Welcher Schatz Schlummert Unter Tutanchamuns Nachbarin?

Weiterer Überraschungsfund im Tal der Könige: Schweizer Ägyptologen haben im Wüstensand eine uralte Gruft entdeckt, die einen unversehrten Sarkophag samt Mumie enthält. Darunter könnten Reste einer zweiten Grabstätte aus der 18. Dynastie liegen – der bekanntesten Pharaonen-Epoche.

Bereits am 25. Januar 2011 hatten Ägyptologen der Universität Basel im Tal der Könige eine verdächtige Struktur im Felsen entdeckt. Wegen der ausgerechnet an jenem Tag beginnenden Revolution wurde die Stätte allerdings sogleich wieder verschlossen, der Schlüssel der Altertümerverwaltung unter Zahi Hawass übergeben, der im Verlauf des Jahres entmachtet wurde.

Ein Jahr später, am 8. Januar 2012, konnte es dann endlich weitergehen. «Der Schacht musste von Schutt und Sand befreit werden», erzählt Projektleiterin Susanne Bickel gegenüber «mysteries». «Noch war nicht sicher, ob er zu einem Grab führen würde. Dann aber erschien der originale Verschluss des Durchgangs, dessen Dokumentation ebenfalls einige Tage dauerte, bevor man ihn fachgerecht entfernen konnte.»

Der erste Blick in die Sargkammer brachte eine freudige Überraschung: Ein Sarkophag war zu sehen, jedoch nicht wie erwartet vom Typus der prestigeträchtigen 18. Dynastie (15. Jahrhundert v. Chr.), sondern einige hundert Jahre jünger. «Am 12. Januar konnten wir dann in Begleitung des lokalen Chefinspektors in den Raum kriechen», so die Basler Chefägyptologin.

Nachdem die Ägypter den Fund am 15. Januar 2012 offiziell bekannt gegeben hatten, ging alles sehr schnell: Bereits einen Tag später konnte der mit gelben Hieroglyphen verzierte schwarze Sarg in der Gruft geöffnet werden. Zum Vorschein kam eine perfekt konservierte Mumie: Der Leichnam einer Sängerin aus dem 9. Jahrhundert v. Chr.

Ob sich unter ihren unversehrten Bandagen wertvolle Grabbeigaben oder gar ein Papyrus befinden? Möglich wärs. «Sarg und Mumie bedürfen eingehender Konservierung, bevor wei- Sensationsfund: Der Sarkophag vor und nach der Öffnung.

tere Untersuchungen möglich sind – diese werden frühestens im Herbst möglich sein», vertröstet Bickel. Doch die Grabstätte könnte noch weitere Überraschungen aus der Pharaonenzeit bergen. Denn ganz unten in der Kammer liegt vermutlich «eine 500 Jahre ältere Bestattung – um 1450 v. Chr. – unter einer dicken Schicht von Schutt und Schotter». Darauf würden Überreste des ersten Türverschlusses sowie Keramik auf dem Schachtboden deuten. Projektleiterin Susanne Bickel: «Wir beginnen in der Grabkammer jetzt mit der Sichtung des Bauschutts.»

red.

Ausgabe 2/2012

Welcher Schatz schlummert unter Tutanchamuns Nachbarin? – Abbildung 2
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