Gespenstische Gestalten Gestalten
Deutscher Spukforscher öffnet sein Archiv
Gespenster, Poltergeister und andere Schattenwesen treiben auch in unseren Gefilden ihr Unwesen, wie der Physiker und Geisterjäger Walter von Lucadou mehrfach am eigenen Leib erfahren musste. Nun lässt der Parapsychologe die breite Öffentlichkeit an seinen unheimlichen Erlebnissen teilhaben.
tändig fliegen Steine durch die Wohnung. Wie von Geisterhand Sgeworfen krachen sie mit unheimlicher Wucht gegen Wände, zertrümmern Möbel oder Glas. Die Berichte, die ihn damals aus einer baden-württembergischen Grossstadt erreichten, liessen selbst Walter von Lucadou staunen.
Und das will etwas heissen, denn der promovierte Physiker und Psychologe ist Deutschlands bekanntester Spukforscher und Leiter der staatlich geförderten Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg.
Soeben hat der Wissenschaftler ein neues Buch veröffentlicht, in dem er unter anderem von den unheimlichen Vorkommnissen bei jener italienischen Familie in Süddeutschland berichtet: «Es hiess, es würden Steine durch die Wohnung fliegen – Pflastersteine, aber auch kleinere Steine, welche die Wohnung in einen Trümmerhaufen verwandelten.»
Die Polizei war schon eingeschaltet, doch die Ermittler rätselten ebenfalls, woher die Geschosse stammen könnten.
Schliesslich wurde Walter von Lucadou um Hilfe gebeten. Und der Wissenschaftler tat in diesem Fall etwas, was er nur in absoluten Ausnahmefällen macht: Er reiste zu den Betroffenen und übernachtete sogar bei ihnen.
Was der Parapsychologe bei der Familie erlebte, wird er nicht so schnell vergessen: «Vor allem der Vater war von grosser Unruhe ergriffen, so sehr setzten ihm die Steine in der Wohnung zu.
Verständlich. Teile des Mobiliars waren demoliert, es gab Dellen in der Wand, weil manche Steine offenbar mit grosser Wucht geworfen worden waren. Eines Nachts hatte es zudem kleine Kieselsteine von der Decke geregnet.»
Im Verdacht, hinter der Randale zu stecken, stand die 14-jährige Tochter. Das Mädchen führte «eine Art Aschenputteldasein», so Lucadou. Geistig zurückgeblieben musste sie im Gegensatz zu ihren Geschwistern viel im Haushalt helfen und im kleinsten Zimmer der Wohnung leben. Nachts sperrte der Vater seine Familie ein und wachte mit einer Axt bewaffnet vor der Türe, berichtet Lucadou.
«Er wollte selbst sehen, ob seine Tochter – wie auch immer – Steine ins Haus brachte, oder ob es einen Geist gab.»
Ausgabe 5/2012 Doch der Mann sah nichts. Dennoch lagen am darauf folgenden Tag wieder Steine in der Wohnung herum. Und dann geschah etwas, das Geisterjägern nur ganz selten passiert: Lucadou wurde Augenzeuge des Spuks! «Der Vater kochte gerade in der Küche Spaghetti. Ich stand neben ihm, und wir redeten miteinander, als plötzlich wirklich aus dem Nichts ein Stein in seinen Topf fiel.» Die beiden waren allein in der Küche, die Tür geschlossen.
«Das war tatsächlich ein Spuk», konstatiert Lucadou rückblickend. Ausgelöst von einer «Fokusperson» – in diesem Fall der unglücklichen Tochter. Manche Menschen, so die Theorie des Parapsychologen, können, wenn sie grossen Stress haben oder in sonstigen psychischen Ausnahmesituationen sind, Spukphänomene auslösen. Die Psyche nehme konkreten Einfluss auf das Physische. Tatsächlich endete der Spuk bei den Italienern prompt, als die Tochter für eine Zeit lang zu Verwandten zog.
