Das Evangelium des Thomas Jean-Yves Leloup Ein Evangelium, das nicht in der Bibel steht! Dieses vermutlich älteste Zeugnis von Jesus war fast 2000 Jahre lang im Wüstensand Ägyptens vergraben und wurde erst 1945 durch Zufall entdeckt. 114 Aussprüche des Meisters aus Nazareth, frei von Beiwerk und Legenden, dicht und roh wie ungeschliffene Diamanten. Klare Worte, die jeder Zensur entgingen – entdecken Sie, was Jesus wirklich lehrte. Von der Kirche verfemt und unterdrückt, war dieser Text jahrhundertelang nicht viel mehr als ein Gerücht. Doch in der Fachwelt gilt er mittlerweile als 5. Evangelium. Autor Leloup hat das Evangelium des Thomas in eine zeitgemässe Sprache übertragen. Mit seinen Kommentaren erschliesst der französische Mystiker den inneren Gehalt der Jesus-Botschaft.
Kopp, ISBN 978-3864454202, EUR 14.99 Football Leaks – Schmutzige Geschäfte im ProÀfussball Rafael Buschmann & Michael Wulzinger Ein Informant aus dem ProÀfussball hat dem»Spiegel «jüngst 1,9 Terabyte geheimer Daten übergeben: Rund 18,6 Millionen Dokumente über Verhandlungen, Verträge und Abkommen, die deutlich machen, dass für die Akteure im ProÀfussball Moral und Gesetz oft kaum Gültigkeit zu haben scheinen – weder für Vereine, Spieler und Manager noch für die mächtigen, aber im Hintergrund agierenden Spielerberater. Die Autoren präsentieren hier die wichtigsten Enthüllungen, die sie anhand jener Daten erarbeiten konnten. Zugleich ist ihr Buch die packende Geschichte eines mutigen Whistleblowers, der den Fussball von maÀösen EinÁüssen befreien will – und inzwischen selber zum Gejagten geworden ist.
DVA, ISBN 978-3421047816, EUR 14.99 Erstkontakt – Warum wir uns vorbereiten müssen Daniel Gerritzen Ist Kontakt mit Ausserirdischen möglich? Dieses Buch liefert wissenschaftlich fundierte Szenarien zu einem ungeahnt brisanten Thema. Denn die internationale Forschung ist sich einig: Der Kontakt mit Ausserirdischen ist keine Utopie, sondern nur noch eine Frage der Zeit. Dieses Buch stellt erstmals die in der Forschung entwickelten Szenarien für den Ernstfall vor. Was passiert, wenn wir in unserem »Versteck «Erde entdeckt werden? Werden die Regierungen uns überhaupt informieren? Wie reagieren die Medien? Wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig spannend beschreibt Daniel Gerritzen die etwaigen Auswirkungen eines Erstkontakts auf die Menschheit und zeigt, wie riskant es ist, dieses Thema zu verdrängen.
Franckh Kosmos, ISBN 978-3440148716, EUR 25.00 Nazis in Tibet – Rätsel um SS-Expedition Ernst Schäfer Peter Meier-Hüsing Am 21. Dezember 1938 überschritt eine Karawane den Himalayapass Nathu-La zwischen Sikkim und Tibet: Fünf junge Männer, die als erste Deutsche eine Genehmigung zum Besuch der»verbotenen Stadt «Lhasa erhalten hatten. An ihrem Gepäck Áatterten Hakenkreuze – die Männer waren SS-OfÀziere, ihre Expedition stand unter besonderer Förderung Heinrich Himmlers und seiner SS-Organisation»Ahnenerbe «. Was trieb diese Truppe auf das Dach der Welt? Zoologische Forschungen, anthropologische Vermessungen und erdphysikalische Experimente? Oder sollte sie in Tibet womöglich nach Relikten der Ur-Arier suchen? Bis heute ranken sich um die Expedition viele Spekulationen. Autor Peter Meier-Hüsing rollt die Geschichte und das Nachspiel jener Unternehmung auf und liefert dazu eine kritische Betrachtung der ideologischen Versatzstücke, die zu dieser Expedition führten.
Avatar-Roboter: Gestern noch pure Fiktion, heute bereits erschreckende Realität
Vier Meter hoch, 1,5 Tonnen schwer und über acht Millionen Euro teuer. So lauten die rekordverdächtigen Daten eines neuen zweibeinigen Roboters, den die südkoreanische Hightechschmiede Hankook Mirae Technology Ende 2017 auf den Markt bringen will.
Als der monströse Koloss losstapfte, habe die Erde unter seinen Füssen gebebt, berichteten Journalisten, die der Präsentation von»Method-2« beiwohnten. Inspiriert wurde die Entwicklung des mechanischen Giganten von James Camerons Science-Fiction-Filmen »Aliens« (1986) und »Avatar« (2009), wo derlei menschengesteuerte Riesen ohne Rücksicht auf Verluste unliebsame Gegner plattwalzen.
Willkommen in der Zukunft?
Dänikens »Legacy Night«-Video: Ab sofort kostenlos im Internet
Und noch eine Ehrung für Alien-Forscher Erich von Däniken (82): Am 15.
