er zu diesem Zweck »mental in die Raum-Zeit-Energie« ein. Das bedruckte Papier vor ihm diene dabei lediglich als Medium.

»Die Absturzstelle bietet einige klassische radiästhetische Merkmale, die zu einem Wrack mit toten Menschen passen«, erläutert Feichter: »Einen Seelenraum, einen kleinen horizontalen und einen vertikalen Seelenweg sowie negative Vitalenergie.« Mit Hilfe der GrifÁängentechnik an seiner»V-Wünschelrute« könne er am vermuteten Absturzort »eine Resonanz zu einigen Metallen, die in einem Flugzeug vorkommen, nachweisen – vor allem zu Aluminium, Eisen und Kupfer«.

Was er nicht verstehe, sei indes dieses »jedem Geomanten bekannte deutliche Signal für Gold«, das er erhalte – für ein Material also, das in einem LinienÁugzeug zumindest nicht übermässig vorhanden sein sollte. Ein Hinweis darauf, dass »MH370« tatsächlich gegen eine halbe Milliarde Dollar Gold transportiert haben könnte, welches für Peking bestimmt gewesen sei, wie Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth am 20. März 2014 im ZDF bei »Markus Lanz« in die Runde geworfen hatte?

Sicher ist: Die Maschine hatte zusätzlich nicht deklariertes elektronisches Gerät geladen: »Walkie-Talkies mit Lithium-Batte- Die Insel Platte. Das kleine Seychellen-Eiland verfügt über eine Landebahn.

rien, Ladegeräten und Zubehör« im Gesamtgewicht von zweieinhalb Tonnen, über deren Frachtdetails bis heute niemand ofÀziell Auskunft geben will.

Seine Suchergebnisse versteht Georg Feichter nicht als Beweis, aber als »hochgradigen Verdacht«, betont er. Das Rutengehen und Pendeln – die sogenannte Geomantie – sind zwar uralte Kulturtechniken und Erfahrungswissen, welche schon die alten Römer und Griechen kannten, aber »keine hundertprozentig sichere Wissenschaft oder Technik – so ehrlich muss man sein«.

Hoffnung für die Hinterbliebenen?

Über verschiedene Kanäle im Internet hat er versucht, Kontakt zur Hinterbliebenenorganisation der Absturzopfer aufzunehmen.

Denn diese plant – nachdem die staatliche Suche Anfang 2017 ofÀziell eingestellt worden ist – privat weiterzumachen und nach dem Wrack verstärkt vor der ostafrikanischen Küste zu fahnden.

»Da würde es Sinn machen, unsere Fundstelle gleich von Anfang an abzusuchen«, meint der emeritierte Professor.

Für die Feichters ist »ihre« Absturzstelle auch in anderer Hinsicht plausibel: Nicht nur dass an verschiedenen Küstenabschnitten in der dortigen Region Trümmerteile von MH370 aufgetaucht sind. Etwa 20 Kilometer westlich des Ortes, an dem das Pendel reagierte, stiessen die beiden zusätzlich auf eine winzige Insel namens Platte. »Wer dieses Eiland auf Google Maps heranzoomt, kann dort eine Kirche und eine 200 Meter lange Landebahn erkennen, die über die ganze Insel läuft.« Fakt ist zudem, dass der Pilot der Unglücksmaschine kurz vor seinem Verschwinden am heimischen Rechner per Flugsimulator die Landung auf kleinen Inseln geübt hatte. Nur ein kurioser Zufall?

Ihr Mann und sie wollten einfach nur helfen, betont Karin Feichter gegenüber »mysteries«. »Wenn wir nicht erfahren hätten, dass die Suche nach der Maschine eingestellt wird, hätten wir uns nicht gemeldet. Wir denken vor allem an die Angehörigen der Opfer, die sicher unter der Ungewissheit über das Schicksal ihrer Liebsten leiden.« Jan Fischer ■

Ausgabe 2/2017 43

Ein erfahrener Pendler will das Wrack jener Passagiermaschine geortet haben, die 2014 auf ihrem Flug von Kuala Lumpur nach Peking spurlos vom Radar verschwand. Handelt es sich bei dem Geomanten um einen abgedrifteten Esoteriker? Nein, sondern um einen emeritierten Pathologie-Professor der Universität Basel. Er und seine Frau wollen den Angehörigen der Vermissten helfen.

Das Pendel rotiert wie wild zwischen seinen Fingern. Professor Feichter dagegen bleibt ganz ruhig. Den langjährigen Mitarbeiter der Universität Basel bringt so schnell nichts aus der Fassung.

Dennoch glaubt der pensionierte Gynäkologe und Pathologe, eine wichtige Entdeckung gemacht zu haben. »Ich bin mir ziemlich sicher – hier im Meer liegt die seit 8. März 2014 verschollene Maschine der Malaysian Airline, MH370«, sagt er und deutet auf den Bereich der Weltkarte, über dem sein Pendel in Schwingung gekommen ist: südlich der Seychellen, ganz in der Nähe eines Atolls namens Platte, das zu besagtem Inselstaat gehört.

Mit Hilfe eines Fotos der verschwundenen Boeing hätten er und seine Frau Karin »mental mit der Energie der Maschine Kontakt aufgenommen«, erklärt Georg Feichter. Das Pendel habe ihm anschliessend die Flugroute und den Absturzort offenbart.

Demnach sei der Passagierjet von Kuala Lumpur »zuerst in nordöstlicher Richtung geÁogen, hat dann über Vietnam nach Wes ten gedreht, Áog über Thailand in südwestlicher Richtung, über die Andamanensee, den Golf von Bengalen, die Malediven weiter in südwestlicher Richtung über den Indischen Ozean und stürzte 22 Kilometer südlich der Seychellen ab«.

Der Pensionär lächelt, als er aufschaut und den ungläubigen Blick des Reporters sieht. Er ist das gewohnt. Ein emeritierter Professor, der sich seit etlichen Jahren mit Pendeln und Kraftorten beschäftigt? Mit Geomantie und Radiästhesie? Darüber sogar Bücher schreibt? Der anhand von bedrucktem Papier die Spur von realen Katastrophen aufnimmt?

»Das alles ist für Aussenstehende tatsächlich nicht leicht zu verstehen«, bestätigt der 70-Jährige mit ruhiger, sympathischer Stimme. »Aber, wissen Sie, gerade als Wissenschaftler habe ich

Als Wissenschaftler habe ich gelernt, stets offen für Neues zu bleiben.

Ausgab 2/2017

Ein Luftblick auf einen Strand und eine Straße.
Eine Person legt einen Ball auf eine Karte
nicht beantworten

Währungswunder im Chiemgau

»Das macht dann zehn Chiemgauer!« So oder ähnlich klingt es in manchen bayerischen Städten, wenn man beim Bäcker oder Metzger seinen Einkauf bezahlen will. Seit rund 14 Jahren ist im Chiemgau Deutschlands erfolgreichste Alternativwährung im Umlauf.

Natürlich kann man dort auch mit dem darbenden Euro bezahlen. Doch vom »Chiemgauer« proÀtieren statt der Banken nicht nur örtliche Ladenbesitzer, sondern auch lokale Vereine – und damit das regionale Gemeinwohl.

er in den oberbayerischen Landkreisen Rosenheim oder Traunstein einkauft, zieht – wenns ans Bezahlen Wgeht – nicht unbedingt Euro-Noten aus seinem Geldbeutel. Seit mittlerweile 14 Jahren können die Einwohner der bayerischen Region Chiemgau ihre Rechnungen bei Einzelhändlern und Gastronomen auch mit »Chiemgauer«-Geldscheinen bezahlen. Der »Chiemgauer« gilt als umsatzstärkste und bekannteste Regionalwährung in Deutschland – und noch dazu als eine der erfolgreichsten Komplementärwährungen der Welt.

2011 gab es in Deutschland zwischen Alpen und Küste noch 63 Regiogeld-Adressen, angefangen bei der »Hansemark« in Hamburg und dem »Roland« in Bremen, über den »Havel-Taler« in Neustadt/Dosse oder den »Braktus« in Hildesheim bis hin zur »Bürgerblüte« in Kassel sowie dem »Rheingold« in Düsseldorf. Manche dieser Währungen verschwanden wieder – doch der Chiemgauer blieb. Und er hängt in punkto Erfolg bis heute alle Konkurrenten ab. Die Nutzer des Regiogeldes können inzwischen selbst ihre Stromrechnung bei der Stadtwerke Rosenheim Versorgungs GmbH mit Chiemgauern begleichen.

