Schweizer Professor geisselt behördliche Gesundbeter

Staatliche Gesundheitsapostel sind ihm ein Dorn im Auge. Gutgläubige Nachbeter ebenso. Mit seiner provozierenden, bissigen Gesellschaftskritik löst der Immunologie-Professor Beda Stadler (63) seit Jahren Kontroversen aus. «mysteries» plauderte mit dem humorvollen Atheisten und Freidenker in seinem raucherfreundlichen Büro im Berner Unispital über den weltweiten Verbots- und Gesundheitswahn, aber auch über Drogen, Hormone, Menschenaffen und Gott. von Luc Bürgin

Alle paar Monate beschwören behördliche Gesundheitsapostel den Weltuntergang, warnen vor todbringenden Mörder-Mikroben oder Genussmitteln, die unser Leben verkürzen.

Warum diese staatliche Bevormundung? Weil gesündere Bürger länger Steuern zahlen? Warum oder für wen müssen wir immer länger am Leben bleiben?

Beda Stadler: Früher zelebrierte unsere Gesellschaft den Fit nesswahn, heute den Gesundheitswahn. Vor nicht allzu langer Zeit hat man uns noch weisgemacht, wir müssten alle Olivenöl konsumieren, das sei die gesündeste Ernährung. Nichts gegen Olivenöl. Aber die gleiche Art Öl Àndet sich auch in Baumnüssen.

Wer täglich rund sechs Baumnüsse isst, lebt ebenso gesund.

Anderes Beispiel: Ganz Amerika hat man mal gefoltert, indem man die Salzstreuer von den Tischen verdrängt hat, weil zu viel Salz schädlich sei. Völliger Unsinn! Da werden regelmässig neue Studien präsentiert, die später ebenso regelmässig widerlegt werden. Ein Blödsinn jagt den nächsten.

Parallel dazu haben wir den Kapitalismus zerstört, in dem wir Geld selber zu einer Ware gemacht haben. Wenn viermal mehr Mais gehandelt wird als Mais wächst, ist das ganz einfach kri minell. Aber das kann man nur machen, weil Geld zur Ware ge worden ist. Das heisst, wir müssen zurück zu einem gesunden Kapitalismus wie er einst in den 50er bis 70erJahren herrschte.

Das Geld muss wieder einen Gegenwert haben. Dazu braucht es auch Eigenverantwortung – nicht zuletzt in Bezug auf unsere Gesundheit. Vater Staat muss wieder zurück zu seinen Wurzeln und realisieren, dass er nicht dazu da ist, uns wie eine Glucke zu bemuttern.

Atheist, Freidenker und Genussmensch: Professor Beda Stadler von der Universität Bern. (Foto: Keystone) Ausgabe 5/2013

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