Der Wissenschaftler schildert in seinem neuen Buch diverse weitere Beispiele von «Poltergeistern» in Deutschland: Da fliegen Messer und Hunde wie aus dem Nichts mit Wucht durch die Luft, und in einer Dorfkneipe beginnt ein Tablett voller Gläser vor mehreren Zeugen zu schweben. Bizarr auch der Fall eines Bürgermeisters, in dessen Haus Schrauben herumschossen und Nägel von der Decke regneten. Ebenso Revue passieren lässt Walter von Lucadou den berüchtigten Spukfall von Rosenheim, wo 1967 eine bayerische Anwaltskanzlei von unerklärlichen Geschehnissen heimgesucht wurde.
Auch dort fanden Parapsychologen eine Fokusperson: Die junge Angestellte Annemarie Schaberl. Ging sie durch den Raum, platzten Neonröhren, fielen Elektrogeräte aus und spielten Telefone verrückt. Dutzende Personen wurden über Monate Zeugen dieser Zustände, darunter Kripo-Beamte, aber auch Experten der Stromwerke. Mit Filmkameras konnte zudem dokumentiert werden, wie sich ein Wandbild plötzlich um 320 Grad drehte.
Der Poltergeist verschwand erst, als Annemarie Schaberl eine neue Stelle antrat. Energisch bestreitet sie bis heute, irgendetwas mit den Vorfällen zu tun zu haben. «Ich bin ganz normal, habe keine besonderen Kräfte. Das muss etwas anderes gewesen sein», beteuerte die mittlerweile ältere Dame erst jüngst in einem TV-Interview.
Viele Spukphänomene sind bis heute nicht restlos erklärbar.
Doch Lucadou verweist auf den komplexen Bereich der Quantenphysik. Dort kennt man den Fachbegriff der «Verschränkung». Er umschreibt das nachgewiesene «Paradoxon, dass es in der Natur Effekte ohne Ursachen zu geben scheint». Schon Plötzlich fiel wie aus dem Nichts ein Stein in den Spaghetti-Topf.
Ausgabe 5/2012 Annemarie Schaberl Ende der 60er-Jahre und heute: Dass sie etwas mit dem Spuk in Rosenheim zu tun gehabt haben könnte, will sie immer noch nicht glauben.
Einstein zermarterte sich darüber das Gehirn. Und auch Luca-Einstein zermarterte sich darüber das Gehirn. Und auch Lucadou forscht in diesem Bereich.
In ausgeklügelten Experimenten konnte er etwa nachweisen, In ausgeklügelten Experimenten konnte er etwa nachweisen, dass Menschen mit besonderen Begabungen und entsprechendass Menschen mit besonderen Begabungen und entsprechender Motivation tatsächlich in der Lage sind, mental auf Ereignisder Motivation tatsächlich in der Lage sind, mental auf Ereignisse in ihrem Umfeld einzuwirken. So gelang es einigen Probanse in ihrem Umfeld einzuwirken. So gelang es einigen Probanden, scheinbar durch ihre pure Anwesenheit und gedankliche den, scheinbar durch ihre pure Anwesenheit und gedankliche Konzentration einen atomar betriebenen Zufallsgenerator «aus Konzentration einen atomar betriebenen Zufallsgenerator «aus dem Rhythmus» zu bringen.
Der Parapsychologe folgert daraus, dass «seelische Vorgänge im Menschen und Zufallsereignisse in seiner Umgebung nicht voneinander unabhängig sind». Psychokinese etwa, also die Bewegung von Objekten durch rein geistige Einwirkung, komme «vielleicht nicht durch eine Kraftübertragung, sondern durch einen Verschränkungszusammenhang zustande».
Ein anderes Problemphänomen, mit dem sich Hilfesuchende an seine Beratungsstelle wenden, verbucht Walter von Lucadou unter der Rubrik «Geister und Erscheinungen». Es betrifft Menschen, wie jene jungen Eltern, die in ihrer Wohnung ständig nächtlichen Besuch von schemenhaften Gestalten bekamen. Darunter beispielsweise ein Mann «von sehr kräftiger Gestalt» in einem Blaumann, mit Wollmütze auf dem Kopf. Mal sah die betroffene Ehefrau ihn durchs Haus schleichen, dann entdeckte der Ehemann ihn zwischen sich und seiner Frau im Bett liegend. Die Gestalt kam aus dem Nichts und verschwand immer wieder spurlos.