Als ErÀnder des Chiemgauers gilt Christian Gelleri (43). Ein erster Impuls kommt dem Diplom-Handelslehrer und Betriebswirt 1989 auf einer Klassenfahrt in die damals kurz vor dem Zusammenbruch stehende DDR. Gelleri wundert sich darüber, dass er und seine Mitschüler für eine Westmark bis zu 50 Ostmark erhalten, obwohl der ofÀzielle Wechselkurs bei 1:1 liegt, dass ein Bier für eine Ostmark zu haben ist und eine Strassenbahnfahrt lächerliche 20 Ostpfennige kostet. »Klar fanden wir es toll, dass wir durch unseren Geldtausch auf dem Schwarzmarkt 50 Bier konsumieren konnten«, erinnert er sich schmunzelnd.

Dennoch kam er ins Grübeln.

Während seines Studiums verschlingt Christian Gelleri Bücher über Geldsysteme und stellt dabei fest, dass alle Währungen dieser Welt immer wieder stark an Wert verloren oder mitunter sogar ganz verschwanden. Für ihn stellen sich deshalb vielerlei Fragen. Vor allem: Wie kann ein Geldsystem nachhaltig funktionieren? Und wie bleibt der Wert stabil und das Geld in der Realwirtschaft ständig im Kreislauf?

Als Gelleri im Herbst 2002 als Wirtschaftskundelehrer an der Waldorfschule Prien beginnt, startet er mit Oberstufen-Schülern einer 10. Klasse das zukunftsweisende Unternehmensprojekt des Chiemgauers. Zu Beginn stellt sich jeder Schüler zwar noch etwas anderes darunter vor, doch machen sich alle voller Begeisterung daran, das Projekt zum Laufen zu bringen: Sie drucken Chiemgauer, sprechen Leute an, betreuen Geschäfte, verhandeln mit Lieferanten, entwickeln Werbestrategien, halten Vorträge – und überzeugen so innerhalb weniger Monate 130 Verbraucher.

Alle nutzen sie nach nur einem Jahr die neue Regionalwährung und setzen Chiemgauer im Wert von 75’873 Euro um.

Je älter ein Schein, desto geringer sein Wert 2004 ist die Zahl der Verbraucher um das Dreifache auf 380 angewachsen. Der Chiemgauer-Umsatz beläuft sich damals bereits auf 306’140 Euro. Tendenz weiter steigend. Doch wie funktioniert die Alternativwährung in der Praxis? Wer mitmachen will, muss sich einmalig registrieren und erhält dafür eine Regiocard. Bei der Kontoführung und Zahlungsabwicklung wird mit regionalen und ethisch-ökologisch orientierten Banken kooperiert. Unternehmer können Chiemgauer im Wert von 1:1 gegen Euro kaufen, hingegen nur gegen eine Gebühr von fünf Prozent in Euro zurücktauschen. Wobei von diesen fünf Prozent 60 Prozent an einen gemeinnützigen Verein gehen, den man bei seiner Registrierung zuvor jeweils selbst ausgewählt hat. Die verbleibenden 40 Prozent dienen der Kostendeckung der Chiemgauer-Herausgeber. Ebenfalls wichtig: Eingetauschte Geldscheine sind jeweils nur sechs Monate gültig, können nach Ablauf dieser Frist jedoch durch Kauf und Aufkleben von Marken im Wert von drei Prozent des Geldscheinwerts verlängert werden.

»Wer hundertprozentig hinter unserer Regiowährung steht, hat kein Problem damit«, sagt Christian Gelleri. Er schuf mit dem Chiemgauer ein Zahlungsmittel, damit die Leute ihr Geld Ausgabe 2/2017 45 ►Inspiriert von Sozialreformer Silvio Gesell: Arbeitswertscheine von 1932/1933 aus dem österreichischen Wörgl.

konsequent in ihrem lokalen Umfeld ausgeben. Und für die Unternehmen der Region besteht ein Anreiz beim Chiemgauer mitzumachen darin, neue Kunden zu gewinnen.

Eine Win-Win-Situation für alle. Gelleris Fazit zum vierzehnten Geburtstag der Regionalwährung im Februar 2017: »Ein Reallabor, das Schritt für Schritt immer besser funktioniert.« Heute nutzen bereits über 3500 Verbraucher das Regionalgeld. Und der Chiemgauer-Umsatz aller Unternehmen liegt inzwischen bei stolzen 7,5 Millionen Euro – Tendenz weiterhin steigend. Mittlerweile prangt an vielen Ladentüren und Kassen das Signet »Wir machen gerne mit!« – samt entsprechendem Währungssymbol.

Die Teilnehmer am System kämen mit der Alterungsfunktion des Regionalgeldes gut zurecht, so das Fazit von ErÀnder Gelleri. Zu Beginn habe es zwar einige Unsicherheiten gegeben, und mancher Unternehmer habe deshalb die Akzeptanz kurz vor Quartalsende abgelehnt. »Doch als sie erkannten, dass deswegen zusätzliche Kunden in ihre Läden kamen, verÁogen ihre Befürchtungen rasch.« Statt dessen hätten die Unternehmer angefangen, das Regionalgeld selber möglichst bald auszugeben. »Im Vergleich zum Euro hat sich eine dreimal so hohe Umlaufgeschwindigkeit entwickelt«, betont Gelleri nicht ohne Stolz.

Wiederholt sich im Chiemgau das Wunder von Wörgl?

Hauptschwierigkeit, mit der er und seine Schüler beim Start im Jahr 2002 zu kämpfen hatten, war die Skepsis von Banken und Gemeinden. »Bis heute gibt es immer wieder politische Widerstände«, sagt Gelleri und verweist auf das Beispiel einer Gemeinde, der vom Bayerischen Kommunalen Prüfverband sogar verboten wurde, beim alternativen Währungssystem mitzumachen. Dieses Verbot habe die Initiative zu Beginn stark zurückgeworfen. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte. »Solche Verbote gab es bereits früher.« Das bekannteste Geldexperiment fand im österreichischen Wörgl statt. In der kleinen Gemeinde war 1932 die örtliche Zement- und Zellulosefabrikation derart stark zurückgegangen, dass die Arbeitslosenquote bedrohlich anstieg. Angesichts leerer Kassen begann Bürgermeister Michael Unterguggenberger als Lohn für die Gemeindeangestellten eigene »Arbeitswertbestätigungen« auszugeben – sozusagen den »Wörgler Schilling«.

▲»Die Menschen leben vom Austausch ihrer Leistungen«. Die Rückseite des »Wörgler Schillings«.

Ideenlieferant für den Bürgermeister war damals die Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell (1862-1930), einem kühnen deutschen Finanztheoretiker und Sozialreformer.

Bürgermeister Unterguggenbergers Experiment verlief mehr als erfolgreich. Geldkreislauf und Wirtschaftstätigkeit in Wörgl wurden wiederbelebt und die Arbeitslosigkeit deutlich gesenkt, während das übrige Land tief in der Wirtschaftskrise steckte.

Vom »Wunder von Wörgl« schwärmt man in Deutschland, Frankreich oder Amerika noch heute. Nur die Österreichische Nationalbank hatte keine Freude. Sie klagte vor Gericht erfolgreich gegen die Wörgler Freigeld-Aktion. Nach Androhung eines Armeeeinsatzes beendete der Bürgermeister sein vielversprechendes Experiment im September 1933 – notgedrungen.

Dass der Chiemgauer im Gegensatz zu anderen Regionalwährungen nicht verschwunden ist, führt dessen ErÀnder darauf zurück, »dass wir bei Problemen nicht aufgegeben und immer wieder kreativ nach Lösungen gesucht haben«. Christian Gelleri verweist dabei vor allem auf die wichtige Weiterentwicklung der bargeldlosen Variante des Regionalgeldes, die man zusammen mit regionalen Banken entwickelte.

»Dabei haben wir die Vorteile des Euro-Systems mit den Vorteilen eines Komplementärgeldsystems verknüpft.« Politische Widerstände gibt es bei Regionalgeld leider immer wieder.

