Mysteriöser Störton raubt Hamburgern den Schlaf

Lange Jahre war es ruhig geworden um das «Brummton-Phänomen». Nun sorgt das nervtötende Geräusch bei den Betroffenen erneut für schlaflose Nächte – speziell in Hamburgs Westen. Physiker und Mediziner zucken ratlos die Achseln: Keiner kennt eine gescheite Antwort, die das Leiden der Geplagten erklären oder vielleicht gar lindern könnte. Was steckt dahinter?

Seit Monaten werden Bewohner im Westen der Stadt Hamburg von einem dumpfen Brummen aus dem Schlaf gerissen. Einige Nachbarn würden schon darüber nachdenken, ihr Haus zu verkaufen, klagte der betroffene Rico Schweitzer unlängst gegenüber Journalisten. Sogar selbst gebastelte Zimmer-Isolationen oder professionelle Ohrenschützer würden das nervtötende Summen nicht aus dem Kopf verbannen. Schweitzer: «Diesen Ton kann man nicht ausblenden.»

Auf der Suche nach dem Grund für den Störfaktor haben der Hamburger und weitere Betroffene bereits die ganze Gegend durchforscht.

Als mögliche Ursache verdächtigen sie den neuen Teilchenbeschleuniger der Forschungsanstalt «Desy», der seit April dieses Jahres in Bahrenfeld in Betrieb ging. Dort gebe es tatsächlich ein Gerät, das einen 50-Hertz-Brummton erzeuge, so ein Desy-Sprecher auf Anfrage. Allerdings würde dieses akustisch korrekt abge-

Sicher ist nur eines: Die gesehen völlig gesund! Betroffenen sind medizinisch

schirmt.

Konstantes Dröhnen im Kopf Selbst wenn die neue Anlage den Ton verursachen würde, wäre das Phänomen damit noch nicht geklärt. Denn bereits vor acht Jahren litten Einwohner des Hamburger Westens unter dem Brummton. Damals gab es den Teilchenbeschleuniger noch nicht. Und die Hamburger sind auch nicht die einzigen, die unter dem merkwürdigen Geräusch leiden. Vielmehr scheint es sich um ein globales Problem zu handeln.

Erstmals offiziell darüber berichtet wurde 1989, als das «ferne Dröhnen» in der Stadt Taos in New Mexico für Unruhe sorgte. Es folgten weitere Fälle in Amerika und Europa. Auch in Deutschland und der Schweiz war das nervtötende Summen ab 2000 immer wieder Thema in den Medien. Das Echo darauf verhallte jeweils nach kurzer Zeit. Im Gegensatz zum Brummton selber.

«Das Problem war nie weg», bestätigt Elmar Maronn gegenüber «mysteries». Maronn wohnt in Bad Waldsee im Süden Deutschlands und leidet schon seit Jahren unter dem Dröhnen in seinem Kopf. Gemeinsam mit weiteren engagierten Opfern gründete er 2001 die «Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons» (IGZAB). Auf ihrer Homepage informieren die Betroffenen über aktuelle Forschungen und Theorien zum Thema.

2007 löste sich der Verein auf, um sich fortan nur noch auf Internetaktivitäten zu beschränken. «Wir hatten eine Unmenge an Zeit und Arbeit in unsere Aktivitäten investiert und mussten im Laufe der Jahre feststellen, dass wir leider kaum einen Schritt weitergekommen waren», erklärt der Süddeutsche resigniert. «Das Problem mit all seinen negativen Begleiterscheinungen konnte in all den Jahren nicht wirksam bekämpft werden. Unsere Arbeit und Forschung erwies sich als Sisyphusarbeit.»

Das merkwürdige Geräusch strapaziert nicht nur die Gehörgänge der Betroffenen: Zu den Symptomen gehören auch Schlafstörungen, Herzrasen, Vibrationen im Körper und erhöhter Blutdruck. Wer versucht, neben einem laufenden Dieselmotor einzuschlafen, dürfte wohl am ehesten nachempfinden können, was es heisst, dem tiefen Dröhnen schutzlos ausgesetzt zu sein. «Fast wortgleich berichten Betroffene aus aller Welt, dass sie den Ton zunächst einem defekten Kühlschrank oder einem entfernten LKW-Dieselmotor im Leerlauf zuschrieben», wie die IGZAB auf ihrer Homepage sinngemäss festhält.

Verschiedenste Untersuchungen wurden schon durchgeführt. Lange war unklar, ob allenfalls Infraschallwellen, die für den Menschen «als nicht hörbar» gelten, eine Erklärung für das Phänomen liefern. Könnten Frequenzen unter 20 Hertz für besonders sensible Zeitgenossen womöglich doch hörbar sein? Detaillierte Messungen der «Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe» im Mai 2002 ergaben das Gegenteil.

Mit Sicherheit kein Tinnitus-Leiden!

Aber auch die Suche nach Quellen im hörbaren Bereich blieb ergebnislos. Nachdem rund 300 Betroffene in Baden-Württemberg bei den zuständigen Lärmschutzfachstellen Beschwerde einreichten, rückten die Experten mit den Messgeräten aus. Aufgezeichnet wurden Schallwellen von 3 bis 20’000 Hertz, ohne dass man der Lösung des Rätsels dabei näherkam.

Ausgabe 6/09 Phänomene Eine «gemeinsame akustische Quelle für den Brummton», so das Ergebnis, könne «aufgrund der unterschiedlichen Messergebnisse» ausgeschlossen werden.

Aufschlussreicher waren die gleichzeitigen Untersuchungen in einer Hals-Nasen-Ohren-Klinik in Tübingen. Sie zeigten, dass Brummton-Betroffene tiefe Töne im unteren Frequenzbereich tatsächlich besonders gut wahrnehmen, wie zuvor nur spekuliert wurde. Ausserdem konnte ein für allemal widerlegt werden, dass die Betroffenen schlicht an der bekannten Tinnitus-Krankheit leiden würden, wie Skeptiker oft respektlos abwinken. Zumindest dieses medizinische Übel kann mittlerweile also definitiv ausgeschlossen werden.

Sind manche sensibler als andere?

«Konsens ist derzeit, dass der Brummton kein akustischer, hörbarer Ton von aussen ist – aber möglicherweise von aussen im Körperinnern angeregt wird. Eventuell durch niederfrequente oder elektromagnetische Schwingungen oder Felder», fasst Elmar Maronn zusammen.

Zu diesem Schluss kam auch der Amerikaner David Deming von der Universität von Oklahoma, der das akustische Phänomen 2004 ebenfalls mit wissenschaftlichen Methoden analysierte. «Es scheint sehr wahrscheinlich, dass das Brummen elektromagnetischer Strahlung zugeordnet werden kann, die gewisse Leute offensichtlich als Ton wahrnehmen können», bilanzierte der Geologe im bekannten «Journal of Scientific Exploration».

Das bedeute nicht automatisch, dass Handystrahlung dafür verantwortlich sei, sagt Maronn. «Vielmehr ist es vermutlich ein Mix aus verschiedensten Quellen.» So würden die meisten Betroffenen bei langer Trockenheit das Brummen nur noch sehr schwach hören. «Kommt dann aber beispielsweise ein Gewitter auf oder auch einfach nur feuchtes Wetter, fängt das Leiden wieder von vorne an», weiss der Deutsche nur zu gut aus eigener Erfahrung. «Ich hatte diesbezüglich auch schon Kontakt zu einer Frau, die in Indien in einem unbedeutenden Dorf, weitab von der uns bekannten Zivilisation, arbeitete. Sie berichtete mir, dass selbst dort einige Bewohner das Brummen plötzlich wahrnehmen konnten.»

Möglich also, dass der Brummton an manchen Orten lokale Ursachen hat, daneben aber auch von Schwingungen verursacht wird, die erst allmählich erforscht werden. So zum Beispiel das Summen unseres Planeten, das Geologen in Bergwerkstollen und an Ozeanküsten messen konnten.

Erst anfangs August dieses Jahres will eine Gruppe von Forschern den eigentlichen Ursprung dieses «Erdbrummens» definitiv aufgespürt haben: Es entstehe, wenn an der nordamerikanischen Pazifikküste Wellen von ähnlicher Frequenz kollidierten, schrieben sie in der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift «Geophysical Research Letters».

Den Betroffenen dürfte auch diese Erkenntnis nur wenig nützen. Ähnlich wie Elektrosmog-Geplagten bleibt ihnen derzeit nichts anderes übrig, als sich in ihr Schicksal zu fügen.

