Schallkanonen Gegen WutbüRger
England und osteuropäische Staaten nehmen ihre Bürger damit bereits ins Visier – und auch bei uns scheint der Einsatz nur noch eine Frage der Zeit: Mit Akustik-Waffen wollen Militär und Polizei aufmüpfige Wutbürger künftig besser auf Distanz halten und Demonstrationen auflösen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Denn die schmerzhaften Schallwellen können zu bleibenden Hörschäden führen.
ie Szenen könnten aus einem düsteren Zukunftsfilm stammen: Polizisten in Kampf-Overalls sitzen auf einem DPickup. Apokalyptisch anmutende Spezialmasken verdecken ihre Gesichter. Mit Blaulicht fährt die Spezialeinheit durch Strassen und Gassen und verbreitet dabei einen Höllenlärm.
Das markerschütternde, hochfrequente Sirren kommt aus einem seltsamen Gehäuse auf der Ladefläche des Geländewagens. Immer wieder zielen die Männer mit der trommelartigen Box auf herumstehende Demonstranten. Denen scheint der Kopf zu platzen: Erschreckt halten sie sich die Ohren zu, wenden sich mit schmerzverzerrten Gesichtern ab, sacken hilflos in die Knie oder rennen in Panik davon. Kein Wunder: Sie werden schliesslich gerade beschossen – mit Schallwellen!
Abgespielt haben sich die erschreckenden Szenen 2008 in Georgien. Doch bald könnte es auch auf westeuropäischen Strassen zu ähnlichen Szenen kommen. Denn auch hiesige Polizei- und Militärkräfte setzen zunehmend auf Akustikwaffen, so genannte «Long Range Acoustic Devices» (LRAD): Hochmoderne Schallkanonen aus amerikanischen Hightech-Waffenschmieden.
Die polnische Polizei soll sie bereits während der Fussball-Europameisterschaft bereitgehalten haben. Und erst jüngst hat das britische Verteidigungsministerium eingeräumt, etwaigen Unruhen während der Olympischen Sommerspiele in London ebenfalls mit LRADs zu begegnen.
Bereits im Mai dieses Jahres wurden bei Ernstfallübungen auf der Themse denn auch Spezialeinheiten der Königlichen Marine gesichtet, deren Schnellboote mit Schallkanonen bestückt waren.
Alles ganz harmlos, wiegelte die Einsatzleitung ab. Man wolle mittels der Schallkanonen in erster Linie den Bootsverkehr auf der Themse koordinieren. Tatsächlich eignen sich die umstrittenen Geräte auch als äusserst leistungsfähige Lautsprecher, samt Durchsagen- und Warnmodus.
In beiden Fällen können sie akustische Botschaften gezielt über extrem weite Distanzen übermitteln, im Bereich von 2100 bis 3100 Hertz, mit einem maximalen Schalldruckpegel von bis zu 150 Bei der EM und den Olympischen Spielen bereits im Einsatz.
Dezibel. Zum Vergleich: In einer lauten Techno-Disco dröhnt es schnell mal mit 100 Dezibel – direkt vor den Lautsprecherboxen! Spätestens ab 120 Dezibel empfinden viele Menschen Lärm als unangenehm und reagieren mit Unwohlsein.
Bei 130 Dezibel wird es definitiv schmerzhaft. Ein startender Düsenjet bringt es auf bis zu 140 Dezibel, in 30 Metern Abstand.
LRADs sind potenter: Beim leistungsfähigsten Modell und unter optimalen Bedingungen seien Durchsagen noch in 8,9 Kilometer Entfernung «klar verständlich», versprechen die Hersteller.
Im «Waffenmodus» dagegen malträtieren schrillere Signale bei Ausgabe 5/2012 LRAD-Einsatz in Georgien (2008). Spielen sich derartige Szenen bald auch auf unseren Strassen ab?
Heulton gegen Freibeuter. Die Geräte wurden bisher vor allem im Kampf gegen Piraten eingesetzt.
