Kennen Sie Hergé (1907–1983), den Zeichner von Tim und Struppi (»Tintin«)? Kaum einer weiss, dass der visionäre belgische Illustrator ein bestens informierter Mystery-Fan war. Ob Yetis, UFOs oder Götter aus dem All: Der Mann war seiner Zeit voraus. Er liess sich von parawissenschaftlichen Forschern wie dem »französischen Däniken« Robert Charroux oder von Querdenker Jacques Bergier inspirieren und beraten. Auch Kryptozoologe Bernard Heuvelmans gehörte zu Hergés engstem Freundeskreis. Steckt in seinen Verschwörungsabenteuern mehr Wahrheit als mancher ahnt?

eorges Prosper Remi alias Hergé kam 1907 in der Nähe von Brüssel auf die Welt. Er wuchs in kleinbürgerlichen GVerhältnissen auf. Seine Eltern erzogen ihn erzkonservativ und streng katholisch. Eine Gesinnung, die ihn zeitlebens begleiten sollte. So betonte der Künstler in Interviews gerne, er sei an sich wenig politisch interessiert, aber am ehesten noch ein Konservativer.

Obwohl er in den Wirren des Ersten Weltkriegs aufwuchs, im Zuge dessen auch sein Heimatort Brüssel von den Deutschen besetzt wurde, bezeichnete Remi seine Kindheit rückblickend als »ereignislos«, »grau« und »unbedeutend«. Erst mit dem Beitritt zu den PfadÀndern sei etwas Farbe und Spannung reingekommen. Dort und in der Schule begann der Heranwachsende mit dem Zeichnen. Bereits als Jugendlicher illustrierte er die in Belgien erscheinende PfadÀnderzeitung. Über seine dortige Aktivität und in verschiedenen weiteren katholischen Jugendorganisationen kam der junge Mann schliesslich zur rechtsbürgerlichen Tageszeitung »Le XXe Siècle«. Ab 1928 leitete und gestaltete Hergé die Jugendbeilage des Blattes, »Le Petit Vingtième«. Hier erschienen ab 1929 die ersten »Tim und Struppi«- Folgen. Anfänglich noch eher ungelenk skizziert, ausnahmslos in Schwarzweiss.

1940, im Zweiten Weltkrieg und unter Nazi-Besatzung, wurde »Le XXe Siècle« eingestellt. Remi wechselte zum belgischen Printorgan »Le Soir« und liess seine Comics vorübergehend dort publizieren. Dieses Engagement brachte ihm später viel Kritik ein, da die Zeitung mit den Nationalsozialisten kooperierte, welche sie als Sprachrohr nutzten. Hergé musste sich deshalb zeitlebens mit dem Vorwurf auseinandersetzen, damals politisch zu weit rechts verhaftet gewesen zu sein.

54 Ausgabe 2/2017 für das Geheimnisvolle und Überirdische durch die Serie: Mysteriöse Kristallkugeln, afrikanische Leopardenmenschen, Sonnentore, Kugelblitze, der Fluch des Tutenchamuns, vorzeitliche Artefakte oder vergessene Kulturen – die Welt des Unerklärlichen war auch die Welt von Tim und Struppi.

»Verschwörungsabenteuer«, nennt deshalb der renommierte Kulturwissenschaftler Georg Seesslen in seinem Buch »Tintin, und wie er die Welt sah« die Geschichten aus der Feder Hergés. Die Comics seien voller »Fingerzeige, Vorahnungen und Beweise eines übermenschlichen Wirkens in der Welt«: »Was die Cha-Ausgabe 2/2017 55 Aller Widrigkeiten zum Trotz entwickelten sich Tim und Struppi schnell zum Publikumsmagneten. »Der Erfolg stellte sich beinahe unmittelbar ein«, konstatiert der führende »Tintinologe« Michael Farr in seinem Buch»Auf den Spuren von Tim und Struppi«. »Donnerstags, wenn Tim und Struppi erschienen, verdoppelte sich die verkaufte AuÁage der Tageszeitung. Bald verdreifachte, schliesslich vervierfachte sie sich sogar!« 1946 erschien erstmals das Magazin »Tintin«, publiziert von einem früheren Résistance-Kämpfer.

Wie ein roter Faden zieht sich Hergés Interesse und Offenheit raktere stets von neuem erfahren müssen, ist, dass es Kräfte gibt, die mächtiger sind als sie selbst.« Immer wieder liess der Zeichner Mystery-Forscher in seine Comics einÁiessen. So etwa den 1925 am Oberlauf des Rio Gran de verschollenen britischen Abenteurer Percy Fawcett (1867– 1925), der im brasilianischen Regenwald jahrelang nach der legendären Indio-Stadt »Z« gesucht hatte. Bis heute halten sich Gerüchte, wonach Fawcett überlebt haben soll. Und so begegnet Tim in Hergés Dschungel (»Arumbaya Fetisch«, 1937/1943) denn auch einem ergrauten langhaarigen Ethnologen namens Ridgewell – eine Hommage an Fawcett. Nur eine von vielen Reminiszenzen, die auch Hergé-Fan und Starregisseur Steven Spielberg später in seine Indiana-Jones-Filme einbauen sollte.

Indy ohne Hergé? Undenkbar!

Vom Nessie bis zum Yeti im Tibet Bei aller Faszination für das Übersinnliche blieb Hergé ein sehr nüchterner Mensch, der spätestens ab der Nachkriegszeit penibel darauf bedacht war, dass seine Comics stets in der Realität verankert und detailgetreu waren. Bei Remi handelte es sich dabei weitgehend um einen »Schreibtischtäter«, der nur selten an die Orte seiner Geschichten reiste. Umso akribischer recherchierte er in Büchern und Zeitschriften.

Fasziniert von geheimnisvollen Phänomenen aller Art: Meister-Ob Prospekte, Notizen, Forschungsarbeiten, Fotos, Postkarzeichner Georges Prosper Remi alias Hergé (1907–1983).

ten oder Illustrierte – der Zeichner hob alles auf, von dem er annahm, dass es ihm später mal nutzen könnte. Er sei »ein schen angezogen – etwa von der Kryptozoologie und deren geborener Archivar gewesen«, bestätigt sein Biograf Farr: »Fast Suche nach vergessenen Lebensformen. So verfolgte er bereits zwanghaft« schnitt Hergé demnach »Unmengen von Materialien in den frühen 1930er-Jahren die Berichterstattung über das aus, sammelte und sortierte sie«. Nahezu alles, was er in seinen vermeintliche schottische Seemonster Nessie. »Hergé war fas- Zeichnungen darstellte, hatte denn auch ein reales Vorbild. Seiziniert davon – wie später auch vom Yeti, der genauso wenig en es die Autos und Flugzeuge, die Tim nutzte oder die Gebäude greifbar war – und sammelte so ziemlich alles, was er zum Theund Landschaften, die der junge Reporter aufsuchte.

ma Ànden konnte«, konstatiert Farr, der ihn mehrfach persönlich Hergé war beim Zusammentragen äusserst vielseitig. Einergetroffen hatte.

seits informierte er sich stets über Wissenschaft und Technik, Nessie Áoss bereits in den Band »Die Schwarze Insel« (1937) andererseits fühlte er sich auch vom Mysteriösen und Mystiein. Den Yeti liess Hergé 1959 auftauchen – in »Tim in Tibet«, einem seiner persönlichsten Bände: »Ich litt an einer Depression und suchte einen Psychoanalysten auf. ›Tim in Tibet‹ ist während dieser Krise entstanden.« Wie der Yeti sei er damals ein verzweifelt Suchender gewesen, offenbarte das Genie 1989 dem Autor Numa Sadoul (»Entretien avec Hergé«). So habe er damals gerade seine Ehefrau verlassen und sei zu seiner langjährigen Geliebten gezogen.»›Tim im Tibet‹ widerspiegelt diese moralische Krise.« Auch die monotone Schneewüste, durch die sich die Protagonisten kämpften, sei sinnbildlich zu verstehen. So habe er in jener Zeit »ständig völlig in Weiss getauchte Träume gehabt«.

»In dieser an autobiograÀschen Zitaten reichen Erzählung brachte Hergé zwei weitere seiner Leidenschaften zum Ausdruck, die er mit seiner neuen Partnerin Das Original und seine Kopie. Links Professor Bienlein – rechts der Schweizer Physiker und Erfinder Auguste Piccard (1884–1962), der Hergé als Vorlage gedient hatte.

teilte: übersinnliche Wahrnehmung und 56 Ausgabe 2/2017 Von der Fiktion zur Wirklichkeit: Moderne Haifisch-Tauchboote des US-Herstellers Seabreacher, wie sie Hergé bereits 1943 in ähnlicher Form zu Papier gebracht hatte. Als Inspiration diente ihm dabei unter anderem ein Presseausschnitt über ein ähnlich geartetes deutsches »Mini Sub«.