Oktober 2016 wurde im Londoner Princess Anne Theatre das Erscheinen seines Jahrhundertbestsellers»Erinnerungen an die Zukunft« (1968) gefeiert. Nach einem englischsprachigen Vortrag folgten Videobotschaften von Freunden und namhaften Wissenschaftlern. Darunter persönliche Grussnachrichten seiner Enkel, aber auch von TV-Ikone Frank Elstner. Das über zwei Stunden lange Videomaterial ist ab sofort kostenlos auf Youtube abrufbar. Suchbegriff: »New Erich Von Daniken Chariots of the Gods«.
mein Leben lang gelernt, dass man immer offen bleiben muss – offen für Neues.« Schlussendlich sei in unserem Kosmos alles Energie, erklärt Georg Feichter. Jeder von uns besitze ein Energiefeld – und über dieses sei letztlich alles auf dieser Welt miteinander verbunden. »Alles be- Àndet sich in ständiger Schwingung und gegenseitiger Resonanz – auch Gegenstände.« Dies hinterlasse »Abdrücke«, und geübte Geomanten könnten derlei Spuren mittels Pendel und Rute orten, so der Mediziner, stark vereinfacht zusammengefasst. Mittels der einst auch von der CIA eingesetzten Remote-Viewing-Technik tauche er zu diesem Zweck »mental in die Raum-Zeit-Energie« ein. Das bedruckte Papier vor ihm diene dabei lediglich als Medium.
»Die Absturzstelle bietet einige klassische radiästhetische Merkmale, die zu einem Wrack mit toten Menschen passen«, erläutert Feichter: »Einen Seelenraum, einen kleinen horizontalen und einen vertikalen Seelenweg sowie negative Vitalenergie.« Mit Hilfe der GrifÁängentechnik an seiner»V-Wünschelrute« könne er am vermuteten Absturzort »eine Resonanz zu einigen Metallen, die in einem Flugzeug vorkommen, nachweisen – vor allem zu Aluminium, Eisen und Kupfer«.
Was er nicht verstehe, sei indes dieses »jedem Geomanten bekannte deutliche Signal für Gold«, das er erhalte – für ein Material also, das in einem LinienÁugzeug zumindest nicht übermässig vorhanden sein sollte. Ein Hinweis darauf, dass »MH370« tatsächlich gegen eine halbe Milliarde Dollar Gold transportiert haben könnte, welches für Peking bestimmt gewesen sei, wie Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth am 20. März 2014 im ZDF bei »Markus Lanz« in die Runde geworfen hatte?
Sicher ist: Die Maschine hatte zusätzlich nicht deklariertes elektronisches Gerät geladen: »Walkie-Talkies mit Lithium-Batte- Die Insel Platte. Das kleine Seychellen-Eiland verfügt über eine Landebahn.
rien, Ladegeräten und Zubehör« im Gesamtgewicht von zweieinhalb Tonnen, über deren Frachtdetails bis heute niemand ofÀziell Auskunft geben will.
Seine Suchergebnisse versteht Georg Feichter nicht als Beweis, aber als »hochgradigen Verdacht«, betont er. Das Rutengehen und Pendeln – die sogenannte Geomantie – sind zwar uralte Kulturtechniken und Erfahrungswissen, welche schon die alten Römer und Griechen kannten, aber »keine hundertprozentig sichere Wissenschaft oder Technik – so ehrlich muss man sein«.
Hoffnung für die Hinterbliebenen?
Über verschiedene Kanäle im Internet hat er versucht, Kontakt zur Hinterbliebenenorganisation der Absturzopfer aufzunehmen.
Denn diese plant – nachdem die staatliche Suche Anfang 2017 ofÀziell eingestellt worden ist – privat weiterzumachen und nach dem Wrack verstärkt vor der ostafrikanischen Küste zu fahnden.
»Da würde es Sinn machen, unsere Fundstelle gleich von Anfang an abzusuchen«, meint der emeritierte Professor.
Für die Feichters ist »ihre« Absturzstelle auch in anderer Hinsicht plausibel: Nicht nur dass an verschiedenen Küstenabschnitten in der dortigen Region Trümmerteile von MH370 aufgetaucht sind. Etwa 20 Kilometer westlich des Ortes, an dem das Pendel reagierte, stiessen die beiden zusätzlich auf eine winzige Insel namens Platte. »Wer dieses Eiland auf Google Maps heranzoomt, kann dort eine Kirche und eine 200 Meter lange Landebahn erkennen, die über die ganze Insel läuft.« Fakt ist zudem, dass der Pilot der Unglücksmaschine kurz vor seinem Verschwinden am heimischen Rechner per Flugsimulator die Landung auf kleinen Inseln geübt hatte. Nur ein kurioser Zufall?
Ihr Mann und sie wollten einfach nur helfen, betont Karin Feichter gegenüber »mysteries«. »Wenn wir nicht erfahren hätten, dass die Suche nach der Maschine eingestellt wird, hätten wir uns nicht gemeldet. Wir denken vor allem an die Angehörigen der Opfer, die sicher unter der Ungewissheit über das Schicksal ihrer Liebsten leiden.« Jan Fischer ■
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Ein erfahrener Pendler will das Wrack jener Passagiermaschine geortet haben, die 2014 auf ihrem Flug von Kuala Lumpur nach Peking spurlos vom Radar verschwand. Handelt es sich bei dem Geomanten um einen abgedrifteten Esoteriker? Nein, sondern um einen emeritierten Pathologie-Professor der Universität Basel. Er und seine Frau wollen den Angehörigen der Vermissten helfen.
Das Pendel rotiert wie wild zwischen seinen Fingern. Professor Feichter dagegen bleibt ganz ruhig. Den langjährigen Mitarbeiter der Universität Basel bringt so schnell nichts aus der Fassung.
Dennoch glaubt der pensionierte Gynäkologe und Pathologe, eine wichtige Entdeckung gemacht zu haben. »Ich bin mir ziemlich sicher – hier im Meer liegt die seit 8. März 2014 verschollene Maschine der Malaysian Airline, MH370«, sagt er und deutet auf den Bereich der Weltkarte, über dem sein Pendel in Schwingung gekommen ist: südlich der Seychellen, ganz in der Nähe eines Atolls namens Platte, das zu besagtem Inselstaat gehört.
