Geisterbeschwörungen im Weissen Haus? Ein hellsichtiger US-Präsident? Was unglaublich klingt, war unter Abraham Lincoln (1809– 1865) Realität. Der in den Vereinigten Staaten bis heute vergötterte Republikaner war dem Paranormalen gegenüber höchst aufgeschlossen, wie mittlerweile auch Historiker einräumen. Noch dazu sah Lincoln seine eigene Ermordung voraus…

Ausgabe 2/2019 arfreitag, 14. April 1865. Obwohl eine Komödie aufgeführt wird, die schon länger auf dem Programm steht, Kist das »Ford's Theatre« in Washington an jenem Abend ausverkauft. Kein Wunder, denn seit Tagen hatten die Zeitungen angekündigt, dass der amerikanische Präsident samt Gemahlin der Vorstellung beiwohnen werde. Abraham und Mary Lincoln treffen etwas verspätet ein – schleichen leise in die Präsidentensuite oberhalb der Ränge, während das Schauspiel bereits läuft.

Im dritten Akt, während einer kurzen Pause, peitschen plötzlich Schüsse durch den Raum. Die Zuschauer sind irritiert.

Unvermittelt taucht ein Mann in der Präsidentenloge auf, fuchtelt mit einem Dolch herum und schreit auf Lateinisch: »Sic semper tyrannis!« (»So ergeht es Tyrannen immer!«). Danach springt er hinunter in den Zuschauerraum, spurtet quer über die Bühne und verschwindet durch einen Hinterausgang. Erst als lautes Wehklagen von oben aus der Suite zu hören ist, realisiert das Publikum, was gerade geschehen ist: Ihr Staatsoberhaupt sitzt vornüber gekippt auf seinem Stuhl, aus einer grossen Wunde am Kopf sickert Blut.

Auf den Präsidenten war soeben ein Attentat verübt worden!

Lincoln wird in ein Nachbargebäude gebracht, wo Ärzte zu Hilfe eilen. Doch die Mediziner können nichts mehr für ihn tun.

Der schwerverletzte Politiker stirbt am nächsten Morgen. Wenige Tage später fällt in einem Feuergefecht mit der Polizei auch der Attentäter, der nach dem Anschlag entkommen war. Es handelt sich um den Schauspieler und radikalen Südstaatler John Wilkes Booth (1838–1865), der sich schon seit Längerem am Präsidenten für dessen erfolgreiche Bemühungen, die Konföderierten wieder in den Staatenbund einzugliedern, rächen wollte.

Als er von Lincolns Besuch im Theater gelesen hatte, ergriff er die Chance, schlich sich an jenem Abend in die Ehrensuite und schoss diesem aus nächster Nähe in den Hinterkopf.

Der zu Amtszeiten nicht unumstrittene Machthaber stieg nach seinem gewaltsamen Dahinscheiden zur Volksikone auf – und gilt bis heute als einer der bedeutendsten US-Präsidenten. Gefeiert als Befreier der Sklaven und Sieger im Krieg der Nordund Südstaaten. Seit seinem Tod seien»mehr Bücher über ihn erschienen als Tage vergangen«, unkte jüngst ein Feuilletonjournalist. Und tatsächlich existiert gerade im englischsprachigen Raum eine wahre Flut von Werken und Analysen zum 16. US-Präsidenten. Dem ersten amerikanischen Potentaten notabene, der einem Attentat zum Opfer Àel.

Von ganz unten – nach ganz oben In Kentucky geboren wuchs Abraham Lincoln in einfachen, landwirtschaftlichen Verhältnissen auf. Der wissbegierige Junge musste häuÀger auf dem Feld helfen als die Schule besuchen zu dürfen. Quasi als Autodidakt lernte und schuftete er sich über die Jahre dennoch zum Anwalt und Lokalpolitiker hoch. Schon früh faszinierte Abraham seine Mitmenschen, denn er war auffällig redegewandt, hatte eine schnelle Auffassungsgabe und wusste politische Feinde zu Freunden zu machen, indem er sie auf die eine oder andere Weise zu seinen Mitstreitern machte.