Beunruhigende Szenen in einem Basler Stadtpark: Am helllichten Tag versprühten Männer in astronautenähnlichen Schutzanzügen eine seltsame Substanz. Verstört, fragte ein lokaler Passant nach, machte sich im Internet schlau – und traute seinen Augen nicht.

Der Mann staunte nicht schlecht: Als er eines Morgens Mitte August durch den Basler Kannenfeldpark schlenderte, wähnte er sich unverhofft in einem Katastrophenfilm: In Schutzanzüge gehüllt, sprühten Männer mit Atemmasken und Schläuchen emsig Bäume und Sträucher ein. Auf Nachfrage entpuppte sich das «Sondereinsatzkommando» als städtischer Gärtnertrupp, der dem Buchszünsler-Schädling den Kampf erklärt hatte – mit einer Substanz namens «Marshal».

Das Insektizid des Schweizer Pharmamultis Syngenta gilt als äusserst gefährlich für Mensch und Umwelt und ist deswegen in der EU bereits seit 2007 verboten. Im Gewässer richtet das Gift längerfristigen Schaden an, und auch blosser Hautkontakt kann beim Menschen unangenehme gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Was haben solche Substanzen in einem beliebten städtischen Park verloren, der nicht zuletzt von Familien mit Kleinkindern frequentiert wird?

Der aufmerksame Passant fackelte nicht lange und publizierte seine Beobachtung im lokalen Internetblog «infamy». Resultat: Die behördliche Sprühaktion wurde kurzerhand abgebrochen. Man wolle mit der Herstellerfirma Syngenta die «Auswirkungen des Mittels ge- Ertappt:Stadtgärtner im Einsatz.

nau anschauen», beeilte sich der zuständige Stadtgärtnerei-Leiter von Basel-Stadt, Emanuel Trueb, zu versichern. Dennoch liess es sich der erklärte Naturfreund nicht nehmen, mit einem leisen Stossseufzer zu ergänzen, dass der gefrässigen Raupe mit anderen Mitteln mittelfristig wohl kaum erfolgreich beizukommen sei: «Wir gehen davon aus, dass erhebliche Buchsbestände dem Insektenbefall zum Opfer fallen werden.»

Handelte es sich bei der umstrittenen Sprühaktion um einen unbedeutenden lokalen Einzelfall? Man kann es nur hoffen. Wer sonnt sich samt seinem Kindern im Park schon gerne unter pestizidverseuchten Bäumen…

ste.

Gesundheit Weitere Fotos der Sprühaktion.

Schlecht beraten, wer sich danach gesundheitliche Erholung im Grünen erhoffte…

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Gift-Sprüher im Familienpark: Musste das wirklich sein? – Abbildung 2
Gift-Sprüher im Familienpark: Musste das wirklich sein? – Abbildung 3
Gift-Sprüher im Familienpark: Musste das wirklich sein? – Abbildung 4

Däniken am 20. September 2009 im Mystery Park. Gleich fünf Vorträge in Serie standen an diesem Tag auf seinem Programm.

Sie gelten als ein Typ, der sich von Herzen freuen – aber auch finanziert hat. Der Erfinder hat nichts davon. Sorry, aber für gehörig enervieren kann. Was bringt Ihr Blut derzeit am meismich ist das eine einzige Betrugsstory!

ten in Wallung?

Mich nervt dieses völlig übertriebene und zum Teil gar regel- Andere geniessen in Ihrem Alter den verdienten Ruhestand.

recht verlogene Antirauchergehabe! Diese neue Hysterie juckt Sie hetzen selbst mit 74 Jahren immer noch von einem Termich in jeder Pore, weil ich sie als diskriminierend empfinde.

min zum nächsten. Kürzlich hielten Sie im Mystery Park in- Raucher wie ich haben wirklich alles Verständnis für die Nichtnerhalb von 24 Stunden fünf Vorträge vor je 500 bis 600 Zuraucher. Dass man in Restaurants auf Rücksicht auf den andehörern, schliefen drei Stunden und spulten daneben noch ren nicht qualmt, ist doch eine Selbstverständlichkeit. Aber die 578 Autokilometer ab. Ab Herbst stehen bereits wieder rund Nichtraucher sollen bitte nicht so tun, als würde man sie in ei- 50 Auftrittstermine an. Wie halten Sie diesen Stress aus?

ne Raucher-Bar prügeln. Die Elite der Vergangenheit empfand Ganz einfach: In mir brennt ein inneres Feuer. Und die Götter Rauchen übrigens nie als Zwang, sondern als Befreiung von lieben mich.

Zwängen. Seit Jahrhunderten wurde der Tabakkonsum überall dort gepflegt, wo geistiger Aufbruch herrschte. Warum will man Im November 2009 gastieren Sie zum wiederholten Male uns diesen Genuss nun plötzlich verbieten?

gleich an mehreren Abenden in der Komödie Dresden. Kriegt man dort nicht genug von Däniken?

Kritische Beobachter stellen fest, dass sich das Internet zu- Ach, der Intendant des dortigen Hauses, der Jürgen Mai, ist ein nehmend von sich selber ernährt. Speziell die ältere Forsehr guter Bekannter von mir, man kann wirklich schon fast sascher-Generation tut sich schwer mit der virtuellen Welt. Sie gen, ein Freund. Und auch auf das Publikum ist Verlass. Nette, ebenfalls?

neugierige Menschen – so eine Art Däniken-Fanclub. Dresden Offen gesagt: Ich nutze das Internet kaum. Es gibt vieles, was ist ja auch eine grosse Stadt.

mir daran nicht passt. Im Online-Lexikon Wikipedia etwa darf jeder Trottel reinlügen, was er will, und kaum einer kann diesen In China sind Sie mittlerweile offenbar ebenfalls gefragt…

Mist nachhaltig richtigstellen. Absolut fürchterlich, dass sich Stimmt – vor ein paar Tagen erst hat mich ein dortiger Verleger so etwas Lexikon schimpft. Der Beschiss lauert in der virtuelkontaktiert, der alle meine Bücher, inklusive der Romane, überlen Welt überall. Auch Autoren, Fotografen und Künstler wersetzen und publizieren will. Ausgerechnet die Rotchinesen! Da den im Internet jeden Tag aufs Neue betrogen. Kaum bringe ich macht man sich schon so seine Gedanken…

beispielsweise eine neue DVD oder ein neues Buch auf dem Markt, finden sich grössere Teile davon kurz darauf illegal im Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Netz. Irgendjemand verdient dann Geld damit – nur nicht der Eine Bekannte hat mir kürzlich «Heilung durch Rückverbin-Autor, der die ganze Vorarbeit geleistet und grösstenteils auch dung» des amerikanischen Chiropraktikers Eric Pearl empfoh- Interview Ausgabe 6/09 21

er noch nie von ihr gehört hat, mag die Geschichte vorschnell als Märchen abtun. Zu fantasievoll Wscheint, was der 1994 verstorbene italienische Benediktinerpater Alfredo Pellegrino Ernetti ab den 70er-Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten öffentlich zu Protokoll gegeben hatte: Mit zum Teil namhaften Wissenschaftlern sei es ihm gelungen, eine Art Zeitmaschine zu konstruieren. Eine Apparatur, mit deren Hilfe sich in die Vergangenheit blicken liesse!

Geholfen hätten ihm dabei um 1956 nicht zuletzt der berühmte Physiker Enrico Fermi und Raketenpionier Wernher von Braun – sowie rund zehn weitere kluge Köpfe, darunter auch ein japanischer Nobelpreisträger. Weder Fermi noch von Braun haben solche Aktivitäten zeitlebens je bestätigt. Briefwechsel mit Ernetti sucht man in ihren Archiven leider vergeblich. Alles nur Flunkereien eines spinnerten Gottesmann also? Die Realität sieht vertrackter aus. Nicht nur galt der im Vatikan hoch geachtete Pater unter seinesgleichen als ausserordentlich gebildet, er amtete auch als ordentlicher Professor am renommierten Konservatorium Benedetto Marcello in Venedig. Zudem praktizierte er als wohl namhaftester Exorzist seiner Zeit im Namen der katholischen Kirche. Weit Phänomene Ausgabe 6/09 49 über 70 gescheite Wälzer tragen Ernettis Namen – teilweise über 500 Seiten dick. Viele seiner Traktate, etwa über gregorianische Gesänge, stehen in den Bibliotheken namhafter musikwissenschaftlicher Institute Europas.