Spielt uns unser Gehirn einen Streich?
«Unser Gehirn neigt dazu, aus allen Umrissen eine Gestalt zu machen», gibt Lucadou in solchen Fällen zu bedenken. Die Wissenschaft kenne zudem das Phänomen von «kollektiven Halluzinationen». Und auch Erinnerungstäuschungen könnten eine Rolle spielen, sprich: Betroffene vermischen unbewusst Erzähltes und Erlebtes. Häufig seien Erscheinungen jedoch auf Tagträume zurückzuführen. Der Mensch befindet sich beim Einschlafen in einem «hypnagogen» und beim Aufwachen in einem «hypnopompen» Zustand: Er ist nicht wach aber auch nicht wirklich am Schlummern – kann sich oft nicht bewegen und dabei irrationale Eindrücke haben.
Entsetzliches schilderte eine weitere Hilfesuchende: Sie habe in den vergangenen Jahren bereits zwei Freunde durch Motorradunfälle verloren. Und jedes Mal habe sie vorher von den Unglücken geträumt. Nun habe sie auch ihren aktuellen Lebensgefährten im Schlaf bereits drei Mal sterben sehen. Wieder bei Schwankende Lampen und andere Phänomene: Fotos des Spukfalls von Rosenheim (1967), wie sie der Parapsychologe Professor Hans Bender in den 70er-Jahren veröffentlichte.
Motorradunfällen. Sie habe «fürchterliche Angst» um ihn, so die Verzweifelte in ihrem Brief an Lucadou.
Der Geisterjäger wird häufiger mit Phänomenen dieser Art konfrontiert. Immer wieder «sehen» Menschen im Schlaf den Tod Nahestehender und sind entsprechend am Boden zerstört, wenn das Geträumte kurz darauf – oder gelegentlich sogar zeitgleich – tatsächlich eintritt. «Wahrträume» nennt Lucadou solche Erscheinungen. «Es gibt diese Träume wirklich. Auch wenn sie keinen mystischen Ursprung haben, sondern aus uns selbst stammen.» Derlei im Schlummer entstandene Bilder seien «vermutlich auch dazu da, unser Augenmerk im Alltag auf Alternativen oder auf Probleme zu richten, die wir noch nicht realisiert haben».
Gerade Wahrträume müsse man deshalb als «Warnsignal akzeptieren» und sich fragen, was sie uns mitteilen wollen und wie man drauf reagieren könne, betont der Parapsychologe.
Ebenso wie er Poltergeister, Visionen und Gespenster quasi als «Boten aus uns selbst» versteht, mit einer bestimmten Nachricht, die wir erkennen und ernst nehmen sollten.
Allen Vorurteilen zum Trotz sei Spuk auf jeden Fall nichts Krankhaftes und müsse auch nicht medizinisch behandelt werden. Im Gegenteil: Gerade sehr gesunde Menschen sähen sich häufig mit paranormalen Phänomenen konfrontiert. Oder wie es Lucadou treffend formuliert: «Spuk ist meiner Meinung nach ein Zeichen von Gesundheit.»
Infos: Walter von Lucadou (mit Peter Wagner): «Die Geister, die mich riefen», Lübbe 2012, 14,99 EUR Spuk-Experte Lucadou: «So wird man Poltergeister los» «So wird man Poltergeister los» Wie reagieren, wenn man selbst von Gespenstern oder Poltergeistern heimgesucht wird?
Stimmt es, dass kein einziger Betroffener je von Geistern verletzt worden ist? «mysteries» sprach mit Walter von Lucadou über seine Begegnungen mit dem Unfassbaren.