46 Ausgabe 2/2017 Zu den aktuellem Herausforderungen, denen sich die Chiemgauer-Banker stellen müssen, zählt die Einführung von Negativzinsen im normalen Geldsystem. »Das ehrt uns einerseits, weil wir diese Idee bereits seit 14 Jahren praktizieren«, sagt Gelleri und fügt an: »Wir stellen das Positive dieser Idee heraus und nennen es lieber ›Umlauf-Impuls‹ oder ›Schwunggeld‹ statt ›Schwundgeld‹.« Vor allem die Medien setzten in ihrer Berichterstattung oft lieber auf letztgenannten negativ besetzten Begriff.

Gelleri ärgert das. Denn: »Das verankert sich so in den Köpfen.« Wird der Franken dereinst zu einer Art Chiemgauer?

Dass der Chiemgauer alle drei Monate zwei Prozent seines Wertes verliert, stellt laut Gelleri bis heute kein Problem dar. Die Nutzer akzeptierten dies, versichert er. Anfänglich habe es zwar etwas gedauert, nach und nach sei dieser »Alterungsprozess« aber als selbstverständlich verstanden worden. Um zu erforschen, welche Rhythmen optimal seien, habe man den Umlauf-Impuls deshalb auf sechs Prozent pro Jahr gesenkt. Die Aufwertung der Chiemgauer-Geldscheine erfolgt nun halbjährlich mit drei Prozent des Wertes.

Gelleri verweist in dem Zusammenhang auf die Region Freisinger Land, wo man mit einer Regionalwährung zusammenarbeite, die jährliche Aufwertungen durchführe. »Die Forschungsergebnisse könnten für Notenbanken durchaus interessant sein, wenn diese bei der nächsten Finanzkrise auch das Bargeld mit einem Negativzins belegen müssen. Man denke nur daran, dass die Trump-Blase platzen und die Wirtschaft stagnieren könnte.« Eine Folge wäre, dass die Flucht in den Schweizer Franken weiter zunehmen und die Notenbanken ihren Negativzins noch stärker anheben müssten. »Die Geldbesitzer würden dann auf Bargeld ausweichen und die Notenbanken müssten mit umlaufsichernden Instrumenten gegensteuern. Damit würde der Franken zu einer Art Chiemgauer.« Das würde den Vermögenden zwar nicht schmecken, da sie den grössten Teil der Liquidität hielten, aber die Wirtschaft, der Staat und die arbeitende Bevölkerung hätten weiterhin ihr Schmiermittel – Papiergeld, das in unserer digitalisierten Welt immer noch für 70 Prozent aller Zahlungsvorgänge und die Hälfte aller Umsätze verantwortlich ist.

Erfinder der Freiwirtschaftslehre: Silvio Gesell (1862–1930).

Apropos Schweizer Franken: In der Schweiz funktioniert ein ähnlich komplementäres Währungssystem seit 80 Jahren, samt Höhen und Tiefen: Der »WIR« ist neben dem Franken die einzige eidgenössisch anerkannte zweite Währung. Beim WIR handelt es sich um ein bargeldloses Verrechnungssystem unter den etwa 60’000 Teilnehmern der WIR-Bankgenossenschaft, die sich 1934 im Zuge der Weltwirtschaftskrise gegründet hatte.

Guthaben und Belastungen werden auf Konten der WIR-Bank verbucht, wobei der Buchungsauftrag als Zahlungsmittel gilt.

Ausserdem sind WIR-Kredite erhältlich. Diese werden nicht durch Schweizer Franken gedeckt, sondern über Grundpfandrechte, Bankgarantien oder Lebensversicherungen abgesichert. Die WIR-Bank muss dabei selbst keine Zinsen dafür aufbringen, weshalb die Zinssätze für einen Kredit besonders niedrig sind.

Neben der Kundenbindung gibt es noch eine weitere Motivation sowohl für Private als auch für lokale Geschäftsleute, um bei Deutschlands erfolgreichstem Regiogeld mitzumachen.

Die Vereine im Raum Chiemgau spielen dabei eine wichtige Rolle. Ob Schulen, Kindergär-WIR-Bank in Basel. Die alternative Schweizer Wirtschaftsring-Genossenschaft wurde 1934 gegründet.

ten, Trachten-und Sportvereine, Musikkapellen, Naturschutz- und Kulturinitiativen, Theatergruppen oder Feuerwehren – sie sind das Bindeglied, betont Christian Gelleri.»Sie werben unter ihren Mitgliedern für das Regionalgeld und erhalten dafür einen festen Prozentsatz.« Dieser wird aus dem Umtausch durch die Unternehmer bezahlt. Die Unternehmer können ihre Kosten minimieren, indem sie möglichst viel im regionalen Kreislauf ausgeben. Tun sie es nicht, spenden sie fünf Prozent für das Gemeinwohl. Mehr als eine halbe Million Euro Áoss den Vereinen und Organisationen seit 2003 zu. Eine gute Sache also, die sich über die Jahre hinweg bewährt hat.

Und noch etwas hat sich bewährt: Während Euro-Geldfälscher immer wieder neue Blüten unter die Leute bringen, ist der Chiemgauer bis heute noch nie gefälscht worden. »Die Region ist überschaubar, daher würde eine grössere Menge Blüten sofort auffallen«, sagt Gelleri. Bereits beim Start des Regiogeldes entschlossen sich Gelleris Schüler beim Druck ihrer 1er-, 2er-, 5er-, 10er-, 20er- und 30er-Noten, neben Seriennummern und UV-Sicherung jeden Schein durch den Aufdruck eines Prägesiegels sowie zwei Originalunterschriften zusätzlich zu sichern.

Idyllische Regiomotive als neues Erscheinungsbild Im vergangenen Jahr wurden zudem neue Chiemgauer ausgegeben, in handlicherem Format und mit einem komplett überarbeiteten Erscheinungsbild. Der Gegenwert der graÀsch aufgepeppten Geldscheine blieb gleich. Sie zeigen nun Fotomotive aus den Orten, welche die Alternativwährung aktiv unterstützen: zum Beispiel die Stadtpfarrkirche Traunstein, die Thorau Alm bei Ruhpolding, das Schloss Herrenchiemsee oder den Rauschberg samt GleitschirmÁiegern. Rund zehn spezielle Sicherheitsmerkmale sollen sicherstellen, dass die neuen Chiemgauer auch in Zukunft »blütensauber« bleiben. Scheine, die älter als vier Jahre sind, werden nicht mehr zur Rückgabe akzeptiert.

Eine notwendige Massnahme, denn derzeit sind 240’000 Chiemgauer in bar im Umlauf, dazu kommen 700’000 in elekt- Christian Gelleri. Für die kommenden Jahre prophezeit er für »seinen« Chiemgauer einen weiteren Aufschwung.

ronischer Form. Seit dem Start vor vierzehn Jahren hat sich Christian Gelleris Zahlungsmittel damit von einem idealistischen Schülerprojekt zu einer international beachteten Währungsalternative entwickelt. Seine zu Anfang von manchem Banker noch belächelte Idee beschäftigt angesichts der anhaltenden Euro-Krise mittlerweile auch Wirtschaftswissenschaftler rund um den Globus. Im British Museum in London werden die Geldscheine inzwischen ausgestellt. Und auch das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main hat Chiemgauer angekauft.