Hauptprobe für die Olympischen Spiele: Bereits im Mai führte die britische Marine auf der Themse Manöver mit einer LRAD-Schallkanone durch. (Foto: Keystone/AP) gleicher Leistung auf kurze Distanz unser Gehör derart, dass wir instinktiv flüchten. Englische Sicherheitsexperten äusserten gegenüber dem «Mirror» deshalb Zweifel an den Ankündigungen der Polizei, die LRADs während der Olympiade lediglich im Schiffsverkehr einzusetzen. Die Geräte seien in den Planspielen der Sicherheitskräfte wohl vielmehr zur «Auflösung von Menschenansammlungen» vorgesehen. Immerhin wurden die Briten bei den Vorbereitungen des Mega-Events von amerikanischen Geheimdienst- und Polizeivertretern beraten und unterstützt.
Dort hat man bereits jede Menge Erfahrung mit dem Einsatz von Akustikwaffen: So nahmen US-Polizisten 2009 Demonstranten beim G20-Gipfel in Pittsburgh mit Schallwellen unter Beschuss. Und erst Ende 2011 lösten Sondereinheiten das Occupy-Lager in der New Yorker Wall Street sowie Kundgebungen in Oakland mittels schmerzhafter Lärmattacken auf. Zuvor hatten bereits Polizeieinheiten in Kanada Globalisierungsgegner bei Grossdemonstrationen mit Schallkanonen gepeinigt.
Auch anlässlich des G8-Treffens im Mai dieses Jahres in Chicago kündigte die US-Polizei an, die Mächtigen per LRAD schützen zu wollen. Scheinheilig präsentierten die Ordnungshüter ihre neue Waffe den Medien im Vorfeld als Lautsprecher: Man wolle per LRAD mit den Demonstranten «kommunizieren».
Das war nicht einmal gelogen: Auch in New York, Vancouver, Pittsburgh und Oakland machten die Einsatzleitungen bei den Kundgebungen erst Durchsagen über LRAD. Doch danach wurden schmerzhaftere Töne verbreitet. Passanten, Journalisten Ausgabe 5/2012 und Nachbarn, ja sogar Kinder, gerieten hierbei ins Visier. Eine Anwohnerin musste mit einem Hörsturz ins Krankenhaus. Betroffene beschrieben die schrillen Töne als «nicht aushaltbar» und äusserst schmerzhaft.
Dennoch gelten die Geräte in Deutschland nicht als Waffe, wie Olaf Wiesel betont. Der Norddeutsche rüstet mit seiner Firma Sicherheitsorgane mit Spezialequipment aus und ist auch Generalvertreter der Firma LRAD in Deutschland. Die Bezeichnung «Schallkanone» findet er «schlichtweg falsch»: «LRADs sind im Prinzip grosse MP3-Player mit ausserordentlich leistungsfähigen Lautsprecherboxen», so der Geschäftsmann gegenüber «mysteries». Deshalb seien die Geräte in Deutschland frei verkäuflich – wenn auch mit gewissen Auflagen. «Schliesslich sind die Dinger ja trotzdem nicht ungefährlich», räumt Wiesel dann doch noch ein.
LRADs sind in der Bundesrepublik als Ruf- und Warngeräte eingestuft. So kann bei «Wiesel-Defence» zwar nicht jeder Bürger oder Discothekenbesitzer derlei Geräte erwerben. Doch schon für private Sicherheitsfirmen oder Unternehmen wie Reedereien fallen die Hürden. Zudem beliefert Wiesel weltweit Behörden wie Polizei, Feuerwehr und Zoll.
Friedensforscher Jürgen Altmann von der Technischen Universität Dortmund hält dagegen, dass LRADs keinesfalls nur Hochleistungs-Lautsprecher seien.
«Sie wurden in einem Waffenprogramm Befindet sich mittlerweile in den Händen der Bundeswehr: Neuer Akustikgenerator des Fraunhofer-Instituts. (Foto: Keystone/DPA) Ausgabe 5/2012 entwickelt und können auch als Waffe eingesetzt werden», kritisiert der Physiker gegenüber «mysteries». Bereits 2008 hat sich der Naturwissenschaftler in einer ausführlichen Studie über «nicht-tödliche Waffen» mit Schallkanonen auseinandergesetzt.
Sein Fazit: Die Geräte sind keinesfalls so harmlos wie von behördlicher Seite gerne versichert wird. «Im Hochleistungs-Warnmodus erreicht der Schallpegel unmittelbar vor dem System Lautstärken, die für das ungeschützte Gehör gefährlich sind», stellt Altmann fest. «Unter 50 Meter Abstand wirds kritisch.» Im Extremfall drohe bei einer derartigen Beschallung dauerhafte Schwerhörigkeit.