Dass sich der Italiener in seiner Freizeit mit stiller Duldung des Vatikans durchaus ketzerischen Themen widmete, ist ebenfalls gesichert. So beschäftigte sich Pater Ernetti mit seinem Kollegen Pater Agostino Gemelli als einer der Ersten bereits um 1952 mit dem parapsychologischen Phänomen der Tonbandstimmen, also mit der Frage, ob sich Botschaften aus dem Jenseits auf Magnetbänder bannen lassen. Verschiedene Experimente mit Drahttonträgern lieferten verblüffende Resultate, die vor allem Gemelli in die Knochen fuhren, weil er auf den Aufzeichnungsgeräten die Stimme seines verstorbenen Vaters wiedererkannte.

Ernetti begann sich in der Folge intensiver mit der Frage zu beschäftigen, ob sich all die «Schwingungen», die ein Mensch zeitlebens ausstrahlt, mit Hilfe einer Apparatur womöglich einfangen und messen liessen. Sollte es mit Hilfe der Physik gar möglich sein, «aus dem Zerfall des Tones» Bilder und Szenen aus tiefster Vergangenheit zu rekonstruieren und fernsehgerecht aufzubereiten?

Zeuge des Endes von Sodom und Gomorrha?

Mit reichlich kuriosen Erläuterungen, die konservativen Physikern die Haare zu Berge stehen liessen, umschrieb Pater Ernetti das Funktionsprinzip seines Prototypen später gegenüber Journalisten, liess dabei aber absichtlich vieles im Dunkeln – um das Geheimnis seiner Apparatur nicht zu verraten und damit dem drohenden Missbrauch entgegenzuwirken.

Eine zentrale Rolle bei den Experimenten spielten offenbar Licht- und Schallwellen, «eine Art genetischer Fingerabdruck jedes Individuums». Mit deren Hilfe, Antennen, Hebeln und anderen technischen Utensilien soll es dem Pater tatsächlich gelungen sein, hologrammähnliche Bildsequenzen samt Ton in TV-Grösse zu erzeugen.

Interessierte verwirrte der Gelehrte mit geradezu abenteuerlichen Schilderungen: So hätte er mit Hilfe seines «Chronovisors» weitere biblische Schriftrollen in Qumran geortet und deren Versteck über diplomatische Kreise an Forscher in den USA weitergegeben. Sodom und Gomorrha seien vor seinen Augen in einer gigantischen Explosion aufgegangen, ähnlich einer atomaren Katastrophe. Aber auch dem Leidensweg Jesu wollte Pater Ernetti mit seiner Apparatur gefolgt sein – bis hin zur Kreuzigung und Auferstehung. «Dieser Vorgang ist schwer zu beschreiben», gab er 1964 zu Protokoll. «Es war wie ein Schatten, eine Gestalt durch eine hauchdünne Schicht erleuchteten Alabasters… oder wie ein Kristall. Alles erschien uns dreidimensional – wie Hologramme, aber mit Bewegung und dazugehörigem Ton. Aber noch ohne Farbe.»

Sämtliche Szenen, so der Pater, seien gefilmt und noch in den 50er-Jahren Papst Pius XII., hochrangigen Vertretern des Vatikans sowie Italiens Staatspräsidenten vorgeführt worden.

Intimes könnte skrupellos bliebe mehr geheim…

missbraucht werden, nichts Um das Gerät vor Missbrauch zu schützen, hätte man sich Jahre später darauf geeinigt, die Apparatur in ihre Bestandteile zu zerlegen und an einen sicheren Ort ausserhalb des Vatikans zu bringen. Warum? «Mit dieser Maschine kann die Vergangenheit eines jeden von uns vollständig und ausnahmslos nachgezeichnet werden. Nichts bliebe mehr geheim. Intimes wäre nicht mehr geschützt und könnte skrupellos missbraucht werden.»

Viele von Ernettis Äusserungen hat uns der französische Pater François Brune überliefert, ein ebenso weiser wie gewissenhafter Theologe aus Paris, den mit Ernetti eine jahrzehntelange Freundschaft verband. Die Baupläne seines «Chronovisors», so habe ihm Ernetti bereits in den 60er-Jahren verraten, seien in der Schweiz und in Japan hinterlegt worden, erinnert sich Brune. Ausserdem läge eine Kopie davon noch heute im Vatikan.

Immer wieder kreuzten sich die Lebenswege der beiden Gottesmänner. Nächtelang philosophierten sie bei ihren Treffen über den Sinn unserer Existenz oder das Leben nach dem Tod. Pater Brune erlebte seinen Freund dabei stets als blitzge- Ausgabe 6/09 Phänomene Pater François Brune in seiner kleinen Pariser Wohnung. Über viele Umwege gelang es dem mittlerweile 78 Jahre alten Gottesmann, neue Indizien für die kontroversen Behauptungen von Pater Ernetti zusammenzutragen. Brunes Fazit: «Mein Freund hat mich nicht angelogen!»

scheiten, ehrfürchtigen Glaubensgenossen. «Natürlich bin ich auch nicht unfehlbar», schmunzelt er gegenüber «mysteries».

«Aber ich habe keinen Grund daran zu zweifeln, dass mir Pater Ernetti die Wahrheit erzählte – speziell, was seinen Chronovisor betraf. Warum hätte mich dieser tiefgläubige Mann jahrzehntelang belügen sollen?»

Stutzig macht, dass führende kirchliche Würdenträger Ernettis Aussagen bis heute weder bestätigt noch dementiert haben. Das lässt ob der zahlreichen kontroversen Schlagzeilen über ihn in der italienischen Presse aufhorchen.

Wäre es den Kirchenmagistraten nicht ein Leichtes gewesen, ihren prominenten Vertreter mit einem offiziellen Machtwort ein für allemal als Spinner abzukanzeln? Warum sie es nicht taten, bleibt bis heute ihr Geheimnis.

Die explosiven Äusserungen Ernettis brachten natürlich auch Pater Brune ins Grübeln: Warum konnte oder wollte Ernetti der Öffentlichkeit so gut wie keine konkreten Beweise für seine ungeheuerlichen Behauptungen vorlegen? Und was hatte es mit jenem ominösen «Chronovisor-Bild» des gekreuzigten Jesus auf sich, das der Journalist Vincenzo Maddaloni von Gleich dem TV-Pfarrer Ernettis Spuren.

Braun folgte Pater Brune der Zeitung «La Domenica del Corriere» 1972 im Namen Ernettis als Beweis für dessen Behauptungen veröffentlicht hatte?

Ganz offensichtlich handelt es sich bei diesem Foto um eine plumpe Fälschung: Hatte Ernetti also doch geflunkert?

Nein, wie Pater Brune heute mehr denn je zu wissen glaubt.

Gleich dem deutschen TV-Pfarrer Braun folgte der mittlerweile 78-Jährige bis vor Kurzem der Fährte seines 1994 verstorbenen Freundes – durch ganz Italien. Zu wenige Informationen hatte er Ernetti zu Lebzeiten «abgerungen», wie er heute fast schon entschuldigend einräumt.

«Ich hatte damals ja keine Ahnung, dass ich dereinst mal ein Buch über ihn schreiben würde.» Also beeilte sich Brune, bei Ernettis Bekannten und Verwandten anzuklopfen – in der Hoffnung auf weitere Erkenntnisse.

Der zeitliche und finanzielle Aufwand für den auf bescheidenen 24 Quadratmetern lebenden Gottesmann aus Paris war gross und die Ausbeute an konkreten Beweisen für das «Unmögliche» anfänglich mager. Zwar gelang es Brune etwa, die Schwester seines Freundes ausfindig zu machen – auch sie eine Geistliche. Doch selbst Germana Ernetti schien von der Phänomene Ausgabe 6/09 Exklusiv-Interview mit Pater François Brune: Pater Brune, laut Aprilio Ernetti, dem Neffen Ihres Freundes, wurde dessen «Chronovisor» bereits vor Jahren zerlegt und in die Schweiz transportiert. Können Sie das nach Ihren Recherchen bestätigen?