Mit Hilfe eines Fotos der verschwundenen Boeing hätten er und seine Frau Karin »mental mit der Energie der Maschine Kontakt aufgenommen«, erklärt Georg Feichter. Das Pendel habe ihm anschliessend die Flugroute und den Absturzort offenbart.
Demnach sei der Passagierjet von Kuala Lumpur »zuerst in nordöstlicher Richtung geÁogen, hat dann über Vietnam nach Wes ten gedreht, Áog über Thailand in südwestlicher Richtung, über die Andamanensee, den Golf von Bengalen, die Malediven weiter in südwestlicher Richtung über den Indischen Ozean und stürzte 22 Kilometer südlich der Seychellen ab«.
Der Pensionär lächelt, als er aufschaut und den ungläubigen Blick des Reporters sieht. Er ist das gewohnt. Ein emeritierter Professor, der sich seit etlichen Jahren mit Pendeln und Kraftorten beschäftigt? Mit Geomantie und Radiästhesie? Darüber sogar Bücher schreibt? Der anhand von bedrucktem Papier die Spur von realen Katastrophen aufnimmt?
»Das alles ist für Aussenstehende tatsächlich nicht leicht zu verstehen«, bestätigt der 70-Jährige mit ruhiger, sympathischer Stimme. »Aber, wissen Sie, gerade als Wissenschaftler habe ich
Als Wissenschaftler habe ich gelernt, stets offen für Neues zu bleiben.
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/80-professor-glaubt-mh370-wrack-liegt-in-der-naehe-der-seychel-page41-1.jpg9901275Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2017-02-01 12:00:002025-12-16 09:16:20Professor Glaubt: »Mh370-Wrack Liegt In Der NäHe Der Seychellen«
»Das macht dann zehn Chiemgauer!« So oder ähnlich klingt es in manchen bayerischen Städten, wenn man beim Bäcker oder Metzger seinen Einkauf bezahlen will. Seit rund 14 Jahren ist im Chiemgau Deutschlands erfolgreichste Alternativwährung im Umlauf.
Natürlich kann man dort auch mit dem darbenden Euro bezahlen. Doch vom »Chiemgauer« proÀtieren statt der Banken nicht nur örtliche Ladenbesitzer, sondern auch lokale Vereine – und damit das regionale Gemeinwohl.
er in den oberbayerischen Landkreisen Rosenheim oder Traunstein einkauft, zieht – wenns ans Bezahlen Wgeht – nicht unbedingt Euro-Noten aus seinem Geldbeutel. Seit mittlerweile 14 Jahren können die Einwohner der bayerischen Region Chiemgau ihre Rechnungen bei Einzelhändlern und Gastronomen auch mit »Chiemgauer«-Geldscheinen bezahlen. Der »Chiemgauer« gilt als umsatzstärkste und bekannteste Regionalwährung in Deutschland – und noch dazu als eine der erfolgreichsten Komplementärwährungen der Welt.
2011 gab es in Deutschland zwischen Alpen und Küste noch 63 Regiogeld-Adressen, angefangen bei der »Hansemark« in Hamburg und dem »Roland« in Bremen, über den »Havel-Taler« in Neustadt/Dosse oder den »Braktus« in Hildesheim bis hin zur »Bürgerblüte« in Kassel sowie dem »Rheingold« in Düsseldorf. Manche dieser Währungen verschwanden wieder – doch der Chiemgauer blieb. Und er hängt in punkto Erfolg bis heute alle Konkurrenten ab. Die Nutzer des Regiogeldes können inzwischen selbst ihre Stromrechnung bei der Stadtwerke Rosenheim Versorgungs GmbH mit Chiemgauern begleichen.
Als ErÀnder des Chiemgauers gilt Christian Gelleri (43). Ein erster Impuls kommt dem Diplom-Handelslehrer und Betriebswirt 1989 auf einer Klassenfahrt in die damals kurz vor dem Zusammenbruch stehende DDR. Gelleri wundert sich darüber, dass er und seine Mitschüler für eine Westmark bis zu 50 Ostmark erhalten, obwohl der ofÀzielle Wechselkurs bei 1:1 liegt, dass ein Bier für eine Ostmark zu haben ist und eine Strassenbahnfahrt lächerliche 20 Ostpfennige kostet. »Klar fanden wir es toll, dass wir durch unseren Geldtausch auf dem Schwarzmarkt 50 Bier konsumieren konnten«, erinnert er sich schmunzelnd.
Dennoch kam er ins Grübeln.
Während seines Studiums verschlingt Christian Gelleri Bücher über Geldsysteme und stellt dabei fest, dass alle Währungen dieser Welt immer wieder stark an Wert verloren oder mitunter sogar ganz verschwanden. Für ihn stellen sich deshalb vielerlei Fragen. Vor allem: Wie kann ein Geldsystem nachhaltig funktionieren? Und wie bleibt der Wert stabil und das Geld in der Realwirtschaft ständig im Kreislauf?
Als Gelleri im Herbst 2002 als Wirtschaftskundelehrer an der Waldorfschule Prien beginnt, startet er mit Oberstufen-Schülern einer 10. Klasse das zukunftsweisende Unternehmensprojekt des Chiemgauers. Zu Beginn stellt sich jeder Schüler zwar noch etwas anderes darunter vor, doch machen sich alle voller Begeisterung daran, das Projekt zum Laufen zu bringen: Sie drucken Chiemgauer, sprechen Leute an, betreuen Geschäfte, verhandeln mit Lieferanten, entwickeln Werbestrategien, halten Vorträge – und überzeugen so innerhalb weniger Monate 130 Verbraucher.