Kommt hinzu, dass LRAD-Apparaturen ursprünglich vor allem für den Einsatz im freien Gelände entwickelt wurden, nun aber zunehmend auch in engen Strassenzügen europäischer und amerikanischer Grossstädte benutzt werden. Häuserwände und Ähnliches verstärken ihre Wirkung dort zusätzlich, kritisieren Bürgerrechtler den polizeilichen Einsatz der Schallkanonen. Physiker Altman hält die Bedenken für berechtigt: «Mauern verursachen unkontrollierte Reflexionen der Schallwellen. Zudem sind in Städten die Abstandsmöglichkeiten zum LRAD von vornherein begrenzt.»
Ob deutsche Ordnungshüter ebenfalls schon Akustikwaffen in der Hinterhand haben, ist unklar. LRAD-Händler Olaf Wiesel schweigt bei diesem Thema: «Darüber darf ich nicht sprechen.»
Vieles spricht allerdings dafür, dass auch hiesige Sondereinheiten mit Schallkanonen ausgestattet sind – oder es zumindest zu Testzwecken waren: Schon 2007 hatte unter anderem die BILD-Zeitung behauptet, dass der damalige G8-Gipfel von Heiligendamm mit Schallwaffen geschützt werde.
Wer hat die Schallkanonen bereits – und wer nicht?
Offiziell bestätigen will dies niemand. Gegenüber «mysteries» erklärte die Bundespolizei etwa, sie besitze «keine LRADs». Allerdings habe sich die «Bundespolizei See» 2010 «im Rahmen der Piraterieprävention mit dem Thema LRAD auseinandergesetzt», so Sprecherin Silke Busskamp. «In diesem Zusammenhang wurde entschieden, dass keine Erprobungen mit LRAD oder ver- So dröhnt die Schallkanone. Je näher die Je näher die Quelle, desto schmerzhafter!
LRAD-Apparatur auf dem Autodach Startender Düsenjet: 120 Dezibel Erste Reihe im Rock-Konzert: 107 Dezibel U-Bahn: 95 Dezibel Bellender Hund: 88 Dezibel Stärke oberhalb der menschlichen Schmerzgrenze von 120 Dezibel 20 Meter 50 m200 m500 mgleichbaren Geräten in der Bundespolizei durchgeführt werden, Ein Schwerpunkt hier: «Nichtletale Wirkmittel» – konkret: «Nichtda kein einsatztaktischer Bedarf vorliegt beziehungsweise ertödliche Waffen». Der neue Akustikgenerator ist mittlerweile kennbar ist.» Ein Vertreter der Bereitschaftspolizei Baden-Würtalso fest in Händen der Bundeswehr. Doch auch dort gibt man temberg wiederum erklärte ebenfalls, dass man seines Wissens sich zugeknöpft. Telefonische Anfragen von «mysteries» wurden keine LRADs besitze und auch keine teste. Er habe auch nichts beharrlich ignoriert oder mit Verweis auf andere Dienststellen davon gehört, dass dies bei anderen Einheiten in Deutschland abgeblockt.
der Fall sei.
Unstrittig ist, dass LRADs gerade in militärischen Kreisen ein Stichprobenartig fragte «mysteries» auch in der Schweiz Polidurchaus hilfreiches Kommunikationsmittel darstellen können.
zeibehörden an, die regelmässig mit Grossdemonstrationen und Patrouillen etwa sind damit in der Lage, in heiklem Terrain be- Fussballspielen zu tun haben. «Bei uns sind LRADs derzeit kein reits auf grössere Distanz verdächtige Personengruppen anzu- Thema», erklärte der Sprecher der Stadtpolizei Zürich, Marco sprechen, um zu klären, ob von diesen womöglich eine Gefahr Bisa. Wie das in Zukunft gehandhabt werde, könne er «jedoch ausgeht. Frei nach dem Motto: Erst reden, und erst dann – vielnicht sagen». Ähnlich klingt es bei der Poleicht – schiessen.
lizei Basel-Landschaft. Sprecher Nico Bu-Medienpräsenz erhielten die Schallka-Die neue Schallkanone schauer: «Uns ist nicht bekannt, dass es nonen bisher vor allem durch ihren Einin der Schweiz ein Polizeikorps gibt, das satz im Kampf gegen Piraten. So hofften befindet sich mittlerweile im LRADs besitzt oder einsetzt.»
