Anthropologen Entdecken In Afrika Weiteren Unbekannten Menschen

Peter Schmid (Bild) und sein Team vom Anthropologischen Institut und Museum der Universität Zürich haben im April dieses Jahres ebenfalls einen bislang unbekannten Menschen entdeckt. Allerdings keine völlig neue Art, sondern einen «Missing Link» der menschlichen Entwicklung – ein möglicher Vorfahr. «Die in Südafrika entdeckte Hominiden-Art ist 1,9 Millionen Jahre alt und zeigt sowohl Merkmale der Gattung Australopithecus als auch der Gattung Homo», erläutern die Forscher. «Alle Fachkollegen, die das Material gesehen haben, sind der Ansicht, dass hier etwas Neues und bis anhin Unbekanntes vorliegt», so Peter Schmid gegenüber «mysteries». Das Zürcher Museum der Anthropologie präsentiert derzeit exklusiv erste Abgüsse der rätselhaften Hominidenform.

Infos: www.aim.uzh.ch/Museum haben sich tatsächlich miteinander vermischt. Noch heute tragen wir den ausgestorbenen Verwandten in uns!

«Bis zu vier Prozent des Erbguts heutiger Menschen stammen vom Neandertaler», bilanziert der Leibziger Institutsleiter Svante Pääbo. Allerdings treffe dies nicht auf alle Exemplare zu. So ist der Neandertaler mit den Afrikanern weniger verwandt als mit den Menschen anderer Kontinente. Daraus schliessen die deutschen Anthropologen, dass die beiden Menschenarten sich erst nach dem Auszug aus Afrika vermischt haben. «Vermutlich im Nahen Osten vor 100’000 bis 50’000 Jahren – bevor sich der Homo sapiens in verschiedene Gruppen aufteilte.»

Und der «unbekannte Dritte» in Sibirien? Ob er sich ebenfalls mit dem Homo sapiens oder mit dem Neandertaler gepaart hat, soll nun die Zellkern-DNA zeigen. Diese wollen die deutschen Genetiker bis Ende 2010 weitgehend entschlüsselt haben. «Erst die Zellkern-DNA wird die Position des sibirischen Verwandten im menschlichen Stammbaum definitiv aufzeigen», betonen Svante Pääbo und sein Kollege Johannes Krause.

Kritiker melden sich bereits zu Wort Ihre Kritiker stehen derweil bereits in den Startlöchern. «Aufgrund der aktuellen Datenlage kann man nicht behaupten, eine neue Spezies gefunden zu haben», wendet etwa Esker Willerslev ein, Evolutionsbiologe an der Kopenhagener Universität.

Wir waren ganz bewusst vorsichtig in unserer Wortwahl.

Schliesslich handle es sich erst um eine Einzelstudie, wie er zu bedenken gibt.

«Als Biologe fällt es mir schwer, eine neue Menschenart aufgrund eines winzigen Fingerglieds zu begreifen», gibt sich auch Peter Schmid vom Anthropologischen Institut und Museum der Universität Zürich auf Anfrage von «mysteries» zurückhaltend. Ebenso wenig wie unvollständige archäologische Funde die gesamte Lebensweise von frühen Menschen dokumentieren könnten, würden Genome, die in Fragmenten vorliegen, den Menschen erklären. Schmid schrieb kürzlich selber Schlagzeilen: Er und sein Team fanden in Afrika Reste eines bisher unbekannten menschlichen Urahns (siehe dazu Info-Kasten unten).

Sicher ist: Das Mosaik der Menschheitsgeschichte birgt noch jede Menge Lücken. «Weitere Studien werden die Menge an Vorfahren, denen der frühe moderne Mensch begegnet ist, als er nach Eurasien einwanderte, vermutlich erweitern», kommentiert etwa der Manchester Genetiker Terence Brown den genetischen Fund. Und der New Yorker Anthropologe Ian Tattersall geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet: «Die menschliche Evolution der letzten sechs Millionen Jahre beinhaltet mindestens zwei Dutzend Spezies.» Für ihn ist es «fast normal, dass da zwei oder mehr Menschenarten zur selben Zeit am selben Ort lebten».