Strahlen-Piktogramme In Der Alpenwelt
ÖSTERREICHER ERFORSCHT URZEITLICHES KRAFTNETZ
Existiert in unserer Bergwelt eine Art urzeitliches GPS-Navigationssystem? Der österreichische Rutengänger Gerhard Pirchl ist davon überzeugt. In der Alpenregion Bürserberg bei Bludenz (Vorarlberg) entdeckte er künstlich gelegte unterirdische Kraftlinien. Sie führen zu Menhiren und uralten Steinkreisen.
ten Norden Österreichs parat. Spätestens seit Ötzi und seinen raffinierten Ausrüstungsgegenstände wissen wir, dass unsere Stammväter weit fortschrittlicher waren als lange Zeit vermutet. Unklar ist die Bedeutung vieler steinerner Hinterlassenschaften aus jener Epoche: Dolmen, Grabhügel, Steinkreise, Menhire oder wie im französischen Carnac Tausende von Steinen, die in kilometerlangen Reihen über den Horizont hinausreichen.
Wir müssen nicht am anderen Ende der Welt nach dem Rätselhaften suchen. Direkt vor unserer Haustüre lassen sich genügend Schauplätze des Überirdischen finden, deren Spuren bis in die graue Vorzeit zurückreichen.
Eine Fundgrube an Merkwürdigkeiten hält das mystische Waldviertel im äussers- Geschickte Ingenieure mit einem umfangreichen Wissen müssen hier am Werk gewesen sein. Denn die meisten dieser vorgeschichtlichen Anlagen sind systematisch nach Sternen und Planeten ausgerichtet worden. Wie aber haben die Steinzeit-Astronomen in einer Zeit, in welcher man angeblich weder schreiben noch lesen konnte, diese Meisterleistung vollbracht?
Wer befahl die Werke? Wer führte sie aus? Und wieso findet man diese Monumentalbauten in fast allen Teilen der Welt? Die Fachwelt spricht von einer weltweiten «Megalith-Kultur» – ohne gemeinsame Tradition und Lebensart. Woher will man das wissen?
Wäre es nicht ebenso denkbar, dass bereits in der Vorgeschichte ein weltweiter Kulturaustausch existierte? Nutzten unsere Vorfahren bestimmte Kraftquellen, von denen wir heute nichts mehr wissen?
Gab es damals ein raffiniertes, längst vergessenes Kommunikationssystem?
Vorzeitliche Geometrie Eine Spur führt in die Alpenregion Bürserberg bei Bludenz in Vorarlberg. Was hier auf der 1300 Meter hohen Tschengla zum Vorschein kam, hätte vor wenigen Jahren niemand zu träumen gewagt: Massive Steinblöcke, die wie an Perlenschnüren aufgereiht im Gelände liegen.
Daneben Steinkreise mit geometrischer Anordnung und mysteriöse Kraftfelder, die seit ihrer Entdeckung im Jahre 2002 immer wieder für Diskussionen sorgen.
Sind es bloss einfache «Stoahufa», wie Spötter behaupten – oder doch Reste einer «mythischen Stätte» aus vorchristlicher Zeit?
Den Stein ins Rollen brachte der gebürtige Bludenzer Gerhard Pirchl. Er studierte Maschinenbau, entwickelte verschiedenste Patente für die Autoindustrie, machte sich selbständig und baute ein grosses, höchst erfolgreiches Unternehmen auf.
1999 dann das vermeintliche Ende: Pirchl erlitt eine lebensbedrohliche Herzmuskelentzündung, die eine Herztransplantation notwendig machte. Der Weg danach ins «neue Leben» verlief ungewöhnlich: Pirchl verkaufte seinen florierenden Betrieb und wandte sich völlig neuen Dingen zu – der Radiästhesie.
Der Begriff steht für «Strahlenfühligkeit». Damit gemeint ist die Fähigkeit medial veranlagter Personen, Bodenschätze und unterirdische Störfelder wie Wasseradern oder Magnetfeld-Anomalien aufzuspüren. Als «Messgerät» dient der menschliche Körper, der mit Hilfe des Pendels oder einer Wünschelrute Kraftfelder anzeigt.
«Die Strahlenfühligkeit verkümmerte, weil wir sie über Jahrhunderte nicht gepflegt haben.»
Wie aber lässt sich das Phänomen in der Praxis naturwissenschaftlich beweisen? Mit den uns bekannten physikalischen Methoden jedenfalls nicht. Daher steht die etablierte Wissenschaft dem Rutengehen nach wie vor skeptisch gegenüber.
Gerhard Pirchl, der sich dem Thema nüchtern und kritisch genähert hat, ist einer dieser feinfühligen Zeitgenossen. «Strahlenfühligkeit scheint heute stark verkümmert zu sein, weil wir sie über Jahrhunderte nicht gepflegt haben», sagt Pirchl und nennt als Grund «die zunehmende Entfremdung des Menschen von der Natur».