François Brune: Ja – das versicherte mir seinerzeit auch Pater Ernetti persönlich. Mein Freund hatte überhaupt kein Vertrauen in den Vatikan. Also liess er die Pläne des Gerätes irgendwo in der Schweiz und in Japan verwahren. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, wurden einige Teile der Maschine seinerzeit tatsächlich auch in die Schweiz verbracht, wo sie vielleicht heute noch liegen. Kurz vor seinem Tod hat mir Pater Ernetti zudem erzählt, dass er mit den letzten beiden noch lebenden Wissenschaftlern, die an seinem Gerät mitgearbeitet hatten, vor eine hochkarätige Kommission von Wissenschaftlern und vier Kardinälen geladen worden war, um ihr einen vollständigen Bericht über seine Experimente Pater Pellegrino Ernetti. Sprach er tatsächlich die Wahrheit?

geheimen Leidenschaft ihres Bruders so gut wie gar nichts zu wissen, wie sie versicherte. Dann aber schien Gott dem Pater den Weg zu leuchten. Und so publizierte der Franzose seine neusten Erkenntnisse unlängst in einem Buch, das 2010 auch auf Deutsch erscheinen wird (www.hesper-verlag.de).

Gleich zwei Volltreffer landete Pater Brune 2003, als er an einer Konferenz im italienischen Riccione teilnahm. «An einem der dortigen Bücherstände in der Hotelhalle sprach mich eine junge Frau an», erinnert er sich gegenüber «mysteries». «Ihre Mutter, so erzählte sie mir, sei eine enge Freundin von Mutter Speranza gewesen, einer bekannten, 1983 verstorbenen stigmatisierten Mystikerin aus Collevalenza, die ebenfalls mit Pater Ernetti befreundet war.»

Mutter Speranza erfuhr die Passion Christi jedes Jahr aufs Neue am eigenen Leib, samt den entsprechenden Wundmalen.

«Alles, was sie in ihren Visionen erleben und erleiden musste, stimmte bis ins Detail mit Ernettis Schilderung der Kreuzigung Jesu überein, hatte sie einst ihrer Freundin versichert – also der Mutter der besagten jungen Dame, die ich an jenem Kongress kennen lernen durfte.» Hatte Ernetti der Stigmatisierten lediglich von seinen Jesus-Aufnahmen erzählt? «Nein, im Gegenteil», versicherte die junge Frau dem erstaunten Pater: «Ernetti hatte ihr persönlich Filmaufnahmen der Kreuzigung gezeigt, die er mit seinem Chronovisor aufgezeichnet hatte, wie sie ausdrücklich versicherte!»

Die zweite Überraschung liess nicht lange auf sich warten, wie der Franzose weiter berichtet: «Völlig unerwartet lernte ich an besagtem Kongress auch den Neffen von Pater Ernetti kennen, von dem mir bislang niemand erzählt hatte.» Natürlich habe sein Onkel auch ihm früher oft vom Chronovisor erzählt, bestätigte Aprilio Ernetti, wenngleich dieses Thema bei dessen familiären Besuchen nur zweitrangig gewesen sei. Erfreut nahm Brune die Einladung an, Aprilios Familie unweit von Rom zu besuchen, um das Thema in aller Ruhe zu erörtern.

Auf Stippvisite bei Ernettis Familie Am 8. Februar 2004 war es endlich soweit: Aprilio Ernetti holte den französischen Pater am Flughafen ab und fuhr mit ihm in sein Heimatstädtchen Rocca San Stefano, wo heute sogar eine Strasse nach seinem Onkel benannt ist. Im Kreis von Ernettis Familie erfuhr Brune dort allerlei Neuigkeiten, die selbst ihn das Staunen lehrten.

Bei der Zeitmaschine, so wurde ihm von Familienmitgliedern beispielsweise versichert, habe es sich in der Tat um eine «rein technische» Apparatur gehandelt, die nichts mit medialen Fähigkeiten oder ähnlichem Firlefanz zu tun hatte. Man hätte mit dem Apparat weder in Zukunft schauen noch mit den Toten kommunizieren, sondern lediglich in die Vergangenheit irdischer Geschehnisse Einblick nehmen können. Wenn man damit das Bild einer bestimmten Person focussiert hatte, sei es nach Belieben möglich gewesen, den Blickwinkel zu ändern, ja gar sich quasi virtuell um diese herumzubewegen.

Doch Aprilio wusste noch mehr zu berichten. Als einziger noch lebender Zeitzeuge mochte er dem Pater die Namen zweier weiterer Forscher bestätigen, die neben Fermi und von Braun an der Entwicklung teilgehabt hätten, was von Pater Ernetti zeitlebens geheim gehalten worden war. Darunter ein gewisser De Matos, Physiker aus Portugal. Sowie ein Mann namens Raffaele Cumar – möglicherweise ein Priester.

Selbst eine vergnügliche Anekdote wusste der Neffe beizu- Ausgabe 6/09 Phänomene «Die Gerüchte über das vermeintliche Nahtoderlebnis von Ernetti sind absolut haltlos…»

zu liefern. «Wir haben ihr alles erzählt», liess er mich anschliessend wissen. Mit Aprilio Ernetti habe ich seit Erscheinen meines Buches in Frankreich leider keinen Kontakt mehr.

Ich bin ja mittlerweile auch etwas älter geworden. 78 Jahre – um genau zu sein. Da hat man naturgemäss nicht mehr so grosse Lust, erneut auf lange Reisen zu gehen.

Über Pater Ernetti finden sich im Internet nur sehr spärliche und mehrheitlich fehlerhafte Aussagen. Die meisten englischsprachigen Informationen gründen zudem auf der amerikanischen Übersetzung eines Buches des Österreichers Peter Krassa, das 2000 in den USA unter dem Titel «Father Ernetti’s Chronovisor» erschien. Ihr Name fällt in diesem Zusammenhang allenfalls am Rande. Ärgert Sie das?

Ach Gott, dieses amerikanische Buch… Wissen Sie, ich hatte ja ursprünglich nur ein paar wenige Seiten über Pater Ernetti geschrieben – in meinem französischen Werk über das Jenseits («Les morts nous parlent»). Später trat dann Peter Krassa an mich heran, dem ich alle meine Dokumente in Sachen Ernetti übergab, ohne zu wissen, dass er daraus ein ganzes Buch fabrizieren würde. Ein Buch, das mir übrigens gar nicht gefällt. Dann folgte die US-Übersetzung von Krassas Werk, die zusätzlich jene unsägliche Geschichte über ein angebliches Nahtoderlebnis von Ernetti wenige Tage vor seinem Ableben zum Thema machte. Demnach soll der Pater manche seiner Aussagen über den Chronovisor in jener Nacht revidiert und andere ausgeschmückt haben. Diese Behauptung stammt aus äusserst dubioser Quelle. Sie ist absolut unhaltbar, ja geradezu lächerlich! Also dachte ich mir: Um die Ehre des Pater Ernettis zu verteidigen, muss ich ebenfalls etwas Längeres über ihn schreiben und die Spreu vom Weizen trennen.

Fortsetzung auf der nächsten Seite

In aller Stille folgte der französische Pater François Brune (78) einmal mehr der Fährte seines verstorbenen Benediktinerfreundes Pater Ernetti – in der Hoffnung, mehr über dessen hoch umstrittene «Zeitmaschine» herauszufinden: Eine Apparatur, mit der man angeblich die Vergangenheit filmen konnte! «mysteries» präsentiert Brunes neueste Erkenntnisse. – Abbildung 2
In aller Stille folgte der französische Pater François Brune (78) einmal mehr der Fährte seines verstorbenen Benediktinerfreundes Pater Ernetti – in der Hoffnung, mehr über dessen hoch umstrittene «Zeitmaschine» herauszufinden: Eine Apparatur, mit der man angeblich die Vergangenheit filmen konnte! «mysteries» präsentiert Brunes neueste Erkenntnisse. – Abbildung 3
In aller Stille folgte der französische Pater François Brune (78) einmal mehr der Fährte seines verstorbenen Benediktinerfreundes Pater Ernetti – in der Hoffnung, mehr über dessen hoch umstrittene «Zeitmaschine» herauszufinden: Eine Apparatur, mit der man angeblich die Vergangenheit filmen konnte! «mysteries» präsentiert Brunes neueste Erkenntnisse. – Abbildung 4
In aller Stille folgte der französische Pater François Brune (78) einmal mehr der Fährte seines verstorbenen Benediktinerfreundes Pater Ernetti – in der Hoffnung, mehr über dessen hoch umstrittene «Zeitmaschine» herauszufinden: Eine Apparatur, mit der man angeblich die Vergangenheit filmen konnte! «mysteries» präsentiert Brunes neueste Erkenntnisse. – Abbildung 5

«Es wird ein Mensch gemacht…»: Erschaffen wir in Kürze, wovon Goethe seinen Faust vor knapp 200 Jahren literarisch schwärmen liess? Ja, freut sich der begnadete US-Forscher J. Craig Venter: «Schon sehr bald werden wir in der Lage sein, ein künstliches Lebewesen herzustellen und dieses im Labor zum Leben zu erwecken.» Leider dürfte er damit Recht behalten!