Mittlerweile sind Alternativwährungen und lokale »Taler« auch in vielen weiteren Ortschaften in unseren Breitengraden wieder auf dem Vormarsch. Und so scheint die Geschichte von Deutschlands erfolgreichstem Regiogeld noch lange nicht zu Ende – im Gegenteil: Chiemgauer-ErÀn der Gelleri sieht für die kommenden fünf bis zehn Jahre »eine stabil wachsende Zukunftsprognose – in schwierigen Zeiten sogar mit grösseren Sprüngen«. Denn die nächste globale Wirtschaftskrise, so viel steht leider fest, dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

Wie schrieb Silvio Gesell Ende des Ersten Weltkriegs in einem offenen Brief an die »Berliner Zeitung am Mittag« 1918 prophetisch: »Trotz des heiligen Versprechens der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: ›Nie wieder Krieg!‹, entgegen all den Hoffnungen auf eine schöne Zukunft, muss ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich heute zu behaupten, dass es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg ste hen!« ■

Ein Mann, der hinter einer Kasse in einem Laden steht.
Ein weißes Kreuz auf einem schwarzen Hintergrund.
Ein Plakat mit grünem Hintergrund und den Worten "Chiemgauf RegiogELD".
ein grünes Plakat mit einem Haufen Karten darauf
Eine Stadt mit einem Berg im Hintergrund.
Ein Bild eines Sees mit Bergen im Hintergrund.
Ein schwarzer Rahmen mit einem weißen Quadrat in der Mitte.
Ein Plakat mit vielen verschiedenen Worten darauf.
Ein schwarz-weißes Bild eines rechteckigen Objekts.
Eine Seite in einer Fremdsprache mit den Worten "An Alle!"
Ein Blick auf eine Bergkette mit blauem Himmel.
Ein Stück Papier mit einer Zeile schwarzer Schrift darauf.
Ein großes Gebäude mit vielen Fenstern und Bäumen vorne.
Ein Mann mit Bart und Schnurrbart und einem Anzug und Krawatte.
Ein Blick auf einen See mit Bergen im Hintergrund.
Ein Mann in Anzug und Krawatte mit Brillen.
Ein weißes Kreuz auf einem schwarzen Hintergrund.
Ein Plakat mit einer Menge verschiedenen Farbkarten darauf.

Kennen Sie Hergé (1907–1983), den Zeichner von Tim und Struppi (»Tintin«)? Kaum einer weiss, dass der visionäre belgische Illustrator ein bestens informierter Mystery-Fan war. Ob Yetis, UFOs oder Götter aus dem All: Der Mann war seiner Zeit voraus. Er liess sich von parawissenschaftlichen Forschern wie dem »französischen Däniken« Robert Charroux oder von Querdenker Jacques Bergier inspirieren und beraten. Auch Kryptozoologe Bernard Heuvelmans gehörte zu Hergés engstem Freundeskreis. Steckt in seinen Verschwörungsabenteuern mehr Wahrheit als mancher ahnt?

eorges Prosper Remi alias Hergé kam 1907 in der Nähe von Brüssel auf die Welt. Er wuchs in kleinbürgerlichen GVerhältnissen auf. Seine Eltern erzogen ihn erzkonservativ und streng katholisch. Eine Gesinnung, die ihn zeitlebens begleiten sollte. So betonte der Künstler in Interviews gerne, er sei an sich wenig politisch interessiert, aber am ehesten noch ein Konservativer.

Obwohl er in den Wirren des Ersten Weltkriegs aufwuchs, im Zuge dessen auch sein Heimatort Brüssel von den Deutschen besetzt wurde, bezeichnete Remi seine Kindheit rückblickend als »ereignislos«, »grau« und »unbedeutend«. Erst mit dem Beitritt zu den PfadÀndern sei etwas Farbe und Spannung reingekommen. Dort und in der Schule begann der Heranwachsende mit dem Zeichnen. Bereits als Jugendlicher illustrierte er die in Belgien erscheinende PfadÀnderzeitung. Über seine dortige Aktivität und in verschiedenen weiteren katholischen Jugendorganisationen kam der junge Mann schliesslich zur rechtsbürgerlichen Tageszeitung »Le XXe Siècle«. Ab 1928 leitete und gestaltete Hergé die Jugendbeilage des Blattes, »Le Petit Vingtième«. Hier erschienen ab 1929 die ersten »Tim und Struppi«- Folgen. Anfänglich noch eher ungelenk skizziert, ausnahmslos in Schwarzweiss.

1940, im Zweiten Weltkrieg und unter Nazi-Besatzung, wurde »Le XXe Siècle« eingestellt. Remi wechselte zum belgischen Printorgan »Le Soir« und liess seine Comics vorübergehend dort publizieren. Dieses Engagement brachte ihm später viel Kritik ein, da die Zeitung mit den Nationalsozialisten kooperierte, welche sie als Sprachrohr nutzten. Hergé musste sich deshalb zeitlebens mit dem Vorwurf auseinandersetzen, damals politisch zu weit rechts verhaftet gewesen zu sein.

54 Ausgabe 2/2017 für das Geheimnisvolle und Überirdische durch die Serie: Mysteriöse Kristallkugeln, afrikanische Leopardenmenschen, Sonnentore, Kugelblitze, der Fluch des Tutenchamuns, vorzeitliche Artefakte oder vergessene Kulturen – die Welt des Unerklärlichen war auch die Welt von Tim und Struppi.

»Verschwörungsabenteuer«, nennt deshalb der renommierte Kulturwissenschaftler Georg Seesslen in seinem Buch »Tintin, und wie er die Welt sah« die Geschichten aus der Feder Hergés. Die Comics seien voller »Fingerzeige, Vorahnungen und Beweise eines übermenschlichen Wirkens in der Welt«: »Was die Cha-Ausgabe 2/2017 55 Aller Widrigkeiten zum Trotz entwickelten sich Tim und Struppi schnell zum Publikumsmagneten. »Der Erfolg stellte sich beinahe unmittelbar ein«, konstatiert der führende »Tintinologe« Michael Farr in seinem Buch»Auf den Spuren von Tim und Struppi«. »Donnerstags, wenn Tim und Struppi erschienen, verdoppelte sich die verkaufte AuÁage der Tageszeitung. Bald verdreifachte, schliesslich vervierfachte sie sich sogar!« 1946 erschien erstmals das Magazin »Tintin«, publiziert von einem früheren Résistance-Kämpfer.

Wie ein roter Faden zieht sich Hergés Interesse und Offenheit raktere stets von neuem erfahren müssen, ist, dass es Kräfte gibt, die mächtiger sind als sie selbst.« Immer wieder liess der Zeichner Mystery-Forscher in seine Comics einÁiessen. So etwa den 1925 am Oberlauf des Rio Gran de verschollenen britischen Abenteurer Percy Fawcett (1867– 1925), der im brasilianischen Regenwald jahrelang nach der legendären Indio-Stadt »Z« gesucht hatte. Bis heute halten sich Gerüchte, wonach Fawcett überlebt haben soll. Und so begegnet Tim in Hergés Dschungel (»Arumbaya Fetisch«, 1937/1943) denn auch einem ergrauten langhaarigen Ethnologen namens Ridgewell – eine Hommage an Fawcett. Nur eine von vielen Reminiszenzen, die auch Hergé-Fan und Starregisseur Steven Spielberg später in seine Indiana-Jones-Filme einbauen sollte.

Indy ohne Hergé? Undenkbar!

Vom Nessie bis zum Yeti im Tibet Bei aller Faszination für das Übersinnliche blieb Hergé ein sehr nüchterner Mensch, der spätestens ab der Nachkriegszeit penibel darauf bedacht war, dass seine Comics stets in der Realität verankert und detailgetreu waren. Bei Remi handelte es sich dabei weitgehend um einen »Schreibtischtäter«, der nur selten an die Orte seiner Geschichten reiste. Umso akribischer recherchierte er in Büchern und Zeitschriften.

Fasziniert von geheimnisvollen Phänomenen aller Art: Meister-Ob Prospekte, Notizen, Forschungsarbeiten, Fotos, Postkarzeichner Georges Prosper Remi alias Hergé (1907–1983).

ten oder Illustrierte – der Zeichner hob alles auf, von dem er annahm, dass es ihm später mal nutzen könnte. Er sei »ein schen angezogen – etwa von der Kryptozoologie und deren geborener Archivar gewesen«, bestätigt sein Biograf Farr: »Fast Suche nach vergessenen Lebensformen. So verfolgte er bereits zwanghaft« schnitt Hergé demnach »Unmengen von Materialien in den frühen 1930er-Jahren die Berichterstattung über das aus, sammelte und sortierte sie«. Nahezu alles, was er in seinen vermeintliche schottische Seemonster Nessie. »Hergé war fas- Zeichnungen darstellte, hatte denn auch ein reales Vorbild. Seiziniert davon – wie später auch vom Yeti, der genauso wenig en es die Autos und Flugzeuge, die Tim nutzte oder die Gebäude greifbar war – und sammelte so ziemlich alles, was er zum Theund Landschaften, die der junge Reporter aufsuchte.

ma Ànden konnte«, konstatiert Farr, der ihn mehrfach persönlich Hergé war beim Zusammentragen äusserst vielseitig. Einergetroffen hatte.

seits informierte er sich stets über Wissenschaft und Technik, Nessie Áoss bereits in den Band »Die Schwarze Insel« (1937) andererseits fühlte er sich auch vom Mysteriösen und Mystiein. Den Yeti liess Hergé 1959 auftauchen – in »Tim in Tibet«, einem seiner persönlichsten Bände: »Ich litt an einer Depression und suchte einen Psychoanalysten auf. ›Tim in Tibet‹ ist während dieser Krise entstanden.« Wie der Yeti sei er damals ein verzweifelt Suchender gewesen, offenbarte das Genie 1989 dem Autor Numa Sadoul (»Entretien avec Hergé«). So habe er damals gerade seine Ehefrau verlassen und sei zu seiner langjährigen Geliebten gezogen.»›Tim im Tibet‹ widerspiegelt diese moralische Krise.« Auch die monotone Schneewüste, durch die sich die Protagonisten kämpften, sei sinnbildlich zu verstehen. So habe er in jener Zeit »ständig völlig in Weiss getauchte Träume gehabt«.