Hergé und die Elektro-Autos Auch ausserhalb seiner Comics bewies Hergé visionäres Talent. So sah er bereits in den 1980er-Jahren den Siegeszug des Elektroautos voraus, als er in einem Interview sagte: »Die Verschmutzung von Luft und Wasser, die Zerstörung der Umwelt, das sind schreckliche Dinge. Aber das wird sich ändern, davon bin ich überzeugt. In den USA, in Schweden, überall wird nach Lösungen gesucht.

Die Autos beispielsweise werden elektrisch betrieben werden, virtuell gibt es sie bereits, die Hersteller haben konkrete Pläne. Aber solange genug Erdöl vorhanden ist… Stellen Sie sich nur mal vor, Sie sind Besitzer solcher Quellen, verdienen unglaubliche Summen und werden plötzlich durch Elektrofahrzeuge bedroht!« Ausgabe 2/2017 57 den Mystizismus des tibetanischen Buddhismus«, analysiert Experte Farr. Besonders deutlich wird dies in der Darstellung eines schwebenden Mönches, der eine Erleuchtung hat. Tims Erschaffer hielt das Phänomen der Levitation für absolut real. Viele seriöse Autoren hätten das Thema ausgiebig beleuchtet, erläuterte Hergé in den späten Achtzigern bei Gesprächen. Hauptquelle dafür war für ihn die Forscherin Alexandra David-Néel mit ihren Büchern »Bei Mystikern und Zauberern in Tibet« sowie »Der Weg zur Erleuchtung«.

Beraten liess sich der Zeichner bei den Arbeiten für den Tibet-Band auch von einem langjährigen Freund – dem belgischen Mystery-Forscher Bernard Heuvelmans (1916–2001). Dank ihm sei er bestens dokumentiert gewesen, so Hergé. »Ich besass eine Liste aller glaubwürdigen Personen, die behaupteten, den Yeti gesichtet zu haben; ich hatte seine sehr genaue Beschreibung über seinen Lebensraum und seine Gewohnheiten, Fotos seiner Spuren etc.« All dies habe er in den Comic eingearbeitet – inklusive der präzisen Darstellung der Fussabdrücke des Schneemenschen, die sich »von Bären deutlich unterscheiden«, wie er betonte. Er habe es absolut vermeiden wollen,»aus dem Schneemenschen eine unwirkliche Legende zu machen«.

Tintinologe Farr resümierte schmunzelnd, dass der Yeti – sollte er tatsächlich mal auftau- Visionäres Design. Computeranimation der Mond-Rakete, wie sie Hergé bereits anfangs der 1950er-Jahre skizziert hatte.

Schwebender buddhistischer Mönch in »Tim in Tibet« (1959). Copyright: www.carlsen.de chen –»sehr wahrscheinlich dem Bild ähneln wird, das Hergé von ihm gezeichnet hat; so wie auch schon seine ›Reise auf den Mond‹ von visionärer Genauigkeit war«.

Für dieses zweibändige Weltraum-Abenteuer (1953/1954) hatte Hergé ebenfalls eng mit Heuvelmans kooperiert, der in diesem Fall sogar an der Ausarbeitung der Geschichte beteiligt war.

Zudem las er sich begeistert bei führenden Raketenforschern wie Willy Ley und Wernher von Braun in die Thematik ein. Resul tat war ein Comic von »gleichsam prophetischer Genauigkeit«, ist Farr begeistert. »Schon im März 1953, also 16 Jahre bevor US-Astronaut Neil Armstrong seine berühmten Worte sprach: ›Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein grosser Sprung für die Menschheit!‹, konnte Tim verkünden: ›Ich stehe auf dem Mond! Zum ersten Mal macht ein Mensch von der Erde Schritte auf dem Mond!‹« Waren wir nicht die Ersten auf dem Mond?

Neben der szenarischen Genauigkeit fasziniert auch die technische Präzision, mit der Hergé das Jahrhundertereignis Jahre zuvor vorweggenommen hatte: Ob die Innenausstattung der Rakete, die MondoberÁäche, der lunare Rover, die Astronautenanzüge oder die an die legendäre deutsche V2 angelehnte Trägerrakete – auffällig vieles stimmte fast bis ins Detail mit den späteren Bildern aus der Realität überein. Dies notabene in einer Zeit, in der die meisten Weltraumexperten ein derartiges Unternehmen für völlig unmöglich hielten.

Auch die Frage nach ausserirdischem Leben trieb Hergé sein Leben lang um. Er habe sich in seiner Bildergeschichte bewusst

Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
ein schwarzer Hintergrund mit vielen Worten darauf
Ein Karikatur von einem Mann und einem Hund, die vor einem Mond laufen.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
Ein dunkler Textur Hintergrund mit viel Schrift.
ein Pfirsichfarbener Hintergrund mit Linien darauf
nicht beantworten
Ein Mann mit einem Hut und einem grünen Anzug
Ein Mann, der neben einer Festnahme ein Buch liest.
Ein Mann mit einer Kamera um den Hals.
Ein Bild eines braunen Hintergrunds mit schwarzer Grenze.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit schwarzer Kante.
Ein Haiboot ist im Wasser und Wasser spritzt um ihn herum.
Ein schwarzer Rahmen mit einem weißen Quadrat in der Mitte.
Ein Plakat mit einem Hai und einem Fisch darauf
Ein Jetflugzeug, das über einem Wasserkörper schwimmt.
Eine gruselige Puppe steht in einem dunklen Kreis.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit schwarzer Kante.
Ein Karikatur von einem Mann und einem Jungen, die eine Wand hinaufgehen.
ein schwarzer Rahmen mit einem weißen Quadrat in der Mitte
Ein Plakat mit einer Gruppe von Menschen, die einen Berg bestiegen.
Eine große rote und weiße Rakete wird gebaut.
Ein pfirsichfarbener Hintergrund mit schwarzer Kante.
Ein dunkles Bild eines Mannes in einem Helm.
Ein Comic-Stick mit einem Mann im Hut, der mit einem anderen Mann spricht.
Ein Plakat eines Autos mit einem Flugzeug, das über ihm fliegt.
Eine gruselig aussehende Puppe in einem dunklen Raum.

Bolliers »Persilschein« von 2004. Erst auf Druck von Journalisten rückte die Schweizer Bundesanwaltschaft das Dokument heraus.

Ein Mann malt ein Bild auf einem Brett.
Ein leeres Bild eines schwarz-weißen Bildschirms.
Ein Dokument mit einem Stempel, auf dem steht: Zum Verdacht der Geilfenschaft zu Mord.
Ein Bild eines Zahns mit weißem Hintergrund.
Ein Blick auf eine in Wolken bedeckte Bergkette.
Ein Bild eines Bergketten mit einem Sonnenuntergang im Hintergrund.
ein verschwommenes Bild von einem schwarz-weißen Hintergrund
Ein helles Licht scheint durch die Wolken am Himmel.
Ein weißer Kreis auf schwarzem Hintergrund.
ein schwarz-weißes Bild einer Hand im Dunkeln
nicht beantworten
Ein schwarz-weißes Bild einer Reihe von Regalen.
Ein großer Bildschirm mit einer deutschen Botschaft darauf.
Ein leeres Bild auf einem schwarzen Hintergrund.
Ein Plakat eines Kampfflugzeugs, das über einen Berg fliegt.
ein schwarz-weißes Foto eines schwarzen Lochs

nWussten Sie, dass ein Brigadegeneral der Schweizer Luftwaffe an einem vertraulichen Treffen bereits 1996 vor außerirdischen Flugkörpern warnte – und dies sogar vor ranghohen europäischen Militärvertretern? Wussten Sie, dass ein Ex-Chef der militärischen Luftraumüberwachung vom Saulus zum Paulus mutierte, als er Zeuge eines UFO-Vorfalls wurde – dies aber um keinen Preis öffentlich machen wollte? Warum drohte ein namhafter Armeevertreter dem Verfasser dieses Buches mit rechtlichen Schritten? Und wieso hält man bis heute einen Film unter Verschluss, in dem Erich von Däniken in offizieller Fliegerkluft aus der Kanzel eines eidgenössischen Kampfjets über Götter aus dem Weltall referiert?

Jahrelang trug ein Mitarbeiter der Schweizer Luftwaffe heimlich Beweise für das UFO-Phänomen zusammen. Im Hochsicherheitstrakt der militärischen Einsatzzentrale sammelte der Whistleblower uneigennützig vertrauliche Informationen zum Thema, um sie im Interesse der Forschung der Nachwelt zu erhalten – bis ihm seine Chefs und die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machten. Dieses Dossier präsentiert sein explosives Vermächtnis. Unzensiert, ohne Rücksicht auf militärische Geheimnisse.

