Vogelgrippe In Deutschland: Labor-Pfusch?
Obwohl von der Vogelgrippe immer noch so gut wie keine Gefahr für Menschen ausgeht, schüren Behörden und Politiker rund um den Globus seit Ende 1997 eine regelrechte Massenhysterie. Kritische Anmerkungen gehen im Rummel der täglichen Panikmache völlig unter: Etwa die Frage, ob es Zufall ist, dass die Vogelgrippe in Deutschland ausgerechnet auf der Insel Rügen ausbrach – unmittelbar neben dem Friedrich-Loeffler- Institut (FLI), wo mit derlei Viren experimentiert wird.
von Luc Bürgin Angst ist sein Spezialgebiet. Und so hat der Göttinger Professor Borwin Bandelow denn auch gleich einen passenden Vergleich parat: Die Vogelgrippe werde «wie eine biblische Plage wahrgenommen», analysiert er. «Sie kommt von oben, ist unkontrollierbar, unbeherrschbar und geht um die ganze Welt.»
Besser kann die seit 2005 grassierende Massenhysterie nicht umschrieben werden. Gerade mal etwas über 100 Todesfälle waren bis April 2006 in insgesamt 45 Ländern (!) zu beklagen – gegenüber 20’000 Menschen, die der «normalen» Grippe allein in Deutschland jährlich zum Opfer fallen. Im Gegenzug seien bis zu diesem Zeitpunkt 200 Millionen Vögel getötet worden, meldete der «Spiegel» am 27. April 2006 mit Bezug auf UNO-Daten. Der wirtschaftliche Schaden werde auf 20 Milliarden Dollar beziffert, «während Millionen Bauern in die Armut abgerutscht seien».
Gefährlich werden könnte das Virus sowieso erst, wenn es mutiert und dann im Rahmen einer Pandemie – also einer seuchenartigen Massenerkrankung – allenfalls von Mensch zu Mensch springen würde. Bislang ein reines Fantasieszenario. Dennoch wird es seit bald zehn Jahren regelmässig in «Experten-Statements» heraufbeschworen!
Seit 1997 nichts Neues Tatsächlich datieren die allerersten deutschsprachigen Presseberichte über die Vogelgrippe ab Ende 1997. Und bereits damals enthielten sie fast unisono alle jenen einen ominösen Satz, der sich Virus-Forscher im Labor. Ist es Zufall, dass die Vogelgrippe in Deutschland ausgerechnet auf Rügen derart heftig wütete?
bis heute in fast jeder neuen Vogelgrippe-Meldung wiederfindet: «Noch ist eine Ansteckung von Mensch zu Mensch nicht nachgewiesen» («Stuttgarter Zeitung» vom 23. Dezember 1997).
Oder wie es die Schweizer Zeitung «Bund» am 17. Dezember 1997 formulierte: «Nichts deutet darauf hin, dass eine Ansteckung von Mensch zu Mensch stattgefunden hat.» Daran hat sich bis heute nichts geändert!
Wenn uns Behörden derzeit vor allen möglichen Vogelgrippe-Risiken warnen, ist das also reine Panikmache. Das Risiko, von einem Auto überfahren oder gar vom Blitz erschlagen zu werden ist -zigmal grösser! Ansteckend ist in erster Linie die Angst – und nicht das H5N1-Virus. Dennoch werden derzeit weltweit Milliarden in die Entwicklung eines neuen Impfstoffes gebuttert – für eine Krankheit, die bisher kaum jemanden befallen hat.
Speziell in Deutschland grassiert mittlerweile nackte Hysterie. So denkt etwa die deutsche Gesundheitsministerin Ulla Schmidt bereits weiter – nämlich an eine mögliche Zwangsimpfung, wie das «Handelsblatt» am 23. März 2006 meldete: «Ob dies freiwillig oder womöglich verpflich- «Ein Riesengeschäft, das Pharmafirmen viel Geld verspricht.»
tend geschehen soll, könne man erst ‹dann entscheiden, wenn der Impfstoff da ist›, sagte Schmidt.»
Ein Riesengeschäft, das Medizinern und Pharmafirmen viel Geld verspricht. Also überlegt man sich dort parallel dazu, wie man der winzig kleinen Zahl menschlicher Krankheitsfälle sonst noch Herr werden könnte. So wies etwa die Online-Agentur «pressetext.at» am 2. März 2006 auf einen Fachartikel hin, der unlängst in der medizinischen Zeitschrift «Lancet» publiziert wurde: «Mit einer Sterblichkeit von 50 Prozent beim Menschen, der Möglichkeit von Resistenzen gegen antivirale Medikamente, ohne entwickelte Impfstoffe und einer weltweiten Ausbreitung der Vogelgrippe seien neue Denkansätze dringend notwendig, argumentiert ein Team des schwedischen Karolinska Institutet», meldete die Agentur.
