Rohwedder-Mord: Ex-Reporter Der Bild-Zeitung Klagt An
Ist das Bundeskriminalamt (BKA) in den Mord an Treuhand-Chef Rohwedder von 1991 verwickelt? Diese Frage stellt sich bis heute ein ehemaliger BILD-Reporter. Doch niemand will seiner Aussage Gehör schenken.
Mit seinem Enthüllungsreport über die Niederungen des Boulevard-Journalismus in Deutschland schaufelte er sich quasi sein berufliches Grab.
Verlegt von einem Kleinstverlag legte der frühere BILD-Reporter Udo Schulze jüngst in einem Buch Zeugnis über die unlauteren Machenschaften von Deutschlands grösster Boulevardzeitung ab («Die Abrechnung»). Und er kritisierte darin die Kollegen, die sein Werk im Gegenzug mit Nichtachtung bestraften. Doch so umstritten die wenigen Meinungen über das kaum beachtete Elaborat sind: Schulze spricht mehr als einmal Klartext. Und enthüllt einige Dinge, die vielen nicht passen mögen.
Nicht zuletzt im Mordfall DetlevKarsten Rohwedder, der bis heute seiner Aufklärung harrt. Der 1990 vom Ministerrat der DDR zum Vorstand der deutschen Treuhandanstalt bestimmte Spitzenmanager und -politiker war am 1. April 1991 durchs Fenster seines Wohnhauses in Düsseldorf erschos-
«Dann wiesen sie Frau Rohwedder darauf hin, dass die Fenster kein Panzerglas hätten…»
sen worden. Vieles deutete in der Folge auf ein RAF-Attentat hin.
Schulze aber blieb als damaliger BILD-Reporter in Essen von Anfang an misstrauisch. Ein Informant, so erinnert er sich, habe ihm seinerzeit den Hinweis gegeben, dass mehrere Wochen vor dem Anschlag zwei Unbekannte am Hause Rohwedder geklingelt hätten: «Als die Frau des Treuhandchefs öffnete, stellten sich die beiden Herren als ehemalige Stasi-Leute, die jetzt in Diensten des Bundeskriminalamtes – BKA – stünden, vor.»
Mit dem Auftrag, das Haus auf Sicherheitsmängel zu überprüfen, betraten sie die Räumlichkeiten. Schulze: «Nach kurzer Zeit verschwanden die Männer wieder, jedoch nicht ohne Frau Rohwedder darauf hingewiesen zu haben, dass die Fenster im ersten Stock kein Panzerglas hätten. Durch diese wurde Rohwedder später dann auch erschossen…»
«Da ist nichts dran!»
Der Reporter war wie elektrisiert und meldete die News sofort zur Chefredaktion nach Hamburg weiter. Vielleicht eine neue Spur, um das Attentat doch noch aufzuklären? Verächtlicher Kommentar der BILD-Bosse im Springer-Haus: «Wissen wir bereits, da ist nichts dran!» Punkt. Schluss. Keine weitere Recherche. Keine Meldung.
Nicht einmal als Kurznews. Stattdessen pushte das Hamburger Blatt in der Folge wie alle anderen brav die RAF-These.
Diese liess sich in der Folge aber nicht erhärten. Der Mord an Detlev Rohwedder bleibt bis heute ungeklärt. Die BKA-Spur?
Verlief im Nebel. Schulzes ernüchterndes Journalisten-Fazit: «Findet ein Redakteur etwas heraus, was den Grossen nicht ins Konzept passt, werden seine Erkenntnisse unterdrückt oder er selbst Opfer der politischen Linie im Haus.»
red. n