Über 140 Original-Dokumente und Radarakten untermauern, was nie publik werden sollte: Auch über dem Alpenland tummeln sich unidentifizierbare Eindringlinge! Rätselhafte Flugobjekte, die sich allen Erklärungsversuchen entziehen und sich mit Geschwindigkeiten jenseits unserer Vorstellungskraft fortbewegen. Außerirdische? Zeitreisende? Geheimprojekte einer fremden Macht?

Kürzlich entdeckte militärische UFO-Akten aus dem Bundesarchiv untermauern ergänzend, was öffentlich immer wieder abgestritten wurde: Jahrzehntelang beschäftigte der Nachrichtendienst der Schweizer Luftwaffe heimlich UFO-Sachbearbeiter, ließ sogar als vertraulich klassifizierte Meldeformulare für Piloten und Beamte in allen drei Amtssprachen erstellen. Namhafte Militärvertreter wussten davon und hielten gehorsam dicht.

Erfahren Sie, w ie eine ganze Kom panie eidgenössischer Soldaten am helllichten Tag Zeuge eines UFO-Schauspiels wurde. Oder wie KampfÀugzeuge »von Geisterhand« über enorme Distanzen katapultiert wurden. Selbst mobile Lenkw affensy stem e erfassen auf freiem Feld im m er w ieder Him m elsphantom e. Beunruhigendes Fazit: Irgendw er oder irgendw as gefährdet seit Jahrzehnten die Sicherheit im Luc Bürgin: Geheimdossier UFOs Schweizer Luftraum – doch die zuständigen Behörden halten gebunden • 224 Seiten • zahlreiche Abbildungen sich Augen, Ohren und Mund zu.

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Ein Blick auf eine in Wolken bedeckte Bergkette.
Ein Bild eines Bergketten mit einem Sonnenuntergang im Hintergrund.
ein verschwommenes Bild von einem schwarz-weißen Hintergrund
Ein helles Licht scheint durch die Wolken am Himmel.
Ein weißer Kreis auf schwarzem Hintergrund.
ein schwarz-weißes Bild einer Hand im Dunkeln
nicht beantworten
Ein schwarz-weißes Bild einer Reihe von Regalen.
Ein großer Bildschirm mit einer deutschen Botschaft darauf.
Ein leeres Bild auf einem schwarzen Hintergrund.
Ein Plakat eines Kampfflugzeugs, das über einen Berg fliegt.
ein schwarz-weißes Foto eines schwarzen Lochs
Ein schwarz-weißes Foto einer Felsformation.
Ein Mann in Anzug und Krawatte, der einen Daumen hochschüttet.
Ein Mann, der einen Daumen nach oben zeigt, mit einem schwarzen Hintergrund.

will. Per Mail erhielten wir über Umwege wissenschaftliche Gutachten, die sich bei näherer Überprüfung jedoch als Fälschungen entpuppten. Wurde bewusst mit falschen Karten gespielt? Oder ist das Stück doch mehr wert? Derzeit soll sich das umstrittene Relikt in Russland beÀnden. Ob es die Öffentlichkeit jemals wieder zu Gesicht bekommen wird?

red. ■

Ein Bild eines weißen Tuchs auf einem Tisch.
Ein schwarz-weißes Bild einer Wand.
Ein Stück Papier mit Schrift darauf, das jemand in weißen Handschuhen hält.

Als sich »mysteries«-Reporter Reinhard Habeck auf Spurensuche nach Fatima begab, erlebte er sein eigenes Wunder – dank eines struppigen Gefährten. Der unverhofft aufgetauchte Vierbeiner erschien ihm und seiner Partnerin auf dem Pilgerpfad wie ein Geschenk des Himmels.

Die Wunder von Fatima locken jährlich Millionen von Pilgern ins Zentrum Portugals. Im Mai konnten wir uns vor einigen Jahren ebenfalls von der Anziehungskraft des katholischen Wallfahrtsortes überzeugen. Wir betraten die Erscheinungskapelle mit der Marienstatue, wo 1917 fünf von sechs Erscheinungen der »weissen Dame im Licht« stattgefunden haben sollen. Wir besichtigten die Basilika mit den Gräbern der drei Hirtenkinder, ebenso die neuzeitliche Dreifaltigkeits-Kirche und marschierten über den grossen Pilgerplatz, wo fromme Christen auf Knien rutschen und dabei den Rosenkranz beten.

Ein Erlebnis bleibt uns wohl ein Leben lang in Erinnerung: Die Tour zu wundersamen Schauplätzen ausserhalb des heiligen Bezirks. Ohne sachkundige Führung können Gläubige und Touristen Besonderheiten leicht übersehen. Wir aber hatten Glück, denn wir trafen dort den besten einheimischen Guide – und der erschien uns erst noch aus heiterem Himmel.

»Die Freude ist ihm anzumerken« Als wir uns vom Platz der Basilika entfernen und an der Rotunda do Sul eine grüne Oase mit Olivenhainen betreten, springt unvermutet ein struppiger Hund mit schwarzweissem Fell aus dem Dickicht. Er scheint verwahrlost und ohne Herrchen zu sein. Die Freude ist ihm anzumerken – als hätte er im Gebüsch nur darauf gewartet, dass zwei Greenhorns seinen Weg kreuzen.

Tatsächlich sind weit und breit keine Pilger zu erblicken. Also wandern wir auf der »Via Sacra« fortan zu dritt. Einige Meter vor uns gibt der »Fatima-Streuner« Zielrichtung und Tempo vor. Er wedelt fröhlich mit dem Schwanz, blickt sich immer wieder nach uns um. Seiner Körpersprache nach will er uns sagen: »Kommt endlich mit, ihr Schlafmützen, ich habe euch Interessantes zu»Struppi«. Der »Fatima-Hund« erwies sich als treuer Begleiter.

zeigen!« Wir folgen ihm brav. Nach einigen hundert Metern bleibt unser Struppi plötzlich stehen, macht »Sitz« und blickt hinauf zu einem kleinen Tempel mit einer Muttergottes-Statue.

Eine Hinweistafel klärt auf. Besagter Platz nennt sich Valinhos – der Ort, an dem Maria 1917 den drei portugiesischen Seherkindern zum vierten Mal erschienen war. In der Folge lotst uns Struppi zu einem felsigen Hügel, der Loca do Cabeço genannt wird. Hier kriechen wir in einen etwa drei Meter langen Stollen, der in den Fels führt. Ähnlich einem »Erdstall« ist eine Begehung nur in gebückter Haltung möglich. Es riecht nach Hund. Die Woh-Gemäss den Quellen aus Fatima, sollen die Hirtenkinder hier an einem regnerischen Tag Schutz gefunden haben. Als sie wieder ins Freie krochen, bemerkten sie im Osten ein eigenartiges Licht, dass sich ihnen näherte. Als es stillstand, erkannten sie die Gestalt eines Jünglings »weisser als der Schnee und durchsichtig wie Kristall, vom Sonnenstrahl durchÁutet«. So beschrieb Augenzeugin Lucia das überirdische Wesen.

Die Lichtgestalt sprach zu den Kindern: »Fürchtet euch nicht, ich bin der Engel des Friedens.« Er forderte zum Gebet auf und löste sich danach in Luft auf. Das war im Frühjahr 1917. Die Ausgabe 2/2017 13 nung von Struppi?

Stets eine Pfotenlänge voraus. »Einem Profi-Guide gleich lotste uns der Vierbeiner von einer Attraktion zur nächsten.« Gemeinsames Nickerchen. Ebenso wie sein vierbeiniger Begleiter legte der Autor vor einer Statuengruppe eine kurze Pause ein.

erste unheimliche Begegnung. Die dritte folgte ebenfalls an dieseiner Schnauze jedes einzelne liebevoll »küsst«. Danach folgen sem Ort im Herbst desselben Jahres, noch bevor die eigentliche wir dem Vierbeiner in den Garten der Familie Santos zu einem»Kontakt-Serie« mit der Muttergottes begann.

