In Aller Stille Folgte Der FranzöSische Pater FrançOis Brune (78) Einmal Mehr Der FäHrte Seines Verstorbenen Benediktinerfreundes Pater Ernetti – In Der Hoffnung, Mehr üBer Dessen Hoch Umstrittene «Zeitmaschine» Herauszufinden: Eine Apparatur, Mit Der Man Angeblich Die Vergangenheit Filmen Konnte! «Mysteries» PräSentiert Brunes Neueste Erkenntnisse.
er noch nie von ihr gehört hat, mag die Geschichte vorschnell als Märchen abtun. Zu fantasievoll Wscheint, was der 1994 verstorbene italienische Benediktinerpater Alfredo Pellegrino Ernetti ab den 70er-Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten öffentlich zu Protokoll gegeben hatte: Mit zum Teil namhaften Wissenschaftlern sei es ihm gelungen, eine Art Zeitmaschine zu konstruieren. Eine Apparatur, mit deren Hilfe sich in die Vergangenheit blicken liesse!
Geholfen hätten ihm dabei um 1956 nicht zuletzt der berühmte Physiker Enrico Fermi und Raketenpionier Wernher von Braun – sowie rund zehn weitere kluge Köpfe, darunter auch ein japanischer Nobelpreisträger. Weder Fermi noch von Braun haben solche Aktivitäten zeitlebens je bestätigt. Briefwechsel mit Ernetti sucht man in ihren Archiven leider vergeblich. Alles nur Flunkereien eines spinnerten Gottesmann also? Die Realität sieht vertrackter aus. Nicht nur galt der im Vatikan hoch geachtete Pater unter seinesgleichen als ausserordentlich gebildet, er amtete auch als ordentlicher Professor am renommierten Konservatorium Benedetto Marcello in Venedig. Zudem praktizierte er als wohl namhaftester Exorzist seiner Zeit im Namen der katholischen Kirche. Weit Phänomene Ausgabe 6/09 49 über 70 gescheite Wälzer tragen Ernettis Namen – teilweise über 500 Seiten dick. Viele seiner Traktate, etwa über gregorianische Gesänge, stehen in den Bibliotheken namhafter musikwissenschaftlicher Institute Europas.
Dass sich der Italiener in seiner Freizeit mit stiller Duldung des Vatikans durchaus ketzerischen Themen widmete, ist ebenfalls gesichert. So beschäftigte sich Pater Ernetti mit seinem Kollegen Pater Agostino Gemelli als einer der Ersten bereits um 1952 mit dem parapsychologischen Phänomen der Tonbandstimmen, also mit der Frage, ob sich Botschaften aus dem Jenseits auf Magnetbänder bannen lassen. Verschiedene Experimente mit Drahttonträgern lieferten verblüffende Resultate, die vor allem Gemelli in die Knochen fuhren, weil er auf den Aufzeichnungsgeräten die Stimme seines verstorbenen Vaters wiedererkannte.
Ernetti begann sich in der Folge intensiver mit der Frage zu beschäftigen, ob sich all die «Schwingungen», die ein Mensch zeitlebens ausstrahlt, mit Hilfe einer Apparatur womöglich einfangen und messen liessen. Sollte es mit Hilfe der Physik gar möglich sein, «aus dem Zerfall des Tones» Bilder und Szenen aus tiefster Vergangenheit zu rekonstruieren und fernsehgerecht aufzubereiten?
Zeuge des Endes von Sodom und Gomorrha?
Mit reichlich kuriosen Erläuterungen, die konservativen Physikern die Haare zu Berge stehen liessen, umschrieb Pater Ernetti das Funktionsprinzip seines Prototypen später gegenüber Journalisten, liess dabei aber absichtlich vieles im Dunkeln – um das Geheimnis seiner Apparatur nicht zu verraten und damit dem drohenden Missbrauch entgegenzuwirken.
Eine zentrale Rolle bei den Experimenten spielten offenbar Licht- und Schallwellen, «eine Art genetischer Fingerabdruck jedes Individuums». Mit deren Hilfe, Antennen, Hebeln und anderen technischen Utensilien soll es dem Pater tatsächlich gelungen sein, hologrammähnliche Bildsequenzen samt Ton in TV-Grösse zu erzeugen.
