AltröMischer Wunderbeton Soll Radioaktiven MüLl Abschirmen
Bis heute verblüffen uns unsere Vorfahren mit ihrem Hightech-Wissen. Jetzt hoffen US-Forscher darauf, mit einer ErÀndung der alten Römer das Problem der Gift- und Strahlenmülllagerung entschärfen zu können – dank einer geheimnisvollen Baustoffrezeptur: dem «Opus Caementitium».
Der wuchtige Betonklotz liegt vor Neapel auf dem Grund des Mittelmeeres. Weder Gezeiten und Salzwasser noch Sand oder Kleinstorganismen können dem massiven Bau etwas anhaben.
Seine OberÁäche wirkt wie glatt poliert. Wie neu. Das Unterwasserbollwerk ist ein Meisterstück grosser Baumeister – und hat sagenhafte 2000 Jahre auf dem Buckel.
Den jahrtausendealten Wellenbrecher bei Neapel haben die Römer geschaffen. Mit eigenem Beton. In diesem Fall mit einer speziellen Mixtur für den Unterwassereinsatz. Die Rezeptur dieses unglaublich robusten Baustoffes war im Detail bisher unbekannt. Seit Jahrzehnten rätseln Archäologen und Bauwissenschaftler, warum dieses Material derart robust ist. Nun gelang es Forschern der University of California in Berkeley, einen grossen Teil des Geheimnisses zu lüften. Veröffentlicht wurden ihre Analysen im renommierten wissenschaftlichen «Journal of the American Ceramic Society» (August 2013).
Überraschendes Ergebnis: Das internationale Team um den Bautechnikprofessor Paulo Monteiro und die Ingenieurin Marie Jackson konnte nachweisen, dass der römische Superbeton tatsächlich langlebiger ist als heutige Baustoffe. Es sei vermutlich sogar das «beständigste Material der Welt», schwärmen die Forscher. Denn während der römische Betonklotz seit Jahrtausenden so gut wie unverwittert auf dem Meeresboden liegt, spricht man heutigem Beton in Salzwasser lediglich eine Lebensdauer von rund 50 Jahren zu. «Danach beginnt er zu erodieren», so Jackson.
Mit entsprechend grossem Interesse verfolgt die weltweite Betonindustrie die Forschungen der Amerikaner. Taucher hatten dem antiken Bauwerk vor Italien vor knapp sieben Jahren einen Bohrkern entnommen. Mehrere Wissenschaftler – auch aus Deutschland – untersuchten das Stück darauf mit hochmoderner Technik und staunten: Der römische Beton ist nicht nur robuster als sein moderner Nachfolger, sondern auch noch umweltfreundlicher.
zwar sei es «nicht so, dass moderner Beton nicht gut wäre», Marie Jackson.
Die US-Forscherin schwärmt von der Widerstandskraft des alten Betons.
Ausgabe 6/2013 Wir bieten ein 7-stufiges Ausbildungsprogramm für Craniosacraltherapie mit Hugh Milne (bekannt aus dem Film «Guru»).
Ausbildungsbeginn: 2014 Milne Institute, VCSW GmbH Tel./Fax 044 793 44 55 VisionaryCSW@hotmail.com www.milneinstitute.com Ausbildung Visionäre Craniosacrale Arbeit Hugh Milne erklärt Paulo Monteiro. «Er ist immerhin so gut, dass wir davon 19 Milliarden Tonnen pro Jahr verbauen.» Ein grosses Problem sei allerdings, dass seine Herstellung «für sieben Prozent des jährlichen industriellen Kohlendioxidausstosses verantwortlich» sei. Die Römer dagegen verwendeten eine Rezeptur, für die deutlich weniger Energie benötigt und gleichzeitig viel weniger Kohlendioxid freigesetzt wird. Ihr «Opus Caementitium» besteht in erster Linie aus Kalk, Sand, Kieselsteinen und – im Gegensatz zu modernem Beton – Vulkanerde (Puzzolan).
Letztere dürfte denn auch für die unglaubliche Robustheit des alten römischen Baustoffes verantwortlich sein. Denn die Forscher entdeckten bei ihren Laboranalysen, dass Opus Caementitium noch eine weitere Substanz enthält, die modernem Beton fehlt: Aluminium-Tobermorit. Diese Kristalle, die unter anderem in alter Vulkanasche vorkommen, seien deutlich druckfester und wirkten quasi als Superklebstoff.
Hightech-Produkt einer antiken Weltmacht Bereits der mittlerweile verstorbene deutsche Betonexperte Professor Heinz-Otto Lamprecht hatte in seinen Studien immer wieder betont, wie weit die alten Römer mit ihrem Wissen über Baustoffe schon waren: Nicht nur bei der Robustheit sei das wundersame Opus Caementitium gegenwärtigen Baumaterialien mindestens ebenbürtig, so der Bautechniker nach mehreren Versuchsreihen. Auch in Sachen Druckfestigkeit erreiche es «die Grössenordnung eines Betons unserer Tage».
Welche Hochtechnologie die antike Weltmacht mit ihrem Baustoff vor Jahrtausenden erreicht hatte, verdeutlicht Professor Lamprecht in seinem Standardwerk «Opus Caementitium: Bautechnik der Römer» von 1996 an einem eindrücklichen Beispiel. Eine Fläche dieses Materials in Postkartengrösse wäre in der Lage gewesen, «das Gewicht einer Lokomotive von 50 bis 60 Tonnen aufzunehmen», rechnete der weltweit anerkannte Fachmann darin begeistert vor.
«Mit dem römischen Beton erreichte die Baugeschichte einen Höhepunkt.»
Allerdings ist der römische «Wunderbeton» seinen heutigen Verwandten nicht in allen Belangen überlegen: Moderner Beton härte schneller aus, sei leichter, exakter und Àligraner zu bearbeiten und liefere «gleichmässigere Ergebnisse», betonen Bauexperten. Deshalb mache eine komplette Umstellung auf römischen Beton vorläuÀg keinen Sinn. Umso mehr, als die chemische und physikalische Entschlüsselung von Opus Cae-Opus Caementitium ist vermutlich das beständigste Material der Welt.
Bärenstarke Leistung. Meisterwerke wie das Kuppeldach des Pantheons gelangen den Römern nur dank ihres Superbetons.
mentitium noch gar nicht abgeschlossen ist. Dennoch sind die Wissenschaftler überzeugt, dass die weltweite Beton- und zementindustrie anhand der römischen Rezeptur künftig nicht nur CO2 einsparen, sondern den modernen Beton zumindest in einigen Bereichen deutlich verbessern könnte.
Die US-Forscher um Marie Jackson sehen denn auch bereits konkrete Verwendungsmöglichkeiten für den römischen Unterwasserbeton, wie sie ihn derzeit anhand der Wellenbrecherprobe untersuchen. Vermutlich sei das Material sogar dazu geeignet, radioaktive Stoffe abzuschirmen, betont die Wissenschaftlerin. So könnte Opus Caementitium als Hochleistungsbeton künftig beispielsweise bei der Behandlung und der jahrhundertelangen Lagerung von Atom- und Giftmüll verwendet werden. Von wegen «Die spinnen, die Römer…»