Brunnen. Laut Fatima-Chronik jener Platz, wo im Sommer 1917 Nicht weit von dem »Steinloch« entfernt, erinnert eine lebensder »Friedensengel« das zweite Mal den Kindern erschienen war.

grosse Statuengruppe aus Marmor an das übersinnliche Rendezvous. Davor liegt ein Felsbrocken mit einer Mulde, die exakt die Aufruhr am Souvenirstand Körpergrösse von Struppi hat. Unser vierbeiniger Guide legt sich Inzwischen bricht die Dämmerung herein. Wir werden Zeugen eiermattet hinein. Zum Gebet, zur Meditation? Wir wissen es nicht, nes aussergewöhnlichen Sonnenuntergangs. Wolken bedecken tun es ihm gleich und legen uns zu ihm auf die Felsen.

teilweise das Zentralgestirn, so dass nur ein leuchtender Diskus Nach wenigen Minuten springt Struppi wieder auf, und wir am Horizont zu sehen ist. Begleitet von Struppi und unserem schlendern weiter zum Geburtshaus der persönlichen Sonnenwunder spazieren Geschwister Jacinta und Francisco Marto.

wir zurück Richtung Pilgerzentrum und Liebend gerne hätten wir Ein paar Schritte weiter, und wir stehen Basilika.

vor dem Haus der Familie Santos, wo Lu-Als wir bei einem Souvenirstand mit die findige Spürnase nach cia geboren wurde. In den 1940er-Jahren Fatima-Devotionalien vorbeikommen, wird Hause mitgenommen…

schrieb sie die drei Botschaften von Faties brenzlig. Struppi hebt elegant sein Hinma nieder, welche die Gottesmutter den terbeinchen und verrichtet sein Geschäft.

Kindern übermittelt hatte.

Was für ein Sakrileg! Fromme Andachtsbildchen werden vor aller Als wir vor der »Casa de Lúcia dos Santos« verweilen, beob- Augen unheilig besudelt. Struppi stolziert weiter als wäre nichts achten wir ein erstaunliches Liebesritual. Hinter dem Haus steht gewesen. Der Händler Áucht fuchsteufelswild. Er ballt die Fäuste ein kleiner gemauerter Stall, der von vier Schafen bewohnt wird.

und will wissen, ob das unser »Köter« sei. Wir schütteln schein- Struppi springt Áink auf die Mauer und äugt hinunter zu den Lämheilig die Köpfe. Sicherheitshalber erhöhen wir alle drei unser mern. Diese strecken ihm ihre Häupter entgegen, worauf er mit Schritttempo.

Als wir den grossen Platz vor der Basilika erreichen und der Abschied von unserem tierischen Freund bevorsteht, wird es Ein Kuss für jedes Schaf.

noch einmal wunderlich. Struppi macht keine Anstalten sich von Tierisches Begrüssungszeuns verabschieden zu wollen. Im heiligen Bezirk, der zwei Mal so remonial im kleinen Stall.

gross ist wie der Petersplatz in Rom, ist der Aufenthalt von Vierbeinern strengstens untersagt. Struppi ist das einerlei. Er wähnt sich offenbar sicher. Uns etliche Meter voraus, stolziert er wie ein Hollywoodstar alleine und würdevoll über den grossen Platz vor der Basilika. Vor dem Herzstück Fatimas, der berühmten Erscheinungskapelle, folgt ein Abschied mit Wehmut.

Heilige Maria Muttergottes, wie liebend gerne hätten wir den himmlischen Vierbeiner, die Àndigste Spürnase Portugals, nach Hause mitgenommen. Die Vernunft sprach leider dagegen. Eines aber hat unser PilgerausÁug bestätigt: »Der Hund ist der sechste Sinn des Menschen.« (Christian Friedrich Hebbel) Reinhard Habeck/Elvira Schwarz ■

Ein Hund, der auf einem Steinweg im Park läuft.
nicht beantworten
Ein schwarz-weißer Hund sitzt an einer Steinwand.
Ein rosa-weißer Hintergrund mit viel Licht, das aus ihm springt.
Ein Bild eines bewölkten Himmels mit der Sonne, die durch ihn scheint.
Ein schwarz-weißer Hund, der auf einem Felsen sitzt.
Ein schwarz-weißes Bild eines schwarz-grauen Textes.
Ein rosa-weißer Hintergrund mit viel Licht.
Ein Bild eines bewölkten Himmels mit der Sonne, die durch ihn scheint.
Ein Hund leckt den Kopf eines anderen Hundes auf eine Steinwand.
Ein Mann liegt neben einem Hund auf einem Felsen.
Ein schwarz-weißes Bild einer Tastatur.

Bis heute verstaubt im Heimathaus von Vöcklabruck in Österreich ein geheimnisumwittertes Eisenrelikt. Seit 50 Jahren hat es kein Labor mehr unter die Lupe genommen – obwohl moderne Analysetechniken neue Aufschlüsse bringen könnten.

1885: In der Eisengiesserei »Isidor Braun« im österreichischen Schöndorf bei Vöcklabruck werden Braunkohleplatten aus einer örtlichen Bergbaugrube angeliefert. Einer der Mitarbeiter staunt nicht schlecht, als er eines der Stücke zerschlägt: Vor ihm liegt ein 65 mal 60 mal 50 Millimeter grosses Eisenstück – 730 Gramm schwer. Dellenförmige Vertiefungen bedecken die SeitenÁächen: ein Hinweis auf dessen künstliche Bearbeitung.

Die Kohle, in der sich das Stück befunden haben soll, wird auf etliche Jahrmillionen datiert.

Aufgrund der ungewöhnlichen Fundumstände spricht sich die Neuigkeit schnell herum. Nach einem Vortrag des Geologen Adolf Gurlt am 7. Juni 1886 vor der»Niederrheinischen Gesellschaft für Naturund Heilkunde« in Bonn werden auch Mystery-Forscher auf das Fundstück aufmerksam. Charles Fort erwähnte es bereits 1919 in seinem»Buch der Verdammten«. Handelte es sich um eine Fälschung?

Oder um ein Überbleibsel einer versunkenen Zivilisation?

»Mit Sicherheit kein Meteorit« 1974 wurde das Stück vom Münchner Ingenieur Adolf Schneider kritisch unter die Lupe genommen. Dennoch wird bis heute im Internet kolportiert, es handle sich dabei um einen Meteoriten.

Gleichzeitig kursieren Berichte, das Relikt sei inzwischen verschwunden. Beides ist falsch! »Der Eisenfund ist nach wie vor im Depot unseres Heimathauses vorhanden«, stellt Kurator Helmut Kasbauer gegenüber »mysteries« klar und übersandte dazu aktuelle Fotos: »Nach Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass es sich nicht um einen Meteoriten handelt. Daher ist das Eisenstück auch nicht im Museum ausgestellt.« Bereits 1950 hatte ein Geologe vom Landesmuseum Linz das Objekt analysiert. Resultat: Der Eisenfund zeigte »keine ›Widmannstättischen Linien‹, wie sie bei einem Meteoriten zu erwarten wären«. Gemäss der Geologischen Bundesanstalt in Wien, die das Relikt 1966/1967 erneut analysierte, besteht das Fundstück zudem aus Eisen mit wenig Mangan und MangansulÀden.

Kein Nickel, kein Kobald, kein Chrom: Reines Gusseisen.

Und die Behauptung, dass das künstliche Artefakt aus einer uralten Kohleplatte zum Vorschein kam? Dafür gebe es leider keine konkreten Beweise, bedauern Skeptiker und stellen die überlieferten Fundumstände in Frage. Diese seien »1886 ohne Überprüfung übernommen worden«. Wie Kurator Kasbauer ergänzt, geben die zitierten Untersuchungen den aktuellen Wissensstand zum Thema wieder. Weitere Untersuchungen hätten in den letzten 50 Jahren nicht stattgefunden, trotz mittlerweile weitaus fortgeschrittenerer Analysemethoden.

Tomas Hrico ■

Eine schwarze Nuss sitzt auf einer weißen Oberfläche.
ein braunes Objekt auf einer weißen Oberfläche
Ein schwarzer Bildschirm mit weißen Worten darauf.

Mit dem neuen Berliner »Willy Brandt«-Flughafen wird es auch dieses Jahr nichts, trotz anderslautenden Versprechen. Laut aktuellen Meldungen verzögert sich die Eröffnung bis mindestens 2018 – nach unzähligen Verschiebungen seit 2011. Die unrühmliche Fortsetzung einer unheimlichen Pannenserie. So viel Pech lässt Ungutes ahnen. Umso mehr, als am Standort des neuen deutschen Verkehrsknotenpunktes bereits im Mittelalter vieles nicht mit rechten Dingen zugegangen zu sein scheint.

»Auf dem Gelände des SkandalÁughafens BER International wimmelt es geradezu von Untoten«, konstatieren die Archäologen Angelika Franz und David Nösler in ihrem neuen Buch »Geköpft und gepfählt«. Denn, wo in den nächsten Jahren Flugzeuge aus aller Welt landen sollen, existierte seit dem Mittelalter ein Ort namens Diepensee (»Dypensey«). Das Dörfchen wurde für die neue Verkehrsdrehscheibe komplett plattgemacht, die Bevölkerung umgesiedelt.

