Feuer-Spuk: In Canneto Ist Der Teufel Los

Der mysteriöse Feuerspuk im sizilianischen Dorf Canneto di Caronia will kein Ende nehmen: Elektrische Geräte gehen plötzlich in Flammen auf, ausgeschaltete Mobiltelefone klingeln und lose Kabel verglühen auf dem Fussboden. Nicht nur die Einheimischen, sondern auch ein Heer von Experten stehen vor einem Rätsel. Viele zittern um ihr Leben. «mysteries» sprach mit den Betroffenen des kleinen Fischerdörfchens über ihre furchterre-

genden Erlebnisse. von Omar Gisler

Als Antonio Pezzino am 15. Januar 2004 sein TV-Gerät einschaltete, konnte er nicht ahnen, dass sich schon bald Journalisten aus aller Herren Länder Welt für ihn interessieren würden.

Dass gerade der Schnellzug Palermo-Messina hinter seinem Haus vorbei donnerte, nahm er nur unbewusst wahr. Denn die Bewohner des Fischerdorfes Canneto, das politisch zur Gemeinde Caronia gehört, haben sich längst an den Bahnlärm gewöhnt. 61 Mal am Tag rattert ein Zug durch das 150-Seelen-Kaff, das zwischen dem Tyrrhenischen Meer und der Nebrodi-Bergkette eingeklemmt ist.

Der Versicherungsvertreter Pezzino sass also um 9.30 Uhr arglos vor seinem Fernseher, als dieser plötzlich Funken sprühend seinen Geist aufgab. «Ich dachte anfangs an einen Kurzschluss», erinnert sich der 43-Jährige gegenüber «mysteries».

Ähnliche Gedanken gingen wohl der betagten Hausfrau durch den Kopf, deren eben erst gekaufter Staubsauger am Abend des selben Tages plötzlich Feuer fing.

Verkohlte Kadaver Auch an den folgenden Tagen brannte in Canneto ständig etwas: Gegensprechanlagen, Waschmaschinen, Stromzähler, Bügeleisen oder Kühlschränke fingen ohne ersichtlichen Grund Feuer. Sogar Möbel und Matratzen gingen wie von Geisterhand in Flammen auf. Selbst verkohlte Kadaver von Hühnern und Hunden wurden gefunden.

Besonders heftig spukte es am 29. Januar, als in 29 Wohnungen elektrische Rätselhafte Brände. Unerklärlich auflodernde Flammen treiben die Einwohner von Canneto schier in den Wahnsinn.

Geräte Feuer fingen – einfach so! Die lokale Polizei vermutete hinter den mysteriösen Bränden zunächst das Werk eines Feuerteufels.

Die Staatsanwaltschaft von Mistretta leitete deshalb eine Untersuchung ein. An Brandstiftung oder an eine Massenpsychose glaubte aber spätestens dann niemand mehr, als vor den Augen der verdutzten Carabinieri ein Elektrokabel auf dem Fussboden verglühte.

Nun geriet die Bahnlinie in den Brennpunkt des Interesses. Denn dort waren erst vor kurzem neue Stromkabel installiert worden. Manch einer glaubte deshalb, dass die Züge Strom in die Erde leiteten, die Spannung sich im Dorf entlud und so die Feuer provozierte.

Die Bewohner von Canneto legten sich deshalb aus Protest stundenlang aufs Bahngleis. Die italienischen Staatsbahnen unterbrachen daraufhin den Zugverkehr.

Doch das half ebenso wenig wie das Abschalten des Stromnetzes durch ENEL, die nationale Stromversorgungsgesellschaft.

Als dann am 10. Februar das kleine Häuschen des 84-jährigen Filippo Casella durch einen Brand vollständig zerstört wurde und gleichzeitig die Leitungen im ‹‹ 39 Einwohner mussten ihre Häuser bereits verlassen.