Herr von Lucadou, trotz des kontroversen Themas und einiger Herr von Lucadou, trotz des kontroversen Themas und einiger wirklich dramatischer Erlebnisberichte ist Ihr neues Buch auffallend ruhig und unaufgeregt gehalten. Mit Absicht?
Natürlich, das ist eine Frage der Professionalität. Ich vergleiche das gerne mit einem Notarzt: Der hilft seinen Patienten auch nicht, wenn er sich von der allgemeinen Aufgeregtheit anstecken lässt.
Sie erklären in Vorwort und Titel, dass Sie in erster Linie «erzählen». Wem wollen Sie denn was erzählen?
Ich möchte mit diesem Buch in erster Linie bewirken, dass man über Spuk wieder vernünftig reden kann. Es ist heutzutage ein Tabuthema, über das man nicht gerne oder wenn, dann nur sehr vorsichtig und meist abwinkend spricht. Ich will ebenfalls erreichen, dass auch die Parapsychologie wieder als das wahrgenommen wird, was sie ist: Eine Wissenschaft.
Warum sind Spuk und viele andere parapsychologische Phänomene solch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft?
Das hat historische Gründe. Im Mittelalter waren Spukphänomene zum Beispiel noch kein Tabuthema. Aber seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert neigen wir dazu, alles, was scheinbar unerklärlich ist, zur Seite zu schieben. Die moderne Gesellschaft will so etwas wie Spuk nicht wahrhaben. Die Menschen mögen es nicht, wenn sie durch Ungewissheiten verunsichert mögen es nicht, wenn sie durch Ungewissheiten verunsichert werden. Dabei sind die meisten Spukphänomene sehr wohl erklärbar. Auch wenn ich zugeben muss, dass wir mit unseren Forschungen hier noch ganz am Anfang stehen.
Nicht geschrieben haben Sie das Buch für Ihre Kritiker aus den Reihen der Skeptikerbewegung, wie Sie betonen. Diese hatten Sie jüngst als «Gläubigen» und «Beglaubiger» tituliert sowie als unwissenschaftlich angeprangert… Grundsätzlich habe ich überhaupt nichts gegen konstruktive Kritik. Die ist mir immer willkommen, ein Diskurs kann einen ja durchaus weiter bringen. Aber ich wehre mich gegen ideologische Fundamentalisten, die mir anhand von Interviewpassagen in Zeitungen vorwerfen, ich würde nichts sagen und nichts belegen. Dabei sind diese Kritiker selbst oft Journalisten und wissen ganz genau, dass von einem stundenlangen Interview meist Lucadou: «Jeder Spuk nährt sich von der Beachtung, die man ihm schenkt.»
Ausgabe 5/2012 nur ein Bruchteil veröffentlicht wird – und auch dieser oft stark verkürzt! Diese Leute – etwa Vertreter der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) oder vom «Skeptiker» – ignorieren in ihren Polemiken einfach meine komplexen wissenschaftlichen Arbeiten und Ausführungen, obwohl diese in Fachkreisen als unbestritten und fundiert akzeptiert sind.
Dabei habe ich diese Studien der GWUP sogar extra zukommen lassen. Ohne Reaktion. Stattdessen werden mir Aussagen unterstellt, die ich so nie gemacht habe, oder die aus dem Zusammenhang gerissen sind. Das ärgert mich, insbesondere weil die Skeptiker sich gerne als eine Art Wissenschaftspolizei aufführen.
Wie viele Spukphänomene haben Sie – neben dem geschilderten Fall des Áiegenden Steins in der Küche – mit eigenen Augen gesehen?
Das ist für mich jetzt so aus dem Stegreif schwierig zu quantifizieren. Bei diesem Thema muss man schon mal berücksichtigen, dass ich nur in Extremsituationen die Betroffenen vor Ort aufsuche. Das kommt vielleicht zehn Mal im Jahr vor. Meist hilft bereits eine telefonische Beratung. Um beim vorherigen Beispiel zu bleiben: Ein Notarzt rückt auch nicht aus, nur weil Sie sich in den Finger geschnitten haben. Aber ich habe schon verwüstete Wohnungen gesehen, bei denen für mich klar war, dass dies nicht die Betroffenen gemacht haben können. In einem anderen Spukfall wurde mir geschildert, dass man in einer bestimmten Wohnung nachts plötzlich an den Haaren gezogen wird. Als ich dann dort übernachtete, habe ich genau das tatsächlich erlebt.