Bei den Abriss- und Grabungsarbeiten stiessen Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesamts für DenkmalpÁege auf Unheimliches: Vampirgräber aus dem 13. und 14. Jahrhundert!»Die Archäologen fanden 422 Tote – und 25 davon, also fast sechs Prozent, standen unter dem dringenden Verdacht, nicht für wirklich tot gehalten worden zu sein«, berichten Franz und Nösler.

Eine solch hohe Anzahl von vermeintlich Untoten sei ungewöhnlich.

Bereits die Entdeckung des Gräberfeldes war eine Überraschung, denn bis dahin war nicht einmal bekannt gewesen, dass in Diepensee einst eine Kirche mit Friedhof gestanden hatte. Es gibt keine Chroniken oder andere Quellen, die ein Gotteshaus erwähnen, und auch der moderne Ort Diepensee besass keine alte Kirche.

ber mit 422 Individuen erfasst« worden, so die Anthropologin Bettina Jungklaus, welche die Forschungsarbeiten von 2004 bis 2006 begleitet und dokumentiert hat. 29 Gräber wichen dabei »bezüglich der Lage der Toten oder bestimmter Massnahmen und Handlungen, die am Leichnam durchgeführt wurden, von der üblichen Bestattungspraxis ab«.

Makabere Sonderbestattungen Die damaligen Einwohner schienen bei einigen der Leichen absolut sichergehen zu wollen, dass die Verstorbenen nicht aus ihren Gräbern zurückkehren.

»Die Dorfbewohner hatten sich grosse Mühe gegeben, diese Toten auf ewig ans Grab zu binden: sie mit grossen Steinen beschwert oder auf den Bauch gedreht, die Beine abgeschlagen und zusätzlich noch mit einem verkohlten Holzbrett bedeckt, in einem Fall sogar nachträglich den Kopf abgehackt«, beschreiben es Franz und Nösler.

Europäische Archäologen stossen bei mittelalterlichen Gottesäckern immer wieder auf ähnlich Toter mit Felsbrocken auf dem Schädel: Einer von etlichen makabren Funden unter dem Flughafen. (Fotos: BLDAM) Insgesamt seien damals »418 Gräschauerlich Bestattete. Es handelt sich um so genannte Bannriten im Kampf gegen Untote. »Derartige Verstümmelungen und auch das Beschweren der Verstorbenen mit Steinen resultieren aus dem Aberglauben an Wiedergänger und Vampire«, erklärt das Brandenburgische Landesamt für DenkmalpÁege, welches die Ausgrabungen am neuen Berliner Flughafen geleitet hat. Die schweren Grabbeigaben sollten eine Rückkehr der Gefürchteten in die Welt der Lebenden verhindern.

Wiedergänger und Nachzehrer Der mittelalterliche Glaube an Wiedergänger habe stets zwei Wurzeln gehabt, erläutern die Geschichtsforscher weiter. Einerseits Angst vor plötzlich oder unheilvoll Verstorbenen, andererseits »den Schrecken, den jeder unnatürliche Tod hervorruft«.

Bei einigen der Untoten in Diepensee konnten die Ausgräber zudem nachweisen, dass jene Menschen zeitlebens durch Behinderungen oder Verstümmelungen beeinträchtigt gewesen sein müssen. Einer der Verstorbenen hatte ein steifes Bein, eine Frau einen »Stummelarm«, ein weiteres weibliches Skelett auffällige Deformationen am Kopf. Vermutlich waren sie bereits zu Lebzeiten Ausgestossene – und wurden als solche auch unter die Erde gebracht.

Dreien der Verstorbenen in den Gräbern unter dem neuen Flughafengelände wurden vor der Beerdigung zudem Steine in den Mund gestopft. Dies deute auf die Abwehr einer ganz»speziellen Klasse der Wiedergänger hin, den so genannten Nachzehrer«, weiss Archäologin Jungklaus zu berichten. In der Volksüberlieferung gelte ein solcher »in seiner Gier nach Leben als besonders bösartig«: »Er verzehrt seine Kleider und Glieder, weshalb bei der Bestattung nichts an den Mund des Verstorbenen geraten darf. Denn sind diese aufgezehrt, saugt er auf geheimnisvolle Weise per Fernzauber den Lebenden die Lebenskraft aus und holt sie ins Grab nach.« Um eben dies zu verhindern »verbarrikadierten« die mittelalterlichen Menschen gefürchteten Toten den Mund mit Steinen oder Metallteilen.

Warum allerdings ausgerechnet im alten Diepensee auffallend viele »Untote« begraben wurden, können die Wissenschaftler nicht beantworten. Die Spuren zeugten zumindest von einem »ausgeprägten Aberglauben« im Dorf, heisst es in aktuellen Fachberichten vorsichtig. Doch vielleicht hatte jener Ort schlicht schon immer ungewöhnlich viel Unbill zu ertragen.

VerÁucht – bis heute?

Jan Fischer ■

Ein Stein im Sand mit einer weißen Substanz.
Ein Bild einer Landebahn mit einem Gebäude im Hintergrund.
Ein Bild einer Gruppe von Steinen im Schmutz.

Erwartet uns 2017 ein himmlisches Wunder oder ein höllisches Unglück?

Wovor wollte uns die Jungfrau Maria vor 100 Jahren warnen?

Was ereignet sich 2017 in Fatima? Zählt Papst Franziskus zu den letzten Pontifexen der Geschichte? Oder lehrt uns die Vernunft doch noch eines Besseren? Glaubt man den vom Vatikan ofÀziell als Wunder beglaubigten Weissagungen von Schwester Lucia (Foto unten) erwartet die katholische Kirche in naher Zukunft Erschütterndes.

von Sven Berger Fatima-Wunder. Eines der wenigen authentischen Fotos vom 13. Oktober 1917.

ird 2017 für die Christen zum Schicksalsjahr? Bringt uns der symbolträchtige 13. Mai Glück oder Un-Wglück? Neapels Katholiken jedenfalls befürchten das Schlimmste. Zum ersten Mal seit 1980 verÁüssigte sich das eingetrocknete Blut des Heiligen Januarius am 16. Dezember 2016 im dortigen Dom nicht. Das Ausbleiben des überirdischen Wunders gilt den italienischen Kirchenoberen als böses Omen für die Zukunft. Umso mehr, als auch das Jesus-Grab in der Grabeskirche von Jerusalem jüngst zum ersten Mal seit 1555 geöffnet wurde. Ein Sakrileg?

Apropos Unheil: Kennen Sie das Dritte Geheimnis von Fatima im päpstlich beglaubigten Wortlaut? »Ist das nicht jene Marien-Prophezeiung, die uns der Vatikan seit Jahrzehnten vorenthält?«, wird sich selbst so mancher gläubige Katholik fragen. Jein. Tatsache ist: Ab dem 13. Mai hatten die drei Hirtenkinder Lucia dos Santos, Jacinta Marto und Francisco Marto 1917 anlässlich mehrerer Marienerscheinungen bei Fatima in Portugal von der Gottesmutter heilige Botschaften empfangen.

Dies zuletzt unter den Augen von Zehntausenden von Gläubigen.

Prophezeiungen, die auf Geheiss Mariens erst später veröffentlicht werden durften.

Das Heiligtum von Fatima in Portugal gilt heute nach Lourdes als zweitgrösster Wallfahrtsort Europas. 2017 feiert es den 100. Jahrestag der Marienerscheinungen. Am 13. Mai 2017 wird auch Papst Franziskus dem Ort – trotz Terror-Gefahr – im Beisein unzähliger Gläubigen seine Referenz erweisen und die 2005 verstorbene Lucia in der Folge wohl selig sprechen. Dies im selben Jahr, in dem die Lutheraner ihre 500-Jahr-Feier zur Reformation begehen und die von Erzkatholiken verteufelten Freimaurer ihr 300-Jahr-Bestehen feiern. Ganz zu schweigen von den Russen und ihrer Oktober-Revolution vor 100 Jahren oder dem 600-Jahr-Jubiläum des visionären Schweizer Mystikers Niklaus von Flüe (Bruder Klaus). Zugeschrieben wird ihm nicht zuletzt die von etlichen Augenzeugen beglaubigte Himmelserscheinung einer »göttlichen Hand« am Fatima-Tag, dem 13.

Mai 1940 über Waldenburg, welche die Schweiz vor deutschen Invasoren beschützt haben soll (»mysteries« Nr. 5/2010).

