«Sternentor»: Observatorium Der Inka?

Offizielle Experten-Statements dazu suchte man weltweit bislang vergeblich: Mehr denn je ranken sich um die «Puerta de Hayu Marca» in Peru allerlei Legenden. Benutzten sie Inka-Priester einst als Tor zu einer anderen Welt? Fachleute, die «mysteries» kontaktierte, räumen nun erstmals ein, dass das «Felsentor» im Minimum aus der Inkazeit stammen dürfte – und einst gar astronomischen Zwecken gedient haben könnte. Ende 2004 entdeckte ein Deutscher vor Ort zudem weitere Kuriositäten…

von Luc Bürgin «Ich hatte da oben echt ne Gänsehaut.

Zudem war es totenstill…» Rainer Rauer kann es immer noch nicht so recht fassen. Fast eine Stunde verbrachte der Deutsche hoch oben auf der «Puerta de Hayu Marca», wie Einheimische das mysteriöse «Felsentor» nennen.

Extra zu diesem Zweck war Rauer Ende 2004 nach Südamerika gereist. Auf der Suche nach einem der derzeit geheimnisvollsten Monumente Perus – um das sich zahlreiche kuriose Legenden und Erzählungen ranken.

Die rätselhafte monolithische Struktur erhebt sich etwa 70 Kilometer südlich von Puno an der Grenze zwischen den Distrikten Ilave und Juli, in einer Flur, die Santiago Chambilla heisst.

Das Monument ist 16 Meter lang und 6,5 Meter hoch. Ein «Kraftplatz» behaupten die einen, ein vergessenes «Sternentor» munkeln andere. Ein «Kultort» mutmassen Dritte.

Geheimtipp für Touristen Noch wird das imposante «Felsentor» unter der Hand jedenfalls als Geheimtipp gehandelt. Obwohl für jeden unübersehbar, ist die «Puerta» nämlich in keinem offiziellen Reiseführer verzeichnet. Kaum einem Archäologen ist sie denn auch näher bekannt.

«Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass mir dieser archäologische Komplex nicht bekannt ist», räumte etwa Dr. Gregor Wolff vom Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin auf Anfrage ein. «Ebenso konnte ich bei einer Recherche in unseren Katalogen keine Literatur dazu ausfindig machen.» Auch der bekannte Südame- «Puerta de Hayu Marcu» in Peru. Welches Geheimnis birgt das Monument? (Copyright aller Fotos: Rainer Rauer) rika-Spezialist Markus Reindel von der Universität Bonn musste auf Anfrage passen.

Selbst für Professor Peter Kaulicke von der Universidad Catolica Peru war es «ziemlich schwierig, etwas über die Fundstelle in Erfahrung zu bringen», wie er nach längerer Recherche gegenüber «mysteries» zu berichten wusste. «Sie ist Einheimischen als Bebedero bekannt. Was den Eingang angeht, kann er inkaoder tiwanakuzeitlich sein, Scherben beider Stile finden sich am Ort.»

Und Rita Lentner vom renommierten Smithsonian Institute in Washington ergänzt: «Das Bauwerk ist tatsächlich wenig erforscht. Es gibt keine wissenschaftliche oder archäologischen Untersuchungen. Ramiro Matos, der bekannte peruanische Archäologe, meint, dass das Gebilde eine architektonische Transition darstellt zwischen Tiwanaku und Inka.»

Wahrscheinlich handle es sich um einen sakralen Ort, «denn als er den Platz besichtigte, stellte er fest, dass sich dort weder Siedlungsruinen, Keramikreste noch Müll oder dergleichen befinden.»

Ähnliches vermutet auch Peter Masson vom Iberoamerikanischen Institut in Berlin, da es sich um einen skulptierten Felsen «Wahrscheinlich handelt es sich um einen sakralen Ort.»

und kein eigentliches Bauwerk handle, wie er gegenüber «mysteries» ausführt: «Skulptierte Felsen sind im mittleren Andenraum gar nicht selten. Man denke an Sayhuite im Raum Apurimac, Peru, an den Kenqo bei Cusco, an den skulptierten Felsrücken von Samaipata in Bolivien oder den so genannten Inka-Thron auf dem Saqsaywaman oberhalb von Cusco.»

Die Bezüge seien fast immer religiös – oder auf eine religiös überhöhte politische Macht bezogen.