Alle nutzen sie nach nur einem Jahr die neue Regionalwährung und setzen Chiemgauer im Wert von 75’873 Euro um.
Je älter ein Schein, desto geringer sein Wert 2004 ist die Zahl der Verbraucher um das Dreifache auf 380 angewachsen. Der Chiemgauer-Umsatz beläuft sich damals bereits auf 306’140 Euro. Tendenz weiter steigend. Doch wie funktioniert die Alternativwährung in der Praxis? Wer mitmachen will, muss sich einmalig registrieren und erhält dafür eine Regiocard. Bei der Kontoführung und Zahlungsabwicklung wird mit regionalen und ethisch-ökologisch orientierten Banken kooperiert. Unternehmer können Chiemgauer im Wert von 1:1 gegen Euro kaufen, hingegen nur gegen eine Gebühr von fünf Prozent in Euro zurücktauschen. Wobei von diesen fünf Prozent 60 Prozent an einen gemeinnützigen Verein gehen, den man bei seiner Registrierung zuvor jeweils selbst ausgewählt hat. Die verbleibenden 40 Prozent dienen der Kostendeckung der Chiemgauer-Herausgeber. Ebenfalls wichtig: Eingetauschte Geldscheine sind jeweils nur sechs Monate gültig, können nach Ablauf dieser Frist jedoch durch Kauf und Aufkleben von Marken im Wert von drei Prozent des Geldscheinwerts verlängert werden.
»Wer hundertprozentig hinter unserer Regiowährung steht, hat kein Problem damit«, sagt Christian Gelleri. Er schuf mit dem Chiemgauer ein Zahlungsmittel, damit die Leute ihr Geld Ausgabe 2/2017 45 ►Inspiriert von Sozialreformer Silvio Gesell: Arbeitswertscheine von 1932/1933 aus dem österreichischen Wörgl.
konsequent in ihrem lokalen Umfeld ausgeben. Und für die Unternehmen der Region besteht ein Anreiz beim Chiemgauer mitzumachen darin, neue Kunden zu gewinnen.
Eine Win-Win-Situation für alle. Gelleris Fazit zum vierzehnten Geburtstag der Regionalwährung im Februar 2017: »Ein Reallabor, das Schritt für Schritt immer besser funktioniert.« Heute nutzen bereits über 3500 Verbraucher das Regionalgeld. Und der Chiemgauer-Umsatz aller Unternehmen liegt inzwischen bei stolzen 7,5 Millionen Euro – Tendenz weiterhin steigend. Mittlerweile prangt an vielen Ladentüren und Kassen das Signet »Wir machen gerne mit!« – samt entsprechendem Währungssymbol.
Die Teilnehmer am System kämen mit der Alterungsfunktion des Regionalgeldes gut zurecht, so das Fazit von ErÀnder Gelleri. Zu Beginn habe es zwar einige Unsicherheiten gegeben, und mancher Unternehmer habe deshalb die Akzeptanz kurz vor Quartalsende abgelehnt. »Doch als sie erkannten, dass deswegen zusätzliche Kunden in ihre Läden kamen, verÁogen ihre Befürchtungen rasch.« Statt dessen hätten die Unternehmer angefangen, das Regionalgeld selber möglichst bald auszugeben. »Im Vergleich zum Euro hat sich eine dreimal so hohe Umlaufgeschwindigkeit entwickelt«, betont Gelleri nicht ohne Stolz.
Wiederholt sich im Chiemgau das Wunder von Wörgl?
Hauptschwierigkeit, mit der er und seine Schüler beim Start im Jahr 2002 zu kämpfen hatten, war die Skepsis von Banken und Gemeinden. »Bis heute gibt es immer wieder politische Widerstände«, sagt Gelleri und verweist auf das Beispiel einer Gemeinde, der vom Bayerischen Kommunalen Prüfverband sogar verboten wurde, beim alternativen Währungssystem mitzumachen. Dieses Verbot habe die Initiative zu Beginn stark zurückgeworfen. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte. »Solche Verbote gab es bereits früher.« Das bekannteste Geldexperiment fand im österreichischen Wörgl statt. In der kleinen Gemeinde war 1932 die örtliche Zement- und Zellulosefabrikation derart stark zurückgegangen, dass die Arbeitslosenquote bedrohlich anstieg. Angesichts leerer Kassen begann Bürgermeister Michael Unterguggenberger als Lohn für die Gemeindeangestellten eigene »Arbeitswertbestätigungen« auszugeben – sozusagen den »Wörgler Schilling«.
▲»Die Menschen leben vom Austausch ihrer Leistungen«. Die Rückseite des »Wörgler Schillings«.
Ideenlieferant für den Bürgermeister war damals die Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell (1862-1930), einem kühnen deutschen Finanztheoretiker und Sozialreformer.
Bürgermeister Unterguggenbergers Experiment verlief mehr als erfolgreich. Geldkreislauf und Wirtschaftstätigkeit in Wörgl wurden wiederbelebt und die Arbeitslosigkeit deutlich gesenkt, während das übrige Land tief in der Wirtschaftskrise steckte.
Vom »Wunder von Wörgl« schwärmt man in Deutschland, Frankreich oder Amerika noch heute. Nur die Österreichische Nationalbank hatte keine Freude. Sie klagte vor Gericht erfolgreich gegen die Wörgler Freigeld-Aktion. Nach Androhung eines Armeeeinsatzes beendete der Bürgermeister sein vielversprechendes Experiment im September 1933 – notgedrungen.
