Schnurren Katzen, Um Sich Zu Heilen? Versuchen Sie, Sich Selbst Oder Gar Uns Zu Helfen, Wenn Sie Eingerollt Auf Uns «Vibrieren»? Fest Steht: Die Niederfrequenten Schallwellen Scheinen Unseren Geist Zu Beruhigen Und Die Heilung Von KnochenbrüChen Oder Lungenerkrankungen Zu Beschleunigen. Noch Immer Streiten Sich Mediziner Zudem, Auf Welche Weise Unsere «Samtpfoten» üBerhaupt Schnurren.
chnurrende Katzen – was gibt es Beruhigenderes? Kaum einer, der mit dem sonoren Geräusch nicht Wohlbehagen Sverbindet – ohne eine Ahnung davon zu haben, warum.
Was nur Katzenliebhaber wissen: Die flauschigen Vierbeiner schnurren nicht nur, wenn es ihnen gut geht. Sie tun dies auch, wenn sie Schmerzen haben oder nervös sind. «Manche Katzen schnurren sogar, wenn sie Angst haben, verletzt sind, gebären oder sterben», weiss Elizabeth von Muggenthaler vom amerikanischen «Fauna Communications Research Institute». Die Non-Profit-Organisation führt empirische Studien zu den Kommunikationsarten und Stimmen verschiedener Tiere durch.
Katzenschnurren nimmt dabei eine besondere Stellung ein.
Das Institut verkauft sogar CD-Aufnahmen mit entsprechenden «Wohlklängen». Denn Elizabeth von Muggenthaler und ihre Kollegen sind davon überzeugt, dass Schnurren heilen kann. «Ist es möglich, dass die Evolution die Katzen mit einem natürlichen Heilungsmechanismus für Knochen und andere Organe ausgestattet hat?» fragt sie in der 2006 erschienenen Studie «Katzenschnurren – ein biomechanischer Heilmechanismus». Antwort: «Die Forscher bei Fauna Communications sind überzeugt davon.»
Die Tierstimmen-Forscherin hat das Schnurren von 44 Katzen gemessen, aufgezeichnet und ausgewertet. Neben Hauskatzen berücksichtigte sie dabei auch Raubkatzen wie Geparde, Pumas oder Ozelote. Dabei stellte sie fest, dass sich die Frequenzen des Schnurrens bei allen Katzenarten um 25 bis 150 Hertz Ausgabe 2/2012 bewegen. Also exakt in jenem Niederfrequenzbereich, der beispielsweise für die Heilung von Knochenbrüchen oder die Lösung von Muskelkrämpfen vorteilhaft ist. Zum Vergleich: Die untere Grenze des menschlichen Hörbereichs liegt bei 16 bis 20 Hertz.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse ihrer Untersuchungen wurden im Kongressband der zwölften «Internationalen Konferenz zu Niederfrequenzlärm und Vibration und deren Kontrolle» in Bristol veröffentlicht («The Felid Purr: A bio-mechanical healing mechanism»).
Die amerikanische Tierforscherin ist nicht die einzige, die einen Zusammenhang zwischen der Schnurrfrequenz und der Heilung von Knochenbrüchen ortet. Auch Leo Brunnberg, Leiter der Tierklinik der Freien Universität Berlin, ist davon überzeugt, dass die durch das Schnurren erzeugte Vibration die Muskeln minimal bewegt und dadurch das Knochenwachstum beschleunigt. «Wir glauben, dass diese Mikrobewegung für die Frakturheilung von Bedeutung ist», bestätigt der Professor gegenüber «mysteries».
«Bis jetzt können wir das aber noch nicht belegen.» Jedenfalls sei es mehr als erstaunlich, dass Knochenbrüche bei Katzen schneller heilen als bei Hunden. Ein Mysterium, das Tierärzte bis heute beschäftigt.
Auch US-Expertin Elizabeth von Muggenthaler kann die heilende Kraft des Schnurrens letztlich nicht hundertprozentig belegen. Für sie spricht aber vieles dafür: «Die natürliche Selektion der Evolution hat das Schnurren bei verschiedenen Katzenarten in unterschiedlichen Regionen bereits sehr lange erhalten. Das spricht für eine lebenswichtige Bedeutung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Schnurren auch Energie benötigt und eine kranke Katze diese Energie nicht ohne guten Grund aufbringen würde.»
Die Vorstellung, dass Schnurren lediglich eine Ausdrucksform ist, verwirft die amerikanische Forscherin, «weil es ja in verschie- Patientin während der Behandlung. Statt Katzen können auch entsprechend vibrierende Polster eine heilende Wirkung entfalten.
Die Evolution hat das Schnurren erhalten, also ist es lebenswichtig.
denen Gefühlsmomenten und Situationen angewendet wird».
Katzen würden das Schnurren zwar beispielsweise als «Friedensangebot» benutzen, um dem Gegenüber zu zeigen, dass sie keine feindlichen Absichten haben. «Aber sie schnurren eben auch, wenn sie schwer verletzt in einem Käfig beim Tierarzt liegen», so die Amerikanerin.