Die historischen Räter faszinieren ihn besonders. Ihnen wird eine besondere Verbundenheit zu den Elementen Erde, Wasser und Kosmos nachgesagt. Ihre Spuren reichen zurück ins 2. vorchristliche Jahrtausend. Über ihre Herkunft, Götterkulte und Gebräuche weiss man wenig. Genauso wie über das Volk der Etrusker, mit denen sie verwandtschaftlich in Verbindung standen.
Der rätische Lebensraum soll Teile der Ostschweiz, Norditalien, das südliche Vorarlberg und Tirol umfasst haben. Was uns das geheimnisvolle Alpenvolk hinterlassen hat, sind vor allem rätselhafte Inschriften und ein reicher Fundus alpiner Felsbilder. In fast unüberschaubarer Menge sind diese im Val Camonica, nahe der oberitalienischen Stadt Brescia, erhalten geblieben.
Der Göttin auf der Spur Im Mittelpunkt der Verehrung stand die Erd-und Muttergöttin Rätia. Gerhard Pirchl begab sich deshalb auf Wanderschaft und suchte in der Ostschweiz, in Liechtenstein und im Vorarlberg nach vergessenen Heiligtümern dieser Göttin.
Dabei spürte er eine Reihe von Kraftlinien auf, die er zunächst als Wasseradern deutete.
Bei Kirchen und alten Steindenkmälern trat dieses Phänomen besonders häufig in Erscheinung. Was den Forscher Gerhard Pirchl. Nach einer schweren Krankheit wandte er sich der Rutengängerei zu.
Örtlicher Steinkreis. Die «Mini-Menhire» sind exakt nach den Sternen ausgerichtet.
dabei irritierte: Manche dieser Linien kreuzten sich bis zu 56 Mal auf einen fixierten Punkt. Pirchl taufte diese Mehrfachkreuzungen «Adernsterne», konnte sich aber deren Ursache nicht erklären.
Dann kam dem Forscher «Kommissar Zufall» zu Hilfe. Bei einem umgestürzten Wurzelstock in seiner Heimat fielen ihm kleine, gelbe Steine auf, die genau in einer Linie angeordnet waren. Er nannte sie «Rätiasteine». Und er entdeckte sie auch an anderen mythischen Orten, die einst nach einem ausgeklügelten Plan in Linien angeordnet worden waren, so etwa in Stonehenge, Carnac und auf Malta.
Viele dieser Steine gleichen exakt jenen, die bei Kultplätzen in den Alpen gefunden wurden. «Sie sind derart identisch, dass man glauben könnte, sie wären ursprünglich aus dem selben Stein geteilt worden», beteuert Pirchl.
Damit ergab sich für die Adernsterne eine überraschende Erklärung: Es sind keine Wasseradern, sondern künstlich gelegte unterirdische Kraft- und Orientierungslinien. Sie führen zu gewaltigen Menhiren und alten Steinkreisen, die von Genies der Urzeit genau auf die jeweiligen Orientierungspunkte gesetzt wurden.
Eine Art urzeitliches GPS-Navigationssystem.
Überraschende Entdeckung Im Gebiet Bürserberg stiess Pirchl auf eine ungewöhnliche Anhäufung derartiger Adernsterne. Er informierte die Gemeinde über seine spektakuläre Entdeckung und hatte Glück: Mit dem damaligen Bürgermeister Karl Fritsche fand der bislang auf sich alleine gestellte Forscher einen kongenialen Unterstützer.
In der Folge wurden verdächtige Steinreihen und Reste von Steinkreisen genauer untersucht.
Teils überwachsene Steine wurden freigelegt, und andere, die über die Jahrtausende umgekippt waren, wieder aufgestellt. Insgesamt rund 2000 an der Zahl.
Dabei wurden wiederum als Kraftquelle zahlreiche «Rätiasteine» gefunden, die unter der Erde präzise angeordnet zu den Adern der Steinkreise führten.
Augenschein vor Ort Davon wollte ich mich selbst überzeugen, besuchte die 500-Seelen-Gemeinde Bürserberg und begab mich hinauf zum Wohnsitz der Göttin Rätia. Auf dem Hochplateau traf ich den Altbürgermeister Karl Fritsche. Wir machten zunächst Zwischenstopp bei einer Familie, die im Besitz einer aufgefundenen Steinplatte ist, auf der geometrische Gravuren zu finden sind.
Ursprünglich soll es zwei Exemplare davon gegeben haben. Eine gilt schon seit Jahrzehnten als verschollen. Was bedeuten die Zeichen auf dem Stein? Wer fertigte sie an? Sind es Schriftzeugnisse einer unbekannten Kultur? Karl Fritsche zuckte mit den Schultern und wir machten uns auf den Weg zum bedeutendsten Fundplatz auf dem Hochplateau.
Der Panoramablick zu den umliegenden Tälern ist von atemberaubender Schönheit. Das müssen auch unsere Urväter so empfunden haben als sie diesen Ort zur heiligen Stätte erklärten. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass der Bürserberg einst Heiligtum der Göttin Rätia gewesen ist.
