KeuschheitsgüRtel Nur Ein Mythos

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Islam-Kritiker Udo Ulfkotte:Eklat wegen Moslem-Karikaturen

Bis heute finden sich die obskuren Metallgürtel in europäischen Ausstellungen über das finstere Mittelalter und wecken bei Besuchern allerlei Fantasien. Nun aber betont ein US-Professor: «Keuschheitsgürtel im klassischen Sinn hat es nie gegeben!» Sein vernichtendes Fazit: Die Historiker seien einem modernen Mythos aufgesessen.

Neuer Ärger für den umstrittenen deutschen Islamisten-Kritiker Udo Ulfkotte: Der Bestsellerautor gab anfangs Dezember 2008 seinen Austritt aus dem islamkritischen Verein «Bürgerbewegung Pax Europa» bekannt. Grund waren despektierliche Karikaturen über Moslems von Mitgliedern des Vereins, die derzeit im Internet die Runde machen.

Bei einer Mitgliederversammlung hatte Ulfkotte als Vereinspräsident «eine klare Verurteilung dieser rassistischen und womöglich volksverhetzenden Bilder im Stürmer-Stil» beantragt. Muslime, so fürchtete er, würden damit unnötig provoziert. Sein Anliegen einer sachlichen Islamkritik in Deutschland würde dadurch in den Dreck gezogen.

Ulfkottes Forderung stiess auf taube Ohren, ebenso wie seine Aufforderung an den «Pax Europa»-Vorsitzenden, zurückzutreten. Also zog der Journalist seine Konsequenzen.

Der von ihm mitbegründete Verein sei zu einer «Plattform für rechtsradikale Radaubrüder» verkommen, kritisiert er. «Ich halte ihn inzwischen für brandgefährlich!»

Islam-Kritiker Ulfkotte und seine Frau waren kürzlich aus türkischen Kreisen massiv bedroht worden wegen eines volksverhetzenden Internetvideos, mit dem sie nachweislich nicht das Geringste zu tun hatten (siehe dazu «mysteries Nr. 5/2008).

Der mittelalterliche Keuschheitsgürtel wecke nicht nur negative und falsche Assoziationen zur Vergangenheit, sondern rege auch die erotische Fantasie an. Das sagt Professor Alfred Classen von der Universität Arizona. Kein Wunder, halte sich der Mythos des «heissen Eisens» bis heute – selbst bei namhaften Gelehrten.

Es sei deshalb «höchste Zeit, Licht auf Herkunft und Entwicklung der Geschichte über das umstrittene Utensilium zu werfen», so der US-Germanist in seinem neusten Buch «The Medieval Chastity Belt – A Myth-Making Process» («Der mittelalterliche Keuschheitsgürtel – Prozess eines Mythos»).

Keuschheitsgürtel wecken alle möglichen Fantasievorstellungen. Schliesslich gehören derlei «Geräte» bis heute zu den beliebten Spielutensilien erotischer Praktiken. Professor Classen geht es denn auch nicht darum, die Existenz «eiserner» Gürtel prinzipiell in Frage zu stellen oder sie gar grundsätzlich zu verdammen. Vielmehr bezweifelt er deren Anwendung im Mittelalter (um 1000 bis 1500 nach Christus), speziell zu Zeiten der abendländischen Kreuzzüge.

«Mehr als schmerzhaft!»

Seine simple Überlegung: Kriege und Feldzüge hielten die Ritter nicht nur monatelang, sondern oft gar jahrelang von zu Hause fern – wenn sie denn überhaupt wiederkehrten. Und während derart langen Zeiträumen sollen ihre Herzensdamen den verschlossenen Gürtel getragen haben – Tag und Nacht?

«Wer drei Minuten überlegt, stellt fest, dass dieses Szenario höchst unwahrscheinlich ist», gibt auch der emeritierte US-Mittelalter-Spezialist James Brundage von der Kansas University zu bedenken, der Classens Arbeit lobend bewertet.