Interessierte verwirrte der Gelehrte mit geradezu abenteuerlichen Schilderungen: So hätte er mit Hilfe seines «Chronovisors» weitere biblische Schriftrollen in Qumran geortet und deren Versteck über diplomatische Kreise an Forscher in den USA weitergegeben. Sodom und Gomorrha seien vor seinen Augen in einer gigantischen Explosion aufgegangen, ähnlich einer atomaren Katastrophe. Aber auch dem Leidensweg Jesu wollte Pater Ernetti mit seiner Apparatur gefolgt sein – bis hin zur Kreuzigung und Auferstehung. «Dieser Vorgang ist schwer zu beschreiben», gab er 1964 zu Protokoll. «Es war wie ein Schatten, eine Gestalt durch eine hauchdünne Schicht erleuchteten Alabasters… oder wie ein Kristall. Alles erschien uns dreidimensional – wie Hologramme, aber mit Bewegung und dazugehörigem Ton. Aber noch ohne Farbe.»
Sämtliche Szenen, so der Pater, seien gefilmt und noch in den 50er-Jahren Papst Pius XII., hochrangigen Vertretern des Vatikans sowie Italiens Staatspräsidenten vorgeführt worden.
Intimes könnte skrupellos bliebe mehr geheim…
missbraucht werden, nichts Um das Gerät vor Missbrauch zu schützen, hätte man sich Jahre später darauf geeinigt, die Apparatur in ihre Bestandteile zu zerlegen und an einen sicheren Ort ausserhalb des Vatikans zu bringen. Warum? «Mit dieser Maschine kann die Vergangenheit eines jeden von uns vollständig und ausnahmslos nachgezeichnet werden. Nichts bliebe mehr geheim. Intimes wäre nicht mehr geschützt und könnte skrupellos missbraucht werden.»
Viele von Ernettis Äusserungen hat uns der französische Pater François Brune überliefert, ein ebenso weiser wie gewissenhafter Theologe aus Paris, den mit Ernetti eine jahrzehntelange Freundschaft verband. Die Baupläne seines «Chronovisors», so habe ihm Ernetti bereits in den 60er-Jahren verraten, seien in der Schweiz und in Japan hinterlegt worden, erinnert sich Brune. Ausserdem läge eine Kopie davon noch heute im Vatikan.
Immer wieder kreuzten sich die Lebenswege der beiden Gottesmänner. Nächtelang philosophierten sie bei ihren Treffen über den Sinn unserer Existenz oder das Leben nach dem Tod. Pater Brune erlebte seinen Freund dabei stets als blitzge- Ausgabe 6/09 Phänomene Pater François Brune in seiner kleinen Pariser Wohnung. Über viele Umwege gelang es dem mittlerweile 78 Jahre alten Gottesmann, neue Indizien für die kontroversen Behauptungen von Pater Ernetti zusammenzutragen. Brunes Fazit: «Mein Freund hat mich nicht angelogen!»
scheiten, ehrfürchtigen Glaubensgenossen. «Natürlich bin ich auch nicht unfehlbar», schmunzelt er gegenüber «mysteries».
«Aber ich habe keinen Grund daran zu zweifeln, dass mir Pater Ernetti die Wahrheit erzählte – speziell, was seinen Chronovisor betraf. Warum hätte mich dieser tiefgläubige Mann jahrzehntelang belügen sollen?»
Stutzig macht, dass führende kirchliche Würdenträger Ernettis Aussagen bis heute weder bestätigt noch dementiert haben. Das lässt ob der zahlreichen kontroversen Schlagzeilen über ihn in der italienischen Presse aufhorchen.
Wäre es den Kirchenmagistraten nicht ein Leichtes gewesen, ihren prominenten Vertreter mit einem offiziellen Machtwort ein für allemal als Spinner abzukanzeln? Warum sie es nicht taten, bleibt bis heute ihr Geheimnis.
Die explosiven Äusserungen Ernettis brachten natürlich auch Pater Brune ins Grübeln: Warum konnte oder wollte Ernetti der Öffentlichkeit so gut wie keine konkreten Beweise für seine ungeheuerlichen Behauptungen vorlegen? Und was hatte es mit jenem ominösen «Chronovisor-Bild» des gekreuzigten Jesus auf sich, das der Journalist Vincenzo Maddaloni von Gleich dem TV-Pfarrer Ernettis Spuren.
Braun folgte Pater Brune der Zeitung «La Domenica del Corriere» 1972 im Namen Ernettis als Beweis für dessen Behauptungen veröffentlicht hatte?