»In dieser an autobiograÀschen Zitaten reichen Erzählung brachte Hergé zwei weitere seiner Leidenschaften zum Ausdruck, die er mit seiner neuen Partnerin Das Original und seine Kopie. Links Professor Bienlein – rechts der Schweizer Physiker und Erfinder Auguste Piccard (1884–1962), der Hergé als Vorlage gedient hatte.

teilte: übersinnliche Wahrnehmung und 56 Ausgabe 2/2017 Von der Fiktion zur Wirklichkeit: Moderne Haifisch-Tauchboote des US-Herstellers Seabreacher, wie sie Hergé bereits 1943 in ähnlicher Form zu Papier gebracht hatte. Als Inspiration diente ihm dabei unter anderem ein Presseausschnitt über ein ähnlich geartetes deutsches »Mini Sub«.

Hergé und die Elektro-Autos Auch ausserhalb seiner Comics bewies Hergé visionäres Talent. So sah er bereits in den 1980er-Jahren den Siegeszug des Elektroautos voraus, als er in einem Interview sagte: »Die Verschmutzung von Luft und Wasser, die Zerstörung der Umwelt, das sind schreckliche Dinge. Aber das wird sich ändern, davon bin ich überzeugt. In den USA, in Schweden, überall wird nach Lösungen gesucht.

Die Autos beispielsweise werden elektrisch betrieben werden, virtuell gibt es sie bereits, die Hersteller haben konkrete Pläne. Aber solange genug Erdöl vorhanden ist… Stellen Sie sich nur mal vor, Sie sind Besitzer solcher Quellen, verdienen unglaubliche Summen und werden plötzlich durch Elektrofahrzeuge bedroht!« Ausgabe 2/2017 57 den Mystizismus des tibetanischen Buddhismus«, analysiert Experte Farr. Besonders deutlich wird dies in der Darstellung eines schwebenden Mönches, der eine Erleuchtung hat. Tims Erschaffer hielt das Phänomen der Levitation für absolut real. Viele seriöse Autoren hätten das Thema ausgiebig beleuchtet, erläuterte Hergé in den späten Achtzigern bei Gesprächen. Hauptquelle dafür war für ihn die Forscherin Alexandra David-Néel mit ihren Büchern »Bei Mystikern und Zauberern in Tibet« sowie »Der Weg zur Erleuchtung«.

Beraten liess sich der Zeichner bei den Arbeiten für den Tibet-Band auch von einem langjährigen Freund – dem belgischen Mystery-Forscher Bernard Heuvelmans (1916–2001). Dank ihm sei er bestens dokumentiert gewesen, so Hergé. »Ich besass eine Liste aller glaubwürdigen Personen, die behaupteten, den Yeti gesichtet zu haben; ich hatte seine sehr genaue Beschreibung über seinen Lebensraum und seine Gewohnheiten, Fotos seiner Spuren etc.« All dies habe er in den Comic eingearbeitet – inklusive der präzisen Darstellung der Fussabdrücke des Schneemenschen, die sich »von Bären deutlich unterscheiden«, wie er betonte. Er habe es absolut vermeiden wollen,»aus dem Schneemenschen eine unwirkliche Legende zu machen«.

Tintinologe Farr resümierte schmunzelnd, dass der Yeti – sollte er tatsächlich mal auftau- Visionäres Design. Computeranimation der Mond-Rakete, wie sie Hergé bereits anfangs der 1950er-Jahre skizziert hatte.

Schwebender buddhistischer Mönch in »Tim in Tibet« (1959). Copyright: www.carlsen.de chen –»sehr wahrscheinlich dem Bild ähneln wird, das Hergé von ihm gezeichnet hat; so wie auch schon seine ›Reise auf den Mond‹ von visionärer Genauigkeit war«.

Für dieses zweibändige Weltraum-Abenteuer (1953/1954) hatte Hergé ebenfalls eng mit Heuvelmans kooperiert, der in diesem Fall sogar an der Ausarbeitung der Geschichte beteiligt war.

Zudem las er sich begeistert bei führenden Raketenforschern wie Willy Ley und Wernher von Braun in die Thematik ein. Resul tat war ein Comic von »gleichsam prophetischer Genauigkeit«, ist Farr begeistert. »Schon im März 1953, also 16 Jahre bevor US-Astronaut Neil Armstrong seine berühmten Worte sprach: ›Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein grosser Sprung für die Menschheit!‹, konnte Tim verkünden: ›Ich stehe auf dem Mond! Zum ersten Mal macht ein Mensch von der Erde Schritte auf dem Mond!‹« Waren wir nicht die Ersten auf dem Mond?

Neben der szenarischen Genauigkeit fasziniert auch die technische Präzision, mit der Hergé das Jahrhundertereignis Jahre zuvor vorweggenommen hatte: Ob die Innenausstattung der Rakete, die MondoberÁäche, der lunare Rover, die Astronautenanzüge oder die an die legendäre deutsche V2 angelehnte Trägerrakete – auffällig vieles stimmte fast bis ins Detail mit den späteren Bildern aus der Realität überein. Dies notabene in einer Zeit, in der die meisten Weltraumexperten ein derartiges Unternehmen für völlig unmöglich hielten.

Auch die Frage nach ausserirdischem Leben trieb Hergé sein Leben lang um. Er habe sich in seiner Bildergeschichte bewusst

Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
ein schwarzer Hintergrund mit vielen Worten darauf
Ein Karikatur von einem Mann und einem Hund, die vor einem Mond laufen.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
Ein dunkler Textur Hintergrund mit viel Schrift.
ein Pfirsichfarbener Hintergrund mit Linien darauf
nicht beantworten
Ein Mann mit einem Hut und einem grünen Anzug
Ein Mann, der neben einer Festnahme ein Buch liest.
Ein Mann mit einer Kamera um den Hals.
Ein Bild eines braunen Hintergrunds mit schwarzer Grenze.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit schwarzer Kante.
Ein Haiboot ist im Wasser und Wasser spritzt um ihn herum.
Ein schwarzer Rahmen mit einem weißen Quadrat in der Mitte.
Ein Plakat mit einem Hai und einem Fisch darauf
Ein Jetflugzeug, das über einem Wasserkörper schwimmt.
Eine gruselige Puppe steht in einem dunklen Kreis.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit schwarzer Kante.
Ein Karikatur von einem Mann und einem Jungen, die eine Wand hinaufgehen.
ein schwarzer Rahmen mit einem weißen Quadrat in der Mitte
Ein Plakat mit einer Gruppe von Menschen, die einen Berg bestiegen.
Eine große rote und weiße Rakete wird gebaut.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit schwarzer Kante.
Ein dunkles Bild eines Mannes in einem Helm.
Ein Comic-Stick mit einem Mann im Hut, der mit einem anderen Mann spricht.
Ein Plakat eines Autos mit einem Flugzeug, das über ihm fliegt.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.

Bolliers »Persilschein« von 2004. Erst auf Druck von Journalisten rückte die Schweizer Bundesanwaltschaft das Dokument heraus.