Der Amerikaner kam bereits vor Jahren zum Schluss, dass der mittelalterliche Keuschheitsgürtel nur ein Mythos sei. «Wenn ein solcher Apparat länger als einige Minuten getragen wird, entstehen Schürfungen und Wundstellen, die das Sitzen, Gehen oder Stehen für eine Frau mehr als schmerzhaft machen.»

Zweifelhafte Quellen Weil auch die Körperhygiene im Mittelalter im Gegensatz zu heute einiges zu wünschen übrig liess, hätte ein eiserner Gürtel mit seinen kleinen Öffnungen bei Scheide und After bald zu Verunreinigungen und anschliessenden Infektionen geführt, die für die Trägerin tödlich hätten enden können. «Wäre der Gürtel hingegen so konzipiert gewesen, dass sowohl beim Toilettengang als auch bei Menstruationsblutungen kein Hygienerisiko bestanden hätte – wie sollte er dann gleichzeitig gängige Sexualpraktiken verhindert haben?», fragt sich auch Professor Classen.

Trotz derlei medizinischer und biologischer Argumente haben etliche Historiker immer wieder auf den Gebrauch des Gürtels hingewiesen. Das liege an den zweifelhaften historischen Quellen, die nie richtig untersucht worden seien, so der Germanist. Als Beispiel nennt er die vermutlich erste Skizze eines Keuschheitsgürtels von Conrad Kyeser.

Der Bayer bildete das Utensilium im Jahr 1405 in seinem Buch «Bellifortis» ab und dichtete ihn den florentinischen Frauen an.

Ausgabe 1/09 Geschichte Jahren, und teilweise auch noch heute, in europäischen Museen gezeigt werden.

Für Classen ist klar, dass sich Kyeser dakommen falsch verstanden.»

Ähnlich mit über die Italiener lustig machen verhalte es sich auch mit dem angebliwollte. Im Kapitel besagten Buches, das chen Keuschheitsgürtel, der 1889 an eisonst nur Waffen und Kriegsgerät zeige, ner Frauenleiche entdeckt wurde. Ihr kämen auch Folterinstrumente vor, ma- Skelett war in einem österreichischen gische Rezepte sowie ein Kastrations-Friedhof aus dem 15.Jahrhundert gefun- Apparat.

den worden. Für viele Historiker ein Beweis – wenn auch der einzige – dass der Medizinischer Hüftverband?

Gürtel einst tatsächlich in Gebrauch war.

«Typisch für seine Zeit wollte Kyeser sei- Dass es sich bei der eisernen Bandanem Werk eine gewisse Ausstrahlung ge aber auch um etwas anderes handeln schönzureden. Oder gar die krankhafte geben und fügte ihm deshalb auch komikönnte, zogen die wenigsten Wissen-Eifersucht mittelalterlicher Ehemänner sche, fantasievolle Kommentare bei», schaftler in Betracht. So wurde auch ein wegzudiskutieren. Dass keine Keuscherklärt der US-Forscher. Kyeser habe in weiterer Forscher – Alfred Kind – kaum heitsgürtel angewandt wurden, heisse keinem Fall reale Gegenstände abgebilzitiert, der bereits 1913 zum Schluss gesomit auch nicht, dass mittelalterliche det. Der «Keuschheitsgürtel» sei denn kommen war, dass es sich beim Gerät Männer ihren Frauen blind vertraut hätauch so dargestellt, dass er unmöglich wohl eher um einen medizinischen Hüftten. Statt dass man die weiblichen Obeiner Frau passen konnte. Und es seien verband gegen Schenkelhernie (Leistenjekte der Begierde mit Eisen und Schlüsauf der Skizze auch keinerlei Öffnungen bruch) gehandelt haben dürfte.

seln quälte, seien sie während der Zeit vorgesehen. Classen: «Moderne Schrei-Professor Classen geht es nicht darder Feldzüge wohl ganz einfach zu Hauber haben Kyeser offensichtlich vollum, die alten Zeiten aus heutiger Sicht se eingesperrt worden.

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«Moderner Fantasie entsprungen»: Keuschheitsgürtel, wie sie bis vor wenigen
Keuschheitsgürtel nur ein Mythos – Abbildung 3