Dass der Chiemgauer im Gegensatz zu anderen Regionalwährungen nicht verschwunden ist, führt dessen ErÀnder darauf zurück, »dass wir bei Problemen nicht aufgegeben und immer wieder kreativ nach Lösungen gesucht haben«. Christian Gelleri verweist dabei vor allem auf die wichtige Weiterentwicklung der bargeldlosen Variante des Regionalgeldes, die man zusammen mit regionalen Banken entwickelte.
»Dabei haben wir die Vorteile des Euro-Systems mit den Vorteilen eines Komplementärgeldsystems verknüpft.« Politische Widerstände gibt es bei Regionalgeld leider immer wieder.
46 Ausgabe 2/2017 Zu den aktuellem Herausforderungen, denen sich die Chiemgauer-Banker stellen müssen, zählt die Einführung von Negativzinsen im normalen Geldsystem. »Das ehrt uns einerseits, weil wir diese Idee bereits seit 14 Jahren praktizieren«, sagt Gelleri und fügt an: »Wir stellen das Positive dieser Idee heraus und nennen es lieber ›Umlauf-Impuls‹ oder ›Schwunggeld‹ statt ›Schwundgeld‹.« Vor allem die Medien setzten in ihrer Berichterstattung oft lieber auf letztgenannten negativ besetzten Begriff.
Gelleri ärgert das. Denn: »Das verankert sich so in den Köpfen.« Wird der Franken dereinst zu einer Art Chiemgauer?
Dass der Chiemgauer alle drei Monate zwei Prozent seines Wertes verliert, stellt laut Gelleri bis heute kein Problem dar. Die Nutzer akzeptierten dies, versichert er. Anfänglich habe es zwar etwas gedauert, nach und nach sei dieser »Alterungsprozess« aber als selbstverständlich verstanden worden. Um zu erforschen, welche Rhythmen optimal seien, habe man den Umlauf-Impuls deshalb auf sechs Prozent pro Jahr gesenkt. Die Aufwertung der Chiemgauer-Geldscheine erfolgt nun halbjährlich mit drei Prozent des Wertes.
Gelleri verweist in dem Zusammenhang auf die Region Freisinger Land, wo man mit einer Regionalwährung zusammenarbeite, die jährliche Aufwertungen durchführe. »Die Forschungsergebnisse könnten für Notenbanken durchaus interessant sein, wenn diese bei der nächsten Finanzkrise auch das Bargeld mit einem Negativzins belegen müssen. Man denke nur daran, dass die Trump-Blase platzen und die Wirtschaft stagnieren könnte.« Eine Folge wäre, dass die Flucht in den Schweizer Franken weiter zunehmen und die Notenbanken ihren Negativzins noch stärker anheben müssten. »Die Geldbesitzer würden dann auf Bargeld ausweichen und die Notenbanken müssten mit umlaufsichernden Instrumenten gegensteuern. Damit würde der Franken zu einer Art Chiemgauer.« Das würde den Vermögenden zwar nicht schmecken, da sie den grössten Teil der Liquidität hielten, aber die Wirtschaft, der Staat und die arbeitende Bevölkerung hätten weiterhin ihr Schmiermittel – Papiergeld, das in unserer digitalisierten Welt immer noch für 70 Prozent aller Zahlungsvorgänge und die Hälfte aller Umsätze verantwortlich ist.
Erfinder der Freiwirtschaftslehre: Silvio Gesell (1862–1930).
Apropos Schweizer Franken: In der Schweiz funktioniert ein ähnlich komplementäres Währungssystem seit 80 Jahren, samt Höhen und Tiefen: Der »WIR« ist neben dem Franken die einzige eidgenössisch anerkannte zweite Währung. Beim WIR handelt es sich um ein bargeldloses Verrechnungssystem unter den etwa 60’000 Teilnehmern der WIR-Bankgenossenschaft, die sich 1934 im Zuge der Weltwirtschaftskrise gegründet hatte.
Guthaben und Belastungen werden auf Konten der WIR-Bank verbucht, wobei der Buchungsauftrag als Zahlungsmittel gilt.
Ausserdem sind WIR-Kredite erhältlich. Diese werden nicht durch Schweizer Franken gedeckt, sondern über Grundpfandrechte, Bankgarantien oder Lebensversicherungen abgesichert. Die WIR-Bank muss dabei selbst keine Zinsen dafür aufbringen, weshalb die Zinssätze für einen Kredit besonders niedrig sind.
Neben der Kundenbindung gibt es noch eine weitere Motivation sowohl für Private als auch für lokale Geschäftsleute, um bei Deutschlands erfolgreichstem Regiogeld mitzumachen.
Die Vereine im Raum Chiemgau spielen dabei eine wichtige Rolle. Ob Schulen, Kindergär-WIR-Bank in Basel. Die alternative Schweizer Wirtschaftsring-Genossenschaft wurde 1934 gegründet.
ten, Trachten-und Sportvereine, Musikkapellen, Naturschutz- und Kulturinitiativen, Theatergruppen oder Feuerwehren – sie sind das Bindeglied, betont Christian Gelleri.»Sie werben unter ihren Mitgliedern für das Regionalgeld und erhalten dafür einen festen Prozentsatz.« Dieser wird aus dem Umtausch durch die Unternehmer bezahlt. Die Unternehmer können ihre Kosten minimieren, indem sie möglichst viel im regionalen Kreislauf ausgeben. Tun sie es nicht, spenden sie fünf Prozent für das Gemeinwohl. Mehr als eine halbe Million Euro Áoss den Vereinen und Organisationen seit 2003 zu. Eine gute Sache also, die sich über die Jahre hinweg bewährt hat.