Ganz offensichtlich handelt es sich bei diesem Foto um eine plumpe Fälschung: Hatte Ernetti also doch geflunkert?
Nein, wie Pater Brune heute mehr denn je zu wissen glaubt.
Gleich dem deutschen TV-Pfarrer Braun folgte der mittlerweile 78-Jährige bis vor Kurzem der Fährte seines 1994 verstorbenen Freundes – durch ganz Italien. Zu wenige Informationen hatte er Ernetti zu Lebzeiten «abgerungen», wie er heute fast schon entschuldigend einräumt.
«Ich hatte damals ja keine Ahnung, dass ich dereinst mal ein Buch über ihn schreiben würde.» Also beeilte sich Brune, bei Ernettis Bekannten und Verwandten anzuklopfen – in der Hoffnung auf weitere Erkenntnisse.
Der zeitliche und finanzielle Aufwand für den auf bescheidenen 24 Quadratmetern lebenden Gottesmann aus Paris war gross und die Ausbeute an konkreten Beweisen für das «Unmögliche» anfänglich mager. Zwar gelang es Brune etwa, die Schwester seines Freundes ausfindig zu machen – auch sie eine Geistliche. Doch selbst Germana Ernetti schien von der Phänomene Ausgabe 6/09 Exklusiv-Interview mit Pater François Brune: Pater Brune, laut Aprilio Ernetti, dem Neffen Ihres Freundes, wurde dessen «Chronovisor» bereits vor Jahren zerlegt und in die Schweiz transportiert. Können Sie das nach Ihren Recherchen bestätigen?
François Brune: Ja – das versicherte mir seinerzeit auch Pater Ernetti persönlich. Mein Freund hatte überhaupt kein Vertrauen in den Vatikan. Also liess er die Pläne des Gerätes irgendwo in der Schweiz und in Japan verwahren. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, wurden einige Teile der Maschine seinerzeit tatsächlich auch in die Schweiz verbracht, wo sie vielleicht heute noch liegen. Kurz vor seinem Tod hat mir Pater Ernetti zudem erzählt, dass er mit den letzten beiden noch lebenden Wissenschaftlern, die an seinem Gerät mitgearbeitet hatten, vor eine hochkarätige Kommission von Wissenschaftlern und vier Kardinälen geladen worden war, um ihr einen vollständigen Bericht über seine Experimente Pater Pellegrino Ernetti. Sprach er tatsächlich die Wahrheit?
geheimen Leidenschaft ihres Bruders so gut wie gar nichts zu wissen, wie sie versicherte. Dann aber schien Gott dem Pater den Weg zu leuchten. Und so publizierte der Franzose seine neusten Erkenntnisse unlängst in einem Buch, das 2010 auch auf Deutsch erscheinen wird (www.hesper-verlag.de).
Gleich zwei Volltreffer landete Pater Brune 2003, als er an einer Konferenz im italienischen Riccione teilnahm. «An einem der dortigen Bücherstände in der Hotelhalle sprach mich eine junge Frau an», erinnert er sich gegenüber «mysteries». «Ihre Mutter, so erzählte sie mir, sei eine enge Freundin von Mutter Speranza gewesen, einer bekannten, 1983 verstorbenen stigmatisierten Mystikerin aus Collevalenza, die ebenfalls mit Pater Ernetti befreundet war.»
Mutter Speranza erfuhr die Passion Christi jedes Jahr aufs Neue am eigenen Leib, samt den entsprechenden Wundmalen.
«Alles, was sie in ihren Visionen erleben und erleiden musste, stimmte bis ins Detail mit Ernettis Schilderung der Kreuzigung Jesu überein, hatte sie einst ihrer Freundin versichert – also der Mutter der besagten jungen Dame, die ich an jenem Kongress kennen lernen durfte.» Hatte Ernetti der Stigmatisierten lediglich von seinen Jesus-Aufnahmen erzählt? «Nein, im Gegenteil», versicherte die junge Frau dem erstaunten Pater: «Ernetti hatte ihr persönlich Filmaufnahmen der Kreuzigung gezeigt, die er mit seinem Chronovisor aufgezeichnet hatte, wie sie ausdrücklich versicherte!»