«Nach den Abbildungen könnte das Objekt inkaisch sein, aber durchaus auch älter. Einige der Riefen und diagonalen Schnitte sind möglicherweise natürlichen Ursprungs, andere dagegen höchstwahrscheinlich von Menschenhand gemacht.

Auch das wäre typisch inkaisch: das Vorhandene, sozusagen versteinert Naturwüchsige, als göttliche Manifestation aufnehmen und weiter ausgestalten.»

Die beiden tiefen vertikalen Rinnen ebenso wie die diagonalen Riefen und die im selben Winkel ansteigende Felsformation lassen es nach Meinung von Masson möglich erscheinen, dass sie «zur Peilung» benutzt worden sein könnten: «Damit könnte in den Bereich der Möglichkeit rücken, dass man dieses Objekt unter archäoastronomischen Gesichtspunkten betrachten könnte. Aber wohlgemerkt: nicht nach den Gesichtspunkten unserer westlichen modernen Astronomie Stufen im Stein. Diese Gebilde findet man in unmittelbarer Nähe der «Puerta».

Fantastische Szenerie. Imposante Felsstrukturen prägen das Landschaftsbild.

und ebenso nicht nach denen der babylonischen und antik-okzidentalen Astronomie und Astrologie, sondern nach denen der alt-andinen!»

Was die Nische unten in der Mitte betrifft, mag er indes ebenfalls nur spekulieren: «Aufstellungsort für ein sakrales Objekt? Ritual-Sitz für einen politisch-religiös Mächtigen?»

Dass wir von dem eindrücklichen «Tor» überhaupt wissen, ist vor allem dem Journalisten Paul Damon zuzuschreiben. Nach eingehenden Recherchen verfasste er 1996 einen Bericht für die britische «Truth Seekers International Review», der internationale Beachtung fand. Darin weist er auf den lokalen Touristenführer Jose Luis Delgado Mamani hin, der das «Tor» entdeckt haben will.

«Als ich die Struktur zum ersten Mal sah, konnte ich es nicht fassen», berichtete Mamani gegenüber lokalen Journalisten. «Ich träumte im Laufe der Jahre immer wieder von einer derartigen Struktur. Doch in meinen Träumen war der Weg zum Tor mit rosarotem Marmor gepflastert. Statuen säumten beide Seiten des Pfads.»

In seinem Traum war die kleine Einlassung in der Mitte geöffnet: «Ein helles blaues Licht ergoss sich daraus und gab den Blick auf eine Art Tunnel frei. Ich habe mich mit meiner Familie immer und immer wieder über diesen Traum unterhalten, und als ich das Tor schlussendlich fand, empfand ich es wie eine göttliche Offenbarung…» Wie vom Erdboden verschluckt Mamanis Vision kam nicht von ungefähr: Tatsächlich ranken sich um die «Puerta de Hayu Marca», aber auch um ihre Umgebung, zahlreiche lokale Überlieferungen und Legenden, wie Paul Damon herausfand.

Eine davon handelt von der Zeit, als die spanischen Conquistadores Peru eroberten und den Indios ihr Gold abspenstig machten. Einem Inkapriester namens Aramu Muru vom «Tempel der sieben Strahlen» des sagenumwobenen Kontinents Mu sei damals die Flucht geglückt, erzählen sich die Einheimischen.

Vor dem Portal habe er eine goldene Sonnenscheibe gezückt – der «Schlüssel zu den Göttern der sieben Strahlen» – und damit flugs das Tor «geöffnet». Die Scheibe drückte er seinen verdutzten Leidensgenossen in die Hand und verschwand durch die mysteriöse Öffnung auf Nimmerwiedersehen.

Derlei Erzählungen scheinen eng verknüpft mit dem Buch «Secrets of the Andes» des Amerikaners George Hunt Williamson, das dieser 1961 unter dem Pseudonym «Bruder Philip» veröffentlicht hatte. «Lord Muru», so berichtet er darin, soll nach dem Untergang des pazifischen Kontinents Mu in grauer Vorzeit in die Anden an den Titicacasse geflüchtet sein, wo er später das geheime Kloster der «Bruderschaft der Sieben Strahlen» begründete.

Alle Geheimnisse seiner Abkunft sollen dort bis auf den heutigen Tag verborgen liegen – ebenso wie die «Goldene Sonnenscheibe von Mu».

