Wandelten In Amerika Vor Jahrmillionen Bereits Moderne Menschen? Sollten Sich Die Von Forschern In Mexico Freigelegten Fussspuren Als Echt Erweisen, MüSste Die Menschliche Geschichte Neu Geschrieben Werden. Denn Die Versteinerten AbdrüCke Sind Ketzerische 1,3 Millionen Alt.

Die Aufregung war gross: Im Juli 2005 unterrichtete die britische Geologin Silvia Gonzalez von der Liverpool John Moores University die Öffentlichkeit über eine geradezu sensationelle Entdeckung.

In der Nähe des zentralmexikanischen Cerro-Toluquilla-Vulkans hatten sie und ihr Team 2003 menschliche und tierische Fussabdrücke identifiziert, die im Gestein einer vulkanischen Aschenschicht erhalten geblieben waren. Das Alter der unter einer meterdicken Sedimentschicht begrabenen Spuren: 40’000 Jahre. Der Vulkan liegt südlich der Stadt Puebla, die sich wiederum 130 Kilometer südöstlich von Mexico City befindet.

Endlich schien definitiv beweisbar, dass der amerikanische Kontinent von Menschen nicht erst vor rund 11’500 Jahren via Sibirien nach Alaska über die Behringstrasse betreten wurde, wie heute immer noch gelehrt wird («Clovis-Modell»).

Zwar deuten mittlerweile zahlreiche Fundstellen darauf hin, dass Amerika bereits viel früher besiedelt worden sein dürfte. Doch noch immer wehrt sich die Mehrheit der Forscher gegen diesen Gedanken. Und nur an ganz wenigen Orten konnten bislang konkrete Spuren von Tieren und Menschen älteren Datums gefunden werden.

Höchste Zeit, umzudenken!

Die Konsequenzen ihrer Entdeckung sind für Silvia Gonzalez und ihre Mitentdecker Professor David Huddart (Liverpool John Moores University) und Professor Matthew Bennett (Bournemouth University) denn auch klar: Es sei höchste Zeit, sich Gedanken über neue Migrationsrouten zu machen, welche derartige Spuren erklären könnten. Und auch andere umstrittene archäologische Fundstätten gehörten endlich weiter erforscht – statt sie wie bislang einfach zu ignorieren.

Insgesamt 269 tierische und menschliche Spuren – darunter auch solche von Kindern – konnte Gonzalez’ Team im so genannten «Valsequillo Basin» in alter Vulkanasche bislang identifizieren. Zwischen 200’000 und 25’000 Jahren vor unserer Zeit befand sich dort ein grosser, seichter Vulkansee. Klimaschwankungen und die Eruption des Cerro Toluquilla liessen seinen Wasserspiegel steigen und fallen. Die Vulkanasche lagerte sich so vor allem an seinen Ufern ab und konservierte damit die Fussabdrücke, die sich später zu Stein verhärteten.

Das Valsequilla Basin sorgt bereits seit Jahrzehnten für Kontroversen. So wurden dort unter anderem menschliche Werkzeuge und tierische Knochen gefunden.

Datierungsversuche in den 60erund 70er-Jahren entfachten hitzige Diskussionen. Einige der Überreste konnten von Cynthia Irwin Williams etwa auf 9000 bis 35’000 Jahre eingegrenzt werden. Andere Steinwerkzeuge dagegen auf 200’000 bis 600’000 Jahre – etwa durch Virginia Steen-McIntyre. Besonders letztere Altersangaben liessen etablierten Vorzeitforschern die Haare zu Berge stehen: So etwas konnte schlicht sein!

Selbst Silvia Gonzalez zieht sie nach eigenen Datierungen zumindest in Zweifel – und spricht der Versteinerung ihrer Fussspuren ein Alter von 40'000 Jahre zu.

Dies nach Anwendung aller möglichen modernen Datierungstechniken.

Rund 60 Prozent der Abdrücke konnten aufgrund anatomischer Merkmale unzweifelhaft Menschen zugeordnet werden. Dazu zählten die Stellung der Grosszehe, tiefe Fersen-und Fussballenabdrücke sowie die Wölbung der Sohle.

Von der Grösse her bewegten sich ihre Verursacher im Bereich des Homo sapiens. Also des modernen Menschen, wie er erstmals vor rund 200’000 Jahren in Ostafrika auftrat. Etwas mehr als ein Drittel dieser Fussspuren wurde Kindern zugeschrieben – «ebenfalls aufgrund ihrer Grösse».

Bis 1,90 Meter gross «Nach Auswertung aller Daten schätzen wir, dass die ausgewachsenen Menschen zwischen 1,17 und 1,90 gross gewesen sein dürften», meint Gonzalez. Die restlichen Abdrücke stammten von Tieren wie Hunden, grossen Katzen und Paarhufern, also etwa Kamelen oder Hirschen.

So weit so gut. Zwar gab es bereits nach Gonzalez’ Veröffentlichung im Juli 2005 kritische Stimmen aus der Fachwelt. Schliesslich schienen ihre Funde das Clovis-Modell definitiv zu kippen. Dennoch lagen ihre Datierungsresultate aus Fachsicht zumindest noch irgendwo im Bereich des Möglichen.

Bereits Ende 2005 aber folgte dann der grosse Knall. Ihre Beweise für die Ankunft des ersten Menschen in Amerika seien falsch, konterte der amerikanische Geologe Paul Renne vom Berkeley Geochronolgy Center in der Fachzeitschrift «Nature».