Die vorgeschlagene Therapiemöglichkeit schob sie sogleich nach: «Chemotherapie gegen eine Störung des Immunsystems könnte auch bei der Behandlung von Menschen wirksam sein, die mit der durch H5N1 verursachten Form der Vogelgrippe infiziert sind.»
Angst bewusst geschürt Keinen Deut besser verhält sich der Grossteil der Massenmedien. Als etwa am Bodensee die erste an Vogelgrippe verendete Ente entdeckt wurde, kurbelten viele Redaktionen die Panikmache in Sachen «Todesseuche» im Hinblick auf ihre Auflagenzahlen munter an.
Einsatz am Bodensee. Das Bild wurde inszeniert, wie ein Augenzeuge enthüllte.
«Feuerwehrleute desinfizieren die Uferpromenade in Überlingen» lautete etwa die Bildlegende von Fotos, die am 25. Februar 2006 von zahlreichen Zeitungen in Deutschland und der Schweiz abgebildet wurden – und vielen Betrachtern einen gehörigen Schrecken einjagten. Grund: Sie zeigen Spezialisten mit Gasmaske im organgefarbenen Schutzanzug beim Besprühen des lokalen Ufer-Kopfsteinpflasters.
Wie die Bilder tatsächlich zustande kamen, enthüllte ein Augenzeugenbericht, der am 27. Februar 2006 auf der Internet-Seite rf-news.de veröffentlicht wurde: «Ich stand am letzten Freitag auf der Uferpromenade des Bodensees, exakt an der Stelle (Seepromenade vor der Hausnummer 19), an der Feuerwehr und Fernsehteams zusammen kamen, nachdem bekannt geworden war, dass eine hier gefundene tote Ente durch den H5N1-Virus der Vogelgrippe infiziert war.
Ich schwöre es: Die anwesenden Enten waren alle im Wasser und munter. Deshalb wurden am Abend im Fernsehen keine Kadaver gezeigt: Es gab keine! Die angeblich infizierte Tafelente wurde auch schon vor zehn Tagen gefunden. Die Feuerwehr hat in aller Ruhe eine kleine Ecke (keine 30 Meter lang) der Promenade abgeriegelt.
Davor hatten viele Spaziergänger und Touristen, so wie ich, die Zeit gehabt, auf dem vermeintlich verseuchten Boden rumzutrampeln, und die Viren waren schon längst bis nach Holland verteilt.
Ein Riesenzelt wurde errichtet, zwei Feuerwehrleute mit Schutzanzug und Schutzmaske spazierten dann willkürlich «Nach knapp zwei Stunden wurde dann alles wieder abgebaut…»
hier und da sprühend vor den Kameras, während ihre Kollegen und die Fernsehleute ungeschützt umher liefen.
Nach knapp zwei Stunden wurde dann alles wieder abgebaut und eingepackt und weg waren sie. Leider habe ich nur wenige Fotos gemacht, denn mir war nicht klar, was die Medien aus diesem Theater machen würden!»
Seltsame «Zufälle» Doch es kommt noch besser: Untersucht werden alle deutschen Verdachtsfälle im Friedrich-Loeffler-Institut (FLI).
Das FLI liegt auf der Ostseeinsel Riems – nur gerade ein paar Kilometer von der Insel Rügen entfernt, von wo bislang die mit Abstand meisten Vogelgrippe-Fälle gemeldet wurden. Noch dazu nahm die «Welle» von hier ihren Anfang.
Seltsamerweise führte das FLI mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nach eigenen Angaben unmittelbar vor Ausbruch der Geflügelpest auf Rügen eine Notfallübung durch. An der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler probten vom 31.
Januar bis 02. Februar 2006 rund 30 Fachleute den Ernstfall.
Ist es wirklich ein Zufall, dass die Geflügelpest wenige Wochen später just in unmittelbarer Nachbarschaft des Instituts ausbrach? Ein Blick auf die entsprechenden Instituts-Pressemitteilungen nach Bekanntwerden der ersten Fälle spricht jedenfalls Bände:
Februar 2006.