Am 13. Mai 2017 werden zudem Heerscharen von Gläubigen zur Mariensäule auf dem Münchner Marienplatz pilgern – zum 100-Jahr-Jubiläum ihrer Patrona Bavariae – einem Marienfest, das seit 1917 in allen bayerischen Bistümern gefeiert wird.

Ebenfalls am 13. Mai 2017 jährt sich in Österreich der 300. Geburtstag von Kaiserin Maria Theresia. Und im schweizerischen Marienwallfahrtsort Einsiedeln gedenkt man gleichzeitig des 200-Jahr- Jubiläums des Wiederaufbaus der dortigen Gnadenkapelle.

Kurz: Die weltweite Marienverehrung erfährt 2017 einen historischen Höhepunkt. »Ist das alles bloss purer Zufall? Oder verbirgt sich in seltsamen Zufällen die Handschrift der göttlichen Vorsehung?«, fragt sich derzeit nicht nur der Düsseldorfer Kirchenhistoriker Michael Hesemann.

UFO-Erscheinung im Zickzack-Flug Über 50’000 Menschen hatten den Visionen nahe Fatima nachweislich beigewohnt und am 13. Oktober 1917 in der portugiesischen Cova da Iria ein bis heute unerklärliches »Sonnenwunder« erlebt, in dessen Rahmen sich eine eindrückliche UFO-artige Erscheinung zickzackartig auf die Masse zubewegt haben soll. Ein päpstlich beglaubigtes Himmelswunder, das Wissenschaftlern bis heute Kopfzerbrechen bereitet.

In seinem Buch »Das Sonnenwunder von Fatima« liess John M. Haffert 1961 viele damals noch lebende Augenzeugen mit Namen und Bild ausführlich zu Wort kommen. Darunter Dominic Reis aus Holyoke (Massachusetts), der vor laufender Kamera Ausgabe 2/2017 11 Verbergen sich in all den Zufällen die Zeichen göttlicher Vorsehung?

Auskunft gab. Reis hatte sich 1917 knapp 30 Meter entfernt von den drei Kindern aufgehalten. »Starker Regen!«, berichtete er, wie etliche andere. »Dann hörte der Regen plötzlich auf. Die Sonne begann am Firmament von einer Stelle zur anderen zu rollen, die Farben wechselten von blau zu gelb und zu vielen anderen Farben. Dann sahen wir, wie die Sonne auf die Kinder zukam. Alle schrieen laut auf.

Manche begannen ihre Sünden zu beichten.

Und wir sahen, wie die Sonne direkt in die Bäume fuhr. Die Leute um mich dachten, das Ende der Welt sei gekommen.« Erst 1941 brachte Lucia dos Santos (1907–2005), als Nonne und letzte Überlebende der Seherkinder, ihr zuvor verbranntes, prophetisches Wissen erneut zu Papier und händigte ihre versiegelten Texte dem Bischof von Leiria aus. Am 13. Mai 1942 wurden die ersten zwei Geheimnisse vom Vatikan veröffentlicht.

Auffällig präzise sagte die Gottesmutter darin Aufstieg und Fall der Sowjetunion, den Zweiten Weltkrieg und die an ein Wunder grenzende Bekehrung Russlands voraus. Dennoch blieben Lucias Prophezeiungen umstritten.

Versiegelter Brief im Vatikanischen Geheimarchiv Und das dritte Geheimnis von Fatima? Lucia schrieb es 1944 nieder, mit der Bitte ihre Botschaft nicht vor 1960 zu veröffentlichen – aus Angst, falsch verstanden zu werden. Der versiegelte Umschlag wanderte in das Vatikanische Geheimarchiv. Aus Respekt vor den öffentlichen Konsequenzen hielt die Kurie in der Folge länger dicht als es vielen Gläubigen lieb war. Denn in der dritten Prophezeiung wurde der Untergang der katholischen Kirche beschrieben!

Ausgerechnet am symbolträchtigen 13. Mai 1981, dem Jahrestag der Erscheinung, war überdies Papst Johannes Paul II.

auf dem Petersplatz angeschossen worden. Auch er entschied sich, Lucias Botschaft der gläubigen Christenheit vorzuenthalten, weil er deren Zeilen etwas gar voreilig auf sich selber bezog.

Erst der damalige Kardinal und spätere Papst Joseph Aloisius Ratzinger liess die dritte Prophezeiung am 26. Juni 2000 nach Jahrzehnten der Geheimhaltung endlich veröffentlichen (»Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet sei, irrt sich.«). Im päpstlich beglaubigten Wortlaut nachgelesen werden kann Mariens Weissagung im neuen Sachbuch von Michael Hesemann (»Das letzte Geheimnis von Fatima«). Ergänzt von einem graphologischen Gutachten, das die Handschrift zweifelsfrei Lucias persönlicher Feder zuordnet.

Nun reist Papst Franziskus, der am 13.

März 2013 – ebenfalls einem so genannten Fatima-Tag – zum neuen katholischen Oberhaupt gewählt worden war und sein PontiÀkat ausdrücklich unter den Schutz der Gottesmutter von Fatima stellte, am 13. Mai 2017 persönlich an den historischen Ort der Geschehnisse. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen, begleitet von etlichen Bodyguards. Bleibt die Frage, vor welchem Schicksal die Gottesmutter ihn – und uns? – vor 100 Jahren warnen wollte?

Anbei die Originalübersetzung der dritten Prophezeiung von Fatima, wie sie Schwester Lucia 1944 wörtlich niederschrieb:»Und wir sahen in einem ungeheuren Licht ›etwas das aussieht, wie Personen in einem Spiegel, wenn sie davor vorübergehen‹, einen in Weiss gekleideten Bischof (…) verschiedene Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen einen steilen Berg hinaufstiegen, auf dessen Gipfel sich ein grosses Kreuz befand aus rohen Stämmen wie aus Korkeiche mit Rinde.

Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine grosse Stadt, die halb zerstört war, und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füssen des grossen Kreuzes nieder.

Da wurde er von einer Gruppe Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen…« ■

Sonnenwunder im Oktober 1917: Zehntausende verfolgten das himmlische Spektakel bei Fatima.

Ein helles Licht, das durch die Wolken scheint.
Ein Mann und eine Frau sitzen in Stühlen in einem Raum.
Ein schwarz-weißes Bild mit den Worten "Erwartel uns 2017" in der Mitte.
Ein schwarz-weißes Bild aus einer Reihe von Wörtern.
Ein schwarz-weißes Bild eines weißen Kreises.
Ein Bild eines bewölkten Himmels mit der Sonne, die durch ihn scheint.
Ein Bild eines bewölkten Himmels mit blauem Himmel.
Eine Gruppe von Leuten, die sich umgeben.
Ein Bild eines blauen Himmels ohne Wolken.
Ein rosa-weißer Hintergrund mit viel Licht.
Eine große Menge von Menschen, die auf einem Feld stehen.
Ein blauer Himmel mit Wolken.
Ein paar junge Mädchen stehen nebeneinander.

Ausgabe 2/2017

uns die USA hinters Licht

Wenn unzählige Unschuldige bei einem Flugzeugunglück ihr Leben verlieren, bleibt die Wahrheit oft auf der Strecke. »Das FBI hat mir vier Millionen Dollar angeboten, falls ich lüge«, enthüllte ein der Mittäterschaft bezichtigter Schweizer Unternehmer in der »Lockerbie-Affäre« bereits vor Jahren. Obwohl juristisch nie belangt, kämpft er bis heute mit allen Mitteln um seine internationale Rehabilitation und betont: »Das Beweismaterial gegen Libyen wurde von Amerika zwecks Kriegspropaganda nachweislich manipuliert.« swar einer der schrecklichsten Anschläge des 20.

Jahrhunderts. EKnapp ein halbes Kilo Plastiksprengstoff riss am 21.

Dezember 1988 über 259 Menschen in den Tod.

Und so ranken sich um den Boeing-Absturz über dem schottischen Lockerbie bis heute allerlei Verschwörungstheorien. Kernfrage: Wurde das Massaker absichtlich den Libyern in die Schuhe geschoben?

Ja, betont der über 78-jährige Schweizer Edwin Bollier bis heute. Seit 2007 hält er den Beweis in Händen, dass bei den Ermittlungen zünftig geschummelt wurde – und dass die USA und Grossbritannien dies bis heute mit allen Mitteln zu verschleiern versuchen. Doch kaum ein Jurist, Historiker oder Politiker hat in diesen turbulenten politischen Zeiten Lust und Laune, ihm Gehör zu schenken.

Als der Zürcher Techniker 1969 beschloss, Radiopirat zu werden, ahnte er noch nicht, dass dies der Beginn eines Politthrillers werden würde, dessen Ausgang selbst heute noch nicht absehbar scheint. Zusammen mit seinem Kumpel Erwin Meister hatte Bollier damals ein altes norwegisches Küstenwachschiff und einen 300 Meter langen, ausgedienten Frachter erworben.

