(1940 bis 2019)

Freigeister kommen, Freigeister gehen: Betroffen erfuhr »mysteries« vom Tod des scharfzüngigen Raumfahrt-Experten Peter Creola (1940–2019) – des ersten Schweizer Weltraum-Delegierten, der sich in späten Jahren ohne Rücksicht auf Fachkritik zur wissenschaftlichen UFO-Forschung bekannt hatte.

Peter Creola war ein wacher Geist. Geboren als Sohn der Köchin und »Betty Bossi«-Erfinderin Emmi Creola-Maag hatte der spätere Chef-Delegierte der Schweiz bei der European Space Agency (ESA) und Chef des Eidgenössischen Büros für Weltraumangelegenheiten gegen über Luc Bürgin erstmals öffentlich dargelegt, wie er über das UFO-Phänomen dachte. Frei nach dem Motto:»Ich bin nun im Ruhestand, habe beruflich nichts mehr zu verlieren. Jetzt kann ich endlich Klartext sprechen – egal wie meine Fachkollegen über mich urteilen.« (»mysteries«, Nr. 6/2008) Als Raumfahrtexperte war Creola bei etlichen wichtigen Entwicklungen und Projekten der ESA zentral beteiligt – so auch beim Ariane-Projekt, wo er 1979 als Chairman des »Ariane Launcher Programme Board« für den ersten erfolgreichen Start der europäischen Trägerrakete verantwortlich zeichnete. In seiner Wohnung in Bern legte er im Interview mit »mysteries« Ende 2008 die Karten auf den Tisch:»Die Frage nach Leben im All hat mich schon in jungen Jahren brennend interessiert. 1968 zählte ich zu den allerersten Käufern von Erich von Dänikens ›Erinnerungen an die Zukunft‹. Was viele nicht wissen: In den 1960er-Jahren war ich für eine Weile sogar Schweizer Vertreter der ›Aerial Phenomena Research Organisation – APRO‹ – also lokaler Ansprechpartner der damals wohl seriösesten privaten UFO-Forschungsgruppe der USA. Insofern habe ich mir im Lauf der Jahre auch eine reichhaltige UFO-Bibliothek angelegt, um mir ein eigenes Bild der entsprechenden Berichte zu machen. Um keine Missverständnisse zu schüren: Weit über 90 Prozent aller UFO-Sichtungen kann man meiner Meinung nach getrost als Verwechslungen mit konventionellen Himmelserscheinungen in den Müll befördern. Mich interessiert der ›harte Kern‹ der ungeklärten Sichtungen, der übrig bleibt.

Darüber habe ich mir jahrelang den Kopf zermartert. Erfreulich bleibt, dass ich in all den Jahren in meinem beruflichen Umfeld den einen oder anderen Professor getroffen habe, der UFO-Augenzeugen nicht a priori als Spinner verdammte. Darunter nicht zuletzt mein geschätzter Freund und Weltraumforscher Professor Hans Balsiger, bis 2003 Leiter des Physikalischen Instituts der Universität Bern.« Was sich Creola für die Zukunft wünschte? »Dass die Menschheit die nächsten 200 Jahre überlebt. Denn wenn es mit Bevölkerungsexplosion, Öko-Zerstörung und kleinkariertem Geschwätz so weitergeht wie heute, ist danach endgültig Schluss! Deshalb auch mein Rat an die junge Generation: Werdet möglichst rasch alt und bleibt dabei möglichst jung. Vielleicht schaffen wir es dann ja doch noch, das drohende Unheil in letzter Minute abzuwenden.« Ausgabe 4/2019 45