Dank seinem Charisma und allerlei geschickten Schachzügen Erst nach einer Weile realisierte das Publikum, was geschehen war.

Schüsse aus dem Hinterhalt. John Wilkes Booths Attentat in der Präsidentensuite des Theaters, wie es damalige Zeitungsillustratoren darstellten.

Ausgabe 2/2019 Drama hinter den Kulissen: Mit allen Mitteln kämpften die Ärzte darum, Lincolns Leben nach dem Attentat zu retten.

Leider vergeblich. (Filmszene) gelang ihm trotz seiner einfachen Herkunft 1834 sogar die Wahl ins Repräsentantenhaus von Illinois. Während jener Zeit verkehrte Lincoln auch regelmässig bei den Freimaurern. OfÀzielles Mitglied der Geheimgesellschaft wurde er jedoch nie. 1846 zog er in das US-Repräsentantenhaus ein.

1860 gelang dem Aussenseiter schliesslich sogar der Einzug ins Weisse Haus.

So akribisch Leben und Wirken des Politikers historisch aufgearbeitet zu sein scheinen – einen Aspekt sparen viele Gelehrten bis heute verschämt aus: Die esoterischen Seiten des Staatschefs. Die umfangreichste Biographie (»Abraham Lincoln: A Life«, 2008) umfasst 2000 Seiten.

Von Lincolns spiritistischem Treiben Àndet sich darin jedoch kein Wort. Erst in jüngerer Zeit widmen sich zunehmend mehr Forscher auch den sensitiven Seiten der Politikerfamilie.

Schon bald nach seinem Amtsantritt begleiteten Lincoln und die First Lady im aufgeheizten politischen Klima allerlei Gerüchte. Lincoln glaube nicht an Gott, sondern vielmehr an fremde Mächte, munkelten manche. Tatsächlich war der 16. US-Präsident eine vielschichtige Persönlichkeit, die auch scheinbar Irreales nicht scheute. Als den »grössten und mächtigsten praktizierenden Mystiker, den die Welt seit Christi Geburt gesehen hat« bezeichnete ihn bereits 1918 der bekannte Okkultist und Autor Francis Grierson (1848–1927). Lincoln habe »Intuition und Erleuchtung« besessen wie nur wenige. »Seine Worte waren einfach und seine Handlungen waren einfach – wie die der hebräischen Seher. Er verkündete und sprach ohne subtile Erklärungen oder geheimnisvolle Formeln.« Geisterbeschwörung und Spiritismus erlebten zur Zeit Lincolns und dem Bürgerkrieg in Amerika ganz allgemein einen Boom.

Viele suchten Hoffnung und Halt im Glauben an ein präsentes Totenreich und die Möglichkeit mit ihren verstorbenen Liebsten in Kontakt treten zu können.

»Die frohe Botschaft des Spiritismus – dass die Abgeschiedenen immer da waren, um den Lebenden Trost und Ratschläge zu bieten – war im 19. Jahrhundert äusserst reizvoll«, umschreibt es Geschichtsprofessor Terry Alford vom Northern Virginia Community College. »Spiritistische Zeitungen proklamierten den Glauben, und Glaubenszirkel etablierten sich in den führenden Städten.« Herzzerreissende Szenen in der Gruft Insofern scheinen sich auch die Lincolns nach einem schweren familiären Schicksalsschlag verstärkt für die jenseitige Welt interessiert zu haben: Im Februar 1862 starb ihr zwölfjähriger Sohn Willie an Typhus. Es war das zweite Kind, welches das Paar ausserordentlich früh verlor. Mutter Mary erlitt einen Nervenzusammenbruch, sah tagelang Gespenster.

Überliefert sind herzzerreissende Szenen, die dokumentieren, wie sehr der Tod seines Sohnes auch Abraham Lincoln aus der Bahn warf. Mehrfach sei der Präsident nach der Bestattung in dessen Grabkammer hinabgestiegen, wird berichtet. »Wenigstens zweimal kehrte Abraham Lincoln nachts in die Gruft zurück, hielt seinen toten Sohn und trauerte«, konstatierte »Die Welt«.

2018 ist sogar ein prämierter Roman (»Lincoln im Bardo«) des Ausgabe 2/2019 13 Geisterbeschwörungen wurden im Bürgerkrieg zunehmend populär.