Der Genom-Forscher Craig Venter fühlt sich zum Schöpfer berufen – und keiner mag ihn daran hindern: Soeben ist es dem Mann in Rockville (Maryland) gelungen, das vollständige Erbgut eines Bakteriums in ein fremdes zu verpflanzen – und letzterem auf diese Weise erfolgreich eine neue Identität zu verpassen. Leider kein Schauermärchen, denn Venter hat seinen Erfolg im September 2009 schwarz auf weiss in der renommierten Fachzeitschrift «Science» dokumentiert.

Damit scheint der Mann von seinem Traum, künstliche Mikroorganismen zu erschaffen, nur noch wenige Schritte entfernt. Bereits 2007 war es ihm geglückt, das Erbgut eines Bakteriums im Labor komplett synthetisch herzustellen. Sollten er und sein Team demnächst beide Techniken kombinieren können, und niemand zweifelt daran, dürfte ihm der Nobelpreis sicher sein. Denn wer künstlich geschaffenes Erbgut erfolgreich einem Mikroorganismus einverleibt und diesem dadurch eine neue Lebensaufgabe diktiert, verändert die Welt.

Das Szenario klingt fantastisch und ist dennoch real: Bereits in wenigen Jahren werden Venter und andere nach ihm lebensfähige künstliche Bakterien im Labor erzeugen, bestückt mit sämtlichen gewünschten Eigenschaften – darauf programmiert, Dinge zu tun, welche die Natur nie für sie vorgesehen hatte!

Prächtige Vorhaben, so schwärmt der Amerikaner, würden damit möglich: Die kostengünstige Herstellung von Biokraftstoffen etwa oder die Beseitigung umweltschädlicher Abfälle.

Biowaffen-Kritiker zeigt sich besorgt Denkbar sind leider auch allerlei beängstigende Szenarien, wie der deutsche Biowaffen-Kritiker Jan van Aken kürzlich gegenüber dem TV-Sender 3Sat zu bedenken gab. «Die Aktivitäten des Herrn Venter machen mir echt Sorgen», räumt er ein. «Der Mann hat angekündigt, wahrscheinlich noch in diesem Jahr zum ersten Mal ein komplett künstliches Bakterium zu produzieren, mit dem Ziel einen regelrechten Baukasten aus verschiedenen Genen zusammenzustellen. Diese braucht man dann nur noch nach Belieben zusammenzustecken und schon haben wir ein Öl oder CO2 fressendes Bakterium – oder wir produzieren damit Rohstoffe…»

Das klingt zwar verlockend, wie auch Jan van Aken nicht in Abrede stellt. Aber: «Wenn ich diesen Satzbaukasten erst mal habe, kann ich ihn auch für bioterroristische Zwecke missbrauchen.» Düstere Perspektiven, wenn man bedenkt, dass staatliche Mikrobiologen in den USA seit Jahren daran arbeiten, Gensequenzen der schlimmsten Krankheitserreger der Menschheitsgeschichte zu entschlüsseln, um deren Baupläne allen Interessierten offenzulegen. Erreger, die viele längst aus- Craig Venter. Mephisto der Moderne.

gerottet glauben…

Umwelt Ausgabe 6/09

Killerbakterien aus der Retorte: Nur eine Frage der Zeit? – Abbildung 2

Pestizide in Obst und Gemüse, Elektrosmog in der Luft – und jetzt auch noch das: Kinder, die in der Nähe von Kernkraftwerken leben, haben definitiv ein höheres Risiko, an Leukämie zu erkranken als andere – und zwar um 13 bis zu 24 Prozent!

Zu diesem beängstigenden Resultat kommt eine neue Metaanalyse, die Eberhard Greiser, emeritierter Professor und langjähriger Direktor des Bremer Krebsregisters, im September 2009 veröffentlicht hat.

80 Kernkraftwerke in fünf Ländern wurden in die Studie einbezogen.

Untersucht wurden verschiedene Altersgruppen bis 24 Jahre. Für die unter 5-Jährigen lagen dem Epidemiologen Daten aus dem Umfeld aller AKWs vor. Ebenso für die unter 15- Jährigen. Somit seien die Resultate für diese Gruppen auch aussagekräftiger. «Für die übrigen Altersgruppen standen nur die Auswertungen der 22 US-Kernkraftwerke zur Verfügung.»

Um auch in der Schweiz Klarheit zu schaffen, arbeitet die Universität Bern seit 2008 ebenfalls an einer entsprechenden Studie zum Thema – im Auftrag der Krebsliga Schweiz und des Bundesamtes für Gesundheit. Schliesslich leben hier rund zehn Prozent der Bevölkerung im näheren Umkreis eines Atommeilers. Konkrete Resultate sollen bis 2011 vorliegen.

Ausgabe 6/09 Umwelt

Neue Analyse zeigt: Atommeiler machen unsere Kinder krank – Abbildung 2
Neue Analyse zeigt: Atommeiler machen unsere Kinder krank – Abbildung 3
Neue Analyse zeigt: Atommeiler machen unsere Kinder krank – Abbildung 4

Unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit scheinen Gebete auch präventiv zu wirken. Der Mediziner Luciano Bernardi von der Universität Pavia hat bei Betenden beispielsweise die Atemfrequenz gemessen und Erstaunliches festgestellt: Sowohl beim Aufsagen des katholischen Rosenkranzes als auch beim Rezitieren von hinduistischen Mantras reduzierte sich die Atemfrequenz der Betenden auf etwa sechs Atmungsprozesse pro Minute.

«Das ist eine optimale Übereinstimmung mit dem Herzrhythmus sowie mit anderen Rhythmen des Herz-Kreislaufund Nervensystems», so der Wissenschaftler. Regelmässiges Gebet-Rezitieren würde sogar das Risiko von Herzkreislauf-Erkrankungen senken, ist der Italiener überzeugt. Seine 23 Probanden hatten das Mantra «Om-mani-padme-om» aufgesagt und den Rosenkranz auf Latein rezitiert…

Beten heisst immer auch In-sich-gehen. Ganz egal, wer oder was angerufen wird: Der Mensch konfrontiert sich im Gebet mit sich selbst. Und allein schon dieser Blick nach in-

echo Tipp für Mittelalter-Freunde

ral Winfield Scott war ein Rassist und Mörder,

Der H1N1-Virus entpuppt sich als laues Grippchen. Jetzt sitzen etliche Länder auf Bergen von Impfstoff, die für viel Geld eingekauft wurden, obwohl sie keiner braucht – zur Freude der internationalen Pharma-Multis wie Novartis, GlaxoSmithKline oder Baxter. Allein der Schweizer Novartis-Konzern dürfte seine Impfstoffproduktion mit einem satten Reingewinn von über 600 Millionen Dollar abschliessen! Gemäss ersten Schätzungen wurden bis Ende September 2009 weltweit bereits 840 Millionen Dosen Impfstoff à je 10 Dollar pro Dosis geordert. Parallel dazu mehren sich die Hinweise, dass die Schweinegrippe-Hysterie von interessierten Kreisen bewusst forciert wurde – im eigenen Interesse. Zufall, dass der amerikanische Pharmariese Baxter bereits 2007/2008 (!) das Patent für einen H1N1-Impfstoff beantragte? Der verdächtige Patenteintrag findet sich unter der internationalen Registernummer US 2009/0060950 A1.

Satanistisches Pentagramm Wird unsere Welt von Freimaurern regiert? Ziehen die Logenbrüder bis heute ihre Fäden in Washington? Der neue Roman von Dan Brown lüftet die düsteren Geheimnisse der amerikanischen Bundeshauptstadt. Auch das Capitol, das Weisse Haus, das Pentagon und eine rätselhafte Skulptur beim CIA-Hauptquartier sollen darin eine zentrale Rolle spielen.

(«mysteries» Nr. 5/2009) Gratuliere zum äusserst spannenden Artikel!