Die Männer tauften die beiden Schiffe auf die Namen »Mebo 1« und »Mebo 2«, bauten turmhohe Sendeantennen auf die Decks und richteten Radiostudios ein.

Am 28. Februar 1970 ging die »Mebo 2« vor Holland auf Sendung. Unter dem Namen »Radio Nordsee International« (RNI) räumten die Radiopiraten mit einer bunten Mischung aus Hitparadensongs und Werbespots ordentlich ab. Firmen standen Schlange, um bei ihnen Werbung zu buchen.

Gleichzeitig kam es auf hoher See zu einem scheinbar endlosen Katz-und- Maus-Spiel mit den Behörden, aber auch mit der aggressiven Konkurrenz. Denn fast auf dem gleichen Breitengrad sendete auch der eingesessene Piratensender »Radio Veronica«. Zeitweise bekämpften sich die beiden Konkurrenten mit Entermanövern und regelrechten Seeschlachten.

Als Bolliers RNI seinen Standort vor die englische Küste verlegte, begann die britische Post, den Piratensender zu stören.

Bollier und Co. unterstützten daraufhin die Konservativen im Wahlkampf. Störmanöver, Ankerbrüche und Sturmschäden an der 52 Meter hohen Antenne führten ab 1973 zu immer häuÀgeren Sendeausfällen. Schliesslich verkauften Bollier und Meister ihre Schiffe für fünf Millionen Franken an Libyen. Dort dienten die schwimmenden Radiostationen dem Revolutionsführer Muammar GaddaÀ zu Propagandazwecken. 1984 versenkte die libysche Marine die Boote schliesslich im Golf von Sidra.

Bollier schwamm mit seiner Mebo Ltd. Telecommunications fortan obenauf. Die Firma entwickelte Impulscodierer, Funkgeräte und sonstige elektronische Apparate. Zu ihren Kunden zählten Geheimdienste aus aller Herren Länder. Auch mit dem GaddaÀ-Regime machte man Geschäfte.

»Der libyschen Armee lieferte die Mebo in den 1980er-Jahren insgesamt zwanzig Timer«, bestätigt Bollier im Gespräch mit »mysteries«. Die sanddichten Apparate seien im Grenzkrieg mit dem Tschad eingesetzt worden, um Camps zu sichern, versichert der Schweizer. Falls Libyen seine Stellungen an den Feind verloren hätte, hätte man diese ferngesteuert in die Luft jagen können.

»Unser Timer galt damals nicht als Kriegsmaterial«, betont Bollier, »man hätte auch einen Eierkocher daran anschliessen können.« Nicht im entferntesten hatte er damit gerechnet, dass ihm just diese Timer später fast den Kopf kosten sollten … Die Mebo, so lässt es sich zumindest in verschiedenen Zeitungsartikeln nachlesen, machte damals nicht nur mit Libyen Geschäfte. Sondern auch mit der DDR und der CIA. Sogar von Verbindungen zur IRA und zur ETA ist die Rede. Die »Zeit« behauptete, zum Angebot der Mebo hätten auch ferngesteuerte Bomben in Aktentaschen gehört sowie radiogesteuerte Spreng-Riskante Geschäfte mit den Mächtigsten Vom jungen Radiopiraten zum Hauptverdächtigen im Lockerbie-Drama.

28 Ausgabe 2/2017 Bilder des Grauens. Wrackteile der Boeing 747-121, die am 21. Dezember 1988 über dem schottischen Dorf Lockerbie explodierte und insgesamt 270 Menschen in den Tod riss.

mischen Pilgern durch ein Kriegsschiff der USA im Jahr 1988 interpretiert.

Es werde»Blut vom Himmel regnen«, hatte Ajatollah Khomeini damals gedroht. Doch daran wollte sich Anfang der 1990er- Jahre plötzlich niemand mehr erinnern.

Inzwischen hatte der Irak nämlich Kuwait überfallen, und die USA bemühten sich, den Iran in die Koalition gegen Saddam Hussein einzubinden.

Genau in jener Phase konzentrierten sich die Ermittlungen im Fall Lockerbie plötzlich auf Libyen – ganz so, als habe man einen anderen»Schurkenstaat« als den Iran gebraucht und in Libyen den idealen Vertreter gefunden, auf den sich der Verdacht lenken liess.

Tatsächlich lagen die USA und Grossbritannien damals im Clinch mit Revolutionsführer GaddaÀ. Und so waren die Schuldigen rasch gefunden: Am 13. November 1991 erliessen die beiden Länder Haftbefehle gegen zwei hochrangige Agenten des libyschen Geheimdienstes: Abdel Basit Ali al-Megrahi und Lamen Chalif Fahima. Ihnen wurde vorgeworfen, die Semtex-H- Bombe in einem Koffer versteckt und in Malta als Fluggepäck aufgegeben zu haben, worauf diese in Frankfurt in die Unglücksmaschine umgeladen worden sei.

Zentrale Beweisstücke bildeten die Reste eines Timers, die nach Polizeiangaben unter den Trümmern gefunden worden kapseln in Pagern. Der »Spiegel« wiederum lästerte, Bollier sei»ein Diener vieler Herren, weder einem Land noch einer Überzeugung verpÁichtet«.

Den Schweizer, der von der Stasi ohne sein Wissen als Mitarbeiter geführt wurde, lassen derlei Vorwürfe kalt. Er verweist auf seinen Strafregisterauszug, der »absolut sauber« sei, räumt aber ein, dass Libyen und die DDR »lange Zeit unsere besten Kunden waren«. Bis es beim schottischen Dorf Lockerbie knallte: Am 21.

Dezember 1988 explodierte dort eine Boeing der US-Fluggesellschaft Pan Am. Alle 259 Menschen an Bord kamen um. Dazu weitere elf Personen, auf deren Häuser die Maschine stürzte.

Die Explosion verteilte die Flugzeugteile auf rund 2000 Quadratkilometern. Über 10’000 Trümmerteile wurden gezählt. Zu den dreijährigen Ermittlungen trugen auch die CIA und der britische Geheimdienst bei. 14’000 Zeugen in 50 Ländern wurden verhört, über 100’000 Beweisstücke unter die Lupe genommen.

Anfänglich vermutete man die Drahtzieher des Attentats in Teheran.

Der Anschlag wurde als Vergeltung für den versehentlichen Abschuss einer Passagiermaschine aus dem Iran mit musli- Bauernopfer in einem abgekarteten Spiel. Der 2012 verstorbene libysche Geheimdienstoffizier Abdel Basit Ali al-Megrahi (Mitte).

Ausgabe 2/2017 waren. Zündvorrichtungen dieses Typs seien von Bolliers Firma Eines der wichtigsten Beweisstücke stellten die Teile der Me-Mebo an Libyen geliefert worden, behaupteten die Ermittler.

bo-Zeitschaltuhr dar. Doch Bollier versuchte die Richter vergeb- Die Konsequenzen waren drastisch: Libyen, das sich im Golflich zu überzeugen, dass die Schalterteile nicht aus jenen Liekrieg auf die Seite des Irak gestellt hatte, wurde für den Lockerferungen stammen konnten, die er einst nach Libyen geschickt bie-Anschlag politisch in die Verantwortung genommen. 1992 hatte. »Die Wahrheit über das Verbrechen scheint sich immer verhängte die UNO ein Luftverkehrs- und Handelsembargo. Jahreweiter zu verÁüchtigen, je länger der Prozess dauert«, stellte die lang blieb der nordafrikanische Staat isoliert. Erst Ende der»Zeit« damals fest.

1990er-Jahre gab die libysche Führung dem internationalen Es kam, wie es kommen musste: Fahima erhielt zwar einen Druck nach. Sie übernahm zwar nicht die Verantwortung für das Freispruch, doch Megrahi wurde am 31. Januar 2001 zu einer Attentat, aber für allfällige kriminelle Handlungen ihrer staatlimindestens 27 Jahre langen Haftstrafe verurteilt. Die Regierunchen Bediensteten. Im April 1999 lieferte man die beiden Angen Grossbritanniens und der USA feierten den Schuldspruch geklagten an die schottische Justiz aus. Bedingung dafür war, als »grossen Etappensieg im globalen Antiterrorkrieg« und klopfdass der Prozess auf neutralem Boden ten sich gegenseitig auf die Schultern.

stattÀnden würde. Man einigte sich auf Bollier hingegen schäumte:»Die Verur-Die Verurteilung von einen ehemaligen Stützpunkt der US Air teilung von Megrahi war eine im Voraus Force in Holland.

gefällte politische Entscheidung gegen Megrahi war ein»Durch die bereits in Libyen durchgedas GaddaÀ-Regime«, ärgert sich er sich abgekartetes Spiel.

führte Untersuchung und das Gerichtsrückblickend.