Wusste für Fotografen geschickt zu posieren: Lincoln, hier 1865 mit seinem wenige Jahre später verstorbenen Sohn.

Autors und Hochschullehrers George Saunders erschienen, der auf diesen Tatsachen beruht.

Er beschreibt darin, wie der verzweifelte Vater bereits kurz nach der Beerdigung einmal mehr auf den Friedhof zurückkehrt.

»Es ist zwei Uhr in der Nacht des 25. Februars 1862, und Lincoln geht zur Gruft, nimmt das tote Kind aus dem Sarg und setzt es auf seinen Schoss. Er legt es zurück, sitzt ein, zwei Stunden trauernd auf dem Friedhof und kehrt dann, da er vergessen hat, die Gruft zu schliessen, um vier Uhr nochmals zurück, schaut das Kind ein letztes Mal an, streichelt es, nimmt Abschied. In der Kapelle setzt er sich für ein allerletztes Gedenken auf den Stuhl, auf dem er am Tag vor der Beerdigung bei der Abdankung gesessen hat.« Gerüchteweise soll Lincoln bereits in der Gruft versucht haben, über die Geisterwelt mit seinem Filius Kontakt aufzunehmen.

Geisterbeschwörung im White House Besonders First Lady Mary Lincoln habe nach dem Tod ihres Kindes begonnen, »sich in spiritistischen Kreisen zu engagieren«, informiert das heutige Lincoln-Museum im »Soldier's House«, dem ehemaligen Sommersitz der Präsidentenfamilie. Mary habe dort regelmässig Séancen durchführen lassen, um mit ihren verstorbenen Kindern in Kontakt zu treten. Sie sei in dieser Hinsicht von Anfang an die treibende Kraft gewesen. Abraham habe an den spiritistischen Treffen nur gelegentlich teilgenommen.

Selbst im Weissen Haus seien seinerzeit Séancen durchgeführt worden, bestätigen die Lincoln-Experten des »Lehrman In-Ausgabe 2/2019 stitute« auf ihren umfangreichen Internetseiten über den ungewöhnlichen US-Präsidenten. Die meisten Sitzungen seien zwar »ausserhalb, etwa bei Freunden« durchgeführt worden, aber gelegentlich seien Medien auch bei den Lincolns eingekehrt. Verbürgt scheint nicht zuletzt eine Geisterbeschwörung im »Red Room« des Regierungssitzes mit dem Medium Nettie Colburn Maynard.

Abraham Lincoln war damals bei weitem nicht der einzige Politiker, der sich im spiritistischen Milieu bewegte, betont Historiker Alford.»Der Washingtoner Kreis zählte zu seinen Mitgliedern eine ganze Reihe von Regierungsvertretern.« Die junge US-Historikerin Michelle L. Hamilton geht in ihrem Buch»Spiritualism in Abraham Lincoln'sWhite House« (2013) noch weiter: Der ofÀzielle Regierungs- und Wohnsitz des Präsidenten sei während jener Dekade nicht weniger als das »Zentrum der spiritistischen Gemeinschaft Washingtons« gewesen. Sie widerspricht in ihrem Werk, das gleichzeitig ihre Abschlussarbeit an der Universität San Diego darstellt, dem bisher vorherrschenden Narrativ, wonach Präsident Lincoln nur wenige Séancen besucht habe,»um seine geistig instabile Gattin zu schützen«.

»Diese Darstellung ist falsch!«, so Hamilton. Lincoln sei vielmehr »eine feste Grösse in der spiritistischen Szene« gewesen.