Die zweite Überraschung liess nicht lange auf sich warten, wie der Franzose weiter berichtet: «Völlig unerwartet lernte ich an besagtem Kongress auch den Neffen von Pater Ernetti kennen, von dem mir bislang niemand erzählt hatte.» Natürlich habe sein Onkel auch ihm früher oft vom Chronovisor erzählt, bestätigte Aprilio Ernetti, wenngleich dieses Thema bei dessen familiären Besuchen nur zweitrangig gewesen sei. Erfreut nahm Brune die Einladung an, Aprilios Familie unweit von Rom zu besuchen, um das Thema in aller Ruhe zu erörtern.
Auf Stippvisite bei Ernettis Familie Am 8. Februar 2004 war es endlich soweit: Aprilio Ernetti holte den französischen Pater am Flughafen ab und fuhr mit ihm in sein Heimatstädtchen Rocca San Stefano, wo heute sogar eine Strasse nach seinem Onkel benannt ist. Im Kreis von Ernettis Familie erfuhr Brune dort allerlei Neuigkeiten, die selbst ihn das Staunen lehrten.
Bei der Zeitmaschine, so wurde ihm von Familienmitgliedern beispielsweise versichert, habe es sich in der Tat um eine «rein technische» Apparatur gehandelt, die nichts mit medialen Fähigkeiten oder ähnlichem Firlefanz zu tun hatte. Man hätte mit dem Apparat weder in Zukunft schauen noch mit den Toten kommunizieren, sondern lediglich in die Vergangenheit irdischer Geschehnisse Einblick nehmen können. Wenn man damit das Bild einer bestimmten Person focussiert hatte, sei es nach Belieben möglich gewesen, den Blickwinkel zu ändern, ja gar sich quasi virtuell um diese herumzubewegen.
Doch Aprilio wusste noch mehr zu berichten. Als einziger noch lebender Zeitzeuge mochte er dem Pater die Namen zweier weiterer Forscher bestätigen, die neben Fermi und von Braun an der Entwicklung teilgehabt hätten, was von Pater Ernetti zeitlebens geheim gehalten worden war. Darunter ein gewisser De Matos, Physiker aus Portugal. Sowie ein Mann namens Raffaele Cumar – möglicherweise ein Priester.
Selbst eine vergnügliche Anekdote wusste der Neffe beizu- Ausgabe 6/09 Phänomene «Die Gerüchte über das vermeintliche Nahtoderlebnis von Ernetti sind absolut haltlos…»
zu liefern. «Wir haben ihr alles erzählt», liess er mich anschliessend wissen. Mit Aprilio Ernetti habe ich seit Erscheinen meines Buches in Frankreich leider keinen Kontakt mehr.
Ich bin ja mittlerweile auch etwas älter geworden. 78 Jahre – um genau zu sein. Da hat man naturgemäss nicht mehr so grosse Lust, erneut auf lange Reisen zu gehen.
Über Pater Ernetti finden sich im Internet nur sehr spärliche und mehrheitlich fehlerhafte Aussagen. Die meisten englischsprachigen Informationen gründen zudem auf der amerikanischen Übersetzung eines Buches des Österreichers Peter Krassa, das 2000 in den USA unter dem Titel «Father Ernetti’s Chronovisor» erschien. Ihr Name fällt in diesem Zusammenhang allenfalls am Rande. Ärgert Sie das?
Ach Gott, dieses amerikanische Buch… Wissen Sie, ich hatte ja ursprünglich nur ein paar wenige Seiten über Pater Ernetti geschrieben – in meinem französischen Werk über das Jenseits («Les morts nous parlent»). Später trat dann Peter Krassa an mich heran, dem ich alle meine Dokumente in Sachen Ernetti übergab, ohne zu wissen, dass er daraus ein ganzes Buch fabrizieren würde. Ein Buch, das mir übrigens gar nicht gefällt. Dann folgte die US-Übersetzung von Krassas Werk, die zusätzlich jene unsägliche Geschichte über ein angebliches Nahtoderlebnis von Ernetti wenige Tage vor seinem Ableben zum Thema machte. Demnach soll der Pater manche seiner Aussagen über den Chronovisor in jener Nacht revidiert und andere ausgeschmückt haben. Diese Behauptung stammt aus äusserst dubioser Quelle. Sie ist absolut unhaltbar, ja geradezu lächerlich! Also dachte ich mir: Um die Ehre des Pater Ernettis zu verteidigen, muss ich ebenfalls etwas Längeres über ihn schreiben und die Spreu vom Weizen trennen.
Fortsetzung auf der nächsten Seite







