Riesen-Kopf Von Guatemala: FüR Immer ZerstöRt

Schlamassel im Dschungel

Mitten im Dickicht von Guatemala stand einst ein kolossaler Steinkopf. Archäologen würdigten ihn kaum eines Blickes. Leider! Denn das riesige Monument wurde in der Folge von Rebellen geschändet. «mysteries» zeigt das einzige Originalfoto aus den 50er-Jahren.

Ein riesiger Kopf aus Sandstein. Fünf bis sechs Meter hoch. Mit den anatomischen Merkmalen eines Weissen. Die geschlossenen Augen nach oben gerichtet, zu den Sternen. Und das mitten im Dschungel von Guatemala. Dort, wo vor Jahrtausenden die geheimnisumwitterten Olmeken ihre Spuren hinterliessen – Vorläufer der Maya und eigentliche «Mutterkultur» Mesoamerikas. Hatten ihre Künstler die Skulptur einst geschaffen – wie so viele andere im Umkreis? Doch woher wussten sie zu ihrer Zeit bereits von weissen Menschen?

Noch vor wenigen Jahrzehnten hätten Archäologen definitive Antworten auf diese Fragen finden können. Doch sie verschanzten sich lieber hinter dem widersprüchlichen Fachurteil eines Kollegen, der weitere Untersuchungen als Zeitverschwendung abtat. Nun ist es zu spät. Denn das Monument ist mittlerweile zerstört. Und noch immer scheint niemand Genaueres darüber wissen zu wollen. Übrig bleibt lediglich ein Foto aus den 50er-Jahren. 1986 war es dem Notar Oscar Rafael Padilla Lara aus Planta Baja (Guatemala) in die Hände geraten. Leider geisterte die Aufnahme seither nur noch in unscharfer Auflösung durch die Welt. Durch einen glücklichen Zufall erhielt «mysterie» jedoch kürzlich eine hochauflösende, gescannte Kopie des originalen Bildabzuges (Foto rechts).

Fasziniert hatte sich Padilla damals daran gemacht, dem Findling auf eigene Faust nachzuspüren. Sein Eifer weckte wiederum das Interesse des bekannten US-Abenteuers David Hatcher Childress. Als zweiter «Andersdenker» nahm der Amerikaner die Spur vor rund zwanzig Jahren ebenfalls auf, mit dem Ziel, dem Monument sein Geheimnis ein für allemal zu entreissen. In Guatemala angekommen, traf sich Hatcher Childress mit Padilla, um ihn persönlich über seine Suche auszufragen und der Nachwelt zu erhalten, was dieser darüber zu berichten wusste.

Der Steinkopf habe sich «auf einem Landstück der Familie Biener» befunden, eröffnete ihm der Notar beim Nachtessen und erzählte, wie er 1990 über Umwege dorthin gefunden hatte: «Von Guatemala-City aus reiste ich etwa 180 Kilometer in Richtung Las Victorias, Los Encuentros, San Felipe und Retalhuleu im Hinterland der Pazifikküste. Dort fuhr ich ungefähr fünf Kilo-Ein uraltes Monument der Olmeken oder ein Kunstwerk der Neuzeit?

Das Originalfoto von Oscar Padilla aus den 50er-Jahren.

meter auf einer Hauptstrasse, weitere drei Kilometer auf einem Feldweg und ging schliesslich fünf Kilometer zu Fuss durch den Dschungel – in der Gegend von La Democracia.»

«Das Gesicht war komplett ruiniert» Am Ziel angekommen, verschlug es Padilla die Sprache: Die Statue war zerstört! «Sie war offensichtlich um 1981 während revolutionärer Wirren im Lande verwüstet worden. Wir haben sie zu spät gefunden. Die Rebellen hatten sie als Zielscheibe benutzt. Das Gesicht war komplett ruiniert. Die Türken hatten der ägyptischen Sphinx einst die Nase weggeschossen. Hier war die Zerstörung noch schlimmer…»

Nachdenklich packte David Hatcher Childress seinen Rucksack und zog mit seinem Begleiter weiter. Später erfuhr er, dass der Kopf angeblich erst 1936 aus dem Stein gehauen wurde. Be-Ausgabe 6/11 Geschichte hauptet hatte das zumindest der mittlerweile verstorbene Lee A. Parsons, der sich 1970 als bisher einziger (!) Archäologe überhaupt intensiver mit der Skulptur beschäftigte. Um 1941/1942, so berichtete Parsons 1974 auf dem Internationalen Amerikanisten-Kongress in Mexico, seien seine Kollegen A. Ledyard Smith und Francis B. Richardson im Auftrag der Carnegie Institution of Washington an der Pazifischen Küste unterwegs gewesen. Dort stiessen sie per Zufall auch auf den Steinkopf, den damals noch eine Plakette zierte mit der Inschrift «E.G.M. 16 Abril 1936». Einheimische erzählten den Beiden, dass das Monument vom Leiter der dortigen Farm in Auftrag gegeben worden sei – zu Ehren seiner verstorbenen Frau. 1970, als Parsons persönlich dort weilte, soll die Plakette dann verschwunden sein.

Möglich wärs. Doch David Hatcher Childress bleibt skeptisch: Warum hatte Parsons weder die Identität des Farmers noch den Namen von dessen Frau in Erfahrung bringen können? Warum war dies nicht einmal seinen beiden Kollegen gelungen, die nur gerade fünf Jahre nach dem angeblichen Tod der Dame vor Ort waren? Warum ziert das Steinmonument ein eher männlich scheinender Kopf und nicht ein weiblicher? Sollte die Platte vielleicht gar nicht an die Verstorbene erinnern – sondern vielmehr an die Entdeckung des Monuments? Stand das Kürzel «E.G.M.» somit stellvertretend für den Entdecker?

«Irgendetwas macht hier einfach keinen Sinn!» bilanziert Hatcher Childress. «Der vermeintlich neuzeitliche Künstler dürfte am eindrucksvollen Monument im Minimum monatelang herumgemeisselt haben. Wie ist es möglich, dass der Mann innerhalb weniger Jahre in der Anonymität verschwinden kann, ohne dass sich irgendein Einheimischer an ihn oder seinen Namen erinnern mag?»

Geschichte

Riesen-Kopf von Guatemala: Für immer zerstört – Abbildung 2