Hier noch ein Hinweis zur Karte: Allgemein gilt ja das Pentagramm als eines der mächtigsten und kraftvollsten Symbole. Dass es in diesem Fall «verkehrt» herum, also mit der Spitze nach unten dargestellt wird, ist wohl kaum zufällig. Diese Darstellung gilt zwar als allgemein «nur» als «Drudenfuss», hat aber wesentlich weitreichendere Bedeutung. Nicht umsonst wird es auch von Satanisten im negativen Sinn «kopfunter» verwendet (nach Eliphas Levi). Zufall, dass das Weisse Haus den «Kopf» darstellt?

Gegenüber auf gleicher Achse befindet sich zudem der Scott Circle. Sein Namensgeber Genewelcher unter anderem die Deportation der Cherokee-Indianer auf dem Gewissen hatte. Auch er war übrigens Freimaurer…

Harry Meier (CH) Mond-Bilder doch im Studio geblitzt?

Neue NASA-Fotos beweisen: Die Amerikaner waren auf dem Mond. Nun aber behauptet der russische Top-Kosmonaut Alexej Leonow: «Einige Szenen der ersten Mondlandung sind später im Studio nachgedreht worden!» Fragen wirft auch eine bislang unbeachtete UFO-Sichtung von Mondpionier Michael Collins auf.

(«mysteries» Nr. 5/2009) Das Bild, das Sie auf Seite 11 oben zeigen, erweckte bei mir, als ich es anfangs Jahr auf der NASA-Homepage erstmals sah, den Eindruck, es sei im Studio gemacht worden, da es einen so tiefen und schrägen Horizontverlauf in einem halbwegs ebenen Gelände nicht geben kann – weder auf dem Mond noch auf der Erde. Ich zog andere Bilder zu Rate und kam zum klaren wie einfachen Schluss: Alle NASA Bilder dieser Serie müssen in einem Studio gemacht worden sein!

Andreas Märki (CH) Pyramidenklang: Korff nicht der Erste Top – oder Flop? Gleich zwei bekannte deutsche Ägyptologie-Professoren halten den Daumen hoch für einen Amateur. Ihrer Meinung nach hat Friedrich Wilhelm Korff bewiesen, dass die ägyptischen Pyramiden einst nach den Proportionen musikalischer Intervalle errichtet wurden. Ist dem wirklich so?

(«mysteries» Nr. 5/2009) Anzumerken ist, dass Herr Korff nicht der Erste ist, der Pyramiden mit Klangreihen, Musik und Harmonielehre in Verbindung bringt. Das war meines Wissens Hugh Harleston jr., wenn auch in Bezug auf die mittelamerikanischen Pyramiden. Nachzulesen ist das in dem Buch «Die Wiege der Sonne» von P. Thompson. Wenn beide – Harleston jr. und Korff – Recht haben, ist bei der Musik jedoch noch lange nicht Schluss, sondern alles fängt erst an: Dann führt die Suche nach dem Pyramiden-Code nämlich geradenwegs in die unendlichen Weiten des Universums mit seinen Wellen, Teilchen, Schwingungen, Strings… und was sonst noch so da draussen rumschwirrt.

Paul Krannich (D) «Ich habe die Bundeslade gesehen!», versicherte der äthiopischorthodoxe Patriarch Abune Paulos kürzlich in Rom. «Sie stammt nicht von Menschenhand.» Ein Sakrileg aus Sicht der Gläubigen, denen der Blick auf das Heiligtum in Axum gemäss Tradition verwehrt bleibt.

(«mysteries» Nr. 5/2009 ) Im Besitz unseres Bistums befindet sich der Albani-Psalter, eine der bedeutendsten mittelalterlichen Handschriften Englands, die durch die Reformationswirren nach Deutschland kam. Vor kurzem haben wir diese Handschrift in ihre Einzelseiten zerlegt, um ein Faksimile herzustellen. Wir nutzen nun diese historische Chance, um in einer Ausstellung bis am 24. Januar 2010 alle Seiten des Albani-Psalter nebeneinander auszustellen. Nach der Ausstellung wird diese Handschrift wieder zum Buch gebunden und kann dann folglich nur seitenweise aufgeschlagen werden. Der Albani-Psalter erzählt viele Geschichten. Für «mysteries»- Leser interessant könnten sein: Die Liebesgeschichte eines Abtes zu einer Einsiedlerin und die verworrene Geschichte der englischen Reformation. Mehr dazu finden Interessierte auf www.albani-psalter.de.

Michael Lukas Bischöfliche Pressestelle Hildesheim (D) Alle Achtung!

Angst vor der Apokalypse? Wir sterben doch sowieso!

(«mysteries» Nr. 5/2009) Kürzlich entdeckte ich Euer Heft bei uns im Real-Supermarkt – wusste gar nicht, dass Ihr schon so viele Jahre lang aktiv seid, alle Achtung! Habe alles verschlungen und konnte danach kaum schlafen, so viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Bewundernswert, dass es bei Euch in der schönen Schweiz noch mutige «Kämpfer-Seelen» gibt, die unserer scheinheiligen Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Für alle, die etwas abgedrehter denken – so wie ich, vermutlich hätte man mich früher als «Hexe» verbrannt – und ausserdem einen Hauch Spiritualität vertragen können: Lest bitte die Schrift «Der Pfad des friedvollen Kriegers» von Dan Millman – ein wundervolles Buch. Ich kann es allen nur wärmstens ans Herz legen!

Dana Nebera (D) Russen vertuschen Raketen-Schmuggel Michail Woitenko zittert um sein Leben: Als erster hatte der russische Marine-Journalist am 8. August 2009 im Internet über das «Verschwinden» des Frachters «Arctic Sea» berichtet – und in der Folge darüber spekuliert, dass das vermeintlich von Piraten gekaperte Schiff weitaus umstrittenere Güter transportierte als Holz.

Anfangs September riet ihm ein Anrufer, das Land so schnell wie möglich zu verlassen – vermutlich ein Mitarbeiter des russischen Geheimdiensts. Woitenko handelte und tauchte unter. Gegenüber der britischen Zeitung «Guardian» betonte er, dass mächtige Vertreter seines Lands die verwirrenden Ereignisse um den am 17. August 2009 vor den Kapverdischen Inseln wieder aufgetauchten Frachter «absichtlich vertuschen». Gerüchten zufolge dürfte die «Arctic Sea» im Hafen von Kaliningrad mit S-300-Abwehrraketen beladen worden sein, die für den Iran bestimmt waren.

20 Geheimdienste seien in die Angelegenheit mittlerweile verwickelt – allen voran der Mossad. War die geheime Fracht womöglich noch heisser als angenommen?

Neue Verwirrung um Hitlers Tod: Der US-Forscher Nick Bellantoni will herausgefunden haben, dass das durchlöcherte Schädelstück des Führers, das bis heute im Moskauer Staatsarchiv aufbewahrt wird, von einer Frau stammt, «die erheblich jünger gewesen sein muss als Hitler». Auch der deutsche Forensiker Mark Benecke (Bild) hielt besagtes Knochenteil vor Jahren bereits in den Händen: «Im Gegensatz zu Hitlers Zähnen, die ich hundertprozentig identifizieren konnte, scheint diesbezüglich alles möglich», räumt er gegenüber «mysteries» ein. «Dennoch bin ich mir sicher, dass besagtes Schädelstück von einer Person stammt, die gewiss so alt wie Hitler war.»

Versteinerte Relikte: Erinnerungen an Atlantis?

Beweisen diese Abbildungen versteinerter technologischer Geräte ein für allemal die einstige Existenz von Atlantis oder anderer versunkener Hochkulturen? Leider nicht. Geschaffen hat die «herzlosen modernen Fossilien» der US-Künstler Christopher Locke, der sie mittlerweile in etlichen Variationen vertreibt. Originell sind seine aus Beton gefertigten Kleinode allemal. Mehr Informationen dazu auf seiner Homepage im Internet unter: www.heartlessmachine.com Ausgabe 6/09 News «Die Öl-Vorräte versiegen – bereits in wenigen Jahrzehnten sprudelt kaum noch ein Tröpfchen davon aus der Erde!» So oder ähnlich jammern derzeit viele Panikmacher und spielen damit ungewollt den weltweiten Finanzspekulanten und ihrer unverschämten Preistreiberei in die Hände. Neue Tiefenbohrungen im Golf von Mexico zeichnen derweil ein weitaus optimistischer stimmendes Bild: Nach eigenen Angaben will der BP-Konzern dort in rund 1300 Metern Tiefe auf eine bislang unerschlossene «riesige Quelle des schwarzen Goldes gestossen» sein. Wetten, dass es nicht die letzte Entdeckung dieser Art bleibt?