Soldaten und private Wachteams, damit Besitz der Bundeswehr.
Die Deutsche Marine jedenfalls nutzt afrikanische Freibeuter in die Flucht zu LRADs bereits. Und im Frühjahr 2011 gab schlagen. Bisher mit durchwachsenem das deutsche Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie Erfolg. So schrieb «Der Spiegel» bereits von «wirkungslosen High- (ICT) in Pinztal bekannt, dass es den Prototypen einer neuartitech-Waffen». Die Heulerei führe regelmässig zu einer Eskalation gen Schallwaffe entwickelt habe. Dieser «Akustikgenerator» sei der Situation, weil die Piraten auf das «Schallfeuer» mit echtem in der Lage, einen Schrillton von bis zu 130 Dezibel zu erzeugen.
Beschuss antworteten.
«Das ist etwa doppelt so laut wie ein Starfighter», konstatierten Selbst Händler Olaf Wiesel warnt: «Wenn man LRADs noch die Techniker stolz.
nicht kennt, ist das schon beeindruckend. Aber wenn der Über- «Normalerweise breitet sich der Schall kugelförmig aus und raschungseffekt erst einmal wegfällt und das Gegenüber zu alverhallt schon nach wenigen Metern», erklärte Wilhelm Eckl, lem entschlossen ist, kann das System überwunden werden.»
ICT-Abteilungsleiter für energetische Systeme gegenüber dem Auch Politaktivisten verwiesen schon auf Schwächen der Schall- «Handelsblatt». Mit dem neuen Akustikgenerator dagegen könnten die Wellen nun trichterförmig über mehrere hundert Meter «gebündelt» werden.
Akustikgenerator: Maulkorb für deutsche Forscher Vielleicht werde das Gerät von der Bundeswehr übernommen, hofften die Entwickler damals optimistisch. Die neuen Schallkanonen seien schliesslich «effizient, und mit ihnen wird niemand getötet», so das ICT. Einzige Gefahr sei, dass das Trommelfell der Betroffenen in Mitleidenschaft gezogen werden könnte…
Inzwischen will sich keiner der Fraunhofer-Forscher mehr zum Thema äussern. «Das dürfen wir nicht mehr, diese Angelegenheit ist nun Sache des WTD 52», heisst es auf Anfrage von «mysteries». Eine kurze Recherche bringt Klarheit: Hinter dem Kürzel WTD verbirgt sich niemand anders als eine Beschaffungs- und Forschungsgruppe der Bundeswehr, die «Wehrtechnische Dienststelle». Deren Abteilung «52» ist für «Schutz- und Sondertechnik» zuständig, wie aus einem internen Organigramm hervorgeht.
kanonen. Einschlägige Internetseiten empfehlen deshalb, bei umstrittenen Demos künftig auch Ohrenschützer einzupacken.
Mit denen könne der schmerzhafte Effekt der Geräte deutlich gemildert werden.
Dennoch wird an den Akustikkanonen unterdessen kräftig weiter gewerkelt. So will ein österreichisches Unternehmen Drohnen herstellen, die unter anderem mit Schallkanonen bestückt werden können. Auch diese Mini-Flugzeuge sollen in erster Linie gegen Piraten eingesetzt werden. Dass sie aber auch ein potenzielles Mittel gegen allzu aufmüpfige «Wutbürger» darstellen, liegt auf der Hand.
Friedensforscher Jürgen Altmann fordert deshalb, dass für LRADs «eine ausdrückliche Bewertung unter den Kriegsführungsregeln durchgeführt» wird. «Dasselbe gilt für die Menschenrechte oder das Verfassungsrecht für den Fall waffenartiger Nutzung durch innere Sicherheitskräfte.» Zudem müsse technisch dringend nachgebessert werden, so der Physiker. Sein Vorschlag: «Um Gehörschäden zu vermeiden, sollte ein technisches Gerät eingeführt werden, dass die Schallleistung oder dessen Dauer abhängig von der Entfernung zu der Zielperson begrenzt.»