Williamson will diese Informationen aus erster Hand erhalten haben. Kritiker warfen ihm indes später vor, für seinen Bericht reichlich aus anderen Quellen geschöpft zu haben. So umstritten sein Buch denn auch ist, faszinierend liest es sich allemal.

Auch Rainer Rauer liessen derlei Erzählungen keine Ruhe, als er das «Felsentor» Ende 2004 in Augenschein nahm.

Trotz der dünnen Luft liess er es sich nicht nehmen, bis auf die Spitze zu klettern.

Selbst die Umgebung suchte er mit Adleraugen ab.

Die Nische unten am Tor. Wurde hier einst ein sakraler Gegenstand verwahrt?

Dabei machte er mehrere Entdeckungen, die bislang noch nirgends dokumentiert sind. So befinden sich gegenüber der Struktur die Reste einer Mauer, ebenso wie eine künstlich bearbeitete «Wand». Wenige Fahrminuten von der «Puerta» entfernt, stiess der Deutsche zudem auf eine weitere kuriose Struktur, die er instinktiv mit dem Felsentor in Verbindung brachte: einen Felshügel mit eingehauenen Stufen.

Weiter war da eine auf einer Steinfläche abgebildete Schlange, die Rauer beim Wegfahren für einige Sekunden wahrnahm. «Heute ärgert es mich, dass ich mir die Zeit nicht genommen habe, sie Blick auf die eindrückliche Umgebung. Das «Sternentor» befindet sich unmittelbar hinter dem rechten weissen Mast.

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Unsere Mediadaten finden Sie unter: www.mysteries-magazin.com näher in Augenschein zu nehmen», meint er leicht zerknirscht. «Aber ich war noch derart benommen von meinen Eindrücken, dass es mir einfach zu viel war.»

Und dann ist da noch die Geschichte mit dem «grünen» Stein, die der Deutsche fast etwas verlegen erzählt: «Als Erinnerung hob ich bei der Struktur einen grün schimmernden Stein vom Boden auf, der mir ob seiner Farbe sofort ins Auge gestochen war. Doch als ich ihn später meinen Kollegen im Bus zeigte, schauten die mich nur schief an. Kein Wunder, denn der Stein war plötzlich schwarz…»

Sagt es und legt das merkwürdige Stück wie zum Beweis vor sich auf den Tisch.

Längst zieht es ihn denn auch wieder zurück. «Ich werde das ‹Sternentor› mit Sicherheit ein weiteres Mal in Augenschein nehmen», erzählt er, während seine Hände mit dem Stein spielen. «Und dann werde ich bestimmt auch die Schlange wieder finden…»

Ganz so einfach scheint dies indes nicht: Kurz vor Redaktionsschluss kehrte Tatjana Ingold aus der Schweiz aus Südamerika zurück.Auf Anregung von Rainer Rauer wollte die leidenschaftliche Weltenbummlerin das «Sternentor» ebenfalls aufsuchen – in der Hoffnung, die mysteriöse Schlange erstmals fotografieren zu können…

Kreislauf-Zusammenbruch Doch es sollte nicht dazu kommen: Gerade mal 30 Meter vor dem Gebilde brach sie bei widrigsten Wetterbedingungen mit Kreislaufbeschwerden unerwartet zusammen.

Tatjana Ingold: «Kurz nach dem Tor hatte der Reiseleiter noch irgendetwas von einer grossen Schlange im Fels erklärt – aber da war ich leider schon so krank, dass ich nicht mal mehr aus dem Fenster geschaut habe, geschweige denn fotografieren konnte.»

Reines Pech? Oder herrschen bei der «Puerta» tatsächlich unheimliche Kräfte? Ganz so leicht scheint sich das mysteriöse Monument sein Geheimnis jedenfalls nicht entlocken zu lassen.

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Ein schwarz-weißes Foto einer Felsformation.
Ein schwarz-weißes Foto von Menschen, die in der Wüste spazieren.
Ein schwarz-weißes Foto einer Bergkette.
Ein schwarz-weißes Foto einer Felswand.
Ein schwarz-weißes Foto eines Berges mit einem Dorf unten.
Ein Plakat mit schwarzem Hintergrund und weißem Text.
ein Plakat mit einer Brücke darauf