Ein Mann malt ein Bild auf einem Brett.
Ein leeres Bild eines schwarz-weißen Bildschirms.
Ein Dokument mit einem Stempel, auf dem steht: Zum Verdacht der Geilfenschaft zu Mord.
Ein Bild eines Zahns mit weißem Hintergrund.
Ein Blick auf eine in Wolken bedeckte Bergkette.
Ein Bild eines Bergketten mit einem Sonnenuntergang im Hintergrund.
ein verschwommenes Bild von einem schwarz-weißen Hintergrund
Ein helles Licht scheint durch die Wolken am Himmel.
Ein weißer Kreis auf schwarzem Hintergrund.
ein schwarz-weißes Bild einer Hand im Dunkeln
nicht beantworten
Ein schwarz-weißes Bild einer Reihe von Regalen.
Ein großer Bildschirm mit einer deutschen Botschaft darauf.
Ein leeres Bild auf einem schwarzen Hintergrund.
Ein Plakat eines Kampfflugzeugs, das über einen Berg fliegt.
ein schwarz-weißes Foto eines schwarzen Lochs

nWussten Sie, dass ein Brigadegeneral der Schweizer Luftwaffe an einem vertraulichen Treffen bereits 1996 vor außerirdischen Flugkörpern warnte – und dies sogar vor ranghohen europäischen Militärvertretern? Wussten Sie, dass ein Ex-Chef der militärischen Luftraumüberwachung vom Saulus zum Paulus mutierte, als er Zeuge eines UFO-Vorfalls wurde – dies aber um keinen Preis öffentlich machen wollte? Warum drohte ein namhafter Armeevertreter dem Verfasser dieses Buches mit rechtlichen Schritten? Und wieso hält man bis heute einen Film unter Verschluss, in dem Erich von Däniken in offizieller Fliegerkluft aus der Kanzel eines eidgenössischen Kampfjets über Götter aus dem Weltall referiert?

Jahrelang trug ein Mitarbeiter der Schweizer Luftwaffe heimlich Beweise für das UFO-Phänomen zusammen. Im Hochsicherheitstrakt der militärischen Einsatzzentrale sammelte der Whistleblower uneigennützig vertrauliche Informationen zum Thema, um sie im Interesse der Forschung der Nachwelt zu erhalten – bis ihm seine Chefs und die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machten. Dieses Dossier präsentiert sein explosives Vermächtnis. Unzensiert, ohne Rücksicht auf militärische Geheimnisse.

Über 140 Original-Dokumente und Radarakten untermauern, was nie publik werden sollte: Auch über dem Alpenland tummeln sich unidentifizierbare Eindringlinge! Rätselhafte Flugobjekte, die sich allen Erklärungsversuchen entziehen und sich mit Geschwindigkeiten jenseits unserer Vorstellungskraft fortbewegen. Außerirdische? Zeitreisende? Geheimprojekte einer fremden Macht?

Kürzlich entdeckte militärische UFO-Akten aus dem Bundesarchiv untermauern ergänzend, was öffentlich immer wieder abgestritten wurde: Jahrzehntelang beschäftigte der Nachrichtendienst der Schweizer Luftwaffe heimlich UFO-Sachbearbeiter, ließ sogar als vertraulich klassifizierte Meldeformulare für Piloten und Beamte in allen drei Amtssprachen erstellen. Namhafte Militärvertreter wussten davon und hielten gehorsam dicht.

Erfahren Sie, w ie eine ganze Kom panie eidgenössischer Soldaten am helllichten Tag Zeuge eines UFO-Schauspiels wurde. Oder wie KampfÀugzeuge »von Geisterhand« über enorme Distanzen katapultiert wurden. Selbst mobile Lenkw affensy stem e erfassen auf freiem Feld im m er w ieder Him m elsphantom e. Beunruhigendes Fazit: Irgendw er oder irgendw as gefährdet seit Jahrzehnten die Sicherheit im Luc Bürgin: Geheimdossier UFOs Schweizer Luftraum – doch die zuständigen Behörden halten gebunden • 224 Seiten • zahlreiche Abbildungen sich Augen, Ohren und Mund zu.

Best.-Nr. 943 500 • 19.95 €

Bestelltelefon (0 74 72) 98 06 10 • Telefax (0 74 72) 98 06 11 • info@kopp-verlag.de • www.kopp-verlag.de

Ein Blick auf eine in Wolken bedeckte Bergkette.
Ein Bild eines Bergketten mit einem Sonnenuntergang im Hintergrund.
ein verschwommenes Bild von einem schwarz-weißen Hintergrund
Ein helles Licht scheint durch die Wolken am Himmel.
Ein weißer Kreis auf schwarzem Hintergrund.
ein schwarz-weißes Bild einer Hand im Dunkeln
nicht beantworten
Ein schwarz-weißes Bild einer Reihe von Regalen.
Ein großer Bildschirm mit einer deutschen Botschaft darauf.
Ein leeres Bild auf einem schwarzen Hintergrund.
Ein Plakat eines Kampfflugzeugs, das über einen Berg fliegt.
ein schwarz-weißes Foto eines schwarzen Lochs
Ein schwarz-weißes Foto einer Felsformation.
Ein Mann in Anzug und Krawatte, der einen Daumen hochschüttet.
Ein Mann, der einen Daumen nach oben zeigt, mit einem schwarzen Hintergrund.

will. Per Mail erhielten wir über Umwege wissenschaftliche Gutachten, die sich bei näherer Überprüfung jedoch als Fälschungen entpuppten. Wurde bewusst mit falschen Karten gespielt? Oder ist das Stück doch mehr wert? Derzeit soll sich das umstrittene Relikt in Russland beÀnden. Ob es die Öffentlichkeit jemals wieder zu Gesicht bekommen wird?

red. ■

Ein Bild eines weißen Tuchs auf einem Tisch.
Ein schwarz-weißes Bild einer Wand.
Ein Stück Papier mit Schrift darauf, das jemand in weißen Handschuhen hält.

Als sich »mysteries«-Reporter Reinhard Habeck auf Spurensuche nach Fatima begab, erlebte er sein eigenes Wunder – dank eines struppigen Gefährten. Der unverhofft aufgetauchte Vierbeiner erschien ihm und seiner Partnerin auf dem Pilgerpfad wie ein Geschenk des Himmels.

Die Wunder von Fatima locken jährlich Millionen von Pilgern ins Zentrum Portugals. Im Mai konnten wir uns vor einigen Jahren ebenfalls von der Anziehungskraft des katholischen Wallfahrtsortes überzeugen. Wir betraten die Erscheinungskapelle mit der Marienstatue, wo 1917 fünf von sechs Erscheinungen der »weissen Dame im Licht« stattgefunden haben sollen. Wir besichtigten die Basilika mit den Gräbern der drei Hirtenkinder, ebenso die neuzeitliche Dreifaltigkeits-Kirche und marschierten über den grossen Pilgerplatz, wo fromme Christen auf Knien rutschen und dabei den Rosenkranz beten.

Ein Erlebnis bleibt uns wohl ein Leben lang in Erinnerung: Die Tour zu wundersamen Schauplätzen ausserhalb des heiligen Bezirks. Ohne sachkundige Führung können Gläubige und Touristen Besonderheiten leicht übersehen. Wir aber hatten Glück, denn wir trafen dort den besten einheimischen Guide – und der erschien uns erst noch aus heiterem Himmel.

»Die Freude ist ihm anzumerken« Als wir uns vom Platz der Basilika entfernen und an der Rotunda do Sul eine grüne Oase mit Olivenhainen betreten, springt unvermutet ein struppiger Hund mit schwarzweissem Fell aus dem Dickicht. Er scheint verwahrlost und ohne Herrchen zu sein. Die Freude ist ihm anzumerken – als hätte er im Gebüsch nur darauf gewartet, dass zwei Greenhorns seinen Weg kreuzen.

Tatsächlich sind weit und breit keine Pilger zu erblicken. Also wandern wir auf der »Via Sacra« fortan zu dritt. Einige Meter vor uns gibt der »Fatima-Streuner« Zielrichtung und Tempo vor. Er wedelt fröhlich mit dem Schwanz, blickt sich immer wieder nach uns um. Seiner Körpersprache nach will er uns sagen: »Kommt endlich mit, ihr Schlafmützen, ich habe euch Interessantes zu»Struppi«. Der »Fatima-Hund« erwies sich als treuer Begleiter.

zeigen!« Wir folgen ihm brav. Nach einigen hundert Metern bleibt unser Struppi plötzlich stehen, macht »Sitz« und blickt hinauf zu einem kleinen Tempel mit einer Muttergottes-Statue.