Und noch etwas hat sich bewährt: Während Euro-Geldfälscher immer wieder neue Blüten unter die Leute bringen, ist der Chiemgauer bis heute noch nie gefälscht worden. »Die Region ist überschaubar, daher würde eine grössere Menge Blüten sofort auffallen«, sagt Gelleri. Bereits beim Start des Regiogeldes entschlossen sich Gelleris Schüler beim Druck ihrer 1er-, 2er-, 5er-, 10er-, 20er- und 30er-Noten, neben Seriennummern und UV-Sicherung jeden Schein durch den Aufdruck eines Prägesiegels sowie zwei Originalunterschriften zusätzlich zu sichern.
Idyllische Regiomotive als neues Erscheinungsbild Im vergangenen Jahr wurden zudem neue Chiemgauer ausgegeben, in handlicherem Format und mit einem komplett überarbeiteten Erscheinungsbild. Der Gegenwert der graÀsch aufgepeppten Geldscheine blieb gleich. Sie zeigen nun Fotomotive aus den Orten, welche die Alternativwährung aktiv unterstützen: zum Beispiel die Stadtpfarrkirche Traunstein, die Thorau Alm bei Ruhpolding, das Schloss Herrenchiemsee oder den Rauschberg samt GleitschirmÁiegern. Rund zehn spezielle Sicherheitsmerkmale sollen sicherstellen, dass die neuen Chiemgauer auch in Zukunft »blütensauber« bleiben. Scheine, die älter als vier Jahre sind, werden nicht mehr zur Rückgabe akzeptiert.
Eine notwendige Massnahme, denn derzeit sind 240’000 Chiemgauer in bar im Umlauf, dazu kommen 700’000 in elekt- Christian Gelleri. Für die kommenden Jahre prophezeit er für »seinen« Chiemgauer einen weiteren Aufschwung.
ronischer Form. Seit dem Start vor vierzehn Jahren hat sich Christian Gelleris Zahlungsmittel damit von einem idealistischen Schülerprojekt zu einer international beachteten Währungsalternative entwickelt. Seine zu Anfang von manchem Banker noch belächelte Idee beschäftigt angesichts der anhaltenden Euro-Krise mittlerweile auch Wirtschaftswissenschaftler rund um den Globus. Im British Museum in London werden die Geldscheine inzwischen ausgestellt. Und auch das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main hat Chiemgauer angekauft.
Mittlerweile sind Alternativwährungen und lokale »Taler« auch in vielen weiteren Ortschaften in unseren Breitengraden wieder auf dem Vormarsch. Und so scheint die Geschichte von Deutschlands erfolgreichstem Regiogeld noch lange nicht zu Ende – im Gegenteil: Chiemgauer-ErÀn der Gelleri sieht für die kommenden fünf bis zehn Jahre »eine stabil wachsende Zukunftsprognose – in schwierigen Zeiten sogar mit grösseren Sprüngen«. Denn die nächste globale Wirtschaftskrise, so viel steht leider fest, dürfte nicht lange auf sich warten lassen.
Wie schrieb Silvio Gesell Ende des Ersten Weltkriegs in einem offenen Brief an die »Berliner Zeitung am Mittag« 1918 prophetisch: »Trotz des heiligen Versprechens der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: ›Nie wieder Krieg!‹, entgegen all den Hoffnungen auf eine schöne Zukunft, muss ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich heute zu behaupten, dass es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg ste hen!« ■
Kennen Sie Hergé (1907–1983), den Zeichner von Tim und Struppi (»Tintin«)? Kaum einer weiss, dass der visionäre belgische Illustrator ein bestens informierter Mystery-Fan war. Ob Yetis, UFOs oder Götter aus dem All: Der Mann war seiner Zeit voraus. Er liess sich von parawissenschaftlichen Forschern wie dem »französischen Däniken« Robert Charroux oder von Querdenker Jacques Bergier inspirieren und beraten. Auch Kryptozoologe Bernard Heuvelmans gehörte zu Hergés engstem Freundeskreis. Steckt in seinen Verschwörungsabenteuern mehr Wahrheit als mancher ahnt?
eorges Prosper Remi alias Hergé kam 1907 in der Nähe von Brüssel auf die Welt. Er wuchs in kleinbürgerlichen GVerhältnissen auf. Seine Eltern erzogen ihn erzkonservativ und streng katholisch. Eine Gesinnung, die ihn zeitlebens begleiten sollte. So betonte der Künstler in Interviews gerne, er sei an sich wenig politisch interessiert, aber am ehesten noch ein Konservativer.
Obwohl er in den Wirren des Ersten Weltkriegs aufwuchs, im Zuge dessen auch sein Heimatort Brüssel von den Deutschen besetzt wurde, bezeichnete Remi seine Kindheit rückblickend als »ereignislos«, »grau« und »unbedeutend«. Erst mit dem Beitritt zu den PfadÀndern sei etwas Farbe und Spannung reingekommen. Dort und in der Schule begann der Heranwachsende mit dem Zeichnen. Bereits als Jugendlicher illustrierte er die in Belgien erscheinende PfadÀnderzeitung. Über seine dortige Aktivität und in verschiedenen weiteren katholischen Jugendorganisationen kam der junge Mann schliesslich zur rechtsbürgerlichen Tageszeitung »Le XXe Siècle«. Ab 1928 leitete und gestaltete Hergé die Jugendbeilage des Blattes, »Le Petit Vingtième«. Hier erschienen ab 1929 die ersten »Tim und Struppi«- Folgen. Anfänglich noch eher ungelenk skizziert, ausnahmslos in Schwarzweiss.
