Nsa Und Bnd: Der Verheimlichte Lauschposten Beim Europa-Park
Welch scheinheiliger Aufschrei: Lauter denn je empören sich unsere Politiker über illegale Spitzelaktivitäten von Grossbritannien und den USA. Ein geheimer Lauschposten, den deutsche und amerikanische Spione vermutlich gemeinsam betreiben, wird in der aktuellen Berichterstattung gerne vergessen: Eine Anlage direkt neben dem Europa-Park in Rust.
Rheinhausen im südlichen BadenWürttemberg, direkt beim EuropaPark in Rust. Hinter einem hohen Stahlzaun im Ortsteil Niederhausen erkennt man schon von Weitem grosse, weisse «Riesenlauscher»: Parabolantennen, die einen Antennenwald bilden. Bewaffnete Männer mit Schäferhunden patroullieren um die Bauten. OfÀziell bewachen sie im beschaulichen südbadi schen Örtchen das «Ionosphäreninstitut». Nähert man sich dem vermeintlichen Wissenschaftsbetrieb über einen Feldweg, wird schnell klar, dass hier kaum ein Ableger der Uni Freiburg sitzt.
«Achtung! – Militärischer Schutzbereich», warnen grosse gelbe Tafeln: «Es ist streng verboten, die militärische Anlage ganz oder teilweise (…) zu photograÀeren oder Zeichnungen, Skizzen oder andere bildliche Darstellungen davon zu fertigen.»
Grund für die Paranoia: Das «Ionosphäreninstitut» ist eine Lauschstation des Bundesnachrichtendienstes (BND). Entspre chend dürftig ist auch die Informationslage zu dieser Anlage.
OfÀzielle Stellen sprechen nicht gerne darüber. Selbst Erkundi gungen aus dem Bundestag bleiben weitgehend unbeantwortet.
So teilte die Bundesregierung bereits 1990 auf eine Anfrage der GrünenAbgeordneten Maria Luise Teubner wortkarg mit: «Das Ionosphäreninstitut in Rheinhausen/Südbaden ist eine Einrich tung des Bundes und dient Zwecken der Landesverteidigung.
Das Ionosphäreninstitut von Rheinhausen: Bilder wie diese sind behördlich verboten.
«mysteries» zeigt sie dennoch.
Auskünfte über Einzelheiten der Organisation und der Tätigkeit dieser Stelle können nur der Parlamentarischen Kontrollkom mission (…) und dem Vertrauensgremium (…) gegeben werden.»
Auch der BND druckst herum, wenn neugierige Journalisten wegen dem seltsamen Institut im Breisgau anrufen – falls er überhaupt reagiert. Standardantwort: Es handle sich um «ein hochschulfreies Forschungsinstitut mit ressortübergreifender Aufgabenstellung».
In Fachforen im Internet heisst es, dass die Anlage, welche auch von einigen Bah nen des benachbarten EuropaParks aus zu sehen ist, zur Satellitenaufklärung die ne. Der BND führe sie unter dem Code wort «Tamburin». Umso brisanter, dass gemäss dem Autor und Geheimdienst experten Erich SchmidtEenboom an der 90 Millionen teuren Lauschstation auch die NSA beteiligt ist. Jene amerikanische Behörde also, die gegenwärtig mit ih ren immer dreisteren Schnüffeleien für Schlagzeilen sorgt. Von deren Riesen überwachung will der BND nach eigenen Die geheime Anlage aus der Vogelperspektive. (Foto: Google Earth) Ausgabe 5/2013 mit, die Aufgaben des Instituts lägen «im Bereich Entwicklungs und Forschungsaufgaben auf dem Gebiet der Nachrichtentech nik». Aber: «Da hier auch sicherheitsrelevante Aufgaben mit Be rührungspunkten zum Bundesnachrichtendienst enthalten sind, können wir leider keine Detailangaben hierzu machen.»
Drohungen gegen misstrauische Journalisten In seinem Kommentar berichtet der BZAutor Ungeheuerliches: So habe vor wenigen Jahren der damalige Institutsleiter einem Redaktionskollegen noch unverhohlen gedroht, als dieser zum Ionosphäreninstitut recherchierte: «Ich bitte Sie, auch in ihrem eigenen Interesse, sich zurückzuhalten!»
Wie gross die Geheimniskrämerei um die Lauschstation nach wie vor ist, zeigen auch die Stellungnahmen von Lokalpolitikern zu der Einrichtung: «Ich darf ihnen alles sagen, was ich weiss.
Aber ich weiss nichts», erklärt Rheinhausens Bürgermeister Jürgen Louis gegenüber Lokaljournalisten. Und Joachim Müller Bremberger vom Freiburger Regierungspräsidium räumt ein: «Das ist Terra incognita.» Immerhin eines bestätigt die örtliche Verwaltung: Das Institut zahle keine Gewerbesteuer, in einem Umkreis von 1800 Metern um die Anlage herum seien Sendean lagen von CBFunkern und Funkamateuren genehmigungspÁich tig und im Umkreis von 600 Metern dürften keine elektrischen Weidezäune betrieben werden.
Und der benachbarte EuropaPark? Der recycelt den mit Steu ergeldern Ànanzierten Schrott seiner Nachbarn und reibt sich dabei freudig die Hände. So ziert seit 1998 eine 300 Tonnen schwere Parabolantenne die Vergnügungsanlage in Rust als Deko – weil sie laut den SchnüfÁern von nebenan «nicht mehr dem heutigen Standard entsprach». Über den Verkaufspreis wurde laut Unternehmenssprecher Dominik Seitz Stillschweigen vereinbart. Einmal mehr.
Jan Fischer ■








