Bruckner: Posthume Spritztour In Die Schweiz – Und ZurüCk
Die Vergänglichkeit war Anton Bruckner (1824–1896) ein Gräuel. Drei Jahre vor seinem Tod verfügte der heute verehrte, doch von zeitgenössischen Kritikern mitunter heftig gescholtene Komponist, posthum einbalsamiert zu werden.
Nach wie vor liegt sein in Formalin getränkter Körper in der Stiftskirche St. Florian bei Linz in einem Sarkophag unterhalb der Orgel. 1996 jedoch war es um die prominente Mumie alles andere als gut bestellt. Gnadenlos nagte der Zahn der Zeit an ihr. »Sie musste von Schimmelpilz befreit, gereinigt und wieder neu eingekleidet werden, um weiterhin in der Kirche ruhen zu können«, erinnert sich der Anthropologe Bruno Kaufmann gegenüber »mysteries«.
100 Jahre nach seinem Tod ging der Komponist deshalb nochmals auf Reisen. Nicht etwa im Leichenwagen samt Sicherheitseskorte – sondern klammheimlich, versteckt im Kofferraum eines Privatautos. Die postmortale Reise führte Bruckner von Österreich über die Grenze in die Schweiz. Genauer gesagt nach Aesch, einem Vorort von Basel. Dort leitete Kaufmann bis 2013 ein renommiertes Anthropologisches Institut, das auf Gebeine aller Art spezialisiert war.
»Als wir mit Bruckner fertig waren, sah er wieder aus wie neu«, schmunzelt der heute im Ruhestand lebende Leichen-Spezialist. Noch gut erinnert er sich an die kuriosen Umstände der Überführung: »Um kein böses Blut bei den österreichischen Kollegen zu schüren, hatte alles diskret und im Verborgenen zu geschehen.« Lediglich die Grenzbehörden waren über den heimlichen Leichentransport informiert.
Und so kutschierte Kaufmann den berühmten Toten in einer regelrechten Nacht- und Nebelaktion im Kofferraum seines Toyotas durch die Lande. Am österreichischen Zoll verlor er unerwartet Stunden, so dass er spätabends noch ein Hotel suchen musste – ebenso wie eine abschliessbare Garage.
»Schliesslich sollte niemand merken, welch heikle Fracht da im Fond meines Autos lag.« Dank gelungener Rettungsmission ruht Anton Bruckner seit April 1996 nun wieder an seinem angestammten Platz in der Stiftskirche: Um eine unerhoffte Reise reicher, dank»Frischzellenkur« aus der Schweiz dezent aufgehübscht, von einem örtlichen Prälaten erneut eingesegnet – und anschliessend wieder beigesetzt.
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