Obskurer Museumsspuk: Statue Auf Wanderschaft

Beweisbilder aus der Museums vitrine: Links die geheimnisumwitterte Figur.

Verblüffte Gesichter im Manchester Museum: Monatelang machte sich dort eine kleine altägyptische Statue selbstständig. Die rund 4000 Jahre alte Opfergabe für den Totengott Osiris rotierte wie von Geisterhand um die eigene Achse – das beweisen Videoaufnahmen des renommierten Ausstellungshauses.

Tag für Tag drehte sich die 25 Zentimeter hohe Figur eines gewissen Neb-Senu aus dem alten Ägypten wie von Geisterhand «in perfekten Kreisbewegungen» langsam um die eigene Achse, wie Campbell Price, Kurator des Museums in Manchester, bestätigt. Das Phänomen habe man erst vor wenigen Monaten bemerkt, als die einstige Grabbeigabe morgens immer mal wieder mit dem Rücken zu den Besuchern in ihrer Vitrine stand.

Seit der Auswertung von Zeitraffer-Filmaufnahmen im April 2013 rätseln Wissenschaftler und Techniker gleichermassen über das seltsame Phänomen.

Denn Neb-Senu bewegte sich nur tagsüber, nicht aber nachts. Erschütterungen und Vibrationen von aussen – etwa durch vorbeigehende Besucher oder Strassenverkehr – könnten die Ursache sein, mutmassen einige. Allerdings stand die Statuette schon seit Jahren in den Glasvitrinen des Museums. Fast immer an der gleichen Stelle. Zu bewegen begann sie sich erst vor Kurzem – noch dazu als einziges von insgesamt vier Objekten im Schaukasten.

Physiker vermuten eine weitere mögliche Ursache im Material der kleinen Figur: Sie wurde aus Serpentingestein gefertigt und könnte deshalb auf magnetische Kräfte reagieren. Doch warum erst jetzt? Selbst Kurator Price will eine «spirituelle Erklärung» nicht von vornherein ausschliessen. Immerhin waren die alten Ägypter fest davon überzeugt, dass derartige, als Grabbeigabe verwendete Objekte den Geist des Verstorbenen aufnehmen können, so der Museumswissenschaftler.

«Vielleicht verursachte dies die Bewegungen?» Oder drehte sich Neb-Senu wegen der blutigen ägyptischen Unruhen und Grabplünderungen immer unruhiger im Kreis? Lastet auf der Figur am Ende gar ein Fluch?

Wegen Renovierungsarbeiten im Museum musste die Statuette kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe an einen anderen Ort verlegt werden. «Ursprünglich wollten wir sie im Lager unterbringen», so Kurator Campbell Price. «Weil sie aber derart berühmt geworden ist, erhält sie nun vorübergehend einen prominenten Platz in unserem Foyer.»

red. ■

Ausgabe 5/2013 63

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