Bei VW versprechen die Konzerngauner scheinheilig, »die gesetzlich zulässigen Toleranzwerte künftig einzuengen und damit realitätsnähere C02-Werte auszuweisen«. Man beachte die For-

Plädoyer für das menschliche Grundrecht auf Dummheit

Hurra! Nach über 25 Jahren journalistischer Tätigkeit gehöre ich ebenfalls zum illustren Club der Ausgestossenen. Seit meiner geballten Breitseite gegen Wikipedias Zensoren werde ich im Online-Lexikon nicht mehr nur als »Journalist, Publizist und Schriftsteller« bezeichnet, sondern zusätzlich als »Verschwörungstheoretiker« betitelt – was auch immer man darunter verstehen mag.

Was wären wir nur ohne das Internet? Falsch informierte Besserwisser. Und was sind wir dank dem Internet? Falsch informierte Besserwisser. Erst kürzlich musste ich in einem Schweizer Nachrichten-Blog allen Ernstes lesen, »dass Eisen-Rückstände in der ägyptischen Cheopspyramide laut dem Mysteries-Magazin bedeuten, dass es die Ausserirdischen wirklich gibt«. O heilige Einfalt! Gäbe es ein menschliches Grundrecht auf Dummheit, müssten wir uns vor dem Einlass ins Paradies bei Petrus zumindest nicht mehr rechtfertigen…

Der Homo sapiens ist und bleibt ein befremdliches Wesen. Mehr denn je streben wir danach, zu den gefährdetsten Arten unseres Planeten zu gehören. Eifrig basteln wir am grössten Feuerwerk aller Zeiten. Und weil es diesmal so richtig krachen und qualmen soll, darf es auch etwas kosten: Sagenhafte 1676 Milliarden Dollar werden mittlerweile weltweit für Militärausgaben verpulvert, pro Jahr! 600 Milliarden Dollar davon allein in den USA. Selbst Kanzlerin Merkel will auf Drängen der Amis nun 20 zusätzliche Euro-Milliarden Steuergeld aus Deutschland für die Aufrüstung einschiessen – »im Interesse Europas«. Weshalb wir uns auf den Vierten Weltkrieg freuen können? Weil er nicht mehr mit Atomraketen ausgetragen wird. Sondern mit Keule, Pfeil und Bogen.

Allen Unkenrufen zum Trotz hat unsere Welt auch Fortschritte gemacht. Vor Schottland, in der Nordsee und der Ostsee etwa sind laut Greenpeace durchschnittlich bereits 73 Prozent aller Krustentiere mit Mikroplastik verseucht – mehr denn je. Vor São Paulo mutieren gar 89,5 Prozent aller Schalentiere zu Lego-Steinen – mehr denn je. In England blätterte Manchester United für FussballproÀ Pogba 110 Millionen Euro auf den Tisch – mehr denn je. Und in der Bundesrepublik lässt Deutschlandfunk dank GEZ-Zwangsgebühren seine staatlichen Sender erneut umbenennen.

»Deutschlandradio Kultur« heisst bald »Deutschlandfunk Kultur«.

Aus »DRadio Wissen« wird »Deutschlandfunk Nova«. Kostenpunkt der weltbewegenden Innovation? Eine Million Euro!

Im Wüstenstaat Katar – wo denn sonst? – fand derweil die internationale Rad-Weltmeisterschaft statt. Bei über 40 Grad, ohne Zuschauer. Im ach so aufgeklärten Polen wiederum sollen Abtreibungen künftig mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

mulierung. Und die viel gescholtenen Hornochsen von »Google Street View«? Die nehmen es mit dem Datenschutz mittlerweile derart genau, dass im englischen Cambridge – kein Witz – neben menschlichen Rindviechern neuerdings sogar die Köpfe von weidenden Kühen unkenntlich verpixelt werden, wie Twitterer belustigt feststellen mussten.

Stets für Harmonie und gute Stimmung sorgen auch unsere Nationalhymnen, die vor jedem Fussball-Freundschaftsspiel zur friedfertigen Völkerverständigung angestimmt werden: »Zu den Waffen! Das unreine Blut tränke unserer Äcker Furchen!«, schmettern etwa die Franzosen. »Wir schwören beim zerstörerischen Blitzstrahl, bei den Strömen reinen Bluts, dass wir uns erhoben haben«, posaunen die Algerier. »Wir sind bereit zum Tod! Wir sind bereit zum Tod!«, johlen die Italiener aus voller Brust. Und die Amerikaner frohlocken im Chor: »Und der Raketen grelles, rotes Licht, die in der Luft explodierenden Bomben, bewiesen, dass unsere Flagge noch da war.« Kawumm!

Unwissend werden wir geboren. Und alles wieder vergessend sterben wir. Dazwischen hat uns das Universum einen Hauch Zeit geschenkt, um darüber nachzudenken, weshalb das menschliche Gehirn derart beschränkt ist, dass wir seine Funktionen nie vollends kapieren werden. Machen wir in diesem Sinn das Beste daraus. Und erinnern Sie sich in düsteren Tagen daran, was einst Oscar Wilde notiert haben soll: »Am Ende wird alles gut.

Und wenn es nicht gut ist, ist es auch noch nicht das Ende.« Und irgendwo da draussen über den Wolken kurven Angela Merkel und Sigmar Gabriel im Regierungsjet über Deutschland. Sagt der Wirtschaftsminister: »Wenn ich jetzt einen Fünfhunderter hinunter werfe, freut sich ein Deutscher.« Entgegnet ihm Merkel:»Wenn ich stattdessen fünf Hunderter hinunter werfe, freuen sich fünf Deutsche.« Murmelt der Pilot verdrossen: »Und wenn ich euch beide hinunter werfe, freut sich ganz Deutschland!« Luc Bürgin (Herausgeber)

Ein schwarz-weißes Bild eines Fingerabdrückens.
Ein Bild einer Unterschrift, die "Vertrag" sagt
Ein Mann mit einem Hut auf dem Kopf.
Redakteurel in Weiß auf schwarzem Hintergrund geschrieben