Die beiden Schwäne, die in der letzten Woche tot auf Rügen gefunden wurden, waren mit dem hoch pathogenem Influenzavirus vom Typ H5N1/Asia infiziert.
- 16. Februar 2006: Das Referenz-
- 19. Februar 2006:
- 21. Februar 2006: Das Friedrich-
- 21. Februar 2006: Heute untersuchte
Den deutschen Journalisten Gerhard Wisnewski macht das ziemlich misstrauisch. «Im In- und Ausland sind die FLI-Leute gefragte Experten bei der Bekämpfung der Vogelgrippe», stellt er fest.
«Der Witz dabei ist, dass erstens niemand weiss, wie die Vogelgrippe nach Rügen kam und zweitens, dass die Krankheit ausgerechnet in unmittelbarer Nähe jener Labors ausbrach, in denen das Virus schon lange vorhanden ist, nämlich der Labors des FLI. Und drittens, dass die mutmasslich befallenen Vögel just in diese Labors zur Untersuchung transportiert wurden, um das H5N1-Virus zu diagnostizieren.»
Noch klarer formuliert es der deutsche Impfstoffkritiker Hans Tolzin: Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), eine Bundesbehörde, experimentiere seit letztem Sommer nur wenige Kilometer von Rügen entfernt mit H5N1-Viren, um einen neuartigen Impfstoff zu entwickeln, gibt er zu bedenken. «Das Institut liegt mitten in einem Naturschutzgebiet. Merkwürdigerweise wird die Möglichkeit eines Entweichens von H5N1-Viren aus den FLI-Labors weder von unseren Politikern noch in den Medien thematisiert.»
Laufenten-Halter beunruhigt Misstrauisch wurde auch Wolfgang Fiedler, Leiter des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfszell. Wenige Wochen nach Ausbruch der Seuche auf Rügen, am 1. März 2006, gab er der «Zeit» zu Protokoll: «Ich habe den Eindruck, das Virus schlummert schon an verschiedenen Stellen und bricht unter Bedingungen aus, die wir noch nicht ganz durchschauen.»
Bereits am 21. Februar 2006 war denn auch der Zentralverband europäischer Laufenten-Halter ZEL aktiv geworden. In einem Schreiben an das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gab Präsident Bruno Stubenrauch seiner Besorgnis in Sachen Friedrich-Loeffler-Institut unverholen Ausdruck: «Es ist extrem auffällig, dass diese dokumentierten Fundorte in unmittelbarer Nähe des FLI und davon ausgehend in Nordrichtung mit der dort vorherrschenden leichten Meeresströmung an der Westküste Rügens entlang liegen.»
Auffällig sei weiter, dass es sich laut Lage des FLI: Unmittelbar daneben brach die Geflügelpest aus! (Graphik: ZEL) Thomas Mettenleiter, dem Leiter des FLI, um einen Erreger handelt, der nahe verwandt mit einem in der Mongolei und am Quinghai-See in China entdeckten Virus «Wurde das Virus von den Experten versehentlich freigesetzt?»
ist, also einen sehr weiten Weg hinter sich gebracht haben muss.
Stubenrauch: «Nach eigenen Angaben bewahrt das FLI genau solche Virusisolate aus bestätigten Seuchenfällen auf und hält Referenzvirusstämme vor. Im Sinne eines Worst-Case-Szenarios gehen wir davon aus, dass ein Freisetzen des Virus durch das FLI stattgefunden haben kann. Wir erinnern in diesem Zusammenhang auch an die Historie des FLI: Die Insellage wurde wegen der biologischen Risiken für die Bevölkerung gewählt.»
«Verdächtigungen haltlos» Die Behörde reagierte erwartungsgemäss mit einem dürren Zweizeiler. Tenor: Die Verdächtigungen sei haltlos. Thomas Mettenleiters Kommentar gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Mit Verdächtigungen dieser Art muss unser Institut seit seiner Gründung leben.»
Kunststück, denn wie Gerhard Wisnewski zynisch anmerkt, sei das Institut auf Riems deshalb gegründet worden, «weil die wackeren Forscher zuvor ganze Landstriche in der Gegend von Greifswald mit der Maul- und Klauenseuche infiziert hatten».
