Paganini: Vom Publikum Gefeiert, Von Der Kirche Verteufelt

Als »Teufelsgeiger« erlangte der Meisterviolonist und Komponist Niccolò Paganini (1782–1840) weltweite Berühmtheit.

Wenn der Italiener mit seiner Geige öffentlich loslegte, gab es für sein Publikum oft kein Halten mehr. Weitgehend unbekannt sind dagegen die tragischen Folgen, die sein »satanistisch« anmutender Übername für ihn haben sollten.

Tatsächlich vermochte der Musiker auf seinem Instrument»Töne hervorzubringen, von denen man sagte, dass kein menschliches Ohr sie je gehört hatte«, fasst es der deutsche Literaturkritiker Werner Fuld in seinem Werk »Paganinis Fluch« zusammen. Regelmässig soll es unter den begeisterten Zuschauern zu Ohnmachtsanfällen gekommen sein.

»Bald fragten sich einige, ob solche Töne überhaupt noch mit einer menschlichen Begabung erklärbar seien.« Hinzu kam das markante, hagere Äussere des Künstlers mit seinem bisweilen stechenden Blick. »Es ist etwas Dämonisches an ihm«, urteilten Beobachter ebenso verwirrt wie euphorisch.

Ob Konzertbesucher oder Musikexperten – mit zunehmender Bekanntheit Paganinis waren immer mehr Zeitgenossen davon überzeugt: Dieser Mann konnte nicht von dieser Welt sein. Oder aber er musste seine Seele verkauft haben, um derart himmlische Klänge zu erzeugen. Bald überschlugen sich denn auch die Gerüchte: Paganini sei ein Mörder, der jahrelang in Haft gesessen habe. Die berühmte G-Saite seiner Violine, so tuschelte man, habe er aus den Gedärmen seiner getöteten Geliebten gefertigt. Natürlich war all dies – und noch viel mehr – mehrheitlich dummes Geschwätz. In Kirchen durfte er dennoch schon bald nicht mehr aufspielen.

Trotz seiner Glücksspielsucht feierte Paganini weiter grosse Erfolge, schrieb sich ein virtuoses Meisterstück nach dem nächsten auf den Leib, doch seinen Konzerten haftete stets der Hauch des Verruchten an. Noch an seinem Sterbebett in Nizza wollten ihn Kleriker deshalb zur Abbitte bewegen. Ein Priester namens Caffarelli schlich sich hierzu in die Gemächer des bettlägerigen Geigers. Der Geistliche hatte beschlossen, »dem wartenden Satan zuvorzukommen und die verstockte Seele des Todkranken für die Kirche zu retten«, schildert es Fuld. Paganini war jedoch schwerst am Kehlkopf erkrankt und konnte zu diesem Zeitpunkt kaum noch sprechen.

Trotzdem bedrängte ihn der Geistliche, fragte immer wieder, worin sein Geheimnis liege. Genervt tat Paganini dem Priester irgendwann den Gefallen und sagte, was dieser hören wollte: »In ihr steckt der Teufel!« Dabei richtete er sich wütend im Bett auf und griff nach seinem Instrument. »Aber da packte schliesslich, bis die mumiÀzierte Leiche des Geigers nach einer schier endlosen Odyssee durch Burgen, Spitäler, Ölmühlen und sogar einer Aufbahrung auf einer einsamen Felsinsel doch noch in geweihter Erde beigesetzt werden durfte.

Wie so oft war es der schnöde Mammon, der Rom schwach werden liess: Erst nachdem sich Achille dazu verpÁichtet hat te, all jenes Geld der Kirche zu überlassen, das sein Vater angeblich mit Hilfe des Teufels eingespielt hatte, stimmten die Pfaffen einer kirchlichen Beerdigung zu. Nach heutigem Wert dürften dies mindestens 750'000 Euro gewesen sein.

Dank dem grosszügigen Ablasshandel liegt Paganini seit 1896 auf dem neuen Friedhof zu Parma, wo man ihm inzwischen ein Grabdenkmal errichtet hat.

Paganini: Vom Publikum gefeiert, von der Kirche verteufelt – Abbildung 2
Paganini: Vom Publikum gefeiert, von der Kirche verteufelt – Abbildung 3
Paganini: Vom Publikum gefeiert, von der Kirche verteufelt – Abbildung 4
Paganini: Vom Publikum gefeiert, von der Kirche verteufelt – Abbildung 5