1940, im Zweiten Weltkrieg und unter Nazi-Besatzung, wurde »Le XXe Siècle« eingestellt. Remi wechselte zum belgischen Printorgan »Le Soir« und liess seine Comics vorübergehend dort publizieren. Dieses Engagement brachte ihm später viel Kritik ein, da die Zeitung mit den Nationalsozialisten kooperierte, welche sie als Sprachrohr nutzten. Hergé musste sich deshalb zeitlebens mit dem Vorwurf auseinandersetzen, damals politisch zu weit rechts verhaftet gewesen zu sein.
54 Ausgabe 2/2017 für das Geheimnisvolle und Überirdische durch die Serie: Mysteriöse Kristallkugeln, afrikanische Leopardenmenschen, Sonnentore, Kugelblitze, der Fluch des Tutenchamuns, vorzeitliche Artefakte oder vergessene Kulturen – die Welt des Unerklärlichen war auch die Welt von Tim und Struppi.
»Verschwörungsabenteuer«, nennt deshalb der renommierte Kulturwissenschaftler Georg Seesslen in seinem Buch »Tintin, und wie er die Welt sah« die Geschichten aus der Feder Hergés. Die Comics seien voller »Fingerzeige, Vorahnungen und Beweise eines übermenschlichen Wirkens in der Welt«: »Was die Cha-Ausgabe 2/2017 55 Aller Widrigkeiten zum Trotz entwickelten sich Tim und Struppi schnell zum Publikumsmagneten. »Der Erfolg stellte sich beinahe unmittelbar ein«, konstatiert der führende »Tintinologe« Michael Farr in seinem Buch»Auf den Spuren von Tim und Struppi«. »Donnerstags, wenn Tim und Struppi erschienen, verdoppelte sich die verkaufte AuÁage der Tageszeitung. Bald verdreifachte, schliesslich vervierfachte sie sich sogar!« 1946 erschien erstmals das Magazin »Tintin«, publiziert von einem früheren Résistance-Kämpfer.
Wie ein roter Faden zieht sich Hergés Interesse und Offenheit raktere stets von neuem erfahren müssen, ist, dass es Kräfte gibt, die mächtiger sind als sie selbst.« Immer wieder liess der Zeichner Mystery-Forscher in seine Comics einÁiessen. So etwa den 1925 am Oberlauf des Rio Gran de verschollenen britischen Abenteurer Percy Fawcett (1867– 1925), der im brasilianischen Regenwald jahrelang nach der legendären Indio-Stadt »Z« gesucht hatte. Bis heute halten sich Gerüchte, wonach Fawcett überlebt haben soll. Und so begegnet Tim in Hergés Dschungel (»Arumbaya Fetisch«, 1937/1943) denn auch einem ergrauten langhaarigen Ethnologen namens Ridgewell – eine Hommage an Fawcett. Nur eine von vielen Reminiszenzen, die auch Hergé-Fan und Starregisseur Steven Spielberg später in seine Indiana-Jones-Filme einbauen sollte.
Indy ohne Hergé? Undenkbar!
Vom Nessie bis zum Yeti im Tibet Bei aller Faszination für das Übersinnliche blieb Hergé ein sehr nüchterner Mensch, der spätestens ab der Nachkriegszeit penibel darauf bedacht war, dass seine Comics stets in der Realität verankert und detailgetreu waren. Bei Remi handelte es sich dabei weitgehend um einen »Schreibtischtäter«, der nur selten an die Orte seiner Geschichten reiste. Umso akribischer recherchierte er in Büchern und Zeitschriften.
Fasziniert von geheimnisvollen Phänomenen aller Art: Meister-Ob Prospekte, Notizen, Forschungsarbeiten, Fotos, Postkarzeichner Georges Prosper Remi alias Hergé (1907–1983).
ten oder Illustrierte – der Zeichner hob alles auf, von dem er annahm, dass es ihm später mal nutzen könnte. Er sei »ein schen angezogen – etwa von der Kryptozoologie und deren geborener Archivar gewesen«, bestätigt sein Biograf Farr: »Fast Suche nach vergessenen Lebensformen. So verfolgte er bereits zwanghaft« schnitt Hergé demnach »Unmengen von Materialien in den frühen 1930er-Jahren die Berichterstattung über das aus, sammelte und sortierte sie«. Nahezu alles, was er in seinen vermeintliche schottische Seemonster Nessie. »Hergé war fas- Zeichnungen darstellte, hatte denn auch ein reales Vorbild. Seiziniert davon – wie später auch vom Yeti, der genauso wenig en es die Autos und Flugzeuge, die Tim nutzte oder die Gebäude greifbar war – und sammelte so ziemlich alles, was er zum Theund Landschaften, die der junge Reporter aufsuchte.
ma Ànden konnte«, konstatiert Farr, der ihn mehrfach persönlich Hergé war beim Zusammentragen äusserst vielseitig. Einergetroffen hatte.
seits informierte er sich stets über Wissenschaft und Technik, Nessie Áoss bereits in den Band »Die Schwarze Insel« (1937) andererseits fühlte er sich auch vom Mysteriösen und Mystiein. Den Yeti liess Hergé 1959 auftauchen – in »Tim in Tibet«, einem seiner persönlichsten Bände: »Ich litt an einer Depression und suchte einen Psychoanalysten auf. ›Tim in Tibet‹ ist während dieser Krise entstanden.« Wie der Yeti sei er damals ein verzweifelt Suchender gewesen, offenbarte das Genie 1989 dem Autor Numa Sadoul (»Entretien avec Hergé«). So habe er damals gerade seine Ehefrau verlassen und sei zu seiner langjährigen Geliebten gezogen.»›Tim im Tibet‹ widerspiegelt diese moralische Krise.« Auch die monotone Schneewüste, durch die sich die Protagonisten kämpften, sei sinnbildlich zu verstehen. So habe er in jener Zeit »ständig völlig in Weiss getauchte Träume gehabt«.
