Wegen Ss-Runen: Handelsriese Stoppt Verkauf Von Kiss-Kappe

Kurioser Lapsus bei der deutschen Supermarktkette «real»: Wegen eines internen Versehens verkaufte der Konzern vorübergehend KISS-Fanartikel für Kinder – mit dem in Deutschland umstrittenen Originallogo der US-Monsterband. Nach Anfrage von «mysteries» zog das Unternehmen die Produkte umgehend aus dem Verkehr.

Da staunten die deutschen KISS-Fans nicht schlecht: Die Supermarktkette «real» bot anfangs März 2011 Fanartikel der Schockrocker für Kinder an. Das Besondere: Auf den Shirts und Kappen prangte das Originallogo der Band – inklusive des in Deutschland umstrittenen runenartigen «SS-Schriftzugs»!

Aufgrund der Ähnlichkeit des Logos mit dem Zeichen der Waffen-SS, hatten die jüdischen (!) Bandmitglieder und ihr Management bereits in den 80er-Jahren wohlweislich beschlossen, im deutschen Markt nur mit einem abgeänderten – weniger missverständlichen – Logo aufzutreten. Seither schrieben sich KISS hier auf CD-Covers oder T-Shirts stets mit abgerundetem «SS» oder horizontal gespiegeltem «ZZ» – zum Unmut vieler lokaler Fans.

Dennoch ein weiser Entschluss: Denn in Deutschland, wo das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole verboten ist, reagieren Behörden gerne mal etwas hysterisch. So zerrte eine übereifrige Staatsanwältin unter anderem den linken Versand «Nix gut» im Jahre 2006 vor den Kadi, weil er Shirts mit durchgestrichenen oder demolierten Hakenkreuzen verkaufte. Also Kleidung, deren Träger sich damit explizit gegen Rechtsextremismus wandten!

Und kurz darauf landete in Stuttgart ein 37-Jähriger vor Gericht. Weil er eine Kappe der linken Punkband Schleimkeim trug. Auch diese Musikgruppe hatte in ihrem Schriftzug ein runenartiges Sverwendet. Beide Beschuldigte konnten sich nur nach Durchlaufen mehrerer gerichtlicher Instanzen vom behördlichen Vorwurf des Nazi-Kults befreien.

Konzern reagiert erschrocken Riskierte «real» mit dem Verkauf der KISS-Fanartikel also, dass Kinder oder deren Eltern Ärger mit der Justiz bekommen? Von «mysteries» auf die Problematik angesprochen, reagiert die Handelskette erschreckt: «Wir bedauern diesen Vorgang ausserordentlich», so Pressesprecher Markus Jablonski. «Uns war der Hintergrund der unterschiedlichen Typographie des KISS-Logos bislang leider nicht bekannt. Mittlerweile liegt uns eine Stellungnahme des internationalen Lizenznehmers vor, der gleichzeitig unser Lieferant für diese Artikel ist. Dieser hat uns nach Prüfung des Vorgangs mitgeteilt, dass die von uns angebotenen Artikel ver- Entschärftes KISS-Logo. So vermarktet sich die Band derzeit in Deutschland.

Kinderkappe mit «SS-Symbol». Auch diesen KISS-Artikel zog «real» zurück.

sehentlich mit dem ‹falschen› KISS-Logo versehen waren.»

Darauf habe das Unternehmen die Ware «schnellstmöglich aus dem Verkauf genommen». Man nehme die Panne sehr ernst und «zum Anlass, die hauseigenen Kontrollsysteme nochmals zu überprüfen, so dass sich ein solcher Vorgang möglichst nicht wiederholt», versichert «real».

Eine unerwartete Folge wird die kuriose Verkaufspanne dennoch haben: Die KISS-Klamotten dürften sich nicht zuletzt auf Internet-Auktionsportalen wie Ebay zu begehrten Sammlerstücken für eingefleischte Fans entwickeln. Gerade weil ihr Verkauf gestoppt wurde.

Diverses Ausgabe 3/11

Wegen SS-Runen: Handelsriese stoppt Verkauf von KISS-Kappe – Abbildung 2