Anhand diverser »bisher vernachlässigter« historischer Quellen dokumentiert sie »etliche Sitzungen, an denen der Präsident teilgenommen hat«, und inwieweit der damalige Kult EinÁuss auf seine Politik genommen hatte. So habe Lincoln teilweise selbst bei militärischen Entscheidungen und Regierungsfragen Medien konsultiert. »Wie unzählige Amerikaner hatten sich auch die Lincolns im Versuch, dem Göttlichen zu begegnen sowie etwas Klarheit und Einsicht zu erhalten, in die abgedunkelten Séance-Kammern begeben.« Sie seien schlicht ein Produkt des damaligen Zeitgeistes gewesen. »Abraham und Mary Lincoln glaubten an die Kraft der Träume und Visionen.« Dennoch versucht die Mehrheit der US-Historiker bis heute abzuwiegeln: Der Präsident habe lediglich ein oder zwei Sitzungen besucht, heisst es immer wieder. »Dies ist schlicht nicht der Fall«, kontert Michelle Hamilton. Aufzeichnungen von Angestellten, Freunden und politischen Weggefährten zeigten, dass Lincoln allein »während des Bürgerkriegs wahrscheinlich ein Dutzend Séancen« besucht habe.

»Während dieser Sitzungen war der Präsident ein begeisterter Teilnehmer, der sich aktiv mit Medien und Geistern beschäftigte.« Eine Tatsache, »die Historiker seit 150 Jahren ignoriert haben«.

Einige medial Begabte, denen sich das präsidiale Ehepaar regelmässig anver- Der Präsident an der Front. Eine der wenigen Fotografien, die ihn im Kriegsgetümmel mit klassischem Zylinderhut zeigt.

traute, sind sogar namentlich bekannt: Ihre wich- Während Skeptiker des »Lehrman Instituts« alle namentlich tigsten geistigen Begleiter waren wohl die bereits erbekannten Medien vorschnell als »Marys Scharlatane« abtun, wähnte Nettie Colburn Maynard (1841–1892) sowie scheint es sich beim erwähnten Charles J. Colchester tatsächlich ein gewisser Charles J. Colchester.

um einen Schwindler gehandelt zu haben. Bereits sein Name Geschichtsprofessor Terry Alford vom Northern Virund seine angeblich adlige Abstammung waren reine ErÀndung, ginia Community College bewie sich später herausstellte. Colchester, richtet in der Online-Ausgabe»ein Engländer mit blassem Gesicht und Auch mit den ›Hexen von des »Smithsonian Magazine« blauen Augen«, sei damals eine Berühmtvom März 2015 ebenfalls heit in der Washingtoner Szene gewesen, Georgetown‹ pflegten die von mehreren okkulten Treferklärt Geschichtsprofessor Terry Alford, Lincolns regen Kontakt.

fen, an denen der Präsident der als wissenschaftlicher Berater am samt Gattin teilgenommen Hollywood-Film »Abraham Lincoln: Vamhabe. Zumindest bei einem davon zugegen gewepire Hunter« (2012) mitgearbeitet hat. »Colchester gab an, er sen seien mit Margaret »Mary« Laurie und deren könne versiegelte Briefe lesen und verstorbene Freunde der Be-Tochter Belle Miller auch »die so genannten Hexen sucher erscheinen lassen«. Ihre Namen zeigten sich zum Teil »in von Georgetown«, die in jener Zeit im kleinen Kreis blutroten Buchstaben auf seinem Unterarm«.

wahrhaft Phänomenales vollführten.

»Lincoln war besonders fasziniert von Colchesters unheimli- Ausgabe 2/2019 15 Tragische Figur: Schauspieler und Attentäter John Wilkes.

cher Fähigkeit, Geräusche in verschiedenen Teilen eines Raumes zu erzeugen«, so der Historiker weiter. Später kam indes heraus, dass der Gauner zu diesem Zweck »einen speziell entworfenen elektrischen Krachmacher an seinem Bizeps trug«.

Als jener dubiose Geisterbeschwörer immer gieriger wurde und die First Lady sogar zu erpressen versuchte, wurde der Investigativjournalist und Lincoln-Intimus Noah Brooks auf ihn angesetzt. Der erfahrene Reporter liess Colchester mit einem simplen Trick aufÁiegen: Er besuchte eine von dessen Séancen und unterbrach Fasziniert setzte er sich und niederschwebte.

aufs Klavier, welches aufdie Sitzung abrupt, indem er im abgedunkelten Raum überraschend das Licht anzündete. Schlagartig konnten alle sehen, dass in diesem Moment nicht – wie vorgegaukelt – Totengeister die dortigen Instrumente erklingen liessen, sondern Colchester und ein Kumpan eigenhändig musizierten.