Und so kam am 11. März 2006 selbst die FAZ zum Schluss: «Auch wenn es ihm widerstrebt, kann Virologe Mettenleiter auf absehbare Zeit Verschwörungstheoretikern und Hobbyfachleuten nicht ganz den Boden entziehen: ‹Möglicherweise lässt sich der genaue Eintragsweg des Virus nach Deutschland nie vollständig nachvollziehen.›» Die eilends ausgesprochenen Tier-Auflagen waren wenig später jedenfalls in vielen Fällen schon wieder aufgehoben – auch in der Schweiz. «Die Wahrscheinlichkeit eines Vogelgrippefalls ist nicht so hoch, wie wir das zu Beginn des Jahres gedacht haben», räumte etwa der Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch am 29. April 2006 gegenüber der «Basler Zeitung» ein.
Weiter sei nun klar, dass das von Zugvögeln ausgehende Risiko weitaus geringer sei als angenommen: «Virusträger und Verbreiter waren vor allem Wasservögel. Enten aus dem Norden oder Osten beispielsweise, die auf ihrer Reise ins Winterquartier das Virus auflasen und an den Boden- und Genfersee brachten.»
Auch die USA profitieren Die heraufbeschworene Gefahr einer weltweiten Pandemie scheint also einmal mehr vom Tisch. Geschürt wurde sie 2005 übrigens nicht zuletzt von George Bush, als er seinen Landsleuten öffentlich Panik einimpfte.
Millionen von Toten könnten alleine in den USA zu beklagen sein, malte der US-Präsident den Teufel an die Wand. Folge: Die Umsätze des Roche-Medikaments Tamiflu erreichen seither immer neue Rekordmarken.
Pikantes Detail: Profiteur der weltweiten Hysterie ist neben Roche auch der US-Konzern Gilead Sciences, der ebenfalls kräftig mitkassiert. Er hatte das «Wundermittel» einst entdeckt und 1996 an Roche lizenziert. Als Aufsichtsratsvorsitzender von Gilead amtete bis 2001 ausgerechnet US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Und der besitzt seither ein fettes Aktienpolster – dessen Wert seit der Panikmache seines Präsidents unaufhörlich anschwillt…
Ob und wie Tamiflu im Ernstfall tatsächlich wirken könnte, bleibt bis heute umstritten.Also wird weiterhin an der Entwicklung eines neuen Impfstoff gearbeitet, falls das Virus dereinst doch noch mutieren und dann von Mensch zu Mensch springen sollte.
Doch für die Entwicklung eines Impfstoffs braucht man bekanntlich den Erreger, gegen den er wirken soll. In diesem Fall einen, den es noch gar nicht gibt. Warum also nicht einen basteln und der Natur damit etwas nachhelfen?
Selbstverständlich würde der dagegen entwickelte Impfstoff dann zum weltweiten Milliardengeschäft. Insofern lässt sich zumindest nicht ausschliessen, dass gewisse Kreise bei derlei Experimenten durchaus Interesse an einem «Labor-Unfall» haben könnten. Eine einzige Unachtsamkeit, eine undichte Stelle würde genügen und die Katastrophe wäre perfekt.
Haarsträubende Experimente Ein Fantasieszenario? Nicht unbedingt.
Bereits im Frühjahr 2005 nämlich begannen die Amerikaner in der Tat mit derlei haarsträubenden Versuchen, wie die «Washington Times» am 24. März 2005 berichtete.
Konkret versuchten die U.S. Centers for Disease Control and Prevention die Wahrscheinlichkeit zu eruieren, dass das H5N1-Virus tatsächlich eine Ehe mit H3N2 eingeht – dem klassischen menschlichen Grippeerreger. Wie das gehen soll? Indem man die Genstränge der beiden Virus-Stämme innerhalb eines Hochsicherheitslabors künstlich miteinander zu verknüpfen sucht!
Bleibt nur zu hoffen, dass die Amis bei ihren Kreuzungsversuchen im Labor nicht pfuschen – ob wissentlich oder unwissentlich ist völlig egal. Sonst hätten die Weltuntergangspropheten mit ihrem düsteren Pandemie-Szenario am Ende gar doch noch Recht…
Bis dahin bleibt gültig, was die «Stuttgarter Zeitung» bereits am 31. Dezember 1997 (!) vermeldet hatte: «Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat vor einer Überschätzung der Gefahr der Vogelgrippe gewarnt. Der WHO-Experte David Heymann verwies in Genf auf herkömmliche Formen des Grippe-Virus, die wesentlich mehr Menschen töteten. Allein in den USA sterben nach Angaben von Heymann jedes Jahr 10’000 bis 40’000 vor allem ältere Menschen an Grippe.»
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