Ja zur EU-Diktatur Die EU-Bosse prosten sich zu, ihre Kritiker verstehen die Welt nicht mehr: Irland hat dem umstrittenen Vertrag von Lissabon im zweiten Anlauf mit deutlicher Mehrheit zugestimmt. Gemäss Endergebnis votierten 67,1 Prozent der Iren für das EU-Reformwerk. Damit scheint der Weg für den geplanten europäischen Militärstaat formaljuristisch frei. Leider.

Tierisches Schauspiel im Basler Zoo.Seit Juli hält ein «Octopus vulgaris» den Besuchern täglich den Spiegel vor. Damit ihm nicht langweilig wird, verstauen die Pfleger sein Futter in Dosen oder Joghurtbechern, die der Krake dann jeweils mit viel Geschick öffnet. Oktopusse zählen zu den cleversten Tieren der Welt.

Foto-Verbot im Pharaonen-Tal «Behalten Sie das Tal der Könige im Auge», rieten wir im April.

Bald werde es von dort brisante News geben, «und ab August wird ein Miniroboter auch die mysteriösen Schächte in der Königinnen-Kammer der Cheopspyramide weiter erforschen».

Laut neusten Infos hat besagte Mission mittlerweile stattgefunden. Ihre Ergebnisse sollen noch 2009 bekannt werden – kurz vor dem altersbedingten Rücktritt von Zahi Hawass, dem ägyptischen Altertumsboss. In Kürze will der Mann zudem über neue Gräberfunde im Tal informieren. Ende September hat er dort vorsorglich bereits ein Fotografierverbot erlassen…

mond-kalender 2009 2. November 2. Dezember 31. Dezember 9. November 9. Dezember 16. November 16. Dezember 24. November 24. Dezember

Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 2
Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 3
Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 4
Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 5
Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 6
Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 7
Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 8
Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 9
Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 10
Schweinegrippe-Hysterie: Pharma-Bosse reiben sich die Hände – Abbildung 11

blitzlicht

Einzigartiger Vorzeit-Fund für immer zerstört Kannte man die Idee der Auferstehung schon vor Jesus?

Ketzer aufgepasst: Eine rätselhafte Steintafel scheint die traditionellen christlichen Vorstellungen von der Auferstehung zu erschüttern! Aufgestöbert hat das Relikt, das derzeit als «Gabriel-Offenbarung» weltweit Schlagzeilen macht, der Schweizer Sammler David Jeselsohn.

1998 wurde Jeselsohn zu einer Auktion in London eingeladen. Unter den Objekten, die er erwarb, befand sich eine beschriftete Steintafel von einem Meter Länge und 40 Zentimetern Breite. Das in drei Teile zerbrochene Stück weist zwei Spalten mit insgesamt 87 Zeilen in frühhebräischer Schrift auf. Verblüfft identifizierte der Treuhänder aus Zürich darauf in Zeile 77 den Namen des biblischen Erzengels Gabriel.

Eine neue Wendung erhielt die Diskussion 2008, als der renommierte Bibelforscher Israel Knohl die bisherige Übersetzung des nachweislich vor Jesu Geburt verfassten Textes neu interpretierte, namentlich die Zeile 80, die Knohl als Hinweis auf eine Auferstehung versteht: «Am dritten Tage, ich, Gabriel, befehle es Dir, erhebe Dich und lebe!»

Stellt die Auferstehung Jesu von den Toten damit nur die Kopie eines im Judentum verbreiteten Konzepts dar? War die Fähigkeit zur Überwindung des Todes nichts weiter als ein notwendiger Bestandteil der Eigenschaften eines jüdischen Messias?

Jahrzehntelang sorgte sie für erbitterte Kontroversen unter Vorzeitforschern: War die 1926 von Emil Bächler in den Alpen entdeckte «Pseudovenus» nur eine Laune der Natur? Oder hatte sie einst ein Neandertaler fabriziert? Wie «mysteries» nun erfuhr, soll das kostbare Stück bereits vor Jahren dem Müll übergeben worden sein!

ogggenburg in der Schweiz, 21. Oktober 1926: Hoch oben auf den Bergen, nahe dem Eingang einer alpinen TKarsthöhle auf 1628 Metern Höhe, wühlt sich ein Mann fröstelnd durch Berge von Lehm. Flink und routiniert tasten sich seine Finger auf dem Sortiertisch durch die feuchte Masse in der Hoffnung, Reste von Steinwerkzeugen zu finden.

Plötzlich hallen aufgeregte Stimmen aus dem Höhleninnern.

Ein junger Helfer stürmt heraus. Wie wild gestikuliert er mit den Armen: «Mir hend es Götzli gfunde – es Götzli!» («Wir haben ein Götzenbild gefunden.»)

Emil Bächler schiesst wie von der Tarantel gestochen auf, reibt sich die Lehmreste von den Händen und spurtet mit dem Helfer zurück zum «Wildenmannlisloch», ins Höhleninnere.

«Da lagen in einer kleinen Felsennische, die aus den Schichtbänken des Höhlenseewerkalkes herausgebrochen war, auf einer Unterlage von etwa 2,5 Zentimeter Sintererde ruhend, zwei, von allen anderen Funden völlig isolierte Knochenbruchstücke», notierte der Konservator des Heimatmuseums St.

Gallen später.

Bächler war verblüfft. Denn die beiden Bärenknochen, so war ihm und seinen Mitarbeitern sofort klar, konnten an diesen Ort und in diese Situation «nur durch den Menschen, niemals aber durch Einschwemmung von Wasser» gebracht worden sein. Neugierig nahm der Fachmann eines der Stücke in Augenschein. «Auf den ersten Blick erkannte man am einen Ende die Silhouette eines niedlichen Menschen- beziehungsweise Ausgabe 6/09 Geschichte Neandertaler-Skulptur.

Die Vorläufer des modernen Menschen waren weitaus intelligenter als lange Zeit angenommen.

Frauenköpfchens in gebeugter, sinnender, ja betender Haltung.

Deutlich waren die halbgeschlossenen Augen, vorab aber das zierlich kleine Näschen, sowie das schmale Mündchen zu unterscheiden. Unter dem fast winzigen, rundlichen Kinn lag der tiefe, sehr deutlich ausgeprägte Halseinschnitt. Die Brustseite schien mit einem Tuch bedeckt zu sein.»

Die zehn bis zwölf Zentimeter kleine «Pseudovenus», wie man sie später nannte, polarisierte die Fachwelt. Ebenso wie Bächlers weitere Funde im nahegelegenen «Drachenloch» (2427 Meter ü. M.) sowie den «Wildkirchli»-Höhlen (1500 Meter ü. M) in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Viele der dortigen Höhlenbärenknochen schienen von Menschenhand bearbeitet worden. Und das vor über 55’000 Jahren – also mindestens 15’000 Jahre vor der ältesten archäologischen Kultur des Jungpaläolithikums in Europa, deren Auftreten mit der Einwanderung des modernen Menschen in Verbindung gebracht wird.

«Älteste Bauwerke von Menschenhand» Spuren menschlicher Gebeine suchte man im «Wildenmannlisloch» vergeblich. Ebenso wie im «Drachenloch». Dafür entdeckte Bächlers Ausgräber, der Lehrer Theophil Nigg, dort regelrechte «Steinkisten». Eine davon enthielt sieben zum Höhlenausgang ausgerichtete Bärenschädel, säuberlich aufeinander geschichtet und bestens erhalten – als hätte sie einst jemand ehrfürchtig verwahrt.

«Diese Steinkisten im Drachenloch sind die ältesten künstlichen Bauwerke von Menschenhand, die uns bisher bekannt wurden», schwärmte der bekannte deutsche Reiseschriftsteller Ivar Lissner 1958: «Über einer grösseren Steinplatte Wurde in den Alpen vor Bärenkult zelebriert?

55’000 Jahren bereits ein waren 31 gebrochene Wadenbeine regelrecht magaziniert. Alle gleichen Gelenkenden waren nach einer, die Bruchenden nach der entgegengesetzten Seite gerichtet.»

