«Hast Du je darüber gedacht, lieber Leser, dass die Welt Deiner Sinne die einzige Welt ist, die Du hast? Dass, wenn Du nicht sehen, nicht hören, nicht riechen, nicht schmecken und nicht berühren könntest, es keine Welt gäbe, selbst wenn Deine Seele in einem Körper gefangen wäre?»
«Der grösste Teil der menschlichen Rasse ist tierisch und wirkt nur aus Höflichkeit menschlich.»
«Niemals kann das Endliche das Unendliche entdecken!»
«Und jedes lebendige Wesen ist ein Engel für das nächst untere Wesen.»
«Der, den ich für meinen Freund halte, mag in Wirklichkeit ein Feind sein, aber wenn ich mit dem Gedanken sterbe, dass er mein Freund ist, nehme ich diese Vorstellung mit ins Jenseits – und umgekehrt.»
«Es ist seltsam, dass die menschliche Natur sich in dem Moment, wenn sie von dem richtigen Weg abweicht, ihres Vergehens bewusst wird und trotzdem das Gefühl hat, ihren Gelübden treu geblieben zu sein.»
«Wenn ein Mensch sich krank glaubt, wird er krank werden.»
«Ein Körper muss mit seiner ganzen Muskelkraft beten, wenn man eine Antwort auf seine physischen Bedürfnisse haben will.»
«So pflanze ich ein Samenkorn. Es wird wachsen, blühen und Früchte tragen. Der, der die Pflanze säte, wird vergessen sein, nicht aber die Pflanze.»
«Und denke immer daran, dass der wahre Magier nie über sich selbst oder über seine Arbeit spricht.»
nizierten via kabellosem Bildtelefon (‹wireless, combined telephonic and photographic image transmitters›) mit unseren Freunden zu Hause.»
Und: «Der fortwährende Betrieb der Klimaanlage (‹air dispenser›) im Luftschiff war unerträglich anzuhören in der schrecklichen Ruhe.» Doch damit nicht genug. Denn: «Bei uns zu Hause war schönes Wetter, doch Menax teilte uns aus weiter Ferne über den Bildschirm des Bildtelefons im Flugschiff mit, dass die Wetterstation einen Sturm voraussagte.»
Wetterprognosen via Bildtelefon von Angesicht zu Angesicht – und das über ganze Kontinente hinweg? Ja! Oder um es mit den Worten von Frederick Oliver vor über 100 Jahren auszudrücken: «Wie wäre es, wenn wir unsere Kommunikationspartner sehen, hören, mit ihnen sprechen und von ihnen dabei gesehen werden könnten, ganz gleich in welcher Entfernung, drahtlos und nur über die magnetischen Ströme des Globus? (…)
Wir würden nie mehr Trennungsschmerz in Bezug auf unsere Freunde empfinden.
Geschichte Ausgabe 2/09 Wir könnten jeder Nachfrage im Handel sofort nachkommen und unsere Armee in Kriegszeiten innerhalb von 24 Stunden rund um den Globus senden…»
Fast schon unglaublich mutet es an, wenn im Buch an anderer Stelle die Rede davon ist, dass der Autor auf einer Höhlenexpedition nach einigen Kilometern bemerkt, «dass ich den Vibrator (‹vibrator›) meines kleinen portablen Bildtelefons verloren hatte, mit dem ich Kontakt mit dem Rest der Welt hätte aufnehmen können. Das Gerät war damit nutzlos…» Hand aufs Herz: Wer – ausser vielleicht Jules Verne – mochte um die Jahrhundertwende wirklich ahnen, dass Funk- und Bildtelefone dereinst Realität werden und mittlerweile noch dazu mit Vibratoren oder Akkus ausgestattet sein würden?
Zugegeben: Bereits 1843 hatte der Schotte Alexander Bain eine elektromechanische Erfindung ausgetüftelt, mit der sich Bilder zeilenweise abtasten und somit künftig auch übertragen liessen. Hatte der «jugendliche Schwärmer» Frederick Oliver also nur einen fantasievollen Glückstreffer gelandet? Kaum – denn mit Mobil-Handys, wie wir sie heute kennen und sie in «Phylos» nahezu identisch beschrieben sind, hatten derlei Verfahren so gut wie gar nichts zu tun. Vielmehr feierte das erste funktionstüchtige Bildtelefon seine Premiere erst 1929, an der deutschen Funkausstellung in Berlin («Fernsehsprechzelle» oder «Gegensehanlage») – und das bei einer aus heutiger Sicht reichlich kümmerlich anmutenden Übertragungsdistanz von einigen wenigen Metern.