Eine Hinweistafel klärt auf. Besagter Platz nennt sich Valinhos – der Ort, an dem Maria 1917 den drei portugiesischen Seherkindern zum vierten Mal erschienen war. In der Folge lotst uns Struppi zu einem felsigen Hügel, der Loca do Cabeço genannt wird. Hier kriechen wir in einen etwa drei Meter langen Stollen, der in den Fels führt. Ähnlich einem »Erdstall« ist eine Begehung nur in gebückter Haltung möglich. Es riecht nach Hund. Die Woh-Gemäss den Quellen aus Fatima, sollen die Hirtenkinder hier an einem regnerischen Tag Schutz gefunden haben. Als sie wieder ins Freie krochen, bemerkten sie im Osten ein eigenartiges Licht, dass sich ihnen näherte. Als es stillstand, erkannten sie die Gestalt eines Jünglings »weisser als der Schnee und durchsichtig wie Kristall, vom Sonnenstrahl durchÁutet«. So beschrieb Augenzeugin Lucia das überirdische Wesen.

Die Lichtgestalt sprach zu den Kindern: »Fürchtet euch nicht, ich bin der Engel des Friedens.« Er forderte zum Gebet auf und löste sich danach in Luft auf. Das war im Frühjahr 1917. Die Ausgabe 2/2017 13 nung von Struppi?

Stets eine Pfotenlänge voraus. »Einem Profi-Guide gleich lotste uns der Vierbeiner von einer Attraktion zur nächsten.« Gemeinsames Nickerchen. Ebenso wie sein vierbeiniger Begleiter legte der Autor vor einer Statuengruppe eine kurze Pause ein.

erste unheimliche Begegnung. Die dritte folgte ebenfalls an dieseiner Schnauze jedes einzelne liebevoll »küsst«. Danach folgen sem Ort im Herbst desselben Jahres, noch bevor die eigentliche wir dem Vierbeiner in den Garten der Familie Santos zu einem»Kontakt-Serie« mit der Muttergottes begann.

Brunnen. Laut Fatima-Chronik jener Platz, wo im Sommer 1917 Nicht weit von dem »Steinloch« entfernt, erinnert eine lebensder »Friedensengel« das zweite Mal den Kindern erschienen war.

grosse Statuengruppe aus Marmor an das übersinnliche Rendezvous. Davor liegt ein Felsbrocken mit einer Mulde, die exakt die Aufruhr am Souvenirstand Körpergrösse von Struppi hat. Unser vierbeiniger Guide legt sich Inzwischen bricht die Dämmerung herein. Wir werden Zeugen eiermattet hinein. Zum Gebet, zur Meditation? Wir wissen es nicht, nes aussergewöhnlichen Sonnenuntergangs. Wolken bedecken tun es ihm gleich und legen uns zu ihm auf die Felsen.

teilweise das Zentralgestirn, so dass nur ein leuchtender Diskus Nach wenigen Minuten springt Struppi wieder auf, und wir am Horizont zu sehen ist. Begleitet von Struppi und unserem schlendern weiter zum Geburtshaus der persönlichen Sonnenwunder spazieren Geschwister Jacinta und Francisco Marto.

wir zurück Richtung Pilgerzentrum und Liebend gerne hätten wir Ein paar Schritte weiter, und wir stehen Basilika.

vor dem Haus der Familie Santos, wo Lu-Als wir bei einem Souvenirstand mit die findige Spürnase nach cia geboren wurde. In den 1940er-Jahren Fatima-Devotionalien vorbeikommen, wird Hause mitgenommen…

schrieb sie die drei Botschaften von Faties brenzlig. Struppi hebt elegant sein Hinma nieder, welche die Gottesmutter den terbeinchen und verrichtet sein Geschäft.

Kindern übermittelt hatte.

Was für ein Sakrileg! Fromme Andachtsbildchen werden vor aller Als wir vor der »Casa de Lúcia dos Santos« verweilen, beob- Augen unheilig besudelt. Struppi stolziert weiter als wäre nichts achten wir ein erstaunliches Liebesritual. Hinter dem Haus steht gewesen. Der Händler Áucht fuchsteufelswild. Er ballt die Fäuste ein kleiner gemauerter Stall, der von vier Schafen bewohnt wird.

und will wissen, ob das unser »Köter« sei. Wir schütteln schein- Struppi springt Áink auf die Mauer und äugt hinunter zu den Lämheilig die Köpfe. Sicherheitshalber erhöhen wir alle drei unser mern. Diese strecken ihm ihre Häupter entgegen, worauf er mit Schritttempo.

Als wir den grossen Platz vor der Basilika erreichen und der Abschied von unserem tierischen Freund bevorsteht, wird es Ein Kuss für jedes Schaf.

noch einmal wunderlich. Struppi macht keine Anstalten sich von Tierisches Begrüssungszeuns verabschieden zu wollen. Im heiligen Bezirk, der zwei Mal so remonial im kleinen Stall.

gross ist wie der Petersplatz in Rom, ist der Aufenthalt von Vierbeinern strengstens untersagt. Struppi ist das einerlei. Er wähnt sich offenbar sicher. Uns etliche Meter voraus, stolziert er wie ein Hollywoodstar alleine und würdevoll über den grossen Platz vor der Basilika. Vor dem Herzstück Fatimas, der berühmten Erscheinungskapelle, folgt ein Abschied mit Wehmut.

Heilige Maria Muttergottes, wie liebend gerne hätten wir den himmlischen Vierbeiner, die Àndigste Spürnase Portugals, nach Hause mitgenommen. Die Vernunft sprach leider dagegen. Eines aber hat unser PilgerausÁug bestätigt: »Der Hund ist der sechste Sinn des Menschen.« (Christian Friedrich Hebbel) Reinhard Habeck/Elvira Schwarz ■

Ein Hund, der auf einem Steinweg im Park läuft.
nicht beantworten
Ein schwarz-weißer Hund sitzt an einer Steinwand.
Ein rosa-weißer Hintergrund mit viel Licht, das aus ihm springt.
Ein Bild eines bewölkten Himmels mit der Sonne, die durch ihn scheint.
Ein schwarz-weißer Hund, der auf einem Felsen sitzt.
Ein schwarz-weißes Bild eines schwarz-grauen Textes.
Ein rosa-weißer Hintergrund mit viel Licht.
Ein Bild eines bewölkten Himmels mit der Sonne, die durch ihn scheint.
Ein Hund leckt den Kopf eines anderen Hundes auf eine Steinwand.
Ein Mann liegt neben einem Hund auf einem Felsen.
Ein schwarz-weißes Bild einer Tastatur.

Bis heute verstaubt im Heimathaus von Vöcklabruck in Österreich ein geheimnisumwittertes Eisenrelikt. Seit 50 Jahren hat es kein Labor mehr unter die Lupe genommen – obwohl moderne Analysetechniken neue Aufschlüsse bringen könnten.

1885: In der Eisengiesserei »Isidor Braun« im österreichischen Schöndorf bei Vöcklabruck werden Braunkohleplatten aus einer örtlichen Bergbaugrube angeliefert. Einer der Mitarbeiter staunt nicht schlecht, als er eines der Stücke zerschlägt: Vor ihm liegt ein 65 mal 60 mal 50 Millimeter grosses Eisenstück – 730 Gramm schwer. Dellenförmige Vertiefungen bedecken die SeitenÁächen: ein Hinweis auf dessen künstliche Bearbeitung.

Die Kohle, in der sich das Stück befunden haben soll, wird auf etliche Jahrmillionen datiert.

Aufgrund der ungewöhnlichen Fundumstände spricht sich die Neuigkeit schnell herum. Nach einem Vortrag des Geologen Adolf Gurlt am 7. Juni 1886 vor der»Niederrheinischen Gesellschaft für Naturund Heilkunde« in Bonn werden auch Mystery-Forscher auf das Fundstück aufmerksam. Charles Fort erwähnte es bereits 1919 in seinem»Buch der Verdammten«. Handelte es sich um eine Fälschung?

Oder um ein Überbleibsel einer versunkenen Zivilisation?