Und ich habe in Spukwohnungen auch schon unerklärliche Geräusche gehört.
Überraschend ist Ihre Erkenntnis, dass es selbst bei Poltergeisterscheinungen – trotz teils dramatischer Auswirkungen wie Áiegender Messer oder Steine – noch nie Verletzte gegeben hat…
Das ist tatsächlich so. Mir ist kein Fall bekannt, wo Betroffene direkt durch Spukphänomene verletzt worden wären. So etwas gibt es nur in Horrorfilmen. Anders sieht es natürlich aus, wenn sich diese Menschen zu Kurzschlusshandlungen hinreissen lassen oder vor Schreck eine Treppe herunterfallen. Ich beruhige Ratsuchende deshalb immer mit den Worten: «Wenn Sie nicht aus dem Fenster springen, wird Ihnen nichts passieren.» Spuk ist ja auch nichts Negatives, im Gegenteil: Es sind oft Signale, welche die Betroffenen auf Probleme hinweisen, denen sie bisher vielleicht zu wenig Beachtung geschenkt haben. So können paranormale Phänomene zum Beispiel durchaus auf die Einsamkeit eines Menschen hindeuten. Diesen Personen rate ich dann unter anderem, mehr unter die Leute zu gehen – was in vielen Fällen schon hilft.
Lassen Sie uns versuchen, Ihre Erklärungsansätze in Sachen Spuk mal stark vereinfacht und zugespitzt zusammenzufassen: Es gibt keine Geister – Wahrnehmungen dieser Art sind Produkte von Wachträumen, Einbildung oder Hypersensibilität. Und auch Spukerscheinungen sind «hausgemacht» – von der menschlichen Psyche, die in Ausnahmesituationen sogar in der Lage ist, physisch auf Ihre Umwelt einzuwirken, sprich: Dinge durch Räume Áiegen zu lassen. Schreien Sie jetzt auf?
Na ja, zumindest müsste ich hier doch diverse Stellen korrigieren. Ich beschränke mich der Kürze halber aber nur auf eine: Es gibt sehr wohl Geister – sie sind mentale, psychische Realitäten. Sie existieren für die Betroffenen. Spukphänomene geschehen in der Grenzregion zwischen Psychologie und Physik. Sie sind weder reine Produkte der mit Physik beschreibbaren Wirklichkeit noch reine Produkte unserer Gedanken. Wir wissen in der Parapsychologie inzwischen, dass Menschen mit einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur in der Lage sind, psychische Verarbeitungsprozesse in ihrer Umgebung stattfinden zu lassen, statt dass sie sich nur im Kopf abspielen. Spuk ist quasi eine psychosomatische Reaktion, die nicht im eigenen Körper stattfindet.
Interessanterweise widersprechen viele so genannte «Fokuspersonen» vehement, wenn man sie damit konfrontiert, dass sie den Spuk womöglich selber auslösen…
Ausgabe 5/2012 Spukphänomene ereignen sich in der Grenzregion von Psychologie und Physik.
Richtig, und das ist auch verständlich, erklärbar und muss sogar so sein. Die Fachwelt nennt das Externalisierung. Jeder Mensch hat entweder eine externale oder internale Persönlichkeit. Ich möchte Ihnen das an einem Beispiel verdeutlichen: Wenn die Polizei jemanden blitzt, dann gibt es die internalen Typen, die sagen: «Tja, da bin ich selbst schuld!» Und dann gibt es die Externalen, die schimpfen, die Polizei habe ihnen eine Falle gestellt und sie könnten ja gar nichts dafür. Diese Menschen verlagern gerne nach aussen, wälzen ab. Eine sehr ausgeprägte externale Persönlichkeit ist also eine Voraussetzung, zur so genannten Fokusperson in einem Spuk zu werden. Es zeichnet diese Menschen geradezu aus.