Mehrere Medien sollen den Präsidenten damals sogar vor seinem gewaltsamem Ableben gewarnt haben, darunter Colburn – und sogar Colchester. Letzterer dürfte jedoch auch in diesem Fall seine Informationen auf reichlich irdische Weise erhalten haben, wie Terry Alford aufdeckt. Denn Colchester traf sich damals regelmässig mit einem ganz besonderen Kneipenkumpel: John ich es jedoch erneut, sogar klarer als zuvor«, so der Präsident weiter. »Dann bemerkte ich, dass das eine Gesicht ein bisschen heller war als das andere. Ich stand auf – und das Ding schmolz dahin.« Er habe das Experiment ein paar Tage später wiederholt und siehe da: »Das Ding kam tatsächlich wieder!« Darauf habe er seiner Frau Mary davon erzählt. »Sie hielt es für ein Zeichen, dass ich für eine zweite Amtszeit gewählt würde und dass die Blässe eines der Gesichter ein Zeichen dafür war, dass ich die letzte Amtszeit nicht überleben würde.« Fünf Jahre nach seinen Visionen im Spiegel sah der tatsächlich wieder gewählte Machthaber ein weiteres Mal seinen Tod 16 Ausgabe 2/2019 Wilkes Booth – dem späteren Lincoln-Mörder! »In den Wochen vor dem Attentat war Booth im ›National Hotel‹ in der Pennsylvania Avenue untergebracht«, rekonstruierte der Historiker anhand alter Akten und Zeitzeugenaussagen. »Colchester besuchte ihn oft dort.« Die beiden sollen »eine beträchtliche Zeit miteinander« verbracht haben. Booth, ein radikaler Südstaatler mit Geheimdienstkontakten, habe schon damals Lincoln im Visier gehabt – und dürfte seinem zwielichtigen Kollegen davon berichtet haben. »Die Geschichte von Lincoln, Booth und Colchester«, resümiert Alford, »ist in der umfangreichen Literatur über die Ermordung des Präsidenten übersehen worden.« Andere Séancen scheinen weitaus unerklärlicher verlaufen zu sein. So soll sich etwa ein Klavier in Gegenwart des Präsidenten wie von Geisterhand nach oben und unten bewegt haben, während das Medium Belle Miller dem Instrument harmonische Klänge entlockte, wie Troy Taylor 2005 in seinem Buch »The Haunted President« schildert. Als kritischer Beobachter sei Lincoln sogar auf das Pianoforte gesessen und soll dort mit seinen Beinen ungläubig hin- und her gebaumelt haben, während das schwere Instrument trotz seines Körpergewichts weiterhin aufund niederschwebte.

Erschreckende Todesvisionen Allem Spuk zum Trotz liess sich der US-Präsident von den Prophezeiungen der Geisterbeschwörer nicht einschüchtern. Er wollte immer bürgernah bleiben. Und es waren für ihn auch nicht die einzigen Warnungen in dieser Hinsicht. Tatsächlich soll der Politiker seine Ermordung sogar selber mehrfach vorausgesehen haben, wie Biografen bestätigten.

Selbst Lincoln-Freund Noah Brooks hielt in seinen Memoiren fest, dass ihm der Präsident eines Tages von einer Vision erzählt habe: Im Jahre 1860, in der Nacht nach seinem Wahlsieg, sei der frisch Gekürte erschöpft nach Hause gegangen. Er habe sich müde hingelegt und in einem Spiegel geistesabwesend sein Bild betrachtet. Dann erschrak er – denn er sah sich doppelt. »Es waren klar und deutlich zwei Spiegelbilder«, erinnerte sich Lincoln gegenüber seinem Freund: »Mein Gesicht hatte, wie ich bemerkte, zwei Ebenen, die Nasenspitze des einen Gesichts war etwa drei Zentimeter von der Spitze des anderen entfernt.« Verstört,»wahrscheinlich sogar erschrocken« sei er aufgestanden und habe ein zweites Mal in den Spiegel geblickt.

Doch das Trugbild sei verschwunden gewesen. »Als ich mich wieder hinlegte, sah

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