Vergessene »Ufo-Karikatur« Aus Dem 16. Jahrhundert

Handelt es sich um einen dreidimensional skizzierten Hut? Oder um eine stilisierte Áiegende Untertasse? Namhafte Historiker beharren darauf, dass die naiv anmutenden Ritzzeichnungen in der Ruine Neuburg aus dem Hochmittelalter stammen. Zum ersten Mal seit ihrer Entdeckung wurden Abgüsse der bizarren Darstellungen für »mysteries« nun aus den örtlichen Museumsarchiven geholt.

Steil geht es das enge Altstadtgässchen in der idyllischen Schweizer Altstadt von Chur hinauf, umgeben von schneebedeckten Bergmassiven. Es ist aussergewöhnlich warm und sonnig an jenem März-Tag. Ziel der kleinen »Bergwanderung« durch Graubündens Hauptort ist das Rätische Museum.

»Wir mussten für Sie ganz schön tief in unser Depot steigen«, lächelt Museumsdirektorin Andrea Kauer beim Empfang.

»Es war nicht ganz einfach – aber schauen Sie: Hier sind die guten Stücke!« Kauer deutet auf zwei grosse Abgussplatten, die hinter ihr an der Wand lehnen. Durch den gläsernen Eingang des Altbaus fallen ein paar Sonnenstrahlen auf die Objekte. Es dürfte seit Jahrzehnten das erste natürliche Licht sein, das sie erhellt – und ihr Geheimnis für kurze Zeit sichtbar werden lässt.

Die beiden Platten sind übersät mit naiv anmutenden Motiven: Mehrheitlich zweidimensional skizzierte Pferdedarstellun-

Vereinfachte Zeichnungen, die für den Betrachter keinen Sinn ergeben?

gen und Reiter, wie von Kinderhand gefertigt. Entdeckt worden waren die Ritzzeichnungen im Jahre 1984 bei Sanierungsarbeiten in der Neuburg südwestlich von Untervaz. Versteckt in einer unzugänglichen Fensternische, in den dortigen Kalkstein eingekerbt. Nur aufgrund eines Baugerüstes war man damals dorthin gelangt, wobei auch die skurrilen Darstellungen zum Vorschein kamen: »Vereinfachte Zeichnungen, die für den heutigen Betrachter keinen Sinn ergeben«, wie es damals hiess.

Die Höhenburg-Ruine unweit des Rheins stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Die naiven Zeichnungen werden von der Wissenschaft auf die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert. Um die historischen Bildnisse zu erhalten, liessen archäologische Experten Abgüsse davon erstellen. Ihre Gipsplatten verschwanden jedoch alsbald im Magazin des Museums. Obwohl sie eine echte Kuriosität zeigen! Denn aus den vielen krakelig anmutenden Darstellungen Ausgabe 3/2018

Vergessene »UFO-Karikatur« aus dem 16. Jahrhundert – Abbildung 2
Vergessene »UFO-Karikatur« aus dem 16. Jahrhundert – Abbildung 3