Mit welcher schier übermenschlichen Motivation war der Neandertaler bloss bis in diese karge alpine Höhlenwelt vorgedrungen? Weshalb trug er Bärenknochen in schwindelerregende Höhen, um sie dort zu verehren? Warum hatte er im «Drachenloch» durch den linken Jochbogen eines Höhlenbärenschädels mit allerlei geschickten Verrenkungen einen grossen Oberschenkelknochen gestossen? Spuren eines Jagd- und Opferkults? Und das ausgerechnet in einer Epoche, als der Mensch offiziell noch gar keinem Kult frönte und von Kunst nicht den blassesten Schimmer gehabt haben soll?

Fasziniert reiste Lissner in den 50er-Jahren in die Schweiz.

Ehrfürchtig stand er im verträumten Heimatmuseum von St. Gallen vor Bächlers Fundstücken – «einem ungelösten Rätsel», wie er mit dem Schweizer einig ging. Ebenso darin, dass die Grundform der Pseudovenus wohl zufällig entstanden, das Abbild der Frauenplastik aber von unseren Altvordern weiter ausgearbeitet worden war. Vergleichbare Venus-Statuetten aus der Steinzeit, so wusste Lissner, gehören durchweg in die viel spätere Epoche des Aurignacien (40’000 bis 28’000 Jahre vor unserer Zeit). Insofern sei Bächlers Ausnahmefund «die älteste menschliche Figur, von Menschen gemacht oder doch wenigstens von Menschen erkannt» – und damit «wohl das erstaunlichste Zeugnis vorgeschichtlichen Tuns oder Begreifens auf unserer Erde».

Viel Gras ist in den Schweizer Bergen seither über die Angelegenheit gewachsen – und noch mehr Unkraut. Von vorzeitli- Geschichte Ausgabe 6/09 37

Venus der Alpen: Trauerspiel um Knochenfigur – Abbildung 2

Neue Metaanalyse dokumentiert Wirkung von Fürbitten

Für David R. Hogde ist klar, dass er mit seiner vergleichenden Analyse letztendlich weder Befürworter noch Gegner der «Therapieform Beten» zufrieden stellen dürfte. In seiner Publikation plädiert er denn auch dafür, die «Präferenzen der Patienten» keinesfalls ausser Acht zu lassen. Diese könnten sich ja beispielsweise wünschen, dass eine bestimmte Gruppe für sie betet – in diesem Fall vielleicht mit positiverem Resultat.

nen sei heilsam, glaubt die Schweizer Psychotherapeutin Yvonne Maurer: «Physiologisch gesehen hilft das Beten, dem Gehirn die Möglichkeit des wieder Gesundwerdenkönnens wie einen Auftrag einzugeben», ist sie überzeugt.

Beten als Interaktion? Seit der Studie des Dänen Uffe Schjödt lässt sich dies ebenfalls wissenschaftlich belegen.

Der Forscher untersuchte am Institut für Religionswissenschaft in Aarhus die Hirnaktivitäten betender Erwachsenen.

20 strenggläubige Christen sowie 20 Nichtgläubige sollten sich in ihren Gebeten erst an Gott und danach an den Weihnachtsmann wenden.

Gleichzeitig schob man die Menschen dabei in einen Computertomographen. Die Untersuchung ergab, dass sich die Hirnaktivitäten streng gläubiger Probanden beim Beten zu Gott markant von der unterschieden, die beim «Gespräch» mit dem Weihnachtsmann gemessen wurden. Sie unterschieden sich aber auch von den Blutströmen im Gehirn der Nichtgläubigen. So nahmen bei den Gläubigen die Aktivitäten im emotionalen Zentrum des Gehirns deutlich zu – bei den Nichtgläubigen dagegen passierte nichts dergleichen.

«Zu Gott beten kann nach unseren Ergebnissen damit verglichen werden, mit einem richtigen Menschen zu sprechen», erklärt Schjödt, der seine Studie noch in diesem Jahr publizieren möchte. «Die Aktivität, die im Gehirn auftritt, wenn Gläubige zu Gott beten, entspricht exakt den gleichen Mustern, die auftreten, wenn wir uns im sozialen Austausch mit einem Mitmenschen befinden.»

Frommen Menschen sind derlei Erläuterungen wohl reichlich egal. Für sie existiert Gott unabhängig davon, ob sich sein Wirken nun wissenschaftlich messen lässt oder nicht. Alle anderen mögen sich zumindest an den Bibelspruch erinnern, wonach der Glaube Berge versetzen kann. Warum sollte das nicht auch für den Glauben an die eigene Gesundung gelten?

Stéphanie Erni

Welche Wirkung haben Gebete auf die Gesundheit? Diese Frage stellt sich die Wissenschaft immer wieder – und kommt dabei zu unterschiedlichen Antworten. Fest steht: Überzeugtes Beten aktiviert die gleichen Hirnströme wie der direkte Austausch mit einem Menschen. Meditatives Beten beruhigt den Kreislauf. Und: Fürbitten ersetzen zwar keine Mediziner – aber sie nützen.

Immer wieder nehmen sich Mediziner, Psychologen oder Soziologen mit wissenschaftlichen Methoden dem Phänomen des Gebets an. Am besten untersucht ist die Fürbitte für Kranke und Patienten. Warum? Weil sich an deren Gesundheitszustand am einfachsten messen lässt, ob Beten nützt, ob die Betroffenen schneller gesund werden oder ihre Therapie gar weniger Nebenwirkungen hat, wenn jemand für sie betet. Selbst so genannte «Doppelblindstudien» sind in diesem Fall möglich – wenn die Kranken gar nicht wissen, dass Fürbitte für sie geleistet wird.

Welches Resultat auch immer bei derlei Studien herauskommt: Es bringt die Wissenschaftler in die Zwickmühle.

Erweist sich, dass Beten tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Probanden hat, stellt sich die Frage, wer oder was dafür verantwortlich sein könnte. Übernatürliche Einflüsse haben im schulmedizinischen Denken aber üblicherweise keinen Platz. Deshalb beeilen sich die meisten Forscher zu versichern, dass ihre Studien – unabhängig von den erzielten Resultaten – nichts über die Existenz oder Nicht-Existenz von Gott aussagen können. Selbst im Fall negativer Resultate, bleibt das Dilemma bestehen. Schliesslich würde das ja bedeuten, dass all die lieb gemeinten Gebete vergebens wären.

Auch David R. Hodge von der Arizona State Universität bewegt sich in diesem Spannungsfeld. Im Vorwort zu seiner Metaanalyse aus dem Jahr 2007, die bereits existierende Studien ausgewertet, schreibt er: «Es ist theoretisch möglich, dass ein transzendentes Wesen existiert und die Gebete erhört, es ist aber auch möglich, dass Gebete einen bislang unentdeckten, natürlichen Mechanismus anzapfen, der Veränderungen hervorrufen kann. Mit anderen Worten: Fürbitten können einen Effekt haben auf übernatürlicher Basis, auf natürlicher Basis oder aber gar keinen.»

Kann Beten in Einzelfällen schädlich sein?

Interessanterweise kam der amerikanische Professor für Soziale Arbeit in seiner Vergleichsstudie zum Schluss, dass Fürbitten für einen Patienten tatsächlich eine positive Wirkung entfalten – wenn auch nur eine geringe. Für seine Untersuchung, die in der Fachzeitschrift «Research on Social Work Practice» publiziert wurde, hatte er 17 Studien zum Thema ausgewählt, analysiert und miteinander verglichen.

Längst nicht alle Arbeiten, die David R. Hodge unter die Lupe nahm, kamen zum Schluss, dass Beten wirklich hilft.

Nur gerade ein Jahr bevor er seinen Vergleich anstellte, glaubte eine amerikanische Forschergruppe um Herbert Benson nachweisen zu können, dass Fürbitten sogar schaden können – sofern der Betroffene davon weiss. 1800 Bypass-Patienten waren für diese Untersuchung ausgewählt worden – so viele wie nie zuvor. Als Gradmesser für die Effizienz der Gebete legte man die Anzahl der Komplikationen fest, die nach den jeweiligen Operationen auftraten.

Die Herzkranken wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Eine davon blieb ohne spirituellen Beistand. Für die zwei anderen Gruppen wurde gebetet, aber nur in einer der beiden wussten die Patienten von den Fürbitten. Und o weh: Ausgerechnet bei ihnen fiel die Komplikationsrate am höchsten aus! Die christlichen Stiftungen, welche die Studie unterstützt hatten, waren über das Resultat nicht minder erstaunt als die involvier-

Allein schon der Blick nach innen entfaltet eine heilende Wirkung.

ten Forscher selber.

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Wissenschaftler beweisen: Beten hilft tatsächlich! – Abbildung 2