Aquädukt zu glühen begannen, bekamen es die Leute mit der Angst zu tun.

Die hundert Meter lange Via del Mare, die Hauptstrasse des Dorfes, wurde evakuiert. 39 Einwohner respektive 16 Familien, die meisten miteinander verwandt, mussten ihre Häuser auf Anordnung von Gemeindepräsident Pedro Spinnato (38) verlassen. «Ich wollte nicht warten, bis eine Tragödie geschieht», begründete der Architekt gegenüber «mysteries» seinen Entscheid.

Renommierte Wissenschaftler wie beispielsweise Enzo Boschi, der Präsident des nationalen Institutes für Geophysik und Vulkanologie, erklärten zu diesem Zeitpunkt immer noch, dass das Phänomen einzig und allein auf Brandstiftung zurückzuführen sei.

«Zu seltsam…»

Dem Korrespondenten der italienischen Nachrichtenagentur «adnkronos» diktierte Boschi am 10. Februar Folgendes in den Notizblock: «Diese Brände sind zu seltsam, als dass es sich um Naturphänomene handeln könnte. Das irdische Magnetfeld ist zu schwach, um derart grosse Energiestösse freizusetzen. Dasselbe gilt für die Kräfte im Erdinnern. Wenn diese an die Ober-Feuerspuk. Italienische Zeitungen bezeichnen Canneto mittlerweile als das «Dorf, das von selbst Feuer fängt».

fläche kämen, dann würden sie auf einer viel grösseren Fläche Schaden anrichten.»

Das Rätseln der Experten verunsicherte die Bevölkerung zunehmend.

«Man kann nicht an einem Ort leben, wo irgendwann irgendwo etwas ohne plausiblen Grund in Brand gerät», klagt Antonio Pezzino, den die Bewohner zu ihrem Sprecher bestimmt haben.

Feuer nach Flitterwochen Den Pezzino-Clan hat es ganz schlimm erwischt: Einen Tag, nachdem Lucia Pezzino und ihr Mann von ihren Flitterwochen zurückgekehrt waren, gerieten sämtliche Hochzeitsgeschenke, die in einem separaten Raum gelagert waren, in Brand. «Die Flammen zerstörten das halbe Haus», erklärt die junge Frau.

Mit Schrecken erinnert sich auch der 53-jährige Maurer Salvo Rossello an den 10. Februar: «An diesem Tag brannte es in meinem Haus sieben Mal. Die Stromversorgung war schon Tage vorher abgeschaltet worden.»

Öffentlich wollen in Canneto nur wenige an paranormale Erscheinungen glauben. Trotzdem waren viele nicht unglücklich darüber, dass der Vatikan Mitte Februar Padre Gabriele Amorth, den Eh- ‹‹ Vatikan befahl Exorzisten, dem Spuk endlich ein Ende zu machen.

renpräsidenten der internationalen Exorzistenvereinigung, ins Dorf schickte. Der hatte rasch eine Erklärung für die Phänomene parat: «Es könnte sein, dass hier jemand weisse oder schwarze Magie betreibt und damit dem Satan die Tür öffnet.»

Er empfahl den Bewohnern, ihre Häuser segnen zu lassen. Etwas machte aber auch Padre Amorth stutzig: «Ich war schon in vielen Häusern, in denen der Teufel regierte – aber ein ganzes Dorf in der Hand des Satans habe ich noch nie gesehen.»

Just in den Tagen, in denen die Geschichte vom «Dorf, das von selbst Feuer fängt» – so der Titel in der Römer Zeitung «Il Messaggero» – in der internationalen Presse die Runde machte, wurde es plötzlich wieder (gespenstisch) ruhig. Canneto di Caronia war wieder das, was es seit seiner Gründung im 8. Jahrhundert vor Christi Geburt immer gewesen war: ein stinknormales Dorf.