Für die Expertin ist deshalb klar, dass das Schnurren für das Tier selber einen positiven medizinischen Effekt haben muss.
Seit Jahren sammelt sie wissenschaftliche Arbeiten, die aufzeigen, dass Katzen schneller gesund werden als andere Tiere und weniger Folgeschäden nach Eingriffen haben. So belegte etwa eine amerikanische Studie 1996, dass durchschnittlich nur 1,2 Prozent der Katzen nach einer Kastration Komplikationen hatten. Bei den Hunden lag der Durchschnitt bei 9,8 Prozent.
Und bereits 1987 hielten US-Tierärzte im «Journal of the American Veterinary Medical Association» fest, dass in 132 untersuchten Fällen, in denen Katzen aus einem oberen Stockwerk eines Hochhauses fielen, 90 Prozent davon überlebten. Die meisten stürzten aus einer Höhe von mindestens sieben Stockwerken in die Tiefe. Der Rekord lag in einem Fall bei der 45. Etage. Selbst diese Katze überlebte, trotz schwerer Verletzungen.
Für von Muggenthaler ist das nicht erstaunlich, wenn man die Schnurrfrequenz berücksichtigt. «Die dominanten Frequenzen bei drei untersuchten Katzenarten lagen exakt bei 25 oder 50 Hertz», erklärt die engagierte Forscherin. «Das ist die beste Vibrationsfrequenz für Knochenwachstum und das Heilen von Frakturen.»
Hauskatzen schnurren am variantenreichsten Allgemein würden sich Vibrationsfrequenzen zwischen 20 und 140 Hertz bei verschiedenen Krankheiten heilend auswirken. Frequenzen von 18 bis 36 Hertz wiederum würden in der Biomechanik zur Unterstützung der Gelenkbeweglichkeit benutzt. «Alle untersuchten Katzen konnten in diesem Bereich schnurren», so die Leiterin von «Fauna Communications». Dasselbe gilt auch bei der Schmerzbekämpfung. Hier seien 50 bis 150 Hertz nützlich, und «alle Katzen zeichnen sich durch mindestens fünf dominante Schwingfrequenzen in diesem Bereich aus». Die grösste Palette an Schnurrfrequenzen haben übrigens Hauskatzen.
Die Samtpfoten würden das Schnurren aber auch prophylaktisch einsetzen, ist von Muggenthaler überzeugt: Zur Vorbeugung von Muskelschwund. Denn Katzen schlafen viel. Während dieser Ruhephasen werden die Muskeln nicht aktiv trainiert. «Wenn Katzen sich nur sporadisch bewegen, ist es für sie von Vorteil, Knochen und Muskeln auch in der Ruhephase zu stimulieren.» Und das geschieht durch die Vibration beim Schnurren.
Absurd? Keinesfalls. Dass Vibration einen positiven Effekt haben kann, wurde nämlich auch schon bei Menschen belegt. Eine belgische Pilotstudie untersuchte 2004 die Wirkung der Vibrationsplatten «Power Plate» auf die Knochendichte. Frauen zwischen 58 und 74 Jahren trainierten während sechs Monaten dreimal wöchentlich auf einer Vibrationsplatte bei 35 bis 40 Hertz. Die Vergleichsgruppen mühten sich an herkömmlichen Fitnessgeräten ab oder taten gar nichts.
Dr. Kurt Pinter aus Graz. Der Das erstaunliche Fazit: Bei Frauen, die kon- Arzt entwickelte medizinische ventionelles Krafttraining durchführten oder «Schnurr-Polster».
der anderen Kontrollgruppe angehörten, nahm die Knochendichte ab. Hier «konnte nur der altersbedingte Rückgang der Knochendichte um 0,6 Prozent beobachtet werden», schrieben die Forscher im «Journal of Bone and Mineral Research». Das Vibrationstraining hingegen «verbesserte die isometrische und dynamische Muskelkraft und erhöhte die Knochendichte in der Hüfte signifikant um 0,9 Prozent», so die Wissenschaftler.
Auf die Idee, Katzenschnurren für die Menschen anzuwenden, kam vor einigen Jahren auch der Allgemeinmediziner Kurt Pinter aus Graz. «Es war die Studie von Elizabeth von Muggenthaler mit den Frequenzmessungen, die mich dazu brachte, in Bezug auf die Menschen weiterzuforschen», bestätigt der österreichische Arzt gegenüber «mysteries».
Sein Kollege Fritz Florian konstruierte schliesslich ein so genanntes «Katzenschnurr-Therapiegerät», das die beiden seit nunmehr rund fünf Jahren anwenden. «Das Gerät besteht aus einem Verstärker, der mit Software bestückt ist – dem Katzenschnurren, das mittels eines hochempfindlichen Mikrophons absolut authentisch aufgenommen wurde – und der den Körperschall, also nicht das Schnurrgeräusch, sondern die Vibration, über eine spezielle Art Lautsprecher auf Pölsterchen überträgt», erklärt Pinter. Diese Pölsterchen würden vom Therapeuten dann auf den Ausgangspunkt des Schmerzes oder die Schmerzregion gelegt, «wobei auch Akupunkturpunkte Verwendung finden».