Neben dem polizeilichen und militärischen Einsatz könnten LRADs künftig noch eine weitere Verwendung finden: Laut Firmenvertreter Olaf Wiesel wollen europäische Politiker mittels Akustikgeneratoren Schutzzonen für Off-Shore-Windparks errichten. Desorientierte, betrunkene oder eingeschlafene Schiffskapitäne sollen durch die markerschütternden Töne bereits aus grosser Distanz gewarnt werden, falls sie den Anlagen auf hoher See zu nahe kommen.
Auf diese Weise bekämen die umstrittenen Geräte doch noch eine friedliche Verwendung. Klar ist jedoch auch, dass die Konflikte zwischen Bevölkerung und Machthabern künftig wohl um einiges lautstarker ausfallen dürften.
Selbst Kinder werden mit Pfeiftönen gejagt und geplagt damit Schüler und Schülerinnen loswerden, die es wagten, auf den Eingangstreppen des Hauses zu vespern. Und in Deutschland versuchen Stadtverwaltungen, zum Beispiel Kinderspielplätze ausserhalb der Öffnungszeiten mit nervraubenden Attacken auf das jugendliche Gehör freizuhalten.
Obwohl Hersteller und Käufer immer wieder betonen, dass die «Fiepser» nicht die Gesundheit gefährden, kommen unabhängige Studien zu anderen Ergebnissen: So unterstreicht die Schweizerische Unfallversicherung, dass die Geräte bei «unsachgemässem Einsatz» – etwa einer falschen Montage – einen «bleibenden Hörverlust» verursachen können. In Deutschland warnen offizielle Stellen ebenfalls. Nach eingehender Prüfung kam die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zum Schluss, dass «Mosquitos» nicht nur das Gehör der Kinder schädigen, sondern auch Störungen des Gleichgewichtsinns sowie Schwindel und Kopfschmerzen hervorrufen können.
Einziger Trost: Zumindest ein paar kritische Europaparlamentarier wollen die lärmigen Dinger nun verbieten lassen.
Sie sehen durch die Boxen unter anderem die Rechte von Minderjährigen, insbesondere deren spezielles Schutzbedürfnis, gefährdet. Viele «Mosquito»-Käufer müssen ihre Terror-Piepser zudem kurz nach dem ersten Einsatz wieder abmontieren.
So auch die Baselbieter Richter. Grund: Die öffentliche Empörung über den Schall-Terror gegen Heranwachsende war zu gross.
Was nur wenige wissen: Im öffentlichen Raum werden «Schallwaffen» bei uns schon längst eingesetzt. Ausgerechnet gegen die Schwächsten: Kinder. Ein Grossteil der Gesellschaft hat dies noch nicht realisiert – weil er es gar nicht realisieren kann!
Den Schmerz produziert eine kleine Box (Bild rechts), die jeder irgendwo aufhängen kann. Die perfiden Geräte tragen den harmlos klingenden Namen «Mosquito» – weil sie ähnlich den Insekten einen Pfeifton absondern. Das «Fiepsen» der maschinellen Plagegeister bewegt sich dabei allerdings in einem extrem hohen Frequenzbereich, bei rund 16 Kilohertz.
Erwachsene ab etwa 25 Jahren können diese Töne altersbedingt nicht mehr hören. Jüngere dagegen umso besser. Sie empfinden die Beschallung als äusserst unangenehm, fast schon schmerzhaft. Deshalb werden die «Mosquito»-Boxen als Jugendschreck angepriesen, verkauft und eingesetzt: Mit ihrem fiesen Gesumme sollen sie spielende Kinder und «herumlungernde» Pubertierende vergraulen.
Hergestellt werden die Terror-Piepser von einer englischen Firma. In Grossbritannien setzt sogar die Polizei «Mosquitos» ein. Doch das Unternehmen hat nach eigenen Angaben auch Tausende von Geräten ins restliche Europa verkauft, vor allem nach Deutschland und in die Schweiz. Hoteliers etwa setzen sie in unseren Gefilden gerne als Waffe gegen unliebsame, zu laut empfundene Jugendliche ein.
Selbst Schweizer Behörden schrecken nicht davor zurück, den Nachwuchs mit Schall zu vertreiben: So installierte 2007 das Strafgericht Basel-Landschaft in Liestal eine solche Lärmwaffe. Die Juristen wollten











































