Mieses Spiel: So Buhlen Deutsche Geheimdienste Um Journalisten
Wie konnten die Sicherheitsbehörden der Bundesrepublik eine jahrzehntelange Mordserie rechter Extremisten übersehen? Das fragt sich seit Wochen ein ganzes Land. «mysteries»-Redakteur Jan Fischer erinnert sich an seine eigenen Kontakte mit dem deutschen Verfassungsschutz und dessen dilettantischem Anwerbeversuch.
Die deutschen Verfassungsschutzbehörden stehen derzeit wieder mal massiv in der Kritik: Haben Polizei und Inlandsgeheimdienst tatsächlich nicht gemerkt, dass eine Bande durchgeknallter Neonazis seit Jahren mordend durchs Land zieht? Oder stecken die Schlapphüte selbst so tief im braunen Sumpf, dass sie eher als Täter denn als Aufpasser agierten?
Ob Politiker oder Presse: Trotz des riesigen Medienrummels scheint sich offenbar kaum jemand mehr an einen ebenfalls brisanten Vorfall im äussersten Südwesten Deutschlands zu erinnern, der vor zwei Jahren für Schlagzeilen sorgte. Auch damals flog in Weil am Rhein bei Lörrach ein Extremist auf, der gerade dabei war, eine Bombe zu bauen. Und auch dieser junge Mann hatte Kontakt zur NPD: Thomas B. (Name der Red. bekannt) war Stützpunktleiter der «Jungen Nationaldemokraten» in Lörrach.
Die Parallelen zum aktuellen Skandal sind offensichtlich: Auch damals ahnten die Behörden scheinbar nichts von den explosiven Plänen des aktiven und organisierten Jungnazis. Erst ein Hinweis von Aktivisten der «Autonomen Antifa Freiburg» liessen Staatsschutz, Kriminalpolizei und Verfassungsschutz aktiv werden. Die linksextremistischen Hacker hatten zuvor den E-Mail-Verkehr von Thomas B. geknackt und mitgelesen. Dort entdeckten die Autonomen, dass der Neonazi Zutaten für den Bau einer Bombe zusammenkaufte. Sie informierten die Polizei, die darauf die Wohnung von Thomas B. stürmte und das explosive Material entdeckte – ausserdem ein Sturmgewehr, eine geladene Pistole und diverse verbotene Messer.
Vermutlich wollte Thomas B. mit dem Sprengstoff ein Kulturzentrum in Freiburg attackieren. Ein Blutbad wäre garantiert gewesen – immerhin hortete der damals 22-Jährige insgesamt 22 Kilo Rohmaterial für den Bau einer Bombe.
Dreiste Kooperationsanfrage «mysteries»-Mitarbeiter Jan Fischer erinnert sich: «Bei Recherchen zu diesem Kriminalfall gelangte ich damals als Journalist in den Besitz brisanter Akten von und zu Thomas B. Darauf konfrontierte ich das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg mit diversen Fakten aus diesen Unterlagen und war verblüfft: Der Geheimdienst hatte keine Ahnung davon – oder zumindest tat er so.»
Doch es kam noch dicker: «Kurz nach dem Interview kon- Original-Logo des Verfassungsschutzes.
taktierte mich der Nachrichtendienst überraschenderweise nochmals – mit einem heiklen Anliegen: Mit aufreizender Freundlichkeit fragte eine Behördenmitarbeiterin, ob ich meine Unterlagen und Informationen denn nicht an den Verfassungsschutz weitergeben könnte: ‹Ihre Informationen könnten für unsere Abteilung ‹Strategische Analyse› von grossem Interesse sein›, so die Dame.»
Ein Journalist als Zuträger für einen Geheimdienst? Nein, danke, sagte sich Fischer: «Ein Reporter hat schliesslich die Pflicht, seine Informanten und Quellen zu schützen, erklärte ich der Verfassungsschützerin. Besonders brisant und dreist empfinde ich die Anfrage des Verfassungsschutzes angesichts der Tatsache, dass ich zu jener Zeit als Journalist für eine grosse Schweizer Zeitung arbeitete und damals auch in der Schweiz lebte. Der Baden-Württembergische Geheimdienst