Ausserdem wimmelt Frederick Spencer Olivers Buch nur so von weiteren technischen Beschreibungen – wohlgemerkt alle bereits vor weit über 100 Jahren erstmals beschrieben: Darunter ein Minifotoapparat («pocket photographic apparatus») oder ferngesteuerte Gefährte mit elektronisch gesteuerten Schiebetüren («Keine Hand hatte dieses Fahrzeug gelenkt, und seine Türe öffnete sich, als es vor uns hielt.»).
Auch die tägliche Ausstrahlung von Nachrichtensendungen via Radio wird im «Phylos»-Manuskript 1894 realitätsgetreu vorweggenommen: «An einem Tisch, der völlig mit Büchern bedeckt war, sass der Kaiser und lauschte einer melodiösen Stimme, die ihm die Neuigkeiten des Tages berichtete und deren Körper nicht sichtbar war. (…) Dann drehte er sich in Richtung eines Kastens, der aussah wie eine moderne Musikbox, und drehte mit einem sanften Klicken einen kleinen Schlüssel um. Augenblicklich verstummte die Stimme des unsichtbaren Sprechers mitten im Wort. (…) Mir war bewusst, dass ich zum ersten Mal einer sprachlichen Nachrichtenaufzeichnung zugehört hatte, von denen ich schon oft vernommen hatte.»
Zur Erinnerung: Am 6. November 1919 sendete der niederländische Fabrikant Hanso Schotanus à Steringa Idzerda aus seiner privaten Wohnung in Den Haag die erste Hörfunksendung. Und erst 1920 – viele Jahre nach der Veröffentlichung des «Phylos»-Buches – nahm in Pittsburgh (USA) die erste kommerzielle Radiostation der Welt ihren Betrieb auf.
Sogar ein Elektrogewehr wird beschrieben Anschliessend beschreibt der Autor noch treffsicherer ein Elektrogewehr: «Ausser dem Bildtelefon führte ich noch ein Gewehr mit mir – nicht zu vergleichen mit den heutigen, denn es wurde mit Elektrizität betätigt.» («It’s propulsive force was electricity.») Zu Erinnerung: Das wohl erste funktionstüchtige elektrische Gewehr der Welt wurde erst während des 2. Weltkriegs erfunden und vom deutschen Erfinder bei Kriegsende heimlich den Amerikanern verkauft, wie «mysteries» in Ausgabe Nr. 3/2008 enthüllte.
Später ist im Phylos-Manuskript gar von einer einen Meter langen und 45 Zentimeter hohen Apparatur in einer «Kassette aus Glas» mit allerlei technisch anmutenden Rädchen und Spulen die Rede, die einem an modernste Digitaldruckmaschinen oder Mikro-Kopiergeräte der Neuzeit erinnert. Eine Art «Profi-Scanner samt Stimmerkennung», mit dessen Hilfe sich via Computersteuerung in Minutenschnelle ganze Broschüren drucken, schneiden und heften liessen: «Sohma näherte sich dieser mechanischen Schönheit und sprach in ein Mundstück, während er mir erklärte, wie alles funktionierte. Er sagte, dass er nah an dem Mundstück bliebe, damit seine Worte aufgezeichnet, gedruckt und gebunden in Form einer kleinen Broschüre herauskommen können. (…) Nach sehr kurzer Zeit ertönte die Klingel, und es erschien ein gebundenes Büchlein mit der Rede von Sohma, das in eine äussere Schachtel der Glaskassette fiel.»
Neben «Fernsehbrillen» werden auch «Hörbücher» beschrieben: «Phyris wählte ein Buch von der Erde – Shakespeare – und stellt es auf eine Maschine, welche die Seiten automatisch umblätterte. Die Buchseiten wurden von starkem elektrischem Licht beleuchtet, dessen Strahlen sich auf einer Metallplatte reflektierten.
Unsichtbare Räder drehten sich im In-Ausgabe 2/09 Geschichte Prophezeiungen aus dem «Phylos»-Buch (1905): «Das Ende der Welt naht mit den Soldaten in Blau…»
«Ihr werdet eine Entdeckung machen, welche die wissenschaftliche Welt auch bald machen wird, nämlich dass das Licht – egal, welche Art von Licht, ob von der Sonne oder einer anderen Quelle – dazu verwendet werden kann, Geräusche zu erzeugen. An diese Entdeckung sind einige der erstaunlichsten Entdeckungen geknüpft, von denen Deine Zeit nur in Visionen geträumt hat.»
«Dennoch wirst Du immer nur das entdecken, was Deinem Geist und Deiner seelischen Entwicklung entspricht. Verflucht sei der Tag, an dem der Mensch blind versucht, in die Geheimnisse des Allmächtigen vorzudringen!»