»In dieser an autobiograÀschen Zitaten reichen Erzählung brachte Hergé zwei weitere seiner Leidenschaften zum Ausdruck, die er mit seiner neuen Partnerin Das Original und seine Kopie. Links Professor Bienlein – rechts der Schweizer Physiker und Erfinder Auguste Piccard (1884–1962), der Hergé als Vorlage gedient hatte.
teilte: übersinnliche Wahrnehmung und 56 Ausgabe 2/2017 Von der Fiktion zur Wirklichkeit: Moderne Haifisch-Tauchboote des US-Herstellers Seabreacher, wie sie Hergé bereits 1943 in ähnlicher Form zu Papier gebracht hatte. Als Inspiration diente ihm dabei unter anderem ein Presseausschnitt über ein ähnlich geartetes deutsches »Mini Sub«.
Hergé und die Elektro-Autos Auch ausserhalb seiner Comics bewies Hergé visionäres Talent. So sah er bereits in den 1980er-Jahren den Siegeszug des Elektroautos voraus, als er in einem Interview sagte: »Die Verschmutzung von Luft und Wasser, die Zerstörung der Umwelt, das sind schreckliche Dinge. Aber das wird sich ändern, davon bin ich überzeugt. In den USA, in Schweden, überall wird nach Lösungen gesucht.
Die Autos beispielsweise werden elektrisch betrieben werden, virtuell gibt es sie bereits, die Hersteller haben konkrete Pläne. Aber solange genug Erdöl vorhanden ist… Stellen Sie sich nur mal vor, Sie sind Besitzer solcher Quellen, verdienen unglaubliche Summen und werden plötzlich durch Elektrofahrzeuge bedroht!« Ausgabe 2/2017 57 den Mystizismus des tibetanischen Buddhismus«, analysiert Experte Farr. Besonders deutlich wird dies in der Darstellung eines schwebenden Mönches, der eine Erleuchtung hat. Tims Erschaffer hielt das Phänomen der Levitation für absolut real. Viele seriöse Autoren hätten das Thema ausgiebig beleuchtet, erläuterte Hergé in den späten Achtzigern bei Gesprächen. Hauptquelle dafür war für ihn die Forscherin Alexandra David-Néel mit ihren Büchern »Bei Mystikern und Zauberern in Tibet« sowie »Der Weg zur Erleuchtung«.
Beraten liess sich der Zeichner bei den Arbeiten für den Tibet-Band auch von einem langjährigen Freund – dem belgischen Mystery-Forscher Bernard Heuvelmans (1916–2001). Dank ihm sei er bestens dokumentiert gewesen, so Hergé. »Ich besass eine Liste aller glaubwürdigen Personen, die behaupteten, den Yeti gesichtet zu haben; ich hatte seine sehr genaue Beschreibung über seinen Lebensraum und seine Gewohnheiten, Fotos seiner Spuren etc.« All dies habe er in den Comic eingearbeitet – inklusive der präzisen Darstellung der Fussabdrücke des Schneemenschen, die sich »von Bären deutlich unterscheiden«, wie er betonte. Er habe es absolut vermeiden wollen,»aus dem Schneemenschen eine unwirkliche Legende zu machen«.
Tintinologe Farr resümierte schmunzelnd, dass der Yeti – sollte er tatsächlich mal auftau- Visionäres Design. Computeranimation der Mond-Rakete, wie sie Hergé bereits anfangs der 1950er-Jahre skizziert hatte.
Schwebender buddhistischer Mönch in »Tim in Tibet« (1959). Copyright: www.carlsen.de chen –»sehr wahrscheinlich dem Bild ähneln wird, das Hergé von ihm gezeichnet hat; so wie auch schon seine ›Reise auf den Mond‹ von visionärer Genauigkeit war«.
Für dieses zweibändige Weltraum-Abenteuer (1953/1954) hatte Hergé ebenfalls eng mit Heuvelmans kooperiert, der in diesem Fall sogar an der Ausarbeitung der Geschichte beteiligt war.
Zudem las er sich begeistert bei führenden Raketenforschern wie Willy Ley und Wernher von Braun in die Thematik ein. Resul tat war ein Comic von »gleichsam prophetischer Genauigkeit«, ist Farr begeistert. »Schon im März 1953, also 16 Jahre bevor US-Astronaut Neil Armstrong seine berühmten Worte sprach: ›Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein grosser Sprung für die Menschheit!‹, konnte Tim verkünden: ›Ich stehe auf dem Mond! Zum ersten Mal macht ein Mensch von der Erde Schritte auf dem Mond!‹« Waren wir nicht die Ersten auf dem Mond?
Neben der szenarischen Genauigkeit fasziniert auch die technische Präzision, mit der Hergé das Jahrhundertereignis Jahre zuvor vorweggenommen hatte: Ob die Innenausstattung der Rakete, die MondoberÁäche, der lunare Rover, die Astronautenanzüge oder die an die legendäre deutsche V2 angelehnte Trägerrakete – auffällig vieles stimmte fast bis ins Detail mit den späteren Bildern aus der Realität überein. Dies notabene in einer Zeit, in der die meisten Weltraumexperten ein derartiges Unternehmen für völlig unmöglich hielten.
Auch die Frage nach ausserirdischem Leben trieb Hergé sein Leben lang um. Er habe sich in seiner Bildergeschichte bewusst
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