»Mit Gerechtigkeit hatte verfahren gegen Fahima und Megrahi das nichts zu tun!« waren sich die Angeklagten und der Staat Libyen absolut sicher, Die in Genf domizilierte GaddaÀ-Stiftung GIFCA (GaddaÀ – In im Lockerbie-Fall einen Freispruch zu bekommen«, erinnert sich ternational Foundation for Charity Associations) erklärte sich in Edwin Bollier. Tatsächlich schienen die Libyer gute Karten zu hader Folge bereit, die Familien der Opfer von Lockerbie mit insge ben. Der ursprünglich für den Prozess vorgesehene Richter liess samt 2,7 Milliarden Dollar zu entschädigen – 10 Millionen Dollar sich suspendieren, weil ihm die Anklage zu dünn erschien.

pro Todesopfer.

Dazu übernahm sie auch noch die Forderungen Das Lockerbie-Drama ruinierte sein Leben. Bis heute kämpft Edwin Bollier darum, dass die Wahrheit ans Licht kommt. (Foto: Keystone) 30 Ausgabe 2/2017

Ein Flugzeug fliegt durch einen bewölkten Himmel.
Ein Flugzeug, das durch einen bewölkten Himmel fliegt.
Ein blauer Himmel mit Wolken.
Ein Flugzeug, das in der Mitte eines Feldes ist.
nicht beantworten
Ein blauer Himmel mit Wolken.
Ein blauer Himmel mit Wolken.
Ein Mann in Uniform, der vor einem Flugzeug vorbeigeht, das im Boden ist.
Drei Männer in Uniform stehen zusammen in einem Raum.
Ein schwarz-weißes Bild eines Balls.
Ein schwarz-weißes Bild von Rauch auf einem weißen Hintergrund.
Ein schwarz-weißes Bild eines Spiegels.
Ein Mann in Anzug und Krawatte steht vor einem roten Telefon.
S_26-34_Lockerbie_mysteries0217_RZ.indd 30 20.02.2017 15:41:53
Ein Bild eines blau-weißen abstrakten Gemäldes.
Ein Bild von einem weißen Hintergrund mit schwarzem Rauch.
Ein Bild von elektrischen Teilen.

News scheinen keinen Spitzenpolitiker zu kratzen. »Ein anderes Verhalten«, gaukelt uns Samsungs brandneuer Werbeslogan vor, nachdem dessen explosive Handys Verletzte gefordert hatten.

Wie viel Unvernunft steckt im Glauben an die Vernunft?

Halleluja, nun ist es so weit: Ab sofort quassle ich dank globaler Zwangsumstellung unserer Telekomriesen ebenfalls mit hochgepriesener IP-Telefonie. Störungsanfälliger, bei Stromausfall nicht erreichbar, teurer – und überdies auch noch besser abhörbar. In der Folge erhielt ich nach Vorauszahlung aller Installationskosten per Post folgende Quittung: »Rechnungsbetrag: 0.00 Franken.

Preis für die Papierrechnung: 3.00 Franken. Plus 2.00 Franken, falls Sie diese Rechnung am Postschalter bezahlen.« KruziÀx! Warum bedeutet Fortschritt auf dieser Welt immer häuÀger Rückschritt? Welcher Schildbürgerstreich folgt als nächstes? Ultramoderne Stromspar-Steckdosen, damit wir alle neue Elektrokabel kaufen müssen? Oder Notebooks und Handys ohne Audiobuchsen, um uns zum Kauf überteuerter Funk-Kopfhörer zu zwingen?

Upps, letzteres ist ja bereits Wirklichkeit. Apple lässt grüssen.

Nicht nur im Apfel steckt der Wurm: Während meine uralte Waschmaschine auf Hochtouren schleudert, streikt mein nagelneuer PC: »Ihr Arbeitsspeicher reicht für diesen Vorgang leider nicht aus.

Es werden 3 GB benötigt. Vorhanden sind aber nur 5 GB!« Hallo?!

Und danach? »›Hilfe- und Support‹ konnte nicht geöffnet werden, da ein Systemdienst nicht ausgeführt wird. Starten Sie bitte ›Hilfe und Support‹, um dieses Problem zu beheben.« Zum Verrücktwerden! Damit nicht genug: »Dies ist eine Nichtfunktion. Windows hat ein neues Gerät erkannt. Das neue Gerät konnte aber nicht erkannt werden.« Und später? »Es ist ein Fehler aufgetreten. Wegen eines weiteren Fehlers kann dieser Fehler leider nicht angezeigt werden.« Und zum Schluss? »Ihre Tastatur reagiert nicht. Drücken Sie bitte irgendeine Taste, um fortzufahren.« Autsch!

Einst haben wir jede jährliche Software-Aktualisierung bejubelt. Heute fürchten wir jede wöchentliche Verschlimmbesserung. Weil nach jedem Update Bewährtes nicht mehr funzt und Unbewährtes gegen Bezahlung neu installiert werden muss. Zufall? Absicht! Und so lassen sich GraÀkprogramme wie »Photoshop« oder »InDesign« des US-Marktriesen Adobe neuerdings nicht mal mehr kaufen, sondern nur noch als virtuelle Cloud-Versionen zum Wucherpreis mieten. Damit Regierungen schneller an unsere Daten gelangen?

Ich bleibe dabei: Gegen die Moderne wirkt das Mittelalter wie Utopia. Seit der Mensch denken kann, misstraut er dem Blick in den Spiegel. Wir müssen uns vor nichts fürchten, ausser vor uns selber. Acht Personen auf unserem Erdball besitzen laut neuester Statistik mit 426 Milliarden Dollar mehr Geld als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Für Stossgebete des kleinen Mannes hat die heutige Elite kein Gehör. Die göttliche Hotline ist überlastet, die irdische Hotline kostenpÁichtig. Und die lukrativsten aller Fake»Fortschritt ist für jedermann«, posaunt VW-Tochter Audi, ohne den Abgasbeschiss des Mutterkonzerns zu erwähnen. Und als»Durst-Inspiration« lobpreist Pepsi sein luxuriöses»Life Water«, das Verdurstende in Afrika nie zu Gesicht bekommen werden.

Fünf Millionen Dollar pro TV-Spot liessen sich besagte Konzerne ihre scheinheiligen Versprechen beim Super-Bowl-Finale 2017 kosten! Zur Erinnerung: Auf der Rückseite derartiger Slogans drucken »Stern« oder »Focus« seit Jahren ihre Stories. Ohne Werbelügen kein »unabhängiger« Journalismus. Schizophren, oder nicht?

Und »mysteries«? Seit bald 15 Jahren budgetieren wir ohne Werbeeinnahmen, um unsere Seele nicht zu verkaufen. Trotz Verlust.

Wie viel Unvernunft steckt im Glauben an die Vernunft?

Wussten Sie überdies, dass Deutschlands Springer-Presse seine umstrittenen Konzernleitlinien nach der Fusion mit Ringiers Zeitschriften nun auch Schweizer Journalisten diktiert? Wörtlich: »Wir treten ein für Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie und ein vereinigtes Europa. Wir unterstützen das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel. Wir zeigen unsere Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.« Nur eine Empfehlung? Oder eine juristisch verbindliche Vorgabe, bei deren Nichteinhalten Reportern die Kündigung droht? Kein Ringier-Sprecher wollte mir dazu eine konkrete Antwort geben. Wie notierte Marcel Pagnol einst leise und weise: »Im Leben lernt der Mensch zuerst das Gehen und Sprechen. Später lernt er dann stillzusitzen und den Mund zu halten.« Und irgendwo da draussen besucht Donald Trump derweil einen grossen amerikanischen Schweinemastbetrieb und lädt dazu handverlesene Medienvertreter ein. »Achtet unbedingt auf eine möglichst korrekte Bildunterschrift!«, ermahnt er die anwesende Fotografenschaft mit erhobenem ZeigeÀnger angesichts all der unzähligen Ferkel.»Geht klar!«, grinst einer der Paparazzi. Am nächsten Tag erscheint sein Schnappschuss in der Presse. Bildunterzeile: »Präsident Trump, siebzehnter von links.« Luc Bürgin (Herausgeber)

Ein schwarz-weißes Bild eines Fingerabdrückens.
Ein Bild einer Unterschrift, die "Vertrag" sagt
Ein Mann mit Baseball-Mütze auf dem Kopf.
Redakteurel in Weiß auf schwarzem Hintergrund geschrieben