«Keine grosse Reform noch irgendetwas wirklich Gutes kann das Ziel in einem Jahrhundert, Jahrzehnt oder Jahr erreichen, wenn es die Zahl 9 trägt.
Die Jahre, die der Morgenröte vorangehen, sind die dunkelsten von allen.»
«Muss das grossartige Amerika – zusammen mit dem Rest der Welt – das gleiche Unheil wie Atlantis erleiden? Leider! Die Katastrophe wird schlimmer sein, kommt aber durch das Feuer und nicht durch das Wasser.»
«Und wenn die Menschen ihre Menschlichkeit erreicht haben, wird die Erde nicht mehr ihr Planet sein.»
«Die Soldaten werden sich gegen diese Repräsentanten, die Reichen (…)
dieser Welt, auflehnen. Später werden sich die Krieger aufteilen, in gesetzlose Banden, mit dem versessenen Wunsch, ihre islamischen («ishmaelitish») Neigungen gegeneinander zu befriedigen (…) Dieser lieblose Kampf wird beendet durch die Natur. (…) Brutal und schnell (…) kommen gewaltige Seuchen, wie es keine zuvor in der Geschichte je gab, welche die Welt auf den Kopf stellen werden…»
«Wenn Ihr Jerusalem umzingelt von Armeen seht, wisst Ihr, dass die Zerstörung nahe ist. (…) Liebe Freunde, wisst Ihr, was der Name Jerusalem bedeutet?
Vision des Friedens! (…) Aber nun ist die ‹Vision des Friedens› endgültig umzingelt von den Armeen. Die letzte Lücke wird gefüllt werden von den Soldaten in Blau (…) mit ihren Mammon-Fesseln, die sie der ausländischen Bevölkerung in tropischen Regionen aufzwingen.»
«Der Zorn Gottes ist die Strenge der Liebe.»
«Meine Vorhersagen sind bereits in grosser Zahl eingetroffen. Sie werden sich alle verwirklichen.»
Geschichte Ausgabe 2/09 nern eines Kastens und eine Stimme erklang aus einem runden Lautsprecher (‹funnel-shaped mouthpiece›). Zu meiner Freude hörte ich den Text des Meisterwerks, Seite für Seite. Jede Person hatte ihre eigene, entsprechende Stimme…»
Frederick Spencer Oliver starb am 15. November 1899 in Los Angeles, im Alter von nur gerade 33 Jahren an Blutarmut, nach Einnahme schädlicher Medizin.Dies,nachdem er jahrelang verzweifelt nach einem Verleger gesucht hatte und sein Manuskript 1894 und 1899 copyrechtlich schützen liess, wie in der Erstausgabe juristisch korrekt dokumentiert ist. Abgeschlossen hatte er sein Buch bereits 1886, während seiner beruflichen Tätigkeit als «Telegraph Editor» der «Morning Press» in Santa Barbara.
Erstmals in gedruckter Form veröffentlicht wurde seine kuriose Erzählung schliesslich 1905 – posthum durch seine Mutter Mary Elizabeth Manley-Oliver.
Ihr ist es zu verdanken, dass uns die futuristisch anmutenden Erinnerungen ihres Sohnes überliefert blieben.
Literarisch mag «Phylos, der Tibeter» durchaus ein paar Schwachstellen aufweisen – schliesslich schreibt hier kein Profi, sondern ein ebenso junger wie begnadeter Erwachsener.
Kommt dazu, dass das Manuskript seinen Lesern ob der biblisch angehauchten Sprache und vieler philosophisch mehr als detaillierten Passagen keine leichte Kost bietet.
Vielleicht schillert es deswegen aber umso farbiger und berührt Suchende in einigen Passagen inhaltlich gar tiefer als manchem lieb sein mag.
Ob Fredericks autobiographisch anmutende Beschreibung von Atlantis echt oder fiktiv scheint, muss jeder selber entscheiden. Gewiss ist: Der junge Mann wusste vor 100 Jahren besser über die heutige Zeit Bescheid, als es ihm das Wissen seines Jahrhunderts erlaubt hätte.
Anmerkung: Alle Zitate in diesem Text gründen auf der deutschen Buchfassung («Phylos, der Tibeter», Hesper 2007, ISBN 978-3000217067). Die technologischen Passagen wurden von «mysteries» mit der englischen Originalausgabe von 1905 verglichen und der Glaubwürdigkeit halber so wortgetreu wie möglich übersetzt.
















































