«Gebt Diesem Ur-Symbol Bitte Eine Neue Chance!»
Bis zum Zweiten Weltkrieg galt das Hakenkreuz in den USA als Glücksbringer und prangte auf Postkarten, ja sogar auf Schulheften. Ein Blick in die Sammlung von Harry Meier zeigt: Selbst Coca Cola warb mit der «Swastika». Nun bittet der Schweizer Sozialpädagoge und Indianerfreund: «Lasst die deutsche Vergangenheit dieses Symbols endlich ruhen und gebt dem uralten Sonnenrad eine zweite Chance.»
Woran denken Sie, wenn Sie ein Hakenkreuz sehen? Vermutlich an das Dritte Reich und an Hitler. Wussten Sie aber auch, dass das Alter dieses Symbols auf viele Jahrtausende geschätzt wird? Wussten Sie, dass es als «heiliges Symbol» bereits im alten Griechenland und Rom verehrt wurde, ebenso wie in Asien, im Hinduismus, im Buddhismus – und bis heute selbst bei den nordamerikanischen Navajo- und Hopi-Indianern?
Wie konnte es geschehen, dass während der Dauer des Dritten Reichs – also innerhalb von rund zwölf Jahren – ein uraltes, positives Glückssymbol bei uns im Westen für alle Zeiten eine teuflische Prägung erlitt? Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn die Nazis das christliche Kreuz als Symbol gewählt hätten! Dürfte es dann heute keine einzige Kirche und kein einziges Grab mit dem Kreuz-Symbol mehr geben?
Als Kind hatte ich einen Traum, den ich nie vergessen habe.
Ich war in einer Höhle eingeschlossen, als von draussen Licht ins Dunkel drang. Die Sonnenstrahlen formten ein freundlich leuchtendes Hakenkreuz. Damals wusste ich noch nichts von der deutschen Bedeutung dieses Zeichens. Für mich war es ein Symbol der Hoffnung und der Freude. Ein wärmendes Zeichen der Zuversicht im Dunkeln eines finsteren Traums. Als ich dieses Zeichen später in eines meiner Schulhefte kritzelte, zog das massive Schelte und Nachsitzen nach sich. Die Lehrer zeigten mir schlimme Kriegsbilder. Gut gemeint – aber ein Schock für meine empfindliche Kinderseele. Schon bald «wusste» ich entgegen meiner ureigenen Erfahrung: Dieses Symbol ist böse. Es ist das Zeichen des Teufels, der Zerstörung und der Diktatur.
Jahre danach, als Erwachsener, erinnerte ich mich an meinen Traum. Ich begann Nachforschungen anzustellen, die bis heute andauern. Inzwischen kann ich dieses Symbol wieder auf beide Arten sehen: Erstens und vor allem als positives, helles, glücksbringendes Ur-Symbol und dann erst als missbrauchtes politisches Machtzeichen. Tatsächlich kann die «Swastika» (in altindischem Sanskrit heisst das «Glücksbringer») seit etwa 6000 Jahren auf vier Kontinenten nachgewiesen werden.
Selbst im prähistorischen Mitteleuropa wurden seit der jüngeren Bronzezeit Swastika-Symbole verwendet. Sie finden sich in etlichen, links- oder rechtsgerichteten Formen als Verzierung von Gütern des alltäglichen Bedarfs, besonders auf Schmuck-Gegenständen. Ab 1890 wurde das Hakenkreuz in Europa und den USA zudem von verschiedenen Firmen und Militärverbänden verwendet. Noch um 1925 warb selbst die berühmte Coca-Cola-Company mit einem entsprechenden Schlüsselanhänger und Anzeigen, die mit einem Hakenkreuz-Rand verziert waren.
Glückwunschkarten – mit Hakenkreuz Sogar eine rund 2000 Jahre alte römische Swastika-Fibel befindet sich mittlerweile in meinem Besitz. Ausserdem stapeln sich weit über hundert verschiedene Hakenkreuz-Motiv-Karten aus den USA in meiner kleinen Sammlung. Laut Poststempel wurden sie alle zwischen 1900 und 1912 versandt. Kurios, Harry Meier. Den Urlaub verbringt er oft bei den Zuni-Indianern.
Ausgabe 3/10 Geschichte