Eine «kosmische Grundlage» scheint ebenfalls gegeben. Bereits beim Freilegen und Aufstellen der ersten Steinkreise machten Forscher nämlich eine verblüffende Feststellung: Der Sonnenaufgang bei der Sommersonnenwende ist durch eine markante Steinreihe ebenso ersichtlich, wie die Wintersonnenwende bei einer anderen. Zudem ergibt sich bei jedem Steinkreis eine übereinstimmende Ausrichtung der Nord-Süd-Achse.
Einer der Menhire besitzt oben eine ebene Fläche mit einer markanten kleinen Spitze, die zum Nachthimmel zeigt. Eine Prüfung ergab, dass sie exakt den Polarstern anpeilt. Für den Schweizer Naturwissenschaftler und Astronom Martin Kerner besteht denn auch kein Zweifel, dass der grosse Steinkreis auf der Tschengla «ein Zeuge früherer Kultur» ist.
Die interdisziplinäre Erforschung der versteinerten Rätsel ist dennoch problematisch. Einerseits, weil Fachgelehrte die Bürserberger Funde völlig unterschiedlich interpretieren, manche sogar ihren historischen Wert bezweifeln und die These von «prähistorischen Orientierungslinien» für Unsinn halten. Anderseits, weil die verschiedenen Wissensgebiete von der Naturwissenschaft bis zum Rutengehen schwer unter einen gemeinsamen Hut zu bringen sind.
Dabei gibt es durchaus Erfolge, die selbst Kritiker überzeugen sollten. Markantestes Beispiel: Bis vor wenigen Jahren kam es entlang der örtlichen Arlbergschnellstrasse S 16 immer wieder zu ungeklärten Unfällen mit tödlichem Ausgang. Dann wurde Gerhard Pirchl von der zuständigen Autobahnbetreibergesellschaft ASFINAG gebeten, sich die Unglückstelle genauer anzusehen.
«Mit Hilfe der Rätiasteine, die man entgegen der störenden Strahlung auslegt, kann die Gefahrenzone eliminiert werden», behauptete der Pendler damals kühn und machte sich ans Werk. Und tatsächlich: Seither gingen die Unfälle drastisch zurück. Und Tote gab es auf der gefürchteten Todesstrecke keine mehr!
Bei der «Entstörung» der Arlbergstrasse stiess der Strahlenjäger zudem auf eine grosse Bündelung unterirdisch verlaufender Kraftlinien.
Deren Untersuchung führte bei Braz, etwa 8 Kilometer östlich von Bürserberg, zu einer neuen, überraschenden Entdeckung: Mit Lebensmittelfarbe wurden die aufgespürten «Strahlen» an der Erdoberfläche sichtbar gemacht.
Zum Vorschein kamen Monumentalbilder, die in ihrer komplexen Dimension am besten aus der Vogelperspektive zu erfassen sind (siehe Titelbild auf Seite 36).
Und: In einem Ortsgebiet, das «Am hängenden Stein» bezeichnet wird, wurden bei leichter Schneelage weitere «Energiemuster» dokumentiert, die Pflanzenbilder mit gigantischen Ausmassen zu Tage brachten. «Strahlenpiktogramme» in den Alpen? Unglaublich!
Eine Erklärung dafür fehlt im Moment noch. Doch die Indizien verdichten sich, dass dahinter eine hoch entwickelte Kultur gestanden haben muss. Wie sonst ist es zu erklären, dass im Boden der sichtbar gemachten «Energiemuster» künstlich verlegte kleine Steine gefunden wurden? Irgendwer muss sie vor Jahrtausenden dort angeordnet und von der Kraftquelle gewusst haben.
Riesige Schriftfragmente Noch ein gewaltiges Mirakel gibt es: Zum Vorschein kamen in besagtem Gebiet nämlich ebenso riesige Schriftfragmente, die Ähnlichkeiten zu rätischen Felsgravuren und dem etruskischen Alphabet erkennen lassen. Teilweise umfassen die Schriftfelder eine Fläche von 1000 Quadratmetern!
Der Liechtensteiner Sprachforscher Manfred Schlapp, hat sich die überdimensionalen Bodenzeichen angesehen und konnte einige Worte herauslesen, die als Bittgebete an eine Gottheit verstanden werden können.
Weshalb aber wurden sie angelegt? «Die Untersuchungen dazu haben gerade erst begonnen», versichert Karl Fritsche.
Mit der Studiengruppe «Steinspur», bestehend aus engagierten Forschern unterschiedlicher Fachrichtungen, will der Altbürgermeister auch weiterhin die vorgeschichtlichen Rätsel der Alpenregion Bludenz ergründen.
Beim Abschied kommt der Bürserberger ins Philosophieren: «Man könnte über alle die entdeckten Dinge, die immer rätselhafter werden und in eine weit zurückliegende Vergangenheit weisen, ein unendliches Buch schreiben. Denn während man schreibt, gibt es laufend neue Entdeckungen und Erkenntnisse. Dieses Buch würde niemals fertig werden…» ■








