SkandalöS: Saddams Henker Waren Militante Hassprediger
Saddam vor seiner Hinrichtung (Videobild). Jetzt ist klar: Die maskierten Männer waren seine persönlichen Todfeinde.
Lynchjustiz wie einst im Wilden Westen: Saddams schiitische Todfeinde hängten den irakischen Diktator eigenhändig, wie mittlerweile klar ist. Die Behörden hatten sich dazu weichklopfen lassen.
Offiziell lief alles glatt. Inoffiziell natürlich nicht. Doch wo sonst die so verpönten «Verschwörungstheoretiker» mit ihrer kritischen Meinung oft alleine dastehen, erhielten sie diesmal von «konventioneller» Seite unerwartete Unterstützung.
Hauptsächlich US-Journalisten meldeten von Anfang an Zweifel an der öffentlich verbreiteten Version von Saddams Hinrichtung an, wie die «Welt» bereits am 31. Dezember 2006 etwas verwirrt meldete. Zu einem Zeitpunkt also, als die Öffentlichkeit noch nichts von den inoffiziellen Videoaufnahmen wusste, die Saddams Hinrichtung dokumentierten – alles also noch in bester Ordnung schien.
Die Zeitung: «Kurios ist, dass die 16 Augenzeugen, die bei der Vollstreckung des Urteils anwesend waren, später sehr Unterschiedliches darüber berichten, was die Fernsehbilder nicht zeigen. Einer von ihnen wird in der ‹Los Angeles Times› mit der Geschichte zitiert, wonach es auf dem Weg zum Galgen einen Wortwechsel gegeben habe zwischen Saddam und seinen vier Wächtern, Anhängern des von Saddam ermordeten militanten Schiitenführers Muhammad Sadr. Als Saddam die Treppen zum Galgen bestieg, so geht die Geschichte, riefen die Wächter ihm laut ‹Muktada Sadr› hinterher, den Namen des Sohnes des Ermordeten.»
Und ein anderer Augenzeuge habe noch Makabereres berichtet: «Wir hörten, dass Saddams Genick sofort brach, und wir sahen sogar ein wenig Blut am Strang.» Die Henker hätten Saddam zehn Minuten lang baumeln lassen.
Wüste Beschimpfungen Reine Propaganda von Saddams Kritikern? Die «Welt» mochte sich nicht festlegen. Und so hielten sich die Journalisten geschickt ein Hintertürchen offen. Zitat: «Am Mythos über Saddams letzte Minuten wird bereits kräftig gestrickt.» Dumm nur, dass jedermann den «Mythos» inzwischen im Internet begutachten kann, wo die inoffiziellen Videoaufnahmen die menschenunwürdige Hinrichtung in allen Details dokumentieren. Samt den wüsten Beschimpfungen und johlenden Zwischenrufen, die dem Todgeweihten unmittelbar vor seiner Strangulierung ins Gesicht gebrüllt wurden.
Seither kommen immer neue abscheuliche Details ans Licht. So war der schiitische Hassprediger Muktada al-Sadr im Todesraum persönlich anwesend.Als dritter vermummter Henker soll er Saddams Schlinge eigenhändig kontrolliert haben.
Dies behaupten zumindest die saudischen Zeitungen «Al Riadh» und «Al Watan».
«Ich habe ihn sofort erkannt», zitieren sie einen Augenzeugen. Sadr hatte dem irakischen Premier offenbar solange mit Gewalt gedroht, bis dieser einwilligte, ihn heimlich einzuschleusen.
Blutige Wunde am Hals Die News-Agentur Reuters wiederum berief sich auf Informationen eines hochrangigen Beamten des Innenministeriums: «Milizen ist es gelungen, das Exekutions-Kommando zu infiltrieren. Die Hinrichtung wurde von Milizen ausgeführt.»
Seither sind noch mehr inoffizielle Videos aufgetaucht: Eines zeigt den toten Saddam. Sein Kopf ist grotesk verdreht. Am Hals klafft eine blutige Wunde. Wurde der Leichnam geschändet?
Zu verantworten hat die Lynchjustiz Präsident Bush – zumindest moralisch. Aber das dürfte für den Texaner kein Problem sein. Im Wilden Westen seiner Vorfahren gehörten derlei Szenarien schliesslich zur Tagesordnung.
red. ■