Doch nach 45 Tagen ging der Spuk wieder los. Und wieder traf es Antonio Pezzino. «Ich sass in meinem Auto und wunderte mich über das Navigationssystem, das plötzlich komische Laute von sich gab. Wenige Sekunden später schoss eine Stichflamme hervor, und das ganze Auto begann zu brennen.»

Ein wenig später stellte Pezzinos Schwager, Basilio Siracusano, der im benachbarten Caronia Marina lebt, seinen Fiat Fiorino in der Nähe der gesperrten Via del Mare ab. Er hatte kaum die Türen verriegelt, als das Auto wie verrückt zu hupen begann. Kurz darauf brannte es lichterloh.

Die rasch alarmierte Feuerwehr löschte den Brand.

«Anschliessend wurde der Fiorino von der Polizei beschlagnahmt und auf einen Abschlepptransporter geladen», erzählt Pezzino. «Wenige Minuten später brannte das Auto erneut.» Bei einem Dutzend weiterer Fahrzeuge streikte an jenem Tag der Motor oder die Zentralverriegelung.

Handys spielen verrückt Andere Bewohner berichteten von ausgeschalteten Handys, die plötzlich zu klingeln begannen. Auf den Displays erschienen unleserliche Zeichen.

In der Zentrale der italienischen Telekom stellten die Experten fest, dass in Canneto sämtliche Handys gleichzeitig inexistente Nummern wählten und auf einer Frequenz sendeten, die Mobiltelefone normalerweise gar nicht verwenden können.

Obwohl seit dem Spuk von Mitte März nichts Aufsehenerregendes mehr passiert ist, bleibt Canneto komplett gesperrt. Im Dorf wimmelt es von Geologen, Hydrologen, Elektroingenieuren, Physikern, Meteorologen, Strahlenexperten, Chemikern,Vulkanologen, Meeresbiologen, Militärs und Telekom-Angestellten.

«Wir wollen wissen und verstehen, was genau vor sich geht», sagt Bürgermeister Spinnato. «Das kann Tage, Wochen oder Monate dauern.» Wie aber lassen sich diese Phänomene seiner Meinung nach erklären? «Was ich glaube, ist völlig unwichtig. Der Glaube hilft uns hier nicht weiter.»

Dennoch machen sich alle Gedanken über die Vorgänge. Zur Diskussion stehen derzeit folgende Überlegungen:

  • Die Energie, die normalerweise

Nur: Weshalb wird dieses Phänomen erst im 21. Jahrhundert wahrgenommen?

Und wieso ist es nicht weit verbreitet? Ein weiterer Einwand kommt vom Bürgermeister: «So lange an der Küste der Wind weht, spukt es in Canneto jedenfalls nicht.»

  • Ein riesiges Magnetfeld ist für die
  • In Chat-Räumen im Internet wird

Doch weshalb sollten die Militärs durch ihre Tests die Öffentlichkeit aufscheuchen? Und weshalb ausgerechnet in Canneto?

  • Ebenfalls im Internet werden dieje-

Oder gar ETs?

Hochkonjunktur haben, wenn die Menschheit vor einem Rätsel steht: Ausserirdische!

  • Andere glauben, dass in Canneto die

Ins selbe Horn stösst die renommierte italienische Tageszeitung «La Repubblica». Ihr Bericht über die mysteriösen Ereignisse endete mit folgenden Worten: «Vielleicht ist Caronia der Schoss, der eine grosse Entdeckung bewacht, die unter dem Mikroskop betrachtet unverständlich erscheint. (…) Es könnte durchaus sein, dass sich das Feuer von Caronia schon bald in alle Welt ausweitet, wie der BSE-Erreger, wie die Sars-Epidemie oder die Geflügelpest. Vielleicht startet der elektromagnetische Spuk seine Reise um die Welt von Caronia aus.»

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Eine Person, die vor einer großen Rauchwolke steht.
Ein heißluftballon ist schwarz-weiß dargestellt.