»Mit Sicherheit kein Meteorit« 1974 wurde das Stück vom Münchner Ingenieur Adolf Schneider kritisch unter die Lupe genommen. Dennoch wird bis heute im Internet kolportiert, es handle sich dabei um einen Meteoriten.

Gleichzeitig kursieren Berichte, das Relikt sei inzwischen verschwunden. Beides ist falsch! »Der Eisenfund ist nach wie vor im Depot unseres Heimathauses vorhanden«, stellt Kurator Helmut Kasbauer gegenüber »mysteries« klar und übersandte dazu aktuelle Fotos: »Nach Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass es sich nicht um einen Meteoriten handelt. Daher ist das Eisenstück auch nicht im Museum ausgestellt.« Bereits 1950 hatte ein Geologe vom Landesmuseum Linz das Objekt analysiert. Resultat: Der Eisenfund zeigte »keine ›Widmannstättischen Linien‹, wie sie bei einem Meteoriten zu erwarten wären«. Gemäss der Geologischen Bundesanstalt in Wien, die das Relikt 1966/1967 erneut analysierte, besteht das Fundstück zudem aus Eisen mit wenig Mangan und MangansulÀden.

Kein Nickel, kein Kobald, kein Chrom: Reines Gusseisen.

Und die Behauptung, dass das künstliche Artefakt aus einer uralten Kohleplatte zum Vorschein kam? Dafür gebe es leider keine konkreten Beweise, bedauern Skeptiker und stellen die überlieferten Fundumstände in Frage. Diese seien »1886 ohne Überprüfung übernommen worden«. Wie Kurator Kasbauer ergänzt, geben die zitierten Untersuchungen den aktuellen Wissensstand zum Thema wieder. Weitere Untersuchungen hätten in den letzten 50 Jahren nicht stattgefunden, trotz mittlerweile weitaus fortgeschrittenerer Analysemethoden.

Tomas Hrico ■

Eine schwarze Nuss sitzt auf einer weißen Oberfläche.
ein braunes Objekt auf einer weißen Oberfläche
Ein schwarzer Bildschirm mit weißen Worten darauf.

Mit dem neuen Berliner »Willy Brandt«-Flughafen wird es auch dieses Jahr nichts, trotz anderslautenden Versprechen. Laut aktuellen Meldungen verzögert sich die Eröffnung bis mindestens 2018 – nach unzähligen Verschiebungen seit 2011. Die unrühmliche Fortsetzung einer unheimlichen Pannenserie. So viel Pech lässt Ungutes ahnen. Umso mehr, als am Standort des neuen deutschen Verkehrsknotenpunktes bereits im Mittelalter vieles nicht mit rechten Dingen zugegangen zu sein scheint.

»Auf dem Gelände des SkandalÁughafens BER International wimmelt es geradezu von Untoten«, konstatieren die Archäologen Angelika Franz und David Nösler in ihrem neuen Buch »Geköpft und gepfählt«. Denn, wo in den nächsten Jahren Flugzeuge aus aller Welt landen sollen, existierte seit dem Mittelalter ein Ort namens Diepensee (»Dypensey«). Das Dörfchen wurde für die neue Verkehrsdrehscheibe komplett plattgemacht, die Bevölkerung umgesiedelt.

Bei den Abriss- und Grabungsarbeiten stiessen Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesamts für DenkmalpÁege auf Unheimliches: Vampirgräber aus dem 13. und 14. Jahrhundert!»Die Archäologen fanden 422 Tote – und 25 davon, also fast sechs Prozent, standen unter dem dringenden Verdacht, nicht für wirklich tot gehalten worden zu sein«, berichten Franz und Nösler.

Eine solch hohe Anzahl von vermeintlich Untoten sei ungewöhnlich.

Bereits die Entdeckung des Gräberfeldes war eine Überraschung, denn bis dahin war nicht einmal bekannt gewesen, dass in Diepensee einst eine Kirche mit Friedhof gestanden hatte. Es gibt keine Chroniken oder andere Quellen, die ein Gotteshaus erwähnen, und auch der moderne Ort Diepensee besass keine alte Kirche.

ber mit 422 Individuen erfasst« worden, so die Anthropologin Bettina Jungklaus, welche die Forschungsarbeiten von 2004 bis 2006 begleitet und dokumentiert hat. 29 Gräber wichen dabei »bezüglich der Lage der Toten oder bestimmter Massnahmen und Handlungen, die am Leichnam durchgeführt wurden, von der üblichen Bestattungspraxis ab«.

Makabere Sonderbestattungen Die damaligen Einwohner schienen bei einigen der Leichen absolut sichergehen zu wollen, dass die Verstorbenen nicht aus ihren Gräbern zurückkehren.

»Die Dorfbewohner hatten sich grosse Mühe gegeben, diese Toten auf ewig ans Grab zu binden: sie mit grossen Steinen beschwert oder auf den Bauch gedreht, die Beine abgeschlagen und zusätzlich noch mit einem verkohlten Holzbrett bedeckt, in einem Fall sogar nachträglich den Kopf abgehackt«, beschreiben es Franz und Nösler.

Europäische Archäologen stossen bei mittelalterlichen Gottesäckern immer wieder auf ähnlich Toter mit Felsbrocken auf dem Schädel: Einer von etlichen makabren Funden unter dem Flughafen. (Fotos: BLDAM) Insgesamt seien damals »418 Gräschauerlich Bestattete. Es handelt sich um so genannte Bannriten im Kampf gegen Untote. »Derartige Verstümmelungen und auch das Beschweren der Verstorbenen mit Steinen resultieren aus dem Aberglauben an Wiedergänger und Vampire«, erklärt das Brandenburgische Landesamt für DenkmalpÁege, welches die Ausgrabungen am neuen Berliner Flughafen geleitet hat. Die schweren Grabbeigaben sollten eine Rückkehr der Gefürchteten in die Welt der Lebenden verhindern.

Wiedergänger und Nachzehrer Der mittelalterliche Glaube an Wiedergänger habe stets zwei Wurzeln gehabt, erläutern die Geschichtsforscher weiter. Einerseits Angst vor plötzlich oder unheilvoll Verstorbenen, andererseits »den Schrecken, den jeder unnatürliche Tod hervorruft«.

Bei einigen der Untoten in Diepensee konnten die Ausgräber zudem nachweisen, dass jene Menschen zeitlebens durch Behinderungen oder Verstümmelungen beeinträchtigt gewesen sein müssen. Einer der Verstorbenen hatte ein steifes Bein, eine Frau einen »Stummelarm«, ein weiteres weibliches Skelett auffällige Deformationen am Kopf. Vermutlich waren sie bereits zu Lebzeiten Ausgestossene – und wurden als solche auch unter die Erde gebracht.

Dreien der Verstorbenen in den Gräbern unter dem neuen Flughafengelände wurden vor der Beerdigung zudem Steine in den Mund gestopft. Dies deute auf die Abwehr einer ganz»speziellen Klasse der Wiedergänger hin, den so genannten Nachzehrer«, weiss Archäologin Jungklaus zu berichten. In der Volksüberlieferung gelte ein solcher »in seiner Gier nach Leben als besonders bösartig«: »Er verzehrt seine Kleider und Glieder, weshalb bei der Bestattung nichts an den Mund des Verstorbenen geraten darf. Denn sind diese aufgezehrt, saugt er auf geheimnisvolle Weise per Fernzauber den Lebenden die Lebenskraft aus und holt sie ins Grab nach.« Um eben dies zu verhindern »verbarrikadierten« die mittelalterlichen Menschen gefürchteten Toten den Mund mit Steinen oder Metallteilen.

Warum allerdings ausgerechnet im alten Diepensee auffallend viele »Untote« begraben wurden, können die Wissenschaftler nicht beantworten. Die Spuren zeugten zumindest von einem »ausgeprägten Aberglauben« im Dorf, heisst es in aktuellen Fachberichten vorsichtig. Doch vielleicht hatte jener Ort schlicht schon immer ungewöhnlich viel Unbill zu ertragen.

VerÁucht – bis heute?

Jan Fischer ■

Ein Stein im Sand mit einer weißen Substanz.
Ein Bild einer Landebahn mit einem Gebäude im Hintergrund.
Ein Bild einer Gruppe von Steinen im Schmutz.