Lösen Frauen mehr Spukerscheinungen aus als Männer?
Nein, in den Statistiken hält sich das die Waage.
Was kann ich unternehmen, wenn es bei mir spukt oder wenn ich Gespenster sehe?
Da gibt es zwei Methoden, die sich bewährt haben. Ich nenne sie gerne «Aushungern» und «Festbinden». «Aushungern» besteht darin, dem Spuk keinerlei Aufmerksamkeit mehr zu schenken.
Das ist nicht ganz einfach, aber jeder Spuk nährt sich von der Beachtung, die man ihm schenkt. Das «Festbinden» meint eine möglichst perfekte Dokumentation aller Vorkommnisse, etwa Videokameras aufstellen – am besten vor einem Spiegel – und Tagebuch führen. Auch so verschiebt sich die Bedeutung, die Spuk für einen hat. Statt sich davor zu fürchten, ist man nun interessiert, die Sache zu untersuchen. Das hilft meist schon.
Und man sollte sich auch fragen, was einem der Spuk sagen will. Wenn man ihn in dieser Weise versteht, hat man ihn gewissermassen erlöst.
Wenn Spuk so stark mit der menschlichen Psyche verbunden ist, gehen diese Phänomene denn auch mit der Zeit? Verändern sie sich, werden sie «moderner»?
Das ist tatsächlich so. Früher waren es eher unerklärliche Klopfgeräusche oder ähnliche Ereignisse, welche die Menschen beunruhigten. Heute hören die Leute in ihrer Wohnung zum Beispiel nächtliche Geräusche einer Bohrmaschine oder eines aufstartenden Computers – obwohl sich ausser ihnen niemand im Haus befindet und ihr Rechner aus ist.
In Ihrem Buch sagen Sie: «Ich glaube nicht, dass wir die Welt wahrnehmen wie sie ist. Es ist in meinen Augen eine Illusion, dass wir sie so sehen wie sie wirklich ist.» Wie meinen Sie das?
Die Welt ist Kino im Kopf – das ist in der modernen Psychologie völlig unbestritten. Der Mensch kann erwiesenermassen gleichzeitig nur sieben plus zwei «Chunks» – also Sinnes- oder Informationseinheiten – wahrnehmen. Er nimmt quasi nur wichtige Veränderungen zur Kenntnis. Die Realität ist im Prinzip ein Film mit Dingen, die momentan gerade relevant sind.
Gucken Sie eigentlich gerne Mystery-Serien im Fernsehen?
Ich schaue generell sehr wenig fern, dazu fehlt mir schlicht die Zeit. Auf mehrfache Empfehlung hin wollte ich mir zuletzt jedoch mal eine Folge von «Paranormal Activity» zu Gemüte führen. Aber ganz ehrlich: Ich bin dabei eingeschlafen.
Neue Spuk-Dokumentationen auf DVD Es spukt auf allen Kanälen: Gleich zwei professionelle Filmemacher widmen sich dieser Tage dem scheinbar Unerklärlichen. In der Schweiz kommt die Dokumentation «Fenster zum Jenseits» von O’Neil Bürgi am 12. Dezember 2012 in ausgewählte Kinos (Filmcover links). Anschliessend wird die Reportage als DVD veröffentlicht. Bürgi begleitete unter anderem den Schweizer Förster Sam Hess, der seit seiner Kindheit Geister sehen und mit ihnen kommunizieren kann. Der Deutsche Volker Anding wiederum bringt aus Anlass der Buchveröffentlichung von Walter von Lucadou eine gleichnamige DVD heraus. Der Journalist begleitete Deutschlands bekanntesten Spukforscher mit der Kamera und präsentiert beeindruckendes Filmmaterial.
Infos:www.fensterzumjenseits.com/www.volkeranding.de

















































