Infos: 8mm-Tonfilmaufnahmen aus der Testatika-Werkstatt von Dieter Dienst: www.youtube.com/watch?v=RMham15QrBc Altes Testatika-Video: www.youtube.com/watch?v=vOWPJEq42l4 radon:S.54-55_mysteries0610 13.10.2010 12:59 Uhr Seite 2 Radioaktive Strahlung in unseren Wohnräumen Risikofaktor Radon: Die unsichtbare Gefahr Die Welt hat ein neues Gift entdeckt: Radon. Das radioaktive Edelgas lauert im Boden und kann Lungenkrebs verursachen. Die Weltgesundheitsorganisation hat der gefährlichen Radon-Strahlung deshalb den Kampf angesagt. Etliche Länder ziehen mit. In Deutschland und Österreich hingegen gibt es bislang noch keinen Grenzwert für die Radonbelastung in Wohnräumen.

Es kommt in der Natur vor, ist radioaktiv und krebserregend.

Nach neusten Studien gilt das Edelgas Radon als zweithäufigster Verursacher von Lungenkrebs. 2005 lancierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) deshalb ihr «International Radon Project», um die Risiken, die von Radon ausgehen, genauer zu erforschen. Der Zusammenhang zwischen dem natürlich vorkommenden radioaktiven Gas und der Entstehung von Krebs wurde bereits im letzten Jahrhundert beim Bergbau im Erzgebirge erkannt. Untersuchungen zeigten damals, dass das Gas und seine Zerfallsprodukte oft Ursache für die bei den Bergbauarbeitern häufig auftretenden Lungenkarzinome waren. 1980 wurde Radon von der WHO deshalb als krebserregend eingestuft.

Das Gas und seine Nebenprodukte gelangen durch die Atemwege in die Lunge. Die beim anschliessenden Zerfall frei werdende Strahlung schädigt die Bronchialzellen.

In der Aussenluft wird Radon schnell verdünnt. Die Konzentration des Gases im Freien ist deshalb zu gering, um schädlich zu sein. Untertage und in geschlossenen Räumen kann Radon jedoch zu einem Risikofaktor werden.

Verschiedene Studien in Europa, Nordamerika und China widmeten sich in den letzten Jahren dem Lungenkrebsrisiko durch Radon in Wohnungen. Ihr Fazit: Auch in unseren eigenen vier Wänden potenziert Radon das Krebsrisiko.

Die Gefahr nimmt mit steigender Radonbelastung linear zu. Die WHO fordert in einem «Radon-Handbuch» deshalb alle Staaten auf, die unsichtbare Gefahr ernst zu nehmen. Tenor: Die Radonbelastung in Gebäuden müsse gesenkt und die Problematik der Bevölkerung bekannt ge- Trügerische Ruhe. Radon kann in jedem Raum vorkommen, speziell im Erdgeschoss.

macht werden.

Besorgte Bundespolitiker Die WHO-Offensive ist Wasser auf die Mühle des ehemaligen deutschen Bundesumweltministers Sigmar Gabriel – der schon länger vor Radon warnt: «Die WHO bestätigt meine Forderung, wonach verbindliche Massstäbe und Anforderungen zum Schutz gegen Radon auch in Deutschland längst überfällig Ausgabe 6/10 Gesundheit Aktuelle Radonkarte der deutschen Bundesregierung: Je mehr Granit im Boden, desto höher die Strahlung Radonkonzentration in der Bodenluft in kBq/m3 höher als 100 40 bis 100 20 bis 40 bis 20 Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit stellt im Internet farbige Radonkarten für Deutschland zur Verfügung. Auf den ersten Blick ersichtlich: Auffallend häufig kommt Radon in Regionen der Mittelgebirge vor. Vor allem dort, wo Granitgestein im Untergrund vorhanden ist.

Infos: http://www.bfs.de/de/ion/radon/radon_boden/radonkarte.html radon:S.54-55_mysteries0610 13.10.2010 12:59 Uhr Seite 3 sind.» Blosse Empfehlungen hält Gabriel für nicht wirksam genug. «Ein flächendeckender und angemessener Radonschutz ist auf der Grundlage der Freiwilligkeit und ohne verbindliche technische Vorgaben nicht zu erreichen.»

Die Bundesregierung habe in der Vergangenheit bereits Versuche unternommen, entsprechende Regelungen zu verabschieden. Dies sei aber am Widerstand der Länder gescheitert, so der SPD-Mann. An Arbeitsplätzen wird die Radonbelastung zwar überprüft und wenn nötig eingeschränkt. Für den privaten Wohnbereich sind bislang jedoch keine Grenzwerte definiert.

Auch in Österreich nicht.

Ganz anders die Schweiz. Die Eidgenossenschaft kennt bereits einen Grenzwert für Wohnräume – und will diesen künftig sogar noch drastisch senken. Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) bereits im Jahr 2014. Das dürfte nicht alle freuen. Wird die Toleranzgrenze nämlich auf den vorgeschlagenen Wert gesenkt, «würde die ganze Schweiz zum Risikogebiet», weiss Martha Gruson vom BAG. 50’000 bis 100’000 Gebäude wären vermutlich betroffen – und müssten für viel Geld saniert werden!

Hausbesitzer im Zugzwang Zusätzliche Radonschutzmassnahmen kosten bei Neubauten etwa zwanzig Euro pro Quadratmeter. «Bei Altbauten lassen sich mit 3000 Euro in sehr vielen Fällen bereits hervorragende Sanierungsergebnisse erzielen», so das deutsche Bundesumweltministerium.

Geld, das wohl nicht jeder mal eben aufbringen kann.

Zu den einfachsten Mitteln gegen Radon-Strahlung gehören das Abdichten von Rissen, Fugen und Rohrdurchführungen in Bodennähe sowie das Isolieren der Kellertüren. Da Radon sich im Erdboden bildet, nimmt die Gaskonzentration zu den oberen Stockwerken hin ab. Je höher man also wohnt, desto geringer die Gefahr. Auch regelmässiges Lüften senkt die Radonbelastung.

Wer durch das Gift bedroht wird, hängt letztlich vom Untergrund ab, auf dem sein Haus steht. Nicht alle Regionen sind gleichermassen betroffen. Entsprechende Karten mit Messdaten finden sich im Internet – für Deutschland speziell auf der Homepage des Bundesamtes für Strahlenschutz. Besonders häufig komme Radon etwa im Bereich der Mittelgebirge vor, erläutert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. «Typischerweise in Bereichen, in denen Granit im Untergrund vorhanden ist.»

Um die Radonkonzentration in Innenräumen festzustellen, werden im Fachhandel vielerorts bereits professionelle Messgeräte angeboten. Jedermann kann im Zweifelsfall also selber nachprüfen, welcher gesundheitlichen Gefahr er sich nächtens im Schlafzimmer aussetzt. Faustregel: Bereits ab einer Konzentration von 100 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) ist die Gefährdung, durch Radon an Lungenkrebs zu erkranken, statistisch signifikant. Von da an steigt das Gesundheitsrisiko pro 100 Bq/m3 linear um zehn Prozent.

Zum Vergleich: Der Schweizer Grenzwert liegt bei Altbauten derzeit bei 1000 Bq/m3. Übersteigen die Messungen diesen Wert, muss der Hausbesitzer Sanierungsmassnahmen einleiten. Bei Neubauten wurde bislang ein Wert unter 400 Bq/m3 angesetzt. Neu soll er allgemein bei 300 Bq/m3 liegen. Die WHO rät sogar, unter 100 Bq/m3 zu gehen.

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Ausgabe 6/10 – Abbildung 4