Hilfe für Lungenkranke und Diabetiker Angefangen hatte Pinter mit der Behandlung von Schmerzpatienten. «Trotz der anfänglich häufigen Skepsis der Patienten habe ich überraschend gute Ergebnisse erzielt, die oft weit über das Erwartete hinausgingen. So konnte zum Beispiel ein Dauereffekt, also weitere Schmerzfreiheit auch nach Beendigung der Therapie erreicht werden.» Bereits fixierte Operationstermine chronisch erkrankter, schmerzhafter Gelenke konnten nach der Therapie zudem von einigen Patienten abgesagt werden.
Ausserdem entdeckte der Österreicher, dass auch Lungenkranke gut auf die Therapie ansprechen, «zum Beispiel bei Asthma oder Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, COPD. Es konnten dabei sogar Medikamente eingespart werden.» Weiter sei es ihm schon mehrmals gelungen, mittels rechtzeitigen Einsatzes der Schnurrtherapie Durchblutungsstörungen zu lindern und damit Zehenamputationen von Diabetikern zu verhindern.
Mit pauschalen Heilsversprechen ist Doktor Pinter dennoch vorsichtig: «Den Diabetes kann natürlich auch eine Katze nicht heilen.» Und auch bei anderen Krankheiten sei Vorsicht geboten Experten rätseln: Wie entstehen eigentlich Schnurr-Laute?
Katzen sind die einzigen Tiere, die schnurren. Während Hauskatzen sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen «vibrieren», gelingt dies grossen Raubkatzen nur beim Ausatmen. Wie Katzen dieses einzigartige Geräusch erzeugen, ist noch nicht definitiv beantwortet. Selbst das vermeintlich «allwissende» Internet-Lexikon Wikipedia muss in dieser Frage kapitulieren: «Über das Entstehen des Schnurrens gibt es mehrere Hypothesen. Endgültig geklärt sind die Mechanismen noch nicht.»
Die wahrscheinlichste These: Ein verknöchertes Zungenbein zeichnet für die Schwingung verantwortlich. Das Zungenbein ist ein Knochen, der die Zunge des Tieres mit seinem Schädel verbindet. Beim Atmen würde Luft an diesem Knochen reiben und das Geräusch erzeugen, mutmassen manche Experten. Definitiv beweisen könne man aber nicht, dass dieser Knochen das Schnurren erzeugt, betont etwa Gustav Peters vom Forschungsinstitut Alexander Koenig in Bonn.
Grosskatzen hingegen hätten ein elastisches Zungenbein.
Weitere Theorien gehen davon aus, dass Hautfalten, die hinter den Stimmbändern liegen, das Geräusch erzeugen oder dass die Kehlkopfmuskeln für das Schnurren verantwortlich sind.
Kurz: Ob studierter Veterinär oder Biologe – niemand kann in unserer aufgeklärten Zeit endgültig nachweisen, wie und warum Katzen tatsächlich schnurren. Ziemlich erstaunlich, oder?
und auf jeden Fall eine Abklärung durch den Spezialisten notwendig. Er rät deshalb auch davon ab, das Gerät ausschliesslich in Eigenregie anzuwenden. Fakt aber sei: Es nütze dem Bewegungsapparat, der Lunge, bei Osteoporose, Durchblutungsstörungen sowie Ödemen und bringe vielerorts Erleichterung und Entspannung bei Stressfolgen: «Wer je eine schnurrende Katze neben oder auf sich gespürt hat, weiss um die entspannende Wirkung des Schnurrens», betont auch Pinter.
Nicht nur heilsam, sondern auch beruhigend Exakt diese Wirkung macht sich auch Elisabeth Frick Tanner von der «Gemeinschaftspraxis Altamira» in St. Gallen zu Nutze. Die Schweizer Psychotherapeutin bietet die «tiergestützte Therapie» an, bei der während des Therapiegesprächs ein Tier im Raum anwesend ist. Manchmal ist das ihre betagte Siamkatze. «Sie geht nur noch selten nach draussen und verbringt stattdessen viel Zeit im Therapieraum, deshalb ist sie bei den Gesprächen auch oft dabei.»
Im Gegensatz zu Hunden, die für viel Interaktion sorgen, bringe das Tier eine äusserst beruhigende Stimmung in den Raum.
Die Therapeutin: «Meine Klienten werden schneller ruhig, wenn sich eine schnurrende Katze im Raum befindet.» Wenn sie diese ausserdem noch berühren können, würden sie das Schnurren nicht nur hören, sondern auch spüren. «Da strahlen viele von ihnen dann regelrecht!»
Infos: www.animalvoice.com




































































































