Hat Stanley Kubrick 1968 Den Tablet-Computer Erfunden?
Gerade mal sechs Jahre sind es her, seit der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs am 27. Januar 2010 der Öffentlichkeit das allererste »iPad« präsentierte und damit die Welt veränderte.
Dies, nachdem Konkurrenten wie Toshiba, IBM, Siemens oder Microsoft bereits in den 1990er-Jahren mehr oder weniger erfolglos Tablet-Vorläufer lanciert hatten, welche sich jedoch nie Áächendeckend durchsetzen konnten.
Um so visionärer mutet vor diesem Hintergrund Stanley Kubricks Meisterwerk »2001 – Odyssee im Weltall« an. Im Science-Fiction-Klassiker von 1968 arbeiten und chatten die Astronauten im Weltraum bereits mit hauchdünnen portablen Tablet-Computern in A4-Grösse! Als Apple 2001 rechtlich gegen Samsungs »Galaxy«-Tablet vorging, wurde die über dreissig Jahre alte Filmszene vom koreanischen Elektronikriesen sogar vor Gericht präsentiert, um Plagiatsvorwürfe zu kontern.
Internet im All und die Qual der InformationsÁut Das Buch zum Film hatte Kubrick mit dem Schriftsteller Arthur C.
Clarke entwickelt. Ausführlich werden darin weitere Funktionen des Tablets erläutert – und dies wohlgemerkt Ende der 1960er- Jahre, als das Internet noch gar nicht erfunden war:»Obwohl er auf seinem Sitz blieb und las, gab es doch viele Möglichkeiten, die Zeit totzuschlagen. Wenn er von den ofÀziellen Berichten und Memoranden genug hatte, steckte er den Kontakt des Nachrichtenschirms in die Steckdose, die ihn mit dem Informationsstromkreis des Raumschiffes verband. Nacheinander konnte er jetzt die wichtigsten elektronischen Zeitungen der Welt Revue passieren lassen. (…) Erst überÁog er die Titelseiten, auf denen sämtliche im Innern enthaltenen Artikel in Form von Schlagzeilen vermerkt waren (…) und wenn er einen davon auf einer Tastatur drückte, erschien dieser auf dem Schirm als briefmarkengrosses Rechteck, das sich schnell vergrösserte, bis er die gesamte Fläche ausfüllte und sich bequem lesen liess. Wenn er den Artikel beendet hatte, stellte er wieder eine Titelseite ein und wählte ein neues Thema zur Lektüre.
Er befand sich im Weltraum (…). Doch in Bruchteilen von Sekunden konnte er jeden beliebigen Zeitungsartikel lesen. Der Text wurde von Stunde zu Stunde ausgewechselt, und selbst wenn einer nur Englisch verstand, konnte er sein ganzes Leben lang damit verbringen, den ständigen Informationsstrom der Nachrichtensatelliten zu verfolgen.
Man konnte sich schwer vorstellen, dass das System verbessert werden könnte. Aber früher oder später, meinte er, würde es trotz allem veraltet sein und durch etwas Neues und so Unvorstellbares ersetzt werden, wie dieser Nachrichtenschirm dem alten Buchdrucker Gutenberg erschienen wäre. Doch das Lesen der winzigen elektronischen Schlagzeilen liess noch einen anderen Gedanken in ihm wach werden. Je wunderbarer die Kommunikationsmittel wurden, um so banaler der von ihnen übermittelte Inhalt…« ■










