Via Hochschule zum deutschen Profi-Spitzel

Wollen Sie Agent werden? Kein Problem – zumindest in Deutschland. Dort kann man sich sogar in einem Studium zum staatlichen Spitzel ausbilden lassen. Unter Federführung des Staates und seiner Geheimdienste. Nur reden tun die Schlapphüte über ihre elitären Kaderschmieden gar nicht gerne. Erst recht nicht mit ausländischen Medien, wie «mysteries» erfahren musste.

Es scheint ein typisches Wort-Ungetüm deutscher Amtssprache: «Fachhochschule des Bundes für Verwaltung» (FH Bund).

Doch was nach einer staubtrockenen Sache klingt, birgt hochspannende Aspekte. Denn die wenigsten wissen: Diese Hochschule mit Sitz im nordrhein-westfälischen Brühl ist das Zentrum der deutschen Spionageausbildung. Sowohl der Inlandgeheimdienst, sprich der Verfassungsschutz, als auch der Auslandgeheimdienst oder der Bundesnachrichtendienst (BND) züchten hier ihre künftigen Agenten heran. Im eigenen Fachbereich «Nachrichtendienste».

Was genau in diesen Vorlesungssälen gelehrt wird und mit welcher Zielsetzung – darüber schweigen sowohl die Schule als auch der Bundesnachrichtendienst allerdings lieber. So verweist die Verwaltung der Hochschule auf das dürre Infomaterial im Internet – beziehungsweise an den BND selbst. Am Telefon kommentiert eine FH-Bund-Vertreterin die mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit fast schon entschuldigend: «Es tut mir leid.

Wir sind auch auf die Informationen aus unseren Fachbereichen angewiesen. Und manche sind eben sehr verhalten damit…» Beim BND selbst stösst «mysteries» auf eine Mauer des Schweigens: Auf eine erste schriftliche Anfrage gibt es gar keine Reaktion. Tagelang bleibt die E-Mail unbeantwortet. Auf erneutes Nachhaken meldet sich eine Bärbel Hildebrandt: «Wir haben Ihre E-Mail weitergegeben an unseren Fachbereich, bitte haben Sie noch etwas Geduld.»

Der Feind sitzt in der Schweiz!

Danach erneut tagelanges Schweigen. Als «mysteries» die BND-Pressestelle nochmals anruft, ist «Bärbel Hildebrandt» ganz überraschend «nicht mehr im Haus» – nachmittags um knapp 15 Uhr! Diesmal verspricht eine «Frau Welten», sich um die Anfrage zu kümmern.

Es dauert erneut mehrere Tage, dann scheint der BND die Lösung gefunden, wie er den journalistischen Quälgeist aus der Schweiz los wird: «Zu Ihrer Anfrage muss ich Ihnen leider mitteilen, dass der Bundesnachrichtendienst zur konkreten Ausgestaltung des erwähnten Studienganges gegenüber ausländischen Medien keine Auskunft erteilen kann», erklärt eine BND-Sprecherin, die sich diesmal Janine Hoobs nennt.

Deutsche Schule der Spione. Die FH Bund in Brühl.

Auf die «mysteries»-Antwort, ein Grossteil der Leser seien Deutsche, reagiert – wiederum nach einigen Tagen – ein Neutrum namens «Solino»: «Über die auf unserer Internetseite verfügbaren und von Ihnen sicherlich schon recherchierten Informationen hinaus gibt der BND nur Bewerberinnen und Bewerbern Auskunft. Ich bitte um Ihr Verständnis. Mit freundlichen Grüssen. Im Auftrag: Solino» Ist dies die neue, moderne Offenheit, die BND-Präsident Ernst Uhrlau so gerne propagiert? Wohl kaum. Vielmehr scheinen sich seine Pullacher Schlapphüte noch immer im kalten Krieg zu wähnen: Und der Feind sitzt offenbar in der Schweiz!

Interessant auch: Sowohl Frau Welten als auch Janine Hoobs oder Bärbel Hildebrandt sind Tarnnamen. Zumindest sind besagte Damen bisher nirgendwo öffentlich in Erscheinung getreten – was für Mediensprecher eher ungewöhnlich ist. Peinliche Versteckspielchen gegenüber der Öffentlichkeit… Ausgabe 3/11 Politik «Professor 007». Auch die Dozenten der Nachwuchsspione sind Angehörige des Bundesnachrichtendienstes (Symbolbild).

Immerhin so viel gibt es über die «Agenten-Uni» zu erfah- Lauschern aus dem bayrischen Pullach:Techniker und Compuren: Die ersten sechs Monate der Ausbildung – das Grundstuterexperten. Beide Gruppen sollen vor allem eines, wie der BND dium – absolvieren die BND-Schüler ebenso wie ihre Kollegen in den Stellenbeschreibungen ganz unverhohlen zugibt: «Abvom Verfassungsschutz im nordrhein-westfälischen Brühl am hören, Mitlesen, Auswählen und Übersetzen von internationa- Hauptsitz der erwähnten FH Bund. Anschliessend wechseln len Kommunikationsverkehren»!

die künftigen Auslandsspione nach Haar – an die BND-eigene Akademie. Der Tarnname dieser Bildungseinrichtung der be- Geheimdienst sucht Putzfrauen via Internet sonderen Art: «Liegenschaftsverwaltung Pullach Institut für Doch der deutsche Auslandsgeheimdienst hat auch kuriosere Nachrichtentechnik».

Jobs zu vergeben: Gegenwärtig sucht er Küchenhilfen und Im Infomaterial für Interessenten umschreibt der BND si- Putzfrauen. Und bis vor kurzem «Hilfskräfte für den Bereich byllinisch, was auf die Kandidaten in Zukunft so zukommt: Kreislauf und Abfallwirtschaft». Letztere sollten die BND- «Auf die Absolventen des Studiums warten vielfältige und an- Fachkräfte «bei Sammlung, Aufbereitung und Entsorgung des spruchsvolle Tätigkeiten im Ausland.»

anfallenden Mülls unterstützen». Dazu zählten gemäss Inserat Allerdings müssen Möchtegern-Spione nicht unbedingt auch so vielsagende Dinge wie die Entsorgung von «Sonderstudieren, um zum BND zu gelangen. Auf der Internetseite des müll/Gefahrstoffen» sowie «Aufbereitung und Abtransport von Geheimdienstes sind stets zahlreiche Jobangebote zu finden.

alten Aktenbeständen».

Diese vermitteln einen spannenden Einblick in das Innenleben Aber auch hochstudierte Akademiker sind bei den Ausder diskreten Organisation. Derzeit braucht der BND besonlandsschnüfflern durchaus begehrt. Gerade wirbt der BND beiders Dolmetscher «mit ausgeprägtem Hörverständnis» für spielsweise um einen Facharzt für Arbeitsmedizin. Und die Russisch sowie nord- und ostafrikanische und auch fernöstli- BND-Akademie in Haar sucht einen Professor für den Bereich che und zentralasiatische Sprachen. Zudem begehrt bei den «Internationale Politik».

Politik Ausgabe 3/11 25

Kaderschmiede für Top-Spione – Abbildung 2
Kaderschmiede für Top-Spione – Abbildung 3