Oder wie das Internet-Wissenschaftsportal von «Bild der Wissenschaft» am 2.

Dezember 2005 zusammenfasste: «Die Forscher um Renne datierten die Tufflagen, in denen die Abdrücke zu finden waren, mit Hilfe der Argon-Argon-Methode – und kamen zu dem Ergebnis, dass das Gestein zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Jahre alt ist.»

Darauf deute auch die Magnetisierung des Gesteins hin: «Es muss entstanden sein, als das Erdmagnetfeld anders herum gepolt war als heute. Die jüngste Umpolung ist etwa 790’000 Jahre her.»

Seine Datierungsmethode sei wesentlich zuverlässiger als die von Gonzalez angewandten Methoden. Insofern ist für Renne klar: Die Fussabdrücke können definitiv nicht nach der Ablagerung des Gesteins entstanden sein. Schliesslich wandelten vor 1,5 Millionen ja noch gar keine intelligente Menschen auf unserem Erdball. Die tauchten nach heutiger Lehrmeinung auf unserem Planeten erst vor mickrigen 200’000 Jahren auf.

Er denke sowieso nicht, dass die mexikanischen Spuren Fussabdrücke seien, schob der Amerikaner später auf Anfrage nach. «Das war mir sofort klar, als ich sie mir vor Ort angeschaut habe. Die meisten der Spuren dort sind definitiv modern…»

Den zumindest ebenso logischen Umkehrschluss wagt Renne bezeichnenderweise nicht. Denn der birgt Dynamit.

Sprich: Wenn der Amerikaner mit seiner Datierung richtig liegt – wie er sicher ist – und die Abdrücke tatsächlich von modernen Menschen stammen, liegt die Konsequenz eigentlich auf der Hand.

Im Minimum besteht in diesem Fall die «Menschenähnliche Wesen einer verschollenen Zivilisation?»

ernst zu nehmende Möglichkeit, dass vor weit über einer Million Jahren bereits moderne Menschen auf unserem Planeten wandelten. Nach gegenwärtiger wissenschaftlicher Erkenntnis eine «Unmöglichkeit». Also bliebe nur noch eine weitaus gewagtere Hypothese: Hinterliessen damals in Mexico womöglich menschenähnliche Wesen einer verschollenen Zivilisation – oder gar aus einer anderen Welt – ihre Spuren?

Soweit mag Gonzalez natürlich nicht gehen. Aber auch sie betont: «Selbst wenn wir tatsächlich falsch liegen sollten und die Xalnene-Asche tatsächlich 1,3 Millionen Jahre alt ist wie von Renne behauptet, ist das nicht zwingend ein Grund, unsere Interpretation der Abdrücke als Fussspuren prinzipiell abzuschmettern – nur weil das nicht in Übereinstimmung mit den etablierten Modellen über die Besiedelung Amerikas gebracht werden könnte.»

Auch Renne räumt auf Anfrage mittlerweile ein, dass es nach heutigem Forschungsstand eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten gibt: «Entweder handelt es sich nicht um Fussspuren. Oder aber sie gehören tatsächlich alten Hominiden – schockierend alten!»

Seltsamer Zufall: Just zur gleichen Zeit berichteten auch Forscher aus Australien über versteinerte Fussabdrücke. 457 Spuren aus der Eiszeit haben sie im Lehmboden des Mungo-Nationalpark bisher freigelegt.Von den Ausmassen her sei dies die weltweit grösste Fundstelle überhaupt, freut sich der Forscher Steve Webb von der Bond University in Queensland.

Dazu der Umweltminister von New South Wales, Bob Debus, gegenüber dem Rundfunksender ABC: «Wir sehen, wie Kinder zwischen den Beinen ihrer Eltern laufen. Die Kinderspuren schlängeln sich zwischen den Spuren der Erwachsenen hindurch, die geradeaus gehen.»

Seine Spuren hinterliess damals offenbar auch ein Riese – zumindest nach damals herrschenden Grössenverhältnissen. Der Mann muss rund 1,94 Meter gross gewesen sein, schätzen die Forscher, und er hätte sich im Höllentempo bewegt – nämlich mit gut und gerne 30 Kilometern pro Stunde!

Zum Glück für die Forscher sind die australischen Homo-Sapiens-Abdrücke den bisherigen Erkenntnissen zufolge «lediglich» 19’000 bis 23’000 Jahren alt – passen also perfekt in unser heutiges Geschichtsbild. Hätten die Datierungscomputer – wie im Fall der mexikanischen Funde – ein Alter von 1,3 Millionen Jahre ausgespuckt, hätte sie die Fachwelt wohl ebenfalls in Bausch und Bogen als Fälschungen verworfen.

Riesen-Skorpion Dass unsere Vergangenheit tatsächlich noch für weitere Überraschungen gut sein dürfte, dokumentiert zudem noch ein dritter Fund, der gegenwärtig für Schlagzeilen sorgt. Und an moderne Fantasy-Szenarien erinnert, wie sie uns Hollywood gerne vorgaukelt.

So gaben Martin Whyte von der Universität Sheffield in der Fachzeitschrift «Nature» Ende 2005 die Entdeckung der ältesten Spuren überhaupt bekannt – in Schottland.

Sagenhafte 330 Millionen Jahre seien die konservierten Abdrücke alt – und sie stammen von einem Skorpion. Keinem gewöhnlichen, sondern vielmehr von einem regelrechten Monster: Der mannshohe sechsbeinige Ur-Krebs muss den Abdrücken zufolge 1,6 Meter lang und einen Meter breit gewesen sein!

red. ■